TidBITS#314/12-Feb-96 - Deutsch

Wenn Sie die Grippesaison für etwas Übles gehalten haben, dann halten Sie sich doch einmal vor Augen, was Word-Benutzer mit Makro-Viren gerade durchmachen! Diese Woche teilen wir Ihnen auch mit, wie Sie die japanische und die deutsche Ausgabe der TidBITS finden, ferner Informationen zu neuen Versionen von Claris Emailer, HyperCard, und, in einer neuen Beta, Internet Explorer von Microsoft. Adam befaßt sich außerdem mit der geschäftlichen Seite des Internet (und versucht, an James Bond ein neues Auto zu verkaufen); Tonya schließt diese Ausgabe mit einer ausgiebigen Besprechung von SoftQuads HoTMetaL PRO 2.0 ab.

Autorisierte Übertragung aus den TidBITS#314/12-Feb-96.

Die Originalausgabe finden Sie unter: http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-314.html

Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
Information: <info@tidbits.com> Comments: <editors@tidbits.com>

Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
Information: <office@carrier.co.at> Comments: <ferstl@carrier.co.at>


Themen:

ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1996/TidBITS%23314_12-Feb-96.etx

Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-314.etx
ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-314.etx
ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-314.etx


MailBITS/12-Feb-96

Weitere Word-Makro-Viren -- Nach einem kürzlich veröffentlichten Computer Incident Advisory Capability (CIAC) Bulletin sind neue Word-Makro-Viren aufgetaucht; zumindest zwei der neuen Varietäten sind ganz und gar nicht harmlos. (Siehe dazu TidBITS-312)

http://ciac.llnl.gov/ciac/bulletins/g-10a.shtml

Obwohl die schlimmsten Auswirkungen immer noch nur Windows-Benutzer betreffen (wie es scheint, sind die Erzeuger der Viren nicht auf dem neuesten Stand, was plattformübergreifende Programmierung anbelangt), sollten Benutzer der Versionen Microsoft Word 6.0 und 6.0.1 auf dem Mac auf der Hut sein. Microsoft hat neue Programme zur Bekämpfung dieser Viren herausgebracht; etliche kommerziell vertriebene Anti-Viren-Produkte werden gerade dafür überarbeitet.

http://www.microsoft.com/msoffice/freestuf/msword/download/mvtool/mvtool2.htm

Ich habe die neue Virenschutz-Software von Microsoft weder geprüft noch getestet; obwohl Microsoft behauptet, daß diese Tools auf dem Mac funktionieren, sind sie nur in einem ZIP-Format (selbsttätig auspackend) für DOS/Windows-Maschinen verfügbar. StuffIt Expander mit dem Expander Enhancer kann die Datei dekomprimieren; die beliebte Shareware-Utility ZipIt von Thomas Brown tut es auch. Wie auch schon die frühere Version der Antiviren-Software von Microsoft überprüft die aktuelle Version nur Dateien, die mit dem Open-Befehl aus dem Datei-Menü geöffnet werden. Dokumente, die zu Öffnen im Finder doppelgeklickt werden oder solche, die aus der Liste der zuletzt verwendeten Dokumente ausgewählt werden, überprüft Microsofts Detektiv nicht. Microsoft -- <wordinfo@microsoft.com> [GD]

ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/cmp/stuffit-expander-352.bin
ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/cmp/drop-stuff-with-ee-352.hqx
ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/cmp/zip-it-135.hqx

Emailer 1.0v3 Updater -- Fog City Software hat einen Updater für Claris Emailer publiziert, der die Versionen 1.0 und 1.0v2 auf die Versionsnummer 1.0v3 bringt. Dadurch soll sich die Unterstützung für Internet Config, das direkte Ziehen von Textdateien in Maildokumente und das Festlegen eines Default-Algorithmus für die Codierung von geschützten Messages verbessern. Das Update hat etwa 1,5 MB. [GD]

http://www.fogcity.com/10v3ReadMe.html
ftp://ftp.fogcity.com/pub/Emailer/Updates/10v3Update.hqx

