Autorisierte Übertragung aus den TidBITS#313/05-Feb-96.
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Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
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Corel kauft WordPerfect -- Letzte Woche hat Corel Inc. Novells Business Application Division für 115 Millionen US$ in bar und in Aktien gekauft, was deutlich weniger ist als die eine Milliarde US$, die Novell vor weniger als zwei Jahren für WordPerfect und Quattro Pro bezahlt hat (siehe TidBITS-302_). Corel plant, die bekannte Grafiksoftware Corel Draw (das Flaggschiff der Firma) mit den WordPerfect-Anwendungen zu einer Herausforderung für Microsoft Office zu verschmelzen - diese Ankündigung hat inzwischen in der Branche traurige Berühmtheit. Corel-Chef Michael Copland lehnte Kommentare zur Zukunft der Mac-Version von WordPerfect ab, obwohl er Berichten, die Mac-Version werde aufgegeben, widersprach. Wie dem auch sei: TidBITS verfügt über Informationen, die andeuten, daß Novells WordPerfect-Mac-Abteilung zur Zeit der Macworld Expo in San Francisco auf vier Leute geschrumpft sei. Was nicht klar ist: wie will Corel - eine Firma mit wenig Erfahrung in der Entwicklung von Mac-Software - es anstellen, die für die Weiterentwicklung der Mac-Version notwendigen Ressourcen aufzubringen? [GD]
Apple demonstriert Mac-OS auf PPCP -- Auf der Demo 96 hat Apple letzte Woche eine Entwicklerversion des Mac-Betriebssystems auf einem Prototyprechner, der nach den Spezifikationen für die PowerPC Plattform (PPCP) gebaut wurde, vorgeführt (siehe TidBITS-304_). Maschinen, die nach diesen Spezifikationen gebaut sind, können theoretisch jedes Betriebssystem fahren, das für diese Plattform entworfen wurde, und Apple, Sun, IBM, Microsoft und andere haben angekündigt, daß sie diese Plattform unterstützen werden. Auf dem Prototyp, den IBM gebaut hatte, liefen die wichtigsten PowerMac-Programme und er verwendet Peripheriegeräte von Drittherstellern. Nach Apples Aussagen wird die Endversion des Mac-Betriebssystems für die PowerPC-Plattform in der zweiten Hälfte 1996 verfügbar sein, und die ersten Macs, die nach den PPCP-Spezifikationen gebaut sind, sollten 1997 auftauchen. Potentielle Lizenznehmer des Mac-Betriebssystems betrachten die Unterstützung für die PowerPC-Plattform als einen wichtigen Teil der Lizenzstrategie Apples. [GD]
Netscape 2.0 ist da -- Netscape hat die Endversion des Netscape Navigator 2.0 letztes Wochenende veröffentlicht, die nur wenige Änderungen gegenüber der Beta 6 Version enthält, welche vor einige Wochen herauskam. Die Archivdatei ist ca. 2,5 MB groß; und wieder will das Installationsprogramm Netscape starten, nachdem die Installation abgeschlossen ist, um eine Registrierungsseite aufzurufen. Das kann zu Problemen führen, wenn mehr als eine Version von Netscape auf dem Rechner installiert ist (siehe TidBITS-311).
