Während Adam und Geoff der CD-ROM zur vierten Auflage des Internet Starter Kit for Macintosh den letzten Schliff geben, stelle ich diese Ausgabe der TidBITS fertig und kümmere mich nebenbei darum, daß die beiden ab und zu etwas essen. Diese Woche also Meldungen zu neuen Versionen von Claris Emailer und FileMaker Pro, weiters zu LibMoto, der PowerPC-Funktions-Library von Motorola. Wir beginnen auch einen mehrteiligen Artikel über den PowerPC-Prozessor und bringen außerdem einen ausführlichen Vergleich zwischen Suitcase und MasterJuggler.
Autorisierte Übertragung aus den TidBITS#334/24-Jun-96.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-334.html>
Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
Information: <info@tidbits.com>
Comments: <editors@tidbits.com>
Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
Information: <office@carrier.co.at>
Comments: <ferstl@carrier.co.at>
Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-334.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-334.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-334.etx>
[Übersetzung: Tobias Engler, Walter J. Ferstl]
Keine TidBITS am 1. Juli -- Die nächste Ausgabe der TidBITS erscheint am 8. Juli 1996 - bis dann! [GD]
Updater auf Emailer 1.1v2 -- Die Benutzer von Claris Emailer können die Applikation nun auf die Versionsnummer 1.1v2 bringen. Claris hat zwei Updater zur Verfügung gestellt: der eine bringt alle Releases von Emailer auf die Version 1.1v2 und ist etwa 2 MB groß, der andere ist nur für die Version 1.1v1 bestimmt und hat einen Umfang von 350 KB. Zu den Verbesserungen zählen die Unterstützung für das neue OfficeMail von Claris, die Möglichkeit, Text-Dateien per drag & drop in Message-Fenster zu ziehen, verbessertes Adressen-Handling und die Fähigkeit, Dateien in Ordnern verpackt mitzuschicken. [GD]
<http://www.fogcity.com/>
<ftp://ftp.claris.com/pub/USA-Macintosh/Updaters/>
FileMaker Pro 3.0v3 Updater -- Claris hat auch ein Update veröffentlicht, das die U.S.-Versionen 3.0v1 und 3.0v2 von FileMaker auf den neuesten Stand, 3.0v3, bringt. Das Update beseitigt Probleme mit Berechnungen, ScriptMaker und AppleScript und verbessert relationale "portals" und die Chancen auf Rückgewinnung von Dateien. Der Macintosh-Updater ist ungefähr 1.4 MB groß. Claris bereitet sich außerdem darauf vor, eine Version von FileMaker 3.0 auszuliefern, die endlich Windows 3.1 unterstützt (neben den bereits momentan unterstützten Windows 95 und Windows NT). [GD]
<ftp://ftp.claris.com/pub/USA-Macintosh/Updaters/FileMakerPro3.0v3.hqx>
<http://www.claris.com/press/company/archive/fmp-win31.html>
Offizielle Motorola Library -- In <TidBITS-322> haben wir eine PowerPC Math Library erwähnt, die aus Motorolas PowerPC SDK kompiliert war. Die Library wurde später aus Lizensierungsgründen und wegen Motorolas Absicht, eine eigene Version zu veröffentlichen, zurückgezogen. Obwohl einige Wochen zu spät, hat Motorola tatsächlich LibMoto veröffentlicht, welche die Leistung einiger Fließkomma-Operationen auf Power-Macs verbessert. Die shared Library gibt es umsonst (auch eine Version für Entwickler ist verfügbar), allerdings müssen sich Benutzer online registrieren, wenn sie die Library downloaden wollen. Wer seinen Power Mac nicht extensiv mit berechnungsintensiven (graphischen) Programmen füttert, der wird keinen großen Nutzen aus dieser Library ziehen können, für einige Anwender könnte es sich aber lohnen. Ich habe unbestätigte Meldungen über Probleme bei der Benutzung von LibMoto mit dem GeoPort Express-Modem und mancher Fax-Software gesehen (Überraschung!), man sollte also sicherheitshalber die üblichen Vorsichtsmaßnahmen einhalten, bevor man diese (oder jede andere) Erweiterung des Systems installiert. [GD]
<http://www.mot.com/SPS/PowerPC/library/fact_sheet/libmoto.html>
von Andrew J. Cohen <sandrew@fdt.net>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Ich wähle meine Zeichensätze auf dieselbe Art aus wie meine Kleidung. Ich liebe es zu experimentieren - alles um mich herum auszubreiten und dann der Reihe nach durchzuprobieren. Obwohl der Mac für seine Flexibilität bei Fonts berühmt ist, war es nie ganz einfach, einen umfangreichen Bestand an Zeichensätzen zu verwalten. Um einen Font verfügbar zu machen, muß das jeweilige Programm beendet und neu gestartet werden. Das ist ein wenig so, als ob man sich nackt ausziehen müßte, nur um einen Hut zu probieren.
