TidBITS#346/23-Sep-96 - Deutsch

Das Thema der Woche: System 7.5.5, eine neue Version der Mac-Betriebssoftware, die wieder einiges an Fehlern behebt. Wir bringen auch Meldungen zu den kommenden Mac-Clones von Motorola und zu Plänen, zukünftige Apple- und Sun-Produkte besser zusammenarbeiten zu lassen. David Blatner steuert einen Artikel über QuarkImmedia bei, Adam gibt Tips zur Erstellung von Image Maps auf Web-Seiten und schließlich führen wir die wichtigsten zehn Gründe auf, warum Produkte manchmal nicht in den Medien erwähnt werden.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#346/23-Sep-96.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-346.html>

Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
Information: <info@tidbits.com> Comments: <editors@tidbits.com>

Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
Information: <office@carrier.co.at> Comments: <ferstl@carrier.co.at>


Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1996/TidBITS#346/23-Sep-96.etx>

Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-346.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-346.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-346.etx>


MailBITS/23-Sep-96

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Motorola kündigt Mac-Clones an -- Letzte Woche hat Motorola die erste Reihe von Mac-Clones mit dem Namen StarMax öffentlich angekündigt. Die StarMax-Serie besteht aus acht Maschinen (je vier in den Serien 3000 und 4000), die in Desktop- und Tower-Gehäusen lieferbar sind. Es kommen PowerPC-Prozessoren (603e und 604e) mit Taktraten zwischen 160 und 200 MHz und IDE-Festplatten zum Einsatz; das alles ist mit einer einzigartigen Fünfjahresgarantie versehen. Zwar lassen vorläufige Berichte nicht auf sensationelle Geschwindigkeitsvorteile der Motorola-Maschinen gegenüber den Apple-Typen schließen (die Prozessoren bei Motorola sind nicht auf austauschbaren Steckkarten untergebracht); es ist aber zu erwarten, daß die Motorola-Modelle eine gediegene Gesamtleistung abliefern können. Sie werden im November zu Preisen auf den Markt kommen, die unter jenen von Apples vergleichbaren Geräten liegen. [GD]

<http://www.mot.com/GSS/MCG/products/systems/ds/starmax/SMfamily.htm>

Sun und Apple äugen auf den Großkundenmarkt -- Apple und Sun haben vorige Woche verlautbart, daß sie eine reibungslose Schnittstelle zwischen Macintosh-Computern und den Solaris-Hochleistungsservern planen. Mit diesem Vorhaben sollen Suns Netzwerkdienste mit hohem Durchsatz und die Multimediafähigkeiten und die Bedienerfreundlichkeit des Mac miteinander in Einklang gebracht werden. Vielleicht noch bedeutsamer ist die Absicht von Sun und Apple, QuickTime und OpenDoc mit den diversen Java-Technologien von Sun abzustimmen. Zwar zielt die Kooperation derzeit vor allem auf den Intranet-Markt bei Großanwendern ab, sie könnte aber auch den Technologien von Apple die Türe zu einigen zukunftsträchtigen Internet-Technologien öffnen, besonders dann, wenn Java nach vielen Vorschußlorbeeren praktische Einsatzmöglichkeiten zu zeigen beginnt. [GD]

<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1996/q4/960918.pr.rel.sun.html>

QuarkImmedia wird ausgeliefert

von David Blatner <david@moo.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Quark hat schließlich und endlich die Mac-Version des lang erwarteten Produkts Immedia auf den Markt gebracht, und zwar anläßlich der Seybold-Konferenz in der ersten Septemberhälfte. QuarkImmedia war lange unter dem Codenamen Orion bekannt und erweitert QuarkXPress zu einem Multimedia-Autorenprogramm. Wenn Sie sich mit XPress auskennen, werden Sie auch keine Probleme haben, in nur einer Stunde Multimedia-Projekte zu realisieren - so einfach ist das Tool zu bedienen.

