Wenn Sie zu den Millionen Internet-Benutzern gehören, die durch Massen-EMail belästigt werden, lesen Sie in dieser Ausgabe, wie diese Sendungen in Ihre Mailbox kommen, woher diese Leute Ihre Adresse haben und wie Sie mit der Situation am besten umgehen können. Dazu bringen wir Neues zur 28.8-Software für Benutzer von GeoPort-Maschinen und zur neuen Version von MkLinux, einen Aufsatz zum Wesen und Unwesen von Software-Upgrades und den ersten Teil der QuicKeys-3.5-Besprechung von Matt Neuburg.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#347/30-Sep-96.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-347.html>
Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
Information: <info@tidbits.com>
Comments: <editors@tidbits.com>
Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
Information: <office@carrier.co.at>
Comments: <ferstl@carrier.co.at>
Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-347.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-347.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-347.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
MkLinux DR2 -- Letzte Woche hat Apple die Version DR2 von MkLinux (der Linux-Variante für den Power Macintosh) herausgebracht, die als Produkt in "Beta-Qualität" beschrieben wird. Version DR2 stellt eine bedeutende Verbesserung von DR1 dar - neben besserem Laufverhalten sind die Unterstützung der seriellen, der SCSI- und der Netzwerkfunktionen (einschließlich AppleTalk) überarbeitet worden. Zahlreiche Mängel wurden behoben - die Unterstützung für die PCI-Architektur bei den Power Macs läßt allerdings noch auf sich warten. MkLinux ist über FTP und auf CD-ROM verfügbar; wegen des Umfangs der Software kann ich nur die CD-ROM (Preis: 20 US$) von Prime Time Freeware empfehlen. [GD]
<http://www.mklinux.apple.com/>
<http://www.ptf.com/ptf/products/MKLP/>
Apple Telecom 3.0... vielleicht -- Eine Frage, die uns bei den TidBITS oft gestellt wird, lautet: "Wann wird Apple die 28.8-bps-Version der GeoPort-Software herausbringen?" Diese Software hat uns genauso ratlos gemacht wie alle anderen Mac-Benutzer; in letzter Zeit ergibt sich eine gewisse Annäherung der Hinweise aus öffentlichen und aus privaten Quellen. Nach zahlreichen versprochenen Erscheinungsdaten und Vorführungen auf der Macworld Boston scheint es nun so, als sollte Telecom 3.0 gegen Ende Oktober publiziert werden.
Die Software wird also den V.34-Standard auch für GeoPort-Telecom-Adapter nutzbar machen, einschließlich Vollduplex-Sprachübertragung und Erkennung des anrufenden Teilnehmers; Voice-Mail-Software von Apple (anstelle der gegenwärtig beigelegten Software von Cypress Research) wird ebenfalls zum Lieferumfang gehören. Dennoch, auch Telecom 3.0 wird gewisse Beschränkungen aufweisen: Es soll nur auf Power Macs funktionieren (und die Leistung einiger Maschinen bei hohen Übertragungsraten beeinträchtigen), wodurch die Besitzer der Modelle 660AV und 840AV mit ihren 68040-Prozessoren im Regen stehen bleiben. Es wird auch davon geredet, der ursprüngliche GeoPort Adapter habe bei der höchsten Geschwindigkeit wegen eines Hardware-Mangels Schwierigkeiten, Verbindungen aufzubauen; eine neue Ausführung des GeoPort Adapters ohne diesen Fehler soll demnächst für etwa 100 US$ zu haben sein. Zum Preis der Software ist einerseits zu hören, daß sie ganz oder in Teilen kostenlos sein soll, andererseits, daß sie nur auf kommerzieller Basis vertrieben wird. Sobald wir mehr wissen, teilen wir es Ihnen mit. [GD]
<http://www.macweek.com/mw_1037/gw_geoport.html>
von Marc Zeedar <zmarc@designwrite.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Matt Neuburgs Artikel über Now Utilities 6.5 in TidBITS-345 beschäftigt sich mit einem Thema, das immer mehr zu einem ernsten Mangel beim Vertrieb von Software wird. Die Upgraditis-Bakterie hat immer mehr Softwarefirmen infiziert, und sie bedroht die Stabilität, die Nutzbarkeit und den Langzeitwert der Software.