Aus diesem Grund sind über lange Zeit Suitcase von Symantec und MasterJuggler von Alsoft für alle jene unentbehrliche Werkzeuge gewesen, die beim Gestalten von Texten die größtmögliche Freiheit gesucht haben. Beinahe vier Jahre hatten die Benutzer von Suitcase unter einer antiquierten Oberfläche zu leiden, nachdem das Produkt von Fifth Generation Systems zu Symantec übergegangen war, ohne auch nur den Hauch von Support oder Weiterentwicklung zu erhalten. In der Zwischenzeit hat Alsoft die Gelegenheit wahrgenommen, MasterJuggler 1.9 mit sehr verläßlicher PowerMac-Kompatibilität ins Rampenlicht zu rücken. Vor kurzem hat Suitcase in der Version 3.0 eine gründlich überarbeitete Oberfläche erhalten; auch Alsoft hat den MasterJuggler (als 2.0 Pro verfügbar seit Juni des Jahres) mit weiteren Verbesserungen ausgestattet.
Beide Programme sind nun PowerMac-native eigenständige Applikationen. Ihr Aufgabenbereich ist derselbe: Ihre Zeichensätze aus den Beschränkungen des Fonts-Ordners im Systemordner zu befreien und Sie auf diese Weise in die Lage zu versetzen, Ihre Fonts auf einem beliebigen Speichermedium unterzubringen. Sie laden nur diejenigen Zeichensätze, die Sie gerade brauchen und sparen so Systemspeicher und reduzieren oft obendrein auch die Zeit, die die Programme zum Laden brauchen.
Wie Sie Ihre Fonts organisieren können -- Der erste und mühsamste Schritt bei der Verwaltung einer größeren Anzahl von Zeichensätzen mit beiden Produkten ist das Erstellen von Font-Koffern auf einem Server oder auf einer lokalen Festplatte. Sie sollten aus dem Font-Ordner in Ihrem Systemordner bis auf Chicago, Geneva und Monaco alle Zeichensätze entfernen. Wenn Sie SuperATM oder Acrobat von Adobe benutzen, sollte auch die Fonts Adobe Sans MM, Adobe Serif MM und Symbol belassen werden. Anschließend können Sie die weiteren Zeichensätze organisieren, wie immer Sie wollen - nach Projekten, nach Kunden, alphabetisch oder auch nach Lieferfirma. Postscript-Zeichensatzdateien müssen in demselben Ordner wie die korrespondierenden Zeichensatzkoffer abgespeichert werden. In meiner Grafikabteilung gruppieren wir die Fontkoffer zunächst nach Merkmalen der Schriften - also Serif-, Serif-Display-, Sans-Serif-, Script- und Dingbats-Zeichensätze. [In den Begriffen der Typographie ist ein "Dingbat" ein Zeichensatz aus ornamentalen graphischen Symbolen. -Geoff]
Nachdem Ihre Fontkoffer eingerichtet sind, verwenden Sie MasterJuggler oder Suitcase, um Kombinationen (Sets) von Zeichensätzen zu definieren, die zusammen geöffnet werden können. Wenn Sie Ihre Fontkoffer mit Bedacht gruppiert haben, können Sie diese Einteilung auch in den Sets verwenden. Ich habe zum Beispiel die Schrift Times auf meiner Festplatte in einem Ordner namens Serif gespeichert und Times ist auch Bestandteil eines Sets mit dem Namen Serif.
Wie diese Font-Sets (Kombinationen von Zeichensätzen, vom Benutzer definiert) erstellt und gehandhabt werden - das ist das Gebiet, auf dem Suitcase und MasterJuggler am meisten voneinander abweichen. Ich werde die beiden Programme getrennt abhandeln.
