TidBITS#311/22-Jan-96 - Deutsch

Die schlechten Neuigkeiten diese Woche: Apple hat schwere Verluste angekündigt und sieht Entlassungen voraus. Die guten Nachrichten: In der Macintosh-Welt ereignet sich auch Positives. Wir bringen Meldungen zu Beta-Versionen von Netscape, ShareDevil und Shockwave, dazu Adams Bericht von einem Internet-Marketing-Dinner, das Apple veranstaltet hat. Tonya führt zu einigen fotobezogenen Produkten auf der Macworld Expo aus und Geoff schreibt zu der Betaversion des Internet Explorer for Macintosh von Microsoft.

Autorisierte Übertragung aus den TidBITS#311/22-Jan-96.

Die Originalausgabe finden Sie unter: http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-311.html

Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
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Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
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Themen:

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Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-311.etx
ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-311.etx
ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-311.etx


MailBITS/22-Jan-96

Wir werden unseren Internet-Server diese Woche verlagern. Der Zugriff auf king.tidbits.com über FTP, Gopher und aus dem Web wird nicht immer möglich sein. Mail an alle Adressen auf king.tidbits.com wird sich verzögern, bis die neue Maschine läuft. Mit etwas Glück wird die Unterbrechung nicht länger als ein paar Stunden dauern. [ACE]

Apple: Neuorganisation & 1.300 Entlassungen -- Letzte Woche hat Apple offiziell einen Verlust von 69 Millionen US$ (trotz steigender Absatzzahlen) für das erste Quartal des Fiskaljahres 1996 bekanntgegeben. Außerdem wurden Pläne zu einer großangelegten Restrukturierung angekündigt, die auch die Entlassung von etwa 1.300 Mitarbeitern in den Bereichen Administration, Verkauf und Marketing mit sich bringt. Die Maßnahmen werden Apple im nächsten Quartal mindestens 125 Millionen US$ kosten. Weiter ließ Apple verlauten, daß die Vergabe von Lizenzen für das Macintosh-Betriebssystem ausgeweitet und die Produktpalette vereinfacht werden soll (möglicherweise verbunden mit einem Rückzug aus den Märkten mit den Einsteiger- und einigen mittleren Modellen). Es ist anzunehmen, daß diese Märkte für die Anbieter kompatibler Geräte geöffnet werden sollen, obwohl die Chancen auch nur eines einzigen Clone-Anbieters, in diesem Marktsegment bei niedrigen Preisen und schmalen Spannen die Nachfrage zu decken, bezweifelt werden müssen. Das Wall Street Journal berichtet von verschiedenen Versuchen von Apple, einen Käufer für sich zu finden; Apple selbst bleibt bei der Darstellung, ein Ausverkauf stehe nicht zur Debatte. Fachleute sehen für den Fall, daß Apple sich auf seine angestammten Märkte im Bereich Publikationen und Druck, bei den privaten Kunden und im Schulwesen konzentriert, keine Gefahr für die Firma. Dennoch wollen die Spekulationen über die Zukunft des Apple-Chefs Micheal Spindler nicht verstummen. [GD]

http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1996/q2/960117.pr.rel.q1earnings1.html

ShareDevil wieder verfügbar -- Vielen Dank an die Verantwortlichen bei ZMac/MacUser, die das Programm ShareDevil des verstorbenen Robert Hess im Internet verfügbar gemacht haben. ShareDevil erweitert das File Sharing von System 7, indem es zum Beispiel warnt, wenn jemand zu einer Maschine eine Verbindung über das Netz aufbaut oder beendet. Es gibt auch je eine Statusfenster für File Sharing und für Apple Remote Access (ARA) und einen erleichterten Zugriff auf die File-Sharing-Kontrollfelder. Als Applikation braucht ShareDevil nur wenig Arbeitsspeicher - ein guter Kandidat für den Ordner mit den Startobjekten. Bevor wir einen SE/30 als File Server konfiguriert haben, habe ich meinen 660AV als Server verwendet; ich konnte es gut brauchen, daß ShareDevil mich davon informierte, ob Tonya mit dem Server verbunden war, bevor ich einen Neustart machte oder mit launischer Software zu arbeiten begann. [ACE]

http://www.zdnet.com/~macuser/download/sharedevil.hqx

Netscape 2.0b6a ist erschienen -- Vergangene Woche hat Netscape die Beta-Version 6 und dann Beta 6a vom Netscape Navigator publiziert. In den Releases sind Probleme mit beschädigten Dateienstrukturen behoben und die Leistung mit JavaScript und Netscape-Zusätzen wurde verbessert. Die komprimierte Datei ist etwa 2.5 MB groß, die Version läuft am 1. März 96 aus; weitere Informationen in der beiliegenden Release-Notes-Datei.

