Die letzte Ausgabe für 1996 bringt Neues zu aktuellen Versionen von Home Page, Globetrotter und Open Transport; dazu gute Nachrichten über Apple und zum Abschluß ausführliche Besprechungen von zwei Champions der Software-Arena - Quicken 7 und WordPerfect 3.5.2. Wir sehen uns im neuen Jahr wieder - bis dahin alles Gute!
Autorisierte Übertragung der TidBITS#359/16-Dec-96.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-359.html>
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Die Originalausgabe dieser TidBITS-Ausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-359.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-359.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-359.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Abstimmung für die TidBITS NewsLink (American Journalism Review) hat eine Umfrage unter dem Motto "Die besten im Web" (Online-Publikationen) durchgeführt. Die TidBITS konnten sich im illustren Kreis der Online-Ausgaben großer US-Medien sehr gut behaupten - etwa 1.300 Stimmen wurden für die TidBITS abgegeben. Der von Adam Mitte Dezember herausgegebene Aufruf hat also Erfolg gehabt - vielen Dank in unser aller Namen! Die Ergebnisse sind an folgender URL-Adresse nachzulesen:
<http://www.newslink.org/best.html>
Gute Neuigkeiten von einer "todgeweihten" Firma Die Berichte des vergangenen Jahres zum bevorstehenden Ableben von Apple haben ihren Tenor von seriöser Berichterstattung hin zu Boulevard-Stories (in der Art von "Gil Amelio: Marsianer mit System-8-Geheimnissen ertappt!") verlagert. Abgesehen von Unterhaltungswert solcher Meldungen ist der Mac immer noch voll da, besonders im Bildungsbereich. Nach einer Erhebung von SIMBA Information ist die Zahl der Entwickler von Lernsoftware, die den Mac als Plattform der Wahl nehmen, von 73 Prozent (1995) auf 86 Prozent für 1996 angestiegen. Die Apple-Plattform für Bildungssoftware hat derzeit etwa 200 Mitglieder, verglichen mit 114 Firmen, die auf einer solchen Liste bei Microsoft geführt werden.
Auch erfreulich: Der 26-millionste Mac wurde ausgeliefert (eine Million seit August), wodurch, die geschätzte Zahl der Personen an Macs, wegen mehreren Benutzern an manchen Geräten, bei über 60 Millionen weltweit liegen dürfte. Außerdem haben die Leser der PC World das vierte Mal en suite den Mac an die erste Stelle bei der Zuverlässigkeit gereiht; der telefonische Support von Apple ist laut Umfrage derjenige mit der raschesten Antwortzeit unter allen Computeranbietern. [JLC]
Open Transport 1.1.2 -- Apple hat Open Transport 1.1.2 fertig, das stabilere Verbindungen über Modems und einige Leistungsverbesserungen bieten soll, die besonders Web-Administratoren willkommen sein dürften. OT 1.1.2 muß über OT 1.1 oder 1.1.1 installiert werden, ausgenommen bei Performa und Power Mac 52xx, 53xx, 62xx und 63xx, wo direkt installiert werden kann (Details dazu in den ReadMe-Dateien zu 1.1.2). OT 1.1.2 ist als Satz von vier Disketten oder als Net Install verfügbar; letztere Variante wird allerdings durch den Acrobat Reader aufgebläht. Die Dateien sind im Download zwischen 3 und 10 MB groß. OT/PPP 1.0 (s.TidBITS-354) ist darin nicht enthalten; dieses muß separat heruntergeladen werden. [GD]
<ftp://ftp.support.apple.com/pub/apple_sw_updates/US/mac/Networking-Communications/Open_Transport/>
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Das Match der HTML-Editoren geht weiter: Claris bingt Home Page 2.0 und Akimbo liefert seit kurzem Globetrotter 1.1 aus. HomePage 2.0 macht einiges an Boden gegen PageMill 2.0 gut - Home Page bietet nun Tabellenspalten variabler Breite, die Darstellung von Hintergrundgrafiken, clientseitige Image Maps, Rechtschreibprüfung und Unterstützung von Plug-Ins. Anders als PageMill unterstützt Home Page nun Remote Site Publishing direkt und der Cursor bleibt beim Umschalten in den HTML-Modus an Ort und Stelle.
