TidBITS#348/07-Oct-96 - Deutsch

Falls Sie auch die Gerüchte gehört haben, zukünftige Versionen des Mac-Betriebssystems hätten keine Abwärtskompatibilität zur heute vorhandenen Software, nehmen Sie das bloß nicht für bare Münze - es wäre nicht das erste Mal, daß die großen Medien über Apple falsch berichten. Wir bringen auch Neues zu Updates von UserLand Frontier und Corel WordPerfect; Adam erklärt einiges dazu, warum wir die Publikation der DealBITS ausgesetzt haben, und Matt Neuburg schließt seine Besprechung der QuicKeys 3.5 ab. Wir heißen auch Aladdin Systems als neuen Sponsor an Bord der TidBITS willkommen.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#348/07-Oct-96.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-348.html>

Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
Information: <info@tidbits.com> Comments: <editors@tidbits.com>

Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
Information: <office@carrier.co.at> Comments: <ferstl@carrier.co.at>


Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1996/TidBITS#348/07-Oct-96>

Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-348.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-348.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-348.etx>


MailBITS/07-Oct-96

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Ein ganz kurzer Hinweis: Diese Ausgabe der TidBITS geht an genau 40.000 Adressaten in der Mailing-Liste. Die Liste wächst täglich weiter an (Zuwachs zwischen 50 und 100 Personen), obwohl wir auch jede Woche wegen Mail-Problemen mehrere hundert Adressen löschen müssen. Wir nähern uns der 40.000er-Marke schon seit längerem; jetzt haben wir sie zu unserer Freude tatsächlich erreicht. [ACE]

Aladdin ist neuer Sponsor der TidBITS -- Mit großer Freude heiße ich Aladdin Systems, den langjährigen Macintosh-Entwickler, als Sponsor willkommen. Aladdin ist unter den kleinen Mac-Entwicklerfirmen sehr bekannt; besonders in der Online-Welt ist Aladdins Paradeprodukt StuffIt zum Kompressions-Tool der Wahl geworden. Der Grund für die Allgegenwart des StuffIt-Formats ist ganz einfach - StuffIt hat als Shareware begonnen und Aladdin hat immer ein volles Sortiment von StuffIt-Varianten geführt, einige kostenlos (der unverzichtbare StuffIt Expander), einige als Shareware (DropStuff und StuffIt Lite) und einige als kommerzielle Produkte (StuffIt Deluxe, Aladdin Desktop Tools, CyberFinder). Nicht zu vergessen sind außerdem Produkte, die die Grenzen dieser Lizenzformen überschreiten, wie der einfach zu bedienende StuffIt InstallerMaker, der unter verschiedenen Lizenzen zu haben ist.

Aladdin hat die Gemeinschaft der Mac-Online-Nutzer immer besonders unterstützt. Viele der kommerziellen Produkte der Firma können heruntergeladen und dann für einen gewissen Zeitraum kostenlos getestet werden; bei Registrierung über das Netz werden ermäßigte Preise angeboten. Dazu kommt, daß etliche Mitarbeiter bei Aladdin einiges an Zeit in die Mitarbeit bei Internet- und Mac-Mailing-Listen investieren und auch sonst ihre Zeit und ihr Fachwissen einer Reihe von Online-Projekten und -Organisationen zur Verfügung stellen.

Seit kurzer Zeit hat Aladdin einen neuen Chef, John Nesheim, der es sich zur Aufgabe macht, das rasche Wachstum und die sich laufend erweiternde Produktpalette von Aladdin unter Kontrolle zu halten. Wir wünschen der Firma alle Gute und schätzen uns glücklich, daß sie uns bei den TidBITS unterstützt. [ACE]

<http://www.aladdinsys.com/>

UserLand Frontier in der Version 4.1 -- Dave Winer, Doug Baron und andere bei UserLand haben die Version 4.1 von Frontier herausgebracht, der Internet-orientierten Scripting-Umgebung. Frontier 4.1 hat eine neu gestaltete Benutzeroberfläche mit neuen Menüs und einigen "Navigatoren" zu bieten; die letzteren sollen wichtige Teile der Objekt-Datenbank besser zugänglich machen. Weitere Neuerungen betreffen den User Guide, eine neue Dokumentation zum Skripten von Web-Sites und die Fähigkeit, MacBird-Karten zu betreiben (siehe TidBITS-309), die zusätzliche Bedienungserleichterungen mit sich bringen. Frontier birgt auch eine Fülle von Korrekturen und Verbesserungen in sich, die von der Gemeinschaft der Frontier-Benutzer beigesteuert worden sind. Und vielleicht das Beste an all dem: Frontier ist immer noch kostenlos.