ftp://ftp.netscape.com/2.0beta6/mac/Netscape2.0b6aInstall.sit.hqx
http://home.netscape.com/eng/mozilla/2.0/relnotes/mac-2.0b6.html

Zu betonen ist, daß Java in den vorliegenden Versionen nicht unterstützt wird. Marc Andreessen von Netscape wurde mit der Bemerkung zitiert, Java könnte auch in der endgültigen Version 2.0 nicht unterstützt werden.

http://www.hotwired.com/staff/userland/itstwueitstwue_476.html

Netscape hat mit dieser Release auch Änderungen am Installer vorgenommen; der Installer versucht nach der Installation eine "Setup"-Seite zu öffnen. Wenn sich mehr als eine Version von Netscape auf der Platte befindet, kann der Installer versuchen, die falsche Seite anzusprechen; dadurch können unter Umständen die Preference-Datei beschädigt oder andere schwerwiegende Probleme verursacht werden. Ich empfehle, diese Seiten nach der Installation per Hand zu öffnen. [GD]

Genug der stehenden Bilder? -- Wenn Sie jede Menge RAM haben, werfen Sie einen Blick auf die Entwicklerversion von Macromedia Shockwave, einem Zusatz für Netscape ab Version 2.0b5. Shockwave bietet den Web-Benutzern die Möglichkeit, Material herunterzuladen und darzustellen, das mit Macromedia Director erzeugt worden ist.

http://www.macromedia.com/Tools/Shockwave/sdc/Plugin/special.htm

Macromedia gibt selbst zu, daß diese frühe Version "kaum stabil" sei und das scheint eine genaue (vielleicht sogar großzügige) Einschätzung zu sein. Weisen Sie Netscape mindestens 6 MB RAM (ich empfehle 8 MB) zu, wenn es mit Shockwave zusammen laufen soll, und seien Sie darauf gefaßt, längere Zeit zu warten, wenn Sie damit arbeiten: Shockwave-Dateien haben pro Stück zwischen 150 und 500 K. Ich finde, ein hoher Preis für ein rotierendes Logo und eine Sound-Datei im Hintergrund; noch habe ich keine überzeugende Anwendung für Shockwave gesehen. [GD]

Internet Marketing für die Mac-Plattform

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

Eines der interessanteren Ereignisse, das ich auf der Macworld Expo miterlebt habe, war ein von Apple organisiertes Dinner. Das Treffen war von Chuck Shotton (WebSTAR) angeregt worden und sollte Apple helfen, Ziele im Hinblick auf Internet-Marketing zu formulieren. Unter den Anwesenden waren zahlreiche in der Internet-Szene wohlbekannte Personen, denen ebenso viele Marketingspezialisten und Produktmanager von Apple gegenüberstanden.

Nach dem Essen gingen wir alle durch den Raum und stellten uns einander vor; alle stellten einen oder zwei Punkte zur Diskussion. Wie üblich war die Zeit, die für die Diskussion zur Verfügung stand, nicht annähernd ausreichend. Einige der Anwesenden waren besorgt über die Aussagen Apples zum Macintosh als Internet-Client und als Internet-Server. Andere waren der Ansicht, Apple mache nicht genug Anstrengungen, den Mac als die ideale Plattform für das Publizieren im Internet zu forcieren. Es wurde auch Fragen aufgeworfen, die das Marketing des Mac als firmeninterner Internet-Server (als sogenanntes "Intranet") betreffen.

Eins meiner liebsten Ärgernisse ist die Tatsache, daß Internet-Provider selten Mac-Kenntnisse haben; dazu kam die Ansicht, Apple sorge zuwenig dafür, den Händlern und anderen mit dem Mac befaßten Personen (etwa im Schulbereich) die Vorzüge des Macintosh im Internet nahezubringen.

Beim Thema Zukunftstechnologien zweifelten viele daran, ob Apple Cyberdog angemessen präsentiere, besonders in Anbetracht der Marktmacht von Netscape und der steilen Zunahme von Java. Die Diskussion drehte sich auch um die spärliche Präsenz der Apple-Mitarbeiter in Mailinglisten und Newsgroups, was ein ungünstiges Licht auf die Beteuerungen Apples wirft, eine Internet-bewußte Firma zu sein.

