TidBITS#309/08-Jan-96 - Deutsch

Willkommen bei unserer ersten TidBITS-Ausgabe 1996. Wir bringen diesmal Meldungen zu Updates für RAM Doubler, Fetch und Netscape Navigator, außerdem Hinweise auf die kommende Macworld und Informationen über Roaster, das erste Java-Entwicklungssystem für den Mac. Adam bringt einen Überblick über neueste Trends beim Newton MessagePad, Tonya schreibt zum Macintosh Software Update Report, und zum Abschluß dieser Ausgabe stellen wir zwei neue Internet-Scripting-Technologien für den Mac vor.

Autorisierte Übertragung aus den TidBITS#309/08-Jan-96.

Die Originalausgabe finden Sie unter: http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-309.html

Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
Information: <info@tidbits.com> Comments: <editors@tidbits.com>

Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
Information: <office@carrier.co.at> Comments: <ferstl@carrier.co.at>


Themen:

ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1996/TidBITS#309_08-Jan-96.etx

Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-309.etx
ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-309.etx
ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-309.etx


MailBITS/08-Jan-96

Die TidBITS-Originalausgabe im World Wide Web -- Bill Murphy, der die TidBITS in HTML überträgt, wird seine Arbeit daran bald wieder aufnehmen. Bis dahin können Sie die Originalausgabe der TidBITS im HTML-Format unter folgender Adresse lesen: [ACE]

http://pathfinder.com/pathfinder/pulse/hsw/tidbits/tidbitsnew.html

RAM Doubler 1.6.1 Update -- Ende letzte Monats hat Connectix einen Updater auf den RAM Doubler, Version 1.6.1 publiziert. Dieses Update beseitigt einen Fehler, der unter SCSI Manager 4.3.1 zu Abstürzen fürt und ist kompatibel mit ALSoft DiskExpressII 2.20 und mit dem PowerBook 190. Wie schon frühere RAM-Doubler-Updates bringt auch dieses sowohl den installierten RAM Doubler als auch die Master-Diskette auf den aktuellen Stand - Installationshinweise und weitere Informationen finden Sie in der ReadMe-Datei. [GD]

ftp://mirrors.aol.com/pub/info-mac/cfg/ram-doubler-161-updt.hqx

Netscape 2.0b5 verfügbar -- Netscape hat Ende letzten Monats die Version 2.0b4 von Netscape Navigator herausgebracht, aber wir werden darüber nicht allzu viel reden, da auch Version 2.0b5 inzwischen schon erschienen ist. Die Version 2.0b5, die am 1. März ausläuft, unterstützt die Java-Technologie nicht. Sie beseitigt die Beschädigung von Dateien bei manchen FTP-Download-Vorgängen und Probleme mit PowerBooks der Serie 5300. Die neue Version führt auch die Möglichkeit neu ein, überholte oder geänderte Bookmarks zu überprüfen, stellt die Kompatibilität mit System 7.0 wieder her und enthält eine Anzahl von Änderungen in der Bedieneroberfläche (von denen einige gemischte Reaktionen hervorgerufen haben). Die vorliegende Version soll auch stabiler sein, obwohl diese Behauptung sich auf meinen Maschinen nicht nachvollziehen läßt. Die Archivdatei ist etwa 2500K groß; lesen Sie bitte die Release Notes dazu. [GD]

ftp://ftp.netscape.com/2.0Beta5/mac/netscape-2.0b5.sit.hqx
http://home.netscape.com/eng/mozilla/2.0/relnotes/mac-2.0b5.html

