Diese Ausgabe gelangt trotz einer Fülle von SCSI-Problemen zu Ihnen; es sind Artikel dabei, die auf geradezu mirakulöse Weise dem Abgrund des Datenverlustes wieder entrissen worden sind. Diese Woche bringen wir Neuigkeiten zum neuesten Systemsoftware-Update von Apple, eine Besprechung von Gif*gIf*giF (einem Hilfsprogramm, mit dem aus den Vorgängen auf dem Bildschirm bewegte GIFs erzeugt werden können) und eine detaillierte Betrachtung zum Werdegang eines Computerbuches - mit zahlreichen Ratschlägen für Autoren und solche, die es noch werden wollen.
Autorisierte Übertragung aus den TidBITS#332/10-Jun-96.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-332.html>
Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
Information: <info@tidbits.com>
Comments: <editors@tidbits.com>
Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
Information: <office@carrier.co.at>
Comments: <ferstl@carrier.co.at>
Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-332.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-332.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-332.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Für die TidBITS war es eine harte Woche. Ich kann kaum meinen Kopf über Wasser halten, solange ich in den letzten Arbeiten zur vierten Auflage des Internet Starter Kit für Macintosh stecke. Als ob das noch nicht genug wäre - Geoff und ich hatten eine Reihe gröberer Plattenprobleme (zu einem Zeitpunkt machten uns vier von meinen fünf Maschinen Scherereien; die Schwierigkeiten, die Geoff hatte, zerstörten mehrere Ausgaben der MailBITS und dazu noch einige Artikel, an denen er gerade arbeitete). Als Folge dieser Probleme kann es sein, daß die Verteilung dieser TidBITS-Ausgabe, besonders an einige der Online-Dienste, etwas verzögert wird. In Zeiten wie diesen grüble ich darüber nach, ob und wie ich vielleicht die Computergötter gekränkt haben könnte und ob ein rituelles Darbringen eines Sühneopfers (in Form von Tofu) eventuell alles wieder ins Lot bringen könnte. [ACE]
Noch einmal: Verzögerte Beantwortung der E-Mail -- Geoff muß sich noch von seinen Plattenproblemen erholen und bittet alle Leser zu bedenken, daß er E-Mail, die an ihn oder an <editors@tidbits.com> geschickt wird, wahrscheinlich nur mit Verzögerung beantworten kann. Was Adam betrifft: In den zehn Jahren, die ich ihn kenne, habe ich ihn nie so hart arbeiten gesehen. Klar, daß auch E-Mail, die an ihn geht, vermutlich nur mit Verspätung beantwortet werden wird. Ich selbst grabe mich aus etwa 400 Mail-Nachrichten heraus, die sich während meiner Arbeit an meinen Kapiteln zum Internet Starter Kit angesammelt haben; ich werde also auf Botschaften, die an mich gerichtet sind, reagieren, wenn auch nicht so prompt, wie ich es gerne täte. [TJE]
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
[Übersetzung: Gregor Retti]
Vor kurzem hat Apple einen Patch für System 7.5.3, genannt System 7.5.3 Revision 2 (Codename: Buster), herausgebracht. Im Unterschied zu dem Mammut-Paket des System 7.5 Update 2.0 (bekanntlich 14 Disketten mit massiven Änderungen in der Systemarchitektur und mit der neuen Version 1.1 von Open Transport) enthält System 7.5.3 Revision 2 nur eine kleine Zahl von Verbesserungen für einige Maschinentypen. Zu System 7.5.3 vgl. <TidBITS-318> und <TidBITS-325>.
Wer betroffen ist -- Apple betont, daß das Update ausschließlich für Benutzer der folgenden Macintosh-Modelle gedacht ist:
Power Computing hat seine Tests mit System 7.5.2 Revision 2 noch nicht abgeschlossen, und es fehlen daher entsprechende Empfehlungen für die Benutzer der Maschinen von Power Computing. Ich glaube aber, daß Besitzer von PowerCurve, PowerWave, PowerCenter und PowerTower Modellen wegen der Ähnlichkeit der Systemarchitektur zu jenen Maschinen, für die Apple das Update empfiehlt, gut beraten sind, es zu installieren. Was Clones von DayStar und UMAX betrifft, kann ich keine Aussagen machen; frühere Clones von Radius dürften allerdings nicht betroffen sein.
