Gil Amelio kündigt eine tiefgreifende Umstrukturierung bei Apple an; Apple startet einen Wettbewerb für die besten auf Macs angefertigten WWW-Seiten. Lesen Sie auch im Detail nach, warum PowerBooks nicht bei den Händlern in den Regalen zu sehen sind und wie die Reparaturaktionen für Performas ablaufen. Neu sind ein CompuServe-Client für den Newton 2.0 und TableWorks, ein WYSIWYG-HTML-Tabelleneditor. Zum Abschluß eine Notiz über einen Kurs zum Recht in Cyberspace (der online abgehalten wird) und ein kurzer Essay darüber, was es heißt, in Zeiten des Hochwassers ein Internet-Provider zu sein.
Autorisierte Übertragung aus den TidBITS#331/03-Jun-96.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-331.html>
Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
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Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
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Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-331.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-331.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-331.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Amelio kündigt Reorganisation bei Apple an -- Im Rahmen seiner Bestrebungen zur Reorganisation des Unternehmens hat Apple-Chef Gilbert Amelio vor kurzem für 1. Juni 1996 eine Reihe von strukturellen Maßnahmen angekündigt. Im wesentlichen werden durch diese Maßnahmen die Produkt-, Marketing- und Verkaufsaktivitäten von Apple zu je eigenen Profit-Centers zusammengefaßt, die an Marco Landi, den ehemaligen Chef der Apple-Organisation für Europa, den Nahen Osten und Afrika, berichten werden. Neue Verantwortliche, die schon bisher für Apple gearbeitet haben, werden die Centers leiten. Gleichzeitig hat Jim Buckley, bisher Regional-Manager von Apple Americas, seine Position zurückgelegt, um anderen Interessen nachzugehen. [GD]
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1996/q3/960530.pr.rel.reorg.html>
Recht im Cyberspace für Nicht-Juristen -- Wenn Sie sich Fragen zu rechtlichen Themen im Zusammenhang mit dem Internet gestellt haben und sich überlegt haben, welchen Wert kostenlose juristische Ratschläge von selbsternannten Rechtsberatern im Netz haben, werfen Sie doch einen Blick auf das Angebot eines kostenlosen Kurses, der vom Cyberspace Law Institute und Counsel Connect veranstaltet wird. Dieser Kurs, der am 3. Juni begonnen hat, läuft über E-Mail mit drei verschickten Einheiten pro Woche. Die Mailing-Liste ist zwar nur eine Verbindung in einer Richtung, aber in Form einer Web-Site wird eine Diskussionsplattform zur Verfügung gestellt. Der Kurs umfaßt sechs Rechtsgebiete: Urheberrecht, Schutz des Fernmeldegeheimnisses, Markenschutz, Schutz vor öffentlicher Verleumdung und Beleidigung, freie Meinungsäußerung und Vertragsrecht. Der Kurs bezieht sich im wesentlichen auf das U.S.-Rechtssystem, könnte aber doch auch Personen aus anderen Ländern interessieren. Um den Kurs zu abonnieren, schicken Sie eine E-Mail an <listproc-request@counsel.com> mit der Anweisung "subscribe cyberspace-law Your Name" im Text [also im "body", --WJF] der Mitteilung. [ACE]
[Inwieweit es möglich ist, schon versandte Folgen des Kurses nachgeliefert zu bekommen, kann ich leider nicht sagen. Vielleicht ist es für spätere Einsteiger auch eher interessant, zuerst einmal die Diskussion auf der WWW-Site zu verfolgen und an einer eventuellen Neuauflage des Kurses von Anfang an teilzunehmen. --WJF]
<http://www.counsel.com/cyberspace/>
LeVitus verläßt Power Computing -- Vorige Woche hat Power Computing vermeldet, daß Bob LeVitus die Firma verlassen hat, um sich mehr dem Schreiben widmen zu können. Bob ist ein bekannter Autor von Computer-Büchern (mit mehr als zwanzig Publikationen zum Thema Macintosh) und von Kolumnen in MacUser und anderen Zeitschriften. Bob hat vor etwas mehr als einem Jahr bei Power Computing als "Director of Evangelism" zu arbeiten begonnen. [GD]
<http://www.powercc.com/News/96.05.24a.html>