Java Roaster wird ausgeliefert -- Natural Intelligence hat die Auslieferung von Roaster in der Developer Release 1 für die Macworld Expo in San Francisco angekündigt. Roaster ist das erste integrierte Java-Entwicklungssystem für den Macintosh und läßt Macintosh-Entwickler Java-Applets auf PowerMacs schreiben und testen; Natural Intelligence plant auch eine 68K-Version für die nächste Zeit. Im Moment wird Java von keinem allgemein verfügbaren Web Browser unterstützt; Roaster enthält eine Runtime-Umgebung für Java und Java-Anwendungen können (und sollen) auf anderen Plattformen mit Browsern getestet werden, die Java verstehen. Laut Web-Page von Natural Intelligence kostet Roaster für befristete Zeit 299 US$ (die Presseaussendung spricht allerdings von 399 US$); dieser Preis deckt unbefristeten technischen Support und freie Updates bis zur zweiten kommerziellen Version von Roaster ab. [GD]

http://www.natural.com/

Fetch 3.0.1b1 -- Wir erwähnten in den TidBITS-307, daß Fetch 3.0 mit Macs auf 68000-Basis Probleme hat und auf Geräten unter Open Transport einige Dateien bei der Übertragung verstümmelt. Jim Matthews hat Fetch in der Version 3.0.1b1 nachgeliefert, die diese Mängel behebt und eine Einstellung enthält, mit der MacTCP-Code anstelle von Open Transport verwendet werden kann. Wenn Sie Schwierigkeiten mit Fetch 3.0 haben, sehen Sie sich diese Version näher an. [GD]

ftp://ftp.dartmouth.edu/pub/software/mac/Fetch_3.0.1b1.hqx

Metrowerks Programmier-Kit and Promo -- Wenn Sie lernen wollen den Macintosh zu programmieren und nicht wußten, wo Sie anfangen sollen, macht Ihnen jetzt Metrowerks ein Angebot. "Discover Programming for the Macintosh" umfaßt eine komplette Version von CodeWarrior für 68000-Macs und den Text von drei Büchern: Learn C on the Macintosh, Second Edition, Learn C++ on the Macintosh (beide von dem renommierten Mac-Programmier-Autor Dave Mark), sowie Jim Trudeaus Programming Starter Kit, den ich als hervorragende Einführung in die Mac-Toolbox-Programmierung mit CodeWarrior empfehlen kann. Die Texte der Bücher werden auf einer CD-ROM im Adobe-Acrobat-Format zusammen mit vier Apple Guides geliefert, die mit CodeWarrior und Netscape Navigator verwendet werden können. Das Paket ersetzt den Programming Starter Kit von Metrowerks und wird für 79 US$ angeboten. [GD]

http://www.metrowerks.com/products/books/

Neuigkeiten zum Newton

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

In den letzten Monaten haben sich einige interessante Dinge in der Newton-Welt ereignet, die von den Newton-Experten nicht angesprochen worden sind; daher will ich mich ihrer annehmen. Ich besitze und benutze einen Newton, ein MessagePad in der ursprünglichen Ausführung, die vor etwa einem Jahr um 199 US$ zu haben war. Ich schätze das Gerät, aber ich verwende es ausschließlich für eine Aufgabe: zum Führen von Geschenkslisten in dem Programm Notion, das meinem MessagePad beigepackt war. Ich brauche das Gerät nur etwa vier Monate im Jahr - zwischen Tonyas Geburtstag Ende September und Weihnachten. Auf Reisen benutze ich lieber ein PowerBook mit den Applikationen Now Contact und Now Up-to-Date.

In gewisser Weise bin ich der ideale Newton-Benutzer: Ich sehe den Newton nicht als Computer, ich erwarte von ihm nicht, daß er sich wie ein Computer benimmt und auch nicht, daß Apple ihn als Computer behandelt. Er ist für mich ein praktisches Organisationshilfsmittel, das mir während der acht Monate nicht verloren geht, in denen ich nur gelegentlich Einträge hinzufüge.

