Autorisierte Übertragung aus den TidBITS#316/26-Feb-96.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-316.html>
Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
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Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
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Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-316.etx>
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Open Transport 1.1b16 Beta -- Apple hat eine frei verwendbare Betaversion von Open Transport 1.1 herausgebracht, die viele bekannte Probleme zu beseitigen verspricht und sowohl auf 68000- als auch auf PowerPC-Macs betrieben werden kann. Die Betaversion wird nicht offiziell unterstützt (Sie können also nicht bei Apple um Hilfe nachfragen) und wird nur für erfahrene User empfohlen, die mit ihren Netzwerkeinstellungen vertraut sind. Dennoch könnten besonders die Benutzer von Power Macs mit PCI-Bus an der Version interessiert sein. Sie läuft nicht auf Geräten der Reihe Performa 5200, 5300, 6200 und 6300 (auch nicht auf dem IIvi); Apple rät auch davon ab, sie auf dem PowerBook 540 mit System 7.5.2 oder auf den PowerBooks 190, 2300 und 5300 zu installieren. Lesen Sie die ReadMe-Dateien und Anmerkungen sorgfältig, bevor Sie diese Version einsetzen; derzeit vorliegende Berichte lassen den Schluß zu, daß sie gut funktioniert. Es sind zwei Varianten verfügbar, ein Satz von Disketten-Images und eine zur direkten Installation über das Netz; beide haben etwas mehr als 2.5 MB. [GD]
<ftp://ftp.support.apple.com/pub/apple_sw_updates/US/mac/Unsupported/>
Power Mac Netscape 2.0 Java Beta 1 -- Dicht auf den Fersen der offiziellen Version von Netscape 2.0 für den Macintosh hat Netscape die erste Beta-Release einer Java-fähigen Version von Netscape Navigator für die Power Macs herausgegeben. Die Implementation von Java ist kompatibel mit Suns Java Development Kit, der letzte Woche erschienen ist und kann nicht (anders als bei anderen Java-fähigen Versionen von Netscape) in den Preferences von Netscape abgestellt werden. Diese Beta läuft am 15. März 1996 aus und hat etwas mehr als 2 MB. [GD]
<ftp://ftp.netscape.com/pub/MacJava/>
<http://www.netscape.com/eng/mozilla/2.0Java/relnotes/mac-2.0JavaB1.html>
Amber: Acrobat-Plug-In als Alpha-Version -- Letzte Woche brachte Adobe Alpha-Versionen von Amber, dem Acrobat-Reader-Plug-In für den Netscape Navigator an die Öffentlichkeit, und zwar jeweils für den 68K- und für den Power Mac. Amber ist der Code-Name eines vollen Updates sowohl für Acrobat Reader als auch für Acrobat Exchange; das Plug-in-Modul Amber gestattet es, PDF-Dokumente direkt in einem Fenster von Netscape darzustellen und diese Dokumente mittels des Navigationmenüs von Netscape direkt anzusprechen. Amber enthält zwar einige Verfeinerungen für den Gebrauch im Internet (einschließlich Technologien zum progressiven Rendering und der Möglichkeit, in einem PDF-Dokument zu jeder Seite zu wechseln); diese Erweiterungen erfordern aber speziell optimierte PDF-Dateien und "Byteserver"-Fähigkeiten bei der Software des Webservers. Adobe arbeitet bereits mit Netscape, Open Market, StarNine und anderen Anbietern daran, diese speziellen Merkmale in deren Produkte einzuarbeiten; Adobe stellt zu Amber auch einiges an Informationen im Web zur Verfügung. Ich habe gehört, daß es manchmal Probleme beim Herunterladen des 4 MB großen Paket gibt; ich empfehle, dies zu Zeiten zu versuchen, in denen an der Westküste der U.S.A. das Internet wenig belastet ist. [GD]
QC jetzt als PowerPC-Version -- Onyx Technologies hat die lange erwartete PowerPC-angepaßte Version von QC, einem bekannten Werkzeug zum Testen von Software, publiziert. Die Version 1.2 bietet wesentlich verbesserte Leistungen auf Power Macs sowie zusätzliche Werkzeuge, die vorher unter dem Modern Memory Manager nicht verfügbar waren. Das Update ist für registrierte Benutzer von QC gratis und im WWW zu haben; auf normalem Weg kostet QC 99 US$. Wenn Sie QC nicht ohnehin schon verwenden und ernsthaft programmieren, sollten Sie sich die Demoversion herunterladen und von Onyx eine Seriennummer für die Demo anfordern. [GD]
<http://www.std.com/onyxtech/>
InterNIC stellt einen Wachhund an
von Glenn Fleishman <glenn@popco.com>
Sie würden wohl kaum annehmen, daß ein Mann, den John Markoff von der New York Times als einen der weltbesten Experten auf dem Gebiet der Computersicherheit bezeichnet hat, sich seinen Domainnamen wegnehmen läßt - oder doch?