Das Update ist 6,6 MB groß; es gibt auch Teil-Updates ohne Templates und Clip-Art für diejenigen, die nicht alle Dateien brauchen. Der Preis von Home Page 2.0 wird bei 99 US$ liegen.
<http://www.claris.com/products/claris/clarispage20/clarispage20.html>
Während Home Page an der einzelnen Page ausgerichtet ist, folgt Globetrotter einem einzigartigen, eher Site-orientierten Ansatz. Mit dem Akimbo-Produkt kann ein druckbares Dokument mit mehreren Abschnitten erstellt werden, das dann als Web-Site abgespeichert werden kann. Jeder Abschnitt des Dokuments wird dann als separate Page erfaßt. Die Version 1.1 verfeinert die Tabellen-Funktionen und bringt weitere Verbesserungen. Globetrotter kostet bei Akimbo 99 US$, Upgrades für registrierte Benutzer von 1.0 sind gratis.
<http://www.akimbo.com/globetrotter/index.html>
von Steve Becker <steve@macease.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
In letzter Zeit hat Intuit die Finanzsoftware Quicken jedes Jahr in einer neuen Version herausgebracht. Das Update diese Jahres enthält einiges an Feinschliff, dazu aber auch einige wesentliche Erweiterungen (die Grundfunktionen von Quicken können Sie in TidBITS-299) nachlesen.
<http://www.intuit.com/quicken97/Whatsnew-Mac/index.html>
Wie schon bei Quicken 6 (Q6) gibt es auch von der Version 7 zwei Varianten: Quicken und Quicken Deluxe. Beide Varianten umfassen Kontenkontrolle und Reports und Grafiken. Auch die Möglichkeit, Investitionen, Budgets und Darlehen zu verwalten, ist in beiden Ausgaben gegeben, ebenso online-Banking und das Begleichen von Rechnungen. Quicken Deluxe (nur auf CD-ROM zu haben) bietet darüber hinaus noch Planer für private Pensionsvorsorge, Schuldenmanagement und die Inventarverwaltung für ein Eigenheim. Deluxe wird auch mit einer kostenlosen 30-Tages-Einführung von Investor Insight und einer Datenbank von wechselseitigen Fonds geliefert.
Ein erster Blick -- Nach dem ersten Start von Quicken 7 (Q7) sehen Sie ein radikal neues Benutzer-Interface vor sich, was in erster Linie auf die Integration der Shortcut-Technologie OneClick (von WestCode) zurückzuführen ist. Statt des horizontalen Icon-Balkens von Q6 sehen Sie einen Balken mit großen Tasten quer über die Oberkante des Bildschirms. Eine senkrechte Spalte auf der linken Seite, die auch ausgeblendet werden kann, zeigt große Icons für fünf verschiedene Arten von Aufgaben (in der Benennung von Intuit "activity areas"): Bank, Investitionen, Bestände/Verbindlichkeiten, Planung und Auswertungen. Der Klick auf das Icon einer der Kategorien ersetzt den horizontalen Balken durch einen anderen mit Tasten, die für die Kategorie spezifisch sind. Dabei gerät Quicken manchmal durcheinander, weil es die jeweils gerade aktive Kategorie nicht richtig zuordnet.
Das Konzept insgesamt ist funktionell und attraktiv, aber ich finde die Ausführung nicht ganz zufriedenstellend. Die Balken können ein- und ausgeblendet werden, aber die Tasten sind zu groß und können - in dieser Version - nicht angepaßt werden. Auf vielen Bildschirmen könnte allein wegen der großen Tasten der Platz knapp werden - besonders auf PowerBooks.
