Wenn sich Ihr Leben um neue Software dreht, haben Ihnen die TidBITS dieser Woche einiges zu bieten: Informationen zur jüngsten Version von Netscape Navigator, Neues zum ersten Update der Mac-Version von WordPerfect seit der Übernahme durch Corel und Details zu einem Web-Autorenprogramm mit dem Anspruch auf WYSIWYG-Darstellung, Claris Home Page. Wir weisen Sie auch auf einen Betatest eines neuen täglich erscheinenden Mac-Journals hin und bringen einen Essay von Adam über Datenbanken.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#341/19-Aug-96.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-341.html>
Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
Information: <info@tidbits.com>
Comments: <editors@tidbits.com>
Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
Information: <office@carrier.co.at>
Comments: <ferstl@carrier.co.at>
Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-341.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-341.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-341.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Angenommen, alles läuft so wie es sollte, ist dies die erste Ausgabe der TidBITS, die über die neue ListSTAR-Konfiguration ausgeliefert wird. Hoffen wir also das Beste! [ACE]
Netscape 3.0 ist da -- Netscape hat nach fünf Monaten der Beta-Releases die "endgültige" Version von Navigator 3.0 ausgeliefert. Beim Herunterladen ist das Paket in der Binärversion 3,5 MB und in der binhexed-Variante 5 MB groß. Wie immer sind die FTP-Server von Netscape derzeit völlig überlastet; Sie sollten also für Ihren Download-Versuch am besten noch einige Tage warten. Navigator 3.0 unterstützt Java, hat Plug-Ins für LiveAudio und QuickTime und ist mit einigen Netscape-eigenen Tags für mehrspaltigen Text ausgestattet. Diese und zahlreiche weitere neuen Features haben zu einem Speicherbedarf zwischen 7 und 9 MB beigetragen. Netscape macht viel Wirbel um die CoolTalk-Navigator- und Live3D-Module, obwohl diese für die Mac-Version nicht verfügbar zu sein scheinen. Die endgültige Version 3.0 von Navigator Gold (mit HTML-Autorensoftware) ist noch nicht zu haben; ich nehme aber an, daß auch sie bald von Netscape freigegeben wird. [GD]
<ftp://ftp.netscape.com/navigator/3.0/mac/>
<http://home.netscape.com/eng/mozilla/3.0/relnotes/mac-3.0.html>
Täglich was Neues -- Wenn Sie es für den Hauptfehler der TidBITS halten, daß sie nicht oft genug herauskommen, machen Sie doch einen kostenlosen Betatest mit einer neuen Internet-Publikation, dem Macintosh Daily Journal (MDJ). Das MDJ steht mit den TidBITS in keiner Verbindung, bringt aber Neuigkeiten, Analysen und Kommentare rund um den Macintosh. Wie die TidBITS wird auch das MDJ im Setext-Format ausgeliefert, steht aber wahlweise auch im Adobe-Acrobat-Format zur Verfügung. Nach Ablauf der Betatest-Phase wird das MDJ nicht mehr kostenlos zu haben sein. Die Publikation wird an bis zu 500 Beta-Abonnenten verschickt; wenn Sie also an noch mehr Meldungen zum Thema Mac interessiert sind, werfen Sie einen Blick auf die folgende Web-Seite. [ACE]
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Voll Ungeduld haben die Benutzer von WordPerfect konkrete Anzeichen dafür erwartet, daß Corel das Textverarbeitungsprogramm systematisch weiterentwickeln wird. Am 8. August 96 wurde nun Corel WordPerfect 3.5 angekündigt, eine verbesserte Version von Novell WordPerfect 3.5. Bisherige Benutzer von Novell WordPerfect können sich einen 1,7 MB großen "Corel WP 3.5 Updater" herunterladen, der aus Novell WordPerfect 3.5 ein Corel WordPerfect 3.5 macht (im "Get Info"-Dialog wird die Version 3.5.1 angegeben, andere Prüfmethoden ergeben die Versionsnummer 3.5). Einige Wörterbücher und Thesaurus-Dateien für fremde Sprachen sind auch lieferbar.
(Benutzen Sie die erste URL-Adresse von Netscape Navigator oder Internet Explorer aus, die zweite für einen FTP-Client wie Anarchie.)