Es scheint, daß das InterNIC keineswegs immun ist gegen viele der Erscheinungen, über die Tsutomu Shimomura und Markoff in ihrem Buch "Takedown" geschrieben haben, das von der Fahndung nach dem Hacker Kevin Mitnick handelt. Ein unbekannter Hacker setzte statt irgendwelcher Software-Werkzeuge "social engineering" (das heißt Überredung) ein, um die Organisation, die für die Registrierung aller Domains im Internet zuständig ist, davon zu überzeugen, daß die Informationen zur Domain takedown.com sich geändert hatten. InterNIC handelte entsprechend und Gelächter wurde laut, als in der Folge die Domain takedown.com verschwand.
InterNIC findet das nicht besonders amüsant - die Betreuer von bereits mehreren hunderttausend Domainbezeichnungen auch nicht. Die Institution gibt zwar die Zahl der unberechtigten Änderungen an Domains als niedrig an, sie hat aber trotzdem eine Methode eingeführt, um derartige Manipulationen mit einer Kombination aus Verschlüsselung (per public key) und Paßwortschutz zu verhindern. InterNIC hat eine Struktur namens Guardian Object vorgeschlagen, in der die Kontaktperson jeder Domain begleitende Informationen speichern kann, die den Schutz verstärken. Ohne Paßwort, Bestätigung oder mit public key unterzeichnete Mitteilung (oder eine Kombination aus diesen Voraussetzungen) werden die Informationen zu einer Domain nach dieser Maßnahme nicht mehr geändert.
Nach der derzeitigen Vorgangsweise ändert InterNIC die Informationen zu Domainnamen nur, wenn die Aufforderung dazu von einer Person stammt, die schon mit der Domain im Zusammenhang steht. Die Leichtigkeit, mit der E-Mail gefälscht werden kann, läßt Zweifel an dieser Methode aufkommen; im Falle von "social engineering" ergibt sie im Moment einen zu geringen Schutz gegenüber entschlossenen Individuen.
Das Guardian-Modell könnte die Übertragung von Domainnamen geregelter und verläßlicher machen und den Schutz der Personen, die diese Domains besitzen, verbessern. Wenn Sie selbst einen Domainnamen registriert haben, lassen Sie ihn immer auf Ihre Firma oder Person und auf Ihre eigene physische Adresse registrieren; auf diese Weise schützen Sie das Eigentum an der Domain selbst, nicht nur die technischen Informationen dazu. Wenn Sie also die Flan Corporation betreiben, lassen Sie die Domain flan.com nicht auf "Bill's Internet Shack" registrieren - diese Organisation sollte nur als Kontakt für technische Belange aufscheinen.
Weitere Informationen zum Guardian-Modell sind online abrufbar; es gibt derzeit keinen Zeitplan für seine Einführung.
<ftp://rs.internic.net/policy/internic/internic-gen-1.txt>
FileMaker Pro 3.0 in der Praxis
von Charles Wheeler <charlesw16@aol.com>
Wenn Sie irgendwelche Besprechungen der neuesten Version der Datenbank FileMaker Pro von Claris gelesen haben, wissen Sie wahrscheinlich schon von zwei Merkmalen dieses Produkts: Es ist relational und ist an den Power Mac angepaßt. Wenn Sie FileMaker derzeit nur verwenden, um das Kochbuch von Tante Emma auf Ihrem vier Jahre alten Mac zu führen, werden Sie sich fragen, ob es sich lohnt, auf die neue Version umzusteigen. Hier also meine Erfahrungen beim Erstellen und Konvertieren von FileMaker-Dateien, ganz ohne Relationen und Power Mac. Die gesamte Arbeit habe ich auf einem PowerBook 520c, auf einem SE/30 und auf einem Quadra 610 geleistet.