Internet Explorer in der zweiten Beta-Version -- Die zweite Beta-Version des Mac-Web-Browsers Internet Explorer hat Microsoft fertiggestellt (Siehe TidBITS-311). Über die Behebung einiger Fehler hinaus weist diese Version einige Änderungen an der Benutzeroberfläche auf, darunter an der History-Funktion, an der Werkzeugleiste, an den Einstellungen und den Tastaturkürzeln. Das animierte Windows-Logo, das einige Mac-Benutzer irritiert, ist freilich immer noch präsent und es wird nach wie vor für jedes Bookmark eine eigene Datei angelegt. Die Informationen zur Stabilität gehen auseinander - nach meiner Erfahrung ist die neue Version um einiges weniger stabil als die erste Beta. [GD]

http://www.microsoft.com/windows/ie/mac/macdl.htm

HyperCard 2.3.5 Update: Neue Stacks -- Apple hat ein Update auf Version 2.3.5 von HyperCard zur Verfügung gestellt; im wesentlichen enthält das Release überarbeitete Varianten der Stacks Color Tools, Power Tools und Audio Help. Dabei ist am bemerkenswertesten, daß Audio Help jetzt auch auf PCI-Macs sauber läuft und besser den Apple-Richtlinien für den Input von Sound entspricht. Die Color Tools sollen auf Systemen mit den japanischen und den chinesischen Language Kits zuverlässiger arbeiten; die Picture-XCMD-Routine wurde überarbeitet und unterstützt nun das Clipboard-Verhalten von HyperTalk besser. Das Update hat etwa 850K. [GD]

ftp://ftp.support.apple.com/pub/apple_sw_updates/US/mac/utils/HC_2.3.5_Stacks.hqx

Übertragungen der TidBITS in andere Sprachen

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

Von einer gelegentlichen übersetzten Augabe abgesehen sind die TidBITS in den sechs Jahren ihres Bestehens fast ausschließlich in Englisch vorgelegen. Der Grund dafür ist ganz einfach - wir beherrschen viele andere Sprachen nicht fließend und Übersetzen ist harte Arbeit. Inzwischen haben sich aber Gruppen von engagierten Freiwilligen gefunden, um die TidBITS ins Japanische (Kanji) und ins Deutsche zu übertragen. Für ihre Arbeit haben sie sich unseren herzlichen Dank verdient. Es braucht nicht betont zu werden, daß die Übertragungen nicht unmittelbar nach Publikation der Originalausgabe vorliegen können; wenn das Lesen englischer Texte für Sie schwierig ist, kann die zeitliche Verzögerung aber vertretbar sein.

Japanisch -- Derzeit arbeiten zwölf Personen an der japanischen Ausgabe der TidBITS, und zwar schon seit etlichen Monaten. Sie können die Ausgaben der TidBITS-J über eine Mailing-Liste beziehen, die Sie per E-Mail an <tidbits-j@axes.co.jp> mit dem Text "subscribe your email address" (ersetzen Sie "your email address" durch Ihre wirkliche E-Mail-Adresse) im Hauptfeld Ihrer Nachricht schicken. Sollten Sie es vorziehen, die TidBITS-J im Web zu lesen, so ist die HTML-Version an der ersten URL-Adresse unten zu finden. Die Ausgaben, die über die Mailing-Liste verschickt werden, sind auch über FTP abrufbar. Die TidBITS-J sind auch auf Nifty-Serve und in einigen FirstClass-Mailboxen zu finden; wenden Sie sich per E-Mail an <odaka@iprolink.ch>, wenn Sie detaillierte Informationen haben wollen.

http://www.axes.co.jp/TidBITS-J/TidBITS-J.html
ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/kanji/

Deutsch -- Die deutschsprachigen Ausgaben der TidBITS wurden vor relativ kurzer Zeit begonnen und sind derzeit nur im HTML-Format im World Wide Web verfügbar. Sie werden von Walter J. Ferstl unter unverzichtbarer Mitarbeit von Gregor Retti erstellt [inzwischen sind außerdem Brigitte Marschall und Monika Tessadri-Wackerle mit dabei. Ihnen allen hier meinen Dank. --WJF]. Wegen der aufwendigen Arbeit des Übersetzens beginnen die übertragenen Ausgaben erst mit TidBITS-306 [und sind damit von einer Vollständigkeit weit entfernt. --WJF]. Aber das ist immer noch besser als gar nichts; wenn Sie in deutscher Sprache lesen wollen, finden Sie die TidBITS-Deutsch unter:

http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/

Noch andere Sprachen? Wenn Sie in Englisch und einer anderen Sprache versiert sind und genug Zeit übrig haben, um Ausgaben der TidBITS übersetzen zu wollen, lassen Sie es uns wissen und wir werden sehen, ob wir helfen können.