ftp://ftp.netscape.com/2.0/mac/Netscape2.0Installer.hqx
Wie erwartet, wird Java nicht unterstützt. Gerüchten zufolge sollen in den Beta-Versionen des Netscape Navigator 2.1, der in ein paar Monaten für den Macintosh verfügbar sein soll, eine ansatzweise Unterstützung für Java enthalten sein. Netscape hat auch die erste Beta des Navigator Gold veröffentlicht (mit Werkzeugen zur HTML-Erstellung) für Windows, aber weder für den Mac noch für Unix. [GD] [Netscape Navigator 2.0 unterstützt allerdings Javascript - mehr dazu unter http://www.netscape.com/eng/mozilla/Gold/handbook/javascript/index.html - GR]
FreePPP 1.0.5 verfügbar -- Steve Dagley hat Version 1.0.5. von FreePPP freigegeben. Die neue Version macht [mittels einfachen "scramblings" --WJF] gespeicherte Paßwörter unlesbar (sie werden allerdings nicht wirklich verschlüsselt), und verwendet ressourcen-basierte Zeichenfolgen für Ton- und Pulswahlbefehle (für Benutzer mit ISDN-Terminaladaptern, die unter Umständen die Strings ändern müssen). Auch einige wenige Fehler wurden behoben. Steve erwartet, daß Version 2.5 von FreePPP im März verfügbar sein wird. Wenn Sie die neuen Leistungsmerkmale und Bug-Fixes von 1.0.5. nicht benötigen, ist es deshalb wahrscheinlich sinnvoll, bei der momentanen Konfiguration zu bleiben. [GD]
ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/comm/tcp/conn/free-ppp-105.hqx
Wir präsentieren: NetPresenz! -- Peter Lewis <peter@stairways.com.au> hat NetPresenz 4.0 veröffentlicht, eine Weiterentwicklung von FTPd 3.0. Die Namensänderung beruht auf der Tatsache, daß NetPresenz jetzt ein voll funktionsfähiger Web-Server ist, der zusätzlich zu FTP und Gopher nun auch CGI-Scripts unterstützt. Neu ist auch die Unterstützung von Open Transport, was die Leistung wahrscheinlich erheblich steigern wird. NetPresenz bleibt Shareware (10 US$), das Upgrade ist für alle Benutzer, die FTPd nach dem 1. Januar 1995 registriert haben, kostenlos; alle anderen können es um 5 US$ erwerben. Wenn WebSTAR oder der InterServer Publisher für Ihren Geschmack zu teuer sind, ist die Shareware-Gebühr von 10 US$ für NetPresenz ein wirklich attraktives Angebot. [ACE]
ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/tisk/tcp/web/net-presenz-400.hqx
Noch zwei letzte Meldungen... nämlich zwei bemerkenswerte Informationen von Apple. Erstens hat Apple zusätzlich zu seinem bereits laufenden Power-Rückkauf-Programm (siehe TidBITS-312) für einige Performas mit PowerPC-Prozessor Preissenkungen zwischen 100 und 300 US$ angekündigt. Zweitens haben Apple und die Open Software Foundation ein Projekt zur Portierung von Linux, einer frei verfügbaren Unix-Version, auf Power Macintosh angekündigt. Die Version wird auf dem Mach-Microkernel der OSF laufen, ein früher Prototyp wurde auf der Präsentation gezeigt. [GD]
http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1996/q2/960205.pr.rel.prices.html http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1996/q2/960205.pr.rel.osf.html
Amelio nimmt in Spindlers Stuhl Platz
von Mark H. Anbinder, News Editor <mha@tidbits.com>
Nur wenige Tage, nachdem der Apple-Vorsitzende A. C. Markkula besorgten Aktionären mitgeteilt hatte, das Apple-Direktorium stehe zu Michael Spindler, war sich das Gremium bereits einig, "daß es im Interesse von Apple Computer liege, einen Wechsel in der Führung vorzunehmen". Letzten Freitag teilte der Vorstand mit, daß Firmenchef Michael Spindler mit sofortiger Wirkung durch den Chef von National Semiconductor, Gilbert Amelio, ersetzt werden sollte. Gleichzeitig wurde Amelio zum Vorsitzenden ernannt, womit er weitgehende Kontrolle über das Unternehmen erhielt. Markkula, einer der Apple-Mitbegründer von 1977, wird weiterhin stellvertretender Vorsitzender bleiben.
Der Wechsel folgt einer Reihe von Veränderungen, die Apple aufgrund der entscheidenden finanziellen Verluste im letzten Quartal durchführte (gleichzeitig hatte Apple mit einem gesamten Umsatzvolumen von über drei Milliarden Dollar mehr Macs - darunter über eine Million PowerMacs - verkauft als jemals zuvor in seiner Geschichte). Zu den Veränderungen zählte eine weitgehende Restrukturierung, die Mitte Januar angekündigt wurde, mit dem Ziel, die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren und die finanziellen Ressourcen vor allem auf jenen Märkten gezielter einzusetzen, auf die sich traditionellerweise die Bemühungen besonders konzentriert hatten. Letzte Woche wurden auch Fusions- oder Übernahmegerüchte konkret geäußert; in mehreren Zeitschriften, wie MacWEEK, Wall Street Journal, Newsweek und New York Times, wurde Sun Microsystems als möglicher Käufer diskutiert (siehe die letzten Ausgaben der TidBITS).