Früher konnte man davon ausgehen, daß es alle zwei bis drei Jahre wichtige Software-Upgrades gab. Jetzt dauert es nur noch ein Jahr, oft sogar weniger. In der Regel beansprucht ein größeres Update das System in höherem Maße (RAM, Strom, Speicher usw.), es gibt ein neues Dateienformat, wahrscheinlich Unverträglichkeiten mit anderen Programmen und wieder eine neue Lernphase.
Bei all diesen negativen Merkmalen wundert es nicht, daß die Firmen sich immer wieder etwas neues einfallen lassen, um die Anwender zum Upgraden zu überreden. Schlimmer noch - die Upgradekosten sind nicht viel billiger als die Straßenpreise oder die Wettbewerbsangebote, die viele Firmen anbieten. Ich lehne das ab. Ich unterstütze ein Produkt durch den Kauf einer legalen Kopie, sende getreulich meine Registrierungskarte zurück und kann mit ein bißchen Glück 5 US$ gegenüber dem Straßenpreis einsparen. (Noch verrückter ist die Angewohnheit vieler Firmen, 10 Dollar für den Versand eines 25-Dollar-Upgrades zu verlangen, das man als Vollversion für 29,95 US$ kaufen kann.)
Meine Kopie von WordPerfect 3.0, die ich vor Jahren für 99 US$ gekauft habe und die immer noch prima funktioniert (ich habe keinen Power Mac), ist ein sehr gutes Beispiel für diesen Trend. Die neuen Merkmale überzeugen mich zwar nicht, aber es wäre ja ganz nett, die aktuelle Version 3.5 zu haben. Corel verlangt aber 89,99 US$ für das Update! Ich könnte mir genausogut eine brandneue Version kaufen (Besitzer eines Konkurrenzprodukts erhalten das Upgrade für 89,99 US$).
Diesen Köder akzeptiere ich kaum noch. Mit den After-Dark-Upgrades mache ich seit drei Versionen nicht mehr mit. Ich benutze immer noch Now Utilities 4.0, Quicken 3 funktioniert noch bestens und wegen der Upgrades von Kai's Power Tools oder Bryce (zu teuer!) habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Sogar meine FreeHand-Version ist bei 4.0 stehengeblieben - naja, wahrscheinlich werde ich auf Version 7.0 upgraden.
Ich sehe einige Lösungen. Die eine sind extreme Niedrigpreise für existierende Kunden (ich rede hier von 10 bis 25 Dollar und nur von Medien- oder sogar von Onlinevertrieb, mit der Registrationsnummer als Paßwort, Handbücher könnten extra gehen). Meine Lieblingsidee ist eine Art Abonnementsystem, ähnlich dem Vertriebssystem für Metrowerks CodeWarrior. Damit hätten die Entwickler (und die Anwender) zusammenhängende und planmäßige Versionslieferungen, und die Entwickler wären nicht gezwungen, all die tollen Merkmale jeweils in einer Version unterzubringen. Die neuen Eigenschaften werden also über ein Jahr in vierteljährlichen Updates untergebracht, damit der Anwender nicht mit einer vollkommen neuen Oberfläche behelligt wird. Die Anwender wüßten also im Voraus, daß sie eine Reihe von Gratis-Updates bekommen, danach müßten sie ihr Abo erneuern. [Einige Leute meinen, daß dieses Abo-System problematisch sein könnte, wenn Merkmale angekündigt werden, die dann nicht geliefert werden, oder wenn fehlerbehaftete Software ausgeliefert wird, nur um einen versprochenen Termin zu halten. -Adam]
Solche Probleme, die mit Software-Upgrades in Beziehung gebracht werden, sind nicht nur kleine Beschwerden oder einzelne Vorkommnisse; hier entsteht eine industrie-typische Krise (denken Sie nur an die Probleme beim Upgrading von Microsoft Office oder von Word 6.0).
