Diese Ausgabe bringt Neues zu Produkten, die im Zusammenhang mit der Apple World Wide Developer Conference auf den Markt kommen, außerdem einen zu diesem Anlaß passenden Essay über die Phasen in der Entwicklung von Software und über die Bedeutung des Wortes "Beta". Wir befassen uns auch mit der Verhaftung der Verantwortlichen von zwei Internet-Providern in Frankreich und besprechen Mail Drop (einen IMAP Mail-Client). Neue Versionen gibt es von FreePPP, StuffIt Expander, DropStuff, MacDNS und der Client-Software von AOL.
Autorisierte Übertragung aus den TidBITS#328/13-May-96.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-328.html>
Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
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Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
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Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-328.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-328.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-328.etx>
FreePPP 2.5 ist da -- Vergangenen Sonntag hat die FreePPP Group die Version 2.5 ihres Freeware-Clients für PPP publiziert. FreePPP ist ein weiter Schritt über die vorhergehende Version 1.0.5 hinaus und weist mehr interessante Details als MacPPP 2.5 - Apples Version desselben Codes - auf. Lesen Sie auf jeden Fall die Dokumentation zu FreePPP, die diverse behobene Mängel und bekannte Probleme auflistet. [ACE]
<http://www.rockstar.com/ppp.shtml>
StuffIt Expander 4.0.1, DropStuff 4.0 -- In der letzten Woche hat Aladdin Systems neue Versionen der beliebten Hilfsprogramme StuffIt Expander und DropStuff mit dem Expander Enhancer herausgebracht. StuffIt Expander 4.0.1 - der eine breite Palette von Dateiformaten, die online verwendet werden, decodiert und dekomprimiert - ist weiterhin Freeware. Er bietet auf Power Macs jetzt eine stark erhöhte Geschwindigkeit und einen verbesserten Umgang mit geteilten und segmentierten Dateien. DropStuff mit Expander Enhancer erlaubt es dem Benutzer, Dateien zu komprimieren und in BinHex zu verwandeln; die Fähigkeiten von StuffIt Expander beim Decodieren (auch der meisten Unix- und PC-Dateiformate) überschreitet dieses Software-Paar beträchtlich. DropStuff 4.0 bringt auch auf Power Macs verbesserte Leistung und eine verfeinerte Handhabung segmentierter Dateien. DropStuff ist Shareware (30 US$); registrierte Benutzer früherer Versionen können offenbar ihre Registrierungsnummern beibehalten (obwohl sich die Dokumentation dazu ausschweigt). Die Web-Sites von Aladdin sind immer schwer zu erreichen gewesen - die folgenden URLs sollten aber funktionieren und in nächster Zeit dürfte die Software in den Info-Mac-Archiven auftauchen. [GD]
<http://www.aladdinsys.com/>
<ftp://ftp.aladdinsys.com/>
<ftp://ftp.scruz.net/users/aladdin/public/stuffit_exp_40_installer.hqx>
<ftp://ftp.scruz.net/users/aladdin/public/dropstuff_w_ee_4_installer.hqx>
DNS am Macintosh: Es tut sich was -- Apple hat die Version 1.0.2 von MacDNS, der DNS-Server-Software, als Freeware herausgebracht. (DNS-Software stellt eine Verbindung zwischen den Namen von Internet-Maschinen und deren IP-Adressen her; bevor der Mac eigene DNS-Fähigkeiten hatte, mußte diese Aufgabe auf anderen Plattformen erledigt werden.) MacDNS ist in der Internet Server Solution von Apple enthalten; die Software funktioniert zwar ziemlich gut, wird aber wegen des Fehlens von rekursiven und "secondary" DNS-Diensten kritisiert.