Als Reaktion darauf hat Apple die bisher getrennten Organisationen Apple USA, Apple Canada und Apple Latin America zu einer einzigen Organisation, Apple Americas, unter der Führung von Jim Buckley, vormals Präsident von Apple USA, zusammengelegt. Das ist zwar, rein technisch gesehen, eine regionale Veränderung; Apple Americas sollte aber zu einem wesentlichen Bestandteil des erforderlichen Rationalisierungsprozesses werden. Apple erklärte letzten Mittwoch, daß zu Buckleys neuem Management-Team folgende Apple-Veteranen gehören sollen: Mike Dionne als Leiter der Abteilung für Business-Märkte, Terry Crane als Leiter der Abteilung Education und Mike Lorian als Leiter der Consumer Division. Diese Gruppe wird für den Löwenanteil des Apple-Marktes verantwortlich sein (Lorians Position wird als eine strategisch wichtige betrachtet).
Spindler, ein deutscher Techniker, der in den späten 80er Jahren Apple zum Durchbruch im europäischen Markt verholfen hat, hatte 1993 John Sculley ersetzt, ungefähr zehn Jahre, nachdem Sculley den Platz von Steve Jobs eingenommen hatte. In keinem der Fälle konnte der Abgang des jeweiligen Apple-Chefs als freiwillig oder harmonisch bezeichnet werden.
Amelio hat sich offensichtlich den Titel seines letzten Buches zu Herzen genommen: "Profit from Experience", das er gemeinsam mit Bill Simon geschrieben hat, schildert, wie Amelio die National Semiconductor Corporation zu einem schlankeren und gewinnträchtigeren Unternehmen gemacht hat. Amelio, damals Präsident von Rockwell International, war 1991 zu National Semiconductor gewechselt. Ihm wird die dramatische Trendumkehr zugute gehalten, die in den letzten beiden Fiskaljahren zu Rekordergebnissen geführt hat. (National Semiconductor hatte vor Amelios Eintritt acht der elf vorangegangenen Jahre mit Verlust abgeschlossen.) Erst letzten Juli wurde Amelio zum Vorsitzenden von National Semiconductor ernannt.
Amelio ist für Apple kein Unbekannter; einerseits sitzt er seit einem Jahr im Direktorium von Apple, andererseits ist Apple ein langjähriger Kunde von National Semiconductor. Überdies ist Amelio Mitglied des Vorstandes von Pacific Telesis und Mitglied des Vorstandes der Electronics Industry Association.
Amelio steht jetzt vor der Herausforderung, das zu erreichen, worum Apple kämpft, seit vor einigen Jahren die Gewinnspannen ins Bodenlose zu fallen begannen: bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten die Produktlinie zu straffen und die Märkte zu konzentrieren, um die Gewinnspannen zu maximieren. Die Tatsache, daß Apple im letzten Quartal trotz Rekordumsätzen (sowohl in Stückzahlen als auch in Dollar) Verluste hinnehmen mußte, zeigt deutlich, daß die Firma ihre Geschäftspraktiken ändern muß, um nicht weiterhin Geld zu verlieren.
Diese Veränderungen werden für Apple mit Sicherheit nicht einfach sein; Amelios Erfolg bei National geht auf Tausende Entlassungen und die Schließung ganzer Abteilungen und Fabriken zurück. Zumindest scheint der Börsenmarkt zu glauben, daß die Veränderungen gut für Apple sein werden. Obwohl es von Apple keine offizielle Meldung gab, bevor die U.S. Finanzmärkte geschlossen waren, stieg alleine aufgrund der Erklärung von National Semiconductor, Amelio werde die Firma verlassen, und aufgrund der schnellen Verbreitung der inoffiziellen Neuigkeit der Kurs der Apple-Aktien am Freitag um 88 Cents auf $29,25 an.
http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1996/q2/960202.pr.rel.amelio.html
Noch mehr Superlative von der Macworld Expo
von Charles Wheeler <charlesw16@aol.com>
[Wir haben nicht genügend Platz zur Verfügung, um jeden Kommentar zu veröffentlichen, den wir über die Macworld Expo bekommen haben, aber für diese Ausgabe mußten wir einfach eine Ausnahme machen. -Adam]
Über die "wichtigen" Dinge werden Sie in allen Zeitschriften und Online-Magazinen lesen. Hier erfahren Sie, was vor ein paar Wochen auf der Macworld wirklich geschah.