Ich habe nicht bemerkt, daß irgendeine Frage in den weinigen Stunden gelöst worden wäre, aber ich halte das Treffen aus mehreren Gründen für sehr wertvoll. Erstens beruhen Geschäfte zum großen Teil auf persönlichen Bekanntschaften; das Dinner brachte die Marketing-Spezialisten von Apple mit einem Kreis von Personen in Kontakt, die ihr Leben damit verbringen, Macs am Internet zu benutzen und sie dort auch zu propagieren. Zweitens waren die meisten Anwesenden der Meinung, Apple werde aus den aufgeworfenen Themen Schlüsse ziehen (obwohl niemand die Illusion hatte, Apple werde ganz plötzlich das Internet durchschauen oder auch begreifen, wie der Mac in Hinblick auf das Netz zu vermarkten sei). Zuletzt noch etwas, was sich meiner Meinung bei diesem Anlaß doch geändert hat: Die bei Apple für das Marketing Zuständigen haben das Ausmaß erkannt, in dem Apple es unterläßt, Marketing im Internet selbst zu betreiben. Nicht einmal Mac-Benutzern am Internet ist es bewußt, daß beinahe jeder Mac einen passablen Web-Server abgibt oder daß eine Anzahl von identisch konfigurierten Mac-WebServern (ein sogenanntes RAIC, kurz für Rapid Array of Inexpensive Computers) beinahe jede Last übernehmen kann, die das Web ihr abverlangt.

Obwohl ich nur eine unter vielen Stimmen auf dem Treffen war, will ich doch meine fünf wichtigsten Vorschläge für Apple an einer passenden Stelle deponieren - nämlich hier.

1. Ein Client-Mac für das Internet sollte von Apple angeboten und mit Nachdruck bekanntgemacht werden. Dieser Mac könnte ein Performa in mittlerer Ausstattung sein, mit einem 28.8-Modem und dem Internet Connection Kit (oder mit Cyberdog, wenn es nicht sofort geschehen kann). Ich bin in diesem Fall zwar befangen, aber: Apple sollte auch noch meinen Internet Starter Kit for Macintosh dazupacken. Das Internet ist eine Welt für sich, und die Neulinge dort ohne Erklärungen und ohne historischen Background hineinzuwerfen ist sowohl dem neuen Benutzer als auch der Internet-Gemeinschaft gegenüber ungerecht.

2. Apple sollte sofort offiziellen Support im Internet auf Basis von e-Mail und Newsgroups anbieten. Ich schlage das schon seit Jahren vor; es könnte Kosten senken und das Image von Apple verbessern. Dazu sollte Apple schon vor dem Kauf allen Interessierten faire Beratung bieten. Ich kann gar nicht sagen, wie viele Anfragen wir bei den TidBITS zum Thema "Welches Mac-Modell soll ich kaufen?" bekommen. Die TidBITS verkaufen keine Macs - das ist das Geschäft von Apple, und Apple sollte diese Art Information per e-Mail bereitstellen. Derartige Beratung könnte auch die Verwirrung und das Unwissen mindern helfen, das einem Käufer oft in Superstores und bei Händlern begegnet, die nicht auf Macintosh spezialisiert sind.

http://www.zdnet.com/~macuser/mu_0296/features/shopper_sb1.html

3. Apple sollte alle Mailiglisten und Newsgroups mit Mac-Bezug suchen und Verbindungspersonen einsetzen, die die Diskussionen dort verfolgen und daran teilnehmen. Wenn das nicht in Frage kommt (wie im Falle einer Liste, die auf ein Programm einer anderen Firma ausgerichtet ist), sollte Apple seinen Einfluß bei dieser Firma geltend machen, damit diese dasselbe tut. Wann immer Apple auf ein wichtiges Thema stößt, zu dem noch kein Diskussionsforum existiert, sollte Apple selbst ein solches beginnen. Apple hat immer von der Loyalität seiner Kunden sehr profitiert - die Förderung von Diskussionen unter den Benutzern im Internet ist ein kostengünstiger Weg, ein Gefühl von Gemeinschaft zu erzeugen.

4. Apple sollte innovative Entwickler im Bereich der Freeware und der Shareware für den Mac ausfindig machen, ebenso Personen oder Gruppen, die qualitativ wertvolle Informationen zum Macintosh in das Internet einbringen. Die Verleihung der Cool Tools Awards 1994 sind dafür ein vorzügliches Beispiel (siehe TidBITS-247). (Ich werde bald eine Neuauflage der Cool Tools Awards fertiggestellt haben).