Wenn Sie ähnliche Interessen habne wie ich, dann haben Sie sicher schon einmal einen Blick auf Macromedia Director geworfen. Leider hatte ich nie zwei Wochen ganz für mich, um mich der Lektüre der Handbücher zu widmen (und Lingo, die Skript-Sprache von Director zu lernen). In ähnlicher Weise habe ich Adobe Persuasion für Dias und dergleichen verwendet; die Gliederungsfunktion ist zwar nicht schlecht, das Programm bietet mir aber nicht annähernd genug Einflußmöglichkeiten auf das Layout aus Schrift und Bildern. Immedia hingegen kann etwa 75 Prozent dessen, was den Director attraktiv macht - und weil es dabei auf den Schultern von XPress steht, gibt es mehr als genug gestalterische Optionen in Bezug auf das Layout.

Tasten, Filme und Sounds - wunderbar! Immedia hält die volle Palette von Multimedia-Versatzstücken bereit: Tasten, Sounds, Pop-Up-Menüs, Animationen, QuickTime-Filme, Überblendungen, spezielle Cursors und so weiter. Sie können eine animierte Figur entlang eines Pfades führen und sie auch noch quieken lassen, wenn sie angeklickt wird. Sie können Tasten so gestalten, daß sie wie bewegte Augäpfel aussehen. Es sind Projekte möglich, die klein und einfach genug sind, um auf eine Diskette zu passen, aber auch solche, die beinahe so komplex sind wie das Spiel Myst in seiner CD-ROM-Version.

Die Oberfläche von Immedia ist extrem einfach gehalten (Pop-Up-Menüs und Werkzeugpaletten); deshalb ist das Programm leicht zu erlernen und schnell zu bedienen. Auch wenn Immedia Ihnen nicht wirklich alles bietet, was Sie brauchen, können Sie es immer noch als ein brillantes Werkzeug zum Erstellen von Prototypen für Projekte einsetzen, die Sie vielleicht später in Director realisieren (Immedia ist ja erst die Version 1.0; es reicht zwar für viele der heute gängigen Multimedia-Anforderungen, aber es ist mit Sicherheit kein Produkt der obersten Leistungsklasse.

<http://www.quark.com/immedia.htm>

CD-ROMs, Informationssäulen und das Web -- Immedia kann Projekte für CD-ROMs, für Informationssäulen und sogar für das Web erzeugen. Aus leicht einzusehenden Gründen hat Quark den Einsatz von Immedia für Intra- und Internet stark forciert und tatsächlich ermöglicht es Immedia den Anwendern, Material ins Netz zu stellen, das auf andere Weise unmöglich (zumindest aber sehr umständlich) zu erstellen wäre. Der Punkt dabei ist: Was Immedia produziert, ist nicht HTML... Es handelt sich vielmehr um ein eigenständiges Format, das einiges mit dem Portable Document Format (PDF) von Acrobat gemeinsam hat. Immedia-Projekte können im Autorenprogramm selbst betrachtet werden; sie können aber auch in diversen Formaten exportiert und dann mit dem kostenlosen Immedia Viewer angesehen werden, der etwa 750 K groß ist. Laut Quark verlangt der Viewer nach einem Prozessor ab 68030, einem 8-Bit-Monitor (also 256 Farben) und mindestens System 7.1 mit Sound Manager 3.1 und QuickTime 2.1.

<http://www.quark.com/imm013.htm>
<ftp://ftp.quark.com/immedia/viewers/macos/qiv_1m.hqx>

Es sollte klar sein, daß Immedia die Integration von QuickTime-Animationen und dergleichen ermöglicht, dies aber nicht bei jeder Web-Site ratsam erscheint. Generell läßt sich sagen: Alles, was Sie gern in einem am Netz befindlichen Acrobat-PDF-Dokument haben wollen, können Sie auch in eine Immedia-Datei für das Web aufnehmen. Sie können aber mit Immedia viel standfestere Projekte realisieren als mit Acrobat. Wegen der Bandbreiten werden allerdings Immedia-Seiten in einer Intranet-Umgebung mit hoher Übertragungsrate besser aufgehoben sein als im Internet, das vor allem von Modem-Durchsatzraten bestimmt wird.