Die wichtigste Apple-Neuigkeit zum Newton ist das Erscheinen des Newton-Betriebssystems in der Version 2.0. Newton 2.0 erhielt auf der November-COMDEX in Las Vegas in der Kategorie Betriebssysteme den Preis "Best of COMDEX". Dafür verdient Apple Anerkennung, speziell für eine Plattform, die keinen weitgehenden Beifall gefunden hat. Im Gegenteil - in den Cartoons Doonesbury und Simpsons und anderenorts wurde sie wegen ihrer Mängel in der Handschriftenerkennung laufend geschmäht.

Nach Berichten bringt Newton 2.0 eine wesentliche Verbesserung der Handschriftenerkennung des Newton mit sich. Benutzer müssen nun nicht mehr das Hilfsprogramm Graffiti verwenden, das sie zu einer geäderten Schreibung einiger Buchstaben zwingt, dafür aber auch eine beinahe vollkommene Schrifterkennung liefert. Newton 2.0 kann auch auf Querformat umgestellt werden - was ohne Zweifel für einige Anwendungen passender ist. Weitere Verbesserungen umfassen eine überarbeitete Benutzeroberfläche, eine Korrekturfunktion im "Kamm"-Stil zur leichteren Neueingabe eines einzelnen falsch erkannten Zeichens, höhere Geschwindigkeit, ein besser vorhersehbarer Umgang mit nicht erkannten Eingaben und eine optionale Tastatur fü längere Texteingaben.

Einen Haken gibt es natürlich auch: Newton 2.0 ist nur auf dem MessagePad 120 einsetzbar, keinesfalls auf irgendeiner der älteren Versionen des MessagePad. Das Upgrade auf 2.0 für die Serie 120 kostet 109 US$, die Besitzer älterer Typen können ihre Zuflucht zu einem Eintauschangebot nehmen - Apple gibt bei Kauf eines MessagePad 120 mit dem neuen Betriebssystem einen Rabatt von 100 US$ [diese Preise gelten, wie immer, nur für die U.S.A. --WJF].

Es ist einigermaßen enttäuschend, daß Apple für das Upgrade von den Besitzern des MessagePad 120 Geld verlangt und den Käufern älterer Typen lediglich 100 US$ Umtauschrabatt anbietet - aber daraus spricht nur meine Erfahrung mit Computern. Wenn Sie irgendein beliebiges anderes Gerät gekauft haben, erhalten Sie nur mit Glück einen Eintauschrabatt auf das Nachfolgemodell; in der Regel werden Sie vermutlich überhaupt nichts bekommen. Was ich von meinem Newton verlange, leistet er in annehmbarer Weise und das bei dem günstigen Preis, zu dem ich ihn gekauft habe. Wer allerdings den ursprünglichen Preis bezahlt hat und das Gerät ständig einsetzt, hat allerdings viel mehr Anlaß irritiert zu sein als ich.

Sollen Sie also ihr Geld eher für das Upgrade oder für ein neues MessagePad ausgeben? Die Antwort hängt davon ab, wie Sie ihren Newton vorwiegend benutzen. Wenn er für Sie in erster Linie ein Computer ist, dann werden Sie die neuen Merkmale zu schätzen wissen. Wenn Sie allerdings wie ich den Newton nur als Zusatzgerät betrachten und im wesentlichen mit ihm zufrieden sind, sollten Sie eher nicht umsteigen. Mir geht zwar einiges beim Newton ab, aber das bezieht sich auf Größe und Form des Gehäses. Wenn es auf diesem Gebiet Neuerungen gibt, bin ich bereit, das Geld für ein neues MessagePad auszugeben und mein altes in Ruhestand zu schicken.

Unter folgendem URL finden Sie einen Artikel aus Apple Directions, Dezember 1995, zu Newton 2.0:

http://dev.info.apple.com/appledirections/dec95/newton.html

Durchblick bei Updates mit LEVEL 6 Computing

von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>

Sind Sie von Berufs wegen für die Betreuung von Macs zuständig? Wenn ja, verwenden Sie wahrscheinlich zuviel von Ihrer wertvollen Zeit darauf, Software-Updates zu dokumentieren - Zeit, die Sie sonst für Besseres nutzen könnten. Kevin Garrett war ein solcher Macintosh-Betreuer und für ihn war es derart frustrierend, mit den Software-Updates Schritt halten zu wollen, daß er den Macintosh Software Update Report ins Leben gerufen hat. Der Update Report erscheint alle zwei Monate auf Abonnement-Basis, wird von LEVEL 6 Computing herausgegeben und deckt den neuesten Stand zu den Updates von über 800 Anbietern ab.