Digital Technology kauft FaceSpan -- Digital Technology International hat das Programm FaceSpan, eine Umgebung zum Design vor Oberflächen und zur Entwicklung von Applikationen, von Software Designs Unlimited erworben. FaceSpan ist ein Tool zum Erstellen von Benutzeroberflächen für OSA-Scripting-Sprachen am Mac (wie AppleScript und UserTalk) und kann Elemente einer grafischen Oberfläche, wie Fenster, Dialoge und anderes erstellen, die von den Skriptsprachen her normalerweise nicht zur Verfügung stehen. Digital Technology hat erkennen lassen, daß die Weiterentwicklung von FaceSpan mit Nachdruck erfolgen wird - beginnend mit einem Update auf Version 2.1, die am 1. Juli 1996 herauskommen wird. Weiter ist an die Einbindung von OpenDoc und an plattformübergreifende Versionen gedacht. [GD]
Preise für Web Pages zu gewinnen -- Möchten Sie gern eine QuickTake-Kamera gewinnen? Oder wie wäre es mit einem "Been There, Done That"-T-Shirt von Apple? Wenn Sie auf einem Mac eine Home Page erstellt haben und bereit sind, einen kurzen Essay zu schreiben, dann sollten Sie bei Apples neuem "Create the Best Page with Macintosh"-Bewerb mitmachen [Achtung, Leser der deutschsprachigen Ausgabe: klar, daß es einen Haken an der Sache gibt. Siehe unten. --WJF]. Der Wettbewerb wird in vier Kategorien durchgeführt und der Sieger in jeder Kategorie erhält eine QuickTake-Kamera. Die Kategorien heißen Personal/Family, K-12 Education, Higher Education [also getrennt nach Grundschulwesen und höherem Schulwesen, --WJF] und Business. Apple wird die Seiten nach vier Kriterien beurteilen: Design allgemein, Originalität, beste Verwendung von Technologien (d.h. QuickTime) und Überzeugungskraft des Essays. Der Einsendeschluß ihrer Bewerbung per E-Mail (an <bestpage@apple.com>) ist der 15. Juli 1996. Der Bewerb ist auf Einwohner der Vereinigten Staaten beschränkt [also haben sich einige unserer Leser zu früh gefreut; mir ist es aber nicht besser ergangen. --WJF]; ich hoffe, daß derartige Wettbewerbe in Zukunft weltweit zugänglich sein werden. [TJE]
<http://www2.apple.com/contest/bestpage/overview.html>
von Richard C.S. Kinne <kinnerc@snymorva.cs.snymor.edu>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Ohne großes Aufsehen hat Apple letzte Woche die kostenlose CompuServe Mail-Software für den Newton 2.0 Client herausgebracht. Diese Software war schon erwartet worden, nachdem Apple bekanntgegeben hatte, eWorld nicht weiterzuführen (siehe <TidBITS-318>). Diese Entscheidung hatte viele Newton MessagePad-Nutzer verstimmt, die Kunden bei eWorld geworden waren, um die Newton-Email-Möglichkeiten zu nutzen.
Die CompuServe Mail-Software für Newton 2.0 ist als Ersatz für die eWorld-Software zu betrachten, die standardmäßig in die ROM's des Newton Systems 2.0 eingebaut wurde. Das Programm weist in der von Apple vertriebenen Version 700K auf und besteht aus zwei Funktionalitäten: das Newton-Package mit dem CISMail-Programm und die Dokumentation im Adobe Acrobat Format.
Das Programm wird wie jede andere Newton-Software installiert. Mit Hilfe des Newton Backup Utility wird CIS-Mail über das Install Package auf dem Newton eingerichtet. Nach der Installation ist ein 97K "schweres", würfelförmiges Icon im Erweiterungordner der Extras zu finden. Damit erhält das MessagePad die Mailing Funktionalität von CompuServe: wenn in einem Menü eWorld auftaucht, wird jetzt auch CompuServe angeboten, die entsprechenden Client-Funktionen sind im Newton-Betriebssystem vollständig integriert.
CISmail funktioniert fast so wie die eWorld Mailsoftware, die es ersetzt, wenn auch einige auffallende Dinge fehlen. Mit eWorld konnte man Texte, die mit "elektronischer Tinte" geschrieben wurden, Skizzen und Software über das Internet schicken, zumindest an andere Newton 2.0 Anwender. Mit CISmail ist das leider nicht möglich, man ist hier auf textbasierte Notizen, Adreßbucheinträge, Termine und Anrufprotokolle beschränkt. Glücklicherweise funktioniert der Client aber so, wie er soll. Ich habe mit einem Megahertz 14.4 CruiseCard PC Modem mehrfach erfolgreich Emails über meine CompuServe-Verbindung verschickt und empfangen.