Gedanken zum Business im Internet

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

In TidBITS-311 schrieb ich über Apple und die Vermarktung des Macintosh über das Internet, aber bei weiterer Überlegung kommt es mir nicht so vor, als ob sehr viele Firmen das Marketing im Internet ernst nähmen; mag sein, weil es sich um eine völlig andere Welt als die des traditionellen Marketing handelt - und daß die Leute, die Entscheidungen in Bezug auf Marketing zu treffen haben, nicht besonders über die Stärken des Internet Bescheid wissen.

Ich will hier einige Konzepte für alle anbieten, die geschäftlich tätig sind und im Internet zu arbeiten versuchen. Punkt eins - Information: Mißlungene Web-Seiten, die den Benutzer mit mehr Fragen zurücklassen als sie vorher gehabt hatten, sind keine gute Sache. Stellen Sie wirkliche Information bereit. Punkt zwei - Gemeinschaft: Im wesentlichen ist das Web eine hochgradig gemeinschaftsstiftende Umgebung, weil es einfach ist, von einer Web-Site zur anderen zu springen. Die Eingabe einer User-ID und eines Passworts verärgert höchstens die Benutzer. Mailing-Listen sind ideal, um Gemeinschaftsgefühl hervorzurufen. Punkt drei - Kontakt zum Kunden: Damit meine ich häufigen, regelmäßigen Kontakt, per E-Mail oder auf andere Art. Neben der offensichtlichen Funktion, mit dem Kunden in Verbindung zu bleiben, schafft Kontakt auch Vertrauen, was im Internet extrem wichtig ist.

In der Vergangenheit waren einige dieser Konzepte schwer umzusetzen, weil die entsprechenden Mittel entweder gar nicht vorhanden oder für Experimente nicht geeignet waren. Heute tritt das Problem nicht mehr auf, weil billige Internet-Server von Apple und eine Palette von Serversoftware von mehreren Anbietern zu haben sind. Unter diesen Firmen ragt StarNine (jetzt Quarterdeck) heraus: erstens wegen der Serversoftware WebSTAR, die StarNine klugerweise von Chuck Shotton gekauft hat, als diese noch MacHTTP hieß und zweitens wegen ListSTAR, von StarNine selbst entwickelt und zum Teil auf dem Programmcode von StarNines E-Mail-Gateway aufgebaut. Die vor kurzem erfolgte Übernahme durch Quarterdeck bescherte StarNine einen weiteren Internet-Server für den Mac, und zwar einen für Internet Relay Chat (IRC) namens GlobalChat. Dieser befindet sich noch im Betastadium, soll aber noch im Februar herauskommen.

Grundsätzlich glaube ich, daß StarNine die Möglichkeiten des Marketing über das Internet erkannt hat. Auf der Macworld Expo hat uns der Marketingchef von StarNine, David Thompson, eine Vorführung gegeben, die alle oben erwähnten Software-Pakete gemeinsam mit dem vor kurzem angekündigten WebSTAR Commerce Toolkit (ebenfalls im Betastadium und für Februar versprochen) einbezog. Der WebSTAR Commerce Toolkit ist ein CGI-Skript, das Zahlungen über das Internet verarbeiten kann - darüber gleich mehr.

