Die TidBITS gehen diesmal einigen wichtigen Fragen auf den Grund: Gibt es für Apple und Be eine gemeinsame Zukunft, wie wird sich die zunehmende Komplexität im Betrieb eines Mac in Hinkunft auf den Benutzer eines Computers auswirken? Adam trägt eine Besprechung von Web Ninja bei, Tonya schreibt über die sechste Auflage der Macintosh Bible, und dann finden Sie noch Neues zu Internet Config 1.3, Netscape Navigator for Cyberdog, OpenDoc 1.1 und zu diversen persönlichen Web-Servern.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#343/02-Sep-96.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-343.html>
Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
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Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
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Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-343.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-343.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-343.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
In den Vereinigten Staaten haben wir Labor Day (den die meisten Leute begehen, indem sie nicht arbeiten) und ich hoffe, alle erholen sich gut. Wir sind damit beschäftigt, Teile unseres Hauses, die vom Sturm beschädigt worden sind, frisch zu streichen sowie die DealBITS und die TidBITS herauszubringen. Zum Stichwort TidBITS: Der Versand der Ausgabe von voriger Woche hat gut geklappt und wir überarbeiten unsere Konfiguration weiter. Beachten Sie bitte, daß wir bei der Rice University (LISTSERV) die TidBITS-Liste aus dem Verkehr gezogen haben; daher erhält jeder, der noch nach der alten Methode dort zu subskribieren versucht, eine Fehlermeldung. Bitte helfen Sie mit, folgendes bekanntzumachen: Der geeignete Weg, die TidBITS zu subskribieren, ist eine E-Mail-Message an folgende Adresse zu senden: <tidbits-on@tidbits.com>. [ACE]
Neu: Internet Config 1.3 -- Peter Lewis und Quinn haben die Version 1.3 von Internet Config veröffentlicht, ihrem Konfigurationssystem für das Internet (Public Domain, kostenlos). Das Produkt faßt die Einstellungsparameter etlicher Internet-Programme zusammen, z.B. die E-Mail-Adresse und den bevorzugten Web-Browser. Neben der Behebung einiger Fehler sind Fenster für das World Wide Web hinzugekommen, in denen Sie Ihre Home-Page und Ihre bevorzugte Hintergrundfarbe festlegen können und solche für Firewalls, wo alle möglichen Firewall- und Proxy-Einstellungen vorgenommen werden können. Es ist auf jeden Fall zu empfehlen, die Version 1.3 zu haben, aber die Benutzer der Version 1.2 müssen auf keine wirklich wichtige neue Funktionalität verzichten. In einigen Tagen wird die Version 1.3 auf den Servern von Info-Mac liegen - bis dahin ist es an untenstehender Adresse zu haben. [ACE]
<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/select/internet-config.hqx>
Netscape Navigator für Cyberdog -- Nach einigem Brodeln in der Gerüchteküche haben Apple und Netscape letzte Woche gemeinsam angekündigt, daß Netscape plant, eine neue Version von Netscape Navigator zu entwickeln, die Cyberdog und OpenDoc unterstützt und die von Apple als der voreingestellte Web-Browser für Cyberdog - als Teil des Mac-Betriebssystems! - ausgeliefert werden wird. Netscape hat zwar keine Angaben zum Erscheinen des Produkts gemacht, aber ich erwarte es nicht vor dem zweiten Quartal 1997. Die Meinungen in der Fachwelt zu der Ankündigung sind geteilt: Einige sehen sie als einen weiteren Versuch von Netscape, einen Brückenkopf gegen die Internet-Attacken Microsofts zu errichten; andere begrüßen das Konzept eines hochentwickelten Web-Browsers auf OpenDoc-Basis. Wieder andere sind freilich enttäuscht darüber, daß Apple es nicht geschafft hat, die Mac-Benutzer mit einer selbstentwickelten Browser-Alternative zwischen der Skylla Netscape Navigator und der Charybdis Microsoft Internet Explorer hindurchzulotsen. [GD]
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1996/q4/960827.pr.rel.netscape.html>
