TidBITS#356/02-Dec-96 - Deutsch

Sind Sie ein erfahrener oder angehender Web-Autor? Dann lesen Sie Tonyas eingehende Besprechung von Adobe PageMill 2.0. Apple gesteht Probleme mit einigen Programmen auf 68K-Macs ein, Bare Bones Software bringt BBEdit Lite for OpenDoc heraus und Adam schildert, wie man Macs, die über die Tastatur gestartet und per Software abgeschaltet werden können, dazu bringt, nach einem Stromausfall neu zu starten. Wenn Sie nicht die Zeit haben, die TidBITS jede Woche zu lesen, lassen Sie sich doch vorlesen - vom Tonband.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#356/02-Dec-96.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-356.html>

Copyright 1996 TidBITS Electronic Publishing. All rights reserved.
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Copyright 1996 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier Kommunikation.
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Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1996/TidBITS#356/02-Dec-96>

Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-356.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-356.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-356.etx>


MailBITS/02-Dec-96

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Den CFM-68K Runtime Enabler abstellen -- Wenn Sie einen Macintosh mit einem 68K-Prozessor verwenden, gibt Ihnen Apple die Empfehlung, den CFM-68K Runtime Enabler abzuschalten, entweder mit Hilfe eines Extension Managers oder indem Sie den Enabler aus dem Systemordner entfernen. Einige Programme, die den CFM-68K Runtime Enabler benutzen, können den Macintosh zum Absturz bringen, was zu Datenverlust und anderen Problemen führen kann. Die Empfehlung bezieht sich nicht auf Power Macs.

<http://www.macos.apple.com/macos/cfm-68k.html>

Der Code Fragment Manager (CFM) ist ursprünglich für Power Macs entwickelt worden und gestattet Power-Mac-Programmen, auf "shared code libraries" zuzugreifen (die eine gute Sache sind, glauben Sie mir). Später hat Apple den CFM auch an die 68K-Maschinen angepaßt, um den Entwicklern die Arbeit an 68K-Versionen ihrer Power-Mac-Applikationen zu erleichtern. Diese Applikationen erscheinen gerade auf dem Markt, viele weitere befinden sich noch in Entwicklung.

Nun gesteht Apple allerdings ein Problem mit der 68K-Version von CFM ein, der nicht in allen Fällen verläßlich arbeitet. Der Fehler betrifft nicht alle Programme, die den CFM-68K verwenden; es läßt sich aber nicht auf einfache Weise sagen, welche Software betroffen ist. Zu den Programmen, die den CFM-68K benutzen, gehören OpenDoc, Cyberdog, Apple Media Tool, LaserWriter 8.4 und 8.4.1, Microsoft Internet Explorer 3.0b1 und die Vorab-Version von AOL 3.0. Wenn Sie eines dieser Programme verwenden, legt Apple Ihnen nahe, zu einer früheren Version zurückzukehren oder sie nicht mehr zu verwenden. Wenn Sie den CFM-68K deaktivieren und dann eins dieser Programme verwenden, bekommen Sie eine Fehlermeldung, aber es kann nichts passieren. Apple arbeitet an der Behebung des Fehlers, aber es ist noch kein Zeitpunkt bekannt, zu dem eine Lösung verfügbar sein wird. [GD]

BBEdit Lite for OpenDoc -- Wenn Sie Version 1.1 von OpenDoc installiert haben, werden Sie an BBEdit Lite for OpenDoc, einem Live Object (Freeware), interessiert sein, das die wichtigsten Textverarbeitungsfunktionen von BBEdit aufweist. Diese Version von BBEdit Lite hat zwar keinen Statusbalken und arbeitet nicht mit allen BBEdit-Erweiterungen zusammen (siehe die ReadMe-Datei), aber sie stellt doch grundlegende Textbearbeitungsmöglichkeiten in jedem OpenDoc-Container zur Verfügung. [GD]

<http://www.barebones.com/freeware.html>

QuickMail Express ist da -- CE Software hat den kostenlosen Internet-Mail-Client publiziert, den wir vor einigen Wochen erwŠhnt haben. QuickMail Express ist eine vereinfachte Version von QuickMail Pro, dem kommerziellen POP3-Client von CE; beide Versionen sind fŸr Macintosh und Windows verfŸgbar. [MHA]

<http://www.cesoft.com/quickmail/qmexpress/>

Die TidBITS auf Tonband

von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Die TidBITS haben kürzlich ein Lizenzabkommen mit AudioMagNet unterzeichnet, einer neuen Firma, die die Übertragung von Internet-Texten auf Audiokassetten als Dienstleistung anbietet. Es wird eine Computerstimme mit 16 Bit verwendet. AudioMagNet hat uns dieses Angebot vor mehreren Monaten gemacht und darauf hingewiesen, daß solche Bänder für Pendler und für all jene interessant sein könnten, denen - aus welchem Grund immer - es nicht angenehm (oder möglich) ist, Text zu lesen. Die TidBITS sind die erste Publikation bei AudioMagNet, aber die Firma plant die Palette zu erweitern, wenn entsprechende Vorschläge gemacht werden.

