TidBITS#351/28-Oct-96 - Deutsch

Sie wollten schon immer einen Newton? Apple bringt zwei neue Modelle, eins davon in Form eines Notebooks mit eingebauter Tastatur. Adam wirft einen Blick auf die Pros und Kontras von RAM Doubler 2.0, wir bringen HInweise zur neuen Version von Open Transport (1.1.1) und Matt Neuburg schreibt im Detail über ein neues Makro-Programm, KeyQuencer 2.0 von Binary Software.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#351/28-Oct-96.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-351.html>

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Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1996/TidBITS#351/28-Oct-96>

Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-351.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-351.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-351.etx>


MailBITS/28-Oct-96

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Zwei neue Newtons -- Apple hat zwei neue Newtons angekündigt, das MessagePad 2000 und den eMate 300. Das MessagePad 2000 ist ein stark verbessertes "traditionelles" MessagePad mit einem StrongARM-RISC-Prozessor (mit 161,9 MHz Taktrate), 5 MB RAM, zwei PC-Karten-Einschüben und einem Bildschirm mit 100 dpi und 16 Graustufen; mitgeliefert werden Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, E-Mail- und Web-Software - und das alles zu einem erwarteten Preis von unter 1.000 US$. Dagegen hat der eMate 300 eine völlig neue Gehäusegröße in Notebook-Form mit eingebauter Tastatur, einem Bildschirm mit 480 zu 320 Punkten und ebenfalls 16 Graustufen (hintergrundbeleuchtet), einem ARM-710-Prozessor mit 25 MHz und einer neuen Softwaregarnitur, bestehend aus Textverarbeitungs- und Grafikprogramm, dazu Wörterbuch, Rechner, Adreßbuch und Kalender. Apple zielt mit dem eMate 300 auf Umgebungen "verteilten Lernens" und peilt einen Marktpreis unter 800 US$ an. Beide Geräte setzen das Newton-Betriebssystem in der Version 2.1 ein und werden im ersten Quartal 1997 in den Geschäften sein. [GD]

<http://www.newton.apple.com/>

Open Transport 1.1.1 ist verfügbar

von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>

[Übersetzung: Hartmut Greiser]

In der letzten Woche hat Apple Open Transport 1.1.1 vorgestellt. Das ist eine Low-Level-Systemsoftware, die alle Netzwerkaspekte, wie AppleTalk oder die TCP/IP-Protokolle des Internet, koordiniert. Dabei handelt es sich um die erste Ausgabe, die auf Performas und auf den Power Macs der Serien 52xx, 53xx, 62xx und 63xx funktioniert. Diese Version enthält wichtige Fehlerkorrekturen, die den bisherigen Nutzern helfen, ganz besonders den Webmastern und anderen Serveradministratoren.

<http://product.info.apple.com/pr/product.updates/1997/q1/961024.prd.updt.opentrans.html>

Sie können Open Transport kostenlos direkt bei Apple entweder als (ein) Netzinstallations-Paket oder als mehrere Floppydisk-Images herunterladen.

<ftp://ftp.support.apple.com/pub/apple_sw_updates/US/mac/Networking-Communications/Open_Transport/>

Wenn Sie sich für die Diskimages entscheiden, dann benötigen Sie ein Programm wie ShrinkWrap von Chad Magendanz, um die Disketten zu mounten oder um sie auf Floppies zu kopieren. Dazu empfehlen wir die OT 1.1.1 Extras (die im vollständigen Netzinstallationspaket enthalten sind). Der Download wiegt etwa 5,5 MB. Das Open-Transport-Update ist bei Apple auch als CD-ROM für 13 US$ erhältlich.

<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/disk/shrink-wrap-201.hqx>

Die Installation von OT 1.1.1 -- An Hardware setzt Open Transport 1.1.1 einen Macintosh mit einem 68030-Prozessor oder höher voraus (oder irgendeinen Power Mac). Wie immer, wenn Sie neue Systemkomponenten installieren: machen Sie zuerst ein Backup Ihres Macintosh, mindestens aber des Systemordners.

