Autorisierte Übertragung aus den TidBITS#308/18-Dec-95.
Die Originalausgabe finden Sie unter: http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-308.html
Copyright 1990-1995 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
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Copyright 1995 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
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Support-Studie der Gartner Group Online -- In den TidBITS-299_ haben wir über eine Studie der Gartner Group berichtet, nach der die Supportkosten für Macs niedriger sind als für Windows-Maschinen. Apple hat eine gebührenfreie Nummer zur Anforderung von Exemplaren der Studie eingerichtet; für Leser außerhalb der U.S.A. ist aber die Zusammenfassung der Studie im World Wide Web von größerem Interesse. Zwar hat Apple einige Details speziell hervorgehoben, aber die Webseite liefert doch brauchbares Material für die fortdauernde Debatte "Mac gegen Windows". [GD]
http://www2.apple.com/whymac/ggstudy.html
Symantec kündigt Java Tools an -- Um nicht in der allgemeinen Aufregung um Java zu kurz zu kommen, hat Symantec letzte Woche die Übernahme einer Lizenz für diese Technologie von Sun Microsystems bekanntgegeben und eine Java-Entwicklungsumgebung für Windows namens Espresso herausgebracht. Eine Power-Mac-Version für Symantec C++ 8.0 wird Anfang 1996 erwartet. [GD]
http://www.symantec.com/lit/dev/javaindex.html
Es ist nicht alles Gold was glitzert -- In letzte Zeit gab es zahlreiche Berichte über Bildschirmflimmern und Farbabweichungen bei Performas und LCs der Serie 5200 - besonders ärgerlich, weil der eingebaute Monitor nicht separat zum Service gegeben werden kann. Es kommen unter anderem Schwankungen zwischen Farbtönen vor, die von Sekundenbruchteilen bis zu mehreren Minuten dauern können. Das Problem scheint im Analogboard der Baureihe 5200 seine Ursache zu haben und bei früher produzierten Geräten häufiger zu sein, was von Apple allerdings nicht bestätigt wird. Benutzer mit derartigen Störungen sollten ihren Händler kontaktieren. [GD]
Mehr Sicherheit für Web Server -- StarNine hat kürzlich den WebSTAR SSL Security Toolkit (1.295 US$) publiziert, der WebSTAR/SSL enthält. Diese Version von WebSTAR setzt das Protokoll SSL (Secure Socket Layer) ein, das von Netscape Communications und RSA Technologies als offener Standard entwickelt wurde. SSL stellt einen sicheren Übertragungskanal bereit, der das Abhören von Webverbindungen verhindert, ermöglicht die Überprüfung des Servers, auf dem die Webseite liegt, und die Kontrolle der Datenintegrität bis zum Eintreffen beim Empfänger. Die Sicherheitsmerkmale der WebSTAR/SSL-Software können allerdings nur mit einem Browser benutzt werden, der das SSL-Protokoll versteht, wie etwa der Netscape Navigator. [ACE]
http://www.starnine.com/webstarssl/webstarssl.html
Zum Tango zu zweit -- Entwickler von WWW-Seiten könnten an Tango, einem neuen Produkt von EveryWare Development, interessiert sein. Tango ermöglicht es Web-Serversoftware auf dem Mac, mit der relationalen Datenbank Butler SQL von EveryWare zu kommunizieren. Der interessanteste Aspekt von Tango ist, daß das Produkt ein Common Gateway Interface (CGI) zur Zusammenarbeit mit dem Web-Server mit einem graphischen Editor kombiniert. Dieser Editor gestattet es den Web-Administratoren, Webseiten schnell und ohne Verwendung von SQL- oder HTML-Code zu erzeugen. Tango 1.0 wird mit Butler SQL geliefert und arbeitet ausschließlich damit. Die Open Database Connectivity (ODBC) unterstützende Version von Tango, für Januar 1996 erwartet, wird auch Verbindungen zu Datenbanken wie Oracle, Sybase, Informix und FoxPro auf den Plattformen Mac, Windows und Unix zulassen. Die CGI-Umgebung arbeitet mit Threads und ist an den PowerPC angepaßt. Butler SQL mit Tango ist ab 495 US$ (Lizenz für zwei Benutzer) erhältlich. -- [ACE]
http://www.everyware.com/Special/DealBits.html
PPP: Anmerkungen und Updates -- Travis Butler <tbutler@tfs.net> hat eine Zusammenfassung der Reaktionen auf seinen zweiteiligen Beitrag zu PPP, der ab TidBITS-306_ erschienen ist, übermittelt:
Viele Kommentare bezogen sich auf das nicht mehr aktuelle MacPPP 2.2.0a; es soll mit OpenTransport 1.0.8 und auf neueren PowerBooks als meinem 170 laufen. Auch eine Version MacPPP 2.2.1 wurde erwähnt, die vermutlich auf Servern in Europa verfügbar ist [ich konnte sie aber weder auf Info-Mac- noch auf Umich-Sites finden --WJF]. Lieven Embrechts, der Ansprechpartner für 2.2.0a, nennt MacPPP 2.2.1 eine Piratenversion, die nicht von MacBel stammt und aus dem Netz entfernt werden sollte.