<http://www.audiomagnet.qc.ca/>

AudioMagNet verkauft die Audio-Version der TidBITS um 5 US$ je Kassette (eine Ausgabe der TidBITS mit 30 bis 45 Minuten, paßt auf ein Band). Sie können den Dienst auch abonnieren und erhalten einen Preisnachlaß. Die Abo-Preise sind 120 $ (25 Kassetten), 235 $ (50 Kassetten), 350 $ (75 Kassetten) und 460 $ (100 Kassetten). Diese Preise enthalten Konversion, Bandmaterial und Porto.

Ich habe Sylvain Laroque, einen der Gründer von AudioMagNet, auf der Macworld Expo in Boston kennengelernt. Er hat mir einige Details mitgeteilt, die bei der Erstellung der Bänder von Bedeutung sind. Seine Anmerkungen haben mir gefallen, also habe ich Sylvain und seine Partnerin, Chantal St-Pierre, per E-Mail interviewt.

[Sylvain & Chantal] Nein, keine Standard-PlainTalk-Stiime. Wir verwenden Victoria, eine Stimme hoher Qualität, die auf Apples Sprach-Seite zu haben ist.

<http://speech.apple.com/>

[Sylvain & Chantal] Vor der eigentlichen Aufzeichnung liegt eine Bearbeitungszeit von annähernd sechs Stunden. Zuerst werden alle E-Mail-Adressen, Telefonnummern und URL-Adressen entfernt - wir verweisen die Hörer für diese Informationen auf die Internet-Version der TidBITS. Victoria buchstabiert alles, was nicht in ihrem internen Wörterbuch enthalten ist, Zeichen für Zeichen - das hat in unserer frühen Testphase zu interessanten Hörerlebnissen geführt. Etwas wie "h-t-t-p slash-slash w-w-w (pause) tidbits (pause) com" anzuhören ist kein tolles Hörerlebnis, in manchen Fällen kann es sogar ziemlich verwirrend sein. Aus demselben Grund entfernen wir auch alle Konfigurations-Strings und verweisen auch hier die Hörer auf die Internet-Version. Wir haben auch auf Klammern und auf Symbole wie Anführungszeichen zu achten, da Victoria entweder anhält und schweigt oder aber alles buchstabenweise ausspricht, was ihr unterkommt.

Der zweite Schritt besteht darin, daß wir mit "Suchen und Ersetzen" alle Wörter austauschen, von denen wir schon wissen, daß Victoria sie nicht korrekt aussprechen kann, wie etwa Email, online, Macintosh und CompuServe. Wir bringen sie immerhin dazu, Wörter wie "Los Angeles" oder "WYSIWYG" richtig zu artikulieren (ein kleines Geheimnis), - das führt uns auch schon zum dritten Schritt. Wir gehen jede Ausgabe nach Wörtern durch, die wir verdächtigen, daß sie für Victoria problematisch sein könnten, suchen nach neuen Schreibweisen, um die Aussprache für sie zu erleichtern und fügen diese Wörter unserer "Suchen und Ersetzen"-Liste für zukünftige Ausgaben hinzu.

Wir suchen auch nach langen Sätzen und unterteilen sie mit Beistrichen, um endlose Schallanhäufungen zu vermeiden. Wir fügen "erzwungene Stille" (unser eigener Ausdruck) ein, besonders zwischen Absätzen. Diese längeren Pausen sollen den Übergang auf ein anderes Thema andeuten.

Zuletzt hören wir das fertige Produkt ab, bügeln noch letzte Fehler aus, legen den Zeitplan der Ausgabe fest und wählen ein Band aus, nach dem wir das Masterband produzieren. Dann fahren wir mit den Aufnahmen fort.

[Sylvain & Chantal] Unser Masterband ist eine Chromdioxid-Kassette üblicher Länge; wir überspielen direkt vom Mac auf einen üblichen Recorder. Dann werden auf einem Audiokasetten-Duplikator mit hoher Geschwindigkeit die Kopien in erforderlicher Anzahl gezogen.