Die am stärksten präsente Firma auf der Show -- Power Computing. Viele, wenn nicht die meisten, Geräte auf der Expo waren von diesem Hersteller Mac-kompatibler Computer, von der riesigen, lauten Videowand ganz zu schweigen. Das Kaufgerücht des nächsten Jahres lautet möglicherweise, daß Power Computing Apple kaufen wird.
Die heißeste Party -- Dantz. Die heißeste Party im wahrsten Sinn des Wortes. Falls am Schauplatz des Ereignisses, dem Cartoon Art Museum, eine Klimaanlage vorhanden war, so war sie jedenfalls eindeutig überfordert. Wären das Essen und die Erfrischungsgetränke nicht so ausgezeichnet und die Gespräche nicht so interessant gewesen, wäre ich gegangen. Ich bin froh, daß ich es nicht getan habe.
Das größte Thema der Show -- Das World Wide Web. Jeder Hersteller pries seine Anwendung als Werkzeug für Web Publishing an. "Sie kennen unser Produkt seit vielen Jahren als [Datenbank / Tabellenkalkulation / Textverarbeitung / Grafikprogramm / Bodenwachs]? Große Überraschung - in Wirklichkeit kann man damit Web Sites erstellen!"
Das beste Angebot -- Fujitsu bot formatierte optische Disks mit 128 MB um 5 US$ an, das sind ungefähr vier Cents pro Megabyte. Ich habe um 50 US$ zehn Stück davon, oder 1.25 GB, gekauft.
Die beste Party -- NEC. (Die MetaTools Party war zwar eindrucksvoll, aber etwas mehr "hip" als ihr guttat, und die kostenlosen Mixgetränke inspirierten zu vielen bedeutungsvollen, aber inkohärenten Gesprächen. Der kostenlose Zubringerbus war aber trotzdem ein feiner Zug, fand ich.) Die NEC Party punktete in allen Bereichen: Tolles Essen (Hors d'Oeuvres, Chili, Eiscreme und vieles andere), tolle Getränke (Bier, Wein, alkoholfreie Getränke und Kaffee), tolle Lokalität (der Innenhof des Gift Center Pavillon), tolle Musik (D'Cuckoo), tolle T-Shirts, tolle Beleuchtung und Sound, und sogar ein toller Anlaß (NEC spendete den Shriners-Krankenhäusern 25.000 US$). So ziemlich das einzige, was gefehlt hat, war Sex. À propos Sex...
Das beste Frühstück -- Dorling Kindersley. Ehrlich gesagt, war es auch das einzige Frühstück, das ich besuchte. Die englische Firma Dorling Kindersley stellte ihre neueste CD-ROM vor: "Anne Hooper's Ultimate Sex Guide". Dem Anlaß entsprechend wurden Eier und Würstchen serviert. Die Briten sehen das ja in gewisser Weise als Kraftnahrung...
Die beste Präsentation -- Global Village, Freitag, 11.25 Uhr. Die Präsentation bestand aus einem Präsentator und einem Schauspieler, der abwechselnd verschiedene Typen spielte. Was diese spezielle Vorstellung amüsant machte, war das Publikum. Zuerst stieg ein Knabe auf die Bühne und jonglierte mit den schwammartigen Globusbällen, die Global Village in und auf die Menge werfen ließ. Dann führte der Demo-Präsentator eine schwungvollen Dialog mit einem Mann aus dem Publikum. (Demo-Typ: "Das heißeste Thema ist zur Zeit das Internet. Sie sehen aus, als wären Sie ein Internet-Benutzer. Wofür benutzen Sie es?" Mann: "Als Zeitverschwendung.") Aber der Höhepunkt der Veranstaltung war erreicht, als eine Frau, die aus der Menge gezerrt wurde, um bei der Demonstration mitzuhelfen, sich umdrehte und den Schauspieler küßte, der gerade einen Computerneuling darstellte. Beide Präsentatoren erholten sich kaum soweit, daß sie die Demonstration beenden konnten. Schließlich erholten sie sich aber doch und es gelang ihnen auf brillante Art und Weise, das vorbereitete Drehbuch abzuwandeln. Ein großes Lob den Präsentatoren.
Für mich persönlich war das bis jetzt die beste Macworld Expo überhaupt. Die besten Leute, der meiste Spaß, das beste Essen, die beste Reise (in der Limousine nach North Beach) und das am zentralsten gelegene Hotel. Ich gab sogar weniger Geld aus als bei meinen letzten drei Besuchen, und habe außerdem fünf Pfund abgenommen (vielleicht habe ich sie auch einfach auf der Party bei Dantz durch Schwitzen verloren). Ich war restlos zufrieden und völlig erschöpft.
