TidBITS#323/08-Apr-96 - Deutsch

Wenn es Sie frustriert, sich mit all den URLs in Ihrem Computerdasein herumzuschlagen, haben wir was Sie brauchen - Adam beginnt diese Woche mit einem mehrteiligen Überblick über Bookmark-Verwaltungsprogramme für das Internet. Außerdem bringen wir mehr zu den Wegen, auf denen Sie zum System 7.5 Update 2.0 kommen können, Meldungen zu zwei Ereignissen, die herausragendes Können beim Programmieren des Mac und bei der Benutzeroberfläche würdigen und noch eine ganz neue Information zu der Mathematik-Library für den Power Mac von Motorola.

Autorisierte Übertragung aus den TidBITS#323/08-Apr-96.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-323.html>

Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
Information: <info@tidbits.com> Comments: <editors@tidbits.com>

Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
Information: <office@carrier.co.at> Comments: <ferstl@carrier.co.at>


Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1996/TidBITS#323_08-Apr-96.etx>

Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-323.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-323.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-323.etx>


MailBITS/08-Apr-96

PowerPC-Mathematik-Library zurückgezogen -- In TidBITS-322 haben wir gemeldet, eine Version der Mathematik-Bibliothek für den PowerPC von Motorola sei in den Archiven von Info-Mac verfügbar. Motorola hat aus Lizenzgründen bei Info-Mac um die Entfernung der Library ersucht; im Mai soll eine "offizielle" Version erscheinen, die bei Motorola in Entwicklung ist. [GD]

Symantec C++ 8.5 -- Symantec hat die Version 8.5 von Symantec C++ für den Power Macintosh angekündigt. Die Version unterstützt Java, Pascal (über einen Pascal-Compiler von Language Systems) und die Entwicklung für die 68000-Plattform. Das Release weist optimierte Verwaltung des Arbeitsspeichers, Apple Guides für mit der Symantec-Umgebung weniger erfahrenen Benutzer auf, sowie volle Unterstützung von OpenDoc 1.0. Der Verkaufspreis wird etwa 400 US$ betragen, allerdings ist die Software für Lizenznehmer von Symantec C++ kostenlos bzw. für 149 US$ als Aufpreis zu verschiedenen anderen Tools erhältlich. [GD]

<http://www.symantec.com/lit/dev/macnews.html>

System 7.5.3: Ein Update für das Update

von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>

Letzte Woche habe ich in TidBITS-322 über die Möglichkeiten geschrieben, das System 7.5 Update 2.0 von Apple, von AMUG oder von BMUG zu kaufen. In der Zwischenzeit haben uns Leser von weiteren Wegen berichtet, auf denen Sie sich das Update beschaffen können (das könnten auch für künftige Updates nützliche Hinweise sein); Apple hat sich dafür entschieden, das Update gratis zu vergeben.

Einfallsreichtum -- Lars <consp01@bingsuns.cc.binghamton.edu> hat folgenden Kommentar beigesteuert: "Ziemlich viele Leute waren frustriert, da die Server, auf denen das System Update zu finden ist, laufend überlastet sind. Obwohl es keine schlechte Lösung ist, sich die CD zu kaufen, hat sich herausgestellt, daß das "10 Stunden gratis"-Angebot von AOL noch zu etwas anderem nutze ist, als es sich an die Wand zu hängen. Als großer kommerzieller Provider ist AOL selten überlastet - einen Tag, nachdem das Update heraus war, habe ich eines dieser Angebote genutzt, um mich bei AOL anzumelden, das Update herunterzuladen und meinen Vertrag sofort wieder zu kündigen - alles in einem Schwung." Obgleich nicht alle der Meinung sein werden, daß AOL nicht überlastet sei, ist dies sicherlich eine kreative Verwendung der AOL Disketten.

Rick Binger <rbinger@rbdesign.com> schrieb uns: "Rund um San Franciso kann man in jedes Geschäft von ComputerWare gehen und sich die Disketten-Images von einem der Austellungsgeräte herunterkopieren (man braucht Disk Copy oder ShrinkWrap dazu). Ich habe mir die Images auf eine SyQuest kopiert - in fünf Minuten." (Klingt wie eine gute Idee für Händler, um Mac-Benutzer in ihre Geschäfte zu locken.)

<ftp://mirrors.aol.com/pub/info-mac/disk/shrink-wrap-142.hqx>

Von einigen Lesern haben wir gehört, daß das Update im Apple Internet Connection Kit, Version 1.1, enthalten ist. Corvallis MUG verkauft eine CD um 13 US$, die neben anderem auch das Update enthält. Mehr dazu bei <cmugpres@aol.com>.