<ftp://ftp.corel.com/pub/WordPerfect/WordPerfect/WPMac/Updates/>
<ftp://ftp.corel.com/e%3A/pub/WordPerfect/WordPerfect/WPMac/Updates/>
Unglücklicherweise kann der Updater nichts tun, wenn die installierte Version von Novell WordPerfect 3.5 nicht haargenau dem entspricht, was der Updater erwartet. Wenn Sie in diese Situation geraten, erhalten Sie eine Meldung, es sei eine "ungültige Datei für das Update ausgewählt" ["invalid file selected for updating"]. Laut dem technischen Kundendienst von WordPerfect kann dieser Fall auftreten, wenn vorher Programme wie die Norton Utilities gelaufen sind. Um das Problem zu lösen, empfiehlt der Support von WordPerfect, den gesamten WordPerfect-Ordner wegzuwerfen (natürlich ohne die benutzereigenen Dokumente zu löschen) und dann ein frisches Exemplar von WordPerfect 3.5 zu installieren. Dieses sollte dann vom Updater akzeptiert werden.
Das Update verbessert die Leistung und beseitigt eine Reihe von Fehlern. Um die volle Länge der Änderungen zu sehen, müssen Sie den Updater-Installer herunterladen und laufen lassen; es wird dann im Installer-Fenster eine Liste der Änderungen angezeigt. Neben der Behebung von Fehlern, die zu Abstürzen geführt haben, sind beseitigte Anzeigeproblemen mit den Linealen auf PCI-Power-Macs zu erwähnen, desgleichen gelöschte Tabs, die wieder aufgetaucht sind, Font-Menüs in den Einstellungen, die auf kleineren Bildschirmen nicht funktioniert haben und Schwierigkeiten beim Drucken von Umschlägen. Die neue Version verbessert auch die Darstellung von Tabellen und die Leistung überhaupt. Neue Optionen: HTML-Forms können erstellt, digitalisierte Images aus externen Quellen können in Text- oder Grafikboxen verwendet werden.
Corel liefert auch Corel WordPerfect 3.5 auf CD-ROM aus. Diese Version umfaßt neben WordPerfect auch MAsterJuggler Pro (siehe TidBITS-334), Netscape 2.02, Clip Art, Hintergrund-Texturen, Photographien und Sounds, 150 TrueType-Fonts sowie Rechschreibprüfungsmodule und Thesaurus-Dateien für Spanisch, Französisch und Deutsch. Die CD-ROM hat einen Listenpreis von 249 US$, Upgrades kosten 89 US$. Benutzer von Konkurrenzprodukten können ein Wettbewerbs-Update um 89 US$ beziehen. Es ist schön zu sehen, daß Corel die Version 3.5 auf CD-ROM mit so viel begleitender Software versieht, aber die Besitzer von Novell WordPerfect 3.5 sollten die CD um höchstens 25 US$ erwerben können.
<http://www.corel.com/wpmacnews/issues/jul96/co.htm>
<http://www.corel.com/new/1996/august/wordperfect.htm>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
In letzter Zeit ist mir ein Trend aufgefallen, den ich für bemerkenswert halte. Immer mehr Software-Produkte werden mit Datenbanken unter der Haube ausgeliefert. Zwei Web-Server, Web Server 4D und NetWings, bauen auf der 4th-Dimension-Datenbank von ACIUS auf. FireSite, gerade erste herausgekommen (siehe TidBITS-340), bedient sich einer speziell programmierten relationalen Datenbank; das Web-Tracking-Tool Bolero von EveryWare setzt die SQL-Datenbank Butler ein. Bevor Sie jetzt annehmen, das alles gelte nur für Web-Software - eine Datenbank ist auch die Grundlage des neuen Font-Verwaltungsprogramms FontReserve von DiamondSoft.
<http://www.mdg.com/>
<http://www.netwings.com/>
<http://www.clearway.com/>
<http://www.everyware.com/Bolero/>
<http://www.fontreserve.com/>
Was hat diesen Trend ausgelöst? Ich glaube, zwei Faktoren. Erstens bieten gute Datenbanken die Flexibilität und Leistung, die in der vorhandenen "Pseudo-Datenbank"-Funktionalität des Mac-Betriebssystems - insbesondere das HFS-File-System und der Resource-Manager - einfach nicht möglich sind. Zweitens (und damit in engem Zusammenhang) bringt der Datenbank-Ansatz zusätzliche Transparenz, die sonst mühsam von Hand hergestellt werden müßte. Zum Beispiel vereinfacht die Verwendung einer Datenbank bei einem Web-Server den Gebrauch von sich wiederholenden Elementen in einer Web-Site. In ähnlicher Weise ermöglicht die Art und Weise, wie sich FireSite auf die Datenbank im Hintergrund stützt, die Überwachung der Aufrufe einzelner Seiten und die Vorhersage der Dateien, die am besten zu replizieren sind.