OpenDoc 1.1 ist da -- Vor kurzem hat Apple die endgültige Version von OpenDoc 1.1 frei zugänglich gemacht. Wenn Sie kein Entwickler sind und auch nicht zu den Unerschrockenen gehören, die ihr User-Dasein jetzt schon auf OpenDoc-Elementen (neuerdings "Live Objects" genannt) aufbauen, bringt Ihnen die Version 1.1 vor allem die Bereinigung von Fehlern und die Möglichkeit, Cyberdog 1.1b3 (ebenfalls gratis von Apple zu erhalten) zu betreiben. OpenDoc ist beim Herunterladen etwa 3 MB groß. Beachten Sie bitte, daß es für einige ältere Mac-Modelle eine spezielle Variante gibt (Details dazu sind auf der Web-Seite zu finden). [GD]
<http://opendoc.apple.com/users/getod.html>
<http://www.cyberdog.apple.com/beta/index.html>
Säbelrasseln um Personal-Server-Software -- Der Kampf um den Markt für Personal-WebServer wird härter. Zu ResNovas Web for One und zu den Gerüchten, daß Apple auf Basis von Maxums RushHour einen Web-Server gleich in das Mac-Betriebssystem einbauen wolle, kommt nun eine Betaversion von Personal WebSTAR, die auf der weitverbreiteten WebSTAR-Server-Software von Quarterdeck beruht. Personal WebSTAR hat eingeschränkte Administrations- und Logging-Funktionen, bietet aber andererseits einfache Konfiguration über das "Users and Groups"-Kontrollfeld von System 7 und unterstützt die Verwendung von serverseitigen WebSTAR-Plug-Ins. Personal WebSTAR läßt aber keine CGI-Applikationen zu und kann nur zwei Benutzer gleichzeitig bedienen. Wenn Sie Interesse haben - Quarterdeck empfiehlt, daß Beta-Tester die Beta-Diskussionsliste zu Personal WebSTAR subskribieren.
<ftp://ftp.starnine.com/pub/betas/pws_beta1.5.sea.hqx>
<http://www.starnine.com/address-list-editor.html>
Wenn Sie auf der Suche nach einer kostenlosen Alternative zu den kommerziellen Mac-Web-Servern sind, schauen Sie sich doch ein Programm namens WebCenter von Chris Hawk an. WebCenter ist derzeit zwar noch im Alpha-Stadium, hat aber schon jetzt einige gute Zensuren von Mac-Webmastern erhalten. Vor kurzem mußte die Unterstützung von WebSTAR-Plug-Ins (zumindestens vorübergehend) herausgenommen werden, nachdem Quarterdeck für diese Technologie den Schutz als geistiges Eigentum beansprucht hatte. [GD]
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Ausgelöst durch einen Bericht im Wall Street Journal gehen Gerüchte durch den Macintosh-Wald, Apple stünde in Verhandlungen mit Be, Inc. und plane, das Mac-System 8 durch BeOS, das Betriebssystem von Be, zu ersetzen.
Be, Inc., unter Führung des früheren Apple-Managers Jean-Louis Gassee, hat im Oktober 1995 den BeBox-Computer auf Basis des PowerPC-Prozessors auf den Markt gebracht. Eine der Attraktionen der BeBox ist ihr Betriebssystem, das voll an den PowerPC angepaßt, multithreading- und multiprozessorfähig ist (siehe TidBITS-298). Anläßlich der Macworld Expo in Boston im August diese Jahres hat Be eine Version des Be-Systems für Power Macintosh gezeigt, die auf Hardware von Power Computing lief.
<http://www.be.com/>
<http://www.be.com/aboutbe/pressreleases/96-08-06_BePower.html>
Wie üblich haben Sprecher beider Firmen in Abrede gestellt, daß Apple ein Angebot irgend einer Art gemacht habe - aber dennoch: Die Spekulationen florieren, ob Apple das oftmals verzögerte Mac System 8 durch ein Betriebssystem zu ersetzen gedenkt, das auf dem BeOS aufbaut. Unter anderem hätte ein solches Betriebssystem folgende Vorteile: Optimierung für den PowerPC-Prozessor, Multithreading- und Multiprozessor-Fähigkeit sowie echtes Multitasking ["preemptive multitasking", bei dem die einzelnen Anwendungen voreinander geschützt laufen wie in der Unix-Umgebung. --WJF]. All diese erstrebenswerten Eigenschaften müssen als technische Hürden angesehen werden, die zu den Verzögerungen beim Mac System 8 beigetragen haben. Ein System auf Basis von BeOS hätte zudem eine Datenbank auf Systemebene; der Datenfluß zwischen den Anwenderprogrammen kann mit hoher Übertragungsrate erfolgen und die Programmierschnittstelle wäre klar und übersichtlich, ohne den Ballast eines Jahrzehnts, in dem sich überkommener Programmcode, notdürftige Patches und zahlreiche kleine Updates angesammelt haben.