Außerhalb der U.S.A. -- Anderssprachige Versionen des Updates werden nicht vor Ende Juni verfügbar sein und unsere Kontaktleute bei Apple haben gesagt, daß Apple sich noch nicht entschieden hätte, wie das Update vertrieben wird.

[Daß man sich zu Apple durchtelefonieren oder durchfaxen kann, um das Update in den USA umsonst zu bekommen, ist vielleicht für unsere deutschsprachigen Leser nicht so wichtig, also haben wir hier die detaillierten Angaben dazu weggelassen; --GR]

[Hinweise von Lesern der deutschsprachigen TidBITS-Ausgabe finden Sie unter <TidBITS-323-Leser>. --WJF]

Auf jeden Fall sollte man bedenken, daß das System 7.2 Update 2.0 nur auf Macs funktioniert, auf denen schon System 7.5 installiert ist. Auf den Macs, die derzeit ausgeliefert werden, ist das Update noch nicht installiert. Bis Ende Juni soll sich das ändern, sagt Apple.

Und schlußendlich gibt es immer noch die Möglichkeit, das Update am Internet herunterzuladen. Für die Geduldigen (oder die Glückspilze) hier einige URLs:

<ftp://ftp.support.apple.com/pub/apple_sw_updates/US/mac/system_sw/System_7.5_Update_2.0/>
<ftp://ftp.info.apple.com/Apple.Support.Area/Apple.Software.Updates/US/Macintosh/System/System_7.5_Update_2.0/>
<ftp://download.info.apple.com/Apple.Support.Area/Apple_SW_Updates/US/Macintosh/System/System_7.5_Update_2.0/>

Auszeichnungen für Programmierer - UMPA und HIDE

von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>

Ein Programmierer zu sein, ist normalerweise eine undankbare Aufgabe - neun von zehn Mal, wenn ein Programmierer von jemandem kontaktiert wird, ist es deshalb, weil derjenige ein Problem hat, das bereinigt werden soll. Da keine Neuigkeiten auch keine schlechten Neuigkeiten sind, sind Programmierer oft ganz zufrieden, wenn sie von niemandem bemerkt werden.

Nichtsdestotrotz ist es notwendig, die Programmierer hin und wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren, auch wenn sie sich mit Händen und Füßen wehren, um ihnen dafür zu danken, daß sie unser Leben (und unsere Computer) mit ihren täglichen Anstrengungen bereichern. Es ist mir also eine Freude, von zwei Veranstaltungen zu berichten, die der harten Arbeit der Macintosh-Entwickler Anerkennung zollen.

Usenet Macintosh Programming Awards -- In diesem Jahr wurden zum zweiten Mal die Usenet Macintosh Programming Awards (UMPA) verliehen - über die Gewinner des letzten Jahres berichteten wir in TidBITS-278 [leider noch vor der Zeit der deutschsprachigen TidBITS; --GR]. Die Grundidee dieses Preises ist, daß die Gemeinschaft der Macintosh Programmierer aus den comp.sys.mac.programmer.* Newsgroups Einzelpersonen (oder Teams) vorschlägt, und zwar in den Kategorien "Kommerzielle Software", "Shareware" und "Freeware", sowie für die Unterstützung der Gemeinschaft der Mac-Programmierer und als hilfreichste Netz-Benutzer. Die Nominierung ist praktisch abgeschlossen und in Kürze werden die Gewinner gewählt.

<http://www.best.com/~mxmora/UMPA.html>

Da die Usenet Mac Programming Awards eine Anerkennung unter Kollegen darstellt, setzt die Zulassung zur Nominierung und zur Wahl voraus, daß eine Frage zum Programmieren am Macintosh richtig beantwortet wird. Ansonsten kann jeder mitwählen. Die Gewinner erhalten eine Plakette, ein T-Shirt, ein APDA Geschenkszertifikat und andere Sachen; Gewinner außerhalb des Bereiches der kommerziellen Software bekommen Entwicklerpakete und -tools von Symantec und Metroworks, BBEdit, QC von Onyx Technology und das Roaster-Entwicklerpaket für Java von Natural Intelligence. Die Preise stammen von den entsprechenden Firmen und die Veranstaltung als solche wird von Bare Bones Software und Metrowerks gesponsert.

Die Usenet Mac Programming Awards stellen jene Art von Veranstaltung und Publizität dar, die von den Benutzern ausgehen und die den Macintosh wie das Internet charakterisieren. Sie bringen hart arbeitetenden Programmierern die wohlverdiente Anerkennung.