Der Update Report konzentriert sich ganz auf Updates - er enthält keine Werbung, lustige Kolumnen oder Ankündigungen nicht existierender Produkte. Statt dessen finden Sie knappe Beschreibungen davon, welche Produkte in neuen Versionen vorliegen, wann die einzelnen Updates erschienen sind und welche Funktionen geändert worden sind. Jede Ausgabe umfaßt einen gedruckten Newsletter, eine Diskette mit Setext-Dateien und einen HyperCard-Stack mit Firmeninformationen.

Jede Ausgabe des Newsletters auf Papier listet die Updates der letzten Monate auf und liefert Informationen zu den erfolgten Änderungen. Zum Beispiel habe ich aus der Oktober-Ausgabe erfahren, daß von Astrobyte BeyondPress, einem QuarkXPress-HTML-Converter, ein Update publiziert worden ist; von Connectix Speed Doubler erschien die Version 1.0.2 und von Natural Intelligence DragStrip Version 2.0.1.

Die Abonnenten erhalten dazu noch eine Diskette mit einer Setext-Datei je Update, das in dem Newsletter erwähnt wird. (Eine Setext-Datei ist eine ganz normale Textdatei in einem speziellen "structure enhanced"-Format. Die TidBITS sind ebenfalls im Setext-Format verfügbar - via e-Mail können Sie von <setext@tidbits.com> weitere Informationen anfordern.) Die Setext-Dateien enthalten dieselbe Information wie der Newsletter, sie gehen aber manchmal mehr in die Tiefe. Setext-Dateien lassen sich in einem Viewer-Programm lesen; dabei kann bequem zwischen Abschnitten und Unterabschnitten in allen Setext-Dateien gewechselt werden, die in einem bestimmten Mac-Ordner abgelegt sind (vorstellbar wäre ein Ordner mit dem Namen "Update Report"). Ein Viewer gestattet auch die Suche in allen Dateien in einem solchen Ordner.

Der Update Report wird mit Easy View, einem beliebten Viewer von Akif Eyler, ausgeliefert (mehr zu Easy View in TidBITS-194). Die Setext-Dokumente der neu erschienenen Ausgabe können Sie im Ordner "Update Report" ablegen und die neuen Dateien gemeinsam mit den schon vorhandenen lesen. Mit der Zunahme der Ausgaben baut sich allmählich eine große Datenbank mit Suchmöglichkeit auf, die Auskunft über Versionsänderungen bei Software gibt.

Easy View war 1992 der Stand der Dinge für die Distribution von Text; es leistet dafür heute noch gute Dienste. Elektronische Publikationen erfordern heute allerdings Präsenz im World Wide Web. Der Update Report ist im Web in einer allgemein abrufbaren Auswahl und mit einem speziellen Abschnitt nur für Abonnenten vertreten. Der Abschnitt für die Abonnenten wird laufend überarbeitet (in letzter Zeit wöchentlich), sodaß diese Kunden nicht auf die Ausgaben alle zwei Monate warten müssen. Es wäre allerdings gut, wenn die Abteilung für die Abonnenten auch eine Suchfunktion hätte.

