Diese Ausgabe der TidBITS berichtet über eine gerichtliche einstweilige Verfügung gegen den Communication Decency Act (CDA) im neuen U.S.-Telekommunikationsgesetz, eine neue Version des LaserWriter-Treibers und neue HTML-Software - Claris Home Page. Wir bringen auch Artikel zur Wichtigkeit eines guten Registers in Sachbüchern und zu Software, die den HTML-Code für farbigen Text und farbige Hintergründe auf Web-Seiten produziert. Zum Abschluß dieser Ausgabe lesen Sie den Bericht eines Internet-Neulings zu einer der großen Suchmaschinen im Web.
Autorisierte Übertragung aus den TidBITS#333/17-Jun-96.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-333.html>
Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
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Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
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Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-333.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-333.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-333.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Buster beseitigt Enttäuschung mit PowerBook -- Als Antwort auf unseren Artikel zum 7.5.3 Update Revision 2.0 (mit dem Codenamen Buster) hat Zac Imboden <zac@mactemps.com> von einem happy end berichtet: "Das Upgrade meines PowerBook 520 mit der 5300-Prozessorkarte (100MHz) war vielleicht die größte Enttäuschung meines Lebens. Die darauf folgende Auseinandersetzung zwischen mir und meinem angestammten Mac-Kundendienst am Ort endete schließlich mit einer Trennung, die für beide Seiten bitter war. Die Firma wollte die Karte trotz der mangelhaften Leistungen nicht zurücknehmen. Einer der Techniker dort hat mich allerdings vor kurzem angerufen, um mich von der bevorstehenden neuen Version (7.5.3 Revision 2.0) des Betriebssystems in Kenntnis zu setzen. Nach Installation hat sich die Gesamtleistung deutlich verbessert, besonders die Zugriffsgeschwindigkeit auf unsere 4D-Client/Server-Konfiguration. Hurra!"
Apple-Testsoftware für PowerPC-Performas -- Im Rahmen des erweiterten Reparaturprogramms für Performas und LCs der Serien 5200, 5300, 6200 und 6300 (siehe <TidBITS-331>) hat Apple ein Hilfsprogramm veröffentlicht, das Maschinen mit bekannten Platinenproblemen identifizieren kann. Bisher waren Probleme dieser Modelle auf Mainboard-Ebene nur durch häufige Abstürze charakterisiert, die sehr verschiedene Ursachen haben können; viele dieser Ursachen werden durch Apple nicht abgedeckt. Das Programm soll die Benutzer betroffener Maschinen in die Lage versetzen, solche Probleme genauer zu identifizieren und dann gegebenenfalls einen Apple-Vertragspartner wegen einer kostenlosen Reparatur kontaktieren zu können. Beachten Sie bitte, daß die Informationen, die diese Software ausgibt, nur für spezifische Mac-Ausführungen relevant ist; Details dazu finden Sie in der Übersicht von Apple. [GD]
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1996/q3/960510.pr.rel.repair.html>
<ftp://ftp.support.apple.com/pub/apple_sw_updates/US/mac/utils/5xxx-6xxx_Tester_1.0.hqx>
LaserWriter 8.3.4 vorgestellt -- Apple hat kürzlich LaserWriter 8.3.4 publiziert, eine Version des Treibers, die besonders von Besitzern von PCI-Power-Macs mit Ungeduld erwartet worden ist. Benutzer solcher Geräte waren mit häufigen Abstürzen während des Druckens konfrontiert - speziell bei Verwendung von Druck-Spoolern oder Druckern von Drittherstellern, wie dem XL 808 von GCC. Es bleibt zwar noch abzuwarten, ob dieser Treiber auch alle Probleme löst, aber was bereits jetzt an Meldungen zu vernehmen ist, klingt vielversprechend. Apple empfiehlt allen Benutzern von PCI-Power-Macs oder von System 7.5.3, den neuen Treiber zu installieren; wer allerdings eine andere Maschine oder eine ältere Systemversion benutzt, soll laut Apple nicht umsteigen.