Im Moment ist ein Updater für Frontier 4.0.1 auf 4.1 verfügbar (etwa 2,5 MB groß); eine Vollversion von Frontier 4.1 dürfte schon zu haben sein, wenn Sie diese Zeilen lesen. Halten Sie die Installationsanweisungen genau ein (und legen Sie vorher eine Sicherungskopie Ihrer "Frontier.root"-Datei an!); laden Sie sich auch die neue Version des Users Guide (etwa 1,1 MB groß) herunter. [GD]

<http://www.scripting.com/frontier/>

Updater für Corel WordPerfect 3.5.2 -- Corel hat eine Updater für WordPerfect 3.5.2 publiziert, der Berichten zufolge etwa ein Dutzend Fehler beseitigt, von denen einige mit dem Bedrucken von Umschlägen zu tun haben. Derzeit scheint das Update nur auf einem völlig überforderten Wildcat-BBS-System zu liegen, das von Corel betrieben wird; die FTP-Bedienung dieses Systems weicht vom Üblichen ab und einige Mac-Benutzer haben schon von Schwierigkeiten beim Herunterladen und Decodieren des 2,5-MB-Pakets berichtet (ich selbst hatte im "Text"-Modus von Fetch nicht die geringsten Probleme). [GD]

<ftp://bbs.corelus.com/WordPerfectfortheMac/wp35.hqx>

Seymour Cray ist nicht mehr -- Es hat zwar nicht wirklich mit dem Mac zu tun, aber wir wollen doch das Hinscheiden von Seymour Cray am 5. Oktober 1996 an den Folgen von Verletzungen, die er sich bei einem Autounfall zugezogen hat, anmerken. Cray hat im Jahre 1958 den ersten Supercomputer der Welt auf Basis von Transistoren gebaut; er hat einen bedeutenden Anteil an der Entwicklung des Konzepts Reduced Instruction Set Computing (RISC), das die Basis des PowerPC und anderer moderner Mikroprozessoren bildet. Die geschäftlichen Aspekte von Crays Tätigkeiten waren zwar nicht immer erfolgreich (Cray Research wurde vor einigen Jahren an Silicon Graphics verkauft), er wird aber auch in kommenden Zeiten als eine der einflußreichsten Persönlichkeiten im Bereich der Hochleistungs-Datenverarbeitung zu gelten haben. [GD]

<http://www.cnn.com/TECH/9610/05/cray.obit/index.html>

Der DealBITS-Deal

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Hartmut Greiser]

Wir hatten es ja schon im Oktober 1995 in unserer Ausgabe TidBITS-297 angemerkt - die Veröffentlichung der DealBITS über ein Jahr war in erster Linie ein Experiment. Wir wollten versuchen, neue Wege der Werbung im Internet aufzuzeigen und sie zu einer positiven Kraft für die Industrie zu machen. Bei den DealBITS haben sich Idealismus und die praktische Notwendigkeit vereint, unseren Lebenunterhalt mit TidBITS verdienen zu müssen. In vielerlei Hinsicht war das ein Erfolg, auf der anderen Seite mußten wir aber einsehen, daß wir zu wenig Erfahrung mit Werbung haben, um unser Ziel zu erreichen.

Das eigentliche Problem mit den DealBITS war, daß wir im Vergleich zur nötigen Arbeit zu wenig Geld damit verdienten. Das Projekt war zwar profitabel, hat aber viel zu viel von unserer - hauptsächlich Tonyas - Zeit gekostet. Vielleicht noch wichtiger: der zweiwöchentliche Gestaltungsprozeß von DealBITS selbst war zu wenig motivierend, als daß er die finanziellen Nachteile hätte ausgleichen können. Deshalb haben wir uns entschieden, die DealBITS-Veröffentlichung zu unterbrechen und das Konzept und seine Umsetzung zu überdenken.