Stellen Sie sich zum Beispiel einen europäischen Hersteller teurer Automobile vor (um die Anonymität zu wahren, soll er nur mit seinen Initialen genannt werden - BMW). Diese Firma hat vor kurzem eine gewisse Summe (vermutlich eher ein kleines Vermögen) bezahlt, damit eines ihrer neuen Modelle im jüngsten James-Bond-Film vorkommt. Dieser Wagen hatte alle möglichen Ausstattungsmerkmale, vermutlich auch schußfestes Glas, nach vorne gerichtete Raketenwerfer und einen Schleudersitz für den hinterhältigen Beifahrer (und Nebendarsteller im wahrsten Sinn des Wortes). BMW könnte nun also mit WebSTAR eine Web-Seite einrichten, alle Spezifikationen des Autos aufführen und sogar Filmpassagen einfügen, in denen Schurken überfahren werden, und so weiter. Klar, daß Java und Shockwave für WebSTAR auch nur eine Art von Daten darstellen, BMW kann also beides verwenden. Aber machen wir uns nichts vor: Leute, die diese Art Auto kaufen, brauchen selten eine Probefahrt. BMW könnte also eine abgesicherte Seite auf WebSTAR/SSL (der Version von WebSTAR mit Sicherheitsmerkmalen) installieren, auf der Kunden und Geheimagenten über das Web Autos bestellen, Zusatzausstattung nach Wunsch auswählen und sich die Autos dann über Nacht von Federal Express per Fallschirmabwurf an ihre versteckten Quartiere auf einem Berggipfel oder unter der Meeresoberfläche liefern lassen (und den Verbleib ihrer Lieferung auch noch auf der Web-Seite von FedEx verfolgen).

http://www.fedex.com/

Der WebSTAR Commerce Toolkit, von Chucks Kollegen Louis Slothouber geschrieben, erlaubt es den Kunden, unter mehreren Zahlungsvarianten zu wählen und die Gesamtsumme auszurechnen. Er arbeitet auch mit First Virtual oder mit einem Programm namens MacAuthorize zusammen, um die Transaktion abzuschließen. Derzeit verarbeitet First Virtual Information am besten, läßt aber auch gesicherte Zahlungen über das Netz zu; MacAuthorize hingegen nimmt Kreditkartennummern entgegen und überprüft sie in Echtzeit. So weit, so gut - BMW hat also ein Auto verkauft, für mehr Geld, als die meisten Häuser kosten. Was soll nun als nächstes geschehen?

Auf der Web-Installation könnte es ein Formular geben, das den Kunden Zugang zu einer Mailing-List auf Basis von ListSTAR gibt; auf einer derartigen Liste, laufend betreut von BMW-Mitarbeitern, könnten spezielle Fragen zu den Autos abgehandelt werden. Wenn etwa BMW-Fahrer ständig andere Fahrzeuge vor ihnen mit ihren Raketen vernichten, während sie nur im Radio den Sender wechseln wollen, dann ist das wichtige Information für die BMW-Ingenieure. Die Mailing-Liste läßt auch die Kunden Informationen zu ihren Autos miteinander teilen, zum Beispiel Warnungen zur Verwendung des Nebelwerfers unter den strengen Umweltbestimmungen in Kalifornien. Die Zusammenfassungen dieser Erörterungen sollten im HTML-Format als Archiv mit Suchmöglichkeit im Web zugänglich sein.

Hier sollten gute Marketing-Mitarbeiter aber nicht stehenbleiben; unsere imaginäre BMW-Marketinggruppe tut das auch nicht. Wenn sie als Teil einer Bestellung die E-Mail-Adresse eines Kunden hereinbekommt, fügt sie diese mehreren Listen hinzu. Eine dieser Listen dient dazu, einen Brief von BMW auszusenden, der etwa einen Monat nach dem Kauf Kommentare und Bemerkungen von den Kunden erbittet, vielleicht auch den Käufer auf einen Fragebogen im Web hinweist. Eine andere Liste wird ausschließlich für Informationen von BMW selbst verwendet, wie eine Mitteilung über einen Rückruf wegen des fehlerhaften Raketenstartschalters oder auch eine Information an bestehende Kunden, daß BMW den U-Boot-Verwandlungsmechanismus weiter verfeinert hat. All das läßt sich schon jetzt mit ListSTAR einfach realisieren. Zwar würde ich zögern, eine wirklich große Mailing-Liste mit ListSTAR betreiben zu wollen, aber es ist erwiesen, daß das Programm tausende Benutzer ohne Probleme bewältigen kann.