Wenn Sie LaserWriter 8.3.4 herunterladen und auspacken, erhalten Sie ein Disk-Image, das Sie mit Hilfe von DiskCopy oder ShrinkWrap verwenden können. Die heruntergeladene Datei nimmt etwa 450K Plattenplatz ein. [TJE]
<ftp://ftp.info.apple.com/Apple.Support.Area/Apple.Software.Updates/US/Macintosh/Printing/LaserWriter/LW_8.3.4.sea.hqx>
<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/disk/shrink-wrap-201.hqx>
RAM-Erweiterungen - jetzt kaufen! -- Wenn Sie vor vier Monaten, so um den Valentinstag herum, ein DIMM-Modul mit 32 MB gekauft hätten, wäre Sie das auf runde 900 Dollar gekommen. In den letzten Tagen bezahlen Sie für das gleiche Modul etwa 320 Dollar, vielleicht sogar etwas weniger, wenn Sie sich ein bißchen umsehen. Die Preise für RAM-Bausteine sind ganz allgemein stark gefallen. Die Preise müßten auch noch beim Erscheinen dieser TidBITS-Ausgabe so niedrig sein, aber die weitverbreitete Ansicht ist, daß sie nicht noch weiter sinken und eventuell nicht einmal sehr lange auf diesem Niveau bleiben werden. Werfen Sie doch einen Blick in die DealBITS, um RAM-Sonderangebote und Links zu Hardware-Anbietern zu finden. [TJE]
<http://www.tidbits.com/dealbits/>
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Das U.S.-Telekommunikationsgesetz (Telecommunications Act) 1996 hat für die gesetzliche Lage der Telekommunikation in den Vereinigten Staaten einige gravierende Änderungen gebracht; dieses Gesetz enthält auch den Communications Decency Act (CDA), eine Reihe von Bestimmungen, die - unter anderem - "Obszönitäten" im Internet unter Strafe stellt, diesen zentralen Begriff aber nur ziemlich verschwommen definiert (siehe auch <TidBITS-315>, wo der Telecommunications Act im Detail abgehandelt wurde).
Präsident Clinton hat den Telecommunications Act durch seine Unterschrift am 8. Februar 1996 zum Gesetz erhoben. Binnen kürzester Zeit nach der Unterzeichnung haben die ACLU (American Civil Liberties Union) und einige andere Organisationen und Firmen gegen den CDA-Teil des Gesetzes juristische Schritte unternommen. Die Argumentationslinie dabei baut auf der Verletzung der verfassungsmäßig garantierten Freiheit der Rede auf und auf einer zu vagen Definition [nämlich dessen, was unter "Obszönitäten" zu verstehen ist. --WJF], die im Rahmen der Justiz nicht vollziehbar sei.
Am 15. Februar 1996 ist schon eine erste begrenzte Verfügung gegen den CDA ergangen. Am 12. Juni 1996 hat ein aus drei Richtern bestehender Senat des U.S.-Bezirksgerichts in Philadelphia zu der Causa entschieden und eine einstweilige Verfügung gegen die Obszönitäts-Bestimmungen im CDA erlassen [also eine vorläufige Aussetzung dieser Bestimmungen, --WJF]; dies bedeutet, daß diese Abschnitte nicht angewendet werden dürfen, bis ein Gerichtshof höherer Instanz die Verfügung aufhebt.
Die TidBITS versuchen erst gar nicht, in vorurteilsfreier Weise über politische Angelegenheiten zu berichten (wir alle haben unsere Vorurteile, ob wir dazu stehen oder nicht). Auch hier gebe ich nicht vor, objektiv zu sein; ich freue mich über den Spruch der Richter - nicht nur, weil die ACLU gewonnen hat, sondern auch über den Inhalt des Spruchs.
Die Entscheidung des Bezirksgerichts geht in einem Anschnitt detailliert auf Grundtatsachen des Internets ein: wie das Internet funktioniert, wer es gebraucht, welche Dienste verfügbar sind und so weiter. Dieser Abschnitt stellt für jeden, der sich über das Netz informieren will, eine interessante Lektüre dar. Wer auch immer am Entstehen von Gesetzen im Zusammenhang mit dem Netz mitwirkt, sollte diese Abschnitte ebenfalls unbedingt gelesen haben.
<http://www.eff.org/Alerts/HTML/960612_aclu_v_reno_decision.html>
Der Spruch des Gerichts stellt fest, daß die vorhandenen Gesetze gegen Pornographie und Obszönitäten unbedenklich sind, die entsprechenden Passagen im CDA aber zu weit gehen. Das Gericht bezichtigt den CDA der Unbestimmtheit in den Formulierungen; dazu bemängelt es den hohen Aufwand, der notwendig ist, um Minderjährige erfolgreich von den Sites fernzuhalten, die für obszön gehalten werden könnten, und kritisiert das Fehlen eines schwerwiegenden Grundes für die Einschränkung der Redefreiheit. Es werden auch verschiedene andere Methoden angeführt, mit denen Minderjährige von für sie ungeeignetem Material im Internet ferngehalten werden können: darunter sind der PICS-Vorschlag (zum Einstufen von Sites) und diverse Software-Produkte, die die Zugangskontrolle gestatten, wie SurfWatch und CyberPatrol.