Der wichtigste Punkt, mit dem die DealBITS zu kämpfen hatten: es gab eigentlich nie genug Deals, um eine beliebige Ausgabe für jeden Mac-Anwender besonders interessant zu machen. Wir waren anfangs fälschlicherweise davon ausgegangen, daß wir unsere Anzeigenakquisition durch - im Vergleich zu Printmedien - viel niedrigere Preise ersetzen könnten und daß viele Firmen von selbst zu uns kommen würden. War wohl nix! Es stellte sich heraus, daß der Verkauf von Anzeigen nur eine andere Verkaufsform ist, und daß gute Verkäufer etwas Besonderes sind. Um den künftigen Erfolg zu sichern, werden wir einen professionellen Anzeigenverkäufer brauchen, einen, der in diesem Bereich viele Leute kennt, der die Sprache der Werber spricht und der - ganz wichtig - ausreichend Zeit hat, mit den Werbetreibenden in Dauerkontakt zu bleiben. Interessierte Werbekunden zu finden ist nur der Anfang - danach kommen die gemeinsamen Bemühungen, den Werbekunden zur Abgabe des Textes zu bewegen und besondere Angebote zu formulieren.

Das mit den Angeboten [den "Deals", die dem ganzen den Namen gegeben haben] war auch so eine idealistische Sache. In jeder Einschaltung sollte ein besonderes Angebot enthalten sein, das sonst nirgends zu haben war. Die Idee klingt gut; im Rückblick muß man aber konstatieren, daß durch dieses Vorgehen eine ganze Reihe - besonders die großen - Unternehmen ausgeschlossen wurden. Diese Firmen vertreiben ihre Produkte nämlich nicht selbst, sie arbeiten mit Distributoren oder über andere Kanäle. Damit ist es für sie schwierig bis unmöglich, Angebote zu machen, die sich in irgendeiner Form vom Standard unterscheiden. Ohne die Mithilfe großer Anbieter wiederum müssen die DealBITS auf attraktive und wichtige Produkte verzichten. Wieder ein Punkt, den wir bei den DealBITS unbedingt ändern müssen - wir können es uns nicht erlauben, große Firmen vor den Kopf zu stoßen, weil diese, aus Sorge, ihre Vertriebskanäle zu beschädigen, keine Sonderangebote machen können.

Wir wußten schon gleich zu Beginn, daß die DealBITS nur funktionieren können, wenn wir die damit verbundenen Arbeiten so weit wie möglich automatisierten. Das ist uns bis auf einen Punkt auch gelungen. Wie sich herausstellte, bekamen wir nicht immer zusammenhängende Anzeigenkonzepte und gut gemachte Vorlagen, ohne uns selbst damit beschäftigen zu müssen. Wir haben natürlich Unterstützung angeboten, aber es gab keine Möglichkeit, diesen Prozeß zu automatisieren. Tonya hatte deshalb mit jeder Ausgabe mindestens einen Tag Arbeit. Besonders aufwendig wurde dieses Editierverfahren, wenn jemand den Redaktionsschluß verpaßt hatte und um Verlängerung bat. Es scheint nur zwei Möglichkeiten zu geben: entweder bearbeiten wir nichts und vertrauen auf die Technologie (z.B. eine Webseite für die Eingabe von Manuskripten, die wichtige Bestandteile voraussetzt und jeder Anzeige ein maximales Maß vorgibt) oder wir beißen in den sauren Apfel und bearbeiten alles weiter manuell.

Mit unserem Terminplan bekamen wir auch Probleme. Wir wollten keine weitere wöchentliche Deadline, die mit den TidBITS kollidierte. Eine zweiwöchentliche Planung hätte aber Rechnungslegung und die Vorausplanung behindert, die sich mit Reservierungen für einen Zeitraum von sechs Monaten vor der Veröffentlichung beschäftigt. Wir haben uns schließlich dafür entschieden, jeweils am ersten und dritten Montag eines Monats zu veröffentlichen. Das schien eigentlich Sinn zu machen, führte aber dazu, daß die Anzeigenkunden verwirrt wurden, daß deshalb Redaktionsschlüsse verpasst wurden und daß wir den bereits beschriebenen Stress erlebten. Es sieht so aus, als ob das neue Konzept auf wöchentlichem oder 14-tägigem Erscheinen beruhen wird.