Der abschließende Teil des Szenarios ist ein Kanal für Internet Relay Chat (IRC), der den BMW-Liebhabern exklusiv gewidmet ist und auf dem GlobalChat-Server von StarNine läuft. Ich muß allerdings zugeben, daß ich die Verwendung von IRC zu Supportzwecken für etwas abwegig halte. Raketenwerfer im BMW-Design kann ich mir vorstellen, aber technischer Support auf Chat-Basis - das geht zu weit. Es ist eine Tatsache, daß Diskussionen mit mehr als einer gewissen (kleinen) Zahl von Teilnehmern ins Chaos abrutschen, unabhängig vom betrachteten Medium. Ich denke hier nicht sehr positiv; sicher kann man auch IRC auf irgendeine Weise in ein Marketingkonzept einbauen. David Thompson hat vorgeschlagen, ein Chat-Server könnte online im Rahmen von "Ereignis-Marketing" die Leute zu einer IRC-Session mit, sagen wir, Sean Connery anziehen. David hat auch darauf hingewiesen, daß Chat nur die Spitze eines Eisberges ist und daß Audio und Video nachfolgen werden.

Stellen Sie sich nun vor, anstelle von BMW wäre Apple diese Firma.

Ich will nicht behaupten, diese Marketing-Situation sei einfach anzugehen - die meisten ernsten Dinge im Leben erfordern gründliches Nachdenken und Werkzeuge können niemandem das Denken abnehmen. In der Schilderung oben gibt es Stellen, wo ein magisches Ding aufscheint, das ein Problem löst. Wenn Sie allerdings im Geschäftsleben Geld machen wollen, können Sie es sich wahrscheinlich leisten, daß jemand für Sie in AppleScript, Frontier, C++ oder in einer anderen Umgebung Software schreibt; Sie können es auch selbst machen, wenn das besser in Ihr persönliches Verhältnis von Zeit zu Geld paßt.

Obwohl ich diesen Artikel mit einer Würdigung der gelungenen Produkte von StarNine begonnen habe, glaube ich dennoch, daß die Demo von David Thompson ebenso eine gute Einführung in die Grundlagen von Marketing im Internet dienen kann wie als Produktpräsentation von StarNine. Die Vorführung enthält Information, erzeugt Gemeinschaft und fördert Vertrauen per häufigem Kontakt zum Kunden. All das trägt sowohl zum Geldverdienen als auch zur Zufriedenheit der Kunden bei. Diese werden geneigt sein, mehr Geld auszugeben, nachdem sie gezwungenermaßen ihre BMWs über den Rand einer Klippe gefahren haben und die Gleitflug-Option einsetzen können, um der obligaten Explosion zu entgehen.

Mehr Informationen zu den Produkten und Mailing-Listen von StarNine finden Sie auf folgendem Web-Server. Und ehe ich es vergesse: Sie können sich BMWs - in etwas zivilerer Ausführung - auch online ansehen.

http://www.starnine.com/
http://www.bmwusa.com/ultimate/roadster/z3downloads.html

Zunehmende Erwärmung: HoTMetaL PRO 2.0

von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>

HoTMetaL PRO 1.0 for Macintosh von SoftQuad kam 1995 mit einigem Trara auf den Markt; es war eins der ersten kommerziellen Softwarepakete zum Erstellen von Web-Seiten für den Mac.

http://www.sq.com/products/hotmetal/hmp-org.htm

In der Macintosh-Welt fand HoTMetaL PRO 1.0 keine begeisterte Aufnahme und das wundert mich nach einem halbstündigen Test auch nicht. Insbesondere schätze ich die Voreinstellungen im DOS-Stil nicht (wo Textdateien zu editieren sind, um Einstellungen abzuspeichern). Wäre HoTMetaL PRO 2.0 nicht verbessert worden, hätte ich gar nicht darüber geschrieben.

Ein fragliches Erbe -- Um die Schwächen von HoTMetaL PRO 1.0 zu veranschaulichen, bringe ich hier eine Liste, die Roz Ault <ault@faxon.com> vor einiger Zeit an Apples Mailing-Liste zum Thema Internet-Authoring geschickt hat:

Die Entwickler bei SoftQuad haben hart gearbeitet - die Version 2.0 erfordert nur mehr die Hälfte des Arbeitsspeichers, startet doppelt so schnell, sieht wie ein Mac-Programm aus und hat überhaupt viele Verbesserungen erfahren. Die Applikation verlangt System 7 und läuft auf Systemen mit mindestens einem 68030-Prozessor, obwohl SoftQuad mindestens einen 68040 empfiehlt. Das Programm soll 4,5 MB RAM zugewiesen bekommen; um einen Web-Browser zu starten sollten Sie noch etwas RAM in Reserve haben.