Das muß das Sex-Frühstück gewesen sein.
WebArranger schafft mehr als das Web
von Matt Neuburg <managing_ed@mactech.com>
Kürzlich rettete mich ein erstaunliches Programm, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte, aus einem Gestrüpp von Informationen, die ich weder vernünftig speichern noch ausschöpfen konnte, und aus einem Sumpf von Outline-Programmen, Datenbanken, Kontaktmanagern und Kalendern, die mir nicht helfen konnten. Und zusätzlich ist dieses Programm - auf das ich mich jetzt völlig verlasse und von dem ich nun in den höchsten Tönen zu schwärmen beginnen werde - im Augenblick sogar gratis.
Auf Schwierigkeiten aus -- Das Problem begann, als ich von der Uni ins Geschäftsleben wechselte und meine Bedürfnisse sich schlagartig änderten. Ich wollte nicht mehr länger nur Texte (Vorlesungen und Notizen) und einfache Datensammlungen speichern und abrufen, sondern ich hatte eine Zeitschrift herauszugeben und mußte geplante Artikel und deren Autoren im Griff behalten.
Nehmen wir einmal an, John Doe schickt mir eine EMail mit der Idee zu einem Artikel über das Programmieren des Mac Widget Managers. [Ein fiktiver Teil der Mac Toolbox - hoffen wir. -Geoff]. Ich würde unter einem Übersichtstitel "Vorgeschlagene Artikel" eine Unterabteilung "Doe, John" führen (um die Autoren, welche Artikel vorgeschlagen haben, hier zu verwalten), und unter dieser Unterabteilung würde ich eine Unterunterabteilung "Widget Manager" eintragen (um hier alles zu sammeln, was er vorgeschlagen hat und vorschlagen wird). Da ich dazu noch weitere Informationen zu jedem Eintrag speichern will, benütze ich die Software "IN Control" und trage Spalten ein für eine EMail-Adresse, ein Anmerkungsfeld für Verschiedenes und das Datum, an dem er mir seine EMail geschickt hat. Es käme schließlich in etwa so etwas heraus:
Eintrag Adresse Anmerkung Datum
------------------- --------------- ---------- --------
Vorgeschlagener
Artikel
Doe, John jdoe@netcom.com
Widget Manager Gute Idee! 1.4.96
Aber hier ist einiges ziemlich ineffizient: jede Menge leerer Raum.
Nach der erste Spalte habe ich noch drei weitere Spalten:
Adresse, Anmerkung und Datum. Aber die Adressen-Spalte wird nur mit
dem Namen des Autors benutzt und "Anmerkung" und "Datum" werden wieder
nur bei dem Titel des Artikels genutzt, daher die ganzen Lücken. Das
ganze ist häßlich und fehlerträchtig: es liegt an mir, dem Benutzer, mich
daran zu erinnern, was jede Zeile bedeutet und daß ich die Adressen-Spalte
nach dem Titel eines Artikels leer lassen muß.
Warum diese Ineffizienz? Weil ich versuche, zwei unterschiedliche Datenbereiche hierarchisch zu organisieren (eigentlich drei, wenn man den "Vorgeschlagenen Artikel" mitzählt), wobei jeder Datenbereich seine eigene Menge von Feldern hat. Aber IN Control weiß davon nichts.
Auftritt: WebArranger -- Bei WebArranger handelt es sich eigentlich um Arrange, ein Programm von Common Knowledge Inc., das so zwischen 1991 und 1993 auf dem Markt war. Ich habe nie zuvor davon gehört, aber kürzlich wurde es von CE Software aufgekauft und bis zum 16. Februar 1996 als eine Art URL-Hamsterer verteilt. CE Software hat es zu diesem Zweck zu einem plug-in-Modul für Netscape umgebaut, das dessen Bookmark- und History-Dateien importiert und Veränderungen auf WWW-Servern registriert. Wenn man die WWW- und URL-Fähigkeiten vergißt, ist WebArranger in seinem Kern ein wundersam geniales Programm.