Zusätzlich zu den voreingestellten Tasten in den Werkzeugbalken bietet Q7 eine Bibliothek mit mehreren Dutzend weiteren Tasten, darunter einer, die ein Pop-up-Menü mit allen offenen Fenstern erstellt. Buttons können zwar mit Option-drag an eine andere Stelle auf dem Bildschirm geschoben werden, aber ihr großes Format beschränkt doch die Zahl der Tasten, die in einem Balken Platz finden. Erfahrene Benutzer von OneClick sollten übrigens der Versuchung widerstehen, die Größe der Buttons mit dem Editor von OneClick zu verändern - nach einem Neustart von Quicken haben die Tasten wieder ihre ursprüngliche Größe.
Quicken nutzt Farben bei der Darstellung der Graphen, verzichtet aber darauf in den Wertpapier- und Portfolio-Fenstern. Wenn etwa ein Portfolio-Register mehrere Papiere umfaßt, wäre die Zuweisung je einer Farbe zu jedem Papier sehr hilfreich, wenn Transaktionen betreffend dieses Papier deutlich werden sollen.
Die neue Oberfläche ist attraktiv, aber durchaus verbesserungsfähig, wenn das Potential voll genutzt werden soll.
Die Vervollkomnung der Register -- Ursprünglich war Quicken ein Programm zur Überwachung von Schecks und Bankkonten mittels einer Reihe von Registern auf dem Bildschirm. Im Laufe der Jahre hat Intuit die Register so weit verfeinert, daß aus ihnen vielseitiges Hilfsmitel geworden ist. Unter den neuen Möglichkeiten, die in Q7 zu den Registern hinzukommen, ist die laufend aktuelle Schecknummer, die Zuweisung von Kategorien zu Transaktionen mit Pop-up-Menüs und das Sortieren nach Datum oder Schecknummer.
Die Register sind hervorragend; sie erledigen ihre Funktionen mit minimalem Aufwand für den Benutzer. Ich hätte allerdings gern eine gut sichtbare Trennung zwischen den einzelnen Transaktionen (nicht nur bei den Feldern der aktiven Gruppe), um beim Durchsehen der Register schon einen Überblick zu gewinnen.
Zunahme der Investitionen -- Viele der wesentlichen Neuerungen betreffen das Investment-Modul. Gleich vorweg: Quicken unterstützt nun den Umgang mit Lots! Wie so oft bei Quicken ist auch dieses Feature sehr gut durchdacht. Beim Verkauf eines Papiers können Sie per Pop-up-Menü Kriterien für die Transaktion auswählen (wie etwa den Kapitalzuwachs zu minimieren oder zu maximieren) - Quicken sucht dann automatisch die Lots, die diese Kriterien erfüllen - beeindruckend! In einer zukünftigen Version hätte ich dann noch gern ein Vorschau-Fenster, in dem die Ergebnisse der Möglichkeiten zu sehen sind, bevor Sie eine auswählen.
Die Detailansicht ist ausgebaut worden; sie enthält jetzt ein Fenster, in dem der Graph von Detail View rasch verändert werden kann. Auch andere Informationen zu Ihren Papieren (wie etwa Preis- und Transaktionsentwicklungen) können Sie einsehen. Wenn Sie entweder einen Preisverlauf oder Meldungen aus Investor Insight (diese nur in der Deluxe-Version von Quicken) herunterladen, werden ihre Datensätze automatisch aktualisiert und in Detail View dargestellt. Unmittelbar nach diesem Ladevorgang zeigt ein Fenster die Wertveränderungen für die betroffenen Positionen, bezogen auf den letzten Preisabgleich. Sie können auch obere und untere Meldewerte [high and low price alerts] setzen. Nicht schlecht - ich hätte aber noch gerne eine flexible grafische Darstellung der relativen Performance dazu.
Leider rechnet Quicken immer noch nicht den effektiven Ertrag ["yield", zu unterscheiden von einer Verzinsung des Nominales] eines Papiers und verfügt noch immer nicht über einen Zeitstempel für eine Auswertung; auch kann keine Liste der Filter gedruckt werden, die einer Auswertung zugrundeliegen. Andererseits weist Q7 essentielle Verbesserungen bei den Druckmöglichkeiten auf, darunter einen Vorschau-Modus.