Diese Besprechung bezieht sich auf Version 2.0, Release 3.69, das eine Reihe von Verbesserungen gegenüber früheren Releases der Version 2.0 aufweist. Ich habe es zwar nicht überprüft, aber Release 3.69 kann Textdateien importieren und HTML-Tags automatisch vergeben. An Formaten werden WordPerfect für den Mac, Word 5.x, Text und RTF unterstützt. Dieses Release wird auch als Version für 68000 und PowerPC [als sogenanntes "fat binary", --WJF] ausgeliefert (die früheren Releases waren nur im 68000-Code geschrieben); die Bearbeitung von Tabellen wurde verbessert und etliche kleinere Fehler sind beseitigt (einschließlich solcher, die mir in einem früheren Release von 2.0 untergekommen sind).

HoTMetaL PRO zeigt die meisten Tags auf dem Bildschirm; um ein Dokument ohne Tags zu betrachten, können Sie den Vorschau-Modus verwenden, der es in einem Browser darstellt. HoTMetaL PRO ist regelorientiert - es läßt Sie nicht nach Belieben Tags einfügen; es läßt Sie auch nichts editieren, löschen oder einfügen, was eine Regel verletzt. Wenn HoTMetaL PRO ein Mensch wäre, hätte niemand auch nur angenommen, es könnte jemals inhaliert haben. Das Programm unterstützt HTML 2.0 (also Tags, die von den meisten Web-Browsern verstanden werden), einiges von HTML 3.0 und darüber hinaus einige wenige Netscape-Erweiterungen. SoftQuad plant, eine überarbeitete Regeldatei in Kürze (vielleicht noch im Februar) herauszubringen, die die Unterstützung zusätzlicher Netscape-Erweiterungen (wie Frames) und einiger Erweiterungen von Microsofts Internet Explorer ermöglicht. Die neue Regeldatei wird auf der Web-Page von SoftQuad zu haben sein.

Das Interface entspricht dem Mac-Standard, ist aber nicht besonders elegant. Bis Sie alle Rädchen des Programms kennengelernt haben, werden Sie die drei Werkzeugleisten im Microsoft-Stil oft verwenden. Ich wünschte mir mehr freien Raum in den Werkzeugleisten, aber die Bildchen auf den Buttons funktionieren ganz gut, besonders auf den <DT>-, <DD>- und <DL>-Buttons, die in grau und schwarz andeuten, welcher Teil einer Glossarliste von einem Button angesprochen wird.

Einige wichtige Voreinstellungen sind nun in einer "Preferences"-Dialogbox untergebracht, darunter die Schriftart und -größe der gezeigten Tags und eine automatische Sicherungsfunktion. Um einige andere Einstellungen zu ändern, müssen Sie aber nach wie vor eine Textdatei editieren.

Die Texteingabe -- HoTMetaL PRO enthält eine Rechtschreibkontrolle und einen Thesaurus; leider sind beide ziemlich schlecht. Das Fenster der Rechtschreibkontrolle tendiert noch immer dazu, das Dokument selbst zu überdecken, sodaß falsch geschriebene Wörter nicht sichtbar sind. Eine "Alles ignorieren"-Option [die, soviel ich weiß, nur in Nisus Writer 4.1.x vernünftig implementiert ist, wo sie ein Wort für die gesamte Lebensdauer eines Dokuments ignoriert -- Adam] fehlt. Wenn ein Fehler gefunden ist, wird eine schwer lesbare vertikale Liste mit vierzehn Vorschlägen zum Ersetzen in einer Art 12-Punkt-Courier gezeigt. Die Möglichkeiten im Thesaurus, zwischen verschiedenen Wörten zu wechseln, sind beschränkt.

