TidBITS#352/04-Nov-96 - Deutsch

Die Gerüchte über Apple und Be wären ausreichend, um eine Seifenoper alt aussehen zu lassen. Diese Woche gibt auch Neues zu NisusWriter 5.0 (jetzt OpenDoc-fähig) und zu einer neuen Erweiterung für PowerMacs mit System 7.5.5. Alex Seropian, der Gründer von Bungie Software, beschreibt die Welt der Software-Distribution; Adam berichtet im Detail zu E-Mail-Verzeichnissen im Mac-Bereich - die gibt es nämlich kaum.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#352/04-Nov-96.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-352.html>

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Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1996/TidBITS#352/04-Nov-96>

Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-352.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-352.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-352.etx>


MailBITS/04-Nov-96

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Interrupt-Extension für PowerPC -- Wenn Sie unerklärliche Hänger auf Ihrem Power Mac verzeichnen, schafft Apples neue "Power PC Interrupt"-Erweiterung vielleicht Abhilfe. Diese ziehen Sie in Ihren Systemordner und sie behebt dann eine Ursache für "long interrupt latencies", eine Art von Wartezustand des Computers, in dem er sonst nicht tut. Von dem Problem können sehr viele Programme betroffen sein; die Extension beseitigt dem Vernehmen nach Probleme bei einigen Spielen, Kommunikationssoftware (darunter PPP) und Audio/Video-Anwendungen. Die Erweiterung läuft nur auf Power Macs und System 7.5.5. [GD]

<ftp://ftp.support.apple.com/pub/apple_sw_updates/US/mac/System/Other_System/PowerPC_Interrupt_Extension.hqx>

SuperCard 3.0 angekündigt -- Allegiant Technologies hat SuperCard 3.0 mit einer Auslieferung Mitte November angekündigt. Diese neueste Version weist neue Autoren- und Projekt-Tools auf, umfassende Dokumentation und integrierte Unterstützung für das Browser-Plug-In Roadster von Allegiant, dazu Unterstützung für URLs und gängige online-Formate. SuperCard wird etwa 329 US$, Upgrades von früheren Versionen sollen 99 US$ kosten. [GD]

<http://www.allegiant.com/>

In den Köpfen rotiert es weiter

von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Die Natur scheut das Vakuum; dasselbe scheint für die großen Medien und die Fachzeitschriften zu gelten, die die Betriebssystempläne von Apple kommentieren (siehe TidBITS-343). Vergangene Woche gab es wieder einiges an Spekulationen von Reuters und MacWEEK über Apple, den Neuling Be und die Zukunft des Mac-Systems. All diese Artikel deuten auf ein völlig neues Mac-Betriebssystem hin, das auf Intel-Hardware laufen soll, auf eine Übernahme von Be durch Apple oder auf ein hybrides Copland-Be-System ab Mitte 1997. Dazu kommen noch Berichte, die sich nur auf Gerüchte aus dem Internet stützen - auf diesem Niveau wird die breite Öffentlichkeit informiert.

<http://cnn.com/TECH/9610/31/apple.reut/index.html>
<http://www.macweek.com/top_stories/news_beos.html>

Sowohl Apple als auch Be haben "Klarstellungen" gebracht, in denen solche Fehldarstellungen zurechtgerückt wurden. Apple stellt in Abrede, daß die Betriebssystem-Strategie eine neue Richtung einschlägt (auch soll es keine neu geschriebene Version geben, die auch auf Intel-Hardware läuft). Mark Gonzales, Manager bei Be, hat sich im Namen seiner Firma von einem Bericht in MacWEEK (Mac The Knife) distanziert, in dem behauptet wird, Apple wolle das Be-OS übernehmen, um in Entwicklung und Vertrieb von Be-Software zusätzliches Geld machen. Gonzales sagte, Be sei nicht für geschäftliche Allianzen dieser Art zu haben.

