TidBITS#349/14-Oct-96 - Deutsch

Denken Sie an die Anschaffung eines Macintosh? Sie haben jetzt noch etwas mehr Auswahl - APS, der langjährige Anbieter von Mac-Peripherie, ist unter die Clone-Hersteller gegangen. Wir zeigen auch auf, wie Netscape 3.0 auf älteren Macs betrieben werden kann, wie (auf nicht "offiziellem" Weg) Teile des Systems 7.5.3 unter 7.5.5 installiert werden können und wie sich das HTML-Tool TagBuilder von Maxum anfühlt. Wir bringen weitere Aspekte zu der Frage, warum manche Produkte in den Medien nicht erwähnt werden und Adam geht auf Intermind Communicator ein, ein Produkt mit dem hohen Anspruch, das Wesen der Online-Kommunikation völlig zu verändern.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#349/14-Oct-96.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-349.html>

Copyright 1990-1996 Adam & Tonya Engst. Details am Ende dieser Ausgabe.
Information: <info@tidbits.com> Comments: <editors@tidbits.com>

Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier GmbH.
Information: <office@carrier.co.at> Comments: <ferstl@carrier.co.at>


Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1996/TidBITS#349/14-Oct-96>

Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-349.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-349.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-349.etx>


MailBITS/14-Oct-96

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

System 7.5 Update 2.0: Angepaßte Installation -- Wenn Sie zum System 7.5.5 umgestiegen sind (siehe TidBITS-346) und danach irgend etwas aus dem System 7.5 Update 2.0 (mit dem System 7.5 auf 7.5.3 gebracht worden ist) neuerlich zu installieren hatten, konnten Sie feststellen, daß das System 7.5 Update 2.0 unter System 7.5.5 gar nicht läuft. Apple ist üblicherweise dafür verantwortlich; es soll damit sichergestellt werden, daß die User nicht Komponenten aus verschiedenen Systemversionen durcheinandermischen, die nie aufeinander abgestimmt worden sind. Andererseits: Bei der Fülle von Mac-Clones, Systemänderungen und Updates in letzter Zeit ist es sehr ärgerlich, keine Komponenten aus dem System 7.5 Update 2.0 installieren zu können - im besonderen brauchen die Benutzer Open Transport 1.1 und MacinTalk aus diesem Paket.

Die von Apple empfohlene Lösung des Problems: Eine saubere Installation von System 7.5.3 von Grund auf (mit allen gewünschten Komponenten), dann neuerlich auf 7.5.5 upgraden. Darüber hinaus gibt es von Apple aber auch ein nicht unterstütztes Update-Installer-Skript, das mit dem System 7.5 Update 2.0 unter System 7.5.5 verwendet werden kann - das Skript wird einfach auf das Icon des System 7.5 Update 2.0 gezogen. Achtung: Legen Sie vorher eine Sicherungskopie Ihres Systems an, schalten Sie alle Erweiterungen ab, die nicht zum Umfang von 7.5.5 gehören, und lesen Sie die Anleitung sehr sorgfältig! Dieses Skript wird vielleicht durch bevorstehende neue Systemkomponenten (wie Open Transport 1.1.1) bald überholt sein; andererseits gibt es Hinweise darauf, daß manche Mac-Typen auf absehbare Zeit nicht mit System 7.5.5 ausgeliefert werden - und dies könnte dem Installer-Skript ein langes Leben bescheren. [GD]

<ftp://ftp.support.apple.com/pub/apple_sw_updates/US/mac/Unsupported/Sys75_Upd2.0_Custom_Install.hqx>

Netscape Navigator 3.0 auf älteren Macs -- Netscape hat ein Problem mit Navigator 3.0 entdeckt, das auf Macs mit sogenannten "schmutzigen" ROMs und mehr als 8 MB RAM auftritt. Zu den möglicherweise betroffenen Typen zählen Mac II, SE/30, IIcx und IIx. Das Problem äußert sich nicht gerade subtil - ein Systemfehler beim Starten von Navigator -, aber die Lösung ist einfach. Wenn Sie Virtual Memory von Apple vor dem Öffnen des Browsers einschalten oder RAM Doubler von Connectix installieren, tritt der Fehler nicht auf. Eine Alternative dazu ist, zur Betaversion der Woche, Navigator 3.01.b1, umzusteigen, die entweder 3,7 oder 5,1 MB groß ist. [ACE]

<ftp://ftp.netscape.com/pub/navigator/3.01/3.01b1/mac/netscape3.01b1.bin>
<ftp://ftp.netscape.com/pub/navigator/3.01/3.01b1/mac/netscape3.01b1.hqx>
<http://home.netscape.com/eng/mozilla/3.0/relnotes/mac-3.01b1.html>