5. Apple sollte dafür sorgen, daß Cyberdog ein Modul auf Basis von OpenDoc hat, das Netscape-Zusätze spielt und ein anderes für Java Applets. Diese Maßnahme ist essentiell für den langfristigen Erfolg von Cyberdog angesichts der Netscape-Übermacht auf dem Gebiet der Web-Browser und des möglichen Erfolges von Java. Machen wir uns nichts vor: Cyberdog ist die entscheidende Applikation für OpenDoc; wenn OpenDoc ein Erfolg werden soll, muß Cyberdog schon noch einige wirklich eindrucksvolle neue Tricks lernen.

Zweifellos werden viele von Ihnen auch Vorschläge für Apple anzubieten haben. Bitte schicken Sie Ihre Ideen nicht jetzt gleich an uns, denn (a) können wir mit den meisten nichts anfangen und (b) wird es in Kürze eine Möglichkeit geben, solche Vorschläge direkt an Apple zu schicken. Ich werde mehr darüber schreiben, wenn alles so weit ist.

Fotografie: Bits statt Papier

von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>

Papier ist out. Zugegeben, ich schreibe diesen Artikel auf Grund von einigen Papierausdrucken - trotzdem: Papier ist out. Auf mehr als der Hälfte aller Stände auf der Macworld Expo waren Produkte zu sehen, die nicht auf einen Papierausdruck als Endprodukt der Arbeit am Computer abzielen. Insbesondere bauen einige Produkte auf der Idee von Fotos auf, die nur in Form von Bits vorhanden sind. In längst vergangenen Zeiten waren Fotos die kleinsten Einheiten - als physikalische Objekte konnten sie weitergegeben, in Alben eingeordnet oder in Schuhkartons aufbewahrt werden. In unserer heutigen, verdrahteten Welt existieren Fotos oft schon als Bits auf Festplatten, und Alben können im Web durchgeblättert werden.

Adam und ich haben diese Erfahrung schon gemacht, und zwar als die stolzen Besitzer einer inzwischen nicht mehr ganz neuen QuickTake-Kamera; wir finden die Ergebnisse der QuickTake viel überzeugender als die Hochglanz-Farbbilder im Format 10x15 cm, die ich mit meiner Analogkamera erzeugen kann. (Siehe Adams Artikel über die QuickTake in TidBITS-297.)

Günstig und komfortabel -- Wenn Sie eine digitale Kamera oder einen Scanner haben, ist es einfach, Ihre Fotos auf eine Platte zu speichern; wenn nicht, ist vielleicht der EasyPhoto Reader von Storm Technologies das richtige Gerät - ein Scanner für 259 US$, der speziell darauf hin konstruiert ist, das Digitalisieren von Fotos leicht zu machen. Der Scanner kann Fotos bis zu 12,5 cm Breite und in beliebiger Länge verarbeiten. Die Auflösung liegt bei 200 dpi, die Farbtiefe kann bis zu 24 Bit betragen. Die Software kommt auf CD, kann aber auf Disketten nachgeliefert werden. Um etwas zu scannen, das nicht durchgezogen werden kann (etwa eine Seite in einem Buch), kann man das Gerät auch auseinandernehmen; vielleicht braucht es dann ziemlich viel Übung, um in diesem Modus zu scannen. Steve Maller <steve@maller.com>, ein TidBITS-Leser, hat mir vor kurzem den folgenden Kommentar zum EasyPhoto Reader geschickt:

"Ich war auf der Suche nach einer guten und günstigen Methode, Fotos in meinen Macintosh einzuscannen. Ich habe einen älteren 8-Bit-Graustufenscanner, den OneScanner von Apple, der für Dokumente und Linienzeichnungen gut geeignet ist; ich habe aber auch Bedarf an Farbscans. Ich habe die Anschaffung eines weiteren Flachbett- oder eines Diascanners erwogen, bin aber dann auf den sehr günstigen EasyPhoto Reader gestoßen; ich wollte einen Versuch wagen (bei einer Rückgabegarantie von 30 Tagen - ein großartiges Angebot).