<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1997/q1/961031.pr.rel.macos.html>
<http://www.macintouch.com/beknife.html>

Allerdings haben diese öffentlichen Entgegnungen mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet - was Apple sagt, wird überlagert durch das, was Apple nicht sagt. Apple hat nicht geleugnet, daß es Übernahmegespräche mit Be gibt und daß ein hybrides System mit dem Copland-Microkernel und dem Application Layer von Be erwogen wird. Laut San Francisco Chronicle fahndet Apple nach Mitarbeitern, die Interna ausplaudern (um sie vielleicht zu entlassen) - ein weiterer Beitrag zu einer unhaltbaren Situation in puncto Public Relations. Die verbindlichste Aussage, die von Apple zum Betriebssystem derzeit vorliegt, ist, daß es "Anfang 1997 eine verbindliche Aussage" dazu geben werde. Die Gerüchte werden weiter blühen, und die schlimme Situation wird noch verschlechtert.

<http://www.sfgate.com/cgi-bin/chronicle/article.cgi?file=BU9425.DTL&directory=/chronicle/archive/1996/11/02>

Abgesehen von dem Wind, der hier gemacht wird: Apple und Be haben Gründe genug, miteinander zu reden, die nichts mit einer Übernahme des Be-OS zu tun haben. Be könnte ein starkes Interesse an Apples "middleware" (wie QuickTime und QuickDraw 3D) haben; Apple sollte der PowerMac-Portierung von Be-OS Erfolg wünschen - mit oder ohne Apfel-Logo.

Inzwischen geht Be schon weiter - mit einer Entwicklerversion des Be-OS für den PowerMac (wird kostenlos der Januar-Ausgabe von MacTech beigelegt). Hoffentlich begreifen Apple und Be, daß Stillschweigen nur weitere Spekulationen nährt; beide sollte die Situation unter Kontrolle bringen, statt sich von ihr treiben zu lassen.

<http://www.mactech.com/>
<http://www.macweek.com/mw_1036/news_mac_beos.html>

Nisus Writer, die Fünfte!

von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>

[Übersetzung: Tobias Engler]

In dieser Woche sollen die ersten Exemplare von Nisus Writer 5.0, der neuesten Version von Nisus Softwares Textverarbeitung, herausgehen. Obwohl es eine Fülle umfangreicher Verbesserungen gibt, kann sich der neue Nisus Writer vor allem der Tatsache rühmen, als erstes Programm als OpenDoc-Container tauglich zu sein (nur die Power Mac Version) und drag & drop von nicht zusammenhängenden Selektionen zu unterstützen.

Die neue Version unterstützt zahlreiche Mac-Standards wie Internet Config, Apple Guide, AppleScript (Do Script und eine kleine Nisus Writer Suite), drag & drop, Macintosh Easy Open, das Drucken mit QuickDraw GX und die Word Services Suite für Utilities von Drittanbietern wie Rechtschreib- und Grammatikhilfen. Ich freue mich vor allem darauf, die Veränderungen bei der HTML-Unterstützung zu erkunden. Außerdem werden sich Benutzer einer nicht-lateinischen Version wohl über das Weglassen des Dongles freuen (dies betrifft jedoch nicht die hebräische Version bzw. Benutzer des hebräischen MacOS). Der Dongle, von Nisus Writer "language key" genannt, ist ein spezielles Gerät, das in den ADB Bus eingeklinkt wird. Ohne Dongle läuft Nisus Writer in einem eingeschränkten Demo-Modus (siehe TidBITS-170).

Nisus Software empfiehlt einen Mac mit 68020-Prozessor oder schneller sowie System 7.0 oder später; einige Funktionen erfordern eine neuere Version des Systems. Die 68K-Version benötigt 4MB RAM, die Version für den Power Mac braucht mindestens 2100K (mit virtuellem Speicher oder RAM Doubler) bzw. 5100K (ohne).

Das Upgrade gibt es für 89 US$ mit gedrucktem Handbuch oder für 69 US$ mit Handbuch in elektronischem Format (Acrobat).