<http://cybertech.apple.com/MacDNS.html>
Um nicht zurückzufallen, hat Men & Mice aus Reykjavik (Island) die Ergebnisse von Leistungs-Vergleichstests zwischen MacDNS, Unix BIND und dem eigenen Produkt QuickDNS veröffentlicht. QuickDNS Pro kostet zwar etwa 300 US$, kann aber mit rekursiven und "secondary" Diensten aufwarten und scheint die Konkurrenten leistungsmäßig abzuhängen. Men & Mice hat auch das dabei verwendete Testverfahren veröffentlicht.
<http://www.menandmice.com/QuickDNS/Comparison/>
MIND, der Freeware-DNS-Server für die Mac-Plattform von Glenn Anderson, hat sich auf einigen Mac-Internet-Servern nützlich gemacht, aber er leidet unter einigen hartnäckigen Problemen und laut Ric Ford (in seiner MacInTouch-Kolumne) ist eine Weiterentwicklung von MIND derzeit nicht geplant. [GD]
AOL 2.7 -- America Online hat letzte Woche die Client-Software in der Version 2.7 vorgestellt. Die neue Version behebt einige schwere Mängel und enthält einen verbesserten Web-Browser, obwohl die Web-Leistungen über das Netzwerk von AOL generell langsam sind (was aber nicht die Schuld des Browsers ist). [GD]
von Richard Erickson <erickso@worldnet.fr>
Am 6. Mai 1996 beschlagnahmte die französische Polizei Computerausrüstung und verhaftete die Geschäftsführer von zwei Internet Providern. Dies geschah auf Anweisung eines Richters, der die Aktivitäten pädophiler Gruppen in Frankreich untersucht, unter der Anschuldigung, daß die Internet-Provider Usenet-Newsgroups verbreiten, die nach Ansicht des Richters unter anderem "pornographische Photographien von Minderjährigen" enthalten. Die Verbreitung derartigen Materials ist in Frankreich verboten. [Wie auch in vielen anderen Ländern, z.B. den U.S.A. -Tonya]
Während einer Internetausstellung in La Defense (Paris) zwei Tage später veranstaltete die Vereinigung der französischen Internet-Provider (AFPI) eine Pressekonferenz, um die Aktion der Justiz bloßzustellen. François Benveniste, Chef des größten Internet-Providers Calvacom und Sprecher der Vereinigung - eines der Gründungsmitglieder war verhaftet worden - sagte: "Wir alle sind schuldig."
Benveniste bezog sich damit auf das Usenet, einen Teil der Online-Welt, der mehr als 16.000 Diskussionsgruppen enthält, die eine große Vielfalt von Informationen zu den verschiedensten Themen aufweisen. Benveniste sagte, daß unter den geltenden Gesetzen für einen französischen Provider keine Möglichkeit bestünde, einen Zugang zu diesen Diskussionsgruppen anzubieten, da der Provider im Sinne des Gesetzes für den Inhalt verantwortlich gemacht werden könne. Hinsichtlich des Umfangs des Usenets sei es schlicht ein Ding der Unmöglichkeit, mehr als 100.000 elektronische Dokumente pro Tag zu überwachen. Benveniste forderte die politisch Verantwortlichen auf, zusammen mit den Providern einen Gesetzesentwurf zu formulieren, der es diesen erlauben würde, auf einer legalen Basis zu operieren - ohne befürchten zu müssen, eingesperrt zu werden.
Zusammen mit zwei anderen Vorstandsmitgliedern von AFPI - Patrick Robin von Imaginet und Jerome Lecat von Iway - kündigte Benveniste an, sämtliche Newsgroups würden ab sofort bis zum 15. Mai 1996 als symbolische Geste gesperrt werden. Die staatliche France Telecom, die für die Internet-Infrastruktur mittels des Backbone-Service "Transpac" sorgt und seit kurzem selbst als Provider tätig ist ("Wannadoo"), beteiligt sich an der Aktion der privaten Provider, da die in Frage stehenden Gesetze auch für France Telecom gelten.