Lohnt sich der Kauf? Mit einem empfohlenen Endverkaufspreis von 995 US$ ist Immedia nicht gerade preisgünstig. Um das Produkt verwenden zu können, brauchen Sie weiters QuarkXPress 3.32 oder QuarkXPress Passport 3.32, dazu noch Adobe Type Manager, mindestens Mac-System 7.1, den Sound Manager 3.1 und QuickTime 2.1. Bei der Hardware muß es mindestens ein 68030 sein, ein 8-bit-Monitor, ein CD-ROM-Laufwerk und 4 MB noch freier Arbeitsspeicher.

QuarkImmedia ist ein beeindruckendes Stück Software. Jeder, der es ausprobiert oder auch nur auf einer Messe gesehen hat, sagt üblicherweise: "Das will ich haben, egal was es kostet. Ich verwende schon XPress und daher ist Immedia für mich wie geschaffen". Jetzt, da Immedia auf dem Markt ist, haben diese Leute ihre Chance.

Quark, Inc. -- 303/343-2086 (fax)
<qimmediasupport@quark.com>

[David Blatner ist ein Konsulent für grafische Gestaltung, der sich auf QuarkXPress und Photoshop spezialisiert hat. Er ist der Autor oder Mitautor zahlreicher Bücher bei Peachpit Press, darunter "The QuarkXPress Book" und "Real World Photoshop". Derzeit arbeitet er an dem Band "Real World QuarkImmedia".]

Über den Umgang mit Image Maps

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Nach wie vor kommen zahlreiche Kommentare betreffend den Einsatz von Grafik auf Web-Pages herein; zwei davon bieten Vorschläge an, wie die Probleme mit großen Image Maps verringert werden können; üblicherweise sind ja die Web-Benutzer, die keine grafischen Informationen sehen können oder wollen, von der Bedienung solcher Seiten ausgeschlossen.

Tony Grant <tg001@dial.oleane.com> gibt einen Ratschlag von Bill Shackleton weiter, der zwar etwas Mehrarbeit bedeutet, aber den Zugang zu einer Web-Site auf Basis von Image Maps auch ohne Grafik zumindest möglich macht (wenn vielleicht auch nicht in eleganter Weise).

Erstellen Sie zuerst eine kleine GIF-Datei in einer Farbe (sagen wir zwei auf zwei Pixel groß) und setzen sie sie auf transparent. Dadurch wird sie bei allen Benutzern, die die Grafik ihres Browsers eingeschaltet haben, unsichtbar. Dann plazieren Sie zu jedem Link Ihrer Image Map je einen <IMG>-Tag zu einer Kopie dieser unsichtbaren Grafik in der Zeile unterhalb des HTML-Codes der Image Map. Verbinden Sie nun jedes unsichtbare GIF mit seinem jeweiligen Zielobjekt und, ganz wichtig, erstellen Sie ein beschreibendes ALT-Attribut für jedes GIF.

Das Ergebnis der Mühe: Bei einem Browser, der keine Grafik unterstützt, diese abgeschaltet hat oder (weniger weit verbreitet, aber letztlich wichtiger) Text als gesprochene Sprache wiedergeben kann, ersetzt der ALT-Text die grafischen Bedienungsmöglichkeiten der Image Map.

Drew D. Saur <dsaur@spectra.net> merkt an:

Ich habe neulich Ihren TidBITS-Artikel über die Neugestaltung Ihrer Web-Page gelesen. In Ihrer Erörterung der Image Maps gibt es ein Problem. Vor zwei Wochen hat Foteos Macrides die Version Lynx 2.6 publiziert, die nun client-seitige Image Maps unterstützt (und zwar in sehr eleganter Weise, wie ich betonen möchte). Lynx ist immer noch kostenlos verfügbar und Benutzer sollten ihre Administratoren um ein Update bitten. Es gibt also keinen Grund mehr, client-seitigen Image Maps zu vermeiden - es ist nun möglich, sie einzusetzen und trotzdem auch noch normale Image Maps zu benutzen, und all das, ohne die Web-Seiten mit redundanten Links zu überladen.

<http://www.nyu.edu/pages/wsn/subir/lynx.html>

Aber es war überhaupt nicht die Rede von...