http://www.cesoft.com/webarranger/waregform3.html
Aber Achtung: Wenn Sie so sind wie ich, dann werden Sie WebArranger nicht sofort verstehen. Ich habe Stunden gebraucht, um die grundlegende Metaphorik zu kapieren und mitzubekommen, was eigentlich vor sich geht. Wenn man kein altes Arrange-Handbuch finden kann, kann man die Hilfe-Datei herunterladen; die ist ziemlich oberflächlich und überholt, aber besser als gar nichts. Dieser Artikel sollte auch ein bißchen helfen, obwohl ich nicht die offizielle Terminologie verwende (die ist mir nämlich zu undurchschaubar und verwirrend).
ftp://ftp.cesoft.com/pub/Software/WebArranger/Arrange_Help.sea.hqx
Mit WebArranger werden Datenbereiche definiert, die gespeichert werden sollen, wobei jeder Datenbereich seine eigenen Felder hat. Dann kann man eine Übersicht erstellen, in dem jeder Datenbereich ein Eintrag oder ein Untereintrag sein kann. Für mein Beispiel von oben würde ich einen Überschrift-Datenbereich, einen Autor-Bereich und einen Artikel-Bereich definieren. Um die Darstellung und die Navigation in der Übersicht zu ermöglichen, verwendet WebArranger eine Zusammenfassungszeile, in der jeder Datenbereich eine einzelne Zeile einnimmt, die WebArranger gemäß einem definierbaren Format aufbaut. Wenn man auf die Zusammenfassungszeile klickt, klappt der Bereich auf und zeigt seine Felder, beschriftet und untereinander angeordnet. Man kann auch doppelklicken und erhält den Datenbereich mit seinen Feldern dann in einem eigenen Fenster (damit die Zeilen nicht über den Bildschirmrand hinausreichen). Meine Übersicht sieht also jetzt so aus (alles bis auf die mit einem Stern markierten Zeilen ist normalerweise nicht sichtbar):
* Überschrift [Zusammenfassung, "Vorgeschlagene Artikel"]
Überschrift: Vorgeschlagene Artikel
* Autor [Zusammenfassung, "John Doe"]
Vorname: John
Nachname: Doe
Email: jdoe@netcom.com
* Artikel [Zusammenfassung, "Widget Manager... 1.4.96"]
Titel: Widget Manager
Kommentar: Gute Idee!
Date: 1.4.96
WebArranger baut auf dieser Metapher von Feldern in Datenbereichen in Übersichten
auf derart nützliche Art und Weise auf, daß sich meine Mitarbeiter
darüber beklagen, wie ich, "Ja!" ausrufend, freudig aus meinem Sessel springe.
Weil ich mich nicht wiederholen will, stellen Sie sich weiters einfach vor, wie
ich "Moment! Das ist noch nicht alles!" sage - vor jedem der nun
folgenden Absätze.
Damit auch große Mengen von Informationen gespeichert werden können, stellt WebArranger eine zweite, höhere Ebene des Übersichtsschemas zur Verfügung. Jede Übersicht von Datenbereichen - wie die eben beschriebene - findet sich im Unterordner eine Ordners; d.h. eine zweistufige Organisation. Diese Organisationsstruktur ist im linken Eck des Fensters zu sehen. Wenn man auf eine Unterordner klickt, erscheint sein Inhalt im Hauptteil des Fensters. Auf diese Art kann ich einen Ordner mit dem Namen "Geschäfte" verwalten, der zwei Unterordner enthält, die "Artikel" und "Autoren" heißen.
Ein Vorteil dieser Organisationsstruktur ist, daß ein Autor mit mehr als einem Artikel in Beziehung stehen kann. Um einen vor dem überflüssigen Vervielfältigen von Datenbereichen zu bewahren (durchaus in Sinne von Occams berühmtem Rasiermesser), bietet WebArranger die Möglichkeit, jeden Bereich zu klonen, was ungefähr so ist, als würde man ein Alias herstellen. Alle diese Klones sind gleich und die Änderungen in einem davon werden sofort in den anderen aktuell. Ich klone also meinen Autor, John Doe, in den Autoren Unterordner, und verwende diesen Unterordner als Depot für alle Autoren. Wenn dann ein schon vorhandener Autor einen Vorschlag macht, kann ich sie oder ihn einfach aus dem Autor-Depot klonen, wenn ich einen neuen Eintrag bei den Artikeln mache.