Diese Woche wird es für die rund 80.000 bis 100.000 privaten Internet-Benutzer in Frankreich nur eine einzige News Group, <fr.netware.internet>, geben.
Eine Frage bleibt allerdings offen: warum ausgerechnet diese beiden Internet-Provider aus etwa 48 ausgewählt worden sind. Praktisch alle bieten die gleichen Newsgroups an (auch die staatliche France Telecom). Die zwei Provider gehören zu den größeren in Frankreich: Francenet war einer der ersten Anbieter im Land, Worldnet einer der ersten mit "populären" Preisen.
Weiters bleibt unbeantwortet, warum diese Aktion ausgerechnet jetzt durchgeführt wurde, nachdem der Vereinigung der Provider in laufenden Gesprächen mit dem französischen Postminister François Fillon eben erst zugesichert wurde, daß keiner der Provider für Inhalte verantwortlich gemacht werden würde.
Inzwischen sind die beiden Männer wieder entlassen worden, verbleiben jedoch unter Aufsicht der Justiz - wichtige Teile der Computerausstattung bleiben weiter beschlagnahmt.
[Hier endet Richards Bericht bezüglich der Ereignisse, der in "Metropole, Paris Online" erstmals veröffentlicht wurde. Im folgenden habe ich noch einige von Richards informellen Kommentaren angehängt, die die Vorkommnisse in Frankreich weiter beleuchten. - Tonya]
Obwohl die Mehrheit der Internetkunden sich darüber im klaren ist, daß die Provider für den Inhalt nicht verantwortlich sind, kann dies von den Fernsehnachrichten nicht behauptet werden. Die Abendnachrichten des staatlichen Senders France 2 vom 8. Mai 1996 um 20:00 Uhr vermittelten den deutlichen Eindruck, daß die verbotenen Inhalte von Worldnet ausgegangen seien. Die Stellungnahme eines Sprechers von Francenet wurde weitgehend unter einer Bilderflut begraben - von der Homepage des Playboy bis zu richtiger Pornographie (allerdings kein Kinderporno). Ich habe in den Nachrichten über die Verhaftungen mehr "Fleisch" zu Gesicht bekommen als in 18 Monaten Internetbenutzung.
Da ich selbst Inhalte beisteuere, beginne ich darüber nachzudenken, wie ein Thema wie Paris zu behandeln ist, wo sich in der Öffentlichkeit ebenso viele Kunstwerke wie Plakatwände finden, die eine Darstellung des unbekleideten menschlichen Körpers zeigen. Meine Site könnte somit unter den Bann der Zensur fallen, obgleich sie Teil der öffentlichen (und sogar staatlich geföderten) Atmosphäre von Paris ist.
Auf der Pressekonferenz wie auch in einigen TV-Berichten war die Rede von Software, die der Benutzer dazu nutzen kann, verdächtige Inhalte auszufiltern. Wir sollten diese "Affen"-Software nach besten Kräften unterstützen: keine Pornos hören, keine Pornos sehen, keine Pornos sprechen. Vielleicht letzteres doch nicht - Pornographie ist eine legitime Ausdrucksform und war dies, seit Menschen in Höhlen zu malen begannen. Die "Affen"-Software würde am Höhleneingang eine virtuelle Warntafel anbringen.
Mehr zu diesem Thema findet sich auf der Website von Metropole.
<http://www.groundwork.com/metropole/>
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
Jedes Jahr bietet Apples World Wide Developer's Conference in San Jose etliche Neuveröffentlichungen und Ankündigungen und der Schwerpunkt liegt, wie das heutzutage bei Messen und Konferenzen so üblich ist, auf dem Internet. Dieser Artikel wirft ein Auge auf einige Produkte, die gerade noch rechtzeitig zur WWDC ausgeliefert wurden.