1996 Human Interface Design Awards -- Apple hat letzthin die Human Interface Design Excellence Awards (HIDE) 1996 angekündigt. Diese Auszeichnungen sind der hervorragende Benutzeroberfläche des Macintosh gewidmet und soll den ausgezeichneten Produkten die nötige öffentliche Anerkennung bringen. Preise gibt es für die eleganteste Software, die innovativste, die Software mit dem besten "look and feel" [vielleicht könnte man das mit "höchstes Maß an Intuitivität" übersetzen ... oder lieber nicht; --GR] und der Software mit der besten Gesamterscheinung. Die Auszeichnungen werden anläßlich der Worldwide Developer Conference (WWDC) von Apple im Mai verliehen.

<http://dev.info.apple.com/hideawards.html>

Ironischerweise hätte die Art, wie die Vorschläge bei Apple eingereicht werden, etwas eleganter sein können: Interessenten müssen ein Bewerbungsformular im Acrobat-PDF-Format herunterladen, ausdrucken und mit der Post an Apple schicken (das Formular sieht einer Versicherungspolizze ziemlich ähnlich), zusammen mit zwei Kopien der Software. Eine Jury von Experten wird unter Apples Aufsicht die Gewinner auswählen. Diese werden Plaketten und Pokale erhalten, aber auch (und das ist wohl wichtiger) das Recht, auf der Verpackung ihrer Software einen Aufkleber zu verwenden, der besagt, daß sie den HIDA gewonnen haben. Mich freut es, einen Bewerb zu sehen, der Design und Eleganz belohnt statt Verkaufszahlen und Marketingmacht, aber ich bin enttäuscht, daß Apple für die Bewerbungen das Internet nicht zu nutzen weiß.

Mehr Lesezeichen als Lesestoff, Teil I

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

Sagen wir es, wie es ist: die "Bookmark"- [Lesezeichen; --GR] oder "Hotlist"-Verwaltung der meisten Webbrowser ist Mist. Sie ist durch und durch mies. Bei den meisten Browsern ist sie nicht einmal hierarchisch, was es unmöglich macht, die Bookmarks zu kategorisieren, und die wenigen Programme, die eine Hierarchie erlauben (wie der Netscape Navigator), lassen jene Eleganz vermissen, die man von sauberen Macintosh-Programmen erwartet.

Als die ersten Web-Browser aufkamen, habe ich betont, wie dringend wir ein gutes unabhängiges Bookmark-Programm bräuchten, einerseits, weil die vorhandenen schlecht waren, andererseits weil es für jene unter uns, die mehrere Browser verwenden oder testen müssen, ziemlich schwierig ist, hin und her zu wechseln, wenn wir jedesmal unsere Bookmarks verlieren. Da man außerdem üblicherweise URLs aus verschiedenen Quellen sammelt (E-Mail, Newsgroups und Web-Seiten), ist es nicht einzusehen, daß ein Bookmark-Manager nur mit einem einzigen Programm zusammenarbeiten soll.

Einige Zeit hat es gedauert, aber jetzt gibt es Berge von eigenständigen Bookmark-Managern, von ganz einfachen Produkten bis zu überaus komplizierten. Ich werde sie hier kurz behandeln, aber aufgrund der Vielzahl von Bookmark-Managern den Artikel in zwei Teile zerlegen. Der erste Teil ist solchen Bookmark-Managern gewidmet, die ihre eigene Oberfläche mitbringen, der zweite jenen, die sich des Finders als Grundlage der Organisation bedienen.

BookMark Manager 1.521 -- Shinjiro Nojimis BookMark Manager (Shareware für 20 US$, in einer zeitbeschränkten Demoversion verfügbar) hat eine Oberfläche aus zwei Fenstern für die hierarchische Verwaltung. Hier sind zwei Ebenen an Tiefe erlaubt, aber spätestens dann benötigt man die Suchoption - mehr Fenster wären brauchbar. BookMark Manager bietet Suchmöglichkeiten nach dem Titel (schnell) oder dem URL oder Anmerkungen dazu (langsam). Man hat den Eindruck, daß BookMark Manager alles hat, was man beim Import, Export, Sortieren und Starten von URLs verlangen kann, aber die Benutzeroberfläche muß überarbeitet werden - die Knöpfe sind zu klein und haben eine überflüssigen 3-D-Look, das Hauptfenster läßt sich nicht in der Größe verstellen, viele der Dialoge sind überfrachtet und es gibt irritierende Menüpunkte (wie Cancel). Einmal angelegte URLs kann man mit BookMark Manager zwar starten, aber es gibt keine Möglichkeit, URLs aus anderen Programmen schnell zu übernehmen.