http://www.webcom.com/level6/

Die Diskette jeder Ausgabe enthält auch einen aktualisierten HyperCard-Stack mit Kontaktinformationen der Anbieter einschließlich Hinweisen auf Mailboxen und Adressen in AOL und im Internet - derzeit insgesamt 700 Einträge. Die Kontaktinformationen sind auch auf der Webseite von LEVEL 6 mit einer Fülle weiterer Links frei verfügbar. Derartige Datenbanken sind im Web nichts Neues und es ist gut zu wissen, daß es mehr als einen Betreiber einer Macintosh-orientierten Kontaktdatenbank im Web gibt. Die liebste solche Datenbank ist mir immer noch The Well Connected Mac, eine Web-Installation, die unter dem Motto "Alles für den Macintosh" läuft.

http://www.macfaq.com/vendor.html

Beachten Sie bitte, daß LEVEL 6 die gegebenen Kontaktinformationen auf Richtigkeit überprüft (im Gegensatz zu The Well Connected Mac).

Der Update Report hat zwar eine freundliche Oberfläche; Neulinge werden aber nicht viel von der Terminologie verstehen. Die Publikation ist ja für erfahrene Support-Spezialisten bestimmt, die technische Details wissen müssen. Die Preisgestaltung spiegelt diese Zielgruppe wider: gelegentliche Macintosh-Benutzer sind wohl nicht bereit, für eine solche Informationsquelle 150 US$ pro Jahr zu bezahlen; Unternehmen, die technischen Support oder Consulting anbieten, werden diesen Preis angemessen finden. Abonnements außerhalb der U.S.A. kosten 25 US$ mehr. LEVEL 6 bietet auch spezielle Preise für freiberufliche Konsulenten, für die ausschließliche Benutzung via Web-Seite sowie Mengen- und Sammelpreise für Großabnehmer.

Der Macintosh Software Update Report besteht jetzt seit etwas mehr als einem Jahr; seine Stärken liegen in seiner technischen Ausrichtung und darin, daß die Informationen sowohl in Papier als auch in elektronischer Form zur Verfügung gestellt werden. Die Publikation dürfte für Personen mit schnellem Internetzugang den größten Nutzen haben; sie könnte auch bei denjenigen ohne aufwendigen Internetzugang interessant sein. Der Report kommt gedruckt und auf Diskette, wo er einen Suchzugriff bietet.

LEVEL 6 Computing -- 818/888-5635 (fax) -- <msur@level6.com>

Scripting auf dem Mac für das Internet

von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>

Wenn Sie überhaupt etwas von brandneue Technologien im Internet gehört haben, dann haben Sie sicher von Java gehört - einer plattformübergreifenden Programmiersprache von Sun Microsystems. Von Netscape bis Microsoft haben alle Lizenzen fü Java zur Implemementation in verschiedene Internet-Produkte erworben. Java ermöglicht kleine Applikationen ("applets" genannt), die auf praktisch jeder Plattform lauffähig sind.

http://java.sun.com/

Ein Grund dafür, daß Java derart Furore macht, ist seine Unabhängigkeit von Plattformen und Betriebssystemen. Theoretisch läuft ein und dasselbe Java Applet ohne Modifikation auf einem Macintosh, einer Windows Maschine, einer Unix-Station oder beinahe auf jeder anderen Plattform. Java ist auf eine ausgetüftelte "Virtuelle Maschine" hin ausgerichtet - im wesentlichen die Beschreibung eines formalen Computers. Auf jeder Plattform, auf der Java Applets laufen sollen, muß eine Umgebung vorhanden sein, die sich wie diese virtuelle Maschine verhält. In gewisser Weise verf&uumnl;gt ein Computer, auf dem Java läuft, über eine Emulationsebene ähnlich einem Macintosh, auf dem unter SoftWindows Programme aus der Windows-Umgebung laufen - mit einem wesentlichen Unterschied: Java wurde genau zu diesem Zweck entwickelt.