Für diejenigen, die mit Datenbanken nicht so vertraut sind: es gibt zwei Grundkonzepte, die einfachere "flat file"-Form und die relationale Form. Eine Flat-File-Datenbank kann man sich wie einen Stapel von Karteikarten vorstellen, die alle dieselben Datenfelder enthalten. Dieser Typ ist brauchbar, wenn eine eins-zu-eins-Beziehung zwischen Daten vorliegt (etwa zwischen einem Personennamen und einer Telefonnummer). Im Gegensatz dazu gleicht die relationale Struktur mehreren Stapeln von Karteikarten. Jeder dieser Stapel kann ein oder mehrere verschiedene Informationsfelder enthalten und jeder kann in selektiver Weise in die anderen Stapel "hineinsehen", um auf gemeinsame Informationsbestände (wie einen Namen oder eine Telefonnummer) zuzugreifen. Dadurch kann Information nur einmal gespeichert sein. Eine relationale Datenbank bietet sich an, um Beziehungen der Form "eins-zu-viele" oder "viele-zu-viele" zu verwalten (zum Beispiel Schüler zu Klassen). Wenn Sie so wollen, können Sie eine relationale Datenbank als eine Anordnung mehrerer Flat-File-Datenbanken sehen, die sich Informationen teilen.
Es ist leicht einzusehen, wie eine Datenbank bei einer Reihe von Programmen hilfreich sein kann. ListSTAR etwa ist sehr flexibel, wenn es um die Verarbeitung von hereinkommender und hinausgehender E-Mail geht, aber das Produkt speichert Mailing-Listen als einfache, unsortierte Text-Dateien. Eine Adresse in einer großen Liste wie unserer DealBITS-Liste mit 7.000 oder mehr Personen zu finden dauert mehrere Minuten. Eine ähnliche Suche in einer guten Datenbank sollte fast ohne Verzögerung ein Ergebnis bringen. Das ist der eine Grund, daß wir mit einer selbsterstellten FileMaker-Pro-Datenbank unsere Mailing-Listen handhaben. Es gibt eine beträchtliche Überschneidung zwischen der TidBITS- und der DealBITS-Liste; es wäre also unsinnig, zwei separate Listen von Abonnenten zu führen, wenn eine relationale Datenbank den Vermerk, ob eine Person die TidBITS, die DealBITS oder beides bezieht, speichern kann. Auch alle zukünftigen Mailing-Listen werden von der Datenbank profitieren.
Ich habe Gerüchte von weiteren Programmen zur Verwaltung von Mailing-Listen auf Basis von Datenbanken gehört; je nachdem, wie gut diese Produkte die Datenbank-Funktionalität implementiert haben, könnten sie für ListSTAR ernsthafte Konkurrenz darstellen, wenn Quarterdeck nicht auch eine Datenbank an den Server angliedert.
Unter der Annahme, daß eine dahinterstehende Datenbank für viele Programm-Kategorien sinnvoll ist, kann ich mehrere Möglichkeiten sehen, wie sich ein Programm Datenbank-Technologie zunutze machen kann. Der Entwickler eines Programms könnte selbst eine Datenbank schreiben, was zweifellos viel Arbeit wäre, aber die beste Steuerung ermöglicht. Wesentlich effizienter ist es da schon, allgemein verwendbaren Datenbank-Code von einer anderen Firma zuzukaufen (ich glaube, daß es das schon gibt, aber ich weiß dazu keine Einzelheiten).
Vielleicht die interessanteste Variante, wie ein Produkt auf eine Datenbank zugreifen kann, ist der Weg über eine Datenbank auf Systemebene, die jeder Applikation zur Verfügung steht. Es hat in diese Richtung schon einige Anläufe gegeben, die allerdings alle noch nicht zu konkreten Ergebnissen geführt haben.