Ich habe natürlich keinerlei Insider-Informationen darüber, was zwischen Apple und Be vor sich geht, aber es ist unwahrscheinlich, daß Apple das BeOS als eine Art technologischer Behelfslösung auf dem Weg zu Copland sieht. Entgegen einer weitverbreiteten Ansicht wäre eine solche Aufgabenstellung alles andere als einfach - es wäre sicher nicht damit getan, eine Mac-Oberfläche auf das Be-System zu klatschen, einen "Made in Cupertino"-Aufkleber auf die Packung zu kleben und das Ganze dann "Mac OS 8" zu nennen.
Zuerst ist zu bedenken, daß BeOS nicht konzipiert wurde, irgendeine schon existierende Anwendersoftware, sei es solche für den Mac, für Windows oder für Unix, laufen zu lassen. Das heißt, jede Mac-Applikation müßte neu geschrieben werden, um "native" auf einem BeOS-basierten Betriebssystem zu funktionieren. Es gibt technische Möglichkeiten, wie etwa eine "virtuelle System-7.5-Maschine" für das BeOS zu bauen, die die gegenwärtigen Mac-Anwendungen (und System-Software) in Emulation laufen lassen könnte. Solche Optionen für das BeOS sind freilich nicht erprobt, technisch anspruchsvoll und in der Laufleistung unbefreidigend. Da erscheint es noch als der einfachere Weg, das Apple-eigene Mac OS 8 fertigzustellen (das immerhin schon ein Jahr Design- und Programmieranstrengungen repräsentiert). Beim Übergang auf die PowerPC-PLattform hat Apple deutlich gemacht, wie wichtig die Frage der Abwärtskompatibilität in der Mac-Umgebung ist. Apple hat ja bekanntlich das Mac OS 8 unter dem Gesichtspunkt der Abwärtskompatibilität entworfen; beim Design von BeOS hat dieser Aspekt hingegen erklärtermaßen überhaupt keine Rolle gespielt.
(Entwickler werden anmerken, daß Apples Mac OS 8 in seiner endgültigen Fassung ebenfalls nach Applikationen verlangen wird, die in wesentlichen Teilen neu geschrieben worden sind, damit diese die neuen Möglichkeiten und Dienste des Systems in Anspruch nehmen können. Bis zu diesem Zeitpunkt werden bestehende Anwendungen in einer "blue box" laufen, die ihnen eine "gewohnte" Umgebung in der Art von System 7.x anbietet.)
Punkt zwei: Es ist auch bedeutsam darauf hinzuweisen, daß Be sein System immer noch entwickelt. Das Produkt hat noch nicht die Jahre der praktischen Erprobung hinter sich gebracht, die sehr zur Weiterentwicklung der etablierten Systeme (Windows, OS/2, Mac OS, die verschiedenen Unixe) beigetragen haben. Es kann durchaus sein - es ist sogar sicher -, daß das Be-System einige technologische Haken enthält. Weil das System weniger Rücksichten auf ältere Software nehmen muß, sollten diese Mängel leichter zu beheben sein, aber es wäre unklug von Apple, sich, die Entwickler oder die Kunden zu Versuchskaninchen für das Ausbügeln unerwarteter Probleme im BeOS zu machen.