[Sylvain & Chantal] Sylvain hat sich über diese Dienstleistung schon seit langem Gedanken gemacht - er wollte sich das Leben erleichtern. Als professioneller Mac-Konsulent muß Sylvain bei neuen Produkten, Trends, Updates, Bugs, bei Problemen und ihren Lösungen auf dem Laufenden bleiben. Magazine und Presseausendungen zu lesen ist ein notwendiges Übel, aber für Menschen, die nicht schnell (oder nicht gern) lesen, kann es eine Last darstellen. Sylvain bringt viel Zeit in seinem Auto zu; diese Zeit wollte er nutzen, um die benötigte Information aufzunehmen. Wenn dies eine gute Möglichkeit für ihn ist, Zeit nutzbar zumachen - warum nicht auch für viele andere Leute?

AudioMagNet -- <comments@audiomagnet.qc.ca>

Das Geheimnis des Netzschalters

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Diese Geschichte nimmt ihren Anfang im Juli, als Geoff und ich in den Räumen von Point of Presence (der Firma, wo unser Web- und unser Mailserver stehen) einen Power Macintosh 7100/66 installiert haben. Der 7100 war bestimmt für ListSTAR von StarNine, um damit die komplette TidBITS-Mailing-Liste zu betreiben - die Maschine bewährt sich dabei übrigens großartig.

Das ist allerdings nicht das Geheimnis.

Der 7100 ist bekanntlich mit einem "Soft-Power"-Netzteil ausgestattet - Sie schalten ihn mit der Tastatur ein und per Befehl "Ausschalten" im Menü "Spezial" aus. Unser anderer Server ist ein "Hard-Power"-Mac - er hat also einen Netzschalter, der in seiner Position (ein- oder ausgeschaltet) bleibt, je nachdem. Für Server sind das sehr wichtige Fakten - wenn der Strom ausfällt und länger wegbleibt, als von der unterbrechungsfreien Stromversorgung kompensiert wird, wird der Server abgeschaltet. Die Frage ist nun, was passiert, wenn der Strom wieder da ist.

Der AWS 6150 als "Hard-Power"-Mac startet automatisch wieder. Der 7100 andererseits stellt ein Problem dar, weil sein Netzteil einen Impulsschalter hat; nur weil der Strom wieder da ist, schaltet sich die Machine nicht selbsttätig ein. Wie kann man ihn dazu bringen, selbst zu starten?

Als die ersten "Soft-Power"-Macs erschienen, hat Apple dies als Problem erkannt und es in beeindruckender Weise gelöst. Alle "Soft-Power"-Macs haben eine reset-Taste (ursprünglich an der Rückseite, bei den neueren Modellen vorne). Auf den Macs mit der reset-Taste hinten (z.B. der IIci und der 7100) ist die Taste wie eine Schraube mit Schlitz ausgeführt. Wenn Sie wollen, daß der Mac neu startet, sobald der Strom wieder kommt, drehen Sie die Taste mit einem Schraubenzieher und drücken sie hinein - ganz einfach.

Nachdem alles andere eingerichtet war, versuchten Geoff und ich, die reset-Taste in eingedrückter Position zu fixieren; sie hielt aber nicht. Wir schalteten die Maschine ab, nahmen sie aus dem Rack und öffneten das Gehäuse. Wir fanden keine Lasche, an der sich die Taste verriegeln konnte.

Ein wenig schlauer als Otto Normalverbraucher sind wir doch - wir erkannten, daß wir mit einem Stück einer Büroklammer die Power-Taste in eingedrückter Position fixieren konnten. Wir schlossen also das Gehäuse, schoben es ins Regal, steckten alle Kabel an und drückten den Einschaltknopf an der Tastatur - nichts. Der 7100 wollte nicht einmal starten.

Alle Kabel wieder heraus, das Gehäuse öffnen und unsere Bastelei entfernen. Wir waren ratlos und sahen keinen anderen Weg, als alles wieder im Originalzustand zusammenzubauen und zu hoffen, daß es keine zu langen Stromausfälle geben werde.

Nächster Schauplatz: die Macworld Expo in Boston. Am Stand von Apple Tech Support fragte ich wegen der Geschichte nach - die Leute dort waren zweifellos kompetent, aber auch sie wußten keinen Rat (das gab mir ein besseres Gefühl).