<http://www.walrus.com/~noyo/BMReadMe.htm>

ClipFiler 1.3 FKEY -- ClipFiler FKEY, Shareware für 10 US$ von Casey Fleser <cfleser@infi.net>, hat zwar am wenigsten Möglichkeiten von allen Bookmark-Managern aufzubieten, aber er bekommt wegen seiner Einfachheit gute Noten. Man legt die Zeichensatz-Koffer mit dem FKEY in den Zeichensatzordner, startet neu [ein Neustart ist nicht nötig; --GR], und von jetzt an landen alle markierten Textstücke in einer Datei namens "Clippings" auf dem Schreibtisch, wenn man den FKEY drückt (Shift-Command und eine Zahl). Mit ICeTEe von Peter Lewis und Quinn (zu finden in Internet Config) kann man die URLs aus der Clipping-Datei (SimpleText-Format) starten. Was ich an ClipFiler besonders mag, ist die Tatsache, daß ich beliebige Textstücke speichern kann, die ich mir später anschauen will. Natürlich ist ClipFiler kein sehr guter Bookmark-Manager, aber die meisten anderen sind äußerst mittelmäßig, wenn es darum geht, mehr als ein URL und eine kurze Beschreibung zu speichern.

<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/gui/clip-filer-13-fkey.hqx>

DragNet 1.0.2 -- DragNet von OnBase Technology (Preis 39,95 US$, limitierte Demoversion erhältlich) ist vielleicht der Bookmark-Manager mit dem höchsten Anspruch. In seinen vier Fenstern stellt das Programm beinahe alle Möglichkeiten bereit, die sich jemand nur wünschen kann. Das Adressen-Fenster erlaubt es, händisch neue Bookmarks einzutragen, zu benennen und in Kategorien einzuordnen (DragNet fügt Felder für das Erstellungsdatum und für das Datum der letzten Verwendung des Bookmarks automatisch hinzu). Man kann suchen, indem man Begriffe eingibt, ohne andere Textfelder aktiviert zu haben - eine praktische, aber nicht sehr intuitive Art der Bedienung. Das Directory-Fenster sieht in etwa wie ein Finder-Fenster in der Darstellung nach Namen aus; es kommen noch Spalten für Ordner und URLs für Dateien hinzu. Das Directory-Fenster vereinfacht es, die URLs ihren Kategorien zuzuweisen und zwischen den Kategorien zu wechseln. Das Searcher-Fenster hilft bei der Suche nach Gruppen von URLs, die einen Textstring enthalten (im Unterschied zu der Suchfunktion im Adressen-Fenster, wo nur der erste passende URL-Eintrag gefunden wird). Das Hot-List-Fenster schließlich weist sechs konfigurierbare Pop-Up-Menüs auf, die die URLs einer Kategorie auflisten. Unter den Menüs gibt es zehn Tasten, die ähnlich den Knöpfen eines Autoradios einen raschen Zugriff auf oft verwendete URLs bieten.

Aus jedem Fenster von DragNet kann ein Eintrag zu einem Browser gezogen werden, um die entsprechende Seite anzufahren; auch die immer vorhandene Go-To-Taste kann dafür verwendet werden. URLs in das DragNet-Verzeichnis aufzunehmen ist auch generell eine Sache von drag & drop; DragNet kann auch das aktuelle URL von einigen Browsern übernehmen und eine Erweiterung kann die Anwahl des Add-Bookmark-Befehls von Netscape Navigator 2.0 abfangen und die aktuelle Adresse in die eigene Datenbank umleiten. DragNet hat eine Online-Help-Funktion, die das Fehlen eines Handbuchs ausgleicht. Meine Tests haben nur einige kosmetische Bildschirm-Probleme bei Farbtiefen von 16 oder 24 Bit auf meinem Zweitmonitor ergeben. Leider kann DragNet mit Internet Config nichts anfangen; auch zwischen verschiedenartigen URL-Typen kann es nicht unterscheiden, obwohl es URLs akzeptiert, die keine http-Adressen sind. Trotzdem: unter den kommerziellen datenbankorientierten Bookmark-Managern ist DragNet derzeit der beste.