HoTMetaL PRO bietet einen Übersichtsmodus [einen "outline view", --WJF], der mit Outline-Prinzipien nichts zu tun hat; er zeigt in eher vager Weise die verschachtelte Struktur der verwendeten Tags. Nichts kann umgruppiert werden, die Einrückungen auf den verschiedenen Ebenen sind zu gering; ob eine Ebene vollständig dargestellt wird, ist nicht zu erkennen und es kann in diesem Modus keinerlei Text eingegeben werden.

Die "Suchen-und-Ersetzen"-Funktion ist raffiniert und komplex (das soll nur eine freundliche Formulierung dafür sein, daß ich nicht herausfinden konnte, wie das ganze zu bedienen ist!). Es gibt Mustererkennung bei der Suche und mit dem gefundenen String kann auch ersetzt werden; die Syntax werden allerdings viele verwirrend finden.

Wenn Sie eine Suche mit Mustererkennung vorhaben, werden Sie mehr als einen Versuch brauchen, bis es funktioniert. Bei der Methode trial-and-error muß immer außerhalb der Suchen-und-Ersetzen-Dialogbox geklickt werden und dann noch einmal innerhalb. Wenn Sie die Box versehentlich schließen oder zufällig versuchen, die Box mit Command-F in den Vordergrund zu bringen, verschwindet der Text in den Feldern "Suchen" und "Ersetzen" ["Find" und "Replace", --WJF]. SoftQuad ist sich des Fehlers bewußt. Immerhin läßt Release 3.69 das Einfügen mittels "Paste" in der Dialogbox zu, sodaß dieses Problem ein wenig gemildert wird.

Wenn Ihr Text diese Ebene der Bearbeitung nicht erfordert, können Sie die Mustererkennung abschalten und die Suchen-und-Ersetzen-Option ähnlich wie in einer Textverarbeitung verwenden. Suchen und Ersetzen wird komplizierter (oder unmöglich), wenn Sie einen Text suchen, der Tags enthält. Das Handbuch erklärt die Regeln und im großen und ganzen ist die einfache Suchen-und-Ersetzen-Funktion brauchbar.

Stilvorlagen -- Die Stilvorlagen von HoTMetaL PRO helfen dabei zu sehen, was beim Erstellen eines Dokumentes passiert; sie ändern nichts daran, wie ein Dokument in einem Browser dargestellt wird. Auch wenn Sie alle <H1>-Header auf 24 Punkt in purpur mit 20 Punkt oberem Abstand setzen, wirkt sich das in dem endgültigen HTML-Dokument nicht aus. So soll es auch sein, weil es die Sache des Web-Browsers ist, festzulegen, wie ein <H1>-Header auszusehen hat. Natürlich wird mit der Zeit HTML auch zusätzliche Stilvorlagen unterstützen und dann - wenn es so weit ist - werde ich mir mehr Nutzen von HoTMetaL PRO erwarten.

Der Dialog für die Stilvorlagen ist einfach zu bedienen und die Vorlagen selbst funktionieren passabel. Jede Vorlage muß einzeln erstellt werden - es gibt keine Hierarchie der Stile, die Sie auf schnelle Weise definieren läßt, daß mit <H2> ausgezeichneter Text gleich aussehen soll wie ein mit <H1> markierter, nur ebebn kleiner. Stilvorlagen werden automatisch in einer eigenen Datei gespeichert (HoTMetaL PRO zeigt dabei deutlich seine Herkunft - diese Datei wird "hmpro2.stl" genannt). Natürlich können Sie Stilvorlagen in einer Datei speichern, die Sie selbst benennen. Jede Stilvorlage kann in jedes Dokument von HoTMetaL PRO geladen werden.

Unterstützung europäischer Sprachen -- Vor kurzem erhielt ich eine Mitteilung von Jean-Pierre Queille <queille@francenet.fr>. Jean-Pierre schrieb über Schwierigkeiten beim Erstellen von HTML-Dokumenten in Sprachen, die den oberen ASCII-Bereich stark verwenden, wie Französisch: "Das Problem beim Anschauen der Nurtext-Version eines HTML-Dokuments liegt nicht in den HTML-Tags, die ich lesen und verstehen kann. Ich kann aber wirklich nicht Text editieren, der überall verstreut Tags wie &eacute; enthält." HoTMetaL PRO wäre für Jean-Pierre von Nutzen. Buchstaben werden als das dargestellt, was sie sind, nicht als HTML-Zeichen [also etwa ü statt &uuml;, --WJF].