Und noch ein paar Clones

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Vor kurzer Zeit ging die interessante Neuigkeit die Runde, der Festplattenanbieter (und Sponsor der TidBITS) APS plane eine Palette von Mac-Clones anzubieten, und zwar möglicherweise schon ab November. APS will zunächst in der Serie M*Power drei Modelle anbieten, zwei Desktop-Geräte mit PowerPC-603e-Prozessoren (zu 160 und 200 MHz) und einen kleinen Tower, der auf dem PowerPC 604e mit 200 MHz basiert. Die Platinen werden von Motorola bezogen; APS will sich von den anderen Clone-Anbietern abheben, indem den Käufern sehr spezifische Hardware-Konfigurationen ermöglicht werden, die sich von den Basis-Angeboten weitgehend unterscheiden.

Die Basis-Ausstattung für die beiden Desktop-Geräte, den M*Power 603e160 und den M*Power 603e200, umfaßt drei PCI-Steckplätze, 16 MB Arbeitsspeicher, CD-ROM-Laufwerk mit 8-facher Geschwindigkeit, 1 MB VRAM (erweiterbar bis 4 MB) und eine Festplatte von 1,2 GB; die Preise liegen bei 1.399 und 1.599 US$. Das 160-MHz-Modell wird ohne Level-2-Cache, das 200-MHz-Modell mit 256 K Level-2-Cache ausgeliefert; beide können mit bis zu 512 K L-2-Cache bestückt werden.

Der M*Power 604e200 (Preis 2.599 US$) im Minitower-Gehäuse weist fünf PCI-Steckplätze, 24 MB RAM, ein CD-ROM-Laufwerk 8-fach und eine Festplatte von 2,5 GB als Standardausstattung auf, daneben sind noch 2 MB VRAM und ein Level-2-Cache von 512 K enthalten.

In den genannten Preisen sind ADB-Tastatur und Maus enthalten, aber kein Monitor. Wenn ich an die hohen Memory-Anforderungen der meisten Programme denke, glaube ich außerdem, daß die meisten Interessenten mit dem RAM der Basis-Ausstattung nicht das Auslangen finden werden.

<http://www.apstech.com/aps-mpower.html>

Ich habe Paul McGraw, den Vizepräsidenten von APS, um seine Einschätzung des Clone-Marktes gebeten. Er hat die Entscheidung seines Unternehmens folgendermaßen erläutert: "Schon bisher hatten wir auf fast alles im System Rücksicht zu nehmen; der Schritt zum Clone-Anbieter ist naheliegend, wenn wir aus dem Wissen und den internen Einrichtungen, die bei uns schon vorhanden sind, bestmöglichen Nutzen ziehen wollen." In anderen Worten, APS hat bereits hinreichend Know-How beim Assembling, Verkauf und Support von Peripherie unter Beweis gestellt, sodaß die Ausdehnung der Tätigkeit auf Mac-Clones die logische Fortsetzung einer bewährten Linie darstellt.

Darüber hinaus wird APS diese erste Produktlinie wahrscheinlich in Zukunft auch weiterzuentwickeln trachten. Die Kapazitäten von Festplatten wachsen weiter bei fallenden Preisen (die kleinste von APS angebotene Harddisk ist über 1 GB groß). Die Konsequenz dieser Fakten liegt auf der Hand: In absehbarer Zeit werden die meisten User mit Plattenspeicher hinreichend versorgt sein. Professionelle Benutzer werden weiterhin Platten-Arrays mit 10 GB und dergleichen kaufen; das Segment der Kunden, die eine Platte von 80 MB durch etwas Größeres ersetzen, wird jedenfalls weiter schrumpfen.

Von einem Standpunkt, der die Aspekte der gesamten Branche in Betracht zieht, begrüße ich es, daß APS mit Mac-Clones auf den Markt kommt. Ich bin zwar nicht ganz unparteiisch (immerhin hatte ich schon immer eine Sympathie für APS), aber es ist doch für Apple und den Macintosh-Markt wichtig, daß es möglichst viele Clone-Anbieter gibt, besonders solche, die sich im Markt für Mac-Hardware schon einen Namen gemacht haben. Es scheint auch, als ob die APS-Clones eher zum unteren Preissegment zuzuordnen wären, was sicher dazu beiträgt, sie in die Hand vieler Benutzer zu bringen.