Vor wenigen Tagen kam die Offenbarung. Ich sah die Web-Site von Maxum nach Informationen zu PageSentry 2.0 durch, einer neuen Überwachungssoftware für Internet-Server (ein wunderbares Produkt), als ich über eine Notiz vom Support stieß - seit dem Quadra 840AV läßt sich der Schalter bei Soft-Power-Macs nicht mehr verriegeln.

<http://www.maxum.com/PageSentry/>

Statt dessen, so stellt sich heraus, kann der Zweck mit dem Kontrollfeld "Energie sparen" erreicht werden. Wenn Sie es öffnen und die Server-Einstellungen bei den Preferences anwählen, sehen Sie einen Dialog, der eine Checkbox "Nach Stromausfall automatisch neu starten" enthält.

Um ganz offen zu sein: Ich habe das auf dem 7100 nicht ausprobiert, weil ich nicht gerne Software "remote" installiere und wir das Kontrollfeld entfernt hatten (auf einem Server ohne Bildschirm ist es sonst auch nicht sinnvoll). Wenn ich allerdings einmal bei dem Server vorbeischaue, werde ich das Kontrollfeld für alle Fälle installieren.

Dazu kommt, daß ich den Server seit damals nicht mehr besucht habe und daher nicht weiß, wie er mit PowerKeys Pro (von Sophisticated Circuits) harmoniert, einem erstaunlichen kleinen Gerät, das unter anderem auch abgestürzte Server automatisch neu starten kann. PowerKeys ist in dieser Situation auf jeden Fall einen Test wert; wenn ich das nächste Mal in Seattle beim Server zu Besuch bin, werde ich auch dieses Gerät selbst testen.

<http://www.sophisticated.com/>

Wenn Sie Entwickler sind und Server-Software schreiben, sind Sie nicht unbedingt der Sklave des Netzschalters. Für viele Macs kann Code geschrieben werden, um - ähnlich dem "Energie sparen"-Kontrollfeld - die Maschine für einen selbsttätigen Neustart nach Stromausfall zu konfigurieren.

<http://devworld.apple.com/dev/technotes/tn/tn1079.html>

Adobe stellt die Version 2.0 von PageMill vor

von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>

[Übersetzung: Hartmut Greiser]

Adobe PageMill 1.0 nahm die HTML-Welt im Sturm, als es Ende 1995 auf dem Markt erschien. Zu dieser Zeit war PageMill das einzige Programm, das den HTML-Code im Hintergrund erzeugen konnte, während die User damit beschäftigt waren, Webseiten in einer Umgebung zu erstellen, die einer einfachen Textverarbeitung glich. Obwohl sich aber mit PageMill 1.0 auf sehr einfache Weise Webseiten herstellen ließen, begannen die Nutzer bald lautstark nach mehr Gestaltungsmöglichkeiten und mehr Flexibilität zu rufen. Viele dieser Forderungen werden bei PageMill 2.0 erfüllt; besonderes Gewicht wurde dabei auf Layout und andere visuelle Aspekte gelegt.

<http://www.adobe.com/prodindex/pagemill/main.html>

Als Mindestvoraussetzung für den Betrieb von PageMill 2.0 nennt Adobe jeden Macintosh mit 8MB RAM (von denen mindestens 4 MB für PageMill einzuplanen sind), System 7.1 und einen Farbmonitor. Der Listenpreis für das Programm beträgt 149 US$, Adobe geht von einem Straßenpreis von 99 $ aus. Das Upgrade von Version 1.0 wird für 49 US$ zu haben sein, wer andere Adobe-Produkte sein eigen nennt, braucht für die Vollversion nur 69 $ zu zahlen. Mit einem Lockpreis von 79 US$ sollen Anwender von Konkurrenzprodukten zum Umstieg bewogen werden.

Auf Erkundungstour -- Nach dem Start von PageMill wird eine leere Seite im Editiermodus angeboten, die von einem überladenen, nicht veränderbaren Werkzeugbalken gekrönt ist. In einem Extrafeld können Sie den Namen des Dokuments eingeben, das Sie erstellen wollen. Die Buttons der Werkzeugleiste sind deutlich klein geraten, ausgenommen der Knopf für die Voransicht, mit dem Sie prüfen können, wie sich Ihre Seite im Web vermutlich machen wird. In diesem Preview-Modus können Sie auch Links zu solchen Seiten nutzen, die auf Ihrem Rechner abgelegt sind.