Ein faszinierendes Szenario: Irgend jemand, vielleicht Apple, erstellt eine Vielzweck-Datenbank auf Systemebene, die von jeder Applikation zum Speichern von Daten verwendet werden kann. Vielleicht ist das auch schon geschehen. Ich habe hier den Begriff "Datenbank" in seiner herkömmlichen Bedeutung verwendet; Apple hat eine Technologie namens V-Twin im Ärmel, die unglaublich schnelles Indexieren und Absuchen von Text erlaubt. V-Twin wird schon in Apple e.g. und zum Absuchen von E-Mail-Dateien in Cyberdog eingesetzt und es ist leicht vorstellbar, daß etwas Ähnliches wie V-Twin zu einer Allzweck-Datenbank auf Systemebene wedren könnte.
<http://cybertech.apple.com/Appleeg.html>
<http://cyberdog.apple.com/>
Obwohl es naheliegt, von Apple eine Definition der Aufgaben und Möglichkeiten einer solchen Datenbank zu erwarten, glaube ich, daß einige kleinere Entwickler sich zusammenschließen, einiges an allgemeiner Funktionalität festlegen und viel rascher als Apple etwas Brauchbares herausbringen könnten. Ich bin kein Datenbank-Experte, aber hier sind einige Anforderungen, die ich in diesem Zusammenhang für wesentlich halte:
Eins ist klar: All diese Ansprüche zu erfüllen erfodert ein sehr hohes Maß an Integration. Es gibt freilich schon eine von Apple eingeführte Technologie, die mit einigen dieser Intergrationsfragen zu tun hat - OpenDoc. Vielleicht bedeutet dies, daß eine systemnahe Datenbank am besten als eine Struktur, bestehend aus Live Objects (wie die Bestandteile von OpenDoc neuerdings heißen), zu realisieren ist, auf die dann alle mit großem Nutzen zugreifen können.
OpenDoc hin oder her - ich mache mir keine Illusionen, daß ein solches Projekt ein Spaziergang sein könnte. Es scheint mir aber sicher zu sein, daß diese Datenbank-Funktionalität zur Verfügung aller damit kooperierenden Programme letzten Endes zu stärkerer Software mit klarerer Benutzeroberfläche führen könnte. Ein Beispiel: Schon der erste Blick auf das BeOS (das auf den BeBox-Computern von Jean-Louis Gassee verwendet wird und in Zukunft vielleicht auch auf Power Macs laufen wird) ist sehr aufschlußreich - das Dateisystem von BeOS ist nämlich eine relationale Datenbank. Es kann benutzt werden, als sei es ein herkömmliches File System oder wahlweise auch wie eine Datenbank. Ein Objekt in dieser Datenbank muß keineswegs eine Datei sein; es muß sich auch nicht auf der lokalen Festplatte befinden. Es gibt allerdings keinen einfachen Weg, das Mac-Betriebssystem in diese Richtung zu erweitern und gleichzeitig die Rückwärts-Kompatibilität mit den vorhandenen Anwenderprogrammen beizubehalten. Die Tatsache, daß Gassees Firma ihr Dateisystem in dieser Weise konzipiert hat, spricht eine deutliche Sprache - die Frage ist: Wer hört ihr zu?
<http://www.be.com/aboutbe/pressreleases/96-08-06_BePower.html>
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Als auf der Macworld Expo im letzten Sommer eine Vorabversion von PageMill 1.0 erschien, wurde sie als die HTML-Software für jedermann gefeiert, als eine Software, mit der man in einer WYSIWYG-Umgebung arbeiten und Webseiten erstellen kann, ohne sich um die Komplexität und die starren Vorgaben von HTML kümmern zu müssen. Nachdem Adobe PageMill erworben und dann als Software herausgebracht hat, setzt die Firma damit den Standard für HTML-WYSIWYG-Software. Seitdem haben wir verschiedene PageMill-Nachahmer erlebt (gonet - jetzt golive Pro - von golive, Tapestry von Concept 1 und Netscapes Navigator Gold). Der letzte Neuzugang zur Kategorie "Ich möchte gern PageMill sein", der sich auf schon bestehende Programme stützt, ist Home Page von Claris, eine Lösung, die ihre Mitbewerber in mehrfacher Hinsicht (Vielfalt der Merkmale, leichte Beherrschbarkeit) aussticht.