Ein brandneues Suitcase 3.0 -- In der Version 3.0 (64,95 US$, 34,95 US$ für das Upgrade) von Suitcase hat Symantec die besten Seiten des alten Programms beibehalten, die Oberfläche aber völlig neu gestaltet. Suitcase 3.0 bedient sich einiger neuerer Apple-Technologien, darunter Apple Guide, AppleScript und QuickDraw-GX-Fonts.
<http://www.symantec.com/compinfo/news/products/suit30pr.html>
Die Erstellung von Font-Sets, die die Hierarchie auf der Platte des Benutzers widerspiegeln, ist in Suitcase 3.0 einfach - Sie ziehen einzelne Fontkoffer oder Ordner, die Fontkoffer enthalten) in das Set-Fenster; das Programm erstellt Font-Sets mit demselben Namen wie die Ordner. Wenn drag & drop nicht verfügbar ist (es erfordert System 7.5 oder höher, oder aber System 7.1.1 oder 7.1.2 mit der installierten Systemerweiterung "Macintosh Drag and Drop"), können Sie auch Sets mit der "Add"-Taste definieren. Eine "Add All"-Taste nimmt einen ganzen Ordner mit Fonts in das Set auf; Font-Sets können aber immer nur einzeln, einer nach dem anderen, erstellt werden.
Die Sets von Suitcase können einzelne Fonts, Fontkoffer oder sogar andere Suitcase-Sets enthalten. Ich habe für jeden Ordner meines Font-Archivs Sets definiert (z.B. Serif, Sans Serif, etc.), bevor ich für bestimmte Kunden oder Projekte weitere Sets erstellt habe. Zur Verwendung bei Landkarten habe ich etwa ein Set gebildet, das mein gesamtes Set an Dingbats sowie einige Sans-Serif-Zeichensätze enthält.
Bei Suitcase gibt es auch zwei spezielle Arten von Font-Sets. Das eine (das sogenannte Startup Set) ist ein Satz von ständig verfügbaren Schriften, der geladen wird, wenn der Mac bootet. Der andere spezielle Typ ist das einer bestimmten Applikation zugewiesene Set, das immer beim Starten des entsprechenden Programms geladen wird. Es kann für jede Applikation ein solches Set geben; zu Hause habe ich mir ein Set nur zur Verwendung in MacInTax eingerichtet (für diese TaxType-Zeichensätze, die nirgendwo sonst zu gebrauchen sind). Sie können dasselbe mit den meisten CD-ROM-Applikationen machen, die mit spezifischen Fonts ausgeliefert werden.
Die Set-Liste bei Suitcase sieht wie eine Übersicht von Dateien im Stil des Finders aus; sie gestattet in simpler Weise die Umbenennung, das Löschen und Sortieren von Font-Sets. In die Inhalte eines Sets können Sie rasch Einblick erhalten, indem Sie auf das Dreieck neben dem Set klicken. Ein weiteres Fenster in Suitcase führt auf, welche Zeichensätze im Moment geöffnet sind, welche im Systemordner gespeichert sind und welche Fonts nur temporär geöffnet sind.
Suitcase 3.0 behält die Fähigkeit bei, Zeichensätze in allen Anwenderprogrammen im Font-Menü mit ihrem realen Schriftbild darzustellen - andere Font-Hilfsprogramme sind da allerdings noch flexibler. Suitcase 3.0 kann auch Fonts komprimieren und damit Speicherplatz sparen helfen; in dieser Form werden die Fonts aber weder von Suitcase 2.0 noch von MasterJuggler oder vom Fonts-Ordner des Systems erkannt. Suitcase kann auch Konflikte um die Font-ID-Nummern auflösen.
Suitcase verfügt über eine Datenbank-Datei (font database), in der die Fonts aufgelistet sind. Diese Datei kann auf einen anderen Mac kopiert werden; auf diese Weise können andere User die Font-Sets mit benutzen. Bei meinen Tests war es allerdings nicht immer problemlos möglich, die Database-Datei zu verlagern. Zum Beispiel habe ich herausgefunden, daß die eingetragenen Zeichensätze auf einer Platte gespeichert sein müssen, die allen Macs im Netz zugänglich ist, sonst versagen die Verweise, die Suitcase auf die Fonts in der Database-Datei macht. Suitcase kann auch mittels Scripts gesteuert werden; auf diese Weise ist es möglich, das Erstellen, Löschen und Öffnen von Fonts und Font-Sets zu automatisieren. Suitcase kann aber weder Befehlssequenzen aufzeichnen noch mit anderen Programmen zusammenarbeiten.