Leider war es auch so, daß die DealBITS nicht die Leserschaft erreichen konnten, die für weitere Sonderangebote nötig gewesen wäre und die das Werben in den DealBITS noch lohnender gemacht hätte. Zum Schluß hatten die DealBITS 8000 Abonnenten und zwischen 1000 und 3000 Webleser. Wir hoffen, daß wir diese Zahlen steigern können. Vielleicht werden wir über eine Befragung im Web Vorschläge erbitten oder einige Ideen auf diesem Weg zur Diskussion stellen.

Als Veröffentlichung waren die DealBITS - glaube ich - ein Erfolg. Als wir die Unterbrechung bekanntgaben, bekamen wir eine Reihe von Zuschriften enttäuschter Leser, und unsere treuen Anzeigenkunden waren ziemlich betroffen. DealBITS-Leser sind gute Kunden, die die Werbekunden nicht aus den Augen verlieren wollten. Small Dog Electronics, die Hardware, Software und Mac-Systeme verkaufen, haben sogar eine eigene inoffizielle Liste, um mit DealBITS-Lesern in Verbindung bleiben zu können - Interessenten können sich per Email an <donmayer@aol.com> auf den Verteiler setzen lassen. Wir müssen uns bei den DealBITS jetzt um die geschäftlichen Probleme und um die Abstimmung der anderen Aspekte kümmern, die mit der Veröffentlichung zusammenhängen, damit sie ihre Ziele erreichen und die TidBITS unterstützen können.

Falsch verstanden

von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>

[Übersetzung: Hartmut Greiser]

Letzte Woche hat ein Artikel von Tom Abate im San Francisco Examiner eine Lawine von Spekulationen und Berichten von Nachrichtenagenturen ausgelöst, dazu kamen die (üblichen) halb-hysterischen Briefe an die TidBITS. Was war passiert? In diesem Examiner-Artikel schien die Behauptung aufgestellt worden zu sein, Ellen Hancock, Apples Chief Technology Officer, plane die Abwärtskompatibilität des Mac OS für künftige Versionen zu streichen.

<http://www.sfgate.com/cgi-bin/examiner/article.cgi?year=1996&month=10&day=04&article=BUSINESS15526.dtl>

Der Artikel zitiert Hancock: "Wenn wir uns zwischen der Abwärtskompatibilität und neuen Funktionen entscheiden müssen, dann werden wir die neuen Funktionen wählen." Diese Aussage ist durch Nachrichtenagenturen, durch unzählige Mailinglisten und Usenet-Postings so verstärkt worden, daß jetzt die Auffassung herrscht, Apple habe entschieden, daß keines der aktuellen Programme unter Mac OS 8 laufen werde.

Das ist schlicht falsch, und der Grund dafür ist leicht zu verstehen. Apple würde "Firmen-Selbstmord" begehen, wenn keines der heute existierenden Macintosh-Programme unter künftigen Mac-OS-Versionen laufen würde. Eine derartige Entscheidung wäre im Grunde katastrophaler, als wenn man das Mac-Betriebssystem zugunsten einer Unix- oder einer MS-Windows-Variante opfern würde. Entwickler würden die Mac-Plattform in Scharen verlassen und - wichtiger noch - viele Anwender würden sich zweifellos angewidert von Apple abwenden. Schließlich mögen die Macintosh-Nutzer den Mac aus einem ganz bestimmten Grund: wegen der Software. Wenn keine dieser Anwendungen mehr funktionieren würde, dann verlöre Apple seinen wichtigsten Vorteil.

Worum geht es Apple also in Wirklichkeit? Im Grunde gibt es eigentlich nichts Neues: Es wird etwa alle 6 Monate stufenweise Updates des Mac-Betriebssystems geben, und mit der Einführung neuer Merkmale aus Copland (preemptives Multi-Tasking, ein neuer Mikrokernel, ein neues File-System etc.) werden einige Macintosh-Programme aktualisiert werden müssen, damit sie unter dem neuen Betriebssystem laufen. Das ist nichts Besonderes: die entsprechenden Hinweise gab es von Apple schon, seit Copland 1993 den Entwicklern vorgestellt wurde. Bestimmte Programme werden problemanfälliger sein als andere; dazu gehören in erster Linie Kontrollfelder und viele Systemerweiterungen und solche Anwendungen, die auf nicht dokumentierte Systemaufrufe zurückgreifen.