Erweiterungen beim Online Banking -- Intuit baut die Online-Banking-Fähigkeiten von Quicken laufend aus. Ich habe diesen Bereich zwar nicht getestet, aber das Bezahlen von Rechnungen soll laut Intuit online von jedem Scheckkonto in den U.S.A. möglich sein. Bankauszüge und Überweisungen sollen online zugänglich sein, automatisches Archivieren früherer Auszüge ist jetzt auch geboten.
Geschwindigkeit -- Bei meinen Tests auf einem 6100/66 unter System 7.5.1 konnte ich nicht feststellen, daß die neuen Funktionen die Leistung beeinträchtigen; im Gegenteil - Q7 kam mir sogar deutlich schneller vor als die Version 6, besonders bei den Reports und beim Öffnen des Portfolio-Fensters. Insgesamt reagiert das Programm recht flott.
Bei der Stabilität hingegen fand ich Quicken 7 enttäuschend. Für ein Programm, von dem der finanzielle Status eines Benutzers abhängt, hat es zu viele Fehler. Zu den irreführenden Informationen, die im Portfolio-Fenster dargestellt werden (siehe meinen Hinweis in TidBITS-353), kommt der Effekt des Vertrauensverlusts - ich muß mich auf ein Finanzprogramm einfach verlassen können.
Besonders Neulinge werden die zahlreichen Fehler und Schwächen in Q7 sehr verwirrend finden. Früher hat Intuit sich sehr angestrengt, ausgetüftelte Hilfe-Funktionen anzubieten. Der Quicken Guide nutzt zwar einige der besten Eigenschaften von Apple Guide, aber er gerät immer wieder außer Tritt mit den Fenstern der Applikation. Die Indizierung ist schwach und die Ordnung der Hilfe-Themen ist wirr (Intuit behauptet, daß die Anordnung der Themen nach der zu erwartenden Häufigkeit des Aufrufs erfolgt sei statt nach dem Alphabet). Die Balloon-Hilfe ist ziemlich effizient.
Im Gegensatz zum Investment-Modul und zum Hilfesystem ist der Banking-Bereich sehr stabil und angenehm zu benutzen.
Folgerungen -- Es gibt einen Bedarf für ein gutes, vielseitiges und umfangreiches Mac-Programm zum Überwachen der persönlichen Finanzen. Quicken bewegt sich in diese Richtung; es ist keineswegs trivial, Benutzerfreundlichkeit in grundlegenden Dingen mit immer mehr gehobenen Funktionen zu kombinieren. Dennoch gibt es sowohl bei der Verläßlichkeit als auch bei den Funktionen des Investment-Moduls viel zu verbessern, damit die diversen Aktivitäten auf den heutigen komplexen Finanzmärkten damit effizient erledigt werden können.
Wenn mein Urteil über Quicken 7 ambivalent aussieht, dann hat das gute Gründe. Einmal ist es ein solides, beeindruckendes Programm mit einem enormen Funktionsumfang und guter Benutzerfreundlichkeit. In anderer Hinsicht sind etliche Merkmale schlecht gelöst, es hat viele größere und kleinere Fehler und es mangelt ihm immer noch an wesentlichen Funktionen, die zur effizienten Verwaltung und Kontrolle der Aktivitäten auf den Finanzmärkten erforderlich sind.
Um Intuit gegenüber fair zu sein: Das Programm bietet sehr viel für das Geld. Die Dokumentation ist überdurchschnittlich, zur CD-ROM-Version Deluxe gibt es ein gedrucktes Handbuch, und die Firma hat dem Trend in der Branche bis heute widerstanden, nämlich für telefonischen Support zu kassieren (die Support-Nummer ist allerdings nicht gebührenfrei). Vielleicht liegt es am Kontrast: Viele Aspekte von Quicken sind hervorragend, dadurch werden die Schwächen auch deutlicher sichtbar. Quicken ist nach wie vor das beste Programm in seiner Kategorie. Ich hätte mich nur gern weniger mit Bugs herumgeschlagen und wichtige Erweiterungen rascher benutzt - dafür wäre ich auch bereit, etwas mehr zu bezahlen (wenn das der Punkt sein sollte).