Home Page 1.0 wird um 99 US$ sowohl für den Mac als auch für Windows angeboten. Bis zum 31.10.96 bietet Claris einen Nachlaß von 20 US$ für Besitzer von Konkurrenzprogrammen, wie z.B. Adobe PageMill. Um Home Page auf dem Mac einsetzen zu können, braucht man mindestens einen 68020-Prozessor, System 7.1 und 2,5 bis 5,5 MB verfügbares RAM (wenn Sie viel mit Grafiken arbeiten, dann sollten Sie mit der RAM-Zuteilung besonders großzügig sein. Bei zu wenig RAM arbeitet Home Page ohne die Grafikdarstellung.)
So geht es los -- Wie erstellt man mit Home Page eine Webseite? Sehen wir uns das einmal an. Wir beginnen in der Dialogbox "Documents Options", in der einmalige Einstellungen für jedes Dokument vorgenommen werden (Titel, Hintergrundfarbe und vieles andere mehr). Wenn Sie sich für einen besonders begnadeten Webmaster halten, dann werden Ihnen die esoterischen Möglichkeiten besonders gefallen, mit denen Sie den Kopfteil Ihrer Seite nach eigenen Vorstellungen gestalten können. Wenn Sie aber überhaupt keine Vorstellung davon haben, was man in diesem oberen Teil unterbringen könnte, dann wird Ihnen das Geheimnis mancher Option in dieser Dialogbox wahrscheinlich verborgen bleiben.
Nachdem die Dokument-Optionen festgelegt sind, wird es Zeit, den Text zu erstellen und zu formatieren. Wenn Sie viel mit dem Mac gearbeitet haben, dann werden Sie keine Schwierigkeiten mit den Gestaltungsmöglichkeiten des Toolbars und der Menüs haben, obwohl es mir besser gefallen hätte, wenn die Toolbar-Buttons etwas größer und nicht so dicht zusammengedrängt wären. Ich hätte auch gern mehr Tastenkürzel gesehen. Sie können aus Formaten wählen, die mit HTML 2.0 eingeführt wurden, es gibt aber auch neue Optionen aus HTML 3.2 wie Superscripts, Textgröße und -farbe. Leider werden die Tags <STRONG> und <EM> [beide dienen der allgemeinen Hervorhebung von Text; "strong" wird vom WWW-Browser meist fett dargestellt, "em" für "emphasize" i.d.R. als Kursive. --WJF] fast wie eine nachträgliche Idee in einem hierarchischen Menü angeboten. Der Gedanke, HTML als ein System zu sehen, mit dem der Anwender kontextbezogene Hinweise darauf erhält, wie ein Browser den Inhalt wiedergeben soll, wird ihm damit noch fremder gemacht. Er wird eher den Eindruck haben, daß ihm das System die Darstellung des Inhaltes diktiert.
Diese Diskrepanz zeigt sich auch darin, daß Home Page den Font Times (12 Punkt) als unveränderbaren Font vorgibt. Times 12 Punkt ist zwar der Standard für den Netscape Navigator, aber man findet inzwischen öfter andere Fonts, die die Webseiten noch besser lesbarer machen. Schade, daß Claris diese einfache Anpassungsmöglichkeit weggelassen hat.
Links lassen sich leicht und auf vielfältige Weise erstellen (innerhalb einer Seite, innerhalb der Site und auch innerhalb des Internet). Home Page speichert URLs, die zuletzt gelinkt wurden. Sie lassen sich aus einem Menü auswählen und müssen nicht nochmals eingetippt oder eingesetzt werden. Man kann links auch per Drag&Drop aus dem Internet Explorer oder aus Netscape Navigator-Seiten übernehmen.
Grafiken -- Grafiken lassen sich in Home Page so leicht einsetzen, wie man sie per Drag&Drop aus dem Finder herüberzieht. Man kann dies aber auch über einen Standard-File-Dialog bewerkstelligen. Home Page importiert GIFs, JPEGs und PICTs (die wiederum in GIFs konvertiert werden), dabei werden automatisch Höhen- und Breitentags erzeugt (damit die Online-Darstellung etwas freundlicher aussieht).