OT 1.1.1 läßt sich einfach installieren: Starten Sie das Installationsprogramm und klicken Sie auf Installieren. (In der manuellen Installation können Sie zwischen "68K" oder "Irgendein Mac" wählen). Wenn Sie Open Transport bereits nutzen, dann muß OT 1.1.1 über OT 1.1 installiert werden, dabei empfiehlt es sich, die Version 1.1 bereitzuhalten, falls Sie auf Probleme stoßen sollten. Open Transport gibt es als Einzelprodukt oder als kostenlosen Bestandteil von System 7.5 Update 2.0 (siehe TidBITS-318). Wenn Sie System 7.5.5 benutzen, dann brauchen Sie unter Umständen das Custom Install Script, um OT 1.1 aus dem System 7.5 Update 2.0 installieren zu können (siehe TidBITS-349).

Sollten Sie derzeit die Betaversion von OT 1.1.1 einsetzen, dann entfernen Sie diese und installieren noch einmal Version 1.1, bevor Sie die endgültige Fassung von OT 1.1.1 installieren.

Besitzer von Performas oder von Power Macs der Serien 52xx, 53xx, 62xx und 63xx können OT 1.1.1 sofort installieren. Der Installierer führt auf diesen Maschinen einen Hardware-Check durch, um zu prüfen, ob der Cache/ROM-DIMM im Rahmen des erweiterten Apple-Reparaturprogrammes ersetzt werden muß. Diese Reparatur wird von Ihrem Apple-Händler kostenlos durchgeführt; vorher kann Open Transport 1.1.1 nicht installiert werden.

<http://prod01.apple.com/pr/product.updates/1996/q3/960606.pr.up.repair.html>

Apple empfiehlt Open Transport 1.1.1 für alle Nutzer von System 7.5.3 oder höher, es ist aber auch mit allen zurückliegenden Systemen bis hin zur Version 7.1 kompatibel. Merkwürdigerweise funktioniert der Network Software Selector - ein Hilfsmittel zum einfachen Hin- und Herschalten zwischen Open Transport und "klassischen" Netzwerken - aber nur unter System 7.5.3 oder höher. Wenn Sie Open Transport unbedingt unter einem System vor der Version 7.5.3 benutzen müssen, dann sichern Sie auf jeden Fall Ihre aktuellen Netzwerkeinstellungen, bevor Sie mit der Installation beginnen.

Die Vorteile von OT 1.1.1 -- Open Transport enthält zahlreiche Fehlerkorrekturen und Verbesserungen, von denen die meisten im Verborgenen wirken:

Außerdem enthalten die ReadMe- und die technischen Informationsfiles von OT 1.1.1 detaillierte Hinweise zum Gebrauch von OT 1.1.1 mit bestimmten Applikationen, dazu eine Liste bekannter (wenn auch selten vorkommender) Probleme und Inkompatibilitäten. Wenn Sie mit Open Transport Probleme haben sollten, dann lesen Sie diese Seiten vor dem Installieren der neuen Version.

Was ist mit PPP? Wenn Sie sich per Modem ins Internet einwählen - Open Transport 1.1.1 ist mit MacPPP und FreePPP, Version 2.5 oder höher, kompatibel. Das gilt auch für eine Reihe kommerzieller PPP-Anwendungen (weitere Hinweise zu diesem Punkt in den ReadMe-Dateien). Das seit langem erwartete Open Transport/PPP ist in Open Transport 1.1.1 nicht enthalten - PPP wird offiziell nur durch Produkte von Drittanbietern unterstützt, von denen keines OT-fähig ist.

Apple geht davon aus, daß die PPP-Anwendung für Open Transport zum Jahresende zur Verfügung stehen wird. In der Zwischenzeit kann man die Beta-Version ausprobieren, die bei Apple unter "Unsupported Files" zu finden ist.

<ftp://ftp.support.apple.com/pub/apple_sw_updates/US/mac/Unsupported/>

RAM Doubler 2

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Hartmut Greiser]

Im Januar 1994 stellte Connectix RAM Doubler vor, ein völlig neues Hilfsprogramm, das offenkundig in der Lage war, den Arbeitsspeicher der meisten Macs ( mit mindestens einem 68030-Prozessor) zu verdoppeln. Ich war damals ziemlich beeindruckt (siehe TidBITS-208 mit einer Besprechung und Informationen zur Arbeitsweise) und ich bleibe auch beeindruckt, nachdem Connectix jetzt ein umfangreiches Update, RAM Doubler 2, vorgestellt hat.