Startet langsam, läuft schnell -- Schon bald bemerkte ich, daß Filemaker Pro 3.0 schlechthin bei allem schneller ist - Starten, Sortieren, Suchen und Neuaufbau des Bildschirms haben Verbesserungen erfahren. Anscheinend waren frühere Versionen von FileMaker in Pascal geschrieben; die neue Version ist von Grund auf neu programmiert. Leider laufen einige Funktionen ziemlich langsam ab, wenn sie das erste Mal ausgeführt werden. Zum Beispiel dauert es nach dem ersten Start nach der Installation ziemlich lange, bis eine Liste der Zeichensätze und eine Preferences-Datei aufgebaut sind. Das nächste Mal startet das Programm schnell und unmittelbar nach dem Startbildschirm könne Sie beginnen zu arbeiten. Weil das Indizieren jetzt eine Option ist, werden Sie vielleicht einige Zeit damit zubringen, auf die erste Indizierung eines Feldes zu warten, bevor Sie das Ergebnis der ersten Suche oder Sortierung nach diesem Feld erhalten.
Weil wir gerade beim Indizieren sind: Wenn Sie jemals den Menüpunkt "Paste Special From Index" verwenden, werden Sie sehen, daß Sie entweder ein einzelnes Wort oder die gesamte erste Zeile der Feldeinträge auswählen können. Auf diese Weise wird der Menüpunkt viel benutzerfreundlicher, ohne daß die bisherigen Vorteile verlorengehen.
Je mehr die Dinge sich ändern... -- Bemerkenswert an dieser neuen Version: Bei allen Änderungen bleiben einige Dinge doch gleich. Die Oberfläche ist erweitert, aber nicht bis zur Verwirrung geändert. Eine Ausnahme sei angemerkt: Im Layout-Modus hat ein Doppelklick auf ein Feld bisher das Fenster mit den Feldattributen geöffnet, während ein Doppelklick bei gedrückter Optionstaste die Feldauswahl-Palette gezeigt hat. Nun laufen die beiden Aktionen umgekehrt. Wenn ich einen Groschen bekäme für jeden ärgerlichen Ausruf versierter FileMaker-User, bevor sie sich an diesen Wechsel gewöhnt haben, könnte ich aufhören, mir Lotterielose zu kaufen.
Die meisten Benutzer werden die Arbeit mit der neuen Version beginnen, indem sie ihre vorhandenen Dateien aus der Version FileMaker Pro 2.x konvertieren. Das funktioniert beispielhaft einfach. Ziehen Sie die Datei auf das Icon von FileMaker 3.0 oder öffnen Sie sie aus dem Programm heraus - FileMaker erstellt zuerst eine Sicherungskopie Ihrer Datei und dann eine konvertierte Datei im Format von 3.0. Bei den vielen Dateien, die ich konvertiert habe, gab es nur zwei kleinere Probleme und in keinem Fall einen Verlust von Daten. Das erste Problem war eine Suche in einem Skript, die einfach vergessen hatte, wonach sie suchen sollte. Das zweite war etwas komplizierter: ein Rechenfeld, das nach der Konversion nicht mehr rechnen wollte. Die Datensätze, die vor der Konversion vorhanden waren, enthielten berechnete Werte; diejenigen, die erst nach der Umwandlung hinzugefügt waren, ließen keine Berechnung zu, sondern meldeten "out of memory", was allerdings keine weiteren schädlichen Folgen hatte. Ich konnte zwar die Berechnung nicht ändern, aber ich konnte das Feld auf den Zahlentyp ändern, dann das Feld wieder auf Berechnungsfeld zurücksetzen und die ursprüngliche Berechnung wieder einsetzen. Zu diesem Zeitpunkt meldete FileMaker einen Syntaxfehler in der Berechnung (was die Version 2.1 nie beanstandet hatte). Ich besserte die Syntax aus und alles war erledigt.