TagBuilder: Gutes Teamwork bei HTML-Erstellung

von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Ein Weg, einen Mac-Webserver Dinge machen zu lassen, die ein wenig nach Magie aussehen, ist der Einsatz von NetCloak und NetForms (beide von Maxum). NetCloak bietet die Möglichkeit, verschiedenen Browsern jeweils andere Pages zu präsentieren und darüber hinaus Zähler, Datum und Uhrzeit einzublenden. Das Produkt beherrscht außerdem noch einige spezielle Tricks, wie etwa je nach Tageszeit nur spezielle Teile einer Page zu zeigen oder eine Seite nach dem Zufallsprinzip zu wechseln. NetForms leistet Hilfestellung bei der Handhabung von Formularen: es kann automatisch Webseiten erstellen, die die Messages von Web-Surfern enthalten und auch in flexibler Weise die Einträge in einem Web-Formular per E-Mail versenden. Wenn Sie zum Beispiel die TidBITS auf unserer Web-Site subskribieren, wird dies mit Hilfe von NetForms weiterbearbeitet.

Maxum war auf diesem Gebiet einer der Pioniere; was ich oben aufgeführt habe, ist gar nicht so neu (obwohl es andererseits erklären mag, wie einige Web-Server auf Mac-Basis hinter den Kulissen konfiguriert sind). Neu ist ein kostenloser Zusatz von Maxum mit Namen TagBuilder 1.0. Unter dem Eindruck der Tatsache, daß immer mehr Web-Gestalter zu grafischen Werkzeugen wie golive und PageMill abwandern, hat Maxum TagBuilder entwickelt, um die von grafischen HTML-Applikationen faszinierten Personen nicht am Eintippen von zu vielen Maxum-eigenen HTML-Erweiterungen (die aber für das Funktionieren von NetForms und NetCloak wesentlich sind) scheitern zu lassen; zudem bieten diese HTML-Programme kaum Möglichkeiten zur Automatisierung von Tätigkeiten.

Das Fenster von TagBuilder stellt eine einfache Oberfläche in Gliederungsform dar, die die Tags für NetCloak oder NetForms auflistet. Wenn Sie einen Tag entdecken, den Sie verwenden wollen, ziehen Sie ihn einfach in den HTML-Editor Ihrer Wahl (vorausgesetzt, dieser Editor kommt mit "drop"-Text zurecht). Leider hat Maxum noch kein "Copy and Paste" für diejenigen Editoren vorgesehen, die kein "drag & drop" beherrschen. TagBuilder liefert auch eine hilfreiche Beschreibung der einzelnen Tags. Das ändert freilich nichts daran, daß NetCloak und NetForms keine simplen Produkte sind; der Einsatz von Tags für diese Applikationen erfordert daher auch gewisse Vorkenntnisse.

Es freut mich, daß Maxum ein gelungenes Produkt anzubieten hat, das die Benutzung anderer Maxum-Software zusammen mit den Applikationen anderer Hersteller erleichtert. TagBuilder ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine Firma praktischen Gebrauchswert bieten kann, ohne die Benutzer in ihrer Wahlfreiheit, welche Produkte sie sonst noch benutzen wollen, zu sehr einzuschränken.

TagBuilder wird mit NetCloak und NetForms ausgeliefert und wird auch der Version 2.0 von Adobes PageMill beiliegen. Demo-Versionen der Maxum-Software und von TagBuilder sind an folgender Web-Adresse zu finden:

<http://www.maxum.com/>

Maxum Development -- 630/830-1262 (fax)

Was Sie sonst noch vergessen haben...

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Mein Artikel in TidBITS-346 zu der Frage, warum manche Produkte in den Medien nicht vorkommen, hat einiges an Reaktionen und einige Anfragen von Lesern nach sich gezogen.

Tom Negrino <tom@negrino.com> teilt uns eine Unterstellung mit, der ich selbst noch nie ausgesetzt war:

Zu meiner Überraschung erwähnen Sie ein Motiv, ein Produkt zu ignorieren, gar nicht, das mich immer wieder verblüfft, wenn es mir vorgeworfen wird:

"Sie sind ja von Apple / Microsoft / Adobe / Joe's Software Company bestochen, dieses und jenes Produkt nicht zu nennen."

Wie sagte ich doch letzten Monat zu meiner Freundin, als Apple die übliche Lieferung Gold auf meiner vorderen Veranda abliefern ließ? "Ich kann es einfach nicht glauben, daß irgend jemand die journalistische Unbestechlichkeit im Mac-Bereich in Frage stellen kann!"

Nun ja. Mein Bankkonto läßt mich wünschen, es wäre wirklich so.