Adobe hat zwar eine Möglichkeit vorgesehen, den HTML-Code anzeigen zu lassen, der Toolbar bietet aber keinen schönen großen Button, mit dem Sie bequem umschalten können. Dieser Befehl wurde in das Edit-Menü verbannt, glücklicherweise gehört aber ein logisches Tastaturkürzel dazu. In der HTML-Übersicht können Sie sich den Code ansehen, der hinter einem Dokument liegt und Sie können ihn hier auch editieren. Adobe hat die HTML-Ansicht für all die fast lahmgelegt, die direkt mit HTML arbeiten möchten - fast alle Menüs und Buttons zur Erstellung einer Webseite sind außer Funktion gesetzt.

Im Window-Menü gibt es ein hierarchisches Menü, Switch genannt, das nur im mitgelieferten ReadMe-File dokumentiert ist. Mit seiner Hilfe kann man das aktuelle PageMill Dokument in einem anderen Programm öffnen - in der Regel wohl in einem Text-Editor oder Web-Browser. Wenn Sie in einen Text-Editor wechseln und den File verändern, dann lassen sich die Veränderungen sehr schnell dadurch in PageMill überprüfen, daß Sie im Edit-Menü "Revert to Saved" aufrufen, eine Funktion, für die leider kein Tastaturkürzel vorgesehen ist (im allgemeinen kann man PageMill aber gute Tastaturkürzel bescheinigen).

In einer neuen Download-Statistik kann man überprüfen, wie lange der Download einer bestimmten Webseite, eines Einzelobjektes (wie einer Grafik oder einer Tabelle) oder eines Rahmensets bei verschiedenen Übertragungsgeschwindigkeiten voraussichtlich dauern wird.

Diese Übersicht wäre ohne einen Blick auf den Inspector unvollständig. Dabei handelt es sich um eine frei positionierbare Mehrschichtenpalette, mit deren Hilfe sich markierte Bereiche im Dokument bearbeiten lassen. Diese Idee gefällt mir gut: der Inspector bietet einen schnellen Zugang zu vielen, oft genutzten Hilfsmitteln. Wer ein PowerBook benutzt oder wer die Auflösung seines Monitors auf 640x480 gesetzt hat, der wird sich über Adobes Respekt vor dem wertvollen Monitorplatz freuen, trotzdem wünschte ich, es gäbe die Möglichkeit, den Inspector (und die Buttons des Toolsbars) größer darzustellen. So ist z.B. jede Ebene des Inspectors mit einem Reiter versehen, der gerade genug Platz für ein winziges Icon bietet. Das aktuell gewählte Icon ist mit einem blauen Kreis markiert, bei den anderen ist er meist lila. Wenn ich die Ikons auf meinem Monitor markiere, dann scheinen sie laufend ihre Form zu verändern, was das schnelle Wiedererkennen erschwert. Im Inspector gibt es auch eine Reihe winziger Klappmenüs, die bei der Führung der Maus sehr viel Fingerspitzengefühl erfordern.

Ich werde meine Klagen über das Interface sofort beenden und mich mit einigen positiven Seiten von PageMill beschäftigen, zunächst müssen wir aber einen Blick auf die Farbtafel werfen, eine frei positionierbare Palette mit 16 verlockenden, anklickbaren Farben, die fast wie ein Wasserfarbenkasten aussieht. Mit einem Doppelklick auf eine Farbe gelangt man in eine Auswahl, über die sich die Farben verändern lassen, auch wenn bestimmte Paletten wie die Netscape-216-Palette nicht unterstützt werden (sie enthält Farben, die in Webbrowsern grundsätzlich gut aussehen, egal auf welchem Monitor oder auf welcher Plattform man sie sieht).

Seltsamerweise muß man eine Farbe von der Palette zur jeweiligen Auswahl ziehen, um sie dort einzusetzen. Mit Ausnahme dieser merkwürdigen Drag&Drop-Technik ist die Farbpalette wirklich nützlich, da sie eine Reihe veränderbarer Farben enthält, die schnell einzusetzen sind. Man kann sogar Farben von der Palette auf die Klappmenüs des Inspector ziehen und auf diese Weise die Hintergrundfarbe eines Textes oder einer Seite festlegen.

Die Eigenschaften -- PageMill 2.0 hat mehr neue Eigenschaften als ich Finger und Zehen zusammen. Das Programm ist einzigartig, was die Unterstützung von (vielleicht sogar der meisten) Netscape Plug-Ins angeht. In der Voransicht kann man also QuickTime-Filme und Shockwave-Präsentationen betrachten. Ich vermute, aus der Sicht von Adobe ist es noch wichtiger, daß PageMill mit Hilfe des Acrobat-Plug-In jetzt auch PDF-Dokumente zeigen kann.