<http://www.onbasetech.com/DragNet.html>

GrabNet 2.0 -- GrabNet von der ForeFront Group ist ein kommerzieller Bookmark-Manager mit allen Funktionen (um 19,95 US$ mit einer voll funktionsfähigen Demoversion für 30 Tage). URLs können per drag & drop in ein GrabNet-Dokument gezogen werden (das funktioniert auch mit dem momentanen URL in Ihrem Browser); ein Doppelklick auf einen Eintrag oder das Ziehen auf den Browser öffnet das URL. GrabNet unterstützt hierarchische Listen sowohl in Namens- als auch in Icon-Darstellung und läßt Sie diese nach Label (d.h. nach Namen), nach Herkunft (URL) und nach dem Datum der letzten Verwendung sortieren. Das interessanteste Feature bei GrabNet ist die Möglichkeit, nicht nur einen Kommentar für jedes URL anzulegen, sondern auch einen Text oder eine Grafik hinzuzufügen, die immer dann gezeigt werden, wenn das zugehörige URL in GrabNet angewählt ist. Ich weiss freilich nicht, wozu ich das verwenden könnte und es dürfte mehr Arbeit sein, als beim Anlegen von URLs vertretbar ist. GrabNet hat mich nicht begeistert; seine Oberfläche hat mich etwas verwirrt - ich bin kein Anhänger von Toolbars und kryptischen Knöpfen (schon gar nicht, wenn solche in Menüs herumgeistern). Außer der Fähigkeit, Text innerhalb der Datenbank zu suchen, scheint GrabNet alle elementaren Funktionen zu haben, einschließlich Import und Export von HTML.

<http://www.ffg.com/grabnet.html>

Internet Memory 1.5 -- Internet Memory von CircleDream (20 US$, als gesperrte Demoversion für fünf Einträge vertrieben), hat eine aufgeräumte Benutzeroberfläche, in der URLs per drag & drop aufgenommen und per Doppelklick geöffnet werden können. Das Programm unterstützt URLs verschiedener Typen, spricht aber nicht Internet Config an, um URL-Typen für zugeordnete "Helper"-Applikationen nutzbar zu machen. Ein nettes Detail ist es, daß Internet Memory sein eigenes Fenster auf ein Icon reduzieren kann, wenn ein URL geöffnet wird; ein einzelner Mausklick auf das Winzfenster stellt dessen normale Größe wieder her. Leider können in die verkleinerte Ausführung des Fensters keine URLs gezogen werden. Internet Memory unterstützt mehrere Adreßbücher und Ordner, wenn URLs hierarchisch organisiert werden sollen, was praktisch ist, aber das Programm zwingt den Benutzer, alles in einer Dialogbox zu editieren - einschließlich Ordnernamen und URL-Titel. Adreßbücher können durchsucht werden; Internet Memory kann auch in einem Record-Modus die im Netscape Navigator angefahrenen URLs aufzeichnen. Andere nicht banale Fähigkeiten des Programms sind der Schreibschutz oder die DES-Verschlüsselung von Adreßbüchern (wofür ich persönlich keine Verwendung habe, aber von mir aus) und das Speichern von mehreren E-Mail-Signaturen und anderen kleinen Textpassagen, die dann kopiert und zur Verwendung in anderen Applikationen eingefügt werden können. Alles in allem: Internet Memory funktioniert ganz passabel, aber es verfügt über nichts, was es anderen Produkten überlegen macht (wenn Sie nicht eine der ausgefallenen Funktionen unbedingt brauchen).