Peter Rosenthal <pr@imcinfo.com> schreibt:

Als kleiner Mac-Entwickler (Interactive Media Corporation) habe ich Ihren Artikel "Aber es war überhaupt nicht die Rede von..." in TidBITS-346 sehr begrüßt. Es war herzerfrischend, einmal einen Blick auf die andere Seite der Rezensionsarbeit werfen zu können. Ein Aspekt, der kleine Softwarefirmen immer sehr beschäftigt, kommt allerdings nicht vor - der Einfluß großer Anzeigenkunden auf die publizierten Produktbesprechungen. Erzwingen sich diese ihren Weg in den redaktionellen Teil eines Magazins? Wenn ja, beeinflussen sie dort die Objektivität der Artikel?

Adam antwortet: Es mag so scheinen, als ob es tatsächlich manchmal abgekartete Spiele gäbe. Freilich: Seit ich für Macintosh-Publikationen schreibe, ist es mir nie nahegelegt worden, wegen eines Anzeigenkunden irgendwelche Passagen in einem meiner Artikel zu ändern; jeder Redakteur würde es auch zurückweisen, daß es irgendeine Verbindung zwischen dem redaktionellen und dem Anzeigenteil eines Magazins gibt. Das stimmt, aber nur aus der Sicht der Redaktion. Die Mitarbeiter im Anzeigenverkauf wissen sehr wohl, welche Produkte in welcher Ausgabe der Zeitschrift besprochen werden, und versuchen dann, entsprechend plazierte Inserate an die in Frage kommenden Firmen zu verkaufen. Aus diesem Grund lesen Sie einen Artikel über Microsoft Word und sehen eine ganzseitige Werbung für Word auf der nächsten Seite. Es ist unwahrscheinlich, daß der Autor (oder der Redakteur) im voraus von der Anzeige weiß, aber sicherlich wissen die Anzeigenverkäufer von dem Artikel im vorhinein. Wenn es da wirklich Verbindungen in beide Richtungen gäbe, könnte das nur bei kleinen Zeitschriften möglich sein, wo die Trennung zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung weniger deutlich ausgeprägt ist.

Das Problem bei einem derartigen Vorwurf einem Autor oder Redakteur gegenüber ist, daß einem nichts anderes übrigbleibt, als ihn zurückzuweisen - es gibt keinen Weg, irgend etwas zu beweisen. Ich kann jedenfalls sagen (und das ist die Wahrheit), daß wir bei den TidBITS niemals die Erwähnung eines Produkts unterdrückt haben, weil ein Sponsor das von uns wollte. Wenn allerdings jemand schon einmal der Meinung ist, daß irgendjemand anderer eine kleine Firma im Computermarkt fertigmachen will, hätte es auch wenig Gewicht, wenn ich dies in Abrede stellte. Nach wie vor gilt: Ein guter Ruf ist in dieser Welt von beträchtlichem Wert, insbesondere im Internet.

Chris Harvey <glenmiln@astral.magic.ca> schreibt:

Wenn ich Besprechungen von Hardware-Produkten verschiedener Kategorien in den Magazinen der Computerbranche lese, kommt gelegentlich ein wichtiges Produkt darin nicht vor. Ich finde diese Auslassungen ziemlich frustrierend, weil es auf diese Weise sehr schwierig wird, das beste Produkt herauszufinden. Ich kann das ja noch verstehen, wenn die Besprechung gerade dann erscheint, wenn größere Hersteller ihr Modellprogramm umstellen, aber oftmals scheinen Produkte nicht auf, die schon seit Monaten lieferbar sind und auch nicht vor dem Auslaufen stehen. Was ist der Grund dafür? Gibt es außer fehlender Organisation dafür noch Gründe? Irritiert dies außer den Lesern auch die Mitarbeiter der Magazine?

Adam antwortet: Hardware ist ganz besonders problematisch, weil dieses Material, anders als Software, an die Zeitschriften zum Besprechen nur verliehen wird. Abgesehen davon, daß es mit einigen Firmen immer Schwierigkeiten gibt, gibt es das Problem, daß keine Einheit des Produkts gerade zum Verleih an ein Magazin frei ist (Hardware ist ja teurer zu produzieren als Software und kleinere Firmen haben unter Umständen nur einige wenige Exemplare für die Presse verfügbar), weiters das Problem, daß Geräte auf dem Transport beschädigt werden oder aus einem anderen Grund bei ihrer Ankunft nicht funktionieren. Auch kann es geschehen, daß ein neues Modell geplant ist, aber später fertig wird, wodurch die bisherige Type länger als erwartet im Markt bleibt. Autoren, die um die vollständige Darstellung der auf dem Markt verfügbaren Produkte in einem bestimmten Hardwaresegment bemüht sind, finden es auch sehr ärgerlich, ein wichtiges Produkt nicht aufnehmen zu können.