Wenn Sie das Investment-Modul von Q7 nicht brauchen, werden viele meiner Einwände Sie gar nicht berühren. Wenn Sie allerdings diesen Teil des Programms benutzen, wird die nächste Version einige der gravierenden Mängel beseitigen. Die meisten User werden Quicken 7 als eine Bereicherung ihrer Macs sehen und angesichts der Geld-zurück-Garantie von Intuit ist ein Versuch mit dem Programm vielleicht eine gute Entscheidung.
Quicken 7 erfordert minimal einen 68030-Prozessor, mindestens System 7, 6 bis 8 MB RAM, 9 bis 18 MB Plattenspeicher und einen Monitor mit 640 zu 480 Pixeln und 256 Farben.
Intuit, Inc. -- 800/624-8742 -- 415/944-6000
[Steve Becker ist Mitglied bei der Berkeley Macintosh Users Group (BMUG), seit er seinen ersten Mac gekauft hat. Er betreibt eine Mac-Consulting-Firma namens MacEase in Berkeley.]
von Sean Peisert <speisert@ucsd.edu>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Den meisten Mac-Anwendern werden das Durcheinander und die Glaubenskriege nicht entgangen sein, die sich durch die große Auswahl an Textverarbeitungsprogrammen ergeben haben. Das Angebot reicht vom alten und robusten Claris MacWrite Pro und Claris Works bis zum monströsen Microsoft Word und dem eigenwilligen, aber vielseitigen Nisus Writer. Irgendwo in der Mitte liegt Corel WordPerfect. WordPerfect hatte in den letzten Jahren mehrere Besitzer, in diesem Artikel geht es um einen Zustandsbericht dieses Programms: seine wichtigsten Eigenschaften, die letzten korrigierten Fehler und um die verschiedenen Möglichkeiten, es zu erwerben.
<http://www.corel.com/products/wordperfect/macintosh.htm>
Anfang 1996 hat Corel die WordPerfect Business Applications Group von Novell übernommen und versprochen, einer Mac-Applikation neues Leben einzuhauchen, an der die letzten Jahre spurlos vorübergegangen sind. Das erste Update für WordPerfect war die Version 3.5.1, dann veröffentlichte Corel die Nummer 3.5.2. Die wichtigsten Eigenschaften, die später beschrieben werden, haben sich seit WordPerfect 3.5 von Novell nicht geändert. Das wichtigste äußere Merkmal der Versionen 3.5.1 und 3.5.2 ist ein neuer Splash-Screen.
Ich benutze WordPerfect für kurze bis mittlere Essays (bis 15 Seiten), für Briefe und meinen Lebenslauf. Seine Tabellen verwende ich zum Planen und für Übersichtslisten. Die HTML-Exportmöglichkeit nutze ich ebenfalls.
Was ist das Besondere an WordPerfect? WordPerfect hat mit der Entwicklung der Apple-Technologien Schritt gehalten. Es läuft auf Power Macs nativ, benutzt Apple Guide und unterstützt AppleScript, QuickDraw GX, Macintosh Drag Manager, PowerTalk, MacInTalk, WorldScript und QuickTime. Für eine künftige Version hat Corel die Einbindung von OpenDoc angekündigt.
Jeder ernsthafte Mitstreiter unter den professionellen Textverarbeitungen bietet beinahe standardmäßig bestimmte Funktionen: Tabellen, Stile, eine Rechtschreibprüfung, Makros, Editoren für Images und Gleichungen sowie eine Ex- und Importmöglichkeit für eine Reihe anderer Dokumentenformate. Die meisten Programme bieten neben diesen Funktionen besondere Merkmale, Interfaces und charakteristische Eigenheiten. Die intuitiven Werkzeugleisten und der elegante Tabellen-Editor von WordPerfect sind besonders hervorzuheben.