<http://www.circledream.com/inmn.html>

MailKeeper 1.0.2 -- MailKeeper von Nisus Software (35 US$, mit einer auf 75 Datensätze beschränkten Demoversion) kann viel mehr als nur URLs zu verwalten. Die Software speichert und indexiert Text jeder Art und verfügt über die Funktionalität, um E-Mail-Adressen und URLs automatisch handzuhaben. Um einen Text zu speichern, muß er zuerst kopiert werden; dann wird er mittels Tastendruck, der einen HotKey aufruft, in die MailKeeper-Datenbank eingefügt. Drag & drop von URLs in das Fenster von MailKeeper geht auch; Sie können umgekehrt URLs aus MailKeeper heraus auf einen Web-Browser (freilich nur auf einen solchen, der drag & drop unterstützt) ziehen, um ein URL zu öffnen. Als ein zusätzliches Bonbon kann auch ICeTEe mit Mailkeeper zusammenarbeiten, falls Ihr Web-Browser drag & drop nicht versteht. Die wichtigste Neuerung von MailKeeper ist die Methode, mit der der User beim Auffinden von Einträgen unterstützt wird. Diese Methode namens Guided Information Access stellt vier frei definierbare Spalten mit Kategorien zur Verfügung; ein Mausklick auf eine der Kategorien in einer Spalte schränkt die Liste der dargestellten Einträge auf diejenigen ein, die der gewählten Kategorie angehören. Der Klick auf eine andere Kategorie in derselben oder in einer anderen Spalte schränkt die Darstellung auf Daten ein, die beiden Kategorien entsprechen. Dieser Ansatz ermöglicht es, mit großen Datenbeständen zu arbeiten; die Auswahlkriterien können auch durch Datumsangaben noch weiter verfeinert werden. Zusätzliche Kategorien können definiert werden, um einen Eintrag beim ersten Erfassen in der Datenbank entsprechend zu indizieren. Die Methode, mit der MailKeeper dazu gebracht werden kann, das noch nachträglich zu tun, ist allerdings plump. MailKeeper krankt in erster Linie an einer wirren Oberfläche und ist nicht genügend auf die Verwaltung von URLs ausgerichtet, um für diesen Zweck ideal zu sein. Es stünde dem Programm gut an, automatisches Neukategorisieren für den Fall von hinzukommenden oder wegfallenden Kategorien zu ermöglichen; auch die Fähigkeit, eine komplette Eudora-Mailbox zu indizieren und dann zu durchsuchen, wäre wünschenswert.

<http://www.nisus-soft.com/mailkeeper.html>

SiteMarker -- SiteMarker 1.0b5-3 von Rhythmic Sphere (12,95 US$) versteht sich nur mit Netscape Navigator. Die Applikation hat ein Fenster, das in vertikaler Anordnung aus drei Bereichen besteht. Der oberste enthält mehrere Kataloge; der mittlere mehrere Kategorien aus einem Katalog und der unterste die Marker dazu - da sind die eigentlichen URLs innerhalb der Kategorien. Eine Anzahl von Hilfsfenstern ["windoids", --WJF] rundet die Benutzeroberfläche ab. Das Notator-Windoid läßt die Benutzer Kommentare zu einem Marker eintragen; das Searcher-Windoid stellt eine Schnittstelle zur Suche in vielen der wichtigen Search-Engines und Kataloge im Web dar. Das Stylist-Windoid dient dazu, die Darstellung im Sammel-Fenster zu konfigurieren und das Button-Bar-Windoid gestattet den schnellen Zugriff zu acht häufig verwendeten Markern. SiteMarker kann HTML importieren und exportieren; über ein Browser-Menü kann Netscape via Apple Events gesteuert werden. Ein ungewöhnliches Feature heißt "Extract Links": damit können Sie aus der gerade offenen Web-Seite alle Links heraussaugen (besonders nützlich, um beispielsweise das Ergebnis einer Suche in Yahoo zu übernehmen). SiteMarker hat auch einen Record-Modus, in dem für jede besuchte Seite automatisch ein Marker angelegt wird. URLs können per Doppelklick gestartet werden oder aber, indem sie auf Netscape gezogen werden; umgekehrt ist es aber nicht möglich, von Netscape etwas auf SiteMarker zu ziehen. Statt dessen kann der User auf eine "Mark"-Taste im Sammelfenster klicken oder den "Mark"-Befehl aus dem Marker-Menü verwenden, um das aktuelle URL zu sichern. Im großen und ganzen finde ich SiteMarker reichhaltig mit Funktionen ausgestattet (obwohl ich etwa einen Suchbefehl vermisse), aber auch langsam und irgendwie klobig. Dennoch: der Record-Modus und das Searcher-Windoid machen es zu einem nützlichen Werkzeug.

<http://www.rsphere.com/sitemarker/>

The URL Manager 1.1 -- Der URL Manager, eine Shareware-Applikation von Alco Blom (15 US$), ist schnell, gut gemacht und einfach zu benutzen. Seine Dokumente öffnen sich im Stil von Finder-Fenstern in Namensdarstellung, aber viel rascher. Bookmarks werden angelegt, indem sie von einem Web-Browser herübergezogen werden oder indem nach Eingabe von Command-N ein URL und sein Name direkt an passender Stelle in eine Liste (statt in einer sperrigen Dialogbox) eingetragen wird. Sie können in Namen und URLs nach Text suchen; ein Doppleklick auf ein Bookmark öffnet dieses in Ihrem Web-Browser. Sie können auch die Bookmarks in einer über Internet Config definierten Helper-Applikation starten. Ein spezielles Menü enthält die Links der wesentlichen Web-Search-Engines. Es ist leicht, URLs in andere Applikationen zu übernehmen, entweder durch Ziehen oder durch schlichtes Kopieren und Einfügen, was ich oft beim Schreiben und bei meiner E-Mail mache. Der URL Manager kann Bookmarks von Netscape, Bookmark-Dateien im HTML-Format und solche von Anarchie und Fetch importieren (er kann sogar in normalen Text-Dateien nach URLs suchen!); er exportiert auch wahlweise Bookmarks als HTML-Seite. Mit dem URL Manager liegen Sie nicht daneben; Alco scheint regelmäßig Updates mit effizienten neuen Features herauszubringen.