Symantec hat auch schon einen Patch herausgegeben, der Suitcase 3.0 in Version 3.0.1 überführt und einige Fehler der 3.0-Version behebt. Dieser Patch existiert in drei Varianten: 68K, Power Mac und Universal (als Fat Binary). Wenn Sie Suitcase 3.0 allerdings mit der "Easy Install"-Option installiert haben, müssen Sie in jedem Fall die Universal-Variante zum Patchen verwenden.
<ftp://ftp.symantec.com/public/Updates/mac/suitcase/>
Ein etwas erneuerter MasterJuggler Pro 2.0 -- Die neue Version von MasterJuggler Pro. 2.0 (49,95 US$, 29,95 US$ für das Upgrade) weist keine fundamentalen Änderungen gegenüber ihren Vorgängern auf, behebt aber einige ärgerliche Schwachpunkte, die bei Version 1.9 noch vorhanden waren. Neu hinzugekommene Fähigkeiten umfassen das automatische Aufspüren von beschädigten Fonts und das selbsttätige Neuladen von temporären Zeichensätzen (siehe dazu unten mehr) nach einem Systemabsturz.
Die Erstellung von Font-Sets, die denselben Aufbau wie die Ordnerstruktur auf Ihrer Festplatte haben, ist beim MasterJuggler eine knifflige Angelegenheit, die für jeden Ordner einzeln durchgeführt werden muß. Bei dem Vorgang wird jeder Ordner - z.B. der Ordner Serif - bei gedrückter Optionstaste auf das Icon von MasterJuggler gezogen (einmal hatte ich Schwierigkeiten mit dem Timing und mußte dann ein Gewirr von einzelnen Fontkoffern, alle einzeln, schließen). Wenn ihre Zeichensätze in zehn Ordnern liegen, müssen Sie zehnmal drag & drop ausführen. Einfacher wäre es, die Sets einzeln aus dem MasterJuggler-Programm heraus zu erstellen, aber auch dort muß jeder Fontkoffer einzeln in das Set aufgenommen werden (einen "Add All"-Button gibt es nämlich nicht). Zumindest das Schließen von Zeichensätzen wurde aber erleichtert: Fonts oder Fontkoffer werden schlicht auf eine "Drop Closer"-Applikation von MasterJuggler gezogen.
Anders als bei Suitcase sind die Sets bei MasterJuggler nie in einer zentralen Liste innerhalb der Applikation gespeichert worden. Statt dessen ist jedes Set bei MasterJuggler eine eigene Datei, die irgendwo auf Ihrer Platte oder im lokalen Netz liegen kann. Ob dies einen Vorzug oder einen Nachteil darstellt, scheint mir Ansichtssache zu sein. Die Set-Dateien können es vereinfachen, Font-Sets mit anderen Benutzern zu teilen (etwa mit einer Firma, die Belichtungen und Druckaufgaben besorgt). Die Sets sind eigenständige Dateien und können wie jede andere Mac-Datei bewegt, umbenannt und gelöscht werden.
Und hier liegt auch schon der Haken an der Sache. Sie können kein Set von Fonts umbenennen oder löschen, ohne die dazugehörige Datei auf der Platte aufzuspüren. Ich habe mich dafür entschieden, alle meine MasterJuggler-Sets in einem Ordner zusammenzuhalten, weil Sie (auch wenn Sie nur den Inhalt eines Sets anschauen wollen) den genauen Ort wissen müssen, wo es gespeichert ist. Das "Directory"-Pop-Up-Menü von MasterJuggler listet zwar die letzten zehn Ordner auf, aus denen Dateien mit MasterJuggler geöffnet worden sind, aber das ist lange nicht so praktisch, wie eine Übersichtsliste mit den Sets ständig vor Augen zu haben.