In den letzten Jahren hat Connectix eine ganze Serie kostenloser Updates auf RAM Doubler 1.x herausgebracht, die in der Hauptsache dazu dienten, Fehler zu bereinigen und die Kompatibilität mit neuen Macs und neuen Versionen von Systemsoftware sicherzustellen. Da RAM Doubler auf einer ziemlich niedrigen Ebene arbeitet, kann es leichter als andere Programme durch Änderungen der Hard- oder der Systemsoftware aus dem Konzept gebracht werden. Aber, wie ich schon sagte, die Updates wurden kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt, sodaß es für die meisten sehr einfach war, das Programm auf dem neuesten Stand zu halten.

Neu und cool -- Im August 1996 stellte Connectix nun RAM Doubler 2 vor, das mehrere bedeutsame Veränderungen enthält.

<http://cgi.info.apple.com/cgi-bin/read.wais.doc.pl?/wais/TIL/Macintosh!Hardware/Pwr!Mac!Including!Perf/Power!Macintosh!Technology/Virtual!Mem!!Diff.!on!Pwr!Mac>

Damit ist klar, daß Power Macs grundsätzlich mit aktivem VM oder RAM Doubler betrieben werden sollten, auch wenn Sie ausreichend echtes RAM haben. Die Sache hat nur einen Haken: wenn man das VM im Speicherkontrollfeld aktiviert, dann ist seine Mindestgröße 1 MB mehr als das physikalische RAM, den Sie besitzen. VM stellt einen unsichtbaren Storagefile auf Ihrer Festplatte her, der den gleichen Umfang hat, wie der gesamte verfügbare Speicher, nachdem Sie VM aktiviert haben. Nehmen wir an, Sie hätten 80 MB echtes RAM. Aktivieren Sie VM und setzen Sie es auf das Minimum von 81 MB. Zack - ist die Festplatte schon um 81 MB kleiner!

Wenn Sie RAM Doubler 2 so einstellen, daß kein zusätzlicher Speicher zur Verfügung gestellt wird, dann bietet er die Vorteile, die VM gegenüber der vorhergehenden Version von RAM Doubler hatte, aber ohne die Geschwindigkeitsprobleme, die in der Regel allen Verfahren eigen sind, die so tun, als gäbe es zusätzlichen Speicher. Das funktioniert deshalb, weil RAM Doubler erst als letzte Maßnahme auf das Disk Swapping setzt, um mehr Speicher bereitzustellen (zunächst zieht er den ungenutzten Speicher wieder ein, der den Anwendungen zugeteilt wurde, dann komprimiert er den Speicher, den er nicht beschlagnahmen kann). Auf meinem 660AV mit 20 MB echtem RAM ist RAM Doubler 2 auf 60MB gesetzt. Der unsichtbare Storagefile ist zur Zeit 390K groß. Damit kann ich leben.

Die Gründe dagegen -- Ich bin zwar ein wirklicher Befürworter von RAM Doubler, aber ich kenne eine Reihe guter Gründe, die gegen RAM Doubler 2 sprechen:

Die Gründe dafür -- Trotz der wichtigen Gründe, die gegen RAM Doubler 2 sprechen, gibt es meiner Meinung nach auch viele Gründe, sich ernsthaft mit dieser Software auseinanderzusetzen.

Schlußfolgerung -- Manche Hilfsprogramme kann man gut weiterempfehlen, weil sie Eigenschaften haben, die es sonst nirgendwo gibt. Für RAM Doubler 2 gilt das nicht - Apples VM kostet nämlich nichts. Die Tatsache aber, daß RAM Doubler mehr als eine Million mal verkauft wurde und der Umstand, daß RAM Doubler 2 schon im ersten Monat 50000mal über die Theke ging, belegt die Beliebtheit dieses Tools bei der Mac-Gemeinde. Mein angejahrter 660AV wäre ohne RAM Doubler nicht mehr zu benutzen (beim Booten starten bei mir mehr Programme als in mein echtes RAM passen würden). RAM Doubler 2 ist ein erfreuliches Update, teils wegen der RAM-Verdreifachung und des neuen Interfaces, teils wegen der File-Mappingmöglichkeit für mein Power Book 5300, das mit 24 MB ausreichend RAM hat, das ich aber am liebsten ohne ewig laufende Festplatte benutze.

Ein Deal -- Wir haben mit Cyberian Outpost einen besonderen Deal für TidBITS-Leser ausgehandelt: wenn Sie die spezielle URL-Adresse unten benutzen, dann können Sie RAM Doubler 2 online bestellen und einen Rabatt von 4 US$ bekommen (was so viel wie Frei-Haus-Versand bedeutet).