Die Software-Entwicklung befindet sich an einem Scheideweg. Wenn Software zur Handelsware wird, dann wird sie als Produkt abgewertet. Es liegt an den Entwicklern, den Wert ihrer Arbeit zu erhalten. Tun sie es nicht, dann haben die Anwender immer weniger Grund, legale Kopien und Upgrades zu kaufen. Das wird besonders durch neue Technologien wie Plug-Ins oder durch die Live Objects von Open Doc immer mehr zum Thema. (Beispiel: Ist es in Ordnung, wenn Plug-Ins oder Live Objects mehr kosten als das zugrundeliegende Programm?)
Was mich betrifft, ich bleibe bei Now Utilities 4.0.
von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>
"Die Frage ist doch," sagte Humpelpumpel, "wer der Stärkere ist - sonst nichts."
- Lewis Carroll, Alice im Wunderland.
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Die Beziehung zwischen Form und Funktion zu vervollkommnen ist für einen Software-Entwickler keine leichte Aufgabe. Klar ist: kein noch so großes Ausmaß an grafischem Aufputz kann fehlerbehaftete Funktionalität wettmachen. Auf der anderen Seite ist es nicht zu leugnen, daß die Gestaltung der Oberfläche von Bedeutung ist - von immenser Bedeutung. Ein Feature kann noch so wertvoll sein - wenn es nur mit zu vielen Schritten, in nicht intuitiver Weise (sogar ärgerlich oder beunruhigend aus Gründen, die in der Tiefe der menschlichen Psyche ihre Wurzeln haben) in Gang gesetzt werden kann, werden die Benutzer es nicht verwenden oder, wenn sie es verwenden müssen, werden sie es verabscheuen.
QuicKeys (QK) von CE Software ist im Jahre 1987 zum ersten Mal am Markt erschienen. Die TidBITS haben das Produkt seit seiner Version 2.0 im Jahre 1990 (das war unsere Nummer 16!) behandelt. [Das hat zum Teil damit zu tun, daß QuicKeys eine tragende Rolle beim wöchentlichen Versand in den ersten fünf Jahren TidBITS gespielt hat. -Adam] Die zentrale Aufgabe von QuicKeys ist es, formale Mängel anderer Programme ausgleichen zu helfen. Es ist zu begrüßen, daß CE nun QK 3.5 herausgebracht hat, wenn auch diese Version als "grafische Überarbeitung" [wörtlich "interfacelift", --WJF] bezeichnet wird. Die bisherige Version war ja seit Mitte 1993 unverändert. In diesem ersten Teil eines zweiteiligen Artikels wollen wir QuicKeys 3.5 ganz allgemein beschreiben; nächstes Mal beleuchten wir die Veränderungen seit der Vorversion im Detail.
Baby, du kannst meinen Computer haben -- QK baut auf einer Erweiterung auf, die einige zentrale Mac-Aktionen ausführen kann - eine Taste betätigen, einen Menüpunkt auswählen, die Maus klicken oder bewegen, eine Datei öffnen - so, als ob es noch einen unsichtbaren User an den Schalthebeln gäbe. Die Art, wie QK zu bedienen ist, leitet sich von den verschiedenen Wegen ab, auf denen diese Funktionalität jeweils ausgelöst wird (zum Beispiel ein Tastendruck) und von den Dialogen, die die Verbindung zwischen einer auslösenden Handlung des Benutzers und einer bestimmten Aktion des Systems herstellen.