Cyberdog 1.0 -- Apple hat Cyberdog 1.0, seine momentan kostenlose integrierte Internet-Client-Software, die auf OpenDoc basiert, veröffentlicht. Interessanterweise scheint Apple auch in Zukunft das Produkt unter dem Namen "Cyberdog" führen zu wollen, denn obwohl ein Produktname, der das Wort "dog" ["Hund", --TE] enthält, sicherlich einen Hagel von geistreichen Witzeleien seitens der Apple-Gegner hervorrufen wird, ist das Produkt seit einem Jahr der Öffentlichkeit unter diesem Namen bekannt und ihn nun zu ändern, könnte auf Unverständnis in der Macintosh-Gemeinde stoßen (ich frage mich, was das für Copland bedeuten könnte). Cyberdog erfordert einen PowerMac, QuickTime und OpenDoc.
<http://cyberdog.apple.com/>
<http://opendoc.apple.com/dload/OD-install.html>
Marionet 1.1 -- Allegiant Technologies hat Version 1.1 von Marionet, seines "gesichtslosen", im Hintergrund laufenden, Internet-Protocol-Servers für Autorenumgebungen wie SuperCard, HyperCard, Director und AppleScript bekanntgegeben. Version 1.1 enthält einige Erweiterungen, speziell beim Support von HTTP, E-Mail und AppleScript. Besitzer von Marionet 1.0 bekommen von Allegiant einen kostenlosen Updater. Darüber hinaus werden in Kürze eine Test-Version von Marionet 1.1, überarbeitete Demos und Beispiele, die auf die neuen Features eingehen, auf Allegiants Servern erhältlich sein.
<ftp://ftp.allegiant.com/Marionet/>
BBEdit 4.0 -- Bare Bones Software hat BBEdit 4.0 angekündigt, welches die farbige Darstellung von Syntax-Elementen beherrscht. BBEdit stellt nun automatisch Schlüsselwörter der unterstützten Programmiersprachen (darunter HTML, C, C++, Pascal und sogar 68K-Assembler) farbig dar, um das Lesen zu erleichtern. Außerdem bietet BBEdit 4.0 Java-Unterstützung sowie eine tiefergehende Einbindung von WWW-Features (Server & Authoring) mit Hilfe von UserLands Frontier (siehe unten). Registrierte Anwender können nach dem 1. Juni '96 für 39 US$ updaten, oder, wenn sie BBEdit 3.5 nach dem 31. März '96 gekauft haben, umsonst. Der empfohlene Ladenpreis von BBEdit beträgt 119 US$.
Frontier 4.0 -- Vor fast einem Jahr hat Dave Winer das vielseitige Scripting-System UserLand Frontier für den Mac auf das Netz in Gestalt von "Aretha" (ein Code-Name für die Netz-taugliche Version von Frontier) losgelassen. Letzte Woche hat Dave das Ganze wiederholt - mit der Veröffentlichung von Frontier 4.0.
<http://www.scripting.com/frontier/>
Es ist fast nicht übertrieben, zu sagen, daß Dave für Scripting lebt und wieder hat er Frontier neu ausgerichtet - dieses Mal auf Web-Publisher und Provider. Frontier 4.0 bietet umfangreiche Unterstützung von WebSTAR, FileMaker, Netscape, Internet Explorer und anderen Programmen, um die Erzeugung von individuellen Inhalten und Web-Publishing-Lösungen zu erleichtern. Darüberhinaus verfügt Frontier nun über Möglichkeiten zum Management von Web Sites - die zugrunde liegende Idee ist, daß die Source-Dateien einer Web Site von Frontier verwaltet werden. Soll eine Site geändert werden, so "rendert" und exportiert Frontier den HTML-Code und lädt gegebenenfalls die Dateien auch auf den Web Server. Frontier kann die Erstellung und den Umgang mit großen, konsistenten Web Sites erleichtern und arbeitet eng mit BBEdit 4.0 zusammen in Bezug HTML-Verarbeitung und Authoring. Außerdem bietet Frontier CGI-Entwicklern native, multi-threaded-Leistung und Frontiers UserTalk ist immer noch eine OSA-Sprache, so daß AppleScript-Entwickler Frontier quasi als eine riesige OSAX-Sammlung betrachten können.