Was ist wenn man keinen Zugang bei CompuServe hat? Bei Catamount Software gibt es Aloha 2.2.4, mit dem AOL-Nutzer aus dem AOL-Online Dienst Nachrichten über ihre MessagePads und das Internet austauschen können. Die Version 1.1 von Aloha funktioniert auch auf MessagePads ohne Newton OS 2.0. Beide Versionen sind mit ca. 50 US$ nicht ganz billig.
<http://www.catamount.com/Aloha2.html>
Die CompuServe Mail-Software für den Newton 2.0 ist zwar ein wichtiger Teil der Funktionalität der MessagePads, in meinen Augen ist es aber nur Schritt dahin, Boden wieder gutzumachen, den Apple schon verloren hatte. Jahre nach der Einführung des MessagePads ist der Traum von mobiler Kommunikation noch immer nicht vollständig realisiert; auch CISmail kann daran nicht viel ändern. Wenn Sie aber viel unterwegs sind und bisher über eWorld und Ihr MessagePad Verbindung mit der Welt gehalten haben, dann ist CISmail für die nächste Zeit für diesen Zweck immer noch eine günstige Lösung.
Wenn Sie die CompuServe Mail-Software für den Newton 2.0 nicht über einen Online-Dienst bekommen können, dann wenden Sie sich direkt an Apple.
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
In <TidBITS-326> habe ich eine Reihe von Programmen behandelt, die die Erstellung von Tabellen für das World Wide Web erleichtern. Ich habe auch darüber geschrieben, welchen Nutzen solche Software bietet; für eine Erwähnung von TableWorks 1.0r2, einem WYSIWYG-Tabelleneditor von SoftTools, war damals allerdings die Zeit noch nicht reif. TableWorks stellt sich mir als eine wirklich vielversprechende neue Anwendung dar - ich habe unlängst einige Zeit mit dem Produkt verbracht und es war eine Freude, damit Tabellen zu erstellen, ohne jemals einen Gedanken an HTML-Tags verlieren zu müssen.
Nach dem Start bietet TableWorks einen Bereich an, in den der Titel einer Web-Seite eingetragen werden kann sowie einen leeren Bereich, der dann die Tabelle aufnimmt. TableWorks wird entweder über Menüs oder über Kurzbefehle per Tastatur bedient und bietet unter einer freundlichen Oberfläche ein weites Spektrum von Befehlen an, die zum Erstellen von Tables erforderlich sind.
Es können Zellen definiert werden, die mehr als eine Zeile oder Spalte umfassen, Zellen können durch Ziehen der Umrandung verkleinert oder vergrößert werden, Werte für "Cellpadding" und "Cellspacing" können gesetzt werden ["Cellpadding" definiert den Abstand des Zelleninhaltes von den Randlinien der Zelle, "Cellspacing" die Stärke dieser Linien; beide Parameter in Pixeln. --WJF] und so weiter. Diese Änderungen werden am Bildschirm gut sichtbar dargestellt, mit viel weniger irritierenden Eigenheiten als bei anderen Programmen, die auch den Anspruch erheben, die Erstellung von Tables visuell zu unterstützen, wie etwa World Wide Web Weaver von Miracle Software oder HoTMetaL Pro von SoftQuad. TableWorks zeigt in guter Annäherung, wie Ihre Tabelle in Netscape 2.0 aussehen wird - und dabei ist kein einziger HTML-Tag weit und breit zu sehen.
Die Zellen in den Tabellen können bei TableWorks entweder Text- oder Bildzellen sein. Eine Bildzelle kann jeweils eine Grafik enthalten, die über einen netten Dialog zugewiesen wird. Eine derartige Grafik kann auch mit einem Link zu einem anderen URL versehen werden. Textzellen enthalten Text, der auch als Link fungieren kann; allerdings muß der gesamte Text einer Zelle dem Link angehören.