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Was all jene, die regelmäßig über Software schreiben, laufend zu hören bekommen, ist eine Frage, die etwa lautet "Warum haben sie XY nicht erwähnt?" Die Unterstellung besteht entweder darin, der Autor kenne sein Metier nicht gut genug oder aber, er sei an einer dunklen Verschwörung beteiligt, die der Öffentlichkeit das jeweilige Produkt vorenthalten soll. Tonya, Geoff und ich hören Kommentare in dieser Richtung so oft, daß wir uns entschlossen haben, Ihnen Einblick in den Schattenbereich des Computerjournalismus zu geben und die zehn besten Gründe dafür anzuführen, warum irgendwelche Produkte in Artikeln nicht genannt werden.

10: Es paßt nicht zum Thema -- Der Hauptgrund, daß ein Programm nicht erwähnt wird, ist der, daß es einfach nicht zum Thema paßt. Es gibt verschiedene Sorten von Artikeln - wenn ich eine Notiz über eine neue Version eines Programms schreibe, kann es unpassend sein, konkurrierende Produkte zu nennen. Auch dann, wenn ich einmal ein bestimmtes Konkurrenzprodukt aufführe (weil ein Detail dort besser oder schlechter gelöst ist), will ich noch lange nicht alle existierenden gleichartigen Produkte behandeln.

9: Das Programm ist unter aller Kritik -- Machen wir uns nicht vor: Etliches von der Software auf dem Markt ist nicht sehr beachtenswert. Ich habe schon oft über eine bestimmte Kategorie Software geschrieben, wo ein oder mehrere Programme es gar nicht wert waren, erwähnt zu werden. Sie stürzen schon beim Start ab, zeigen dauernd Fehlermeldungen, sind kümmerlich geschriebene HyperCard-Stacks oder funktionieren schlicht und einfach überhaupt nicht. Beinahe ebenso banal sind Programme, die zwar funktionieren, aber keinerlei besondere Errungenschaften aufweisen.

8: Mangel an Platz -- Wir müssen in den TidBITS nicht besonders auf sparsamen Umgang mit Platz achten, aber die meisten gedruckten Publikationen leben (und sterben) mit den Vorgaben des verfügbaren Raums. Wenn ich einen Artikel für MacWEEK verfasse, verwende ich eine spezielle Vorlagendatei. Mein Ziel ist es, im Rahmen dieser Vorlage mit 115 Zeilen auszukommen; wenn ich also einige Zeilen einsparen will, ist es ein gangbarer Weg, ein Produkt, das nicht wirklich zum Thema paßt, aus dem Text zu werfen. Natürlich ist auch in den TidBITS Raum ein Aspekt, den wir nicht ganz ignorieren können - zwar sind wir bei der Größe der einzelnen Artikel nicht kleinlich, aber die TidBITS-Ausgaben als ganzes kommen doch in der Regel nicht ganz auf 30.000 Zeichen.

7: Der allmächtige Redakteur -- In redigierten Publikationen ist der Autor selten die Person, die den Text ganz als letzte zu sehen bekommt. Sehr oft sendet der Autor den Artikel ein und hört dann nichts mehr davon. Wenn der Artikel dann erscheint, weist er oft Änderungen auf, die nicht in der Verantwortung des Autors liegen. Es gibt zwar auch Redakteure, die rückfragen oder dem Autor redigierte Versionen seines Artikels zukommen lassen, aber selbst in diesem Fall wird ein Schlußredakteur die Nennung irgendwelcher nebensächlichen Produkte herausnehmen, wenn beschränkter Raum dies erzwingt. Kurz gesagt - der Autor ist nicht immer für Auslassungen verantwortlich.

6: Listen sind langweilig -- In einigen Kategorien gibt es nur zwei oder drei Programme auf dem Markt - damit wird es leichter, alle aufzuführen. Wenn Sie hingegen zum Beispiel an die Zahl der Web-Server für den Mac denken, wird klar, wie schwierig es ist, sie alle zu erwähnen. Auf Anhieb fallen mir zumindest 17 Mac-Web-Server ein - es wäre schlicht lächerlich, immer dann, wenn ich über einen von ihnen (oder über Probleme beim Betrieb eines Web-Servers im allgemeinen) schreibe, alle anderen mit aufzuzählen. Außerdem entspräche es der Tradition der TidBITS, dann auch die URLs zu den Home Pages all dieser Produkte aufzulisten; 17 Zeilen URLs wären absurd.