<http://www.w3.org/pub/WWW/PICS/>
<http://www.surfwatch.com/>
<http://www.cyberpatrol.com/>
Einzelne Teile der Sichtweise von Richter Stewart Dalzell, wie sie aus dem Spruch hervorgeht, sind vielfach zitiert worden; ich will hier einen Auszug aus seinen Erläuterungen anschließen. Eine solche Sprache aus unserem Rechtssystem gibt mir Anlaß zu der Hoffnung, das Internet werde als ein offenes Forum behandelt werden, in dem sehr viele Menschen frei Informationen austauschen können, und nicht als ein bloßes Verlautbarungsmedium, das von wenigen großen Unternehmen dominiert wird.
Es trifft zu, daß viele Menschen einige der im Internet geäußerten Inhalte als ihre Interessen verletzend empfinden; im Getöse des Cyberspace vernehmen viele auch mißtönende Stimmen, die sie als obszön bewerten. Das Fehlen staatlicher Vorschriften im Internet hat fraglos eine Art Chaos hervorgebracht, aber, wie es einer der Experten in seiner Aussage unter viel Zustimmung formuliert hat: 'Was den Erfolg des Internet ausmacht, ist das Chaos, das das Internet ist. Die Stärke des Internet ist dieses Chaos.' Ebenso wie die Stärke des Internet im Chaos besteht, hängt die Stärke unserer Freiheit von dem Chaos und der Kakophonie der unbehinderten freien Rede ab, die vom ersten Zusatz zur Verfassung geschützt wird."
Interessanterweise wird in einer Fußnote angemerkt, daß die ACLU ihren Einspruch gegen Bestimmungen, die Diskussionen über Abtreibung im Internet einschränken, zurückgezogen hat; dieser Rückzug ist offenbar erfolgt, weil sowohl Präsident Clinton als auch Justizministerin Janet Reno klargemacht haben, daß "niemand unter den sich auf Abtreibung beziehenden Bestimmungen angeklagt werden wird... Aus dieser Sicht einer lange geübten Politik weist die Regierung darauf hin, daß Furcht vor einer Anklage nicht realistisch ist und daher kein Bedarf nach Abhilfe aus Billigkeitsgründen besteht."
Es bleibt abzuwarten, ob die Regierung den Fall vor den Obersten Gerichtshof bringt. Sollte sie dies tun, hoffe ich, daß der Oberste Gerichtshof die Tatsachen und Ansichten ernsthaft erwägen wird, die in dem vorliegenden Spruch zu der einstweiligen Verfügung enthalten sind.
Zusätzliche Informationen und Kommentare zu dieser Materie finden Sie an folgenden Adressen:
<http://www.cnet.com/Content/News/Files/0,16,1541,00.html>
<http://www.hotwired.com/special/indecent/>
<http://www.eff.org/pub/Alerts/960612_eff_cda_decision.statement>
von David Holzgang <cheshire@halcyon.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Das Register ist ein essentieller Bestandteil eines erfolgreichen Computerbuchs; der Artikel "So entsteht eine Veröffentlichung" in <TidBITS-332> geht darauf in keiner Weise ein. Ein Buch muß aus mehreren Gründen einen guten Index haben; darunter ist nicht der unwichtigste, daß potentielle Käufer des Buches im Laden anhand des Inhaltsverzeichnisses und des Registers entscheiden, ob sie das Buch kaufen oder nicht.