Tabellen für Ihre Daten -- Nach heutigen Maßstäben bietet PageMill dem HTML-Autor ganz außerordentliche Tabellen, die sich hinter keinem Konkurrenten verstecken müssen. Eine neu eingesetzte PageMill-Tabelle nimmt ein vollständiges Fenster ein, das in Spalten gleicher Breite eingeteilt wird. Mir gefällt dieser Weg besser als die Arbeitsweise von Netscapes Navigator Gold und AOLpress, die neue Tabellen nur als schmale Raster mit Zellen aufbauen, die gerade Platz für einige wenige Zeichen bieten. Wenn Sie ein Raster dafür benutzen, um Elemente auf einer Seite zu plazieren, dann werden Sie das ganzseitige Vorgehen bei PageMill sicher vorziehen.

Sind Breite oder Höhe einer Zelle nicht nach Ihrem Geschmack? Soll die Tabelle eine ganz andere Größe bekommen? PageMill erledigt diese Aufgaben sozusagen mit links: Spaltenbreite, Zellhöhe und Tabellenumfang werden per Drag&Drop geändert. Sie können den Vorgang dadurch präziser steuern, daß Sie ein bestimmtes Element auswählen und über den Inspector formatieren. Gelegentliche PageMill-Anwender werden aber die Manuals zur Hand nehmen müssen, um die Auswahl von Tabellenbereichen in den Griff zu bekommen.

Das Markieren und Bearbeiten mehrerer aneinandergrenzender Zellen ist problemlos, z.B. die Umwandlung in Kopfzellen oder die Änderung ihrer Ausrichtung. Leider läßt Text sich nicht mehrfach auswählen und formatieren. Wenn also Text in mehreren Zellen einer Reihe rot oder als ungeordnete Liste dargestellt werden soll, dann muß jede Zelle einzeln markiert und formatiert werden.

Mit Hilfe der Tabellenknöpfe in der Werkzeugleiste lassen sich die Zellen mit einem einzigen Klick auf mehr als eine Reihe oder Spalte ausdehnen, und man kann markierte Reihen oder Spalten löschen. Man kann sogar mehrere Reihen oder Spalten auf einmal einfügen oder entfernen.

Tabellen brauchen Inhalt, aber PageMill bietet hier nur halbherzige Unterstützung. Spezialisten für Dateneingabe werden dankbar zur Kenntnis nehmen, daß man mit dem Tabulator von einer Zelle in die nächste gelangen kann. Ein Excel-Spreadsheet läßt sich zwar nicht in eine bestehende PageMill-Tabelle übernehmen, man kann aber (ich habe es selbst noch nicht ausprobiert) ein Spreadsheet in PageMill übernehmen, das dann in eine Tabelle umgeformt wird (wobei es aber allem Anschein nach viele Formateinstellungen verliert). Sie können auch tab-delimited-Text übernehmen; PageMill bietet aber keine besondere Unterstützung beim Einbau in eine Tabelle.

Teile und herrsche -- PageMill hat anderen HTML-Editoren eine Menge entgegenzusetzen, und für Adobe sind die Rahmen ein essentieller Teil der PageMill-Merkmale. Mit der Kombination "Option und Ziehen" (OptionDrag) im Editmodus wird ein normales Dokument zu einem "Frameset" mit zwei Rahmen. Es gibt auch zwei Menübefehle, mit denen man Abschnitte einer Seite in Rahmen aufteilen kann. Mehrfache oder ineinander verschachtelte Rahmen lassen sich mit den Menüs oder mit Option- bzw. Befehl-Option-Ziehen erstellen. Um einen Rahmen zu löschen, zieht man einfach einen Rand leicht über den anderen Rand. Nachdem ein Rahmen erstellt ist, wird er mit Hilfe des Inspectors konfiguriert und dann wie eine normale Webseite mit Inhalt gefüllt. Man kann auch eine andere Webseite einfügen oder - auch wenn PageMill darin noch nicht richtig perfekt ist - ein HTML-Dokument importieren, das von einer anderen Quelle erstellt wurde.

Wenn man innerhalb einer Seite mit Rahmen einen Link erstellt, dann muß der Rahmen definiert werden, in dem der Bezugspunkt des Verweises erscheint oder man muß für diesen Bezug einen neuen Rahmen erstellen. PageMill hilft Ihnen dabei mit einem Mechanismus, der durch einen Dreifach-Klick auf einen vorhandenen Link ein Menü anzeigt (entweder direkt am Link als Klappmenü oder beim roten Zielikon unten rechts im Dokumentenfenster). In diesem Menu ist ein kleines Bild des Framesets zu sehen, aus dem man schnell jeden Rahmen auswählen kann, und über das Textoptionen wie "Neues Fenster" oder "gleicher Rahmen" abrufbar sind.