Die Kommentare zu FreePPP erinnern daran, daß FreePPP Color QuickDraw erfordert und auf Plus, SE, Classic und PowerBook 100 nicht läuft. FreePPP 1.0.4 ist seit dieser Woche verfügbar und behebt den Fehler, der in 1.0.3 enthalten war. Es ist geplant, die nächste größere Revision von FreePPP auf Wunsch von Apple mit der Versionsnummer 2.5 zu versehen. Dadurch soll die Verwirrung durch die, verglichen mit allen anderen Varianten von PPP, niedrigeren Versionsnummern von FreePPP beseitigt werden. FreePPP 2.5 soll einige Fehlerkorrekturen von Apple enthalten (das Wählmodul des Apple Internet Connection Kits baut auf FreePPP auf). Frühere Versionen von FreePPP hatten Probleme mit CyberFinder 2.0 (Demo), die aber schon seit FreePPP 1.0.2 behoben sind. [ACE]
Online Shopping
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
Das Einkaufen hat sich im letzten Jahr geändert - viele Anbieter sind mittlerweile im World Wide Web vertreten. Im Jahre 1993 wurden die Umsätze über Internet auf insgesamt 100.000 US$ geschätzt; für 1995 könnte diese Zahl 70.000.000 US$ betragen und die erwarteten Umsätze für 1996 liegen über 500 Millionen US$. Meiner Meinung nach gibt es inzwischen drei Wege, Einkäufe zu tätigen (die hirnlose Variante des Impulskaufes via TV nicht mitgerechnet): Das herkömmliche Ladengeschäft ist nicht zu übertreffen, wenn jemand noch keine genauen Vorstellungen hat und sich selbst vom Angebot einen Überblick verschaffen will. Versandkataloge verhelfen auch zu diesem Überblick, ersparen es Ihnen aber, mit Horden anderer Kunden um den letzte Parkplatz vor dem Einkaufszentrum zu kämpfen.
In diesem Jahr gibt es erstmals Firmen, die "Datenbank-Shopping" in seiner besten Form anbieten. Wenn Sie genau wissen, welchen Artikel Sie wollen - beispielsweise eine CD oder ein Buch -, ist es oft am einfachsten, ihn per Suchfunktion zu finden und gleich über das Web zu bestellen. Für einen Überblick finde ich Web-Shopping weniger geeignet - ich muß mich aktiv dorthin begeben und werde dort auch leicht abgelenkt. Andererseits erfordert Online-Shopping wenig Zeit und die Zustellung erfolgt in der Regel sehr rasch.
Im abgelaufenen Jahr habe ich keine Musik-CDs bestellt; ich hätte aber in diesem Fall sicher in Yahoo unter "shopping" nachgesehen, um einen CD-Anbieter zu finden. Versuchen Sie es selbst - Sie können sicher einige der Titel auf Ihrer Liste finden.
Um die unvermeidlichen Kommentare dazu gleich vorwegzunehmen: Kreditkartenbetrug bereitet mir im speziellen Zusammenhang mit dem Internet nicht mehr Sorgen als in anderen Situationen. Vielleicht sehen Sie das anders, aber ich habe noch nie von einem dokumentierten Fall gehört, daß eine Kreditkartennummer während einer Online-Transaktion gestohlen worden wäre. Meine Kreditkartennummer ist in größerer Gefahr, wenn etwa ein Kellner in einem restaurant für einige Minuten die Karte mitnimmt. Letztlich müssen Sie selbst einschätzen, wie sehr es Ihnen Unbehagen bereitet, Ihre Kreditkartennummer in einem Formular im Web einzutragen und sich danach verhalten.
Retro Software: Aus alt mach neu
von Jason Snell, Associate Editor, MacUser <jsnell@macuser.com>
Nie hätte ich gedacht, daß die schlechte Grafik und die ruckartige Animation der Videospiele für den Atari 2600 jemals nostalgische Gefühle in mir hervorrufen könnten, die in meiner Kindheit erstmals unter dem Weihnachtsbaum lagen; ebenso wenig wie ich im Zeitalter des 24-bit-Sounds und der dreidimensionalen Grafik mich vorstellen hätte können, wie ich ein Videospiel mit Münzeinwurf spiele, das aus den frühen Jahren der Präsidentschaft Reagans stammt.