Wir besprechen in den TidBITS fast nie Hardware, weil es nicht dafür steht, ein Gerät anzufordern, es sorgfältig auszupacken (sodaß kein Teil verloren geht), es in relativ kurzer Zeit (meist 30 Tage) zu testen und es dann wieder einzupacken und zurückzuschicken. Deshalb ziehen wir es vor, gegebenenfalls die Erfahrungsberichte anderer Leute mit von ihnen angeschafften Geräten zu veröffentlichen, wenn diese von allgemeinem Interesse sind.

Dazu kommt noch, daß das Testen und Vergleichen von Hardware-Produkten auf professionellem Niveau eine sehr teure Angelegenheit ist: Man braucht dafür ein Testlabor und eine Organisation wie die TidBITS hat nicht die Zeit, nicht die Mitarbeiter und auch nicht das Geld, in dieses Geschäft einzusteigen.

Intermind - Kommunikation auf neuen Wegen

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Seit vielen Jahren habe ich nun mit dem Internet zu tun, habe mir meine Gedanken darüber gemacht und dabei habe ich etliche Technologien kommen und gehen gesehen. Die meisten haben sich nicht lange gehalten, weil sie Probleme hatten; mag sein, daß sie von Anfang an nicht sorgfältig konzipiert waren, mag sein, daß die Herstellerfirma nicht genügend Konsequenz in das Produkt gelegt hat.

Ich komme darauf zu sprechen, weil ich eine Firma und eine Technologie vostellen will, die meiner Meinung nach in nächster Zukunft hohe Aufmerksamkeit in Bezug auf das Internet verdient. Die Firma ist Intermind, ihre vielversprechende neue Technologie heißt Intermind Communicator. Intermind ist kein neugegründetes Unternehmen; dieses Haus hat den Vertrieb des Software-SLIP-Servers TIA (kurz für "The Internet Adapter") übernommen. Intermind ist allerdings nicht mit alter Technologie belastet - ebenso wenig wie mit überholten Vorstellungen zum Internet als Ganzem. Das hat etwas Erfrischendes an sich; auch das neue Produkt, Intermind Communicator, weist einerseits auf neue Ideen und andererseits auf eine realistische Einschätzung der Gegebenheiten im Internet bei Intermind hin.

Was macht der Communicator? Intermind Communicator ist seinem Wesen nach ein neuer Ansatz für Kommunikation im Internet. Er fügt sich zwischen E-Mail und dem Web ein, die ja beide ihre spezifischen Vor- und Nachteile haben. E-Mail ist ein aktiver Vorgang, indem Sie nämlich an eine bestimmte Person eine Nachricht schicken; als Weg, mit vielen Personen zu kommunizieren, ist E-Mail aber wenig effizient (der Betrieb von Mailing-Listen bedeutet viel Arbeit) und kann auch nicht mit der attraktiven Optik des World Wide Web mithalten. Dieses kann zwar wiederum Zeichensätze, Grafik und Layout verwenden (von Hypertext-Links ganz zu schweigen), aber es handelt sich im Grunde um passive Kommunikation - die Leser müssen selbst aktiv werden, indem sie bestimmte Seiten bewußt auswählen; es gibt keine Methode, einen Web-Benutzer automatisch jede Woche Ihre Web-Site besuchen zu lassen.

Was die Übertragung und Darstellung anlangt, baut Intermind Communicator auf dem Web auf; die Technologie nutzt aber auch in ihren aktiven Aspekten die E-Mail-Schiene und stellt daher einen völlig neuen dynamischen Ansatz im Kommunikationsprozeß dar. Ein Beispiel mit den TidBITS soll dies veranschaulichen (die TidBITS werden nämlich mit Hilfe des Communicator veröffentlicht): Dabei kommt etwas zum Einsatz, was bei Intermind als "Hyperconnector" bezeichnet wird - eine kleine Datei, die Angaben über die zu publizierende Datei enthält, einschließlich Name der Publikation, Beschreibung, Häufigkeit des Erscheinens und so weiter.