Bittere Pillen -- Aus der Sicht der Mac-Benutzer wirft Java drei Probleme auf. Erstens handelt es sich bei Java um eine Schimäre - die durchschnittlichen Macintosh-Benutzer haben keine Software, mit der sie Java-Applets laufen lassen können. Die Unterstützung für Java in den Betaversionen von Netscape 2.0 steht noch aus. Andere Web-Browser und ähnliche Software wird irgendwann einmal Java unterstützen, aber derzeit scheint kein solches Produkt marktreif zu sein.

http://home.netscape.com/comprod/products/navigator/version_2.0/script/index.html

Das zweite Problem liegt darin, daß Java eine hochentwickelte, objektorientierte Programmiersprache ist, die ihre Wurzeln bei Unix und C++ hat. Java ist nicht sehr benutzerfreundlich. Obwohl Natural Intelligence ein Entwicklungssystem für den Macintosh herausgebracht hat (und sowohl Metrowerks als auch Symantec Java-Produkte für den Mac angekündigt haben), gibt es für durchschnittliche Macintosh-Benutzer keinen Zugang zu dieser Technologie. Ein Internet-Teilnehmer, der sich für Java begeistert, gleicht einem Tänzer, der sich für Satellitenkommunikation zu interessieren beginnt: zugegeben, der Satellit kann einen wichtigen Telefonanruf an den Tänzer weiterleiten, aber er wird nicht am Satelliten so sehr interessiert sein wie an den Dingen, die der Satellit möglich macht. In ähnlicher Weise werden die Internet-Teilnehmer nicht mehr Anteil an Java nehmen als sie es an C++ tun; ihre Aufmerksamkeit wird sich wahrscheinlich auf die Dinge richten, die mit Java möglich werden.

Das dritte Problem ist, daß es sich bei Java nicht um eine Macintosh-Technologie handelt. Mac-Benutzer schätzen ihre Geräte wegen der Merkmale, die sie von anderen Systemen unterscheiden. Java unterstützt lediglich seine eigene virtuelle Maschine, was zur Folge hat, daß spezifische Macintosh-Errungenschaften wie PlainTalk, Spracherkennung, QuickDraw GX und zahlreiche andere von Java nicht direkt unterstützt werden. Wer diese Macintosh-Features am Internet nutzen will, muß sich woanders umsehen.

Zum Glück gibt es solche Plätze zum Nachschauen. Die Entwickler auf der Macintosh-Plattform sind nicht untätig herumgesessen - sie haben Lösungen anzubieten, die sowohl auf speziellen Macintosh-Technologien aufbauen als auch die Möglichkeiten der Mac-Benutzer vermehren, Zugang zum Internet zu finden.

MacBird -- Im Mai 1995 stellte Dave Winer die ehemals kommerzielle Software Userland Frontier kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung (siehe TidBITS-279 und TidBITS-301). Frontier ist ein hochentwickeltes und robustes Scripting-System für den Macintosh, das auch den Richtlinien von OSA (Open Systems Architecture) entspricht; seit seiner Freigabe ist Frontier ein Standard für CGI-Anwendungen auf Mac-Web-Servern geworden.

Ein häufiger Punkt der Kritik an Frontier ist der Mangel an integrierten Möglichkeiten zur Gestaltung von Interface-Elementen. Anders als HyperCard, bei dem die Benutzer Felder und Tasten erzeugen und gestalten können, gestattet Frontier außer der Herstellung von Menüs in einigen Frontier-freundlichen Programmen keine Oberflächengestaltung. Frontier hat viele Möglichkeiten, aber es hat kaum ein "Gesicht".

Zu Beginn dieses Jahres hat Dave Winer die erste Testversion von MacBird publiziert, einer Software zum Entwurf von Interface-Elementen auf Script-Basis. MacBird zielt auf die Internet-Gemeinschaft, baut derzeit noch auf Frontier auf und erfordert Kenntnisse in der Scriptsprache UserTalk. Es gibt auch praktisch keine Dokumentation - bei einer Testversion nicht weiter zu bemängeln. Alles in allem ist MacBird hochinteressant als ein Wegweiser für Macintosh-Scriptsysteme am Internet.

http://www.hotwired.com/staff/userland/macbird/

MacBird erfüllt zwei Funktionen. Es kann eingesetzt werden, um "Karten" zu erzeugen und zu gestalten, die Fenster am Bildschirm mit Buttons, Feldern, Grafik und anderen Objekten darstellen. Alle diese Objekte können mit Scripts belegt sein, sodaß das Klicken einer Taste jede Aktion auslösen kann, die von einem Script gesteuert werden kann. Karten werden als separate Dokumente gespeichert und belegen bei einfacher Gestaltung nur wenig Platz, in der Regel weniger als 10K.