Welchen Nutzen kann dies alles haben? Dazu fallen mir vier Hauptpunkte ein. Bevor ich aber auf dies eingehe, will ich darauf hinweisen, daß eine QK-Aktion entweder eine "universale", sich auf den Computer als ganzes beziehende oder eine anwendungsspezifische, nur auf ein Anwenderprogramm bezogene sein kann. Eine anwendungsspezifische Aktion und die sie auslösende Tastenkombination stehen nur zur Verfügung, wenn zugehörige Anwendung im Vordergrund läuft. Daraus folgt, daß eine bestimmte Tastenkombination in QK in verschiedenen Programmen verschiedene Effekte haben kann; ein Tastendruck kann andererseits eine universale Aktion auslösen, völlig unabhängig von der im Vordergrund laufenden Anwendung. Anwendungsspezifische Tastenkombinationen können universale überlagern oder aber aufheben; auf diese Weise kann eine universale Tastenkombination definiert werden, die sich in allen Applikationen, ausgenommen eine ganz bestimmte, auswirkt.
Solche Sequenzen können auch hilfreich sein, irritierende Eigenheiten in der Benutzeroberfläche eines Programms zu umgehen. Als ich QuickMail 3.5 von CE verwendet habe, waren die Schritte, die notwendig waren, um eine neue Message über das Internet zu verschicken, sehr zahlreich und lästig: Ich mußte einen Adreß-Dialog aufrufen, einen "Special"-Knopf drücken, etwas in ein "First Name"-Feld eingeben, den Eintrag im "Server"-Feld durch "Internet" ersetzen, die Adresse im "Address"-Feld eingeben und dann zweimal OK geben. Mit QK konnte ich mit einer Tastenkombination eine Sequenz auslösen, die aus dem Inhalt des Clipboards eine Internet-EMail erstellt und gleich passend adressiert.
Der Finger am Abzug -- Früher oder später gehen Ihnen aber die Tastenkombinationen aus, die Sie sich leicht merken; im Laufe der Jahre sind bei QK noch andere Ereignisse hinzugekommen, die Aktionen auslösen können.
Eins davon ist die Zeit: Eine bestimmte Aktion wird beim Erreichen eines bestimmten Zeitpunktes durchgeführt. QK kann in diesem Fall auf einen absoluten Zeitpunkt oder auf ein bestimmtes Intervall in Sekunden, die seit dem Starten einer Applikation (oder des Mac als ganzes) vergangen sind, reagieren. Mit dem absoluten Zeitbezug lassen sich ohne Überwachung Routine-Tätigkeiten ausführen, wie etwa die Optimierung der Festplatte oder ein wöchentliches Backup spät in der Nacht. Mit dem Zeitbezug relativ zu einer Anwendung können Reaktionen auf den Startvorgang eines Programms automatisiert werden, wie etwa ein modales Fenster [einen "splash screen"] oder einen Dialog beim Hochstarten wegzuklicken.
Sie können auch Aktionen auslösen, für die Sie Menüpunkte in einem speziellen QuicKeys-Menü definiert haben. Dieses QuicKeys-Menü kann hierarchisch im Apfel-Menü, im Menübalken und/oder als Pop-Up-Menü erscheinen. Sie bestimmen, welche QK-Aktionen in diesem Menü enthalten sind, das auch immer auf universale Aktionen und auf solche Aktionen beschränkt ist, die der im Vordergrund laufenden Applikation spezifisch zugeordnet sind.
Es gibt auch die Referenzkarte ["reference card"], eine QK-Aktion, die einen modalen Dialog mit allen gegenwärtig verfügbaren QK-Aktionen öffnet; ein Klick auf einen der Einträge löst die entsprechende Aktion aus. Die Referenzkarte ist auch hilfreich zum Nachschauen, wenn man sich nicht mehr an jede einzelne Tastenkombination erinnern kann (das QK-Menü ist hier nicht aussagekräftig).