All dies bedeutet nicht, daß Apple kein Interesse am Erfolg der Firma Be und des BeOS hat. Von Anfang an hat Be klargemacht, daß das Betriebssystem auch auf andere Plattformen portiert werden soll - diese Absichten beziehen sich zur Zeit auf PCI-Power-Macs mit den Prozessoren PowerPC 603 und 604. In Zukunft sollen auch Maschinen der PowerPC-Plattform (PPCP) von Apple, IBM und anderen Herstellern als Hardware dienen können. Wie bei den Bemühungen Apples um MkLinux ist es keine Frage, daß Apple auch davon profitieren könnte, wenn BeOS eine realistische Betriebssystem-Option für die Macintosh-Benutzer wäre - im besonderen auf den Gebieten Video, Audio und anderen mit hohen Anforderungen an die Bandbreite, die von Verzögerungen beim Mac OS 8 besonders in Mitleidenschaft gezogen sind. Wenn Entwickler mit starken, konkurrenzlosen Anwendungen für das BeOS auf den Markt kommen, steigt die Bedeutung noch weiter. Es liegt auch auf der Hand, daß es zum Vorteil von Be wäre, wenn die Power Macs der oberen Leistungsstufe (und die den PPCP-Richtlinien entsprechenden kommenden Geräte) von Apple, Power Computing und (demnächst) Motorola mit dem BeOS ausgeliefert würden.
<http://www.mklinux.apple.com/>
Mit anderen Worten, Be kann also durchaus auch von Apple-Technologien profitieren: QuickTime wäre eine großartige Erweiterung für das BeOS; Be würde auch zweifellos gerne eine Vereinbarung mit Apple betreffend die Entwicklung eines Macintosh Application Environment (MAE) für Be schließen, wodurch viele Macintosh-Anwendungen auf dem BeOS laufen könnten.
Ich bin also nicht überrascht zu hören, daß Be und Apple miteinander Zeit verbringen; die Gerüchte, Apple betrachte das BeOS als schlüsselfertigen Ersatz für das Mac OS 8, sollten aber nicht für bare Münze genommen werden. Die beiden Firmen haben bedeutsamere Dinge miteinander zu besprechen.
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Peachpit Press hat die sechste Auflage der Macintosh Bible (ISBN 0-201-88636-7) publiziert - auch diese Version setzt die zehnjährige Tradition des Buches fort, ein freundlicher Führer durch das Mac-Universum zu sein. Die neue Ausgabe ist von Jeremy Judson zusammen mit einer Gruppe von erfahrenen Mac-Autoren bearbeitet worden und bringt ein neues Kapitel über das Büro zu Hause (auf Mac-Basis, klar) und einen Abschnitt über das Internet mit Hinweisen auf Zugänge, Grundlagen der Web-Gestaltung und exzellente Empfehlungen, mit welchen Applikationen Sie im Internet am besten aufgehoben sind.
<http://www.peachpit.com/peachpit/titles/catalog/88636.html>
Die fünfte Auflage, über die ich in TidBITS-269 geschrieben habe, war enttäuschend. Das Layout war unübersichtlich, der Text etwas unscharf im Druck, die Inhalte in Hinblick auf Internet-Themen entschieden unvollständig. In der vorliegenden Version ist das Layout nicht sehr viel anders ausgefallen; einige Änderungen an kritischen Stellen - eine neue Schrift, ein neues Symbol für heiße Tips - haben die Optik verbessert. Der Text dieser sechsten Auflage fühlt sich nicht mehr "dünn" an und ist mit mehr Ausdruck geschrieben. Weitere persönliche Nähe zu den Autoren vermitteln die Unterschriften am Ende der Biographie jedes Mitarbeiters und gelegentliche Passagen, die die private Meinung eines der Autoren zu Fragen wie "Was sind ihre Lieblingsspiele?" oder "Was macht den Mac zum Mac?" darlegen.
Die Macintosh Bible setzt ihre Tradition fort, den Lesern Informationen in einem leicht respektlosen Ton zu übermitteln. Ein Beispiel: Der Abschnitt über WordPerfect teilt mit, WordPerfect sei "subtiler Techno-Jazz verglichen mit dem Barock, das Microsoft Word Ihnen ins Gesicht wirft". Eine andere Passage lautet: "Lassen Sie es mich gerade heraus sagen: Es gibt zur Zeit nirgends eine gute Grammatik-Korrekturfunktion".
Die Macintosh Bible kann, wie schon seit eh und je, als exzellentes allgemeines Nachschlagewerk herangezogen werden und scheint mir besonders für drei Gruppen von Personen nützlich zu sein:
Ich kann schon jetzt voraussehen, daß auch die sechste Auflage der Macintosh Bible ein Bestseller werden wird - nicht nur wegen des Rufs, den das Werk genießt, sondern auch wegen seiner Verdienste. Der Listenpreis beträgt 29,95 US$.