Es läßt sich kaum eine einfachere Installation denken. Ich habe den EasyPhoto Reader an einen Power Mac 8500 angeschlossen (ein Modell, das normalerweise eine Herausforderung an die Kompatibilität vieler Peripheriegeräte darstellt). Nachdem ich den Scanner an einen der beiden seriellen Ports angesteckt hatte (es spielt keine Rolle, an welchen), hatte ich meinen ersten Scan in fünf Minuten fertig, einschließlich der 45 Sekunden, die der Scanner zum Aufwärmen benötigt.

Die mitgelieferte Software ermöglicht zwei Methoden, zu digitalen Bildern zu kommen: Eine (stand-alone-) Applikation namens EasyPhoto und ein Photoshop-Plug-In. Zwischen den Bildern, die auf den beiden Wegen zustandegekommen waren, konnte ich keinen Unterschied erkennen; das Photoshop-Plug-In ist freilich etwas langsamer.

EasyPhoto verwendet die Metapher einer Galerie, um gescannte Bilder zu verwalten. Ein gerade eingescanntes Foto wird einem Fenster mit Rollbalken hinzugefügt; es wird außerdem als JPEG-Datei auf die Festplatte geschrieben (das geschieht im Hintergrund). [Als Benutzer haben Sie keine Kontrolle über den Grad an JPEG-Kompression -Tonya.] EasyPhoto bietet auch einige sehr effiziente Möglichkeiten zur Nachbearbeitung von Bildern. Durch einen Doppelklick auf ein Bild im Galeriefenster kann es unter EasyPhoto geöffnet werden; das Programm stellt eine kleine Palette von Editier-Werkzeugen, darunter Helligkeits- und Kontraständerung, Farbbalance und eine einfache Möglichkeit zur Entfernung der Erscheinung roter Augen, zur Verfügung. Ich war ja skeptisch, aber der "Rote-Augen"-Filter funktioniert wirklich. Weiters können Bilder rotiert, skaliert und beschnitten werden. Nach meinen Erfahrungen sind die Dateien immer unter 100 K groß und nach Bearbeitung und Beschnitt in der Regel sogar unter 50 K. Das Bildbearbeitungs-Know-How von Storm kommt in der Einfachheit und in der Effizienz der Editierwerkzeuge zur Geltung. Erfahrene Photoshop-Benutzer werden freilich das Plug-In bevorzugen, das ihnen die viel zahlreicheren Möglichkeiten dieses Programms eröffnet.

Die Gretchenfrage zu jedem Scanner lautet: Wie sehen die fertigen Scans aus? Wie bei jedem derartigen Vorhaben, ist auch hier die Qualität des Outputs wesentlich vorgegeben durch die Qualität des Inputs. Zum Scannen habe ich ganz gewöhnliche Abzüge vom nächstgelegenen Fotoladen mit 1-Stunden-Service verwendet. Die Qualität der Ergebnisse ist generell gut, mit Abweichungen nach unten und nach oben. Die Resultate sind zwar der Qualität auf den PhotoCDs von Kodak klar unterlegen; dennoch hat das Gerät sicher eine große Zukunft. Wenn immer mehr Menschen das Internet mit Web-Seiten belasten, die voll von Bildern ihrer Kinder sind, wird EasyPhoto Reader dabei helfen, daß diese Kanäle nicht leer werden zu lassen."

Steve führt die Web-Seite von Storm an, die mehr technische Details enthält.

http://www.stormsoft.com/storm/

Mit welchen Mitteln auch immer Sie Ihre Fotos digitalisieren - wenn diese einmal gespeichert sind, wollen Sie sie auch bearbeiten. Wenn Ihnen der EasyPhoto Reader nicht zusagt, dann vielleicht eins der beiden Softwarepakete, die auf der Expo debutiert haben: PhotoDeluxe von Adobe oder Living Album/Web von QuickMedia.

Photoshop, vereinfacht -- PhotoDeluxe ist das Photoshop für alle (oder zumindest für all jene, die die Hardware besitzen, um es zu betreiben; siehe unten). Bei einem geschätzten Preis von 90 US$ stellt PhotoDeluxe nach den Worten eines Mitarbeiters von Adobe eine Art Photoshop mit erneuerter Benutzeroberfläche dar. Obwohl PhotoDeluxe keine Funktionen aus dem professionellen Bereich wie integrierte Farbseparation anzubieten hat, unterstützt es immerhin die Plug-In-Module für Photoshop. PhotoDeluxe hat zwei Modi: Im "Begleit"-Modus (guided mode) werden die Benutzer durch grundlegende Vorgänge geführt und die Arbeitsweise eines professionellen Grafikers wird gezeigt. Zu den begleiteten Aktivitäten zählen das Skalieren und Beschneiden von Bildern, aber auch Aufgaben wie Kalender, Grußkarten, Malbücher oder Seiten im Acrobat-Format. Der Begleit-Modus kann jederzeit verlassen werden, wenn mehr Flexibilität gefragt ist.