Auch eine winzige Applikation kann generiert werden, die auf Doppelklick eine QK-Aktion startet; eine solche Mini-Applikation funktioniert wie ein Alias und kann auf die selbe komfortable Weise eingesetzt werden.
Mitte des Jahres 1992 hat QK 2.1.2 einen neuen Typ von Auslöser bekommen, genannt SoftKeys. Dabei handelte es sich um eine QK-Aktion, die eine vorher konfigurierte modale Dialogbox aufgerufen hat. In dieser Dialogbox waren zehn Tasten, numeriert von 1 bis 0 wie in der obersten Reihe auf der Tastatur, mit je einem Namen einer zugehörigen QK-Aktion zu sehen. Das Drücken eines Buttons oder das Betätigen der entsprechenden Zifferntaste ließ den Dialog verschwinden und die Aktion starten. Da aber die damit ausgelöste Aktion ihrerseits wieder einen SoftKeys-Dialog aufrufen konnte, konnten Sie auf diese Weise eine Folge von Dialogen haben, die einander aufrufen, solange, bis Sie zu der gewünschten Aktion gekommen ind. SoftKeys sollte verschiedene QK-Aktionen unter kategorienbezogene Kontrolle bringen, aber in Wirklichkeit war es in schrecklicher Weise ähnlich den modalen "Menü"-Abfolgen bei DOS, die viele von uns zum Mac gebracht haben.
In der Version 3.5 ist die SoftKeys-Option dankenswerterweise wieder verschwunden und durch geschickt angeordnete Toolbars ersetzt worden. Diese Toolbars können universal oder programmspezifisch sein; eine Applikation kann auch mehrere Toolbars haben. Die Icons können vom Benutzer modifiziert werden und es gibt eine "Hot Help"-Funktion, die den Namen der QK-Aktion einblendet, wenn der Mauszeiger über dem entsprechenden Icon steht. Die Toolbars gibt es in drei Typen. Die ersten beiden sind "floating (windoid)" (frei verschiebbar) und "embedded" (beweglich, aber am Rand des Bildschirms plaziert). Ihre Sichtbarkeit kann mit einem Tastendruck oder über das QK-Menü aus- und eingeschaltet werden und ist vom Kontext abhängig: Das bedeutet, ein programmspezifischer Toolbar verschwindet, wenn die entsprechende Applikation verlassen wird und erscheint mit ihr auch wieder. Der dritte Typ Toolbar heißt "click-and-go" und verhält sich ähnlich wie früher die SoftKeys: Er muß aufgerufen werden, um sichtbar zu werden und verschwindet auf einen Klick auf ein Icon wieder.
Etliche Mac-Benutzer haben eine generelle Abneigung gegen Toolbars, aber niemand muß sie verwenden, wenn er nicht will; andere werden die vielfältigen Möglichkeiten geschickt eingerichteter Toolbars für einzelne Applikationen zu schätzen wissen. Ich hoffe allerdings, die Benutzer werden mit dem Instrumentarium zum Erstellen und Modifizieren von Toolbars zurechtkommen; es ist nämlich unübersichtlich und grafisch nicht gut gelungen. Zum Beispiel können Sie eine Aktion weder erstellen noch modifizieren, wenn Sie mit einem Toolbar arbeiten; Sie können auch irrtümlicherweise eine Aktion, die für eine Applikation bestimmt ist, im Toolbar einer anderen Applikation aufnehmen (der Klick darauf bewirkt dann gar nichts).
Vorläufiger Ausblick -- So viel also dazu, was QK 3.5 alles kann. Aber wie bringen Sie QK dazu, das zu tun, was Sie von ihm wollen? Wie gut paßt QK mit anderen Wegen, einen Mac zu betreiben (wie etwa AppleScript), zusammen? Und wie gut ist die Version 3.5 als Upgrade? Lesen Sie dazu die Fortsetzung dieses Artikels in der nächsten Ausgabe.