Peachpit -- 510/548-5991 (fax)
<tell@peachpit.com>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Nein, es geht hier nicht um so einen kleinen, miesen Karate-Film. Web Ninja ist ein kleines Hilfsprogramm von Bill Tudor, das exklusiv von MacUser vertrieben wurde, was soviel heißt wie: es kostet nichts und kann nur über die MacUser-Website bezogen werden.
<http://www.hotfiles.com/swbrowse/MC14/4/2/mac-MC14422.html>
Ich kenne so ziemlich alle Bookmark-Manager, die über das Netz zugänglich sind (s. auch die vierteilige Serie zu diesem Thema, die in TidBITS-323 anfing). Web Ninja bietet zwar die gleiche Art Funktionalität, genaugenommen handelt es sich hier aber nicht um einen Bookmark-Manager. Es "folgt" Ihnen gewissermaßen im Hintergrund auf Ihrem Surftrip (wir unterstellen dabei, daß Sie Netscape Navigator, Microsoft Internet Explorer oder Spyglass Mosaic benutzen) und zeichnet auf, wo Sie sich aufgehalten haben. Auch dies ist noch keine völlig neue Eigenschaft, eine Reihe anderer Bookmark-Manager bieten diese Aufzeichnungsmöglichkeit auch.
Web Ninja ist eben etwas anders. Zunächst einmal stellt es keinerlei Anforderungen an den Nutzer. Sie schieben eine nichtssagende Systemerweiterung in den entsprechenden Folder des Systems - das ist alles. Es muß weder etwas angestellt noch irgendeine besondere Applikation gestartet werden, damit das Wunderwerk beginnen kann. Sie müssen sich auch keine Gedanken darum machen, was überhaupt aufgezeichnet werden soll. Das Programm schreibt jeden Web- und FTP-URL mit, den Sie mit Ihrem Browser aufsuchen. Wenn Sie mehr als ein Browserfenster gleichzeitig geöffnet haben, dann werden die URLs in jedem Fenster erfaßt. Sollten Sie aber - wie ich manchmal - mehrere verschiedene Browser zur selben Zeit benutzen, dann werden diese URLs nicht erfaßt. Beim mehrfachen Besuch einer bestimmten URL-Adresse setzt Web Ninja einen Zähler hoch, anstatt den gesamten URL von neuem aufzuzeichnen.
Das ist der Datensammlungs-Teil von Web Ninja, den das Programm für mich gut erledigt hat. Als nächstes folgt der Teil, mit dem man auf die URL-Sammlung zugreifen kann. Die Liste enthält alle URLs, die Sie besucht haben, und bietet Ihnen die Möglichkeit, beliebige Sortierungen durchzuführen (nach URL, Anzahl der Besuche, Datum des letzten Besuches oder nach der Zeit, die Sie auf einer Site verbracht haben). Ein Doppelklick auf einen URL (oder das Verschieben eines solchen in das Browser-Fenster) leitet ihn an Ihren Lieblingsbrowser weiter und öffnet diesen. Mir gefällt die Sortierung nach der Anzahl der Besuche besonders, auch wenn mir diese Statistik eigentlich nur bestätigt, daß ich meist Alta Vista, meine eigene Home Page und die Sites sehe, über die ich in meinen Artikeln schreibe - als ob ich das nicht selbst wüßte. Die meisten Webseiten sehe ich einmal und dann nie wieder. Ähnlich ist es mit den Daten der letzten Besuche und der Zeit, die ich dort verbracht habe. Das bringt mir nicht sehr viel, weil ich meinen Mac selten abschalte und den Web-Browser meist durchlaufen lasse. Das heißt dann für Web Ninja, daß ich Stunden auf irgendwelchen Webseiten verbracht habe, wobei der Monitor sich in Wirklichkeit abgeschaltet hat und der Mac und ich uns ein Päuschen gegönnt haben.
Die URL-Liste können Sie auch als HTML-File oder als mit Tabulatoren gegliederte Liste exportieren, wenn Ihnen das sinnvoll erscheint. Eine neue Eigenschaft in der Version 1.0.4 von Web Ninja betrifft die Logdatei, die Sie jetzt löschen können. Allerdings kann ich mir keinen Grund dafür vorstellen, warum das jemand tun sollte, da dieser Logfile mit wachsendem Umfang ja an Wert gewinnt.