<http://www.nisus-soft.com/5.0_features.html>

Nisus Software -- 619/481-6154 (fax)
<info@nisus-soft.com>

Allerlei Geschichten und Lügen über den Vertrieb

von Alexander Seropian <theman@bungie.com>

[Übersetzung: Hartmut Greiser]

Als ich Bungie Software gründete, wollte ich eigentlich nur ein Computerspiel schreiben und es verkaufen, so wie vor vielen Jahren, als ich im Sommer in der 5. Klasse Eis am Stiel verkaufte oder später im College meine Chemie-Aufzeichnungen. Meine naive Vision hatte in ihrer Einfachheit eine gewisse Eleganz, eine Art kommerzieller Unschuld.

Es dauerte nicht lange, bis diese Unschuld einer langen Liste von Händlern, Großhändlern, Wiederverkäufern und Versandhändlern zum Opfer fiel, die sich mit ihren schmuddeligen Fingern an meinem Spielzeug vergriffen. Verstehen Sie mich nicht falsch: ohne diese Vertriebskanäle wären wir nicht da, wo wir heute sind und wir könnten ohne sie auch nicht weitermachen. Hinter der Bühne passiert aber eine ganze Menge, von dem die Kunden kaum etwas mitbekommen.

Bungies Kunden sind sehr vielfältig. Wir haben Endverbraucher, wir verkaufen an Versandfirmen (die wieder den Endverbraucher bedienen), wir verkaufen an Großhändler (die wiederum die Läden beliefern). Der direkte Verkauf an den Endverbraucher ist eine einfache Sache, der Vertrieb über den Wiederverkauf ist dagegen ziemlich kompliziert.

Absatzkanal 1: Endverbraucher (leicht)

A) Bungie veröffentlicht eine Anzeige

B) Kunde sieht Anzeige und kauft das Produkt

C) Bungie schickt das Produkt an den Kunden

kann auch über Magazin, Mailing-Aktion, Newsletter, Web-Site, Demo oder sonstwie erfolgen.

Absatzkanal 2: Versandhandel (schwerer)

A) Bungie schickt Prüfexemplar an Versandhandel. Wenn Zustimmung erfolgt, muß Bungie sich um diesen Schritt nicht mehr kümmern (bei den meisten Versandfirmen haben wir diesen Schritt erst mit der Veröffentlichung von Pathways Into Darkness geschafft).

B) Bungie kauft eine Anzeige. Richtig gehört! Die Bungieprodukte werden nicht an den Versandhandel veräußert. Die Mailorder-Gesellschaften beschäftigen Verkäufer, die Bungie Anzeigenplatz verkaufen (die Verkäufer erhalten natürlich auch Kommissionen).

Das Dumme daran ist die Tatsache, daß Bungie gezwungen ist, die Anzeigen 2 - 3 Monate vor Erscheinen zu buchen. Der Dezemberkatalog wird also im Oktober gebucht. Sie können sich sicher vorstellen, daß man neue Produkte nur schwer planen kann. Versandunternehmen sind aber gesetzlich gezwungen, ungefähre Versanddaten anzugeben, weshalb sie oft sogar dann von "zwei Wochen" sprechen, wenn Bungie keinerlei Angaben machen konnte.

C) Versandhändler bestellt ein Produkt bei Bungie. Das wird garantiert solange nicht passieren, ehe Schritt (B) getan ist.

D) Kunde sieht Anzeige und bestellt im Versandhandel.

E) Hat der Versandhandel zu viel gekauft, dann wird das Produkt zurückgeschickt. Wieder richtig gehört - eigentlich kauft keiner bei Bungie! Hier wird alles auf Kommission vertrieben. Kann der Versandhandel nichts absetzen, dann geht die Ware an Bungie zurück. Merken Sie sich diese Lektion, wir kommen noch einmal darauf zurück.