Eine faszinierende Option für all jene, die mit Grafiken arbeiten, ist die Möglichkeit, Grafiken entweder in Felder des geeigneten Typs zu importieren oder nur einen Verweis auf die Grafikdatei zu speichern. Mit der letzteren Methode gelang es mir, einen Katalog mit Tausenden von Bilddateien zu erstellen, der nur einen Bruchteil des Umfangs hat, den eine Datenbank mit importierten Bildern hätte. Die per Verweis eingebundenen Grafiken können betrachtet, bearbeitet und ausgedruckt werden, als ob sie innerhalb der Datenbank gespeichert wären. Diese Bilddateien habe früher in einem speziellen Grafik-Katalogprogramm als eine Datei mit 60 MB verwaltet; die entsprechende Datei in FileMaker 3.0 ist weniger als 16 MB groß (stellen Sie sich Tante Emmas Kochbuch vor, wie die eingescannten Bilder ihrer großartigen Gerichte aussehen!).
Andere Verbesserungen (die zu zahlreich sind, um hier vollständig aufgezählt zu werden) beziehen sich auf drag-&-drop-Unterstützung, Wahl von Telefonnummern, Sprache, Integration von AppleScript und ein stark verbesserter ScriptMaker, der praktisch alle wesentlichen Wünsche der FileMaker-Entwickler berücksichtigt. Ich arbeite mit FileMaker 3.0 seit einer späten Betaversion (Herbst 1995) und ich stoße immer noch auf interessante neue Merkmale.
Einige schwache Punkte -- Obwohl Filemaker Pro 3.0 mich generell begeistert, hat Claris in einigen Punkten keine allzu gute Arbeit abgeliefert. Die Dokumentation ist am besten zu beschreiben als eine Chance für jemanden anderen, ein besseres Handbuch zu verfassen. Ein Beispiel: Jeder, der Datenbanken in FileMaker erstellt hat, steht der "Today"-Funktion in Haßliebe gegenüber, die eine Berechnung auf den neuesten Stand bringt, wenn eine Datei an einem anderen Tag wieder geöffnet wird. Leider bezieht das beim Öffnen alle Datensätze mit ein, was zu einer frühen Mittagspause führen kann, wenn die Datei umfangreich ist. FileMaker Pro 3.0 hat eine neue Funktion, Status(CurrentDate), die von Claris-Mitarbeitern als die Lösung für das "Today"-Problem angepriesen wird. Aber wie diese neue Funktion einzusetzen ist, teilen sie nicht mit und auch die Dokumentation schweigt sich dazu (außer als Teil eines Skripts) aus. Es handelt sich also um eine bedeutsame Verbesserung ohne jede Erläuterung, weder im gedruckten Manual noch in der Online-Hilfe. (Ich kann Ihnen diese Teil der Dokumentation gleich hier bieten - ersetzen Sie in Ihrer Berechnung "Today" durch "Status(CurrentDate)" und fertig ist die Laube). Diese Funktionen sollten mit Referenzen zueinander in Bezug gesetzt werden.
Günstigerweise wird die CD-ROM-Version von FileMaker Pro 3.0 mit vielen Beispielen und Vorlagen geliefert, die sofort verwendet oder nach Geschmack angepaßt werden können. Zusätzlich stellt Claris auch online einige Ressourcen zur Verfügung und Sie können dazu noch einige hervorragenden Beispiele nutzen, die von FileMaker-Gurus wie Jeff Gagne und Bruce Robertson ins Netz gestellt worden sind. Ich empfehle auch noch ganz besonders die exzellente ISO-Online-Publikation zu FileMaker Pro, die erstens gratis und zweitens in und über FileMaker verfaßt ist. [ISO steht für Interactive Support Online; Matt ist unter <isoezine@aol.com> zu erreichen. -Geoff]
<http://www.kudosnet.com/ISO/ISOmain.html>
Der größte Fehler, den Claris bei dieser Version gemacht hat: nicht gleich auch eine Version für Windows 3.x herauszubringen. Claris hat sich offenbar von Microsofts Getöne beeinflussen lassen und angenommen, zum Zeitpunkt des Erscheinens von FileMaker 3.0 werde jede Intel-Maschine unter Windows 95 laufen. Wie wir alle wissen, haben sich die Dinge nicht ganz so entwickelt. Gerüchten zufolge ist Claris dabei, diese Fehleinschätzung zu korrigieren. Bis dahin habe ich einen Kunden, der etwa 40 Macs nicht auf die neue Version umstellen kann, weil eine FileMaker-Datei über ein AppleTalk-Netzwerk mit zwei Windows-Maschinen gemeinsam genutzt wird.