Trotzdem ist Frontier immer noch ein Produkt für Wagemutige: Scripts können für Nicht-Programmierer unlesbar sein und sogar erfahrene Entwickler haben schon seit jeher Probleme gehabt, in Frontier einzusteigen - daran hat auch das kostenlose "Aretha" nicht viel ändern können. Frontier 4.0 hat jedoch einen großen Schritt in Richtung einer Lösung dieser Probleme gemacht. So sind jetzt ein User-Guide, verschiedene Tutorien und "Schritt für Schritt"-Beispiele von Anwendern online verfügbar, die CGI-Scripting und andere Themen abdecken. Auch die Anwender-Gemeinde von Frontier kann einem weiterhelfen - werfen Sie doch mal einen Blick auf die Frontier-Talk Mailing-Liste, wenn es Sie interessiert, was Frontier alles kann.
<http://www.scripting.com/frontier/docs.html>
<http://www.scripting.com/frontier/mailinglists.html>
von Peter Hinely <phinely@hawaii.edu>
Wenige Leute haben je von Mail Drop gehört, einem großartigen Freeware-Mailprogramm für den Mac. Mail Drop, ein IMAP-Mail-Client, wird als Projekt an der Baylor University von Carl W. Bell entwickelt. IMAP ist ein Protokoll für den Zugriff auf Mailboxen über das Netz, vergleichbar mit dem POP3-Protokoll, das von Eudora benutzt wird. IMAP unterscheidet sich allerdings von POP3 in wesentlichen Punkten und bietet erweiterte Möglichkeiten, Nachrichten im Netz abzufragen. POP3 ist ein einfaches Protokoll mit sehr eingeschränkten Möglichkeiten bei der Handhabung von Mail auf dem Server. Wenn ein POP3-Client mit dem Mail-Server Verbindung aufgenommen hat, kann er diesem entweder sagen "schick mir meine gesamte Mail" oder aber "schick mir meine gesamte Mail und dann lösche deine Kopien". Wenn Sie Ihre Mail immer mit demselben Mail-Client von einem einzigen Computer aus lesen, ist das nicht weiter problematisch; wenn Sie allerdings je versucht haben, Ihre Mail von mehreren Maschinen abwechselnd zu lesen, sind Sie mit dem Synchronisationsproblem vertraut, das in diesem Fall auftaucht.
Ein Mail-Client, der das IMAP-Protokoll einsetzt, kann zu den vorhandenen Nachrichten spezifische Informationen einholen. Unter IMAP wird Mail solange auf dem Server gespeichert, bis Sie dem Server den ausdrücklichen Befehl erteilen, sie zu löschen. Für Benutzer, die ihre Mail von verschiedenen Geräten aus lesen, oder für den Zugriff auf Mailboxen, die mehreren Personen offen stehen, ist IMAP ideal. IMAP gibt Ihnen auch die Möglichkeit, Mail-Botschaften zwischen einzelnen Mailboxen zu verschieben und abgesandte Mail auf dem Server zu speichern. Mehr Informationen zum IMAP-Protokoll finden Sie unter:
<ftp://ftp.cac.washington.edu/imap/imap.vs.pop.brief>
Mail Drop bietet nun den Zugriff auf einen E-Mail-Account auf einem IMAP-Server und ist intuitiv und einfach zu benutzen. Wenn Sie mit Mail Drop zu Ihrem Mail-Server Verbindung aufgenommen haben, holt Mail Drop ausgewählte Informationen zu jeder Mail-Botschaft ein (statt alle Nachrichten en bloc abzuholen) - solche Informationen können das Datum, das Subject, der Absender, der Umfang oder angehängte Dokumente ["attachments", --WJF] einer Message sein. Mail Drop zeigt diese Informationen in einer Liste an. Um eine bestimmte Mitteilung zu lesen, klicken Sie doppelt auf den entsprechenden Eintrag; dann (und nur dann) holt Mail Drop den Text der Nachricht auf Ihren Mac. Wenn sie ein Attachment hat, wird das auch im Fenster der Message angezeigt. Mail Drop kann in diesem Fall das Attachment ebenfalls herunterladen oder den Server anweisen, dieses zu löschen (besonders nützlich, wenn Sie Ihre Mail über eine Modem-Verbindung abfragen).