5: Softwarefirmen hinter dem Mond -- Mit einigen Firmen kann die Kommunikation ganz schön schwierig sein, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, daß ihre Produkte übergangen werden. Wenn etwa eine Firma eine sehr unübersichtliche Web-Site hat, keine kostenlose Demo-Version zum Herunterladen anbietet, auf E-Mail-Anfragen nicht reagiert, den interessierten Autoren Vertraulichkeitsvereinbarungen abverlangt (die manchmal aussehen, als wären sie von Juristen aus der Hölle formuliert), keine Telefongespräche beantworten, keine Rezensionsexemplare verschicken oder sonst etwas in dieser Richtung - immer dann fällt es nicht schwer, ein Produkt nicht zu erwähnen. Es ist der Beruf eines Autors, über Software zu schreiben, nicht wie ein Aufdeckungsjournalist vorzugehen und Details herauszufinden, die eine Firma, aus welchem Grund auch immer, nicht preisgeben will.

4: Vertrauliche Informationen -- Manchmal erwähnen wir auch Produkte nicht, weil wir etwas darüber wissen, was nicht öffentlich bekannt ist; es kann sein, daß uns die Entwickler gebeten haben, diese Informationen nicht zu verbreiten. Wenn etwa ein größeres Update unmittelbar bevorsteht, will die Firma unter Umständen nicht, daß die vorhergehende Version besprochen wird.

3: Falsches Produkt, falsche Publikation -- Wir erhalten of E-Mail mit der Bitte, ein Produkt, eine Web-Site oder ähnliches zu erwähnen. Es ist schon ein wenig eigenartig, um die Behandlung von irgendetwas gebeten zu werden; mehr noch macht es uns Probleme, etwas zu beschreiben, das nicht in die Palette der Themen paßt, die wir zu behandeln pflegen. Es passiert gar nicht selten, daß wir Informationen zu Windows-Programmen erhalten (über die wir in den TidBITS fast nie schreiben), und obwohl wir gelegentlich eine Web-Site nennen, machen wir uns das nicht zur Gewohnheit. Wir werden also auch in Zukunft nicht jede hübsche gestaltete Web-Site unseren Lesern zur Kenntnis bringen, auf die uns irgendjemand aufmerksam macht - auch wenn manche dieser Sites noch so gut gemacht sein mögen.

2: Verschwörungstheorien -- Es ist zwar fast undenkbar - aber vorstellbar wäre es doch irgendwie, daß ein Produkt in einem Artikel (oder auch in einer ganzen Publikation) nicht vorkommt, weil irgendwelche bizarren Umstände vorliegen. In diesem Sinn könnte ein abenteuerliches Gerücht, das einem Autor zu Ohren gekommen ist (etwa, daß der Entwickler der Software mit dem Teufel im Bunde stehe) oder ähnlicher Unsinn ein solcher weit hergeholter Grund sein. Ich habe noch nie von derartigen Gründen gehört; mehr noch: jede einzelne Verschwörungstheorie, die mich jemals miteinbezogen hat, war ebenso falsch wie lächerlich.

1: Autoren sind auch nur Menschen -- Hin und wieder passiert es uns Autoren einfach, daß wir ein Produkt auslassen, das in einem Artikel wichtig gewesen wäre. Mag sein, daß wir von dem Produkt nichts wußten (besonders wenn es ganz neu oder nicht weit genug bekanntgemacht worden ist), mag sein, daß wir es einfach vergessen oder nicht die Zeit haben, dazu auch noch Informationen einzuholen. Wenn Sie in Ihrem Kopf viele Informationen zugleich gespeichert haben, wird ab und zu etwas im Moment des Schreibens nicht präsent sein. Wenn dann auch der zuständige Redakteur mit dem Thema nicht im Detail vertraut ist (was nicht selten der Fall ist), wird der Fehler auch später nicht mehr behoben.