Die "Save"- und "Copy HTML"-Optionen von TableWorks werden erst aktiv, wenn Sie sich als User registriert und die Gebühr dafür von 39,95 US$ (in Kanada 54,95 $) bezahlt haben. In meinen Tests hat TableWorks sauberen HTML-Code produziert, der sehr leicht in jedem HTML-Editor weiterzuverwenden war. TableWorks wird ganz besonders die Benutzer von Adobe PageMill, einem visuellen Programm zum Erstellen von Web-Seiten, ansprechen; ich weise deshalb auf die Möglichkeit hin, Code aus TableWorks in ein PageMill-Dokument einzufügen und die Datei dann als "Raw HTML" zu formatieren (PageMill 2.0 wird zwar selbst über Funktionen zur Gestaltung von Tabellen verfügen, es wird aber mit leichter Verspätung auf dem Markt erscheinen - kaum zum von Adobe angekündigten Zeitpunkt im Juli).
TableWorks wird von einer nützlichen Dokumentation begleitet, die ich vor dem ersten Versuch mit TableWorks zu lesen empfehle - dafür müssen Sie kaum mehr als fünf bis zehn Minuten aufwenden. Die Dokumentation liest sich, als sei sie aus einer anderen Sprache ins Englische übersetzt; sie ist aber verständlich und in einem freundlichen, hilfreichen Ton gehalten.
Ein sozusagen persönliches Problem, das ich mit TableWorks habe, besteht darin, daß ich in Word 5 sehr versiert bin; ich habe also einige der praktischen Kurzbefehle von Word zum Bearbeiten von Tabellen in TableWorks vermißt, besonders das Klicken mit Optionstaste zum Auswählen einer Spalte. Word bietet auch eine Reihe von Methoden an, um Zeilen, Zellen und Teile von Zellen anzuwählen, die alle von bestimmten Positionen und Darstellungsweisen des Cursors, zusammen mit Klicks und Doppelklicks, abhängen. Ich schlage hier nicht vor, SoftTools solle die spezifischen Steuermechanismen von Word imitieren, aber mir haben einige der raffinierteren Methoden zur Auswahl von Bereichen in Tables gefehlt, die ich von Word her schätze.
TableWorks ist eine erfreuliche Neuerscheinung - es stellt derzeit eins der besten grafischen Werkzeuge zum Erstellen von HTML-Tables dar. Freilich ist die Versionsnummer 1.0, um die es sich ja handelt, in vielfacher Hinsicht zu merken. Einige Beispiele: Das Auswählen einer ganzen Tabelle markiert nur den Rand des Dokuments, nicht die Tabelle selbst; es gibt keinen Weg, die voreingestellte Schrift (Times 12) durch eine andere Default-Schrift zu ersetzen; TableWorks sollte auch einen kleinen Satz von Formatierungs-Tags erhalten oder die Möglichkeit, HTML-Tags in der Tabelle einzugeben. SoftTools plant die Aufnahme einer "Rückgängig"-Funktion und die Aktivierung des "Split Cell"-Befehls für die bevorstehende Version 1.0.1.
von Ryan Sweet <msweet@teleport.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Ich arbeite bei Teleport Internet Services, einem Internet-Provider aus Portland, Oregon, der in ganz Oregon und Südwest-Washington POPs unterhält. Ich weiß nicht, welche Gebiete insgesamt betroffen waren, aber vor einigen Monaten wurden Portland und (in noch stärkerem Maße) die vielen Kleinstädte überall in Oregon und Washington von Rekordüberschwemmungen heimgesucht. Es ist - glaube ich - eine gute Idee, einige von den Erfahrungen weiterzugeben, die wir mit den Fluten gemacht haben und darüber zu berichten, was wir gelernt haben und wie wir mit dem Notfall fertig geworden sind. Ich will damit keine PR oder Werbung für Teleport machen, es geht mir nur darum, Erfahrungen weiterzugeben, die allen nützen können.
Kurz etwas zum Hintergrund: Teleport Internet Services liegt in der Innenstadt von Portland, vier Blocks vom Willamette River entfernt. (Portland selbst liegt auf beiden Seiten des Willamette an seiner Einmündung in den Columbia River.) Wir sind über SprintNet, Structured, MCI und RainNet an die Netzwerke angeschlossen. Unsere T1-Verbindungen, die Telefonanschlüsse und andere Einrichtungen sind in einem Keller untergebracht. Mit ungefähr 17.000 Kunden sind wir der größte Internet-Provider in Oregon.