Mail Drop hat laufend zusätzliche Features erhalten; die letzte Beta-Version unterstützt Feinheiten wie drag & drop von einem Adreßprogramm in das Adressaten-Feld, drag & drop von Dateien aus dem Finder in die Attachments-Liste sowie drag & drop zwischen Ordnern auf dem Mail-Server. Mail Drop unterstützt die Formate AppleDouble, AppleSingle, BinHex und echtes MIME. Wenn eine Message besonders lang ist, kann Mail Drop nur die ersten 32K davon darstellen, aber die gesamte Nachrichten kann sofort zum Lesen in einem anderen Programm gespeichert werden. Mail Drop erkennt auch URLs: Bei Command-Click auf ein URL im Text einer Mail-Botschaft öffnet den URL mit der entsprechenden Hilfsapplikation.
Wenn Mail Drop Sie interessiert, können Sie die letzte Beta-Version an folgender Web-Adresse herunterladen. Bitte beachten Sie: Um Mail Drop überhaupt verwenden zu können, müssen Sie Zugang zu einem IMAP-Mail-Server haben. Viele Internet-Provider bieten nur POP3-Dienste an; einige wenige unterstützen beide Protokolle, IMAP und POP3. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Mail-Server IMAP fährt, fragen Sie bei Ihrem Provider oder System-Administrator nach.
<http://ackmo.baylor.edu/files/Mail_Drop/info.html>
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
Eigentlich seltsam - bei TidBITS vergeht kaum ein Tag, ohne daß man schon wieder etwas von einer neuen "Beta-Software" hört. Ein Hilfsprogramm, ein Web-Browser, ein Plug-In oder eine größere kommerzielle Anwendung - egal was es ist: wieder ein "Beta", mit der freundlichen Bitte von irgendjemand, doch darüber zu schreiben, als Service für unsere Leser - natürlich.
Als das Internet noch nicht so populär war wie heute, war "Beta-Software" eine geheimnisvolle Sache, die kaum einer richtig einzuschätzen wußte. Wer die richtigen Beziehungen hatte, auf den richtigen Adressenlisten stand, die richtigen Messen besuchte, der wurde vielleicht mal hinter vorgehaltener Hand leise gefragt, ob er vielleicht bereit wäre, eine neue Software zu testen. In der Regel mußte man dann eine Vereinbarung unterschreiben, die einen zum Schweigen verpflichtete. Jede Äußerung zu diesem Programm war bis zur offiziellen Vorstellung untersagt. Öffentliche Vorabversionen (Public Betas) waren völlig unbekannt, auch die richtigen Power-User wußten mit dem Begriff nichts anzufangen. "Beta? Was ist das?"
Seit dem Beginn des Internet-Zeitalters wird das "Beta-Stadium" bei der Software-Entwicklung neu definiert. Ehrlich gesagt - ich halte davon nicht viel. Was heißt "Beta" überhaupt, und warum haben so viele Software-Entwickler nichts Eiligeres zu tun, als Software zu verteilen, die nach eigenem Bekenntnis weder fertig noch stabil und möglicherweise sogar gefährlich ist? Was geht da eigentlich vor?