Apple hat sich schon in der Vergangenheit jede erdenkliche Mühe gegeben, um sicherzustellen, daß vorhandene Applikationen auch unter der neuesten Systemversion funktionieren. Es ist natürlich nicht immer möglich, aber Apple hat in einer Reihe von Fällen einen bestimmten Fehler oder ein undokumentiertes Verhalten im System belassen, weil eine wichtige Applikation Probleme bekommen hätte, wenn diese Fehler behoben worden wären. Die einzige Änderung der Apple-Position scheint darin zu bestehen, daß man nicht mehr bereit ist, Systemsoftware an Anwendungen und Software zu koppeln, die von undokumentierten Aufrufen der System-Toolbox oder von sonstigen riskanten, nicht standardisierten Programmierpraktiken abhängen. Mit verschiedenen Komponenten der System-Software hat Apple dies früher bereits getan (dazu gehören der Finder, der Sound Manager, QuickDraw und anderes). Obwohl dieses Vorgehen in der Regel zunächst einen Aufschrei verursacht, bleibt keine Wahl - das Betriebssystem muß sich weiterentwickeln und diese Methode hat sich bewährt. So sehr übrigens, daß sie bei den meisten anderen Betriebssystemen auch angewendet wird (Unix, Windows 95, Windows NT, VMS und anderen).

Es gab Spekulationen, der Examiner-Artikel sei ein Hinweis auf Apples Pläne, künftige Mac-OS-Versionen durch das Betriebssystem von Be zu ersetzen. Soweit ich das beurteilen kann, hat sich die Situation zwischen Apple und Be trotz verschiedener abwegiger Behauptungen von Apple- und Be-Anwendern nicht geändert (siehe TidBITS-343). In der Zwischenzeit hat Be verlauten lassen (aber nicht versprochen), daß es im kommenden Frühjahr Single- und Multiprozessorversionen von BeOS für die Power Macs geben wird.

Falls man aus diesem Vorfall (und aus ähnlich verwirrenden Medienereignissen in Verbindung mit Apple) irgendwelche Lehren ziehen kann, dann diese: Technologische Reports über den Macintosh aus der Mainstream-Ecke sollten immer mit Vorsicht genossen werden. Damit meine ich nicht unbedingt bestimmte Autoren oder Publikationen - ich kenne diese Leute nicht und habe auch keinerlei Absicht, irgendwelche abfälligen Bemerkungen zu machen. Der Prozeß, den eine Mainstream-Story zu einem Apple-Thema durchmacht, gleicht aber der Nachricht, die 20 Personen dadurch weitergeben, daß sie sie jeweils dem Nachbarn ins Ohr flüstern. Meistens hat die Nachricht, die beim zwanzigsten Empfänger ankommt, mit der urspünglichen Meldung nicht mehr viel zu tun. Bei der Mainstream-Presse besteht diese Reihe aus Journalisten, Herausgebern, Mitarbeitern, Lektoren, Schlußredakteuren und Korrespondenten. Die Macintosh-Gemeinschaft steht dabei meist an letzter Stelle.

Form, Funktion und QuicKeys 3.5 (Teil 2)

von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Vorige Woche habe ich im ersten Teil dieses Artikels in TidBITS-347 das Programm QuicKeys (QK) von CE Software beschrieben und eine neue Option der vorliegenden Version 3.5 erwähnt: Toolbars als weitere Möglichkeit, Aktionen auszulösen. Dieser zweite Teil befaßt sich mit einer eingehenden Bewertung.