Zusammenfassung -- Sollten Sie also sofort laufen und das Upgrade besorgen? Wenn Sie keine FileMaker-Dateien mit Benutzern von Windows 3.x gemeinsam nutzen - definitiv ja. Sie bekommen mehr Geschwindigkeit, Flexibilität und viele neue Features; das alles bei minimalen Kosten und Umstellungsarbeiten. Und sollten Sie sich jemals dazu entschließen, den relationalen Pfad oder den zu einem Power Mac einzuschlagen, umso besser. Das Kochbuch von Tante Emma ist schließlich jeder Mühe wert!
[Claris hat gerade für die U.S.-Version von FileMaker Pro einen Updater auf 3.0v2 herausgegeben. -Geoff]
<http://www.claris.com/TS/products/FileMaker/updater-mac.html>
Claris Corporation -- <info@claris.com>
Persönliche Seiten im Web
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
Der Ausdruck "Persönliche Web-Seiten" ["Personal Web Publishing"] begegnet mir in letzter Zeit häufiger, und er gibt mir zu denken. Zum ersten Mal ist er mir aufgefallen, als Chuck "Mr. WebSTAR" Shotton davon sprach, wie das World Wide Web der Zukunft wohl aussehen werde. Nach seiner Vorstellung werden Web-Server in Zukunft eine aktivere Rolle übernehmen, und sie werden das Net für den Nutzer selbständig nach Informationen absuchen. Heute geht es ja eher darum, Informationen zu verteilen. Dann würde Ihr persönlicher Web-Server die Funktion eines Agenten oder eines "Knowbot" übernehmen. Er würde Ihre Interessen, Ihre Arbeit und Ihre Prioritäten kennen, er würde automatisch nach allen wichtigen Informationen suchen, sie automatisch auswählen und Ihnen präsentieren. Trotz großer Versprechen beherrschen diese Helfer für den alltäglichen Gebrauch heute aber erst wenige einfache Filterfunktionen.
Ich weiß nicht, wann mir das Thema "Persönliche Web-Veröffentlichungen" das nächste Mal wieder aufgefallen ist, ich weiß auch nicht, wer es erwähnt hat. Es war auf jeden Fall in dem Zusammenhang, daß jedermann die Möglichkeit zu persönlichen Veröffentlichungen im Web haben sollte, und es wäre daher eine schöne Sache, wenn Apple (oder sonst jemand) einfache, billige Web-Server-Software anbieten würde, die völlig problemlos zu bedienen wäre. Stellen Sie sich einen Aktenordner auf Ihrem Rechner vor, dessen Inhalt durch das einfache Betätigen eines Schalters im Kontrollfeld "Gemeinschaftfunktionen" dem Web zur Verfügung gestellt werden könnte.
Die Idee der persönlichen Web-Seiten ist großartig; Tonya und ich setzen sie selbst ein, und wir unterstützen sie nach Kräften. So nutzen wir das Web besonders dafür, unsere QuickTake-Fotos mit unseren weit verstreuten Freunden und Verwandten auszutauschen. Auf diese Weise können wir die Bilder von unseren Halloween-Leuchten und unserem Erntedank-Essen an viel mehr Leute schicken, als wir es wegen des Zeitaufwandes mit Hilfe von Fotos hätten schaffen können. Diese Seiten sind - genau wie die Blätter in einem Fotoalbum - nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt, obwohl es kein großes Problem wäre, wenn andere Leute sie sähen. (Ich habe übrigens eine Datei mit dem Namen robots.txt erstellt, die sammelwütige Web-Worms davon abhalten soll, diese Seiten zu indizieren. Unter dem URL unten finden Sie Hinweise, wie Sie Indizierungsprogramme wie WebCrawler und InfoSeek von Ihren persönlichen Seiten fernhalten können.)
<http://info.webcrawler.com/mak/projects/robots/robots.html>
Aufgrund unserer eigenen Erfahrungen haben wir versucht, persönliche Webseiten dadurch zu fördern, daß wir in der dritten Ausgabe des "Internet Starter-Kit for Macintosh" ein Kapitel über die Grundlagen von HTML aufgenommen haben, aus dem Tonya später ein eigenes Buch gemacht hat: "Create Your Own Home Page". Theorie und praktische Anwendung von HTML zeigen uns aber auch die derzeit vorhandenen Grenzen auf. Wir wollen deshalb einen Blick auf einige der Probleme werfen, die Apple oder andere Entwickler lösen sollten, um persönliche Web-Veröffentlichungen für alle jene zu ermöglichen, die eine echte Internet-Verbindung haben.