Als erstes installieren Sie Intermind Communicator, der auf Ihrem Computer läuft und einen Web-Browser als Oberfläche benutzt. Wenn Sie die TidBITS via Intermind Communicator empfangen wollen, subskribieren Sie auf unserem Hyperconnector; das bedeutet, Sie benutzen einen Web-Link, um die Hyperconnector-Datei herunterzuladen und automatisch in Ihrer Communicator-Datenbank einzufügen. Wenn das einmal getan ist, liest Communicator den Inhalt des TidBITS-Hyperconnectors und überprüft unseren Web-Server einmal täglich auf Veränderungen. Zwar erscheinen die TidBITS nur einmal pro Woche, aber die tägliche Überprüfung hilft, die Belastung zu reduzieren, weil dann nicht die Computer aller Leser genau zur selben Zeit die Web-Site aufsuchen, um nach neuen Seiten zu fahnden. Wenn Sie also etwa Ihren Computer immer erst am Freitag einschalten, prüft Communicator unseren Server auch erst an diesem Tag und holt die aktuelle TidBITS-Ausgabe ab.

Das ist eine großartige Sache: Nichts kann als unzustellbare Mail zurückkommen ["bounce", --WJF], wie das mit einer Mailing-Liste oft passiert; statt dessen erhalten alle Leser, die über Communicator subskribiert haben, ihre Ausgabe umgehend. Intermind Communicator vermittelt die Kommunikation, daher werden auch noch andere Dinge möglich. Wir können sehen, wieviele Personen unseren Hyperconnector in Anspruch genommen haben (wir wissen aber nichts über die einzelnen Abonnenten, nicht einmal ihre E-Mail-Adressen - insofern schützt Communicator die Privatsphäre sogar besser als eine Mailing-Liste) und die Abonnenten können auch festlegen, welche Teile einer TidBITS-Ausgabe sie erhalten wollen.

Wenn Sie zum Beispiel nur an Internet-Themen und an Artikeln von Tonya interessiert sind, sucht Communicator nur die entsprechenden Artikel aus einer Ausgabe für Sie heraus (vorausgesetzt, wir haben die Themen - eine relativ überschaubare Zahl - entsprechend definiert und die Artikel in jeder Ausgabe nach Kategorien gruppiert, was wir in Zukunft zu tun gedenken). Dabei handelt es sich aber nicht um dasselbe wie bei einer herkömmlichen Schlagwortsuche - weil wir als die Herausgeber der TidBITS die Einteilung in Kategorien vornehmen, steigt die Wahrscheinlichkeit, daß Sie bekommen, was Sie suchen.

Es gibt mehrere Wege, die TidBITS via Communicator zu veröffentlichen, die alle mit dieser Vorauswahl von Themen gut funktionieren. Zunächst könnten wir nur die Überschriften und die URL-Adressen zu den einzelnen Artikeln auf dem Web-Server publizieren - das ist für Leser angenehm, deren Maschinen eine direkte Internet-Verbindung haben. Als zweite Variante könnten wir den vollen Text eines Artikels statt seiner URL-Adresse auf den Server legen - was wiederum denjenigen entgegenkommt, die die TidBITS offline lesen wollen. Die Auswahl zwischen diesen beiden Möglichkeiten liegt beim Herausgeber der Publikation; ich nehme an, daß wir in Zukunft beide Varianten anbieten werden. Bis dorthin schlagen wir einen dritten Weg ein - mehr zu den Gründen dafür folgt sogleich.

Wie funktioniert das Ganze? Ich bin mit Intermind seit einigen Monaten in Gesprächskontakt. Soweit ich die Funktionsweise von Intermind Communicator verstanden habe, bildet eine Datenbank die Grundlage; diese ist kombiniert mit einem Web-Server, der nur mit einem Web-Browser auf derselben Maschine zusammenarbeitet. Die Datenbank verfügt über eine Abfragesprache, die es der Oberfläche (von Intermind ausschließlich in HTML implementiert, sodaß die Communicator-Technologie aus der Weiterentwicklung bei Web-Browsern laufend profitieren kann) gestattet, durch den Kernel auf die Datenbank zuzugreifen. Natürlich kann die Datenbank auch auf das Internet zugreifen; dadurch entsteht ein Modell aus fünf Schichten, das in etwa so aussieht:

Benutzeroberfläche
Abfragesprache
Kernel
Objektorientierte Datenbank
Datei- und Kommunikationsinfrastruktur

Intermind hat das Programm mit hoher Modularität als Zielgröße entworfen; damit wird die Übertragbarkeit zwischen den Plattformen (Macintosh, Windows 95, Windows NT und schließlich auch Unix) verbessert; auch wäre es aus diesem Grund zum Beispiel viel einfacher, das gesamte Interface in Java neu zuschreiben (sollte Intermind dies jemals tun wollen).

Ich sehe den Wert von Intermind Communicator in erster Linie darin, daß das Produkt auf beiden Seiten mehr Kontrolle über die Kommunikation zuläßt. Die Herausgeber von Publikationen können sicher sein, daß die Information zeitgerecht und mit den Vorteilen von HTML zu den Lesern gelangt; die Leser können nach ihren Interessen eine Auswahl aus den Themen einer Publikation treffen und ihr hereinkommendes Datenvolumen besser steuern.