Der System 7.5.3 Revision 2 Installer bietet keine Möglichkeit, die Installation rückgängig zu machen. Das bedeutet: vorher (wie immer!) ein Backup der Daten durchführen. Obwohl das Update auf zwei Diskettenimages ausgeliefert wird, dient dies nur den verschiedenen Varianten der Installation. Es kann also vorkommen, daß die zweite Diskette nicht angefordert wird. Im Augenblick läßt sich leider nicht sagen, ob System 7.5.3 Revision 2.0 mit Nicht-US-Systemen verwendet werden kann.
Was repariert wurde -- Die bemerkenswerteste Verbesserung im System 7.5.3 Revision 2.0 betrifft PowerBooks. Erstens wachen PowerBooks, die RAM Doubler vo 1.6.2 installiert haben, jetzt sauber wieder auf - bisher kamen sie aus dem Ruhezustand nur zurück, wenn MacsBug installiert war (vgl. <TidBITS-325>). Weiters wurden Probleme beseitigt, die bei der Verwendung und dem Formatieren von PC Disketten auf PowerBook 500er und Duo 200er mit PowerPC-Upgrade auftraten. Diese Disketten sollten jetzt auf DOS- und Windows-Computern lesbar sein. Die Gesamtperformance von PowerBooks mit PowerPC Upgrade sollte auch besser sein.
Weiters wurde ein selten auftretendes Problem von PCI Power Macs beseitigt, das sich dahingehend äußerte, daß der Mac nicht von der im "Startlaufwerk" angegebenen Platte starten wollte.
Schließlich betrifft die bei weitem unterschwelligste Änderung des Updates (Apple nennt sie vage "erhöhte Verläßlichkeit") den Dynamic Recompiling (DR) 68K-Emulator, der in den neueren Mac-Modellen verwendet wird. Der Emulator ist sehr verläßlich, aber das Update beseitigt ein Problem, das in einem undurchsichtigen Zusammenwirken verschiedener Umstände aufgetreten ist und bisweilen Daten zerstört hat. Da das Problem derart selten und auf einem so tiefen Niveau auftrat, kann leider kein spezifisches Symptom, das darauf hindeuten würde, genannt werden. Da aber der 68K-Emulator ziemlich intensiv genutzt wird, ist es wohl besser, das Problem zu beseitigen, als im dunkeln zu tappen.
Wo es das Update gibt -- System 7.5.3 Revision 2 kann von den üblichen Apple-Servern heruntergeladen werden wie auch von den meisten Online-Diensten und einigen weiteren Sites.
Das Update besteht aus zwei Disketten-Images. Um diese zu verwenden, benötigt man DiskCopy oder (besser) ShrinkWrap.
<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/disk/shrink-wrap-201.hqx>
Wer einen AppleVision-Monitor an seinem Mac betreibt, muß AppleVision Fix 1.0 installieren, bevor System 7.5.3 Revision 2.0 installiert wird.
Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß System 7.5.3 installiert sein muß, bevor das Update installiert werden kann. System 7.5 Update 2.0 (das alle Versionen von System 7.5 auf System 7.5.3 bringt) gibt es bei Apple kostenlos zum Herunterladen. Für die CD-ROM- oder Diskettenversion wird von Apple inzwischen etwas berechnet.
<ftp://ftp.support.apple.com/pub/apple_sw_updates/US/mac/system_sw/System_7.5_Update_2.0/>
Wer nicht betroffen ist, was nicht repariert wurde -- Brauchen Sie dieses Update? Ich schlage vor, sich an die Vorgaben von Apple zu halten und das Update nur auf den Macs zu installieren, für die es von Apple empfohlen wird. Obwohl viele Poweruser mächtig stolz darauf sind, immer die letzte Systemversion installiert zu haben, scheinen die Verbesserungen in diesem Update derart spezifisch zu sein, daß es recht fraglich ist, ob Benutzer anderer Modelle davon profitieren können. Wer also einen 68000-basierten Macintosh oder einen Performa oder LC der Serie 5000 und 6000 besitzt (oder ein anderes Modell, das von Apple nicht erwähnt wird), kann diese Update getrost übergehen.
Wie bemerkenswert die Verbesserungen von System 7.5.3 Revision 2 auch sein mögen - es ist doch interessant zu sehen, was fehlt. Besitzer von Performas und LCs aus den Serien 5200, 5300, 6200 und 6300 warten immer noch auf Open Transport und es gibt noch immer wenig Information von Apple zu dem Problem beim Hardware-Handshake der seriellen Schnittstellen bei diesen Maschinen.