Was bedeutet Beta (wirklich)? -- Es gibt zwar keine allgemeingültige Vorgehensweise bei der Software-Entwicklung, wichtige Produkte durchlaufen aber eine ganze Reihe von Phasen. Man kann sich vorstellen, daß es bei diesen Zwischenstufen und den Begriffen, die damit zusammenhängen, jede Menge Variationsmöglichkeiten gibt, genauso wie bei den Programmierungsansätzen selbst. Eine durchschnittliche Applikation macht aber die folgenden grundlegenden Entwicklungsschritte durch:
Man kann also davon ausgehen, daß Beta-Versionen (in der Theorie) drei Eigenschaften haben:
1. Die technologischen Ansprüche des Produktes selbst (sei es an Hard- oder Software) sind bereits ausreichend lange festgelegt.
2. Das Produkt ist fertig programmiert und alle Eigenschaften sind erkennbar. Es werden keine neuen Eigenschaften hinzukommen, alle Merkmale stehen zur Verfügung und können getestet werden.
3. Das Produkt weist keine ernsthaften Fehler mehr auf, die von den Entwicklern erst in Angriff genommen werden müssen.
Denken Sie mal an die Beta-Versionen, die Sie vielleicht vor kurzem benutzt haben, und beurteilen Sie sie nach diesen drei Punkten. Fällt Ihnen etwas dabei auf?
Die Bedeutung der Beta-Versionen heute -- Ich gebe gern zu, daß die Beschreibung von Software-Entwicklung, die ich oben skizziert habe, eine Art Idylle zeigt. Viele der komplexen Faktoren, die solche Entwicklungen beeinflussen, sind nicht genannt worden. Eine Liste von Eigenschaften kann durch Konkurrenzprodukte über den Haufen geworfen werden, Marketing- oder Vertriebstermine können die eingeplanten Arbeitsphasen einschränken. Außerdem gibt es immer wieder unvorhersehbare Faktoren: ich habe mal bei einer Produktion mitgemacht, deren wichtigster Programmierer fast drei Monate lang durch eine Lungenentzündung außer Gefecht gesetzt war.
Trotzdem gilt - besonders für Mac-Internet-Software -, daß "Beta" heute nicht mehr viel mit seiner ursprünglichen Bedeutung zu tun hat. Wir kennen "Public-Beta"-Programme mit unzähligen Fehlern, die den Entwicklern bekannt und die zur Korrektur vorgesehen waren; außerdem warteten diese Produkte in den darauffolgenden Versionen immer wieder mit neuen Eigenschaften auf. Es gibt aber auch Produkte, die während ihrer verschiedener Beta-Versionen immer wieder neue Anforderungen an System und Technologie stellen - Eigenschaften, die schon längst in Beton gegossen sein müßten. Beta hat oft die Bedeutung, die man früher mit "Alpha-Versionen" oder mit einzelnen Entwicklungsschritten verbunden hat.
Das Beta-Rennen -- Das Aufkommen der Internet-Software-Industrie (und des Internet selbst) hat die Beta-Phase entscheidend geprägt: Die Internet-Betaversionen sind schnell, weitverbreitet und (oft) billig. Ein Beta-Test mit herkömmlichen Mitteln wie Floppies oder CD-ROM sind vergleichsweise teuer und - noch wichtiger - zeitaufwendig. Masterdisketten müssen vervielfältigt und an eine Testerliste verschickt werden, die vielleicht noch nicht einmal die angepeilte Nutzergruppe repräsentiert. Im Gegensatz dazu lassen sich durch Beta-Tests im Internet zeitliche Verzögerungen sowie Vervielfältigungs- und Verteilungskosten vermeiden. Noch wichtiger ist im Grunde die unbegrenzte Reichweite, die das Internet bietet. Oft läßt sich die Kommunikation mit den Beta-Testern vereinfachen (die wohl alle in der Lage sind, mit E-Mail umzugehen). Richtig angewandt kann eine "Public Beta"-Version im Internet die Qualität eines Produktes entscheidend verbessern helfen, auch wenn mehr Aufwand nötig ist, um die Flut von Bug-Reports und Kommentaren zu verarbeiten. Wenn man es richtig macht, dann dienen Beta-Versionen den Software-Entwicklern und all den Endanwendern, die gern alle Kurven ausfahren.