Ich habe 14 Bücher geschrieben, meist zum Thema PostScript und zu anderen Fragestellungen aus dem spezialisierten Grafikbereich. Nach meiner Erfahrung gehen Verlage bei der Anfertigung von Registern nach einer von drei Methoden vor. Einige Verleger übergeben die Aufgabe an Fachleute und belasten das Tantiemenkonto des Autors damit. Andere gestatten es dem Autor (oder verlangen es von ihm), den Index selbst zu erstellen oder erstellen zu lassen. Wieder andere schließlich erlauben es dem Autor, einen Experten auszuwählen, der den Index erstellt und in einigen Fällen übernehmen sie sogar eine Teil der Kosten. [In einer weiteren Variante erstellt der Verlag das Register, ohne dem Autor etwas in Rechnung zu stellen. Der Autor hat dann aber auch nur wenig oder gar keine Kontrollmöglichkeit; so wird es vom Hayden-Verlag gehandhabt. -Adam]
Der Index eines Buches ist eins der wichtigsten Merkmale des Werkes überhaupt. Als Leser halte ich ein gutes Register für ein wertvolles Instrument, das die Benutzung eines Buches zum Vergnügen machen kann; ein schlechter Index hingegen macht es zur Mühsal, irgend etwas darin zu finden. Aus diesem Grund bitte ich üblicherweise den Verlag, mich einen professionellen Index-Spezialisten aussuchen zu lassen und für dessen Arbeit mein Tantiemenkonto zu belasten. Dadurch erhalte ich einige Kontrolle über die Qualität des Registers und ich bekomme zu guter Letzt einen Index, der das Buch bereichert. Wenn ich mir meinen Indexer selbst aussuchen kann, weiß ich auch schon über die Kosten der Erstellung Bescheid, noch bevor die Arbeit daran begonnen hat. Leider ist diese Methode nicht immer möglich; es gibt Verlage, die den Autor hier überhaupt nicht mitreden lassen.
Nach meiner Erfahrung sind im allgemeinen diejenigen Register die schlechtesten, die von den Autoren selbst erstellt worden sind. Die Erstellung eines Index ist eine spezialisierte Fähigkeit, die hohe Wertschätzung verdient. (Wenn Sie glauben, Autoren haben unter dem Druck von Abgabeterminen besonders zu leiden, dann denken Sie doch einmal an den Indexer, der in der Regel nicht mehr als ein paar Tage zur Verfügung hat, um das ganze Buch zu indizieren.) Es gibt eine Vereinigung professioneller Indexer; ich habe die Erfahrung gemacht, daß das die besten Leute sind. Für den unerfahrenen Autor will ich zwei Aspekte hervorheben. Erstens: Jemand muß das Register Ihres Buches anfertigen und wahrscheinlich werden Sie dafür bezahlen müssen - zwar von Ihren Tantiemen, aber die sind ja auch Ihr Geld. Zweitens: Machen Sie es bloß nicht selber - ein Spezialist kann das besser und wird zum Erfolg Ihres Buches damit wesentlich beitragen.
[Mehr Informationen über professionelle Indexerstellung finden Sie auf der Web-Site der American Society of Indexers unter folgender Adresse. -Adam]
<http://www.well.com/user/asi/>
[Frage an die Leser der deutschsprachigen Ausgabe der TidBITS: Kennt jemand eine ähnliche Institution in unserem Sprachraum? -Walter]
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Tobias Engler]
Sorgfältige MacWEEK-Leser haben vielleicht vor ein paar Wochen einen Artikel über Loma Prieta bemerkt, ein vielversprechendes Web-Authoring-Werkzeug, das Adobes PageMill kräftig Konkurrenz machen soll. Loma Prieta, das von San Andreas Systems entwickelt wurde, ist nicht öffentlich als Beta-Version vorhanden, und die Beta-Tester haben sich bisher sehr verschwiegen gezeigt.
In Form einer Pressemitteilung wurden letzte Woche zusätzliche Informationen bekannt, nämlich daß Claris Loma Prieta erworben hat und plant, das Programm als Claris Home Page zu veröffentlichen. Der Pressemitteilung zufolge wird Claris Home Page ein cross-platform-Produkt sein, in Versionen für das MacOS, Windows 95 und Windows NT. Das Programm wird den Anwender bei der Erstellung unterschiedlichster gehobener Elemente wie Tabellen und Frames unterstützen, sei es in HTML oder visueller Form. Hilfreicherweise wird Claris Home Page den Anwender wohl auch mit Bibliotheken versorgen, in denen er oft verwendeten HTML-Code speichern kann. Die Pressemitteilung enthielt viele Zitate, in denen Claris für seine Bemühungen, anwenderfreundliche Software herzustellen, gelobt wurde und es wurce betont, daß Claris Home Page die Erstellung von anspruchsvollen Web-Seiten erleichtern wird. Es war jedoch nicht überraschend, daß die Pressemitteilung kein Wort über die erbärmlichen Versuche von Claris verloren hat, HTML-Konvertierung in ClarisWorks einzubauen (siehe <TidBITS-295>). Ich freue mich, daß Claris nun als ein ernsthafter Teilnehmer die Web-Authoring-Arena betritt.