Interessanter ist, daß man URLs aus einer Web-Ninja-Liste in ein Download-Fenster ziehen kann. Wenn man dann den Download aktiviert, unternimmt Web Ninja eine vorgegebene Anzahl von Versuchen, diese Aufgabe zu erledigen. Web Ninja unterstützt Web- und FTP-URLs, eine gute Möglichkeit also, auf stark nachgefragte Seiten zu kommen. Dabei werden allerdings keine Grafiken, sondern nur die HTML-Bestandteile einer Seite geladen, keine Konkurrenz also für Programme wie WebWhacker (von Forefront Group), die ganze Webseiten, komplett mit Grafiken und festen Links, herunterladen können.
<http://www.ffg.com/whacker.html>
Das sind alles ganz nette Merkmale, ein echter Knaller bei Web Ninja ist aber das "Filter"-Feld. Tippen Sie einige Buchstaben in das Feld ein und Web Ninja präsentiert Ihnen innerhalb kurzer Zeit eine Liste all der URLs, die diese Buchstabenkombination enthalten. Wie war noch der URL von Apples Internet Mail Server? Geben Sie "aims" in den Filter ein. Wenn das nicht ausreicht, dann erweitern Sie die Eingabe etwas, z.B. mit "apple.com". Jetzt finden Sie alle Appleseiten, die Sie bislang besucht haben. Präzise Angaben sind nicht notwendig - es reichen einige Buchstaben aus dem gesuchten URL. Ich habe vor kurzem zum Thema "Verzeichnis-Dienste" recherchiert und in diesem Zusammenhang eine Seite mit Ph-Servern besucht. Diese Seite wollte ich wiederfinden. Ich habe also "Ph" in den Filter eingegeben und bekam als Ergebnis sämtliche URLs mit einem Wort darin, das mit "Ph" begann (z.B. "www.phillynews.com"). Das waren immer noch so viele Treffer (Web Ninja gibt die Zahl der gefundenen URLs an; in meinem "Ph"-Beispiel waren es 26), daß ich den gesuchten URL auf den ersten Blick nicht finden konnte.
Ich bin in der letzten Zeit aufs Geratewohl im Netz herumgesurft, um die Web-Ninja-Liste auf diese Weise mit URLs zu füttern. Ich könnte natürlich mit Alta Vista suchen; die Suche direkt auf dem Mac ist aber schneller, besonders wenn ich eine Seite schon kenne und nur noch ihren URL suche. Irgendwann ist es natürlich so weit, daß am Ende des Logfiles die ersten URLs wieder verschwinden. Da ich aber in den drei Wochen der Versuchsperiode "nur" etwa 1100 URLs gesammelt habe (Web Ninja kann 4096 URLs auf einmal speichern), gehe ich davon aus, daß diese Art, potentiell interessante URLs mitzuschreiben, ganz gut funktioniert.
Ein Tip: Auf meinem 660AV ist Web Ninjas Antwortzeit deutlich länger, wenn man die Liste nach URLs sortieren läßt, als wenn man eine andere Spalte zum Sortieren wählt, wie z.B. die Anzahl der Besuche. Also erst den Filter anwenden und dann - wenn gewünscht - nach URLs sortieren.
Ich habe in letzter Zeit oft darüber nachgedacht, woran gute Software zu erkennen ist. Ich finde, daß Web Ninja nahe an dieses Ideal herankommt. Erstens ist das Produkt kinderleicht zu bedienen. Die Dokumentation wird zwar mitgeliefert, aber Sie können auch durch einfaches Beobachten der Menüs und Fenster ganz leicht verstehen, was passiert. Zweitens löst es ein bestimmtes Problem (nochmal zu einer Seite zurückgehen, die man früher mal besucht hat) auf elegante Weise. Für mich ist das eigentlich der ausschlaggebende Punkt. Ich kann einfach nicht vorhersagen, wann eine Seite notiert werden soll, aber ich weiß, daß Web Ninja die letzten 4096 URLs unter Kontrolle hat, die ich aufgesucht habe. Auf dieser Liste wird wahrscheinlich alles zu finden sein, was ich brauche. Drittens arbeitet Web Ninja völlig selbständig, ohne daß ich mich darum kümmern muß. Ich habe nicht unbegrenzt Zeit, schon gar nicht dafür, mich mit Hilfsprogrammen zu beschäftigen.