WordPerfect ist kein Ressourcenfresser, es startet schnell, läßt sich schnell beenden und es erledigt seine Arbeiten auch schnell. Auf meinem Power Mac 6100/60 AV mit System 7.5.5 braucht WordPerfect für den Start ungefähr 10,5 Sekunden und es ist nach etwa 2,5 Sekunden beendet. WordPerfect braucht 6MB RAM, voll eingerichtet werden 22,5 MB Plattenspeicher benötigt. Corel setzt mindestens System 7.0 voraus (für Power Macs wird System 7.5 empfohlen), einen 68020er Mac oder besser, eine RAM-Zuteilung von 2MB (6MB auf einem PowerMac), mindestens 6MB freien Plattenplatz und ein CD-ROM-Laufwerk.
Die Werkzeugleisten von WordPerfect sind in Kategorien eingeteilt (Font, Stil, Tabelle, HTML usw.), die sich jeweils durch Mausklick an- oder abstellen lassen. In einer separaten Werkzeugleiste lassen sich oft verwendete Menübefehle wie Öffnen, Speichern, Drucken oder Druckvoransicht ablegen. Sie können hier weitere Icons für frei wählbare Funktionen unterbringen und auf diese Weise z.B. Fonts um einen Punkt kleiner oder größer machen, oder eine neue Kopf- oder Fußzeile erstellen.
Feinheiten in Fülle: eine kurze Übersicht -- Von WordPerfects Tabellen-Editor können sich andere Textprogramme eine dicke Scheibe abschneiden. Ein elegantes Interface, einfache Steuerungsmöglichkeiten über die Tabellen-Toolleiste und das Tabellenmenü, dazu jede Menge Möglichkeiten (z.B. einfache Spreadsheet-Funktionen) erleichtern die Arbeit. Mit der Tabellen-Toolleiste lassen sich Reihen und Spalten durch einfaches Anklicken hinzufügen oder entfernen, was bei den meisten Konkurrenten nicht ohne Menühilfe möglich ist. Ränder, Zellmuster und Zellgrößen können auf diese Weise leicht verändert werden. Rahmen lassen sich für einzelne Zellen, aber auch gruppenweise verändern. Über einen Button auf der Werkzeugleiste lassen sich aneinandergrenzende Zellen in eine einzige Zelle verwandeln, die den gleichen Platz einnimmt, ein anderer Button widerruft diese Aktion. Tabellen können über mehr als eine Seite reichen.
Adreßetiketten lassen sich in WordPerfect mit Hilfe einer tabellenbasierten Schablone erstellen, die sich auf verschiedene Avery-Etiketten oder auch auf andere Typen einrichten läßt. Wenn Sie eine Schablone fertig haben, dann führt WordPerfect Sie schrittweise durch den Prozeß des Ausfüllens mit Text- oder Drucksteuerungsfeldern. Mit der Etiketten-Toolleiste können Sie den Text auch positionieren (oben, Mitte, unten), ausrichten (links, Mitte, rechts) oder so skalieren, daß er auf bestimmte Etiketten paßt.
Verfasser akademischer Texte werden sich über die Fuß- und Endnoten von WordPerfect freuen, die sich sehr individuell einrichten lassen und ein wahrer Genuß beim Gebrauch sind. Die Numerierung der Fußnoten kann jederzeit bei jeder beliebigen Zahl neu begonnen werden, man kann auch auf jeder Seite wieder mit 1 beginnen. Wissenschaftler und Mathematiker werden den Gleichungs-Editor zu schätzen wissen, der eine riesige Auswahl an Symbolen und Formatierungsmöglichkeiten bietet.