Claris hat zwar noch keinen Entschluß bezüglich des Preises von Claris Home Page gefaßt, hat sich aber zu einer öffentlichen Beta-Version entschlossen, die wahrscheinlich ab Ende des Monats auf der Web-Site von Claris zum Download bereitstehen wird. Um ausführlichere Äußerungen über neue Produkte zu vermeiden, solange sie noch kein endgültiges Stadium erreicht haben, wird TidBITS wahrscheinlich davon absehen, Claris Home Page zu testen, bevor es ausgeliefert wird, genauso wie wir auch die pre-release von PageMill 2.0 nicht testen werden, gesetzt den Fall, daß Adobe eine öffentliche Beta-Version zur Verfügung stellen sollte.
<http://www.claris.com/press/hotnews/rel-homepage.html>
<http://www.zdnet.com/macweek/mw_1018/news_loma.html>
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Gregor Retti]
Wer sich mit der Erstellung von HTML-Dokumenten beschäftigt, war vielleicht schon einmal in der Situation, eine sechsstellige Hexadezimalzahl eingeben zu müssen, um eine bestimmte Farbe, sei es für den Hintergrund einer Seite, sei es für den Text oder einen Teil des Textes, zu erzeugen.
Für diejenigen, die zwar eine vage Idee haben, worüber ich hier spreche, aber die exakte HTML-Codierung nicht kennen, sei kurz beschrieben, wie sie funktioniert. Um den Hintergrund und Text einer ganzen Seite in Regenbogenfarben erscheinen zu lassen, kann folgenden HTML-Code im öffnenden <BODY>-Tag verwenden:
<BODY BGCOLOR="#FFFF05" TEXT="#00FF00" LINK="#0000FF" ALINK="#FF00FF" VLINK="#FF0000">
Dieser BODY-Tag setzt die Hintergrundfarbe auf Gelb, den normalen Text auf Hellgrün, noch nicht besuchte Verweise auf Blau, bereits besuchte Verweise auf Rot und den Text der Verweise [Links, REFs ... wie auch immer; --GR], wenn man gerade darauf klickt, auf Purpur. Wenn der verwendete Browser dieses HTML nicht versteht (oder der Benutzer seine eigenen Farben eingestellt hat), werden Hintergrund und Text in den Standardfarben dargestellt.
Mehr zum Thema findet sich in dem Internet-Draft zu den HTML-3.2-Spezifikationen, allerdings sollte man bedenken, daß viele Browser diese Optionen noch nicht unterstützen. (Ich überlasse es den unternehmungslustigen Lesern, dies im einzelnen herauszufinden).
<http://www.w3.org/pub/WWW/MarkUp/Wilbur/features.html>
Dem menschlichen Gehirn liegt es ziemlich ferne, zu akzeptieren, daß eine Nummer wie 9717FF Lila darstellen soll, und mir ist bisher keine Beschreibung untergekommen, die mir die Konvertierung von Farben in Nummern nahebringen konnte. Stattdessen habe ich mir die Welt der "Farbe-Zu-Hex"-Konverter erschlossen und werde hier einige meiner Erfahrungen zusammenfassen. Einige HTML-Editoren bieten entsprechende Optionen an, aber wenn Ihr bevorzugter Editor keine HTML-Farben kennt (oder nur eingeschränkte Möglichkeiten in dieser Richtung bietet), könnte eines der folgenden Programme für Sie von Nutzen sein.
Bevor ich auf die Programme eingehe, möchte ich noch erwähnen, daß einige von ihnen auch das Attribut BACKGROUND unterstützen, mit dem man eine Graphik als (Kachel-)Hintergrund verwenden kann. (Webseiten mit Graphikhintergründen wirken oft so, als säße der Text auf einem leicht kolorierten Hintergrund wie Marmor. Es gibt eine Reihe interessanter Tricks, solche Graphiken dazu zu verwenden, die Webseiten attraktiver aussehen zu lassen, obwohl Modembenutzer dankbar sind, wenn man die Verwendung von Graphiken so klein wie möglich hält).
Wer nach etwas Brauchbarem in der Freeware-Abteilung sucht, sollte sich HTML ColorMeister 1.3.5 anschauen. Das Programm von John Cope von ParticleFlux Software bietet einen einfachen Weg, Farben und Hintergrundgraphiken in den <BODY>-Tag einzubauen. Nachdem man seine Attribute gesetzt hat, klickt man den "Generate"-Knopf und kann dann den vollständigen Tag (oder Teile daraus) kopieren und in das entsprechende HTML-Dokument einsetzen, oder man drückt den "Output Page"-Knopf und erhält von HTML ColorMeister ein HTML-Dokument, das neben den Basis-Tags den gewünschten <BODY>-Tag enthält.