Machen wir noch eine andere Änderung. WebArranger erlaubt es, daß Datenbereiche auch Verbindungsfelder haben. Ein Verbindungsfeld enthält eine oder mehrere Datenbereiche (so kann man einen Bereich in einem anderen speichern), diese Datenbereiche können auch Klone sein. Damit kann ich meine Datenbereiche restrukturieren, sodaß der Autor, anstatt eine eigene Zeile in einer Übersicht zu sein, als Feld zu einem Artikel erscheint, so etwa:
* Überschrift [Zusammenfassung, "Vorgeschlagene Artikel"]
Überschrift: Vorgeschlagene Artikel
* Artikel [Zusammenfassung, "Widget Manager... 1.4.96"]
Title: Widget Manager
Verbindungsfeld: * Autor [Zusammenfassung, "John Doe"]
Vorname: John
Nachname: Doe
Email: jdoe@netcom.com
Kommentar: Gute Idee!
Date: 1.4.96
Da ein Verbindungsfeld eine beliebige Anzahl von Klonen enthalten kann,
ist damit auch das Problem gelöst, wenn ein Artikel mehr als einen
Autor hat. In der Praxis hat diese Struktur für mich einen weiteren
Vorteil, daß nämlich Verbindungsfelder mit automatischem Look-Up
ausgestattet sind. Wenn ich also einen neuen Artikel erzeuge, erscheint
eine Dialogbox, sobald ich in das Autoren-Verbindungsfeld komme, und
wenn ich dort den Nachnamen des Autors eingebe, wird automatisch ein
Klon in dem Verbindungsfeld eingetragen.
Und andersherum: um meinen Autoren Unterordner zu einem gut funktionierenden Depot für all meine Autoren-Datenbereiche zu machen, kann ich diese Unterordner auf Autoklonen setzen, d.h. immer dann, wenn ein Autoren-Bereich erzeugt wird, wird von diesem automatisch ein Klon in den Autoren-Unterordner gestellt. Wenn ich also einen neuen Artikel erzeuge und der Autor, den ich im Verbindungsfeld eintrage, noch nicht existiert, wird automatisch ein Klon des neuen Autors im Autoren-Unterordner abgelegt.
Alle Datenbereiche haben bestimmte "Systemfelder", die von WebArranger automatisch gefüllt werden. Diese sind unsichtbar, außer man macht sie sichtbar - zum Beispiel das Datum und die Zeit, als der Datenbereich erzeugt wurde, und Zeit und Datum der letzten Änderung. Diese Fähigkeit macht WebArranger zu einem Geschenk des Himmels als Kontaktmanager. Ich habe mir einen Bereich gebastelt, genannt MemoDatum, der aus einem Textfeld und dem Erstellungsdatum des Datenbereichs besteht. Jedesmal wenn es bezüglich eines Artikels eine Kontakt gibt, mache ich einen neuen MemoDatum-Bereich und trage ihn als Unterpunkt zu dem Artikel ein. So habe ich eine genau datierte Sammlung von allen Kontakten, die einen Artikel betreffen.
Abfragen und Ansichten -- Wenn man große Mengen von Daten gesammelt hat, gibt es einige brauchbare Methoden, darauf zuzugreifen. Eine davon ist, eine Übersicht nach Sortierung und Vergleichskriterien abzusuchen. Zum Beispiel wächst mein Autoren Unterordner nach keinem bestimmten Schema, aber im allgemeinen möchte ich ihn nach Nachnamen und Vornamen sortiert betrachten - und wenn ich möchte, kann ich noch ein Vergleichskriterium hinzufügen, zum Beispiel: nur diejenigen Autoren, die keine EMail-Adresse haben. Eine Menge von Kriterien zur Sortierung und zur Auswahl nennt sich Ansicht (View). Die Regeln für jede Ansicht werden automatisch mit dem Entwurf in einem praktischen PopUp-Menü gesichert. Eine Ansicht zeigt entweder alle Zeilen der Übersicht oder nur jene eines bestimmten Datenbereichs und kann das ausserdem mit der einer "Tabellen"-Struktur verbinden, in der Zeilen Datenbereiche [im Sprachgebrauch der Datenbanken: Datensätze. --WJF] und Spalten Felder sind (wie in einer typischen Datenbank).