<http://www.tidbits.com/products/ram-doubler.html>

KeyQuencer - ein Rivale für QuicKeys?

von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Wer seinen Mac automatisieren will, ohne das Geld oder das RAM aufbringen zu wollen, das eins der großen kommerziellen Makroprogramme verlangt, sollte sich KeyQuencer näher ansehen. KeyQuencer war früher ein Shareware-Programm (um 10 US$) und stammt von dem erfinderischen und großzügigen Alessandro Levi Montalcini; mittlerweile ist es bei Version 2.0 angelangt und wird als kommerzielles Makro-Programm von Binary Software um 40 US$ vertrieben. Es läuft schnell und sauber mit wenig RAM (unter 200 K) unter System 7.x (die meisten Features sollen allerdings schon ab System 6.0.4 funktionieren, obwohl Binary dazu seinen Support nicht gibt).

<http://www.binarysoft.com/keyquencer/keyquencer.html>

Wie es funktioniert -- Die Makros von KeyQuencer hausen in "Suitcases" [in "Koffern"]. Ein voreingestellter Koffer wird beim Start geladen und die in ihm vorhandenen Makros (die aktiven Makros) können mit einer Tastenkombination aufgerufen werden. Die Makros in anderen Suitcases stehen so nicht unmittelbar zur Verfügung, sondern lassen sich mit einer kleinen Applikation namens KeyQuencer Launcher ansprechen. Der Launcher stellt alle Suitcases als doppelklickbare Liste dar. Die Namen der Makros können bis zu 31 Zeichen lang sein, sodaß diese Listen ziemlich informativ sind. Der Launcher kann ständig laufen, mehrere Suitcase-Fenster können geöffnet bleiben; die meistverwendeten Makros aus dem Angebot können mit Tastaturkürzeln aufgerufen werden. Wenn Sie ein selten verwendetes Makro laufen lassen wollen (oder die Tastenkombination eines aktiven Makros vergessen haben), finden Sie es in einer der Listen, die der Launcher zeigt. (Wichtig - der Launcher ist eine Applikation, keine Palette oder Dialogfeld; wenn Sie also ein Makro doppelt klicken, das das oberste Fenster betrifft, wird es das Fenster des Launcher selbst sein).

Diese Technik kann vielleicht ein wenig die Tatsache mildern, daß in KeyQuencer, anders als in QuicKeys oder OneClick, so etwas wie ein anwendungsspezifisches Makro nicht existiert. Haben Sie einmal ein Tastenkürzel an ein Makro vergeben und ist dieses gerade ein aktives Makro, ist diese Tastenkombination für keine andere Anwendung, auf dem ganzen System, nicht mehr verfügbar. Es bedarf schon einiger Überlegung, Tastenkürzel zu definieren, die in keiner Applikation, in keinem Kontrollfeld und in keiner Systemerweiterung vorkommen. Vermutlich werden Ihnen entweder einfach die Tastenkombinationen ausgehen oder Sie werden unabsichtlich irgendwelche Makros starten. KeyQuencer geht aus dem Installationsvorgang schon mit einer Anzahl aktiver Makros hervor, sodaß ich am Anfang im Handumdrehen einen HyperCard-Stack komprimiert hatte, dessen Skript ich eigentlich aufmachen wollte, und eine wichtige Datei in den Papierkorb geworfen hatte, obwohl der Finder gar nicht im Vordergrund war. Im Prinzip ist ein Makro in der Lage zu überprüfen, ob eine bestimmte Applikation im Vordergrund läuft und dann die Tastenkombination entweder dorthin weiterreichen oder sich beenden; die vorinstallierten Makros prüfen das allerdings nicht - also Vorsicht!

Makros werden mit Hilfe einer anderen Applikation, dem KeyQuencer Editor, erstellt, bearbeitet, benannt, mit Tastenkombinationen versehen und zwischen den Koffern hin- und herkopiert. Dieser Editor ist sehr einfach und doch angenehm zu bedienen. Um ein Makro zu bearbeiten, müssen Sie es nicht einmal "öffnen" - ein Klick auf den Namen eines Makros in der Liste genügt, um den Code in einem Textfenster zum Lesen und Bearbeiten auftauchen zu lassen. Jedes Makro besteht aus einem oder mehreren Text-Befehlen. Diese Befehle können direkt eingegeben oder aus einem "Commands"-Fenster (das alle Befehle und mögliche Parameter auflistet) mit Doppelklick ausgewählt und in das Textfenster des Makros eingesetzt werden. Ein Fenster der Online-Hilfe wird laufend aktualisiert und zeigt eine Beschreibung für den jeweiligen Befehl und seine Parameter.