PhotoDeluxe setzt einen Macintosh mit 68040- oder PowerPC-Prozessor voraus, System 7, 8 MB zugewiesenen Arbeitsspeicher auf einem 68040, 12 MB gesamten Speicher auf einem PowerPC (davon 5,2 MB an PhotoDeluxe zugewiesen), 45 MB Platz auf der Festplatte, einen Farbmonitor mit 256 Farben und ein CD-ROM-Laufwerk.

Online-Fotoalben -- Living Album/Web 1.0 gestattet es, Bilder online in "Multimedia-Alben", wie QuickMedia es nennt, zu anzuordnen. Solche Alben können Grafik, Sound und Videosequenzen enthalten; LivingAlbum/Web kann auch Web-Seiten erzeugen, die analogen Fotoalben entsprechen. Um passable Web-Seiten herstellen zu können, müssen die Benutzer des Programms keinerlei HTML-Kenntnisse haben. Eine Demoversion von LivingAlbum/Web ist im Internet abrufbar; laut QuickMedia ist die Demo außer einer Einschränkung auf sechs Bilder pro Album oder Web-Seite voll funktional. Living Album/Web wird auf einer CD-ROM ausgeliefert und setzt 8 MB RAM und System 7 voraus.

http://www.quickmedia.com/

Adobe -- <info@adobe.com>
QuickMedia -- 415/596-4643 (fax)
Storm Software -- <sales@stormsoft.com>

Microsoft stellt Internet Explorer für den Mac vor

von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>

Als Microsoft eine Lizenz für NCSA Mosaic erwarb und später einen Web-Browser für Windows unter dem Namen Internet Explorer auf den Markt brachte, ließ das die Macintosh-Welt ziemlich kalt. Microsoft, noch eine Firma unter vielen, die auf den Internet-Zug aufspringt - was sollte noch ein weiterer von Mosaic abgeleiteter Windows-Web-Browser schon großartiges sein? "Internet Explorer" wurde als "Internet Exploiter" [etwa: "Internet Ausbeuter", --WJF] betitelt und damit Schluß.

Ende letzte Jahres kündigte Microsoft Pläne an, den Internet Explorer auf den Macintosh zu portieren. Klarerweise hat die Macintosh-Welt auch auf diese Nachricht hin nicht einmal geblinzelt. Microsoft, eine Firma, die nicht gerade für ihre Internet-Kompetenz bekannt ist und deren letzte Versionen von Bürosoftware für das Mac-Betriebssystem auf alles andere als Begeisterung gestoßen sind, - was konnte Microsoft schon aufbieten, das Netscape, InterCon oder TradeWave Paroli nicht haben?

Letzte Woche also stellte Microsoft eine freie Betaversion des Internet Explorer für den Mac vor und stellte damit die Fähigkeit unter Beweis, die Mac-Benutzer doch zu überraschen.

Woher nehmen? -- Microsoft hat die erste Betaversion des Internet Explorer für den Mac (als 2.0 bezeichnet - offenbar, um die Mac- mit der Windows-Version numerisch gleichauf zu halten) im Web abrufbar gemacht. Für PowerMacs und 68000-Macs gibt es separate Versionen, die je etwa 1 MB groß sind.

http://www.microsoft.com/windows/ie/mac/macdl.htm

Der Internet Explorer setzt mindestens einen 68030-Prozessor, System 7.0.1 und 8 MB voraus (zum RAM-Bedarf später mehr). Die Betaversion kann verwendet werden, bis eine endgültige Version verfügbar ist. Dann werden sich die Benutzer diese Version besorgen und bei Microsoft (gratis!) registrieren müssen.