Die Oberfläche von MasterJuggler, die sich aus zwei Listen mit Rollbalken und zehn Tasten zusammensetzt, erinnert an System 6. Die obere Liste namens "Available Files" wird verwendet, um zu einem Font-Set oder einzelnen Font zu gelangen. Wenn das Set einmal gefunden ist, können Sie es betrachten, bearbeiten oder öffnen. Wenn ein Set aus der oberen Liste geöffnet worden ist, erscheint es in der unteren, die "Open Files" heißt. Der Zeichensatz wird nun beim Start geladen - solange Sie nicht die Command-Taste beim Klick auf die "Open"-Taste gedrückt halten.
Das Fenster mit den offenen Dateien gestattet wenig Flexibilität. Einzelne Fonts und Font-Sets werden durcheinander ohne viel Organisation angezeigt. Icons kennzeichnen jedes Objekt entweder als Font oder als Font-Set (und als temporär oder permanent), aber Sie können in dem Fenster nicht sortieren oder ein offenes Font-Set bearbeiten.
MasterJuggler 2.0 beseitigt zwei ärgerliche Eigenheiten der Version 1.9. Die erste war die Penetranz, mit der MasterJuggler darauf bestanden hat, alle Font-Sets als permanent aufzunehmen. Wenn nicht die Command-Taste beim Hinzufügen eines Fonts gedrückt war, wurde dieser Font bei jedem Start des Mac geladen. In der Version 2.0 gibt es nun eine Preference-Einstellung, die dieses Verhalten abstellen kann. Die zweite Schwachstelle von MasterJuggler 1.9: Ich habe oft oft zehn Minuten oder länger damit zugebracht, Fonts im temporären Modus zu öffnen, nur um dann irgendwann später von einem Absturz erwischt zu werden. Die aktuelle Version von MasterJuggler lädt nach einem Absturz in intelligenter Weise alle temporären Font-Sets neu.
MasterJuggler weist viele der Möglichkeiten auf, die auch bei Suitcase vorhanden sind - und geht manchmal sogar darüber hinaus. MasterJuggler kann Fonts komprimieren (und ist in dieser Hinsicht mit Suitcase nicht kompatibel) und selbsttätig Font-Konflikte lösen. Ein neuer Zusatz, Font Guardian, kann einen Ordner mit Fonts absuchen und Problemstellen wie beschädigte Zeichensätze und fehlende PostScript-Dateien auflisten. Die Fähigkeit, Font-Dateien in einem Ordner zum Ausdruck in einem Belichtungsstudio zu sammeln, findet sich auch nur bei MasterJuggler. Das ist eine großartige Idee, sollte aber in den Details besser gestaltet sein: Sie müssen nämlich mit einem Open-Dialog jeden einzelnen Font oder Font-Set lokalisieren, ehe Sie die Taste "Gather" ["Sammeln"] drücken können.
Das Fazit -- Der Vorzug, den ich Suitcase 3.0 gegenüber MasterJuggler 2.0 gebe, beruht auf meiner persönlichen Einschätzung davon, wie jeder der beiden Font-Manager sich in meine Arbeitsgewohnheiten einfügt. Einige Benutzer ziehen vielleicht die Font-Set-Verwaltung im Finder-Stil bei MasterJuggler vor, aber ich finde, daß die Oberfläche und die einfache Konfiguration von Suitcase denen von MasterJuggler weit überlegen sind. Neulinge werden die Bedienung von Suitcase viel intuitiver finden; aber User, die schon einiges an Zeit aufgewendet haben, um eigene Font-Sets in MasterJuggler zu erstellen, können sich ihr Arbeitsleben dadurch erleichtern, indem sie das Upgrade auf MasterJuggler 2.0 installieren. Was mich persönlich betrifft, habe ich genug vom Kampf mit der Oberfläche von MasterJuggler und ich werde nur Suitcase 3.0 verwenden.
Die Vorherrschaft von Suitcase ist nicht sehr gut abgesichert. Adobe könnte die Situation mit dem Adobe Type Manager 4.0 komplizierter machen, der in Form und Funktionen frappante Ähnlichkeit mit Suitcase 3.0 hat. Symantec wird Suitcase mit viel Hingabe weiter pflegen müssen, um mit dem Type Manager konkurrieren zu können, einem Produkt, das nicht von Apple kommt und dennoch in vielfacher Hinsicht zu einem grundlegenden Bestandteil des Mac-Betriebssystems geworden ist.