Nur - jetzt, gegen Ende des Jahres 1995, geschieht mir genau das. Die Zeit der Nostalgiesoftware ist angebrochen; das Verlangen nach Programmen, die noch in den besten Zeiten der Cosby Show geschrieben worden sind, kann jetzt erfüllt werden.
Die Entwickler von Nostalgie-Software wenden im wesentlichen drei Methoden an: sie schreiben die Software für eine neue Plattform um, (wobei das Erscheinungsbild des Originals in allen Details beibehalten wird), sie entwerfen einen Software-Emulator, der das Original auf der neuen Plattform laufen läßt oder sie programmieren eine "Hommage" an das klassische Spiel, die aber neue Grafik oder Features enthält.
Der "originalgetreue" Ansatz -- Die schlechteste Nostalgie-Software stellen die Programme dar, die neu geschrieben wurden, damit sie dann genau wie das Original aussehen - allen voran Microsoft Arcade, ein Paket mit klassischen Atari-Konsolspielen wie Asteroids, Centipede und Space Invaders. Zugegeben, die Spiele sehen gleich aus wie die Vorbilder aus den 80er-Jahren; bedauerlicherweise weisen sie aber zugleich ein ähnliches Volumen und die selbe Trägheit auf wie die Microsoft-Applikationen der 90er-Jahre. Warum sollte jemand eine derart erbärmliche Variante von Battlezone spielen wollen anstatt Spectre von Velocity Development (im wesentlichen eine weiterentwickelte Version desselben Spiels, freilich viel schneller und mit besserer Grafik)?
Die Wiederkehr einer Epoche -- Eine raffinierte Methode, die Entwicklungszeit zu reduzieren und das nostalgische Verhalten zu bewahren, ist die Entwicklung von Software zur Emulation der ursprünglichen Hardwareplattform. Diesen Weg geht mein Lieblingspaket unter den Nostalgiespielen, die Neuauflagen der Williams-Arcade-Klassiker Defender, Joust und Robotron. Diese Spiele, diesmal von Digital Eclipse vertrieben, verwenden den Originalcode mit einem Emulator für die Mac-Hardware. Sie laufen nicht nur schnell, sondern auch alle Strategien und Tricks aus den alten Zeiten sind möglich. Eine CD-ROM-Version dieses Pakets mit drei weiteren Williams-Titeln wird Anfang 1996 verfügbar sein.
Der Emulator von Digital Eclipse mag der eindrucksvollste sein - er ist aber nicht der einzige am Markt. Activision hat zwei Sammlungen alter Spiele für den Atari 2600 herausgebracht; zwei weitere sind in Vorbereitung. Es ist schön, die alten Activision-Gäle zu reiten - der Emulator ist weder so schnell noch so stabil wie er sein sollte. Activision gräbt auch klassische Text-Adventures wieder aus - nach Themen gegliederte Pakete mit Spielen wie Starcross, Deadline und The Hitchhikers' Guide to the Galaxy.
Für die Emulation älterer Hardware gibt es alle möglichen Produkte. Mein persönlicher Favorit ist Stop The Madness von Kevin Lund und Jim Nitchals, ein Emulator für den Apple II+. Er bildet die Hardware in allen Funktionen nach; leider gibt es aus Copyright-Gründen nur wenig Software. Wenn Sie einen Apple II haben, können Sie per seriellem Kabel und entsprechender Software Ihre Disketten auf den Mac überspielen. Wenn Sie es allerdings wie ich gemacht haben und Ihren Apple IIe zugunsten eines prächtigen neuen Mac SE verkauft haben, wird Software schwer aufzutreiben sein. Stop the Madness und dazugehörige Software finden Sie unter folgendem FTP-URL:
ftp://cassandra.ucr.edu/pub/apple2/
Wegen der Geschwindigkeit und der hervorragenden Kompatibilität von Stop the Madness wäre es schade, wenn uns diese Software verlorenginge. Warum sollte nicht eine nostalgiebewußte Firma eine Lizenz für Stop the Madness erwerben und den Mac-Besitzern einige der lang verschollenen Spiele aus der Zeit des Apple II zugänglich machen? Vielleicht kann der Klassiker Ultima III von Origin Systems als Beispiel dienen, der von Leon McNeill in einer Shareware-Version zu neuem Leben erweckt worden ist. McNeill hat mit der Genehmigung des ursprünglichen Autors, Richard Garriott, von Origin Systems eine Lizenz zum legalen Vertrieb erhalten.