Als die Flut kam, mußte man davon ausgehen, daß der Willamette River die Mauer übersteigen würde, die die Innenstadt schützen sollte. Wenn unser Keller überschwemmt werden sollte, würde unser Dienst für unbestimmte Zeit unterbrochen werden, weil nicht abzusehen war, wie lange US West brauchen würde, um unsere T1-Leitungen, die Telefonverbindungen und den Rest zu reparieren. Ich muß nicht betonen, daß wir unter großem Streß standen. Wir wollten auf jeden Fall solange wie möglich online bleiben. Zunächst schien es uns wichtig, die Versicherungsformalitäten in die Wege zu leiten, bevor überhaupt irgend etwas geschehen war. Wenn das Unglück eintreten sollte, dann würde jeder Versicherungsagent in Oregon für das nächste Jahr mit Arbeit zugeschüttet sein - ein absoluter Alptraum, solange offline bleiben zu müssen.
Dann konzentrierten wir uns auf das Web. Fast alle unserer Kunden nutzen unsere Homepage als Standardseite, viele halten sich mit den darin angebotenen Informationen auf dem laufenden. Zuerst haben wir dort also eine Nachricht darüber veröffentlicht, daß wir möglichweise offline gehen müssen. Dann haben wir unsere Anrufbeantworter umgestellt, um auf den Notfall hinzuweisen. Wir stellten eine Liste der aktuellen Nachrichten und Links zur Lage der Überschwemmung an die erste Stelle unserer Homepage. Mit den Notfall-Einsatzgruppen und den städtischen Behörden entstand eine enge Zusammenarbeit, damit wir die Einsatzanweisungen und Aufrufe nach Freiwilligen, nach Sandsäcken und anderen Hilfsmitteln veröffentlichen konnten. Wir hatten mit den Medien verabredet, daß man uns zusammen mit anderen nennen sollte, falls wir den Dienst einstellen mußten, ähnlich wie es bei Schulen, Colleges und großen Firmen gemacht wird. Insgesamt haben wir uns bemüht, alle aktuellen Informationen darüber zu veröffentlichen, welche Straßen gesperrt, welche Gebiete überschwemmt waren und ähnliches mehr.
Dann forderten die Hilfsorganisationen die Menschen auf, die Telefone nicht mehr zu benutzen, da das System den Ansturm all derer nicht mehr verkraftete, die den Notruf oder sonstige Nummern wählten. Also veröffentlichten wir auf unserer Homepage eine auffällige Notiz, die nichts anderes besagte als: "VERLASSEN SIE BITTE DAS INTERNET!" (Ziemlich merkwürdig für einen Internet-Provider). Wir haben darüber diskutiert, ob wir uns völlig aus dem Netz abmelden sollten, um Leitungskapazität für Notrufe freizumachen oder ob wir online bleiben sollten, um den Menschen eine Informationsmöglichkeit über die Lage der Überschwemmungen zu bieten. Wir haben uns dann für das Weitermachen entschieden und hatten schließlich auch Glück, da die Behörden von Portland entschieden hatten, die Flutmauer noch zu erhöhen. Außerdem blieb die höchste Flutwelle unterhalb der Vorhersagemarke, die Innenstadt von Portland blieb also verschont, dafür aber mit Sandsäcken verbarrikadiert.
Am Ende hatten wir ein neues Verständnis von unserer Rolle als Informationsanbieter und als Mittler für aktuelle Neuigkeiten. Die Abläufe innerhalb der Firma bekamen in dieser Notsituation eine ganz wichtige Bedeutung, genauso, wie die Kommunikation mit den Einsatzkräften. Unser Web-Team hat viele neue Verbindungen geknüpft, die uns allen beim nächsten Mal gute Dienste leisten werden. Die Teamarbeit beim Kampf gegen die Überschwemmung war eine besondere Gelegenheit, ein Gemeinschaftsgefühl wachsen zu lassen, auf das viele Internet-Provider mehr Gewicht legen sollten, wenn sie im Konkurrenzkampf mit den neuen Bell-Gesellschaften, den Kabelanbietern und den überregionalen Internet-Anbietern überleben wollen. Manche von uns wurden sogar photographiert, als sie in der Mittagspause draußen neben den Sandsäcken posierten. Die Überschwemmung hat vielen Menschen die Augen dafür geöffnet, daß das Internet eine ähnlich wichtige Funktion übernehmen kann, wie Fernsehen und Radio; sie hat uns aber genausogut klar gemacht, wie hilflos wir (und alle anderen) gewesen wären, wenn Mutter Natur die Innenstadt von Portland unter Wasser gesetzt hätte.