Wer keine eigenen Grafiken erstellen mag, kann sich der umfangreichen Clipart-Sammlung bedienen, die Home Page anbietet. Claris hat selbst eine annehmbare und nützliche Bildersammlung erstellt, Home Page bietet aber auch eine wunderbare Auswahl an Beispielclips aus der Little Men Studio Library. In beiden Fällen besteht das Angebot aus webbezogenen Grafiken: waagerechte Striche, Pfeile, Hintergrundmuster und ähnliches.
<http://members.aol.com/lmenstudio/index.html>
Eine importierte Grafik läßt sich in Ihrem Dokument nach Belieben plazieren. Mit Hilfe eines Objekteditors lassen sich einige Attribute der Images verändern oder die Images lassen sich komplett in Imagemaps konvertieren. Merkwürdigerweise befinden sich die Tools, mit denen man "interlaced"-Grafiken erstellen oder Farben in transparente Flächen ändern kann, im Imagemap-Editor.
Im Statistikfenster erhalten Sie einen Überblick über den Gesamtumfang Ihrer Grafiken, in dem Sie (für das gesamte Dokument und für beliebige Teilbereiche) die Größe aller Images erfahren und geschätzte Minimum-Downloadzeiten für 14.4- und für 28.8-Verbindungen ablesen können. In dieser Box finden Sie auch die Ergebnisse der Buchstaben-und Wortzählungen. Man kann davon ausgehen, daß die in den nächsten Wochen erhältlichen HTML-Programme alle diese Eigenschaften enthalten werden.
Tabellen leicht gemacht -- Das Tabellenerstellen ist mit Home Page ein Kinderspiel, man kann für die Dateneingabe mit dem Tabulator sogar von einem Feld zum nächsten gelangen. Anders als bei vielen anderen HTML-Editoren werden Sie wahrscheinlich keine Probleme mit seltsamen Neuzeichnungen oder mit schlechten Darstellungen am Bildschirm bekommen. Mit einer dunklen Umrandung zeigt Home Page die aktive Zelle an. Über Auswahlpunkte am Rand läßt sich die Zelle über mehr als eine Zeile bzw. Spalte vergrößern. Aber Vorsicht - durch die Vergrößerung der Zellen werden die Inhalte der überdeckten Zellen gelöscht. Jede Tabelle hat eine Eigenschaftsbox, die man auch zur Konfiguration nutzen kann. Eine Auswahl von mehreren Zellen gleichzeitig ist leider nicht möglich.
Text -- Hier können Sie die HTML-Fassung überprüfen, die Home Page erstellt hat oder Sie können sich selbst betätigen. Die Textansicht erhalten Sie durch einen Mausklick - ein kurzer Weg zu einem wenig überzeugenden Anblick. Man hat den Eindruck, daß die Erfinder von Home Page den Anspruch der WYSIWYG-HTML-Programme dadurch unterstreichen wollten, daß sie den Texteditor so unhandlich gestaltet haben. Farbige Tags und Text-Wrapping sind nicht vorgesehen. Dann passiert folgendes: Wenn Ihre Texteingabe den rechten Rand erreicht, dann verschwindet er und setzt sich eine ganze Zeit im unsichtbaren Bereich fort. Außerdem funktioniert keines der Formatierungskommandos in der Textansicht, Tags müssen also manuell eingegeben werden.
Ein Pluspunkt ist, daß der Text-Editor HTML so schön einrückt, daß man - besonders bei Tabellentexten - die Struktur erkennen kann. Änderungen im Text-Editor erscheinen in der WYSIWYG-Sicht, wenn Home Page diese Änderungen verstanden hat. Fehlinterpretierte Tags werden bei dieser Darstellung in rot gezeigt.
Frames -- Wenn man eine Anzahl von Seiten erstellt hat, dann möchte man sie vielleicht so anordnen, daß sie in einem frameartigen Interface angesehen werden können. Wenn das Ihre Absicht ist, dann haben Sie hoffentlich gründlich über Ihr Design nachgedacht: manche frame-basierten Internet-Sites sehen nämlich sehr beeindruckend aus, sind aber in puncto Funktionalität nicht viel wert.