Die grundlegenden Merkmale -- Internet Explorer beruht auf NCSA Mosaic und ist daher ein Web-Browser, der den Leistungsumfang von HTML 2.0 und darüber hinaus einige ausgewählte Merkmale von HTML 3.0 (einschließlich Tabellen) und einige Netscape-Erweiterungen unterstützt sowie mit diversen eigenen Zusätzen aufwarten kann. Anders als Mosaic kann Internet Explorer Web-Seiten auf mehreren TCP-Verbindungen laden und eine Web-Seite schon im Aufbau darstellen, sodaß die Benutzer den Inhalt der Seite schon beurteilen können, bevor die Seite fertig übertragen ist (dies sind die Merkmale, die Netscape anfänglich einen Vorsprung vor älteren Browsern verschafft haben). Explorer unterstützt URLs (Uniform Resource Locators - die Adressen im Internet) in den Formen FTP, Gopher, News und Mailto; weiters den fortschreitenden Aufbau von GIF- und JPEG-Bildern, Hintergründe, die Auswahl von Text im Fenster und eine Möglichkeit, Bookmarks anzulegen (die als Favorites bezeichnet werden). Explorer hat auch eine bizarre "History"- Verwaltung; schon einmal angewählte Seiten können am Ende des File-Menus, in einem History-Fenster oder aus einer pop-up-Liste im aktuellen Fenster ausgewählt werden.

Was die Oberfläche anlangt, ist Explorer in hohem Maße ein Mosaic-Nachfolger, der wenig Neues bringt. Am oberen Rand des Browser-Fensters wird in einem Textfeld der aktuelle URL-String angezeigt; es gibt auch den obligaten Balken mit Buttons, der freilich hier schwer überladen ist.

Internet Explorer arbeitet in beschränktem Maße mit AppleScript - dabei wird allerdings nach dem Vorbild von Netscape das GetURL-Event nicht unterstützt. Die Betaversion kann weder mit dem Menu Sharing von Frontier noch mit Internet Config etwas anfangen.

Das Neue -- Angenehmerweise gibt es im Internet Explorer Tasten, die die Schriftgröße des Texts auf der gezeigten Seite vergrößern oder verkleinern. Das ist beim Betrachten von Seiten praktisch, die auf den Internet Explorer "abgestimmt" sind (und sonst auf dem Mac in winziger 10-Punkt-Schrift werden) oder für Personen, die auf ihren Bildschirmen größere Schrift brauchen oder wollen.

Anstelle des bewegten "N", mit dem Netscape anzeigt, daß gerade eine Seite geladen wird, wartet Internet Explorer entweder mit einem rotierenden Globus oder mit einer animierten Ausgabe des Windows-Logos auf - ein Schachzug, der dem neuen Microsoft-Programm in der Mac-Szenerie sicher viele Sympathien bringen wird.

Einen Schritt voraus ist Explorer den anderen Web-Applikationen in der direkten Wiedergabe einiger Audioformate, zum Beispiel Sun .au, AIFF und Windows WAV, ohne unterstützende Programme. In gleicher Weise kann Explorer selbst mit QuickTime Movies und in den Web-Seiten integrierten AVI- (Video for Windows) sequenzen umgehen. Die Verarbeitung anderer gängiger Dateitypen wie BinHex oder StuffIt ist hingegen ohne aufwendige Konfiguration nicht möglich und die Oberfläche zur Einstellung der unterstützenden Applikationen ist schlecht gelöst (wie bei den anderen Web-Applikation auch).

Internet Explorer hat auch vordefinierte "Home"- und "Such"-Seiten, die in einer mißlungenen Dialogbox eingestellt werden müssen. Beim Start versucht Explorer die Home Page zu laden; als solche ist die Web-Adresse von Microsoft Network voreingestellt. Wenn Sie verhindern wollen, daß Explorer bei jedem Start die Microsoft-Web-Seite lädt, stellen Sie eine HTML-Datei auf Ihrer lokalen Festplatte als Home Page ein. Derzeit gibt es keine Option, beim Start keine Seite zu laden.

Explorer kann so eingestellt werden, daß die Meldungen des HTTP-Servers angezeigt werden; der Text- und der Grafikaufbau scheinen recht schnell zu sein.

Im Praxistest -- Bei meinen Tests mit einem 28.8-Kbps-Modem zeigte Explorer beachtliche Leistungen, freilich kein wesentlich schnelleres oder langsameres Verhalten als aktuelle Versionen von Netscape. Die Versuche von Benutzern mit schnelleren Verbindungen lassen vermuten, daß Explorer in manchen Fällen Netscape überlegen sein könnte.

Obwohl Explorer erst als frühe Betaversion vorliegt, fallen einige Mängel auf. Es gibt keine Tastaturkürzel zur einfachen Bedienung des Programms; der "Find"-Befehl rollt das Fenster nicht immer zum gefundenen Text (insbesondere dann nicht, wenn die Seite Tabellen enthält). Benutzer von Netscape 2.0 werden die Verwaltung der Bookmarks in Explorer nicht gelungen finden, obwohl Explorer beim ersten Start anbietet, die Bookmarks und die Konfiguration von Netscape zu verwenden. Die Fähigkeit, Newsgruppen zu lesen, ist in brauchbarer, aber nicht überragender Weise implementiert.