MacBird kann auch als Hilfsapplikation mit einem Web-Browser zusammenarbeiten. Wenn Sie auf eine MacBird-Karte auf einem Web-Server klicken, wird sie heruntergeladen und von MacBird geöffnet - auf diese Weise können Sie die Steuerelemente auf der Karte benutzen. Die Möglichkeiten sind weitreichend; unter den Beispielskarten von Dave Winer sind ein Taschenrechner mit vier Funktionen und eine Karte, die eine Bestellung chinesischer Speisen entgegennimmt und mittels Eudora weiterleitet. Ein sehr humorvolles Beispiel ist ein zufallsgesteuerter Zen-Koan-Generator von Brent Simmons <bsimmons@seanet.com>, aber auch Finger-Clients und Webseiten-Software tauchen schon auf. Brent hat einen zeitweiligen Server aufgesetzt, auf dem sowohl MacBird-Karten als auch ein kurze Anleitung zur Gestaltung in MacBird gespeichert sind; für alle Interessierten ist dieser Server eine unverzichtbare Quelle.

http://www.wrldpwr.com/macbird/

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist MacBird nur für erfahrene Frontier-Scripter von Nutzen - die meisten Stellungnahmen zum Thema sind in der Frontier-Mailingliste zu finden. MacBird ist allerdings eine brandneue Software mit dem Potential, Macintosh-spezifisches Scripting am Internet in überzeugender Weise zu realisieren. Im Moment ist es noch niemandem klar, ob MacBird Freeware, Shareware, ein kommerzielles Produkt oder etwas völlig anderes sein wird.

Marionet -- Wenn Java für hartgesottene Entwickler und MacBird für Frontier-Kenner optimal ist - was gibt es dann eigentlich für uns Normalverbraucher? Eine Antwort darauf: Marionet, ein neues Internet-Tool von Allegiant Technologies, den SuperCard-Leuten. Eine frei verfügbare Betaversion, die am 31. Januar 1996 ausläuft, kann von der Allegiant-Web-Page heruntergeladen werden; das Paket enthält die Marionet-Applikation und ein vorläufige Dokumentation.

http://www.allegiant.com/marionet/

Marionet ist eine Hintergrundapplikation ohne eigene Oberfläche; die zwischen dem Internet und den spezialisierten Applikationen auf der Maschine des Benutzers vermittelt, ähnlich einem SuperCard-Projekt, einem HyperCard-Stack oder einer Director-Präsentation. Mit der Hilfe von Marionet erhalten diese Applikationen Zugang zu Internet-Diensten, die damit in geeigneter Weise direkt in die Applikation integriert werden. Unter Verwendung von Marionet wird es möglich, in HyperCard einen Web-Browser, einen Mail-Client, eine Applikation zur Verwaltung von Mailinglisten oder ähnliches zu schreiben. Mit Marionet ist es nicht notwendig, C oder die Macintosh-Toolbox-Routinen zu lernen.