Erstens: Software für einen persönlichen Web-Server darf nicht viel Platz beanspruchen und sollte preiswert sein. WebSTAR - ein gutes Programm - braucht viel Arbeitsspeicher und ist nicht billig. Das gleiche gilt für den InterServer Publisher von InterCon und für die meisten anderen kommerziellen Web-Server. NetPresenz von Peter Lewis hat mit 10 US$ einen attraktiven Preis, ist aber in vielerlei Hinsicht für die Aufgabe noch zu komplex. Ich finde, daß persönliche Web-Server-Software nicht mehr als 500K an RAM, besser noch weniger, erfordern und zwischen 25 und 50 US$ kosten sollte. Die Schranken müssen niedrig sein, und wir sollten - falls wir auf private Nutzung abzielen - minimalen RAM-Bedarf und günstige Preise anstreben.
Zweitens: Persönliche Web-Server-Software muß leicht zu handhaben sein. Mir gefällt die Vorstellung, einen persönlichen Web-Server durch eine einfache Schalterstellung im Kontrollfeld "Gemeinschaftsfunktionen" zu erstellen und dann Dateien in einem Web-Ordner auf Ihrem Desktop abzulegen. Denken Sie an die Möglichkeit, Dateien durch bloßes Verschieben in den Ordner automatisch zu übersetzen. Automatische Übersetzungen würden eine Technologie wie XTND und eine wirklich clevere Programmierung voraussetzen; für einfache Seiten und Grafiken müßte es aber machbar sein. Wenn diese Seiten einmal konvertiert sind, dann wäre ein Programm wie PageMill (aber vielleicht besser eines, das sich mehr darum bemüht, bei den verschiedenen HTML-Streitereien keine Seite zu bevorzugen) wahrscheinlich am besten für jede Art von Bearbeitung geeignet, die man als Anwender brauchen kann.
Drittens, aber vielleicht besonders wichtig: Wir können nicht davon ausgehen, daß der durchschnittliche Macintosh Anwender einen direkten Internet-Anschluß hat. Noch schlimmer - Modem-Verbindungen sind meist einer dynamischen Adressenzuweisung unterworfen. Das bedeutet, daß die IP-Adresse eines solchen Anwenders jedesmal eine andere ist, wenn eine neue Verbindung hergestellt wird. Damit wird es unmöglich, einen persönlichen Web-Server anzusprechen, ohne die aktuelle, dynamisch vergebene IP-Adresse zu kennen. Deshalb muß es eine Möglichkeit geben, die persönlichen Web-Server, deren IP-Adresse sich laufend ändert, immer zuverlässig zu identifizieren. Eine Möglichkeit, die von Electric Magic bei der Software NetPhone genutzt wird, ist, mit einer besonderen Server-Software einen zentralen Ort (in der NetPhone-Welt ein "NetPub" genannt) zu schaffen, an dem ein persönlicher Server jene IP-Nummer registriert, mit der er gerade online zu erreichen ist. So können die Anwender über das jeweilige NetPub herausfinden, ob ein bestimmter Server gerade online ist, auch wenn es keine Möglichkeit gibt, jedesmal die IP-Adresse eines bestimmten persönlichen Servers festzustellen.
Führen wir diesen Gedanken noch einen Schritt weiter aus: Was wäre, wenn ein zentraler NetPub/Web-Server als Vermittler zwischen dem persönlichen Web-Server und dem Web-Browser dienen könnte? Nehmen wir der Anschaulichkeit halber ein Beispiel aus der Telefon-Technik. Sam meldet sich in einem NetPub an, um festzstellen, ob Mary mit ihrem NetPhone-Anschluß online ist. Sie ist nicht angemeldet, deshalb hinterläßt er eine Mitteilung. Sobald Mary online ist und NetPhone ihre Anwesenheit im NetPub registriert, kann der NetPub-Server Sams Mitteilung automatisch an Mary weiterleiten.