Der Geschäftsplan -- Wie macht aber Intermind seine Umsätze, um die Ausgaben für ein Jahr Entwicklungszeit zu rechtfertigen und etwa 60 Angestellte zu bezahlen? Intermind Communicator ist in vier Varianten zu haben, die alle in einem einzigen Programm (zum Herunterladen) enthalten sind.

Was an diesem Konzept bemerkenswert ist: Jeder kann bei einem Hyperconnector kostenlos subskribieren und alle, die via Intermind Communicator nicht-kommerzielle Informationen verbreiten wollen, können dies ebenfalls kostenlos tun.

Die andere Seite -- Nachdem ich jetzt so viel zu Intermind Communicator gesagt habe, ist es Zeit, den Haken an der Sache zu offenbaren: Die Version für den Mac ist derzeit noch nicht lieferbar. Ich hoffe, es sagt genug darüber, wie wichtig mir das Produkt erscheint, wenn ich es in den TidBITS in aller Ausführlichkeit beschreibe, obwohl die Mac-Version noch einige Monate nicht verfügbar ist - möglicherweise erst Anfang Januar anläßlich der Macworld San Francisco.

Warum ich dennoch sehr zuversichtlich bin? Drummond Reed, einer der Gründer von Intermind, ist ein langjähriger TidBITS-Leser und hat mich schon in den vergangenenen neun Monaten über den Fortgang betreffend Communicator auf dem Laufenden gehalten. Er hat auch große Anstrengungen unternommen, Guy Kawasaki einzubinden, weil bei Intermind die Überzeugung herrscht, daß der Macintosh-Markt sehr wichtig ist, ganz besonders für das Internet. Das Ziel war von Anfang an, Versionen für Macintosh, Windows 95 und Windows NT gleichzeitig auf den Markt zu bringen, aber erst kurz vor dem geplanten offiziellen Einführungstermin (im Oktober) stellte es sich heraus, daß die Mac-Version, im Gegensatz zu den beiden anderen, einfach noch nicht fertig war. Das klingt nicht gut, aber der leitende Entwickler bei Intermind ist ein Mac-Programmierer und als es beim grundlegenden Programmcode zu Verzögerungen kam, war er für die abschließenden Arbeiten an der Mac-Version nicht verfügbar. Da aber einer der Gründer der Firma und der leitende Entwickler hinter dem Mac stehen, ist es für mich keine Frage, daß es bald auch eine Mac-Version geben wird.

Alles, was ich von Intermind Communicator weiß, habe ich unter Windows 95 auf meinem Compaq Contura 400 gesehen, einem 486-Laptop, den ich etwa zehnmal im Jahr einschalte. Ich kann nicht behaupten, daß ich das Gerät besonders gerne verwende, aber ein Web-Browser ist schließlich ein Web-Browser; daher war auch die Benutzung von Intermind Communicator eine simple Angelegenheit, ungeachtet der Plattform. Ich habe sogar die Ausgabe 348 der TidBITS versuchsweise damit publiziert - ich kann das Erscheinen der Mac-Version kaum noch erwarten.

Blick in die Zukunft -- Worauf ich mich bisher immer bezogen habe, ist die Version 1.0 von Intermind Communicator. Wie das mit jeder Release mit der Nummer 1.0 so ist, fehlen auch hier etliche Features, die Intermind eigentlich mitliefern wollte, aber schließlich doch weglassen mußte, um den Auslieferungstermin halten zu können und um das Produkt auch für ein Publikum verständlich bleiben zu lassen, das mit dem radikal neuen Konzept (ein solches liegt im Falle Communicator ja vor) nicht so vertraut ist. Ich bin auf einige dieser Einschränkungen gestoßen, als ich die TidBITS zu publizieren versuchte. Beispielsweise habe ich Themen wie "Besprechungen" und "von Tonya" definiert, mußte aber bald feststellen, daß in der Version 1.0 pro Thema nicht mehrere Messages pro Thema möglich sind. Wenn also Tonya in einer Ausgabe zwei Artikel geschrieben hat, konnte ich nicht beide in die Kategorie "von Tonya" aufnehmen.