Anmerkung: Bei Unterhaltungssoftware macht ein Versandhandel den größten Teil seines Umsatzes übrigens nicht durch den Verkauf dieses Produktes, sondern durch den dazugehörenden Anzeigenverkauf. In den großen Mac-Katalogen kostet eine ganze Anzeigenseite etwa 25000 US$ (multiplizieren Sie das mal mit 150 Seiten einiger großer monatlicher Publikationen!). In einem bestimmten Monat bezahlt Bungie z.B. 9000 US$ für eine Anzeige. Wenn der Versandhandel diesen Umsatz durch den Verkauf des Produktes selbst machen wollte, müßte er in diesem Monat mehr als 1200 Einheiten absetzen - sowas funktioniert nur im Zusammenhang mit Weihnachten. Nehmen Sie z.B. MicroWarehouse, eine Publikumsgesellschaft mit einem Jahresumsatz von etwa 750 US$. Sie produzieren vier Kataloge mit einem Umfang von 600 Werbeseiten pro Monat. Damit allein machen sie gigantische 180 Millionen US$ im Jahr. Der restliche Umsatz (570 US$) wird über den Produktverkauf erzielt und führt zu einem Gewinnanteil von lediglich 20 %. Der Nettoertrag setzt sich somit aus 180 US$ für Anzeigenverkäufe und 114 US$ für Produktumsätze zusammen. Merken Sie sich diese Lektion, sie wiederholt sich später!

Absatzkanal 3: Großhandel (wirklich schwer)

A) Bungie schickt dem Großhändler ein Produkt zur Prüfung. Der Großhändler: "Bungie? Kenn' ich nicht."

B) Bungie verwendet viel Geld und Zeit darauf, sich einen Namen zu machen, damit Bungie mit einem festen Kundenstamm wieder zum Großhändler gehen kann.

C) A und B so lange wie nötig wiederholen.

D) Großhändler bietet Bungie endlich einen Vertrag mit folgenden Bedingungen an:

E) Bungie versucht, zu verhandeln, wird aber zusammengefaltet wie der Rest der Software-Entwickler und unterschreibt den Vertrag.

F) Großhändler sagt: "OK, damit ich Deine Produkte im Geschäft X in die Regale bekomme, mußt Du 5000 US$ in deren Katalog investieren." Oder noch besser: "Du mußt 25000 US$ in deren End-Cap investieren" (ein End-Cap ist die besonders gut sichtbare Produktauslage am Ende einer Regalreihe). Richtig, liebe Kinder (noch eine wichtige Lektion): Immer wenn Ihr in einen Laden kommt und 100 Exemplare von Mutant Death Machine am Ende einer Regalreihe seht, dann stehen die nicht da, weil das Geschäft von diesem Spiel so überzeugt ist. Nein, der Hersteller hat für diese Plazierung harte Dollar bezahlt. Harte Dollar, die das Geschäft als Gewinn einbehält.

G) Bungie verkauft dem Großhändler einige Produkte.

H) Bungie merkt jetzt, daß wir die Verkäufer bestechen müssen, um neben all den anderen Produkten bestehen zu können, die der Großhändler vertreibt. Man nennt das "spiff". Bungie sagt dann: "OK, Du bekommst von mir einen Dollar für jedes Stück, das Du in einem Geschäft unterbringst." Alternativ dürfen wir dem Großhändler auch einen Nachlaß von 5% anbieten, wenn er eine bestimmte Menge verkauft.

I) Das Beste zum Schluß: Großhändler macht pleite und bleibt Bungie eine Riesensumme schuldig.

Diese Schimpftirade mag sich nach der Jammerei einer Company anhören, die mit einem tollen Spiel jede Menge Kohle gemacht hat - es ist wirklich Jammerei. Wäre es nicht schön, wenn man Software so leicht verkaufen könnte wie Eis am Stiel im Sommer?

[Alexander Seropian ist Geschäftsführer und Gründer von Bungie Software. Er ist laufend dabei, sein Geschäft mit Hilfe neuer und talentierter Mitarbeiter zu erweitern. Irgendwann wird es soweit sein, daß genügend dieser Schlauköpfe für ihn arbeiten, dann kann er sich gemütlich zurücklehnen und mit der Arbeit aufhören.]

Verzeichnisse auf dem Mac

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Hartmut Greiser]

Vor einiger Zeit habe ich für MacWEEK einen Artikel über die fehlenden Verzeichnisse für Macintosh geschrieben. Wie das mit den gedruckten Publikationen so ist - ich hatte das Gefühl, daß in diesen Artikel nicht alle Informationen hineinpaßten, die mir zur Verfügung standen. Hier also noch einmal ein neuer Anlauf mit einem ganz anderen Blickwinkel.