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
[Übersetzung: Gregor Retti]
Sich mit der Macintosh-Hardware zu beschäftigen, gehört nicht zu den starken Seiten der TidBITS. Obwohl wir natürlich laufend neue und bemerkenswerte Macintosh-Modelle und interessante Peripherie erwähnen, beschäftigen wir uns weniger mit Hardwaretests oder -kritik. Zum ersten haben wir als kleine virtuelle Organisation ohne festen Standort nicht die nötige Ausstattung für ausführliche Hardwaretests. Wenn wir uns etwas kaufen, das sich bewährt, schreiben wir auch einmal einen Artikel darüber.
Zum zweiten ist Hardware ein kompliziertes Thema. Wer glaubt, es sei ziemlich schwierig, sich in den Massen von Systemsoftware und Programmen, Betaversionen, Updates und Hilfsprogrammen zurechtzufinden, sollte einmal versuchen, die Hardwareentwicklung im Auge zu behalten. Für die meisten Benutzer ist die Hardware pure Magie. Sie funktioniert, das ist alles. Wenn sie das nicht tut, fühlen wir uns zu recht beleidigt, beklagen uns laut und schreiben Leserbriefe. Aber die Wirklichkeit der Hardwarewelt ist meist mindestens so kompliziert wie die der Software; eigentlich ist sie um einiges komplexer. Also nun zur Sache, schauen wir uns drei Hardwarefragen an, die letzthin aufgetaucht sind - um einmal kurz einen Blick in dieses schwarze Loch zu werfen.
Der Epoxy-Fluch -- Obgleich diese Vorkommnisse schon einige Monate zurückdatieren (was in der Computerwelt bedeutet, daß sie als historisch betrachtet werden müssen), kann der Fall der eigenartigen Probleme und Abstürze, welche einige Kunden mit den Power 120 Desktop-Geräten von Power Computing hatten, als gutes Beispiel für die Komplexität der Computerherstellung dienen. Da die TidBITS immer noch E-Mail zu dem Thema bekommen, scheint es angemessen, etwas ins Detail zu gehen.
Die Geschichte begann im November letzten Jahres, als Benutzer gelegentlich von zufälligen Abstürzen der damals neuen Power 120 Maschinen berichteten, wobei diese öfters zusammen mit Bildschirmstörungen auftraten, sobald man Fenster oder Objekte verschob. Bei diesen Symptomen handelt es sich um klassische Überhitzungsprobleme des Prozessors (in diesem Fall des PowerPC 601 mit 120 MHz). Obwohl Power Computing die Geräte als Garantiefälle zurücknahm (und damit begann, betroffenen Benutzern Ventilatoren zuzuschicken), wußte doch niemand, was das Problem ausgelöst hatte.
Schließlich wurde festgestellt, daß das Problem, dem einige Power 120 Benutzer gegenüberstanden, nichts mit der Konstruktion der Maschine selbst zu tun hatte oder von einem obskuren Software-Bug ausgelöst wurde, der nur bei Mac-Clones auftrat. Die Ursache des Problems war eine schlechte Charge von Epoxy-Kleber, der verwendet wurde, um Kühlrippen auf dem Prozessor einiger Power 120er zu befestigen. Der schlechte Epoxy trocknete mit der Zeit aus, was die Wirkung der Kühlkörper verringerte und dazu führte, daß der Prozessor überhitzte. Um Ihre Frage vorwegzunehmen: nein, festzustellen, ob Epoxy-Kleber gute oder schlechte Qualität hat, ist absolut nicht einfach. Epoxy findet sich überall in der Industrie und ist nicht gerade ein High-Tech-Ding: Computerhersteller kaufen Epoxy so ein wie Maler Farbe kaufen.
Wer einen Power 120 vor dem 15. Januar 1996 gekauft hat und häufig Abstürze erlebt oder mit Bildschirmproblemen zu kämpfen hat, kann sich an Power Computing wenden. Bitte zu beachten, daß die Probleme innerhalb eines Monats auftreten sollten. Wer also einen Power 120 schon länger ohne Schwierigkeiten benutzt, braucht sich keine Sorgen zu machen.