Kreative Einschränkung -- Damit QK von Nutzen sein kann, muß der Vorgang der Erstellung oder Bearbeitung einer Aktionsform einfach und bequem ablaufen. Sie wollen schließlich Ihre Zeit dafür verwenden, Ihren Computer für Ihre eigentlichen Aufgabenstellungen zu nutzen statt ein Programm zu konfigurieren, das erleichterte Bedienung verspricht. Viele Vorgänge sind ja einmalig; wenn Sie eine Reihe von Bildern in das Album kopieren, wollen Sie diese Aufgabe kaum automatisieren, es sei denn, es geht dann schneller und komfortabler als die Erledigung per Hand.

Dennoch haben die Benutzer von QK über die Jahre im wechselnden Ausmaß mit Unbequemlichkeiten und verwirrenden Details der Oberfläche zu kämpfen gehabt, wenn sie das Produkt an ihre Zwecke anpassen wollten. Die Aktionen, die mit QK automatisiert werden können, lassen sich in verschiedene Kategorien einordnen; die jeweils passende muß aus einem schlecht strukturierten hierarchischen Menü ausgewählt werden. Viele der Aktionen werden unter Verwendung schrecklich gestalteter Dialogboxen erstellt und abgeändert, die oft auch noch zu weiteren Dialogen verzweigen. Alle diese Dialoge sind modal [d.h. sie können nur mittels Klick auf Tasten wie "OK" oder "Abbrechen" zum Verschwinden gebracht werden. --WJF] und versperren den Blick auf andere Dinge am Bildschirm (darunter auf andere QK-Dialoge einer anderen hierarchischen Stufe). In der Version 3.5 ist das Hauptdialogfenster verschiebbar und kann in der Größe verstellt werden, aber es ist immer noch modal. Da die dahinterliegenden Fenster nicht neu gezeichnet werden, ist ein Verschieben dieses Dialogfensters nutzlos.

Wenn Sie eine QK-Aktion erstellt haben, ist es nicht einfach herauszufinden, welchem Zweck sie dient, ohne sie zu öffnen und zu editieren (wobei dann wieder diese ekligen Dialoge daherkommen) - eine Aktion kann leider nicht mit einem beschreibenden Namen versehen werden. In manchen Fällen läßt sich der Name abändern, aber Sie sind dabei auf wenige Zeichen beschränkt. In anderen Fällen läßt sich der Name überhaupt nicht editieren. Ein Beispiel: Die Aktion, die den Menüpunkt "Close" auswählt, und diejenige, die (etwa in Nisus Writer "Close All") denselben Menüpunkt, aber mit gedrückter Shift- und Optionstaste betätigt, tragen beide den Namen "Close". Es kann zwar eine Anmerkung [im Original "comment", --WJF] angehängt werden; diese ist aber im Hauptfenster nicht sichtbar - um sie lesen zu können, muß auf das "Comment"-Icon der Aktion geklickt werden.

Aktionen zu Sequenzen zu verknüpfen ist ein noch abschreckenderer Vorgang. Im Sequence Editor kann eine Aktion nicht mit der Maus an eine neue Stelle in der Kette gezogen werden; es ist auch nicht intuitiv klar, wie eine solche Verlagerung mittels "cut and paste" zu machen ist. Hier taucht schon wieder das Problem der nicht-beschreibenden Namen von Aktionen auf, erschwert um den Umstand, daß im Sequence-Editor überhaupt keine Anmerkungen möglich sind. Es ist unverständlich, warum bei CE Software niemand auf die Idee kommt, sich die Oberflächen von Programmen anzusehen, wo auch Folgen von editierbaren Aktionen aufgebaut werden können - mir fällt da sofort FileMaker Pro als Vorbild ein.

Viele Jahre lang hat den Sequenzen von QK jede Form von Programmierbarkeit (wie etwa Schleifen und Verzweigungen) gefehlt; abgesehen davon, daß eine Aktion die andere aufrufen konnte, war die Sequenz linear. Eine klobige Form bedingter Verzweigung ["if-branching"] tauchte in der Version 2.1.2 auf und wurde in 3.0 bedeutend verbessert. Die Version 3.5 verbessert nun die "jump"-Anweisung und hat auch ein neues Schleifen-Konzept, den Batch Processor, der alle Dateien in einem Ordner abarbeiten kann, indem er sie nacheinander öffnet und eine definierte Sequenz von Aktionen auf sie anwendet. Diese Möglichkeit ist aber wieder nutzlos, wenn Sie mit den Dateien in einem Folder etwas machen wollen, wofür sie nicht geöffnet werden müssen. Alle bedingten Verzweigungen bleiben auf die Situationen beschränkt, in denen QK die if-Bedingung testen kann, und sind weiterhin plump und unhandlich zu bedienen.