Der Kontrast zwischen dieser Umgebung und der von QuicKeys könnte größer gar nicht sein. QuicKeys hat kurze Namen für die Makros und verwirrende Menüs, mit denen Makrotypen ausgewählt werden. Das Bearbeiten spielt sich in wahren Kaskaden von modalen Dialogen ab, die alle erst zum Verschwinden gebracht werden müssen, bevor Sie ein Makro endlich testen können - nur um dann daraufzukommen, daß es einen Fehler enthält - die ganze Kaskade muß dann neuerlich geöffnet werden. Bei KeyQuencer sind der Launcher und der Editor beides Applikationen mit normalen Fenstern - die sogar ständig offen bleiben können (vorausgesetzt, Sie haben 700 K RAM übrig. Das Bearbeiten eines Makros läuft in Textform ab, das gerade in Arbeit befindliche Makro können Sie sichern und testen, ohne irgend etwas vor zu schließen.

Kommunikation -- In der KeyQuencer-Umgebung gibt es keinen Auslöser über ein Menü, der dem QuicKeys-Menü vergleichbar wäre; aber das Shareware-Programm OtherMenu von James Walker, das beiliegt, kann ein KeyQuencer-Makro aufrufen. KeyQuencer hat auch keinen Zeitauslöser, aber wenn Sie die absolute Zeit des Betriebssystems als Bezug brauchen (im Gegensatz zu der relativen Zeit, seit etwa eine Applikation offen ist), können Sie die Shareware Cron von Chris Johnson, ebenfalls beigepackt, verwenden. Sie können ein Control-Strip- oder ein NowTabs-Modul installieren, mit dem Sie ebenfalls ein aktives Makro auslösen. Auch aus Frontier oder AppleScript heraus können Sie mit KeyQuencer Verbindung aufnehmen und sogar Variablen in beiden Richtungen austauschen. In der CodeWarrior-Umgebung können Makros auch im "Build"-Prozeß eingebunden werden.

<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/gui/other-menu-183.hqx>
<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/cfg/chris-cron-10a7.hqx>

KeyQuencer kann alle seine Funktionen auf einem anderen Computer im Netz ausführen, wenn auf diesem auch KeyQuencer läuft; Sie können (müssen aber nicht) die gewünschte Funktionalität auf dem anderen Computer sogar als KeyQuencer-Makro erstellen (ich habe das allerdings nicht ausprobiert).

Die Sprache -- KeyQuencer wird mit etwa 260 vorkonfigurierten Makros geliefert; wenn Sie eins davon abwandeln oder ein neues erstellen wollen, müssen Sie die Sprache von KeyQuencer verwenden, ein starres und schwer zu erlernendes Idiom aus Befehlen und Parametern, bei dem nur eins klar ist: Sie werden sich nie weit von der Online-Hilfe und dem Handbuch entfernen wollen.

Eigentlich handelt es sich weniger um eine Sprache als vielmehr um eine Ansammlung von Befehlen. Es gibt keine Subroutinen; die einzige Möglichkeit, ein Makro von einem anderen aufrufen zu lassen, ist, dieses den Tastenbefehl eintippen zu lassen, mit dem das andere aufgerufen wird. Es gibt keine Schleifen, Verzweigungen oder bedingte Anweisungen; immerhin gibt es einen "repeat"-Befehl (der einen String in quotes als Parameter akzeptiert - ein solcher String kann dann einen oder mehrere Makro-Befehle enthalten) und Befehle, die ein Makro abbrechen, wenn eine bestimmte Applikation im Vordergrund läuft oder wenn zwei Strings übereinstimmen. Es gibt keine arithmetischen Operatoren, aber es gibt den Befehl "evaluate", der das Ergebnis arithmetischer Ausdrücke in der Zwischenablage deponiert und einen "counter"-Befehl, der einen temporären auf- oder absteigenden Zähler ["increment-decrement"] betätigt. Es sind keinerlei Funktionen zum Bearbeiten von Strings vorhanden, aber es gibt einen auf den Inhalt der Zwischenablage ansprechenden Befehl, der mit dem ein bißchen zu machen ist. Es gibt zwar Variablen, aber die Syntax, mit der sie übergeben werden, ist einfach haarsträubend.