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Tobias Engler]
Wenn man sich im WWW umschaut, wird man auf Web-Seiten treffen, die mit Video experimentieren. Obwohl die meisten dieser Experimente einiges zu wünschen übrig lassen, glaube ich doch, daß die Filme im WWW schließlich noch besser werden. Die Dateigrößen werden sich verringern, und die Eignung des Mediums Video für das betreffende Thema wird zunehmen. Außerdem werden wir mehr Werkzeuge vorfinden, die die Produktion eines Films einfach und billig machen. Eines dieser Werkzeuge, das den schrecklichen Namen Gif*gIf*giF trägt, erzeugt animierte GIFs von Vorgängen auf dem Bildschirm. Gif*gIf*giF ist ein Shareware-Programm von Pedagoguery Software (28 US$). Es ist in 68K- und in PowerPC-Versionen verfügbar (sowie für Windows 3.1 und 95) und ist in beiden Mac-Versionen jeweils ungefähr 150K groß.
<http://espresso.cafe.net/peda/ggg/>
Was ist ein animiertes GIF? GIF ist ein universell im WWW benutztes Graphik-Format, und normalerweise treten GIFs in Form von einzelnen Bildern auf. Die GIF-89a-Spezifikation enthält genaueres zur Erstellung einer GIF-Datei, die aus mehr als einem Bild entsteht - quasi wie ein Daumenkino, bei dem eingestellt werden kann, wie schnell die Bilder vorübergehen. Web-Browser (vor allem NetScape 2.0) können den zur Animation notwendigen Teil der GIF-89a-Spezifikation interpretieren und diese Filme darstellen. GIF Animationen haben Vor- und Nachteile: einerseits lassen sie sich gut komprimieren, erfordern kein Plug-In, und die zu ihrer Erzeugung notwendige Software ist im Begriff, breit verfügbar zu werden (ein hervorragendes Beispiel ist Yves Piguets benutzerfreundlicher und kostenloser GifBuilder). Andererseits überladen schlecht konzipierte, unnötige GIF-Animationen meistens die entsprechenden Web-Seiten und werden so zu visuellen Störfaktoren, wobei sie auch noch endlose Festplattengeräusche durch ihre Endlosschleifen verursachen. (Wer mehr zum Thema "Animierte GIFs" wissen will, der werfe einen Blick auf Royal Fraziers exzellente GIF-Animation auf der WWW Home-Page).
<http://iawww.epfl.ch/Staff/Yves.Piguet/clip2gif-home/GifBuilder.html>
<http://members.aol.com/royalef/gifanim.htm>
Gif*gIf*giF erleichtert die Erstellung von animierten GIFs, die Vorgänge auf dem Bildschirm aufzeichnen und kann so vielleicht die Produktion von wirklich hilfreichen Animationen zum Thema "Wie benutze ich den Mac?" fördern. Um Gif*gIf*giF zu benutzen, legt man den Bereich des Bildschirms fest, in dem man aufnehmen will, und fängt dann an, die Maus zu bewegen oder zu tippen. Alle Vorgänge werden im Film aufgezeichnet. Gif*gIf*giF bietet ein paar Steuerungsmöglichkeiten, z.B. ob die Animation in einer Schleife laufen soll oder wieviele Bilder pro Sekunde aufgezeichnet werden sollen.
Falls man Gif*gIf*giF braucht, dann wird man es, glaube ich, auch als effizientes Werkzeug schätzen. Ich habe zwei Monitore an meinem Mac angeschlossen, und Gif*gIf*giF 1.0 bestand darauf, auf meinem zweiten Monitor, der nicht die Menüleiste enthält, aufzuzeichnen. Jeff von Pedagoguery Software hat mir eine Beta von Version 1.01 geschickt; das Problem taucht in dieser Version nicht mehr auf. Gif*gIf*giF drängt nachdrücklich auf die Shareware-Gebühr von 28 US$, indem es Animationen in einer nicht registrierten Version mit dem Schriftzug "unregistered copy" versieht.
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Den meisten von Ihnen ist sicher meine E-Mail-Signatur aufgefallen, mit der ich zur Zeit auf mögliche Verzögerungen bei der Beantwortung von E-Mails hinweise. Grund ist meine Arbeit an der vierten Ausgabe des Internet Starter Kits für den Macintosh. In der Regel funktionieren solche Hinweise ganz gut, die E-Mail-Anfragen haben spürbar nachgelassen. Danach bekomme ich aber oft Fragen dazu, womit ich mich gerade beschäftige und wie ein technisches Buch überhaupt entsteht. Da mir all dies zur Zeit noch frisch im Gedächtnis ist (und leider immer noch nicht beendet ist), scheint mir die Gelegenheit günstig, Ihnen von einigen meiner Erfahrungen zu berichten, die ich bei der Veröffentlichung von Computerbüchern gemacht habe.