Alsoft -- 713/353-9868 (fax)
<sales.info@alsoftinc.com>
Symantec -- 541/334-7400 (fax)
+31 71 535-3294 (Europe)
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Mit der Einführung des Power Macintosh hat Apple 1994 eine Meisterleistung der Ingenieurskunst abgeliefert, wie sie in der Computerindustrie heute nur noch selten zu finden ist: Apple ist es geglückt, ein Betriebssystem und den größten Teil der dazugehörenden Anwendungen von der 68000er-Prozessorfamilie auf die RISC-basierten PowerPC-Prozessoren zu übertragen. Für diejenigen von Ihnen, denen diese Begriffe fremd sind: 68000er-Macs werden oft auch "68K"-Macs genannt, und RISC bedeutet "Reduced Instruction Set Computing".
Über zwei Jahre nach ihrem Erscheinen ist es aber ziemlich schwierig geworden, die einzelnen PowerPC-Prozessoren auseinanderzuhalten. Apple selbst hat die Situation durch die Verwendung merkwürdiger Modellbezeichnungen auch nicht gerade übersichtlicher gemacht. Wodurch unterscheiden sich ein PowerPC 601 und ein 603? Welche Rolle spielt die Taktung? Was ist ein Level 2 Cache? Was sagt dies alles schließlich über den Unterschied zwischen einem Performa 5400 und einem Power Mac 7600 aus?
Antworten auf solche Fragen sind schwer zu finden, in den Veröffentlichungen von Apple und anderen Mac-OS-Anbietern sucht man meist vergeblich danach. Auch die Nachrichtendienste (dazu gehört auch TidBITS) kümmern sich nicht um diese Begriffe, da wir genug damit zu tun haben, uns ständig auf dem Laufenden zu halten. Vor diesem Hintergrund steht die folgende Übersicht über PowerPC-Prozessoren, über die dazugehörenden Begriffe und technischen Fragen. In der nächsten Ausgabe werde ich mich mit Anwenderproblemen im Zusammenhang mit dem PowerPC beschäftigen, z.B. mit Emulatoren, Systemsoftware und mit der Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit zu beeinflussen.
Lohnt sich RISC? -- Die PowerPC-Prozessoren sind alle softwarekompatibel; mit einem PowerPC-Chip in Ihrem Macintosh können Sie jede PowerPC-native Software nutzen. Auf PowerPC basierten Macs laufen auch ältere Programme, die ursprünglich für 68K-Macs geschrieben wurden, allerdings nur im emulierten Modus, was sich durch einen Geschwindigkeitsverlust bemerkbar macht, den man von einem als blitzschnell angepriesenen Rechner eigentlich nicht erwarten würde. Auf der anderen Seite können 68K-Macs aber mit Software, die speziell für PowerPCs geschrieben wurde, nichts anfangen.
Das heißt nicht, daß 68K-Macs plötzlich nutzlos würden; die meisten von ihnen werden noch viele Jahre gute Dienste leisten. Ich werde meinen ganz bestimmt weiter nutzen. Das ist - in gewisser Weise - ein Problem für Apple und für andere Softwareentwickler, weil ein so langer Lebenszyklus nichts anderes bedeutet, als daß viele Menschen ihren 68K-Rechner noch bis weit in die Zukunft behalten werden. Sie möchten natürlich auch ihre Software upgraden können, um die Fortschritte bei Neuentwicklungen nutzen zu können.
Aber die Zeichen stehen an der Wand! Im Laufe der Zeit wird ein immer größerer Anteil der aktuellen Systeme und Programme nur noch auf dem PowerPC laufen. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß System 8 für 68K-Macs verfügbar sein wird, auch wenn bestimmte Teile davon wahrscheinlich isoliert und für ältere Maschinen umgeschrieben werden. Auch die Software wird der Leistungsfähigkeit der neuen PowerPC-Prozessoren immer weiter angepaßt, die damit klare Vorteile haben.