Es gibt natürlich auch eine Schattenseite bei der Sache. Public Betas finden in der Regel große Beachtung, besonders auf Mailinglisten und in Newsgroups, aber auch in Computer-Magazinen wie MacWorld, MacWEEK, Wired und - ja, auch in den TidBITS (wir fühlen uns oft genötigt, zu Beta-Versionen Stellung zu nehmen, über die im Netz diskutiert wird, bevor wir sicher sind, ob sich eine Beschäftigung damit überhaupt lohnt). Beta-Versionen werden meist auch nicht mit der gleichen Härte wie Endprodukte auf den Prüfstand gestellt: ernsthafte Bugs werden in Beta-Versionen oft heruntergespielt oder vernachlässigt, während man neue Eigenschaften oder Fähigkeiten gern bejubelt. Bugs - sogar krasse und langlebige Bugs - werden mit der Bemerkung entschuldigt: "Das ist eine Beta-Version. Ich weiß nicht, was Sie erwartet haben".
Ein Traum für jeden Verkäufer: ihr Standpunkt der Internet-Gemeinde gegenüber war früher "Ihre Meinung interessiert mich nicht, passen Sie auf, daß Sie meinen URL richtig notieren". Heute heißt es "Hier ist mein URL und Ihre Meinung spielt keine Rolle - es ist sowieso nur eine Beta-Version!" Die Produkte werden aufdiese Weise einer großen Öffentlichkeit bekannt, die Firma bekommt aber nicht so viele Vorwürfe wegen der Bugs oder wegen irgendwelcher Inkompatibilitäten.
Die Rache der Betas -- Wer Public Beta-Tests für Werbezwecke nutzt oder um sie bekannt zu machen, muß häufig Kompromisse bei der Qualität machen. Viele Produkte, die heute als "Beta-Version" gekennzeichnet sind, stammen aus einer laufenden, manchmal sogar aus einer hektischen Entwicklungsphase, in der die Programmierer Merkmale streichen oder hinzufügen, in der die Oberfläche geändert wird, oder in der noch grundsätzliche Arbeit an der Basisprogrammierung geleistet wird.
Ich sage es nicht gern: das ist keine Beta-Phase. Es ist noch nicht einmal Alpha.
Aufmerksame Leser werden festgestellt haben, daß in diesem Artikel keine Namen bestimmter Produkte oder Firmen genannt wurden. Das wäre sehr leicht gewesen. Es sollte hier aber keine Firma oder ihr Produkt speziell kritisiert oder gelobt werden. Es sollte einfach darauf hingewiesen werden, daß die Softwareentwicklung eine grundsätzliche Änderung durchmacht, und daß betroffene Nutzer sich über die Kräfte hinter diesen Änderungen klar sein müssen, die miteinander im Wettbewerb und manchmal auch in direkter Auseinandersetzung stehen. Ich vermute, daß der Begriff "Beta" sich im nächsten Jahr verflüchtigen und durch Bezeichnungen ersetzt werden wird, die mehr mit dem Wort "Vorschau" ["Preview", --WJF] zu tun haben. Ich rate jedem, sich genau zu überlegen, bevor Vorab-Versionen von Software benutzt werden, für die kein Entwickler und keine Firma die Verantwortung übernimmt. Und: immer wieder die Daten sichern!
Wenn also demnächst wieder jemand sagt: "Das ist eine Beta-Version, ich weiß nicht, was Sie erwartet haben", dann heißt die passende Antwort: "Software, die alle geplanten Merkmale und keine ernsthaften Bugs mehr enthält, die schon bekannt sind." Nichts Anderes bedeutet "Beta".
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Tobias Engler [TE], Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG], Gregor Retti [GR].
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