Ich habe mich dafür entschieden, nur zwei Themen zu publizieren, nämlich "Nur Ankündigungen" und "Volle Ausgabe". Damit hatten die Leser die Auswahl zwischen dem Text aus dem Kopf der Ausgabe (und den Links zu allen Artikeln) einerseits und der gesamten Ausgabe in Form einer einzigen Datei andererseits. Dabei sind zwei Probleme aufgetreten. Netscape Navigator Gold 3.0 unter Windows 95 ließ nicht mehr als 30 K in einem Textfeld zu (bedenken Sie, daß sich die gesamte Oberfläche von Communicator innerhalb eines Web-Browsers befindet). Ich habe dies behoben, indem ich den Text etwas bearbeitet habe - nur um dann in ein Limit von 16 K pro Message hineinzulaufen, das auf Seite von Communicator besteht. Wenn diese Fehler in einer zukünftigen Version einmal ausgeräumt sind, werden wir einzelne Artikel, nach Themen gruppiert, publizieren. Bis dahin können Sie nur die Ankündigung einer neuen Ausgabe via Communicator erhalten und Sie müssen diese Ankündigung auf einer Windows-Maschine empfangen.

<http://www.tidbits.com/hyperconnectors/tidbits.con>

Die TidBITS sind auch im globalen Verzeichnis der Hyperconnectors zu finden, das von Intermind als einfacher Weg, neue Hyperconnectors zu finden, betrieben wird.

Intermind hat für die Zukunft noch andere große Pläne. Zur Zeit ist HTML der einzige Datentyp, der von Communicator übermittelt werden kann. Mit dieser Einschränkung hat Intermind die Testzeit überschaubar und das Produkt allgemein begreifbar gehalten. Für diese Beschränkung gibt es aber keinen technischen Grund; wir können uns also eine Version der Zukunft vorstellen, die jeden Datentyp übermitteln kann, einschließlich der Updates für die Programme, die Sie einsetzen - ein entsprechender Hyperconnector könnte so konfiguriert sein, daß er beispielsweise einmal im Monat prüft. Oder wie wäre es mit der Verbreitung von Adreß-Informationen per Hyperconnector? Statt alle möglichen Personen um Änderungen in ihren Kontakt-Datenbanken zu bitten (wir haben ein Jahr nach unserer Übersiedlung immer noch Poststücke an unsere alte Adresse bekommen), könnten Sie Ihre Informationen über einen Hyperconnector publizieren, der alle paar Monate zu überprüfen ist. Damit wäre sichergestellt, daß niemand, der mit Communicator arbeitet, länger als einige Monate auf einem veralteten Informationsstand bleiben kann.

Es war mir in den vergangenen neun Monaten immer ein Vergnügen, mit den Mitarbeitern von Intermind zu sprechen; dort gibt es das beste Hintergrundwissen zum Hypertext-Konzept, das mir bei irgendeiner Internet-Firma untergekommen ist. Dinge wie das Xanadu-System von Ted Nelson, Themen und Aspekte im Zusammenhang mit der Zahlung kleiner Geldbeträge ["micropayments", --WJF] und ähnliches werden bei Intermind wirklich verstanden. Zwar kann ich nichts dazu sagen, ob solche Ideen je in einer Version von Communicator auftauchen werden, aber ich wette, sie werden ernsthaft erwogen. In der Regel stehe ich neuen Technologien sehr skeptisch gegenüber; Drummond und seine Mitarbeiter bei Intermind hatten aber immer sehr einleuchtende Antworten auf meine Fragen. Wenn Sie dazu noch bedenken, daß mich kein einziger Aspekt an dem Produkt oder am Marketingkonzept irritiert, werden Sie verstehen, warum ich so zuversichtlich bin.

Wird sich Intermind Communicator durchsetzen? Wird das Produkt gar einen Paradigmenwechsel auslösen in Bezug darauf, wie wir über das Internet kommunizieren? Ich kann diese Fragen nicht beantworten - das kann niemand. Ich kann aber sagen, daß in meinen Augen Intermind eine intelligente Firma und Communicator ein außerordentliches Produkt mit großem Potential ist. Es sind aber schon andere intelligente Firmen mit guten Produkten untergegangen aus Gründen, die nicht vorherzusehen waren; dies könnte auch für Intermind gelten. Ich hoffe aber aus ganzem Herzen, daß dies nicht geschehen wird und daß statt dessen Intermind Communicator das nächste Internet-Produkt wird, das alle haben wollen.

Mehr Informationen zu Intermind Communicator finden Sie auf der Web-Site von Intermind an der folgenden Web-Adresse; Sie können auch die Versionen für Windows 95 und Windows NT herunterladen. Ein netter Zusatz - da alles, was Intermind Communicator macht, via HTML übermittelt wird, gibt es bei Intermind auch Vorführungen des Programms online.

<http://www.intermind.com/>


Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].

Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].

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