Ein Ansicht kann auch als Kalender dargestellt werden: man sagt WebArranger, welches Datumsfeld relevant ist und er fügt die Zusammenfassungszeile jedes Datenbereichs in der richtigen kalendarischen Position ein. Man kann sich einen Monat, eine Woche oder einen Tag auf einmal anschauen und obwohl es einige Einschränkungen des Interface gibt, ist dieses erstaunlich flexibel, in mancher Hinsicht sogar besser als spezielle Kalenderprogramme wie IN Control 3.5.
Alle Fähigkeiten von WebArranger hier zu beschreiben ist unmöglich, also werde ich mich durch eine kurze abschließende Aufzählung hetzen. Es gibt gute Suchmöglichkeiten, die auffallend schnell sind. Alle Bereiche, die bestimmte Kriterien aufweisen, lassen sich zu einer Sammlung zusammenfassen. Mit einem Gehe-Zu-Dialog kann man in einen anderen Unterordner springen, indem man die ersten paar Buchstaben seines Namens eingibt. In einem Dokument können mehrere Fenster offen sein. Ein Alarmzusatz verwandelt jedes Datumsfeld in einen Wecker. WebArranger muß nicht einmal offen sein, damit der Wecker funktioniert (eine Systemerweiterung ist dafür zuständig), und man kann den Wecker ausschalten, für eine bestimmte Zeit deaktivieren oder zu dem entsprechenden Eintrag in seinem WebArranger Dokument springen. Ein spezielles Kontrollfeld erlaubt, die aktuelle Auswahl aus jedem beliebigen Programm zu holen, um sich später darauf zu beziehen. Auch dazu muß WebArranger nicht laufen: die geholten Daten werden beim nächsten Start von WebArranger in ein dafür bestimmtes Startdokument importiert.
Noch Spielraum zum Wachsen -- Ein paar Dinge am WebArranger könnten noch verbessert werden. Für größere Texte ist er ungeeignet (ein Feld kann maximal so ungefähr 10K fassen). Die Oberfläche für die Übersichten bietet kaum Möglichkeiten der Bedienung mittels Tastaturkürzeln. Manche Befehle heben die gegenwärtige Auswahl auf, was gegen jede Intuition ist und einen den Boden unter den Füßen verlieren läßt. Auch Export und Druck sind nicht aufregend.
WebArranger ist eines jener Programme, die ziemlich pingelig sind, wenn es ums Klicken geht. Wenn man auf eine Zusammenfassung klickt, geht diese auf, klickt man auf das Dreieck eines Datenbereichs, erscheinen oder verschwinden die Unterbereiche und wenn man auf das Icon selbst klickt, wählt das den Bereich aus. Jemand wie ich klickt die meiste Zeit daneben.
Wahrscheinlich stößt man auf die größte Schwäche von WebArranger, wenn man in die Tiefen der Datenbereiche und Felddefinitionen hinabsteigt. Man kann zum Beispiel herausfinden, was ein bestimmter Unterordner autoklont (wenn auch nicht einfach), aber welche Unterordner welche Bereiche überhaupt autoklonen, ist nicht zu ermitteln. Ähnlich lassen sich alle Namen aller Felder aller Datenbereiche auf einmal feststellen, aber es ist unmöglich, draufzukommen, welche Datenbereiche ein bestimmtes Feld benutzen.
CE Software plant, aus WebArranger einen Teil der bevorstehenden DayVision-Produktserie zu machen, aber ich würde nicht darauf setzen, daß das Interface verbessert wird. Nicht vergessen, CE sind die Erzeuger von QuicKeys (eine ziemlich gute Software mit einem miesen Interface) und QuickMail (meiner Meinung nach schauderhafte Software, deren Interface mit jeder neuen Version schlimmer wird).
Nichtsdestotrotz, WebArranger kostenlos zu verteilen ist ein schönes Geschenk. Dieses Programm hat mir über die Runden geholfen, als ich auf der Macworld Expo Notizen zu Diskussionen machen mußte und ist nun mein bevorzugter Kontaktmanager. Das Programm erlaubt es, große Datenmengen und unterschiedliche Datenbereiche einfach anzuordnen und zu verwalten. Tatsächlich ist man versucht, sein ganzes Leben in einem riesigen Dokument abzulegen. Sollte der Trick dahinter sein, mich mit dem Gratisprogramm süchtig zu machen und dann für eine Kette von Upgrades zahlen zu lassen, so bin ich immerhin ein entzückter Süchtiger.
CE Software -- 515/221-2258 (fax) -- <sales@cesoft.com>
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Brigitte Marschall [BRM], Gregor Retti [GR].
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