MacUser verdient Anerkennung dafür, daß nützliche Helfer wie Web Ninja zur Verfügung gestellt werden, und das auch noch kostenlos. In der Vergangenheit hat MacUser diese Goodies nur über ZiffNet/Mac via CompuServe angeboten und damit einen entsprechend eingeschränkten Empfängerkreis angesprochen. Nachdem sich im Internet jetzt jedermann bei der MacUser-Webseite bedienen kann (es gibt dort noch viel mehr von diesen tollen Sachen), ist die Welt der Macintosh-Utilities noch farbiger geworden.
<http://www.zdnet.com/macuser/software/>
von Wayland Y. Brown <wb@sava.gulfnet.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Ich bin Mac-Besitzer mit einem zwiespältigen Gefühl, zu dem mich Ihre Meinung interessieren würde. Ich halte mich für einen zufriedenen und produktiven Macianer - ein Konvertit aus der Welt des Apple II. Zusammen mit diesem Apple II habe ich fast meine gesamten Computerkenntnisse hinter mir gelassen und mich darauf konzentriert, mit meinem ersten Mac echte und kreative Arbeit zu leisten. Das Betriebssystem des Apple IIgs - es war am Anfang ziemlich merkwürdig - hat mir genügend Eindrücke verschafft; der Übergang zum Mac, nachdem ich ihn endlich hinter mich gebracht hatte, war das reinste Vergnügen. Produktivität und Kreativität, auch meine Stimmung - alles besserte sich schlagartig. In den Jahren danach habe ich mich - was die Macintosh-Technologie angeht - immer up to date gehalten, wobei es mir aber nicht darauf ankam, immer die neueste Maschine mit dem meisten RAM oder mit der größten Festplatte mein eigen zu nennen. Zur Zeit sitze ich z.B. an einem Power Mac 7100/66AV mit 40 MB RAM und einer Festplatte von 1 GB - nicht unbedingt der letzte Schrei, ganz abgesehen von der Tatsache, daß ich lieber mit einem 21"-Graustufenmonitor arbeite als mit einem Farbmonitor.
Während dieser Jahre habe ich mir - völlig unverdient - den Ruf eines Mac-Experten eingehandelt, obwohl ich immer wieder betont habe, daß ich von Computern nicht viel verstehe. Die meisten örtlichen EDV-Berater weigern sich, Macs auch nur anzufassen, weil sie nach dem Verkauf eines Macintosh - wenn überhaupt - nur wenige Folgeaufträge für Support- und Serviceleistungen erwarten, mit denen sie ja in erster Linie ihr Geld verdienen. Einige meiner Freunde, die in diesem Geschäft tätig sind, sagen mir ganz offen, daß dies der Grund sei, daß sie den Mac völlig ablehnen. (Kleine Unternehmen hängen fast zu 100% von solchen Dienstleistern ab - ein Grund, warum es so wenig Mac-Software für kleine Betriebe gibt. Aber das ist eine andere Geschichte.)
Hier scheinen zwei Dinge zu passieren. Erstens scheinen wir unter einem äußeren Druck zu stehen, Computerexperten zu werden oder die Erleichterungen und die Möglichkeiten zu vergessen, die Computer in unser Leben und in unsere Arbeit bringen können. Zum Teil stammt dieser Druck aus dem wachsenden Interesse für das Internet. Auch Mac-Benutzer benötigen wenigstens etwas an gehobenem technischen Wissen, um sich ins Internet einzuklinken und eine Palette von funktioneller Internet-Software bedienen zu können - Kenntnisse, die in der Apple-II-Welt üblich und die bei DOS-Leuten für selbstverständlich erachtet werden. Meiner Meinung nach ist die Macintosh-Welt nicht einmal ein Zehntel so schlimm, aber ich habe das ungute Gefühl, daß in diesem Satz das wichtige Wörtchen "noch" fehlt.