<http://www.powercc.com/Letter/p120.html>
Apples erweitertes Reparaturprogramm -- In den letzten Wochen hat Apple zwei erweiterte Reparaturprogramme angekündigt, eines für 5200er, 5300er, 6200er und 6300er Performas und LCs, das andere für PowerBook 5300er und PowerBook 190er. Diese Programme werden von Benutzern (und manchmal in der einschlägigen Presse) als Rückholaktionen bezeichnet, was meines Erachtens keine zutreffende Bezeichnung ist, da eine Rückholaktion üblicherweise eine Situation beschreibt, in der ein Produzent alle Konsumenten kontaktiert, um ein schadhaftes oder gefährliches Produkt zu ersetzen (solche Dinge sind eher in der Autoindustrie üblich). Eine andere Art von Rückholung, eine Händlerrückholung, findet statt, wenn seitens der Händler unverkaufte Stücke repariert oder zurückgeschickt werden, während bereits verkaufte Exemplare bei den Konsumenten verbleiben. Jeder größere Computerhersteller hat mindestens schon einmal eine solche Händlerrückholung gestartet. Apples zwei Programme sind Händlerrückholungen, kombiniert mit einem erweiterten Sieben-Jahre-Garantie Programm (was bei Apple "erweiterte Reparatur" heißt). Für den Endverbraucher bedeutet dies, daß sie beim Auftreten spezifischer, bekannter Probleme mit Service in absehbarer Zukunft rechnen können.
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1996/q3/960510.pr.rel.repair.html>
Obgleich Apple hinsichtlich der Situation die Öffentlichkeit nicht im Dunkeln gelassen hat - es wurden sogar eigene Mailing-Listen eingerichtet - läßt sich aus E-Mail-Nachrichten an die TidBITS und aus Diskussionen in Online-Foren herauslesen, daß Fehlinformationen über das erweiterte Reparaturprogramm im Umlauf sind. Weiters wurden Apple-Kunden - vor allem solche, die nach einem neuen PowerBook Ausschau hielten - von leeren Regalen frustriert und von Händlern, die sich dahingehend äußerten, keine Ahnung zu haben, wann PowerBooks wieder lieferbar sein würden. Zudem mußten manchen Leute, die ihre PowerBooks zur Reparatur gebracht hatten, Wochen, ja Monate, warten, bis Apple den Händlern die Ersatzteile lieferte. Was ist da los?
PowerBook 5300er und 190er -- Apples erweitertes Reparaturprogramm für PowerBook 5300er und 190er beschäftigt sich mit einer Reihe von klar umrissenen Problemen. Die PowerBook 5300er sind wahrscheinlich ausreichend berüchtigt für den Fall des "Brennenden PowerBooks" (vgl. <TidBITS-295>) und ich habe gerade zu dieser Frage reichlich Spekulationen gefunden. Glücklicherweise ist an der Geschichte nichts dran: es gibt mit den PowerBooks keine Sicherheitsprobleme bzw. handelt es sich um ganz andere Probleme.
Folgende Probleme der PowerBook 190er und 5300er werden von dem erweiterten Reparaturprogramm behandelt (diese Probleme betreffen wohlgemerkt nicht alle PowerBooks dieser Modellreihen; wer also ein solches PowerBook hat, muß nicht unbedingt die aufgelisteten Probleme haben):
Wem eines dieser Probleme unterkommt, der sollte mit einem Apple-Händler Verbindung aufnehmen.
Weniger mit der Funktionalität zu tun hat das Problem des gebrochenen Gehäuses. Im Grund genommen wünschen sich Benutzer von Laptops ein Design, das klein, leichtgewichtig und elegant ist - und das auch einen kleinen Absturz vom Tisch aushält. Unglücklicherweise ist das Design der PowerBook 5300er und 190er nicht ganz so stabil, daß es allen Anforderungen der Benutzer standhält, was zu Brüchen im Plastikgehäuse führt. Das bedeutet nun nicht, daß die Brüche in jedem Fall auf einen Sturz zurückgehen, aber es gibt eben immer Abstriche bei der Widerstandsfähigkeit, wenn es um niedriges Gewicht geht.
Das Problem des gleichzeitigen Gebrauchs von PC-Karten und anderen Hardwareerweiterungen (wie z.B. Diskettenlaufwerken oder magneto-optischen Laufwerken) hat mit dem Stromverbrauch zu tun und kann genau dann auftreten, wenn man eine PC Karte und eine andere Hardwareerweiterung verwendet, die beide sehr viel Strom verbrauchen. Apples Reparatur beinhaltet den Austausch des Motherboards. Diese neuen Motherboards sollten auch das LocalTalk-Problem der PowerBook 5300er beseitigen.