Um Frames mit Home Page einzurichten, erstellen Sie zunächst eine Frame-Leitseite (auch Frame-Dokument genannt), auf der Sie festlegen, wieviele Frames die Seite enthalten soll und wie sie angeordnet werden. Die Leitseite zeigt diese Frames, die Sekundärseiten innerhalb dieser Frames jedoch nicht. In einem Frame können sein Name und die URL-Adresse der Ursprungsseite angegeben werden. Eine Voransicht der Leitseite ist mit Hilfe eines Browsers möglich, ein einfacher Klick auf den Vorschau-Button reicht dafür. Diese Voransicht kann allerdings zu Problemen führen - ich mußte meine verschiedenen Home-Page-Dateien mit Frames immer sorgfältig speichern und neu in den Browser laden, was normalerweise nicht nötig ist. Wenn Sie sich mit dem Frames-spezifischen HTML-Code nicht auskennen, dann wird Sie diese Eigenschaft wahrscheinlich ziemlich frustrieren.
Forms -- Mit Hilfe von Formularen kann man Websurfer nach Namen, Meinung, T-Shirt-Größe oder sonstwas befragen. Home Page gibt Ihnen die Möglichkeit, Formularelemente einzufügen und die äußere Form dieser Formulare zu beeinflussen. Ein CGI für die Verarbeitung oder zum Sammeln dieser Informationen auf Ihrem Webserver können Sie damit aber nicht erstellen. Wenn Sie versuchen, Namen, Werte und Attribute für die Formulargestaltung einzuführen, dann reagiert das WYSIWYG-Interface von Home Page zunehmend merkwürdig. Im großen und ganzen sind die Home Page Formulare ganz in Ordnung, aber sie sind auch nichts wirklich besonderes. Man ist auf ein Formular pro Seite beschränkt.
Letzte Arbeiten -- Wenn Sie sich an das Theater mit dem HTML aus PageMill 1.0 erinnern, dann werden Sie sich vielleicht fragen, ob Home Page akzeptables HTML liefert. Bei meinen Tests hatte ich von dem HTML-Code, den Home Page erzeugt, einen guten Eindruck, von irgendwelchen schwerwiegenden Problemen ist mir nichts bekannt. Man kann selbst bestimmen, ob Home Page einen "Center"-Tag oder ein "Align=Center"-Attribut benutzt. Sie können auch festlegen, ob Home Page die abschließenden </P>-Tags selbst einfügt. Das Programm interpretiert eine Zeilenschaltung als Absatzende und eine Option-Zeilenschaltung als Ende einer Zeile. Ein leerer Absatz wird mit Hilfe einer geschützten Leertaste erreicht, die innerhalb von Absatz-Tags steht.
Nachdem Sie sich jetzt mit dem HTML-Produkt beschäftigt haben, ist es Zeit, die Seite mit all den dazugehörenden Files auf Ihren Webserver zu laden. Sie werden schn@ell feststellen, daß Home Page Ihnen dabei keinerlei Hilfestellung bietet, es sei denn, Sie kennen den geheimen Zugang. Es ist fast so wie auf einem Flugplatz, wenn Sie mit Ticket und Gepäck ankommen, dann aber erfahren müssen, daß Sie zum Auffinden Ihres Flugzeuges einen speziellen Entschlüsselungsring tragen müssen.
Wenn Sie Option drücken und dabei in das Home Page Ablage Menü sehen, dann finden Sie ein hierarchisches Remote-Menü, mit dem Sie Files auf entfernten FTP-Servern öffnen und sichern können. Was soll diese Geheimniskrämerei? Nach Auskunft von Marianne vom Claris Technik-Support (die sich bei den Themen Web-Bearbeitung und Home Page als sehr kenntnisreich erwies), ist diese Eigenschaft nicht dokumentiert und sie wird aus zwei Gründen nicht unterstützt: zum einen ist sie in der Windows-Version überhaupt nicht enthalten und zum anderen würde sie in der Macintosh-Version "manchmal einfach nicht funktionieren". Wenn dieses Merkmal nicht funktionieren, dann werden Sie es wahrscheinlich daran merken, daß Sie keine Verbindung erhalten. Marianne versicherte, daß der Mac deshalb nicht zusammenbrechen wird, und daß Ihre Dokumente keinen Schaden erleiden werden.
Wenn Sie selbst keine Webseite betreiben, dann bietet Home Page eine 3-6 Monate lange Schnupperperiode, innerhalb derer Sie Holonet als Webservice benutzen können. Danach können Sie sich leicht registrieren lassen, wenn es Ihnen gelingt herauszufinden, welche der namenlosen Nummern auf dem Prospekt Ihre Coupon-Nummer darstellen.