Um A auf 1 und B auf 2 zu setzen, beides zu addieren und C mit dem Ergebnis zu belegen, schreiben Sie:

SetVariable A "1" SetVariable B "2" Evaluate
"\[a]+\[b]" copy -- das Ergebnis wird an die Zwischenablage 
übergeben
SetVariable C clipboard -- so wird es dort wieder ausgelesen 

Um die Zahlen von 1 bis 10 zu erhalten, jede einzeln gefolgt von einem tab und einem return, schreiben Sie:

Repeat 10 "Counter increment save\rType $counter
\q\\t\\r\q" 

Was es kann -- Jeder Befehl von KeyQuencer korrespondiert mit einer kleinen Datei in einem Ordner namens KeyQuencer Extensions (der wiederum in Ihrem Systemordner liegt). Eine dieser Dateien aus dem Ordner zu entfernen und neu zu starten schaltet den entsprechenden Befehl aus; das Einspielen einer neuen Befehlsdatei, wenn eine solche geschrieben worden ist, erweitert das Spektrum an Befehlen. Wenn Sie manche Befehle gar nicht brauchen, können Sie auf diese Weise auch einiges an Speicherbedarf einsparen - mit nur wenigen benötigten Befehlsdateien können Sie KeyQuencer auf einen Speicherbedarf von nur 80 K herunterbringen!

Es gibt die üblichen Makro-Aktionen wie eine Taste betätigen, einen String tippen, aus einem Menü auswählen, die Maus klicken, auf Ereignisse verschiedener Art warten. Es gibt auch Extras, die denen in QuicKeys sehr ähnlich sind - einige davon können deutlich mehr, wie die Applikation oder das Fenster im Vordergrund wechseln, die Lautsprecher-Einstellung und die Farbtiefe des Monitors ändern, einen Drucker auswählen oder einen Server mounten. Es gibt eine vielseitige Batcher-Applikation: für jede Kopie, die Sie davon anlegen, definieren Sie ein Makro, das sie ablaufen lassen soll und dann ziehen Sie einfach mit drag & drop Dateien oder Ordner darauf, um die Aktion zu nutzen.

KeyQuencer hat auch ein Sammelsurium ziemlich ausgefallener Befehle, darunter das Neuzeichnen eines Fensters oder Bildschirminhalts durch das System erzwingen, ein Fenster oder eine Region des Bildschirms als Screenshot abspeichern, eine PPP-Verbindung öffnen oder schließen, die Info-Box zu einer Datei aufrufen, die Position des Cursors verdeutlicht zeigen, das vorderste Fenster neu plazieren, eine Audio-CD abspielen, den Inhalt der Zwischenablage ändern, zehn Zwischenablagen nebeneinander handhaben oder zwischen einer Datei und der Zwischenablage in beiden Richtungen lesen und schreiben.

Kleinere Ärgernisse -- Es gibt einige Dinge, die mir ganz nebenbei aufgefallen sind, die aber das Gesamturteil über KeyQuencer nicht allzu sehr trüben sollten. Einige Befehle funktionieren nicht ganz perfekt: Der Befehl zum Ändern der Lautstärke bewirkt auf meinem Computer gar nichts, die Befehle "scroll top/bottom" sind in Nisus Writer nicht verwendbar. Einige Tastenbefehle (wie derjenige, der KeyQuencer an- und ausschaltet) sind vom Benutzer nicht zu modifizieren. Auf meinem Computer hat sich Now SuperBoomerang manchmal geweigert, innerhalb des Editors zu arbeiten. Hin und wieder bewirkt das Öffnen eines Koffers nur, daß Zeichenmüll in das Fenster der Online-Hilfe geschrieben wird oder gar das System abstürzt. Im Launcher können Sie die Sortierordnung nicht beeinflussen, in der die Listen erscheinen (nach Namen versus Tastenkürzel) - Sie sind auf diejenige Sortierordnung festgelegt, die im Editor beim letzten Sichern gerade eingestellt war. Die Syntax der HyperCard-XCMDs ist nicht dokumentiert und nicht zuletzt könnte das Handbuch mehr Klarheit in den Formulierungen und im Layout dringend gebrauchen.