<http://www.xs4all.nl/~alco/urlm/>

WabbitDA 1.4.5 -- Es spricht einiges für WabbitDA, Freeware von Mel Patrick <mel@direct.ca>. Es ist schnell, einfach zu benutzen, unterstützt drag & drop in vollem Umfang und hat vielseitige Suchmöglichkeiten. Neue Bookmarks legen Sie an, indem Sie sie kopieren und auf die New-Taste klicken oder indem Sie sie von Netscape oder einer anderen drag-fähigen Applikation in das Fenster von WabbitDA ziehen. WabbitDA kann auch Bookmarks von Anarchie, Netscape oder aus einer WabbitDA-Datei importieren. URLs werden gestartet, indem man sie auf eine drag-fähige Applikation zieht oder per Command-Klick im Fenster von WabbitDA. Das Programm kann auch einige weniger banale Tricks: URLs können in Form einer Übersicht gruppiert werden, Gruppen können mit Farben markiert werden und eine Stoppuhr kann die Online-Zeit anzeigen. Der Hauptnachteil von WabbitDA: es ist nicht hierarchisch und es kann immer nur eine WabbitDA-Datei offen sein, obwohl beliebig viele angelegt werden können. Ich ziehe den URL Manager vor; WabbitDA ist aber ziemlich gut und der Preis [0,00 US$ auf die Kralle, --WJF] ist unschlagbar.

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/tisk/tcp/web/wabbit-145-da.hqx>

Web Squirrel 1.0.5 -- Web Squirrel von Eastgate Systems (49 US$, Demoversion gratis) steht unter den Bookmark-Verwaltungsprogrammen mit seinen Neuerungen einzigartig da. Es ist von dem Hypertext-Editor Storyspace (ebenfalls von Eastgate) inspiriert, indem es ein grafisches Layout für die Erfassung von Bookmarks, zur einfachen Bedienung mit einer vielseitigen Suchfunktion und für simpel zu verwendende Kurzbefehle einsetzt. Mittels Einfügen kopierter Strings oder per drag & drop ist es ein Kinderspiel, URLs von einem Web-Browser oder aus einem anderen Web Squirrel-Dokument zu übernehmen. Ein schlichter Doppelklick öffnet ein URL in der Helper-Applikation, die mit Internet Config als solche definiert ist. Web Squirrel leidet in erster Linie unter einer gewissen Instabilität (zumindestens in meinen Tests) und unter seiner Fülle von nicht ganz nachvollziehbaren metaphorischen Begriffen. Dieses Web-Eichhörnchen (seit wann fabrizieren Eichhörnchen Netze?) legt Farmen an, die mehrere Bookmarks umfassen, die wiederum grafisch zu "Nachbarschaften" [oder eher "Dörfer"? "Kleinregionen im ländlichen Raum"?? Was weiß ich; jedenfalls im Original "neighborhoods". --WJF] oder in Textdarstellung zu Listen zusammengefaßt werden können. Der Benutzer kann auf seiner Farm herumgehen oder -fliegen (und Pferde gibt es keine?). Agenten (die in ihren dunklen Anzügen auf einer Farm kaum auffallen dürften...) suchen die Inhalte der Farm nach Schlagworten ab und sammeln laufend passende Web-Sites ein. Die grafische Darstellungsweise von Web Squirrel schreit nach einem großen Bildschirm; wenn es nur etwas stabiler wäre, würde ich es wegen seiner Organisationsmöglichkeiten verwenden.