In der Voransicht können Sie Ihre Links verfolgen und sich die verschiedenen Seiten Ihres Framesets anzeigen lassen. Durch Umschalten in den Editiermodus können Sie die Seiten bearbeiten, die in der Voransicht gezeigt wurden.

Grafische Drehungen -- PageMill 2.0 kann, wie der Vorgänger 1.0, PICT-Images importieren und automatisch in das GIF-Format konvertieren. In dieser Version ist es außerdem möglich, die konvertierten Images nach Bedarf selbst zu benennen. PageMill kann auch GIF- und JPEG-Images importieren. Das Format der Images kann mit Hilfe der Auswahlpunkte an den Rahmen sichtbar verändert werden, noch präziser geht dieser Vorgang mit dem Inspector durch genaue Maßeingaben, außerdem stehen hier Instrumente für proportionale Größenänderungen zur Verfügung. Mit dem Inspector lassen sich auch alternative Texte eingeben (die anstelle eines Bildes gezeigt werden, wenn Anwender ohne Grafikanzeige im Netz surfen) oder Begrenzungen einfügen.

Mit der Werkzeugleiste kann man ein Image gegenüber dem umgebenden Text ausrichten oder den Text rechts und links neben dem Bild anordnen (Text wrapping). Dieser "wrapped" Text wird eins zu eins angezeigt, eine Eigenschaft, die nicht alle PageMill-Konkurrenten aufzuweisen haben.

Ein Hintergrundbild (das sozusagen die Rückseite einer Webpage ausmacht) ist leicht einzurichten und im Editiermodus und in der Vorschau anzusehen.

Eine eingefügte Grafik läßt sich nicht per Doppelklick im Imagefenster von PageMill öffnen. Aufgeweckte "PageMüller" werden aber feststellen, daß sich die Tabellen-Buttons auf der Werkzeugleiste in Knöpfe verwandeln, mit denen man Image-Maps für Clients herstellen kann. Für Server-Maps muß man einen "Command-Klick" auf die entsprechende Grafik machen, die sich daraufhin im Image-Fenster öffnet. Die Hot-Spots können in jedem Fall rund, rechteckig oder ungleichmäßig geformt sein, und Links oder Auswahlschichten (shuffle layers) lassen sich leicht einfügen. Im Image-Fenster kann man zoomen, ein Dia oder "interlaced"-Grafiken (dazu Maps auf der Serverseite) erstellen.

Was fehlt -- PageMill bietet immer noch keine Hilfe bei der Erstellung von CGIs, das sind Programme, die formatierte Daten annehmen und weiterverarbeiten können. Außerdem akzeptiert die Version 2.0 immer noch nur ein Formular pro Seite. PageMill unterstützt die Erstellung eines Formular-Interfaces, dazu gehören auch exotischere Elemente wie versteckte Felder und Grafiken, die als Weiterleitungs-Buttons funktionieren. Wenn Grundeigenschaften eines Elementes geändert werden sollen, dann klickt man einmal darauf und benutzt dann den Inspector. Wenn in einem Element geschrieben werden soll (z.B. um die Beschriftung eines Buttons zu ändern), dann muß es mit einem Doppelklick aktiviert werden.

Was ist mit dem Inhalt? Mit seinen Tabellen, Rahmen, Grafiken und mit der Unterstützung für Formular-Interfaces macht PageMill die Layout-Arbeit an einer Seite sehr leicht. Drag&Drop funktioniert nicht wie in einem DTP-Programm an jeder beliebigen Stelle, die Elemente lassen sich aber in einem Tabellenraster plazieren. Wer umfangreicheren oder schwierigeren textbasierten Inhalt im Web veröffentlichen möchte, der muß dies mit einem anderen Programm tun.

PageMill bietet keine Macros und unterstützt nur wenige AppleEvents; es gibt also wenig Möglichkeiten, PageMill einzusetzen, wenn es darum geht, in großem Umfang Seiten herzustellen, die auf Daten anderer Applikationen, wie z.B. aus Datenbanken, angewiesen sind.