<http://www.macweek.com/mw_1035/opinion_working_net.html>

Es begann damit, daß ich meinen Redakteur bei MacWEEK fragte, ob ich über Internet-Email-Server in einer Intranet-Umgebung schreiben könne. Ich finde Intranets ziemlich amüsant, weil der Dreh- und Angelpunkt dabei eigentlich nur die Tatsache ist, daß Standard-Internetprotokolle und -Software genutzt und daß sie in den Fachzeitschriften trotzdem als Top-Neuigkeit verkauft werden. Wie auch immer - Email ist eines meiner Lieblingsthemen, und da wir bei TidBITS selbst eine große Mailing-Liste führen, kennen wir die Einschränkungen der meisten LAN-Emailpakete, die über Gateways in das Internet geführt werden. Bei vorhandenen Internetanschlüssen ist es für ein Büro oft einfacher und billiger, einen eigenen SMTP/POP Server aufzustellen, als QuickMail, cc:Mail oder FirstClass zu benutzen.

Es gibt heute bereits eine ganze Reihe kompletter SMTP/POP Server für den Mac, z.B. den kostenlosen Apple Internet Mail Server (AIMS), Communigate (die Allzweckwaffe für Email-Server von Stalker Software) oder SonicMail von Sonic System. Für Büros ohne Internetanschluß: OfficeMail von Claris kann sich via SMTP und POP mit Email Clients wie Eudora und Emailer verständigen oder über UUCP ins Internet gehen (s. TidBITS-336). Zur Zeit befindet unter dem Namen RingTwice ein neuer Mac SMTP/POP Mail-Server im Betatest. Auch hier scheinen aber die Verzeichnisdienste zu fehlen. Wenn Sie all dies und die Pläne von Tenon Intersystems zusammenfassen, die einen industriefähigen MailServer auf der Basis von Post Office herausbringen möchten, dann haben Sie eine große Auswahl.

<http://www.stalker.com/>
<http://www.sonicsys.com/>
<http://grant.media-gn.nl/r2x/index.html>
<http://www.tenon.com/>

Ein Problem ist mir beim Schreiben des Artikels aber entgangen, da ich nicht in großen Organisationen arbeite: die Verzeichnisse. Wo finden Sie die Email-Adresse einer bestimmten Person in Ihrer großen Firma? Die Menge der Kommentare zu diesem Thema hat mich doch überrascht, weil ich vom Internet immer als von "meiner großen Organisation" ausgegangen bin, und da gibt es keinen garantierten Weg für das Aufspüren einer Email-Adresse. (Es gibt Versuche mit unterschiedlichem Erfolg, die Links unter "Finding People" auf der Homepage des Internet Starter Kit for the Macintosh führen zu den meisten von ihnen).

<http://www.tidbits.com/iskm/>

Nehmen wir einmal an, alle Mitarbeiter in einer großen Organisation seien auf Gedeih und Verderb auf das Adressenverzeichnis ihres LAN-Emailprogramms angewiesen. QuickMail habe ich seit 1989 nicht mehr benutzt und cc:Mail habe ich selbst nie zu Gesicht bekommen, aber ich glaube nicht, daß diese Verzeichnisse mehr als ein Namens- und ein Emailfeld enthalten. Was ist, wenn keine Felder für Telefon- und Faxnummer oder für die Postadresse vorhanden sind? Und wer kümmert sich um das Einrichten all dieser Daten? Diese Organisationen werden das Problem sicher in den Griff bekommen - mir erzählte jemand, der bei verschiedenen großen Magazinen gearbeitet hat, daß es immer Bemühungen gab, ein unternehmensweites Adressenverzeichnis mit Now Contact oder ähnlichen Hilfsmitteln zu führen. Diese Verzeichnisse hatten allerdings regelmäßig falsche Daten oder andere Probleme. Anders gesagt - ich habe den Verdacht, daß bestehende Lösungen in LAN-Email-Paketen die Probleme nicht immer komplett lösen.