Apples System Update 7.5.5

von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>

[Übersetzung: Hartmut Greiser]

Mit einigen Wochen Verspätung hat Apple das lang erwartete System Update 7.5.5 veröffentlicht. Seine offizielle Bezeichnung beschreibt es als eine Sammlung von Korrekturen und Anpassungen, die die Leistungsfähigkeit und die Stabilität der Macs verbessern sollen, die unter System 7.5.3 laufen. Das Update steht als Set aus drei Floppy Disk Images und als Einzel-"Archiv" zur Verfügung, das als Netz-Installation funktioniert. In jedem Fall ist das Update etwa 4.1 MB groß. Apple hat das Update auf einer Reihe seiner eigenen Server, aber auch auf fremden Sites abgelegt. Die genaue Übersicht ist einer Liste zu entnehmen, die Apple erstellt. Ein URL zum Downloaden folgt hier, die andere Adresse führt zur erwähnten Apple-Liste.

<ftp://download.info.apple.com/pub/System_7.5.5_Update/>
<http://support.info.apple.com/ftp/7.5.5.html>

Wenn Sie die Floppy-Disk-Version verwenden, dann benötigen Sie ein Programm wie ShrinkWrap, mit dem man die Images auf physikalische Disketten kopiert, bzw. mit dem man sie auf der Schreibtischoberfläche mounten kann.

<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/disk/shrink-wrap-201.hqx>

Was ist dabei? -- Das 7.5.5 Update enthält keine Fülle neuer Eigenschaften, toller Ideen oder knackiger Ikons, die Ihren Systemordner bevölkern. Bei diesem Update hat man sich in erster Linie auf Patches, Anpassungen und Verbesserungen konzentriert, die gegenüber dem System 7.5.3 sozusagen unter der Haube wirken. Dazu gehören wichtige Updates des virtuellen Speichers, des SCSI Managers, von LocalTalk- und Ethernet-Netzkomponenten sowie eine Reihe von Verbesserungen für ganz bestimmte Mac-Typen. Außerdem enthält System 7.5.5 eine lang erwartete Korrektur am Modern Memory Manager, die eine Ursache der berüchtigten "Typ-11-Fehler" bei allen Power Macs beseitigt.

Dies sind die wichtigsten Merkmale des 7.5.5 Update:

System 7.5.5 enthält auch eine Reihe rechnerspezifischer Verbesserungen:

Die Installation des Update 7.5.5 -- Das Update 7.5.5 kann nur auf Macs mit System 7.5.3 installiert werden. Wenn Sie zur Zeit eine frühere Systemversion verwenden, dann müssen Sie zunächst mit der Version 7.5.3/2.0 updaten (dieser Vorgang ist in TidBITS-318 beschrieben worden). Bei einem System, das älter als die Version 7.5 ist, müssen Sie zunächst diese Version erwerben. Der Updatevorgang erfordert einen vorübergehenden Plattenbedarf von etwa 10 MB. Wenn Sie auf System 7.5.3 upgraden, dann denken Sie daran, die Plattentreiber vorher auf eine Version zu bringen, die den SCSI Manager 4.3 unterstützen.

Das 7.5.5 Update enthält Korrekturen, die in Version 7.5.3/2.0 schon berücksichtigt waren (siehe TidBITS-332), es ist also nicht nötig, diese Version vorher separat zu installieren.

Lesen Sie vor dem Installieren auf jeden Fall die ReadMe-Files und die Installationshinweise für das Update. Auch wenn der Rat eigentlich überflüssig sein sollte - sichern Sie immer Ihre Daten, bevor Sie neue Systemsoftware aufspielen.

Apple geht davon aus, daß es in einigen Wochen zu der vorliegenden US-Version auch lokalisierte Versionen vom Update 7.5.5 geben wird. Lassen Sie sich von den vielen übersetzten Versionen der Lizenzvereinbarung nicht täuschen, die der Installer anbietet - das Update funktioniert im Moment nur mit der US-Systemsoftware. Versuchen Sie nicht, andere Systeme zu installieren.