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Egal, wie lange Sie schon im Internet surfen, die Chancen stehen gut, daß Sie schon ungebetene Email-Bekanntmachungen und Email-Werbung erhalten haben. Diese Nachrichten gibt es in jeglicher Form: das reicht von der "Werden Sie reich und das sofort"-Information bis zur Werbung eines Internet-Providers. Manche Messages sind kontrovers und bösartig, enthalten politische Tiraden und haßerfüllte Schmähreden. Andere sind einfach seltsam, wie die Anzeige für handgestrickte Katzenstiefelchen oder (nicht gelogen!) die Ankündigung, daß Extraterrestrier vom Saturn in New Jersey ein Recyclingprogramm für Kronkorken planen.
Das Problem ist natürlich nicht neu, aber die jüngsten Wachstumsraten des Internet werden von einer explosionsartigen Vermehrung der Massen-Email begleitet, gefolgt von einer wütenden Gegenreaktion. Um diese Massenmail hat sich eine ganze Industrie entwickelt, und es werden schon die ersten Prozesse geführt. Dieser Artikel kann sich natürlich nicht mit jedem Detail der Massenpost beschäftigen, er liefert aber Hintergründe und gibt Hinweise, wie man vernünftigerweise auf diese "Müll-Email" ["junk mail"] reagiert.
Argumente dafür -- Da ich persönlich durch Massenpost überschwemmt und belästigt werde, kann ich natürlich nicht die Ansichten der Absender wiedergeben. Bei der Diskussion dieses Themas, die ich mit verschiedenen Personen geführt habe, die Massenmail stillschweigend dulden, haben mich einige der Pro-Argumente aber doch überrascht.
Massenversender glauben in der Regel, daß sie den Empfängern durch die Übermittlung der Informationen einen Dienst erweisen, weil sie ihnen helfen, fundiertere Entscheidungen zu treffen. In den Vereinigten Staaten berufen sie sich auf das Recht der freien Meinungsäußerung. Auf internationaler Ebene scheint die Massenpostversendung als ein freies Geschäft zu gelten, das nur durch internationale Handelsabkommen eingeschränkt werden kann - durch Abkommen, die - wenn es sie denn gäbe - kaum durchsetzbar wären. In den USA gehen Massenversender im übrigen davon aus, daß das Internet ein Mittel für die Öffentlichkeit ist (da es ja teilweise mit Steuermitteln errichtet worden ist), und daß es sich bei einer Email-Adresse wie bei einer Wohnungsadresse um ein öffentliches Datum handelt. Viele Massenversender fordern sogar, daß ihre Tätigkeit erleichtert wird, weil sie eine "verbesserte" Form der Postwurfsendungen darstellten: mit ihnen ließe sich leichter die richtige Zielgruppe ansprechen, sie seien leichter zu verarbeiten (Emails lassen sich in Sekundenschnelle löschen, es muß kein Gegenstand transportiert werden), und sie hätten wenig Auswirkung auf die Umwelt, da kein Papier und nur wenig Energie für ihre Herstellung benötigt würden.
Ganz allgemein gehen Massenversender davon aus, daß ihr Tun gerechtfertigt ist. Einige von ihnen versenden ihre Nachrichten auch so gezielt, daß sie nur Zielgruppen mit 50-100 Empfängern versorgen. Manche geben sich auch besondere Mühe, um solche Adressen und Domains aus ihren Listen zu tilgen, die keine Mailings erhalten wollen.
Es gibt natürlich auch viele, die weniger gewissenhaft sind, und die sich über solche lustig machen, die sich mit ihrer Arbeit auseinandersetzen oder auch solche, die (oft in überschwenglicher Weise) meinen, daß es sich bei Protesten gegen Massen-Email um nichts anderes handele, als um wirtschaftliches, technologisches und kulturelles Elitedenken. Es gibt auch einige Massenversender, die erst seit kurzer Zeit im Internet tätig sind, und die keine Vorstellung davon haben, daß ihre Tätigkeit problematisch sein könnte.