Vorhandene Lösungen -- Wie kann man nun also das Problem fehlender Verzeichnisse in derzeitig verfügbaren Internet Email-Servern lösen? Dafür gibt es viele Möglichkeiten; einige hängen davon ab, welchen Email-Server und welchen Email-Client Sie benutzen. Das Problem selbst hat, grob gesagt, drei Facetten: Informationsbearbeitung auf dem Server, ihre Bearbeitung dazwischen und die Suche nach ihr auf dem Client.

Von den Mac-Internet-Email-Servern hat nur CommuniGate eine eingebaute Adreßbuch-Funktionalität (die allerdings auch nur über die Clientsoftware CommuniGator zugänglich ist). Dieses Adreßbuch läßt sich als tab-delimited Textfile exportieren. Bei SonicMail oder Claris OfficeMail ist dies überhaupt nicht möglich, bei AIMS nur mit Hilfe der Freeware MailShare Loader, das nur unter der folgenden URL-Adresse zu finden ist:

<http://www.fairbanks.org/pages/fcdSite/sharedSoftware/SoftwareDirectory.html>

Wenn Sie Ihre Adressen aus AIMS oder Communigate als tab-delimited Text exportieren wollen, dann haben Sie dafür eine Reihe verschiedener Möglichkeiten. Ich würde die Daten in eine selbsterstellte Datenbank wie z.B. FileMaker Pro oder Now Contact importieren. Die Importfilter bedürfen dabei einigen Aufwandes, vielleicht müssen Sie auch die Textdatei selbst erst überarbeiten. Nachdem Ihre Informationen sich in der Datenbank befinden, können Sie Felder hinzufügen, die vom Email-Server nicht unterstützt werden, Sie können die Liste nach Belieben sortieren und sie natürlich auch in diversen Formaten exportieren.

<http://www.nowsoft.com/products/products.html>

Das einfachste wäre es, diese Datenbank jedermann im Unternehmen zugänglich zu machen. Das kann natürlich unerwünschte finanzielle Auswirkungen haben, wenn Sie für eine Adressensoftware eine Site-Lizenz benötigen sollten, obwohl eine FileMaker Pro Datenbank auch als Runtime genutzt werden kann. Für FileMaker Pro und für Now Contact lassen sich Scripts erstellen, mit deren Hilfe man Email über einen script-fähigen Client wie z.B Eudora absetzen kann. Ich muß aber zugeben, daß ich kein Freund empfindlicher Script-Lösungen bin. Das sind nie mehr als Provisorien.

Ich halte mehr davon, die Nutzerdatei aus der Datenbank in verschiedene Formate zu exportieren. Wenn Sie eine Site-Lizenz für Eudora Pro 3.0 besitzen, dann könnten Sie in einen Eudora-Nicknamefile exportieren, den Sie auf einem zentralen Server ablegen, und von dem Sie ein Alias in den Nickname-Ordner des Eudorafolders jedes Anwenders stellen. Eudora Pro 3.0 kommt mit diesen Nickname-Files sehr gut zurecht, wobei es sicherlich angeraten ist, das Original so schützen, daß unzulässige Änderungen verhindert werden. Mit Eudora Pro verfügen Sie damit über ein unternehmensweites Adressenverzeichnis, komplett mit Telefonnummern und Postadressen. Mit Eudora Light funktioniert das Ganze aber nicht, da es nur nur eine Nickname-Datei unterstützt.

Wie wäre es auf der anderen Seite, auf eine Webseite zu exportieren? HTML ist einfach genug, um einen Textfile mit Hilfe eines Nisus Writer Macros oder eines anderen Textinstrumentes in HTML umzusetzen. Mit einem CGI wie Tango, WEBFM, ROFM oder Lasso können Sie die Idee noch weiter treiben und Ihre Datenbank direkt mit Ihrem Intranet oder dem Web verbinden.