Nun einen Schritt näher zum Web-Server. Nehmen wir einmal an, Sam möchte sich mit seinem normalen Web-Browser einige Baby-Bilder ansehen, die Mary in einem Ordner ihres persönlichen Web-Servers abgelegt hat. Sie hat ihm den URL geschickt; er weiß also, wo er suchen muß (vielleicht kennt aber auch der NetPub/Web-Server alle URLs, die auf einem bestimmten persönlichen Web-Server verfügbar sind, wenn nicht sogar den Inhalt jener Seiten). Da Mary nicht online ist, kann ihr eigener Web-Server die Dateien nicht bereitstellen. Genau wie im Beispiel mit der telefonischen Nachricht wird der NetPub/Web-Server Sams Web-Anfrage speichern. Sobald Mary mit ihrem Server wieder online ist, würde der NetPub/Web-Server die Dateien abfragen und sie für Sam aufbewahren. Sobald Sam seinerseits wieder online ist, werden ihm die Daten zur Verfügung gestellt.
Unnötig zu sagen, daß dieser Weg mühsamer ist, als wenn Sam und Mary beide ständige Internet-Anbindungen hätten, was den meisten Leuten ja nicht vergönnt ist. Aber, mühsam oder nicht, diese Technik ist wirksam und umgeht elegant das Problem temporärer Verbindungen mit wechselnden IP-Adressen.
Wenn Sie schließlich an den Ablauf denken, den ich weiter oben schon angesprochen habe, dann werden Sie feststellen, daß mein hypothetischer NetPub/Web-Server viel mit Chuck Shottons hypothetischem persönlichen Web-Server gemeinsam hat, der ja vorgibt, Sie in Ihrer Abwesenheit zu vertreten und der Ihnen später die Informationen präsentiert, die er für Sie gesammelt hat. Vielleicht sind die beiden oben erwähnten Vorstellungen von einem persönlichen Web-Server ja irgendwie miteinander verwandt und mit der heutigen Technologie auch schon zu verwirklichen. Nach meinem Eindruck ist nur ein relativ kleines Programm erforderlich, um einen einfachen Web-Server (ohne CGI-Unterstützung oder sonst irgendwelche Feinheiten) auf die Beine zu stellen. Peter Lewis sagte, daß er nur ein paar Tage benötigt habe, um diese Funktionalität in seiner Software FTPd einzubauen. Die wichtigste Aufgabe wäre also, dieses Programm in den Gemeinschaftsfunktionen von System 7 zu integrieren oder aber seine Herstellung als getrennte Applikation zu erleichtern. Der NetPub/Web-Server wäre natürlich auch eine besondere Herausforderung, aber, da er einem Proxy-Server ähnlich ist, dürfte das keine so besonders komplizierte Aufgabe sein.
Eigentlich geht es ja darum, daß Software-Firmen das Internet in zunehmendem Maße als einfache Erweiterung für ihre eigenen Betriebssysteme und ihre Anwendungen ansehen; da ist es nur sinnvoll, persönliche Veröffentlichungen und Netzwerk-Dienste in diese Überlegungen einzuschließen. Vor dem Hintergrund einer Netzstruktur, die auf unterschiedlichen Plattformen aufbaut, kann man davon ausgehen, daß ein Produkt wie dieses eine äußerst wirksame und nützliche Lösung für eine große Zahl von Anwendern darstellen könnte. Außerdem - seien wir ehrlich: Alle Computeranbieter befinden sich auf der Jagd nach dem individuellen Verbraucher. Bevor aber die einzelne Person zu einem Käufer von Internet-Produkten werden kann, müssen die Firmen erst einmal klären, was diese Person eigentlich haben will, welche Bedürfnisse sie hat und was sie sich mit ihren Mitteln realistischerweise überhaupt leisten kann.
Reviews/26-Feb-96
[Wir führen bis zum 29. Februar 1996 eine Umfrage durch, um festzustellen, ob wir
diese Reviews-Kolumne fortsetzen sollen. Um für eine Fortsetzung zu stimmen, schicken
Sie eine EMail-Message an <reviews-yes@tidbits.com>;
um gegen eine Fortsetzung zu stimmen, an <reviews-no@tidbits.com>.
Die Abstimmung per Web-Seite ist an der Adresse unten möglich. -Geoff]
<http://www.tidbits.com/surveys/reviews-list.html>
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG], Gregor Retti [GR].
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