Von Cache und Takten -- Ich erkläre hier kurz einige Begriffe, die allgemein für die Beschreibung von PowerPC-basierten Macs verwendet werden:
Leider läßt sich nicht ohne weiteres feststellen, wieviel Level-2-Cache man hat; in der "Über diesen Macintosh ..."-Box findet sich kein Hinweis zu diesem Thema. Wenn Sie nicht wissen, mit welcher Konfiguration Ihr Mac geliefert wurde oder wenn Sie keine Lust haben, den Mac zu öffnen und geheimnisvolle Zeichen auf den Cache-Modulen zu entziffern, dann ist die Beantwortung dieser Frage schwer. Bei Newer Technologies gibt es ein Gratis-Tool, das Auskunft über Level-1- und Level-2-Caches (bis zu 1 MB) gibt. Soweit ich es testen konnte, stimmen die damit ermittelten Werte.
<ftp://ftp.newertech.com/users/ntech/download/cache22.hqx>
Aktuelle PowerPCs -- Hier ist eine kurze Übersicht über die PowerPC-Prozessoren, die derzeit bei Apple zu finden sind:
<http://www.3do.com/3dosystems/m2/>
Künftige PowerPCs -- Es sieht nicht so aus, als ob die Entwicklung von schnelleren Ausführungen für den PowerPC zum Stillstand kommen würde. Einer der nächsten neuen Prozessoren dürfte der PowerPC 603e-200 sein, die 200 MHz-Version des PowerPC 603e mit den bekannten Vorteilen (geringer Energiebedarf, höhere Taktverstärkung). Wenn Ihnen die Verbesserung des 604 mehr am Herzen liegt: es wird einen PowerPC 604e geben, eine verbesserte Version des 604 mit höheren Geschwindigkeiten (zunächst mit 166, 180 und 200 MHz), höherer Taktverstärkung und größerem Cache. Die ersten Stückzahlen des 604e werden zur Zeit ausgeliefert, und man kann davon ausgehen, daß High-Speed-Rechner mit dem 604e von Apple, von Power Computing und von anderen Herstellern noch 1996 auf den Markt kommen.
Wenn Sie den 604 für schnell halten, dann sollten Sie sich den PowerPC 620 einmal ansehen, der schon vor der Tür steht. Er ist der erste PowerPC-Prozessor mit der 64-bit-Technologie, gedacht für Very-High-End-Systeme. Die Designgrundlagen entsprechen dem 604e. Der 620 hat zwar wegen Problemen mit Technik und Personal mehr als ein Jahr Verspätung, aber ich vermute, daß die ersten 620-basierten Maschinen von Apple und anderen Herstellern Anfang 1997 ausgeliefert werden. Es gibt bereits Hersteller, die über 620er-Prozessoren mit einer Taktung von 200 MHz verfügen. Der 620er ist für Multiprozessor-Anwendungen und für entsprechende Transaktionsverarbeitung ausgelegt und dürfte Level-2-Cache bis zu bemerkenswerten 128 MB unterstützen.
Zur Zeit sind IBM und Motorola die einzigen Anbieter von PowerPC-Chips. Eine kleine Firma aus San Jose könnte das ändern. IBM hat Exponential Technology eine Lizenz zur Entwicklung PowerPC-kompatibler Prozessoren überlassen. Unter der Leitung von CEO Rick Shriner, einem früheren Vizepräsidenten bei Apple, und anderen Veteranen möchte Exponential mit Hilfe der BiCMOS-Technologie die Kernlogik des Prozessors aufbauen, während die eher konventionelle CMOS-Bauweise für On-Chip-Speicher verwendet werden soll - in gewisser Weise der umgekehrte Weg, wie er bei den Pentium-Chips eingeschlagen wurde. Es gibt von Exponential zwar noch keine definitiven Geschwindigkeitsvorgaben, man nimmt aber an, daß die doppelte Leistung heutiger Mikroprozessoren erreicht werden kann, also im Bereich zwischen 300 und 400 MHz. Exponential ist den Beweis für die Machbarkeit dieser Technologie bislang noch schuldig geblieben. Mit der kräftigen finanziellen Unterstützung von Apple und anderen Investoren im Rücken gibt man sich aber optimistisch, erste Chips bis Anfang 1997 liefern zu können.
Bleiben Sie dran! -- In der nächsten Ausgabe geht es um Emulatoren, Systemsoftware, um Leistung unter Praxisbedingungen und darum, wie man all diese Informationen zur Entscheidungsfindung beim Kauf eines PowerMac nutzt.
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Tobias Engler [TE], Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].
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