Die Funktion "Suchen und Ersetzen" ist - auch für eine anspruchslose Wildcard-Suche - etwas sehr simpel, auch wenn man ganze Wörter suchen kann und Word-Wrapping geboten bekommt, Eigenschaften, die bei den PageMill Konkurrenten erstaunlich selten anzutreffen sind. "Suchen und Ersetzen" bietet eine ungewöhnliche Eigenschaft: man kann sie auf den Einsatz innerhalb von Tabellen und Formularen beschränken.

Die Rechtschreibehilfe von PageMill eignet sich nur für abschließende Checks. Der "Ignorieren"-Button sollte besser "Überspringen" heißen, obwohl es einen "Alles ignorieren"-Button gibt, der ein bestimmtes Wort innerhalb einer Prüfung so oft übergeht, wie es auftaucht. Die Dokumentation zur Rechtschreibeprüfung ist so vage, daß sie eigentlich nutzlos ist, außer vielleicht für völlig ahnungslose Anwender. Im Handbuch gibt es keinen Hinweis darauf, wie man Wörterbücher aus anderen Programmen nutzen kann oder wie man aus einem Text ein eigenes Wörterbuch erstellt.

PageMill bietet für Standardverfahren der Textbearbeitung nur mittelmäßige Unterstützung. Wenn man per Drag&Drop ein Wort an eine andere Stelle eines Dokumentes verschiebt, dann ist das Programm nicht intelligent genug, Zwischenräume selbst zu streichen oder einzufügen; Tastaturabkürzungen, mit denen man den Cursor von einem Wort zum nächsten oder an das Ende einer Zeile bringen kann, fehlen auch. Trotzdem - PageMill weiß, daß ein Doppelklick ein Wort markiert und daß es wortweise weitermachen soll, wenn man die Auswahl mit "Doppelklick und ziehen" erweitern möchte.

Die Einschätzung -- Wenn man die besonders guten unter den vielen Layout-Merkmalen betrachtet, dann vergißt man leicht das wenig geglückte Interface, das mir sehr umständlich erscheint. Die einzelnen Elemente des Interfaces sind zu klein und bei nur gelegentlichem Gebrauch von PageMill kann man sich all die besonderen "Command-" und "Option-Clicks" überhaupt nicht merken, die ein zügiges Arbeiten erst möglich machen. Es wäre zwar schön, wenn PageMill angemessenere Schreibhilfen anbieten würde, aber ich kann Adobes Entscheidung, den Schwerpunkt auf Layout zu legen, akzeptieren. Bei der Bedeutung, die Adobe der äußeren Erscheinung zumißt, ist es bedauerlich, daß keine Stylesheets vorhanden sind. Vielleicht möchte man ja auf HTML-Standards für Stylesheets warten, um eine noch größere Leistungsfähigkeit bieten zu können. Adobe hätte gegen die Konkurrenz einen entscheidenden Vorteil gehabt, wenn man einfache Stiloptionen angeboten hätte; PageMill wäre damit ein Muß für Webdesigner geworden.

Wenn Sie sich beruflich mit dem Design von Webseiten beschäftigen, dann ist PageMill 2.0 eine sehr gute Wahl, besonders, was umfangreiche Funktionalitäten in Tabellen und Rahmen betrifft. Auch gelegentliche Webautoren kommen sehr gut mit PageMill zurecht, gerade, wenn kein Interesse besteht, HTML zu lernen. In der Ausgabe von MacUser von Januar 97 ist ein Artikel von mir veröffentlicht (den ich im September verfaßt habe), der PageMill mit den damals verfügbaren Konkurrenzprodukten vergleicht.

<http://www.zdnet.com/macuser/mu_0197/features/pagebuilders/wysiwyg.html>

PageMill hat Konkurrenz von zwei Seiten. Gelegentliche Web-Gestalter sollten auf Claris Home Page 2.0 achten (erhältlich ab Dezember). Auf der professionellen Seite werden Programme wie NetObjects Fusion sicher für Aufsehen sorgen. Fusion gibt es schon seit einigen Monaten für Windows 3.1 und NT. Eine Version für Power Macintosh ist zur Zeit als Beta-Test verfügbar (ein 14MB-Download).

<http://www.claris.com/products/claris/clarispage20/clarispage20.html>
<http://www.netobjects.com/>

Cyberian Outpost bietet TidBITS-Lesern einen Nachla§ von 4 US$, wenn sie PageMill bei dieser URL bestellen:

<http://www.tidbits.com/products/page-mill.html>

Adobe Systems -- 800/411-8657 -- 408/536-6000


Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Mark Anbinder [MHA], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].

Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].

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