Von einigen der Versender kommt ein interessanter Einwand: Nutzer, die am vehementesten gegen Massenpost protestieren, sind meist schon seit ein paar Jahren im Internet, Internet-Neulinge scheinen dagegen weniger Probleme mit diesem Thema zu haben. Und noch eine Überraschung: Wenn ein Empfänger nicht aktiv gegen eine Message protestiert, dann verbucht auch der gewissenhafteste Massenversender diese Mail als Erfolg. Für sie reicht es, wenn der Empfänger nicht gegen diese Mail protestiert - auch wenn sie ihn nicht interessiert. Er bleibt auf jeden Fall in der Zielgruppe der nächsten Mailingaktionen.
Argumente dagegen -- Die Argumente gegen Massen-Email sind zahlreich und bekannt; ich fasse hier deshalb nur einige zusammen. Erstens bezahlt der Empfänger - anders als bei der Briefpost - eine empfangene Email mit einer Pauschale, mit einer Zeitgebühr oder auf Basis empfangener Bytes, somit bezahlt also in vielen Fällen der Empfänger für Emails, die er nicht bestellt hat. Außerdem kann Email viel leichter mißbraucht und viel weiter gestreut werden, da ihr Versand entscheidend weniger kostet als Werbung, die mit der Post verschickt wird. Bei der Massen-Email besteht auch viel eher die Gefahr als beim Postversand, daß sie unangemessen oder persönlich beleidigend ist, ganz zu schweigen von der Verletzung örtlicher oder staatlicher Auflagen. Es gibt auch die Ansicht, daß die wiederholte Belieferung mit Massenpost als Belästigung ausgelegt werden kann.
Der meistgenannte Einwand gegen Massen-Email: Man fühlt sich belästigt. Für die meisten Internet-Nutzer ist dieser Posteingang lästig und einer der größten Nachteile des Internet. Vielleicht herrscht dabei das Gefühl vor, daß unverlangte Mailings die Intimsphäre verletzen oder den Anwender daran hindern, das Internet effektiv zu nutzen.
Im schlimmsten Fall kann eine Massenversendung außer Kontrolle geraten. Es ist möglich, daß ein solcher Vorgang, falsch ausgeführt, Tausende von Kopien einer Message an eine einzige Adresse liefert. Eine andere Gefahr besteht, wenn ein Mailing (oder eine Reaktion darauf) eine Internet-Site überschwemmt oder sie zwingt, offline zu gehen. Derartiges wird gemeinhin als persönlicher Angriff oder als Attacke auf eine ganze Site aufgenommen, die in der Regel aggressive und ressourcen-belastende Antworten provozieren, mit Auswirkungen auf Tausende von nichtsahnenden Internet-Nutzern.
Die "Spam"-Industrie -- In den letzten zwei Jahren sind Firmen und Software-Produkte entstanden, die sich mit Massen-Emails beschäftigen. Waren es anfangs kommerzielle Unternehmen von "Spam-Experten" [wörtlich: "Experten für bedeutungsloses Zeug", --HG], die Nachrichten gegen Honorar möglichst schnell möglichst weit verteilten, so sind es inzwischen Programmierer und Unternehmer, die versuchen, mit Bulk-Email den schnellen Dollar zu machen. Die einen schreiben Programme, die Email-Adressen sammeln oder die innerhalb weniger Stunden Bulkmail an Tausende von Empfängern weiterleiten können. Andere sammeln und verkaufen Mailing-Listen oder richten Internet-Sites ein, über die Massenversendungen abgewickelt werden. Viele dieser Bemühungen sind sichtbar und öffentlich, über mindestens eine wird vor Gericht verhandelt werden.