Die Idee -- Am Anfang jeden Buches steht die Frage nach dem Thema und möglicherweise bereits ein Vorschlag mit einer vollständigen Übersicht und vielleicht auch schon ein Beispielskapitel. Dieses Vorgehen soll dabei helfen, sich auf den Kern des Buches zu konzentrieren und sich auf das Gespräch mit Verlegern vorzubereiten. Sie können sich auch überlegen, ob es für Sie Sinn macht, mit einem Literaturagenten zusammenzuarbeiten. Er kann Ihnen dabei helfen, einen Verleger für sich zu gewinnen und Sie bei Vertragsverhandlungen unterstützen. Ich habe bislang nicht mit einem Agenten zusammengearbeitet, kann also keine persönlichen Erfahrungen beisteuern. Was aber die Verträge anbelangt, so würde ich unerfahrenen Autoren ohne Verhandlungserfahrungen raten, sich an einen Agenten zu wenden. Ich kenne zwei Literaturagenturen, die auch mit technischen Autoren zusammenarbeiten - Studio B und Waterside Productions. Ein Blick auf ihre Web-Sites lohnt sich, da auf beiden jede Menge Informationen für künftige Autoren zu finden sind.
<http://www.studiob.com/>
<http://www.waterside.com/>
Das Lektorat -- Egal, ob Sie einen Agenten engagieren oder nicht - der erste Kontakt bei einem Verlag wird vermutlich der Lektor sein. Ihm werden meistens die Ideen vorgelegt, manchmal - wie in meinem Fall - macht der Lektor einem auch von sich aus einen Vorschlag für ein Buch. Mir scheint, daß immer mehr Lektoren ihre Zeit damit verbringen, in Mailinglisten und Newsgroups nach möglichen Autoren zu suchen. Warum?
Es ist Ihnen sicher aufgefallen, welch sintflutartiges Ausmaß Computer-Bücher in den letzten Jahren angenommen haben. Ein Beispiel: als der Internet Starter Kit für den Macintosh im September 1993 zum ersten Mal erschien, war es eins von 5 oder 6 Büchern zum Thema "Internet". Ein Freund hat vor kurzem bei Barnes & Noble (einer großen Buchhandlungskette) im Katalog nachgesehen und mehr als 1000 Bücher gefunden, die in irgendeiner Weise mit dem Internet zu tun hatten. Bei einem so großen Angebot ist der Konkurrenzkampf ziemlich hart - ein Verleger muß auf seiner Jagd nach einem Bestseller laufend viele Bücher auf den Markt bringen.
(Nebenbei bemerkt: der Begriff "Bestseller" hat bei dem Geschäft mit Computerbüchern keine große Bedeutung. Er ist genauso gültig für den Internet Starter Kit für den Macintosh mit seiner Auflage von mehreren Hundertausend wie für ein anderes Buch, das 30.000 mal verkauft wurde. Studio B hat Listen mit den derzeit besonders gut verkauften Titeln einiger Distributoren und Buchhandelsketten erstellt.)
<http://www.studiob.com/roundtable/bestsellers/index.html>
Da sich in unserer Zeit alles sehr schnell entwickelt und dauernd in Bewegung ist, sind die Verlage pausenlos auf der Suche nach neuen Autoren, die gut und schnell schreiben können und die mit ihrem Fachgebiet vertraut sind. Heutzutage scheinen sich viele Buchprojekte innerhalb von 2 - 3 Monaten zu entwickeln, das ist nicht viel Zeit, wenn man nicht schnell recherchieren und schreiben kann. Besonders schwer wird es, wenn man - wie Tonya, als sie ihr erstes Buch über Word 5 schrieb - nebenher einen Ganztagesjob hat.