<http://wizlink.iserver.com/conner/ParticleFlux/index.html>
In der Shareware-Abteilung hat man etwas mehr Auswahl. Web Color 2.0, Shareware von Patrick Bores (5 US$), funktioniert ähnlich wie HTML ColorMeister, hat aber ein etwas besseres Erscheiungsbild.
<http://users.aol.com/wcolorinfo/>
HTML ColorPicker 2.0.3 kostet 5 US$ und stammt von David Christiansen von Vector Development. In HTML ColorPicker kann man numerische Werte eingeben und sieht die dazugehörigen Farben (für diejenigen, deren Gehirn in dieser Richtung funktioniert, oder wenn man zu dieser Vorgangsweise einen bestimmten Grund hat). Das Programm zeigt auch die numerischen Werte, welche zu bestimmten Farben gehören, die man als Farben auswählt. Obwohl jeder Hex-Code kopiert werden kann, bietet HTML ColorPicker keine Unterstützung bei der Erstellung des <BODY>-Tags.
<ftp://mirrors.aol.com/pub/info-mac/text/html/html-color-picker-203.hqx>
HTML ColorSelect 1.3 von Janice Arakaki, Shareware um 5 US$, benutzt einen etwas anderen Ansatz. Obwohl man eine Farbe auswählen kann und dann die dazugehörige Nummer sieht, kann man diese nicht kopieren. Stattdessen muß man sie im entsprechenden HTML-Dokument abtippen. Anderseits kann man mit dem Programm aus einer PICT-Graphik ein Pixel auswählen, um den Hex-Wert der Farbe zu übernehmen.
<ftp://mirrors.aol.com/pub/info-mac/text/html/html-color-select-13.hqx>
HTML ColourTool kostet 10 US$ und bietet die Möglichkeit einer Vorschau, so daß man feststellen kann, wie die ausgewählten Farben zusammenpassen. Das Programm zeigt den kompletten <BODY>-Tag, der zu den ausgewählen Farben gehört. Es fehlt allerdings die Möglichkeit, eine Hintergrundgraphik einzubauen - was speziell für die Vorschau-Option eine tolle Sache wäre - man könnte dann sehen, wie die Textfarben zu der Graphik passen. Wer den Sharwarebeitrag von 10 US$ bezahlt, kann den <BODY>-Tag in sein HTML-Dokument kopieren, wer nicht zahlt, muß ihn abschreiben. Entwickelt wurde HTML ColourTool von Brock Gunter-Smith von Finger In The Eye Productions [ein Firmenname, der ins Auge sticht - im wahrsten Sinne des Wortes. --WJF].
<ftp://mirrors.aol.com/pub/info-mac/text/html/html-colour-tool-201.hqx>
Ich hoffe, dieser Artikel hat einen kurzen Einblick in die Möglichkeiten der einzelnen Programme gegeben und welches eventuell für wen nützlich wäre. Auch wenn man einen HTML-Editor benutzt, der beim Einfärben von Text und Hintergrund behilflich ist, kann es sein, daß die Farbauswahl nicht verfügbar ist so wie in HTML ColorSelect oder die Vorschau-Möglichkeit wie in HTML ColourTool.
von Kirk McElhearn <kirk@lenet.fr>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Vor kurzem habe ich eine neue Spinne im Netz entdeckt: AltaVista! Es ist ja eines der großen Probleme des Internet, etwas Bestimmtes zu finden, deshalb ist es einem auch ganz recht, wenn man ein mächtiges und schnelles Suchinstrument entdeckt. AltaVista ist so eine Suchmaschine, ähnlich wie eine ganze Reihe anderer Programme wie z.B. InfoSeek, Lycos, Excite und was es sonst noch so gibt. Der Unterschied zu den anderen Programmen liegt in seiner Stärke und in der Behauptung, es hätte über 30 Millionen Webseiten im Griff. Ich habe es probiert.
<http://www.altavista.digital.com/>
Zu der Zeit war ich erst seit etwa 2 Monaten im Netz unterwegs. Ich hatte meine eigene Home Page und war auf anderen Seiten mit eigenen Beiträgen vertreten. Jetzt wollte ich wissen, welche Spuren ich hinterlassen hatte. Mich interessierte, ob es irgendwo da draußen Leute mit meinem Namen gab. Das Ergebnis hat mich ziemlich überrascht. Meine Familie ist klein und mein Nachname, McElhearn, ist nicht sehr gebräuchlich. Also habe ich meinen Namen in das Suchformular von AltaVista eingetragen und machte mich auf eine Wartezeit von etwa 30 Sekunden gefaßt.