OSA, alles klar? Eine kurze historische Lektion: Im Jahre 1991 kamen mit dem System 7 die Apple Events auf uns zu, die bei dafür geeigneten Anwendungen die Inter-Application Communication (IAC) möglich machten; solche IAC-tauglichen Programme müssen in der Lage sein, Apple Events zu senden und zu empfangen. Ein Jahr später wurde dann System 7.1 um die Open Scripting Architecture (OSA) erweitert, die auch die Entwicklung anderer Scripting-Sprachen für Apple Events gestattete; 1993 schließlich brachte Apple seine eigene derartige Sprache heraus - AppleScript.

CE hat auf System 7 durch die Integration einer Erweiterung (namens CEIAC - die Bedeutung ist klar?) reagiert, die QK in die Lage versetzte, Apple Events zu schicken und zu empfangen. Blanke Apple Events sind aber schwierig handzuhaben; die bedeutsame Änderung kam Mitte 1993, als die Version QK 3.0 drei größere Neuerungen mitbekam:

Ich hatte zum Beispiel ein AppleScript, das viele Bilder aus QuarkXPress herauskopieren und in Microsoft Word einsetzen konnte; ich wollte allerdings während dieses Prozesses auch noch Zwischenstation beim GraphicConverter machen (um dort die Bit-Tiefe zu reduzieren). Das Problem dabei ist, daß der GraphicConverter nicht skript-tauglich ist. Mein Skript kommunizierte also bei jedem einzelnen Bild zu Quark und Word in AppleScript und dazwischen in der Sprache von QK, um im GraphicConverter Menüs auszuwählen und Tasten zu drücken.

Bedauerlicherweise ist die Integration zwischen QK und anderen Skript-Dialekten nicht sehr gut, weil QK keine Variablen kennt; deswegen ist es schwierig, Informationen hin und zurück zu schicken.

Ich mußte zum Beispiel früher Pegasus Mail verwenden, das nicht skript-fähig ist. Ich wollte es dazu bringen, alle Nachrichten aus meiner Mailbox von einem Novell-Server auf meine Festplatte herunterzuladen und dann die Messages auf dem Server zu löschen. Mit QK konnte ich jeweils die nächste Nachricht auswählen und dann ein "Save" geben; ich war allerdings an dieser Stelle mit einem leeren Save-Dialog konfrontiert und ohne Variablen konnte QK auch keinen individuellen Dateinamen für jede Message (in der Art von "Temp1", "Temp2" etc.) vergeben. Ich war also gezwungen, QK aus einer anderen skript-fähigen Applikation zu bedienen, die auch die aufeinanderfolgenden Dateinamen erzeugen konnte. Ich entschied mich für HyperCard; es funktionierte, aber nicht ohne Eigenarten. Bei jedem Durchlauf durch die Schleife mußte HyperCard den nächsten Dateinamen an QK schicken; umgekehrt wußte QK, wenn alle Messages gelöscht waren, mußte dies aber auch an HyperCard weitermelden, damit dort die Schleife verlassen werden konnte.

Seit ich dieses Skript erstellt habe, hat sich die Welt weiterentwickelt - QuicKeys freilich nicht. Heute erledige ich solche Aufgaben mit PreFab Player. Diese Anwendung hat keine Oberfläche: sie ist kein Werkzeug für den User, um Aktionen und Sequenzen direkt auszulösen so wie QK. Aber als Weg, um nicht skript-taugliche Applikationen aus einer skriptfähigen Anwendung heraus zu bedienen, ist Player besser geeignet, weil seine Befehle AppleScript- oder UserTalk-Kommandos sind (UserTalk ist die Skriptsprache von Frontier); die Variablen und Schleifen-Konstrukte jeder dieser beiden Sprachen können gemeinsam verwendet werden. Sie müssen keinerlei Information über die Grenze zwischen den beiden OSA-Dialekten übermitteln oder die Dialekte selbst wechseln.