Lektoren (Acquisition Editors) suchen Autoren, sie erarbeiten die Basis für ein Buchprojekt und sorgen für die entsprechenden Verträge. Seien Sie vorsichtig mit diesen Verträgen! Sie enthalten oft ein Wettbewerbsverbot, das Ihre Arbeit an anderen Projekten behindern kann, und sie regeln, wie wenig Sie für Nebenrechte beanspruchen können (Übersetzungen, Buchclub-Ausgaben u.ä.). Wenn es um diese Verträge geht, ist die Mithilfe von Agenten besonders sinnvoll: bei einem Erstlingswerk hat man schnell ohne genaue Prüfung seine Unterschrift geleistet, und - seien wir mal ehrlich - für das erste Buch ist man doch geneigt, alles mögliche zu unterschreiben. Lesen Sie den Vertrag sorgfältig durch, und scheuen Sie sich nicht, über bestimmte Absätze zu verhandeln.
Aus Ihrer Sicht wird der wichtigste Teil des Vertrages wahrscheinlich das Honorar betreffen. In der Regel gibt es dafür zwei Modelle: ein festes Honorar oder die Gewinnbeteiligung. Bei einem Festhonorar zahlt der Verleger Ihnen vielleicht eine Pauschale von 15.000 DM [bzw. sFr, 100.000 öS, was auch immer - jedenfalls keinen Penny mehr. --WJF], egal wie gut oder schlecht Ihr Buch sich verkauft. Das Hauptargument für ein pauschales Festhonorar ist - aus meiner Sicht - die Annahme, daß Ihr Buch ein Riesenflop wird (dann sollten Sie es eigentlich auch nicht schreiben.) Ich ziehe in jedem Fall eine Umsatzbeteiligung (Tantiemenzahlung) vor, die einen Prozentsatz zwischen 5 und 20 % vorsieht (das letztere gilt natürlich, und auch nicht in jedem Fall, nur für Topautoren). Der Standardsatz liegt vermutlich bei 10%, es gibt aber auch gleitende Sätze, die sich am Verkauf orientieren, z.B. 6% für die ersten 10000 Exemplare, 8% für die nächsten 2000 und 10% für alle Verkäufe über 12000 Stück.
Bei einer Tantiemenvereinbarung bekommen Sie meist auch einen Vorschuß auf diese Umsatzbeteiligung. Das heißt, daß der Verleger Ihnen schon zu Beginn des Projektes Geld zahlt (die ersten Tantiemen werden ja frühestens 3 bis 6 Monate nach Beginn des Projektes fließen). Beachten Sie den Begriff "Vorschuß auf Tantiemen". Damit wird gesagt, daß die ersten Tantiemen, die nach Verkaufbeginn eines Buches anfallen, solange mit dem Vorschuß aufgerechnet werden, bis dieser Betrag gedeckt ist. Die Vorauszahlungen liegen in der Regel zwischen 8.000 DM und 30.000 DM, Topautoren erhalten manchmal sogar noch mehr. Theoretisch kann es natürlich vorkommen, Verleger scheinen aber interessanterweise nie auf der Rückzahlung von Vorschüssen zu bestehen, auch dann nicht, wenn diese Vorabtantiemen durch die Buchverkäufe nicht gedeckt werden. Im allgemeinen kann man also sagen: je größer der Vorschuß, desto besser. Sie können dann mit dem Geld arbeiten, und wenn Sie es nicht ausgeben, dann können Sie es - anstelle des Verlegers - zinsbringend anlegen.
Das Buch entsteht -- Wenn die Einzelheiten feststehen, dann können Sie mit dem Buch beginnen. In der Regel werden Sie dabei von einem Fachmann unterstützt, der Sie bis zur Fertigstellung begleitet. Er stellt den Zeitplan für die Abgabe der einzelnen Kapitel und anderer Dinge auf, und er kommentiert nach Bedarf Struktur und Konzeption der abgegebenen Texte. Jetzt geht es also mit dem Schreiben richtig los, obwohl es eigentlich gut wäre, schon früher damit zu beginnen, weil man sonst - oft wegen zäher Vertragsverhandlungen - in Zeitnot kommen kann.
Der wichtigste Rat, den ich geben kann: setzen Sie realistische Termine, machen Sie sich einen genauen Arbeitsplan und bemühen Sie sich um eine schnelle und effiziente Arbeitsweise. Wenn es um ein ganzes Buch geht, dann ist das Schreiben oft eine härtere Arbeit, als man meint. Technische Themen können besonders frustrierend sein, wenn das Programm, über das Sie schreiben, unberechenbar reagiert oder - offen gesprochen - wenn Sie das Thema nicht richtig beherrschen. Bereiten Sie sich so gut wie möglich vor, und denken Sie auch an Randthemen, die einen Bezug zu Ihrem Projekt haben (eine Diskette oder eine Web-Site). Sie sollten alle Teile des Buches gleichzeitig bearbeiten, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Sonst kann es leicht passieren, daß Sie erleichtert das 18. von 20 Kapiteln beenden und völlig übersehen, daß die letzten beiden Kapitel die schwersten und längsten von allen sind. Ach, und war da nicht noch die Diskette?