Spezialtips -- Wer Templates, Makros und Möglichkeiten sucht, wie man mal eben esoterischen HTML-Code einfügt, der wird in der Library von Home Page fündig. In einem Library-File kann man Textbestandteile oder Grafiken speichern, die man innerhalb der Library mit allen Hilfsmitteln bearbeiten kann, die Home Page anbietet. Jeder Bestandteil der Library kann in ein Home-Page-Dokument übertragen werden; Tastaturabkürzungen stehen dafür nicht zur Verfügung. Es gibt auch keine schnelle Möglichkeit, HTML-Tags nachzutragen, die Home Page noch nicht kennt.
Die Clipart-Sammlung von Home Page steht in einer ganzen Reihe von Libraries zur Verfügung. Man kann Clipart aus der Library auf eine Seite ziehen, die entsprechenden Links funktionieren aber nur, wenn der Rechner, auf dem Sie arbeiten, zugleich auch der Server ist.
Zum Abschluß -- Wer Adams Artikel in TidBITS-340 von letzter Woche gelesen hat ("Gedränge im Internet") wird sich vielleicht an seine Nörgelei darüber erinnern, daß es bei vielen Internet-Softwareprodukten keine überzeugende Vorstellung davon zu geben scheint, welches Problem eigentlich gelöst werden soll. Im tiefsten Inneren hat Home Page aber eine Vision, und es löst auch ein Problem - es stellt einen nützlichen WYSIWYG-Editor zur Verfügung, mit dem Anfänger und fortgeschrittene Anwender etwas anfangen können. Alles weitere ist bei Home Page eher diffus und unbestimmt.
Wenn Home Page Anfängern dabei helfen soll, problemlos Webseiten zu erstellen, warum hilft es dann nicht durch korrektes Funktionieren relativer Links und warum gibt es kein detaillierteres Handbuch? Und warum hat man die schwierigeren Eigenschaften wie Frames und Formular-Interfaces nicht weiter in den Hintergrund gestellt, damit man das Programm wie eine Zwiebel erkunden kann, die unter jeder Schicht neue Herausforderungen bringt?
Auf der anderen Seite - wenn Home Page ein so tolles Tool ist, mit dem Experten Layouts und Prototypen erstellen können, warum kann man die einzelnen Elemente nicht schneller mit Tastaturkürzeln aufrufen? Warum ist der eingebaute Texteditor so häßlich? Wo sind die Möglichkeiten zum mehrfachen Rückgängigmachen und zum Finden/Ersetzen in mehreren Files? Anstatt eine überzeugende Vision dafür zu bieten, was ein HTML-Authoring-Tool von Claris leisten könnte, wurde ein Mischmasch durchaus nützlicher, insgesamt aber wenig zusammenhängender Eigenschaften erstellt. In Anbetracht des katastrophalen HTML-Konverters von Claris Works (siehe TidBITS-295) und angesichts der Tatsache, daß Claris mit dem Kauf eines fremden HTML-Programmes bis zum letzten Frühjahr gewartet hat, ist das aber - alles in allem gesehen - keine große Überraschung. Wenn ich mir Home Page so ansehe, dann frage ich mich, wieviele Leute bei Claris eigentlich eine eigene Webseite haben.
Ich nehme an, daß viele Leute gern mit Home Page arbeiten werden, der Preis von 99 US$ ist sicherlich gerechtfertigt. Neulinge werden mit Home Page wahrscheinlich frustrierende Erfahrungen machen, wenn sie keinen freundlichen HTML-Guru in der Nähe haben, der ihnen hilft. Ich hoffe, daß Claris mit Home Page 2.0 mehr Innovation und Führerschaft zeigen wird.
Wer über Home Page "chatten" möchte, sollte sich der offiziellen Talkrunde für Home Page anschließen:
<http://www.blueworld.com/lists/homepage/>
Home Page ist bei Claris mit einer eigenen Homepage vertreten, darauf läßt sich aber nicht mehr finden, als ich hier bereits detailliert beschrieben habe. Es steht auch ein zentraler Support für Home Page zur Verfügung, der für Sie vielleicht interessant ist.
<http://www.claris.com/products/clarispage/clarispage.html>
<http://www.claris.com/support/clarishomepage/>
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Tobias Engler [TE], Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].
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