Erste Überraschung: es dauerte keine 30, sondern eher 5 Sekunden.
Zweite Überraschung: Mein Name tauchte 32 mal auf. Wer über Jahre hin seine Spuren im Netz hinterlassen hat, wird 32 Treffer vielleicht nicht so aufregend finden. Nachdem ich einen Hinweis über diese Erfahrung in der Future Culture Mailingliste hinterlassen hatte, haben einige andere Leute das gleiche ausprobiert und viel höhere Zahlen als ich erreicht: es gab Hunderte, sogar Tausende von Treffern. Ich als Web-Neuling war über meine 32 Funde aber doch ganz überrascht.
30 der 32 Treffer galten mir persönlich, 2 waren von anderen Leuten mit dem gleichen Nachnamen (Cousins?), von denen einer eine "shot put"-championship seiner High School gewonnen hatte. Der Rest verwies auf mich - auf einen Brief von mir, der in der zweiten Ausgabe von "Wired" veröffentlicht worden war, auf Postings im Info-Mac, auf meine Home Page, auf meinen Essay für das Projekt "24 Hours of Democracy" und auf anderes mehr.
Mein erster Eindruck: Irgendwie cool. Immerhin - ist es nicht Teil unseres Selbstverständnisses, soviele Spuren wie möglich auf diesem Planeten zu hinterlassen? Je mehr ich aber darüber nachdenke, desto mehr bin ich der Meinung, daß sich hier eine Pandora-Büchse öffnet. AltaVista beschreibt man am besten mit den Worten der Firma selbst, die hinter diesem Produkt steht:
Nach zwei Monaten interner Tests haben wir einen noch größeren Volltext-Index mit über 16 Mio. Seiten fertiggestellt, den wir dann am 15.12.95 der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt haben. Innerhalb von drei Wochen nach Beginn haben wir täglich über zwei Millionen Anfragen verzeichnet."
Der Web-Indexer - der stärkste Baustein in der gesamten Konstellation - ist ein AlphaServer 8400 5/300 mit 6 GB Speicher und 10 Prozessoren. Nach Aussagen von Digital bearbeitet der Server die meisten Anfragen in weniger als einer Sekunde.
Das ist aber erst ein Teil der Geschichte. Ein weiterer Server bearbeitet die Seitenaufrufe und die Anfragen, während ein News-Server laufend die Übersicht über die Nachrichten für den Newsindexer behält, der die Datenbank der Newsgroups-Artikel dynamisch auf dem Laufenden hält. AltaVista ist also mehr oder weniger eine Quelle aller Informationen, die in Web und Usenet unterwegs sind. Das heißt auch, daß darin eine Menge E-Mail enthalten ist, weil auch archivierte Mailing-Listen automatisch indiziert werden.
Die ganze Sache hat eine ehrfurchtgebietende Power. Bei den heutigen Zuwachsraten im Internet und den verfügbaren Ressourcen müßte AltaVista noch eine ganze Zeit in der Lage sein, mit dem Aufkommen fertig zu werden.
Meine Meinung: "Kümmert Euch um Eure eigenen Angelegenheiten."
Ich habe mit befreundeten Mitgliedern einer Mac-User-Gruppe über mein Experiment gesprochen. Einen von ihnen, einen Technikfreak mit pocket protectors, hat diese Leistungsfähigkeit sehr verblüfft. Einen anderen hat die Neugier der Maschine und die Tatsache beeindruckt, daß sie keine private Sphäre respektiert. Was ist eigentlich mit dem Privatleben?
Wenn ich mich einer Mailingliste anschließe, dann fragt mich niemand, ob ich aus irgendeinem Grund auf meine Rechte an meinen Beiträgen verzichte. Diese Beiträge sind zwar öffentlich (wenn auch nur in begrenztem Sinn, weil sie nur für die anderen Abonnenten gedacht sind), aber nicht unbedingt für irgendwelche Suchroboter gedacht. Immerhin hat Digital niemals nachgefragt, ob sie meine Beiträge dafür benutzen können, für ihre Maschinen zu werben (das scheint mir nämlich genau die Zielrichtung dieser ganzen Aktion zu sein: Werbung für die leistungsfähigen Digital-Maschinen). Was ist mit meinen Rechten? Hier in Frankreich hat jeder das verbriefte Recht, Informationen in Datenbanken, die ihn betreffen, zu überprüfen und zu ändern. Ich frage mich, wie Digital reagieren würde, wenn ich sie aufforderte, einige meiner Beiträge aus ihren Dateien zu löschen. Oder wenn ich mein Urheberrecht darauf anmelden würde.