Wenn Sie mit anderen zusammenarbeiten, dann müssen Sie sich auch um das Projektmanagement kümmern und Kommunikationswege für Telefon und E-Mail offenhalten. Es gibt nichts Schlimmeres, als von der Zuarbeit anderer abhängig zu sein und nicht zu wissen, wie der Stand der Dinge bei ihnen ist.
Normalerweise werden Sie die Kapitel so abgeben, wie sie fertig werden und nicht alle zusammen am Ende des Projektes. Der Lektor muß alle Kapitel lesen und sie unter Umständen an Sie zurückgeben, bevor er sie für die Detailbearbeitung weitergibt. Noch ein Rat: geben Sie möglichst saubere Kopien ab. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß bei der Nachbearbeitung nur ein bestimmter Prozentsatz der Fehler erkannt wird. Hat ein Kapitel z.B. 100 Fehler, dann werden vielleicht 90 korrigiert und 10 bleiben unerkannt. Sind im Kapitel aber insgesamt nur 10 Fehler enthalten, dann werden möglicherweise alle bis auf einen erkannt. Ich selber verlasse mich auf einige einfache Makros in Nisus Writer, mit denen ich bestimmte allgemeine Fehler finde, wie z.B. doppelte Leerzeichen oder falsche Anführungszeichen.
Die korrigierten Kapitel werden dann üblicherweise an Sie zurückgeschickt, damit Sie sie nochmals durchsehen können. Das ist dann normalerweise Ihre letzte Chance, Fehler zu korrigieren, die im Verlag bei der Nachbearbeitung entstanden sind oder um kurzfristige Ergänzungen einzufügen. Danach schicken Sie die Kapitel an den Verlag zurück, der sie dann an den Produzenten weiterleitet, unter dessen Aufsicht dann der Herstellungsprozeß beginnt.
(Noch eine Nebenbemerkung: In einem Verlag ist fast jeder ein irgendwie gearteter Redakteur, wenn auch die Titel und die Arbeitsplatzbeschreibungen zwischen den einzelnen Verlagen Unterschiede aufweisen. Es würde mich nicht wundern, wenn es bei einigen dieser Verlagen statt eines Hausmeisters einen Herausgeber mit Schwerpunkt Abfallbeseitigung gäbe ...)
Produktion und Abschluß -- Vielleicht haben Sie nach Produktionsbeginn die Möglichkeit, die richtigen Seiten zu begutachten, da sie aber nicht mehr so ohne weiteres hin- und hergeschickt werden können, ist das wahrscheinlich zu aufwendig (bisher nutzen leider nur wenige Verlage E-Mail als Kommunikationsinstrument - heutzutage ist es eigentlich zu teuer und verschwenderisch, Dinge nur deshalb zu drucken, um sie weitergeben zu können.) Nach meiner Erfahrung liegt mir nach der Autorendurchsicht nichts mehr an meinem Text, den ich ja nun oft genug vor mir hatte. Beim Verlag gibt es Korrekturleser, die sich die Seiten ansehen, wenn sie aus der Produktion kommen. Tippfehler und andere Kleinigkeiten werden von ihnen bereinigt, die Fakten bleiben, wie sie sind.
Wenn Sie Ihrem Buch eine Diskette oder eine CD-ROM beilegen möchten, dann müssen diese Dinge natürlich auch abgegeben werden. Der Produktionsaufwand für eine Diskette oder eine CD ist auf der Herausgeberseite natürlich nicht so groß, aber Sie müssen sorgfältig darauf achten, daß Buch und Diskette oder CD inhaltlich im Einklang sind. Das hört sich einfach an, aber jede kleine Änderung muß auch im Buch berücksichtigt werden. Leicht ist es eigentlich nur, wenn Sie kein Perfektionist sind.