Ich frage mich auch, ob es sich bei der zunehmenden Komplexität um einen Trend handelt. Es ist eine traurige Tatsache, daß 85 bis 90% der Windows-Anwender offensichtlich keine Probleme mit der Komplexität haben, vielleicht, weil es da ja nur besser werden kann. Windows-Nutzer ohne Computer-Kenntnisse (das ist die Mehrheit) kaufen sich die Hilfe. Das betrifft sogar so grundsätzliche Dinge wie einen schlichten neuen Heimcomputer in Gang zu bringen, wofür die Läden an meiner Ecke in der Regel 50 US$ und mehr berechnen. Wieviele Macianer mag es geben, die 50 US$ nur dafür bezahlen, daß ihr erstes System überhaupt zu laufen anfängt?
Auch wenn es im Mac-Bereich kaum einen gibt, der damit Probleme zu haben scheint - ich fürchte, wir verlieren allmählich unsere Fähigkeit, uns auf das Arbeiten mit statt für den Computer zu konzentrieren.
Und was - zweitens - die interne Seite angeht, so fürchte ich, daß Apple von der vorherrschenden Denkweise infiziert werden könnte, nach der eine fehlerhafte Arbeitsweise auch solchen Anwendern zugemutet werden kann, die keine tiefgreifenden Kenntnisse haben. Man muß sich nicht lange mit den TidBITS oder mit Ric Fords MacInTouch beschäftigen, um zu merken, daß der Mac nicht mehr ernsthaft als "plug-and-work"-Maschine bezeichnet werden kann. Irgendein Problem gibt es immer: ein bestimmtes System-Update funktioniert nicht mit dem Plattentreiber; der Plattentreiber arbeitet nicht mit dem installierten Menü-Hilfsprogramm zusammen; jene PPP-Erweiterung funktioniert nicht mit einem bestimmten Hilfsprogramm zur Speichererweiterung oder in einem System-Update ist die neue Version von Open Transport wieder nicht enthalten. Die Liste ließe sich fortsetzen.
Das Chaos, mit dem sich die Windows-Welt herumschlagen muß und das so vielen kleinen Beraterfirmen ihr Auskommen sichert - sehen Sie nur mal in die Gelben Seiten und zählen Sie die Computer-Service-Betriebe - dieses Chaos nähert sich uns sozusagen von innen heraus. Apples Entscheidung, künftige Verbesserungen des Betriebssystems portionsweise herauszubringen, ist wirklich ein bedrohliches Zeichen. Wie soll sich der durchschnittliche Anwender, der (hart) an seinem Computer arbeitet, über alle Änderungen und Updates auf dem Laufenden halten? Sogar ich, der "Experte am Ort", kann nicht mehr davon ausgehen, daß mein Rechner immer zuverlässig funktioniert, ohne daß ich mich um die Forschung nach den neuesten Hilfsmitteln kümmere. Warum bekomme ich ohne Vorwarnung 18 SyQuest-Icons auf meiner Oberfläche angezeigt, wenn ich eine Cartridge einschiebe? Ich vermutete, daß ich den Cartridge-Treiber erneuern oder - als Alternative - den Rechner neu starten muß. Ich hatte zwar damit recht, aber warum muß ich sowas überhaupt wissen? Und warum hätte ich online gehen müssen, um nach Treibern oder einem technischen Hinweis zu suchen, der mir erklärt, was bei mir vorgeht?
Ich möchte nicht mißverstanden werden: Ich bin Macintosh-Fan, weil der Mac der beste Computer ist, den wir zur Zeit haben, und zwar nicht der elitärste, sondern das beste Arbeitspferd. Der Tag, an dem mir die Windows-Welt eine bessere und leichter zu handhabende Alternative zu einem wettbewerbsfähigen Preis bietet, ist der Tag, an dem ich die Plattform wechseln werde. Bislang ist es aber aus meiner Sicht noch nicht so weit. Ich fürchte aber, daß der Komfort, an den ich mich jetzt gewöhnt habe, abnehmen wird, weil die Welt mich aus einer Art Exklusivität immer mehr in Richtung einer komplexen Mittelmäßigkeit drängt. All das kommt von außen - die Mehrheit der mit Computer Befaßten kennt, erwartet und verlangt nichts Besseres - und von innen, weil Apple diese Anwender zwingen könnte, gegen ihren Willen zu Computer-Experten zu werden.
Die Welt wird zu guter Letzt die Computer-Technologie haben, die sie verdient. Kein angenehmer Gedanke. Sie und ich haben etwas Besseres verdient!
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].
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