Bevor Sie mit der Installation von 7.5.5 beginnen empfiehlt Apple, daß Sie Ihr Startlaufwerk mit Software Disk First Aid prüfen, die Bestandteil des Updates ist. Sollten dabei irgendwelche Fehler festgestellt werden, rät Apple, diese zuerst mit der Erste-Hilfe-Diskette oder einem anderen Reparaturprogramm zu bereinigen, bevor Sie fortfahren. Wenn Ihre Platte in Ordnung ist, dann wählen Sie im Extension Manager die Konstellation "7.5.3". (Bei anderen Extension Managern können diese Schritte etwas anders aussehen). Anschließend aktivieren Sie wieder die Treiber für Wechselmedien, Video-Karten oder Eingabegeräte von Drittherstellern (Zip-Laufwerke, Mäuse von Drittanbietern usw.), die Sie zum Installieren benötigen.

Mir liegen Berichte vor, in denen von Problemen im Zusammenhang mit der Version 1.x des "Energie Sparen"-Kontrollfeldes die Rede ist (diese Version wird bei Power-Macs mit NuBus und bei einigen Quadras eingesetzt, die Energiesparmonitore benutzen, die aber nicht das ganze System in den Ruhezustand versetzen können). Entfernen Sie dieses Kontrollfeld also vor dem Updaten auf 7.5.5 und installieren Sie es erst danach wieder.

Nachdem Sie die Erweiterungen und die Kontrollfelder angepaßt haben, starten Sie erst den Rechner neu und danach das Installationsprogramm für das System 7.5.5. Dieses Programm ist einfach zu handhaben, um eigene Einstellungen müssen Sie sich nicht kümmern: wählen Sie Ihr Startvolume und klicken Sie auf "Installieren" (nachdem Sie die Lizenzvereinbarungen gelesen haben; die stehen in zehn Sprachen zur Verfügung, genug Material also, um Ihre Sprachkenntnisse auszuprobieren!) Gegen Ende des Installationsvorganges weist das Programm Sie darauf hin, daß es Ihr System auf Geschwindigkeit optimiert. Das bedeutet, daß es Systemressourcen dekomprimiert, die damit schneller zugänglich werden. Nach der Installation startet der Installierer Ihren Rechner neu, jetzt können Sie auch die restlichen Erweiterungen und Kontrollfelder wieder aktivieren.

Bedenken Sie, daß der 7.5.5 Installer keine "Remove"-Option enthält. Das Update patcht die Systemfiles und ändert den vorhandenen Code, ohne jede Wahlmöglichkeit für Sie. Eine Rücknahme dieser Schritte ist im Installierungsprogramm nicht vorgesehen. Also nochmal - sichern Sie Ihr System vor dem Update!

Wichtige Hinweise -- Die folgenden Probleme sind im Zusammenhang mit dem Update auf System 7.5.5 bekannt geworden:

<http://www.oakland.edu/%7Elandau/sadmacs/library/tul/FinderHeapFix.sit.hqx>

Und was ist mit System 7.5.4? Einige Leser haben gefragt, warum Apple die Version 7.5.4 übergangen hat. Einfache Antwort - es gab eine Version 7.5.4. Sie war fertig und wurde den wichtigsten Entwicklern vor einigen Wochen zugeschickt. In letzter Minute gab es aber noch Fragen zu IR Talk und den Voreinstellungen des virtuellen Speichers auf den Rechnern der 5400/6400-Serie, außerdem mußte eine kleinere Überarbeitung des Energiespar-Kontrollfeldes aufgenommen werden. Apple entschied sich also dafür, die Versionsnummer zu erhöhen, anstatt mit zwei "Endversionen" von System 7.5.4 zu arbeiten.

Zusätzliche Informationen -- Dieser Artikel enthält zwar schon eine Fülle von Hinweisen, es gibt aber noch mehr Informationen. Apple hat einen detaillierten technischen Hinweis [eine "technical note", --WJF] zu System 7.5.5 veröffentlicht, der für Poweranwender und Entwickler von besonderem Interesse sein dürfte. Außerdem gibt es auf Ric Fords MacInTouch Site und bei Ted Landau (Sad Macs Update Site) reichliche Informationen zu diesem Update. Die schiere Menge mag überwältigend sein, aber beide Plätze bieten gute Informationen.

<http://devworld.apple.com/dev/technotes/tn/tn1069.html>
<http://www.macintouch.com/>
<http://www.oakland.edu/%7Elandau/sadmacs/system7.5.5.html>


Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].

Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].

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