Und - egal für welches System Sie Ihre Diskette oder CD-ROM vorgesehen haben: testen Sie sie aus! Stellen Sie sicher, daß alles auf möglichst vielen verschiedenen Computern funktioniert, und bitten Sie Ihre Freunde, die Programme auch zu testen. Die Fenster müssen auch auf kleinen Bildschirmen ordentlich aussehen, die Icons müssen immer an der richtigen Stelle stehen - prüfen Sie lieber zu viel als zu wenig. Eine CD-ROM bedeutet besonders viel Arbeit, weil sie viel mehr Files enthalten kann als eine Diskette, ganz zu schweigen von dem Problem, eine CD korrekt zu brennen (ein Punkt, mit dem ich mich hier nicht beschäftigen will). Ein Hinweis: Wenn Ihre CD Tausende von Files in Hunderten von Foldern enthält, dann benutzen Sie die Freeware "Align Folders", um die Positionen der Fenster richtig zu ordnen.
<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/gui/align-folders-20.hqx>
CD-ROMs kann man natürlich nicht per E-Mail versenden. Wenn es aber nur um eine einzige Floppy geht, dann schicke ich die schon mal zusammen mit ShrinkWrap als Disk Image an meinen Verleger. Kurz vor dem Abgabetermin kann auch eine Übernacht-Zustellung manchmal zu langsam sein.
<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/disk/shrink-wrap-201.hqx>
Wenn Sie alles abgegeben haben, dann ist Ihre Arbeit eigentlich getan. Das Wichtigste, was jetzt noch zu tun bleibt, ist die Bearbeitung des Buchdeckels. Ein Verleger wird Ihnen diese Aufgabe wahrscheinlich nicht automatisch überlassen, weil die meisten Autoren einen Aufstand wegen des Äußeren eines Buches machen. Halten Sie sich nicht mit ästethischen Einzelheiten auf, auf die Sie ohnehin wenig Einfluß haben (Sie können natürlich Ihre Meinung sagen). Kümmern Sie sich statt dessen lieber um den Text auf dem Einband. Er muß stimmen und er darf keine Mißverständnisse auslösen, sonst verärgern Sie Ihre potentiellen Leser. Die Umschläge werden oft von Marketingleuten entwickelt, die vom Inhalt des betreffenden Buches nicht sehr viel Ahnung haben. Ich habe noch keinen Einband gesehen, bei dem der Text nicht nachgebessert werden mußte.
Nach dem Abschluß der Produktionsphase geht das Buch in die Druckerei, wo es gedruckt, gebunden und an den Großhandel weitergeleitet wird. Dieser Vorgang dauert von drei (eher unwahrscheinlich) bis sechs Wochen oder länger, je nachdem wie die Zeitplanung aussieht. Die Verlage möchten ihre Bücher gern wie geplant auf den Markt bringen, weil die Buchläden sich auf diese Lieferungen eingestellt haben.
Der Verkauf -- Computer-Bücher verkaufen sich schon lange, bevor sie verfügbar sind. Das nennt man "Sell-In"; es hängt vom Vertriebspersonal ab, das einem Kunden Ihr Buch kurz vorstellt. Vielleicht gibt es ja auch schon einen Umschlagentwurf zur Ansicht. Mit Gewißheit kann man aber nur sagen, daß der größte Teil einer Beschreibung zu diesem Zeitpunkt reine Hypothesen sind, da Sie mit dem Buch ja noch gar nicht fertig sind. Große Buchhandelsketten wie Borders oder Barnes & Noble spielen eine wichtige Rolle für den Verkaufserfolg eines Buches, weil sie das "Sell-In" wesentlich beeinflussen können.
Sobald die Bücher in den Buchhandlungen angekommen sind, beginnt der normale Verkauf. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: wenn Vertriebs- und Marketingabteilung Ihres Verlegers gute Arbeit geleistet haben, dann ist es überall verfügbar und wird gekauft, weil man es sieht ("Push-Marketing"). War auf der anderen Seite das "Sell-In" eher verhalten und ist das Publikum auf Grund von Mundpropaganda in die Geschäfte gekommen, um nach dem Buch zu fragen, dann werden die Buchhandlungen allmählich merken, daß das Buch gut ist und anfangen, es zu bestellen. Das nennt man "Pull-Marketing", ein Effekt, der bei meinem Internet Starter Kit für den Macintosh eingetreten ist (man darf eben die Möglichkeiten für Mundpropaganda im Internet nicht unterschätzen!). Es gibt natürlich noch eine dritte Möglichkeit: Bücher erscheinen in keinem Geschäft und niemand fragt danach. So weit ich weiß, liegt die durchschnittlich verkaufte Auflage von Computer-Büchern bei etwa 12.000. Nicht gerade viel; vielleicht zu wenig, um seine Zeit darin zu investieren.