Die Probleme mit Stromnetzteilen hinsichtlich des Anschlusses sind keineswegs auf PowerBooks eingeschränkt; tatsächlich treten diese Probleme bei vielen elektronischen Geräten, die Netzteile verwenden (wie z.B. Camcorder) auf. Die Ursache liegt in der Art des Anschlusses, der zumeist nur auf einer Platine angebracht ist, statt auch am Gehäuse befestigt zu sein. Nichtsdestoweniger ist es natürlich wenig erfreulich, wenn das eigene Gerät betroffen ist. Der von Apple durchgeführte Austausch des Motherboards sollte das Problem beheben, obwohl es nicht ganz klar ist, ob sich technisch gesehen an der Art des Anschlusses etwas geändert hat, was ihn weniger anfällig macht. Weiters fügt Apple eine Abschirmung hinzu, die die Leistung der Festplatte verbessern soll; offensichtlich wird die Platte dadurch vor irgendwelchen Interferenzen geschützt.
Obgleich ich dafür keine offizielle Bestätigung erhalten habe, hat es den Anschein, als würde Apple an die Seriennummern der reparierten Geräte "/B" anhängen. Es empfiehlt sich also, im Geschäft einen Blick auf die Seriennummer zu werfen, damit man feststellen kann, ob das Gerät repariert worden ist. Gerüchten zufolge sollen einige Händler bereits reparierte PowerBooks von Apple zurückbekommen haben, andere Einschätzungen gehen dahin, daß es noch einige Wochen dauern wird, bis diese PowerBooks überall erhältlich sind.
Haben nun diese Probleme zu bedeuten, daß Apple ein fundamentales Problem mit der Qualitätssicherung hat? Implizieren sie den Untergang von Apple? Die Probleme sind wenig geeignet, Apple zu helfen, aber sie sind typisch für die ganze Laptop-Industrie. In der PC-Welt werden solche Probleme überlicherweise mit einer einfachen Reparaturanweisung an die Händler erledigt, anstatt ein öffentliches (und teures) erweitertes Reparaturprogramm mit verlängerter Garantie durchzuführen. Bekannte Computerhersteller wie Compaq, NEC und IBM hatten Laptops in ihrer Produktion, die in Flammen aufgingen, während die Leute daran arbeiteten oder deren Prozessoren so heiß wurden, daß sie aus dem Gehäuse herausschmolzen. Mit solchen Vorfällen verglichen ist die Qualität der PowerBooks von Apple bemerkenswert gut.
Performas und LCs -- Apples erweitertes Reparaturprogramm für die 5200er, 5300er, 6200er und 6300er soll zwei Problemen abhelfen:
In beiden Fällen werden die Reparaturen üblicherweise von den Händlern vorgenommen, die die nötigen Informationen und Teile besitzen sollten. Wer mit diesen Problemen zu tun hat, soll sich also an seinen Apple-Händler wenden.
Andererseits kann es relativ schwierig sein, festzustellen, ob Hänger tatsächlich von einer fehlerhaften Maschine ausgelöst werden, da ja recht viele Dinge eine Hänger hervorrufen können. Apple meint dazu, das Problem habe seine Ursache in "spezifischen, bekannten Komponenten, die von Apple identifiziert werden konnten" - eine drollige Art zu sagen, daß es bekannte Probleme mit dem Motherboard gibt.
MacWEEK zufolge liegen die Schwierigkeiten in Teilen des ROM, des Cache und des Clock-Chips. Nach unbestätigten Berichten handelt es sich um Komponenten eines Drittherstellers; diese Berichte deuten weiter an, daß die genannten Probleme dafür verantwortlich seien, daß Open Transport 1.1 auf diesen Macs nicht funktioniert. (Open Transport 1.1.1, das als "Bug Fix Release" [also fehlerbereinigt; --GR] bezeichnet wird, soll bereits im Beta-Stadium sein und von Apple in Kürze an ausgesuchte Entwickler ausgeliefert werden. Möglichweise läuft es auf diesen Performas und LCs).
<http://www.zdnet.com/macweek/mw_1019/news_powerbook.html>
Apple wird jede Maschine, bei der eines der genannten Probleme auftritt, kostenlos reparieren, und das Reparaturprogramm wird über sieben Jahre laufen. Andererseits sollte man berücksichtigen, daß Abstürze und Hänger andere Ursachen haben können, die von Apple-Händlern nicht unbedingt kostenlos behoben werden. Man sollte also sein eigenes Repertoire an Fehlerbeseitigungstricks zuerst durchprobieren, bevor man seine Maschine zum Händler trägt.
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG], Gregor Retti [GR].
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