Marionet unterstützt zahlreiche Protokolle wie HTTP, FTP, SMTP, NNTP, DNS und Gopher-Suchen; dazu kommt das Marionet-eigene "Chat"-Protokoll, das die Kommunikation über das Internet in Echtzeit ermöglicht. Marionet kommt mit asynchronen Verbindungen zurecht (sodaß eine Applikation gleichzeitig Dateien übertragen und neue Mail abholen kann), läßt aber für Spezialanwendungen auch synchrone Verbindungen zu. Marionet kann mehrere Anwendungen zur selben Zeit unterstützen; ein HyperCard-Stack kann also Einträge in Newsgruppen abholen, während ein AppleScript eine Liste von IP-Nummern in die zugehörigen Namen umwandelt. Zu den Stärken von Marionet gehört die Leichtigkeit, mit der Verbindungen aufgebaut, Daten bearbeitet und dann direkt in den Applikationen des Benutzers verwendet werden können. Es gibt keine verwirrende Syntax zu bewältigen und die Scripts können einfach und erstaunlich flexibel zugleich sein.

Das Potential von Marionet ist nicht zu übersehen; es scheint aber auch noch gewisse Schwächen zu geben. Die Unterstützung von AppleScript ist noch unzureichend und hat keinesfalls ein endgültiges Niveau erreicht. Standardanwendungen wie FileMaker Pro und Excel, die nur mittels AppleScript mit Marionet kommunizieren, könnten mit der endgültigen Version von Marionet Probleme bekommen. Obwohl Allegiant für Applikationen wie Director oder HyperCard ein XCMD beilegt, ist Marionet primär mit Blick auf SuperCard konzipiert. Das Marionet XCMD nutzt spezifische Eigenheiten der SuperTalk-Scriptsprache, die in anderen Applikationen nicht vorhanden sind (diese müssen mit globalen Variablen arbeiten und Antworten über Apple Events empfangen. Obwohl diese Methoden zweifellos funktionieren, sind sie eher umständlich zu handhaben und lassen bei Benutzern anderer Authoring-Pakete das Gefühl aufkommen, Menschen zweiter Klasse zu sein. (Freilich handelt es sich hier um die allererste verfügbare Betaversion von Marionet - all diese Aspekte können sich in zukünftigen Versionen verbessern.)

Allegiant hat nicht gerade ein starkes Profil im Internet (zumindest haben Mitarbeiter von Allegiant auf der letztjährigen Macworld Expo in San Francisco das Konzept einer Online-Publikation wie der TidBITS sehr bestaunt). Zu ihren Gunsten spricht, daß sie eine Mailing-Liste für Marionet eingerichtet haben und mittlerweile über beträchtliche Präsenz online verfügen. Es wird sich zeigen, wie Allegiant mit der Macintosh-Internet-Gemeinschaft zusammenarbeiten wird. Wahrscheinlich wird Allegiant Marionet als Entwicklungsumgebung positionieren: ein Einführungspreis von 100 US$ und ein späterer viel höherer Listenpreis wird Marionet außerhalb der Reichweite der meisten Endbenutzer liegen lassen. Ich hoffe jedenfalls, daß Allegiant sich dafür entscheidet, Marionet als preisgünstiges Produkt zu vertreiben - am besten mit einer voll funktionsfähigen Demoversion, die online frei verfügbar sein sollte. Auch wenn sie noch einige Mängel aufweist, kann Software wie Marionet einiges an Gefolgschaft unter der Mac-Internet-Gemeinde an sich ziehen, wenn nur der Preis und die Verfügbarkeit stimmen.

Da ist noch etwas am Kochen -- Auch wenn das vieldiskutierte Java dem typischen Macintosh-Benutzer (oder auch anderen typischen Internet-Teilnehmern) nicht zugänglich ist, tauchen allmählich Produkte mit niedrigerer Zugangsschwelle auf, die den Benutzern die Verwendung spezifischer Mac-Technologien ermöglichen. Zugegeben, die Entwicklung von maßgeschneiderten Internetanwendungen ist immer noch komplizierter als das Ausdrucken von Etiketten aus einem Textverarbeitungsprogramm; es tauchen aber genug Konzepte und Produkte auf, daß mir Java gar nicht fehlen müßte... wenn ich es hätte.

Reviews/08-Jan-96


Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].

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