Massenversender haben eine Reihe von Möglichkeiten, an Ihre Adresse zu kommen:
Durch das Zusammenspiel all dieser Prozesse entstehen Tausende von Mailinglisten, die sich zum Teil erheblich überschneiden. Wenn man seine Adresse auf einer Liste streicht, heißt das nicht, daß sie automatisch auf allen Listen verschwindet; im Gegenteil - beim nächsten Abgleich kann sie wieder erscheinen. Manche Massenversender geben sich mit dem Streichen von Adressen Mühe; insgesamt gesehen muß man aber davon ausgehen, daß der Umfang der Listen immer mehr zunimmt.
Was kann ich machen? -- Leider gibt es kein Patentrezept dafür, Massen-Emails zu beseitigen. Mit zunehmender Schwere des Problems wird es wahrscheinlich dazu kommen, daß "spam"-freie Email-Accounts angeboten werden und daß die Filtersoftware für Email immer raffinierter wird. Bis Massen-Email aber wirksam gestoppt werden kann, hilft Ihnen nur die Beschwerde:
"Ich habe die folgende ungebetene Massen-Email ("Spam") erhalten, die offensichtlich von Ihner Site stammt. Sorgen Sie bitte dafür, daß dies nicht wieder vorkommt."
Sie werden darauf wahrscheinlich keine Antwort erhalten, Internetprovider werden Massenversender aber in der Regel daraufhin auffordern, diese Aktivitäten einzustellen. Wenn diese Mailings weitergehen, dann werden die Provider den Account für gewöhnlich schließen.
Falls Sie Bulk-Email von einer Internet-Domain erhalten, die eigens zu diesem Zweck eingerichtet wurde, dann wird diese Taktik wahrscheinlich nichts bringen. Wenn Sie die Utilities "Whois" und "Traceroute" kennen, dann besteht die Möglichkeit, die Zuliefer-Sites Ihres Providers zu identifizieren und sich bei ihnen zu beschweren. Die Einzelheiten dieses Verfahrens können hier aber nicht besprochen werden.
Die Zukunft der Massen-Email -- Die derzeitige Schwierigkeit, Massenversendern das Handwerk zu legen, hat den Ruf nach Regulierung laut werden lassen - den Wunsch, vielleicht schon bestehende Gesetze zu erweitern, die für Postdienste und Faxgeräte gelten. Die Angelegenheit ist zwar sehr komplex, soweit die Vereinigten Staaten betroffen sind; Experten auf dem Gebiet der Kommunikationsgesetze, mit denen ich gesprochen habe, teilen aber die Ansicht, daß die Gesetzgebung auf Email kaum anzuwenden ist, besonders in den Fällen, wo es um Gesetze geht, die Junk-Faxe verhindern sollen. Ein Gesetz, das in diesem Zusammenhang erlassen würde, wäre im Land natürlich schwer durchzusetzen und würde außerhalb gar nicht gelten.
Die ersten Gerichtsverfahren zum Thema Massen-Email haben bereits begonnen, und sie werden von der Online-Gemeinschaft genau beobachtet. Egal wie diese Fälle ausgehen, der Erfolg der Massenversender wird sicherlich für Motivation bei den Diensten sorgen, die versuchen, etwas gegen sie zu unternehmen. Es gibt schon Überlegungen, authorisierte Live-Filter bei den Email-Clients unterzubringen - jedes Mal, wenn Sie Ihre Mail überprüfen, dann sucht Ihr Mailprogramm nach neuen "Anti-Spam"-Filtern, die Ihr Provider oder vielleicht sogar ein Abo-Service irgendwo im Internet eingerichtet hat. Mit einer kleinen Mannschaft und guten Netzverbindungen ist es kein großes technisches Problem, Bulk-Email-Filter zur Verfügung zu stellen, die laufend auf dem neuesten Stand sind.
Falls Sie aber zu den wenigen gehören, die Massen-Emails mögen. . . ich weiß, wo es prima handgestrickte Stiefelchen für Ihre Katze gibt.
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].
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