<http://www.everyware.com/Products/Tango/tango.html>
<http://www.macweb.com/webfm/>
<http://rowen.astro.washington.edu/>
<http://www.blueworld.com/lasso/>

Und damit man mich nicht beschuldigt, zu viele andere Möglichkeiten zu unterschlagen - es gibt eine Reihe von Webservern, die auf Datenbanken aufsetzen, die solche Jobs nebenher erledigen. Dazu gehören Web Server 4D, NetWings und Webink.

<http://www.mdg.com/>
<http://www.netwings.com/>
<http://www.webink.com/>

Es ist eine schöne Sache, Informationen auf einer Webseite zur Verfügung zu stellen und eigentlich eine Nötigung, den Nutzer auf die mittelmäßigen Email-Clients der meisten Web-Browser zu verweisen. Wenn Sie den Email-Client von Netscapes Navigator mögen - fein. Sie können den Navigator aber auch so konfigurieren, daß die "Mail To"-Verweise an ein anderes Programm weitergegeben werden. Kopieren Sie dies kleine AppleScript in den Script Editor, ergänzen Sie die Bezeichnung Ihrer Netscape-Kopie und den Creator-Code Ihres Email-Programmes (wenn es sich nicht, wie unten, um Eudora handelt), und lassen Sie es dann laufen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, welches andere Email-Programm so mit Navigator zusammenarbeiten kann (Betaversionen von Eudora Light 3.0.1 scheinen dazu in der Lage zu sein).

 
tell application "Netscape Navigator 3.0" register protocol
"CSOm" for protocol "mailto:" end tell 

Ich will mich nicht zu sehr über Scriptings für Web-Browser auslassen, aber diese Technik müßte mit Microsoft Internet Explorer und Spyglass Mosaic funktionieren. Eventuell müssen Sie das Script vor jedem Programmstart initiieren. Wenn Sie die Defaulteinstellungen Ihres Browsers wieder aktivieren möchten, dann ändern Sie "CSOm" in den Creator-Code Ihres Browsers (bei Netscape "MOSS") und lassen das Programm laufen. Wenn Sie Eudora Light 1.5.4 verwenden, dann können Sie das Script so abfassen, daß die GURL-Hilfsapplikation (statt Eudora selbst) eingesetzt wird, die mit Internet Config ausgeliefert wird.

<http://www.share.com/peterlewis/ic/index.html>

Schließlich gibt es ja auch noch das Finger-Protokoll, wenngleich es wenig elegant ist und mit Email-Programmen außer Eudora nicht zusammenarbeitet. Dieses Protokoll gibt es schon seit längerem, es dient dazu, Verzeichnisinformationen verfügbar zu machen. Es gibt einige Finger-Server (z.B. FingerToys von Acme Technologies und Peter Lewis' Daemon) und Finger Clients (Finger von P. Lewis, einen Finger-HyperCard-Stack und natürlich Eudora Light und Pro), aber ich kenne nicht viele Leute, die ihre Verzeichnisprobleme mit Finger lösen. Mir scheint es deshalb keine langfristige Lösung zu sein.

<http://www.acmetech.com/ftoys.html>
<http://www.share.com/peterlewis/daemon/index.html>
<http://www.share.com/peterlewis/finger/index.html>
<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/tisk/inet/finger-20-hc.hqx>

Künftige Lösungen -- Es macht Spaß, solche Programme zu erfinden, langfristig gesehen sind sie aber keine gute Möglichkeit, Verzeichnisprobleme in den Griff zu bekommen. Dafür benötigen wir Unterstützung für ein Verzeichnisprotokoll auf Mac-Email-Servern oder einen Link zu einem Server mit allgemeinen Verzeichnisdiensten.

Eine Möglichkeit ist das Ph-Protokoll, das Eudora-Autor Steve Dorner entwickelt hat. Es handelt sich dabei um ein einfaches, textbasiertes Protokoll, das für eine ausreichende Informationsmenge sorgt, und das bereits zum Teil durch Eudora und John Norstads kostenlosen Mac Ph Client unterstützt wird.