Tabellen -- Beim Erstellen einer Tabelle zeigt HoTMetaL PRO einen groben Raster; dieser Pseudo-WYSIWYG-Ansatz erlaubt viel angenehmeres Arbeiten als mit einem Bildschirm voll von Tabellen-Tags. Einige der Tabellenwerkzeuge sind ziemlich gelungen, wie die Palette, mit der sowohl Zeilen und Spalten eingefügt als auch Zellen geteilt oder vereinigt werden können. Andere Möglichkeiten fehlen überraschenderweise - mehrere Zellen können nicht gemeinsam ausgewählt werden, sodaß es keinen Weg gibt, den Text einer ganzen Zeile fett zu setzen oder eine Zeile mit <TD>-markierten Zellen (die normale Form von Zellen in Tabellen) in <TH>-Zellen (für Tabellenüberschriften) umzuwandeln. Zwischen den Zellen kann nicht mit Tab gesprungen werden. Text kann auf verschiedene Weise ausgerichtet und Umrandungen können verschieden dick ausgeführt werden; dies wird aber von HoTMetaL PRO nicht dargestellt.

Makros, Links und Bilder -- Die Makrofunktionen von HoTMetaL PRO sind nicht ausgereift; sie lassen den Benutzer aber Tastaturkürzel zum Einfügen von Tags definieren (zum Beispiel habe ich ein Makro erstellt, das eine Zelle vom Typ <TD> in eine vom Typ <TH> umwandelt). Man kann auch vorgefertigte Textpassagen mit einem Makro einfügen. Makros müssen allerdings aufgezeichnet werden (es gibt keine Skriptsprache, um Makros zu schreiben). HoTMetaL PRO unterstützt kein AppleScript.

Wie die meisten HTML-Editoren verfügt HoTMetaL PRO über eine Dialogbox zum Aufsetzen von Links. Dieser Links-Dialog kann auch oft verwendete URLs in einer Hotlist speichern. Die Benutzer von HoTMetaL PRO können auch Bookmark-Dateien aus Netscape oder Mosaic in die Hotlist importieren.

HoTMetaL PRO unterstützt eingebettete Grafik und bietet eine nette Dialogbox, mit der <IMG>-Tags angelegt werden können. Der Dialog hat ein Feld für ALT-Text und eine Checkbox, mit der ein Bild als interaktive Karte bezeichnet werden kann (obwohl das Programm Ihnen dann nicht mehr hilft, die Datei zu erstellen, die zum Betreiben der Karte hinter den Kulissen notwendig ist). <IMG>-Tags werden nicht mit ihren Attributen dargestellt; um sie zu ändern, muß eine Dialogbox geöffnet werden.

Das Fazit -- Die Makro-Optionen von HoTMetaL PRO sind für versierte HTML-Autoren bedenkenswert, die eine Umgebung suchen, in der HTML-Tags dargestellt werden und die die Einhaltung von HTML-Regeln überwacht. Zum geltenden Listenpreis von 195 US$ hat HoTMetaL PRO 2.0 allerdings kaum Chancen, die Benutzer von preisgünstigeren Programmen wie BBEdit wegzulocken. Dennoch sehe ich der Version 3.0 (auf die ich hier noch nicht eingehen will) mit Interesse entgegen; sie soll noch in der ersten Hälfte des Jahres fertiggestellt sein. Bei der Geschwindigkeit, mit der SoftQuad HoTMetaL PRO weiterentwickelt, könnte die Version 3.0 beachtliches Terrain in der Landschaft der HTML-Editoren für sich abstecken.

HoTMetaL Free 2.0 ist gratis auf der Web-Site von SoftQuad verfügbar. HoTMetaL Free soll wie HoTMetaL PRO arbeiten, aber nicht mit Rechtschreibkontrolle, Thesaurus, Konvertern, Makros und Druckfunktion ausgestattet sein.

http://www.sq.com/products/hotmetal/hm-ftp.htm

SoftQuad -- 416/239-7105 (fax) -- <sales@sq.com>

Reviews/12-Feb-96


Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].

Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Brigitte Marschall [BRM].

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