ftp://mirrors.aol.com/pub/info-mac/game/adv/ultima3-12.hqx
Schmeichelei in ihrer offensten Form -- Wenn die Entwickler von Spielen sich nicht mit der Lizenzierung von jahrzehntealter Software von Firmen herumschlagen wollen, die vielleicht gar nicht mehr existieren, können sie immer ein Spiel neu programmieren, das als "Hommage" an das Original dargestellt wird. Es gibt hervorragende Remakes von alten Spielen mit hoher Geschwindigkeit und moderner Grafik, darunter Maelstrom (Asteroids), Apeiron (Centipede), Glypha (Joust) und zahllose andere.
ftp://mirrors.aol.com/pub/info-mac/game/arc/maelstrom-142.hqx
ftp://mirrors.aol.com/pub/info-mac/game/arc/apeiron-102.hqx
ftp://mirrors.aol.com/pub/info-mac/game/arc/glypha-III-101.hqx
In letzter Zeit wurde viel darüber geklagt, daß Bürosoftware langsam und voluminös geworden ist. Wir sind gezwungen, Textverarbeitungsprogramme zu kaufen, die auf einem Dutzend Disketten geliefert werden, obwohl uns ein Programm auf einer Floppy die selben Dienste leisten würde. Dasselbe kann vielleicht für Spiele gesagt werden. Zugegeben, es macht Spaß, auf einem Power Mac mit Stereo-Lautsprechern Marathon 2 zu spielen, aber ist es um so vieles unterhaltender als Spiele wie Joust, Defender oder Space Invaders?
Ich glaube nicht.
Activision -- 310/479-5644 -- <support@activision.com>
Digital Eclipse -- 510/450-1740 -- <declipse@aol.com>
Microsoft Corporation -- 206/882-8080
Velocity Development -- 415/776-8000
Das kurze Leben der Online-Dienste in Europa
von Richard Erickson <erickso@world-net.sct.fr>
-- Zu Beginn des Jahres 1995 gab es einen Online-Dienst, der in ganz Europa
tätig war: CompuServe. Inzwischen wurden drei neue Online-Dienste
angekündigt - zum Ende des Jahres gab es aber nur zwei, CompuServe
und America Online. Möglicherweise könnte auch Europe Online aus dem
Dunst auftauchen.
Problem mit der Sprachenvielfalt -- Im Frühjahr überstürzten sich Europe Online, eWorld und das Elefantenpaar Bertelsmann/AOL mit Ankündigungen ihrer Online-Pläne an die Presse. Die großen europäischen Medienkonzerne, die ihre Finger bereits tief im Geschäft mit Fernsehen, Kabel-TV, Satelliten und digitalen Publikationen stecken haben, schienen bereit zu sein, mit irgendwem abzuschließen, nur um noch vor Jahresende 1995 online gehen zu können. Dieser Wirbel war etwas voreilig, wie sich zeigt.
In Nordamerika hat sich nach Jahrzehnten der überregionalen Fernsehnetzwerke nördlich des Rio Grande eine homogene Sprache herausgebildet. Englisch wird üblicherweise trotz der unglaublichen ethnischen Vielfalt als sprachlicher Standard akzeptiert. Bis jetzt stellt dieser Teil von Nordamerika den status quo für das gesamte Internet dar, in dem ausschließlich der englischen Sprache mehr als nur symbolische Bedeutung zukommt.
Ganz anders die Situation in Europa: Trotz einer langwierigen Entwicklung hin zu einer Einigung bleibt dieser Kontinent eine Ansammlung von handtuchgroßen Ländern mit mehr als einem Dutzend Sprachen, die nur wenig gemeinsam haben. Es trifft auch nicht zu, daß überall Englisch als die Zweitsprache schlechthin anzutreffen sei - während des Kalten Krieges hat 47 Jahre lang beinahe die Hälfte der Europäer Russisch als zweite Sprache gelernt. Die europäischen Sprachen haben geringen Respekt vor den Grenzen auf einer Landkarte [fast überall gibt es anderssprachige Minderheiten --WJF]; das stellt für Online-Dienste eine alptraumhafte Situation dar.
Im Laufe des Jahres 1995 haben Hachette, Burda, Pearson, Springer, Bertelsmann, ihre Banken und Versicherungen, ihre Partner (wie AT&T, Sprint, France Telecom, Deutsche Telekom und RTL-TV) und ihre Tanten, Onkel und Vettern zahlreiche Allianzen gebildet und wieder aufgelöst, Beteiligungen erworben und abgestoßen und die Vervielfältigungsmaschinen für Presseaussendungen auf Hochtouren laufen lassen. Währenddessen verwendeten die Benutzer - die potentiellen Abonnenten - freie Software und beliebige Internet-Provider. Die Zeitungen brachten kleine Ankündigungen der großen Online-Dienste und richteten redaktionelle Internet-Kolumnen ein.