<http://www.eastgate.com/squirrel/Welcome.html>

WebArranger 2.0 -- Der WebArranger 2.0 von CE Software (99,95 US$; die Version 1.0 wurde bis 16. Februar 96 frei verteilt. Version 2.0 ist ein Upgrade um 49 US$ dazu und wird mit einer Gratis-Demoversion ausgeliefert) ist erstaunlich in seinem Ansatz; dies hauptsächlich wegen seiner Abstammung von einem Personal Information Manager von Common Knowledge namens Arrange. WebArranger kann sich URLs per HotKey und über eine Erweiterung namens Grabber schnappen und URLs mit Tastendruck öffnen (der ICeTEe-Command-Klick funktioniert auch). Sie können nicht nur die Bookmarks von Netscape importieren, sondern bemerkenswerterweise auch die History-Datei von Netscape. WebArranger kann URLs auf Veränderung prüfen, einen gesamten eingeschlagenen Pfad durch das Web aufzeichnen und sogar selbständig versuchen, in überlastete FTP-Server hineinzukommen. Eine Vielzahl von Such- und Sortiermöglichkeiten werden geboten. Die Schattenseite: WebArranger ist nicht in der Lage, URLs aufzunehmen, die in sein Fenster gezogen werden, obwohl er intern drag & drop verwendet. Mein zentraler Kritikpunkt ist, daß Web-Arranger zu komplex ist - wenn Sie bereit sind, viel Zeit für das Erlernen seiner zahlreichen Features und für seinen regelmäßigen Einsatz aufzubringen, wird er Sie nicht enttäuschen. Gelegentliche Benutzer oder Anfänger hingegen werden die unzähligen Optionen und Funktionen von WebArranger verwirrend finden.

<http://www.cesoft.com/webarranger/webarrangerpage.html>

What URL?! 1.0a4 -- What URL von Noah Mittman (gratis) ist eine extrem einfache Applikation, die URLs akzeptiert, die in eins ihrer Fenster gezogen werden (Bookmarks können auch manuell angelegt werden, allerdings nicht direkt wie im URL Manager). What URL ist nicht hierarchisch, mehrere Fenster kännen allerdings offengehalten und Bookmarks zwischen diesen hin- und hergezogen werden. Das Öffnen eines URLs ist die Sache eines Doppelklicks. Es gibt weder Suche noch Sortierung; nur ein Bookmark kann jeweils aktiviert sein. Ein ungewöhnliches Feature ist ein kleines Icon in Gestalt eines Vorhängeschlosses, das nach Anklicken ein Fenster gegen die Aufnahme weiterer Bookmarks sperrt. Ein zweiter Klick auf das Schloß entriegelt das Fenster wieder. What URL kann mit dem URL Manager oder WabbitDA derzeit nicht mithalten, es steht aber erst am Anfang seiner Entwicklung.

<http://www.panix.com/~nam/whaturl/>

WWW-Freund 1.0 -- WWW-Freund (Freeware) von David Renelt <maction@tnet.de> weist eine saubere Oberfläche auf, hat aber sonst wenig unter der Motorhaube. Es verwendet ein zweigeteiltes Fenster, um einen hierarchische Zugang zu den Bookmarks zu ermöglichen. Im WWW-Freund gibt es eine Taste, mit der ein URL in die Zwischenablage kopiert und eine andere, mit der ein URL in Netscape (aber in keinem anderen Browser) geöffnet wird. URLs können nicht in das Fenster von WWW-Freund gezogen oder mit einem Tastendruck per HotKey aufgenommen werden; sie müssen von Hand kopiert und eingefügt werden. Man kann zwar zu einem URL eine beliebige Beschreibung hinzufügen, aber ein Fehler beim Namen oder beim URL selbst kann nicht mehr korrigiert werden. Es ist nicht einmal möglich, ein URL von einer Gruppe in eine andere zu verschieben, so weit ich das herausfinden konnte.

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/tisk/tcp/web/www-freund.hqx>

Treffen Sie Ihre Wahl -- Nachdem ich mir all diese Bookmark-Programme angeschaut habe, scheint mir bei den kommerziellen Produkten DragNet das beste zu sein. Besondere Erwähnung verdienen Web Squirrel für die interessantesten Details und WebArranger wegen seiner wahnwitzigen Fülle von Features. Bei den Shareware-Programmen fällt meine Wahl auf den URL Manager, bei der Freeware derzeit auf WabbitDA.

Und welches setze ich selbst ein? Keines von den angeführten (ich verwende zwar WebArranger, aber nicht wegen seiner Fähigkeiten, Bookmarks zu verwalten). Bereiten Sie sich seelisch auf den zweiten Teil nächste Woche vor, der sich mit Bookmark-Managern beschäftigt, die mit dem Finder zusammenarbeiten. Mein persönlicher Favorit ist in dieser Kategorie zu finden.

Reviews/08-Apr-96


Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].

Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Gregor Retti [GR].

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