Wann Sie Ihre ersten Verkaufabrechnungen bekommen, hängt ebenso von Ihrem Verleger ab, wie die Häufigkeit der Zahlung Ihrer Tantiemen. Hayden schickt mir die erste Verkaufsabrechnung für ein Buch im vierten Monat nach der Veröffentlichung. Die folgenden Abrechnungen und die Tantiemenschecks kommen dann jeweils monatlich. Bei anderen Verlagen kommen die Abrechnungen monatlich, die Schecks aber erst alle drei oder sogar erst alle sechs Monate. Das Thema Zahlungseingang ist bei der Tantiemenabrechnung ein wichtiger Punkt, den Sie bei Ihren Finanzdispositionen einplanen sollten, wenn Sie darüber nachdenken, ein Buch zu schreiben.
Die verrückteste Sache im Buchgeschäft ist wohl der Umstand, daß Buchläden unverkaufte Bücher zurückgeben können, und daß sie dies auch tun. Ihre Tantiemen erhalten Sie auf Grund der Verkäufe an die Buchläden (sie werden auf der Basis des Händlereinkaufspreises kalkuliert, der meist etwa bei 50% des Endverkaufspreises liegt). Wenn Bücher zurückgegeben werden, dann müssen Sie die Tantiemen dafür zurückzahlen. Die Verleger halten oft einen Teil der Tantiemen zurück, um mögliche Rücknahmen damit abzudecken. Für Sie macht sich das also solange nicht bemerkbar, wie diese Reserve nicht verbraucht ist. Wenn Sie beim gleichen Verlag mehrere Bücher veröffentlichen, dann kann es passieren, daß Sie mit den Tantiemen eines Buches die Rücknahmen anderer Bücher bezahlen. Sehen Sie sich Ihren Vertrag auf entsprechende Klauseln hin durch.
Nach dem Lebenzyklus eines Buches (wenn es zurückgegeben wurde oder wenn es sich überhaupt nicht verkaufen ließ) haben Sie oft die Möglichkeit, dem Verlag so viele von den Remittenden abzukaufen, wie Sie möchten, und zwar zu einem Preis, der gerade die Herstellungskosten deckt. Die Materialkosten eines Computerbuches liegen wahrscheinlich bei weniger als 4 US$, wenn auch im Endpreis viele andere Infrastrukturkosten enthalten sind. Großverteiler und Discount-Läden kaufen solche Remittenden und geben sie zu unglaublich tiefen Preisen ab - ein Bekannter hat mir berichtet, er hätte die erste Ausgabe des Internet Starter Kit für den Macintosh für 2,19 US$ gesehen. Solche Remittenden könne sehr lange am Markt sein. Es kann schon eine zweite oder dritte Auflage Ihres Buches geben, während Reste der ersten Edition immer noch zu haben sind. Wenn Leute versuchen, veraltete Software zu benutzen oder Tips von gestern zu befolgen, dann kann das natürlich manchmal heikel sein.
Meine Ansichten zum Thema Veröffentlichung sollte man natürlich nicht als Evangelium ansehen. Ich kenne das Geschäft jetzt über drei Jahre und durch mehrere Bücher, die ich gemacht habe, aber ich habe bislang nur mit einem Verlag zusammengearbeitet. Kommentare über andere Verleger stammen aus Unterhaltungen mit anderen Autoren.
Ob ich jemand empfehlen würde, sich in des Geschäft mit Computerbüchern zu stürzen? Die Antwort ist wahrscheinlich "Nein", es sei denn, Sie wissen genau, worauf Sie sich einlassen. Ich kenne eine Reihe von Leuten (dazu gehört auch Tonya), die ganz exzellente Bücher verfaßt haben, die sich aber kaum verkaufen ließen. Die Gründe dafür lagen weit außerhalb des Einflußbereiches der Autoren. Andere wiederum steckten bis über die Ohren in Buchprojekten, ohne Aussicht, diese jemals termingerecht abschließen zu können. Ich kenne natürlich auch einige erfolgreiche Autoren, die ein feines Leben führen und ein Buch nach dem anderen schreiben, dazu hin und wieder einen Magazinbeitrag und die sich rundum wohl dabei fühlen. Wie auch immer: wenn Sie damit anfangen, dann seien Sie auf alles gefaßt.
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Tobias Engler [TE], Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG], Gregor Retti [GR].
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