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/tisk/inet/mac-ph-12.hqx>

Bislang hat niemand einen Ph-Server (genauer gesagt einen Qi-Server) für den Mac entwickelt, was sich für die weitere Akzeptanz von Ph natürlich nicht als förderlich erwiesen hat. Gerüchten zufolge soll Ph in einer künftigen Version von CommuniGate und von AIMS 2.0 unterstützt werden, vielleicht eine neue Chance für Ph.

So attraktiv Ph auch sein mag, dank seiner leichten Einrichtung und seines textbasierten Charakters hat sich bei den meisten großen Anwendern ein anderes Protokoll durchgesetzt. LDAP (Leightweight Directory Access Protocol) wurde an der Universität Michigan als Teil des X.500-Zugangs-Protokolls entwickelt. Der LDAP-Entwickler Tim Howes und zwei andere Mitarbeiter der Universität von Michigan, die an dem Projekt beteiligt waren, arbeiten nun bei Netscape. Unnötig darauf hinzuweisen, daß Netscape LDAP favorisiert. Eine Reihe anderer großer Firmen hat sich auch für dieses Projekt gemeldet.

Von der Universität Michigan kommt in Form eines Programms namens maX.500 Unterstützung für den Mac-Client, auch wenn Gavin Eadie zur Zeit an einem Live Object LDAP Browser für Cyberdog arbeitet. Mit diesen Programmen kann man gewissermaßen die Client-Seite in den Griff bekommen; wenn ein Verzeichnis-Protokoll aber allgemeine Anerkennung finden soll, dann muß es in alle wichtigen Email-Clients integriert sein. LDAP ist komplexer als ein einfaches textbasiertes Protokoll wie Ph, was die Unterstützung in einem Email-Programm schwieriger macht. In klassischer Manier bemerkt Steve Dorner: "Diese übergroße Komplexität ist einer der Gründe dafür, daß X.400 und X.500 die Schlacht verloren haben, und daß das Internet gewonnen hat. LDAP ist die gemeinsame Rache."

<ftp://terminator.rs.itd.umich.edu/x500/max500/max500-2.1.1.hqx>

LDAP mag zwar die Rache der Konzernen an den Programmierern sein, aber ohne Unterstützung der wichtigen Mac-Email-Clients und einiger Mac-LDAP-Server (die bislang nirgends zu sehen sind) kann man sich schwer vorstellen, wie LDAP es schaffen soll, sich in der Macwelt zu behaupten. Mit solcher Unterstützung könnte es genau die Lösung sein, auf die viele warten. Bevor das passiert, wird wohl eher Godot kommen.

Eine Ideallösung für dieses Problem wäre ein im Mac OS integrierter Verzeichnisdienst. Das vielgeschmähte PowerTalk hatte einige dieser Fähigkeiten.

Es ist schon eine gewisse Ironie - PowerTalk floppte als Email-Technologie, weil Apple den größten Teil der Email-Welt ignorierte, während PowerTalk noch in Entwicklung war. PowerTalk litt auch unter Schwächen bei Oberfläche und Design. Ich hatte aber in letzter Zeit einige Unterhaltungen, die alle mit der Bemerkung endeten "PowerTalk konnte das natürlich". PowerTalk hatte eine Datenbank auf Betriebssystem-Ebene, die sich sehen lassen konnte, es unterstützte Verzeichnisdienste auf diesem Level und besaß wichtige Funktionalitäten, die die Pflege zahlreicher User-IDs und Paßwörter auf einem Server vereinfachten. Diese Technologien wären zusammen mit dem PowerTalk-Ersatz für das peinliche Auswahlfenster heute sehr willkommen, wenn sie nicht soviel Ballast und die Last eines kaum zu gebrauchenden Email-Client herumzuschleppen gehabt hätten.

Als Apple PowerTalk einstellte, gab es Gespräche darüber, daß diese Technologie nicht komplett verschwinden, sondern in Teilen in künftigen Mac-OS-Versionen wiederauferstehen würde. Vielleicht begegnen wir ihnen ja irgendwann einmal wieder - wie auch immer das Betriebssystem dann aussieht.


Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].

Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Tobias Engler [TE], Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].

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