Der ärgerlichste Aspekt bei Explorer ist der Umgang mit Arbeitsspeicher. Die Angabe von 4 MB Speicherbedarf sollte wohl bedeuten, daß ein Programm damit auch auskommt. Explorer belegt nun aber ziemliche Mengen an temporärem Speicher im System Heap, um Information zwischenzuspeichern. Obwohl diese Methode in effizienter Weise eingesetzt werden kann (sehr gekonnt bei Programmen wie etwa BBEdit), habe ich beobachtet, wie Explorer in weniger als 20 Minuten den System Heap meiner Maschine von 4 MB auf über 11 MB aufgebläht hat. Zwar habe ich intensive Webnutzung betrieben und Explorer gibt beim Beenden diesen temporären Speicher wieder frei, aber es ist leicht, wegen des riesigen System Heap in Schwierigkeiten zu kommen, die sich nur per Neustart lösen lassen. Versuchsweise habe ich meine Maschine so konfiguriert, daß Explorer nur zu wenig Systemspeicher Zugang hatte; Explorer nutzt in diesem Fall den Speicher korrekt, aber die Leistung ließ stark nach und das Programm stürzte schließlich ab.

Spielen wir <TAG>! -- Die Betaversion unterstützt derzeit einige HTML-Erweiterungen von Netscape, allerdings keine Rahmen (Frames) oder andere Neuerungen, die zur Netscape-Version 2.0 gehören. Als einzigartige Option kann Explorer als eine Version von Netscape laufen; auf diese Weise kann das Programm alle Netscape-spezifischen Informationen laden, die der Server bereithält (einige Server wie Yahoo liefern verschiedene Inhalte, je nach dem verwendeten Browser). Ich kann allerdings nicht erkennen, wo der Vorteil liegt, wenn eine Applikation sich als Netscape 2.0 zu erkennen gibt, ohne aber irgendein Leistungsmerkmal von Netscape 2.0 zu unterstützen.

Die Vorgangsweise von Microsoft erinnert mich an zwei Raufbolde auf dem Schulhof, die ihre Muskeln (oder andere Bestandteile ihrer Anatomie) miteinander vergleichen. Microsoft hat in bedenklicher Weise das Vorbild von Netscape nachgeahmt und mit dem Internet Explorer einen eigenen Satz von HTML-Erweiterungen eingeführt. Diese Tags lassen vermuten, daß Microsoft den zentralen Gedanken von HTML nicht versteht. Zu diesen "Innovationen" zählen Tags, die während eines Ladevorgangs einer Seite Geräusche machen (sie können abgeschaltet werden), solche, die einen speziellen Font definieren (daß das eine schlechte Idee ist, brauche ich nicht näher auszuführen), solche, die in Bild-Tags AVI-Movies einbinden, und zuletzt auch solche, die "Ränder" einer HTML-Seite festlegen (was garantiert dazu führt, daß das Browser-Fenster angepaßt werden muß, damit der Text lesbar ist). Ausgesprochene Liebhaber der Netscape-Erweiterung <BLINK> werden den Tag <MARQUEE> bei Microsoft schätzen - was vielleicht beweist, daß Netscape mit seinen Erweiterungen nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat.

Schlußfolgerungen -- Es geht das Gerücht, daß die Mac-Version von Internet Explorer von "richtigen" Macintosh-Programmierern (aus Firmen wie Claris und Radius) entwickelt wird statt von Windows-Programmierern aus Redmond. Dies wird sicher belegt durch die erste Betaversion, die für Microsoft-Verhältnisse einer Mac-Applikation im Aussehen erstaunlich nahekommt. Das Potential im Explorer ist nicht zu bestreiten: mit Unterstützung von Java, von Netscape- und eigenen Explorer-Erweiterungen wird das Bild interessanter. Mit besserem Speichereinsatz und Unterstützung für Technologien wie Internet Config könnte Explorer eine ernsthafte Alternative zu Netscape Navigator werden. Damit dies geschehen kann, muß das Programm allerdings die Last der ausschließlich auf Windows ausgerichteten Internet-Strategie von Microsoft abwerfen.

Reviews/22-Jan-96


Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].

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