Für viele Menschen gibt es einen Gegensatz zwischen elektronischer Information und Kommunikation einerseits und Büchern andererseits, weil gedruckte, anders als elektronische, Informationen langlebig seien. Meiner Meinung nach ist AltaVista aber ein gutes Beispiel für die Beständigkeit solcher Informationen. Sie schweben nicht einfach nur im Internet-Äther herum, sondern sie sind auch in einer Datenbank indiziert, in der jedermann ohne Mühe nach ihnen suchen kann.
Die Gefahr darin ist offensichtlich. Angenommen, ich hätte mich an der alt.sex.minerals-Newsgroup beteiligt und mich darüber ausgelassen, wie gern ich es mit Bimsstein treibe. Wenn meine Frau in 10 Jahren die Scheidung möchte, kann sie ein Programm einsetzen, das im Netz herumschnüffelt und das, unter anderen, auch meine Beiträge findet. Daraufhin wird sie das Fürsorgerecht für die Kinder bekommen und mich von ihnen fernhalten können - mindestens 8 Meter weit.
Oder was ist mit dem jungen Hacker, der erwachsen wird und der sich später um ein politisches Amt bewirbt? Eine andere Partei wird sich sehr für die anarchistischen Jugendideen interessieren. Er wird dann nicht behaupten können, er habe nicht inhaliert . . .
Viele von uns beschäftigen sich mit Dingen, mit denen sie später nichts mehr zu tun haben möchten. Wenn die Worte sich aber einmal in Druckerschwärze oder in Bits und Bytes verwandelt haben, dann ist es sehr schwierig, die nötige Distanz zur eigenen Vergangenheit herzustellen.
Was kann man dagegen machen?
Eine Kontrolle dieser Art von Schnüffelei erscheint schwierig. Firmen werden mit unseren Worten Geld machen, wie sie es schon immer getan haben. Und die Suchmaschine hilft allen, die hinter Informationen her sind. Die Gefahr ist aber real, und sie wartet direkt hinter der Ecke. Ich bin kein Maschinenstürmer, der die Rückkehr in das Mittelalter propagiert; ich glaube, daß unsere Zukunft durch das Internet beeinflußt wird. Wir müssen uns aber der Gefahr bewußt sein und entsprechend reagieren.
Zunächst müssen wir erreichen, daß wir alles aus den Dateien streichen lassen können, was nicht mehr für andere verfügbar sein soll. Wir müssen bestimmen dürfen, was auf diesem Weg angeboten wird. Niemand hat das Recht, unsere Worte ohne unsere Zustimmung zu nutzen. AltaVista nutzt sie zwar nicht finanziell aus, aber sie werden zu Werbezwecken verwendet, was in meinen Augen kein großer Unterschied ist.
[Vor über einem Monat habe ich eine E-Mail an AltaVista geschickt und um Auskunft darüber gebeten, wie man Personen aus ihren Datenbanken entfernt. Bisher kam keine Antwort. Kirk hat einen Entwurf von diesem Artikel vorab an Digital geschickt - keine Antwort. AltaVista lehnt in einem sehr umfangreichen Artikel jede Verantwortung ab. Im einzelnen heißt es da: "Digital geht davon aus, daß jeder, der über das World Wide Web oder in News-Groups Informationen verfügbar macht, dies in der Erwartung tut, daß seine Informationen publik gemacht werden und weithin verfügbar sind. Digital glaubt überdies, daß Links zu News-Group-Beiträgen und zu öffentlich zugänglichen Web-Seiten mit dem Gesetz im Einklang stehen und mit den allgemein üblichen Erwartungen derer nicht kollidieren, die über das Web und über Usenet miteinander kommunizieren." -Tonya]
Man sollte sich außerdem darüber im klaren sein, daß irgend jemand zuhört und daß alles gespeichert wird, was wir im Netz veröffentlichen. Sogar in privater E-Mail ist Verschlüsselung vielleicht die einzige Möglichkeit, neugierige Augen abzuwehren. Natürlich funktioniert das nicht überall auf der Welt. Im Iran oder in Frankreich kann man wegen des Gebrauchs von Verschlüsselungssoftware im Gefängnis landen.
Nicht vergessen: die Wände haben Ohren!
PS: Im März, als ich diesen Text schrieb, habe ich meinen Namen 32 mal angezeigt bekommen. Beim letzten Check waren es 78.
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Tobias Engler [TE], Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG], Gregor Retti [GR].
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