<http://www.tiac.net/prefab/player.html>

Es wär zu schön gewesen... -- Seit vielen Jahren ist QK ein zuverlässiges Pferd in meinem Mac-Softwarestall: ich rufe es ständig auf, um das Verhalten meines Mac zu verändern und zu automatisieren. Ich will es so ausdrücken: Ein Computer ist zum Programmieren da, oder zumindestens sollte der Benutzer die Kontrolle über das Gerät haben, nicht umgekehrt. QK hat mich vor Tätigkeiten und vor Eigenheiten von Applikationen bewahrt, vor langweiliger Routine, vor rituellen Frage-und-Antwort-Situationen - und überhaupt vor Dingen, die mich anstelle des Computers zum Automaten zu machen drohten.

QK hat schon vor langer Zeit Anerkennung als hochkarätiges, unverzichtbares Mac-Werkzeug gefunden. Damit war CE aber nicht zufrieden und hat sich nicht auf den Lorbeeren ausgeruht. Die jeweils neuen Releases hatten immer Feinarbeit vorzuweisen, als ob CE stets bemüht gewesen wäre, neue User mit verbessertem Bedienungskomfort anzulocken und dabei die vorhandenen Kunden ebenfalls gut zu bedienen. QK 3.5 hingegen ist, trotz neuer Möglichkeiten durch Toolbars und Batch Processor, im wesentlichen eine konsolidierte Version des Produkts. Die Vorstellung ist ein wenig enttäuschend, daß nach drei Jahren Sendepause dies alles gewesen sein soll, was CE in der Zwischenzeit geleistet hat.

CE hätte sehr viel in Richtung Programmierbarkeit von QK tun können: Verbesserungen an den eingebauten Programmier-Konstrukten, vielleicht Variablen und arithmetische Operationen; eine andere Entwicklungsrichtung wäre die erhöhte Integration mit vorhandenen Skript-Dialekten gewesen. Statt dessen bleibt QK als eigenständiges Scripting-Werkzeug schwach und ist als AppleScript- oder UserTalk-orientiertes Produkt von PreFab Player überrundet worden.

CE hätte auch den User mit verbesserten Handbüchern behilflich sein können. Statt dessen ist das Manual, das seit der Klarheit in der Version 2.0 (von Fred Terry erstellt) einer ständigen Qualitätsverschlechterung unterworfen war, jetzt schlecht gemacht und einfach nicht informativ genug; gedruckte Referenzinformationen jeder Art sind durch ein Online-Hilfesystem ersetzt worden, das aber in einem plumpen und ungeeigneten Apple-Guide-Format angefertigt ist.

CE hätte die Version 3.5 hochattraktiv machen können; so aber ist etwa die Hälfte der vorhandenen Installationen vom Gebrauch dieser Version ausgeschlossen, weil diese mindestens System 7.5 voraussetzt.

CE hätte auch grundlegende Funktionen von QK verbessern können - hier einige Ideen dazu:

<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/gui/no-desktop-cleanup-121.hqx>

Schließlich wäre es CE sicher möglich gewesen, einige fundamentale Verbesserungen an der Oberfläche von QK anzubringen. Das neue Aussehen des Hauptdialogs und des Sequenz-Editors sind reine Dekoration; gefragt wäre eine von Grund auf neu überdachte Oberfläche für das Programm.

Schließlich und endlich -- QK ist und bleibt unentbehrlich; ich kann mir ohne QK meinen Computeralltag nicht vorstellen. QK-Benutzer mit System 7.5 oder höher werden zum Upgrade greifen - vielleicht auch nur, um von der Behebung von Fehlern zu profitieren, von denen ich gar nichts weiß. Dennoch: Nach einer Pause von drei Jahren hätten sowohl neue wie auch langjährige Kunden mehr an Features erwarten können als die Version 3.5 zu bieten hat.

<http://www.cesoft.com/quickeys/qkhome.html>

[Wir hoffen in einer der nächsten Ausgaben Besprechungen der wichtigsten Mitbewerber von QK, nämlich OneClick von WestCode Software und KeyQuencer 2.0 von Binary Software, zu bringen. -Adam]

CE Software, Inc. -- 515/221-1801 -- 800/523-7638


Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].

Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].

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