Mit zögerndem Schritt zum Urteil -- An dieser Stelle wird von mir erwartet, daß ich ein Fazit bringe und Ihnen eröffne, ob dies das Makro-Utility ist, auf das Sie schon Ihr ganzes Leben lang gewartet haben. Ganz offen gesagt - ich weiß es nicht. Zwar ist KeyQuencer nicht ohne Faszination, aber andererseits nicht jedermanns/frau Bier/Tee/Kaffee. Was es für Sie sein kann, hängt von Ihren Vorlieben, Prioritäten, von Ihren vorhandenen Utilities ab. Das beste, was Sie tun können: die Demoversion von der Binary-Web-Site herunterklauben und nachsehen, ob Sie das Ding mögen oder hassen. Bis dahin einige provokante Überlegungen.

Was die reine Funktionalität anlangt, gibt es vermutlich sehr wenig, was QuicKeys kann und KeyQuencer nicht; meist kann KeyQuencer irgendwie dazu gebracht werden, das auch zu bringen - KeyQuencer hingegen macht Sachen, zu denen QuicKeys nicht in der Lage ist. Einigen wird die Sprache abschreckend oder nicht umfangreich genug erscheinen. Mein persönlicher Geschmack, was Makros betrifft, sieht so aus: Ich will Werkzeuge in die Hand bekommen, um damit Werkzeuge zu bauen; ein Programm soll in meiner Sicht eine einzige Funktion erfüllen; KeyQuencer nimmt sich für mich also aus wie eine Ansammlung von Erweiterungen, die mit einer nicht nachvollziehbaren Sprache zusammengeschnürt sind. Ich ziehe die deutlicheren Programmier- und Informationskonzepte von OneClick vor, die mich meine eigenen mehrfachen Zwischenablagen erstellen lassen (im Gegensatz zum Clipboard-Befehl bei KeyQuencer), per AppleScript MacPPP auf- oder zumachen lassen (statt PPPSwitch bei KeyQuencer), mich eine Liste der Fenster ausgeben und alle bis auf das vorderste schließen lassen (was KeyQuencer meines Wissens überhaupt nicht kann). Da es auch kein Programm gibt, das alles macht, was ich mir wünsche, macht es mir auch nichts aus, eine ganze Batterie von Scripting-Tools heranzuziehen, um meine Ziele zu erreichen - Frontier, AppleScript, HyperCard und so weiter. Vielleicht bin ich nur ein wenig sonderbar. Ich glaube auch, Ihre eigenen Überlegungen zu diesen Fragen werden triftigere Aspekte aufweisen als nur das Fehlen applikationsspezifischer Makros oder eine Aufzeichnungsmöglichkeit. Für alle, die Wert auf sofort einsetzbare FunktionalitŠt legen, ist KeyQuencer jedenfalls attraktiv.

Ganz wichtig - KeyQuencer weist einen hohen Standard auf, was man nicht von jedem Makro-Programm behaupten kann. Es kann einen Doppleklick mit gedrückter Control-Taste in den Titelbalken eines Fensters simulieren, worauf auf meinem Gerät WindowShade aktiviert wird; OneClick habe ich nicht dazu bringen können, das zu tun. Das spricht für die Hingabe, das Können und den Weitblick des Autors von KeyQuencer, Alessandro Levi Montalcini. Mich fasziniert es, daß derart saubere und vielseitige Funktionalität dem Gehirn einer einzelnen Person entstammen - und dies in den Tagen der megalithischen Software-Entwicklungsfirmen.

Und noch ein Deal -- Wir haben einen speziellen Deal für diejenigen TidBITS-Leser ausgehandelt, die KeyQuencer bei Cyberian Outpost kaufen wollen. Wenn Sie die folgende URL-Adresse verwenden, können Sie KeyQuencer 2.0 online bestellen und erhalten einen Nachlaß von 4 US$ (damit erhalten Sie die Sendung frei Haus).

<http://www.tidbits.com/products/key-quencer.html>

[Wenn Sie an einem Vergleich zwischen KeyQuencer, OneClick (TidBITS-350) und QuicKeys (TidBITS-348) Interesse haben - ein solcher folgt in einer der kommenden Ausgaben. -Adam]

Binary Software, Inc. -- 310/449-1473 (fax)
<binary@binarysoft.com>


Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].

Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].

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