Wie kann es dazu kommen, daß all die vielsprachigen Europäer, die laut Marktstudien Online-Dienste in ihrer jeweiligen Sprache haben wollen, eine Menge Geld bezahlen - für einen Dienst, dessen vorherrschende Sprache Englisch ist?
Droht eine Überlastung des Internet? Sollten diese Online-Dienste jemals die Europäer in großer Zahl mit dem Internet verbinden, wird dieses mit noch mehr Benutzern konfrontiert sein; schon jetzt scheint es ein wenig überlastet zu sein. Dazu habe ich Dr. Christian Huitema, der bis vor kurzem Präsident des Internet Architecture Board (IAB) war, einige Fragen gestellt.
Ric: "Welche Position nimmt das IAB angesichts dieser Entwicklung ein?"
Dr. Huitema: "Die wesentlichste Maßnahme ist die Entwicklung der neuen Version des Internet-Protokolls, IPv6, die das Ansprechen und Routen in einem sehr großen Adreßraum von einer Million Milliarden (!) Computer ermöglicht. IPv6 ist schon veröffentlicht, Prototypen sind verfügbar; wir werden das Internet in den kommenden zwei Jahren umstellen.
Andere interessante Maßnahmen sind die Entwicklung geeigneter Standards für verbesserte Sicherheit - bei IP und Mail -, Multimedia-Mail und Echtzeit-Übertragungs-Protokolle."
Ich wollte wissen, ob das IAB von den kommerziellen Online-Betreibern erwarte, daß diese für ihre Benutzung des öffentlichen Internnet etwas zurückfließen lassen. Eine naive Frage, die aber eine gute Antwort zur Folge hatte:
Dr. Huitema: "Das IAB befaßt sich mit Technologie und Standards, nicht mit dem laufenden Betrieb. Die Online-Dienste werden sicher Druck von der Öffentlichkeit zu spüren bekommen. Derzeit bieten die Online-Dienste ihren Kunden zwar Zugang zum Internet an, stellen aber ihre eigenen Ressourcen, z.B. Publikationen und Foren, kaum je dem Internet zur Verfügung. Das führt zu einer einseitigen Beziehung, die in der Öffentlichkeit schlecht ankommt. Es gibt schon Hinweise auf Vergeltung auf Internetseite: einige Anbieter von allgemein verfügbarer Information, wie Universitäten, benachteiligen die Kunden der Online-Dienste aus diesem Grund, indem sie ihre Anfragen nicht oder nur mit niedrigerer Priorität abwickeln."
Im Laufe des Jahres 1995 kündigten zwei der Neulinge den Internet-Zugang in beiden Richtungen an. Später dann ließen sie dieses Vorhaben wegen angeblicher technischer Änderungen im Netz wieder fallen. Eine französische Fassung von eWorld, auf der Apple Expo '95 in Paris groß verlautbart, hat sich in Luft aufgelöst. Europe Online, in Luxemburg zu Hause und mit engen Verbindungen zu europäischen Medienkonzernen, könnte der Gigantenpaarung Bertelsmann/AOL zwar etwas entgegensetzen, hat aber den Betrieb bis dato noch nicht aufgenommen.
Die Großen schwenken um -- Kurz gesagt: die Großen haben ihre Linie geändert und entweder eine Denkpause eingelegt oder sich Bertelsmann/AOL angeschlossen - nunmehr bekannt als AOL Europa (wie in einem Bericht zu sehen) oder schlicht als AOL (wie von einem Sprecher von AOL bestätigt). AOL nahm am 28. November 95 in Deutschland den Betrieb auf; der offizielle Start für Europe Online sollte am 15. Dezember sein. Der Webserver von Europe Online ist schon erreichbar, obwohl etliche Links nicht funktionieren und die Seiten nicht erklären, wie jemand zu einem Anschluß kommen kann.
Vielleicht werden wir im Laufe des Jahres 1996 mehr Online-Anbieter haben, die auch größere Gebiete in Europa versorgen. Wenn das kommerzielle Potential des europäischen Marktes dazu führt, daß sie ein spezifisch europäisches Angebot auf ihren Servern bereithalten, könnte das zusammen mit dem Konzept, alle Netzdienste über ein einziges Softwarepaket zugänglich zu machen, und einem ausgebauten Hotline-System den Einstieg für viele Neulinge viel einfacher machen.
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].
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