WordPerfect hat eine Prüffunktion für Grammatik sowie eine QuickCorrect-Einrichtung, die Ihre Eingaben beobachtet und bestimmte Fehler fast automatisch korrigiert - Funktionen, die ich für entbehrlich halte. Die Grammatikprüfung hat z.B. in einem kurzen Essay fast jeden einzelnen Satz verändert und dazu nervige Kommentare wie "Dieser Satz ist zu lang", "Dieser Satz ist im Passiv verfaßt" oder "Das ist ein Klischee" abgegeben. Die QuickCorrect-Funktion hilft zwar Zeit zu sparen, sie macht aber Fehler. Wenn man z.B. die Standardeinstellung von QuickCorrect nutzt, dann kann man nicht "i.e." eingeben, ohne daß es sich sofort in "l.e." ändert. Das Abstellen dieser Option bedingt einen aufwendigen Marsch durch die Voreinstellungen, den man sich allerdings durch ein Makro vereinfachen kann.
Grafiken werden innerhalb der Textumgebung als Einzelobjekte behandelt. Sie können von Text umflossen werden, er kann auf beiden Seiten oder darunter gesetzt werden. Bilder können an einer bestimmten Stelle untergebracht werden, mit absoluter Position, in einer bestimmten Entfernung vom Rand oder in einer bestimmten Spalte. Der Grafikeditor ist nichts Besonderes, er enthält aber einige Zeicheninstrumente, einen Farbeimer, ein Werkzeug für das Gruppieren von Objekten und für das Ändern von Linienbreite, Rändern und Füllungen.
Stile können durch die Wahl von Formaten aus einem Werkzeugbalken in einem eigenen Editierfenster hergestellt werden, das genau wie ein bekanntes Textverarbeitungsfenster aussieht. Stile können global oder für ein bestimmtes Dokument gespeichert werden. Für ernsthafte Anwender gibt es "Kaskadenstile", bei denen sich die Stiländerungen durch Modifizierungen der "Elternstile" ergeben. Ein Stil kann so eingerichtet werden, daß Absätze immer mit einem bestimmten Text beginnen, und Stileingaben können so miteinander verbunden werden, daß nach der Eingabe eines Absatzes in einem bestimmten Stil und der Betätigung von "Eingabe" (die "enter-Taste", nicht die "Zeilenschaltung" oder "return"-Taste) der nächste Absatz im damit verknüpften Stil erscheint.
Das Hauptprogramm von WordPerfect enthält den Tabellen- und den Gleichungseditor, die Rechtschreibkontrolle, das Wörterbuch und die Grammatikprüfung. Tabellen lassen sich direkt aus der Textverarbeitung bearbeiten und sie nutzen die gleichen Stile, Fonts und all die anderen Eigenschaften, die WordPerfect üblicherweise zur Verfügung stellt. Gleichungen und Grafiken lassen sich zwar innerhalb von WordPerfect erstellen, man bearbeitet sie aber in einem eigenen Modus - im Hauptfenster, das der Textverarbeitung dient, werden sie als nicht veränderbare Objekte behandelt.
Die neuesten €nderungen -- Corel gibt an, daß in WordPerfect 3.5.1 und 3.5.2 viele Bugs korrigiert worden seien und präsentiert im ReadMe-File des Installers eine eindruckvolle Liste dazu. Es ging dabei um Probleme mit japanischen Zeichen, die Anzeige des Lineals auf PCI-Power-Macs, um Abstürze beim Anklicken der Lineale in Unterdokumenten (z.B. bei Kopf- oder Fußzeilen) und um "klebende" Scroll-Bars. Bestimmte Aktionen, wie das Scrollen großer Dokumente, wurden beschleunigt. Im ReadMe-File der Version 3.5.2 ist ein weiterer Stapel von Fehlerbereinigungen ausgewiesen, wie z.B. Probleme bei der Textmarkierung, beim Lšschen von Buchstaben nach vorne, beim Import von Tabellen, beim Drucken von Umschlägen mit dem LaserWriter 8.4 und bei den französischen und deutschen Wörterbüchern.
Diese Korrekturen scheinen echt zu sein, aber WordPerfect hat wieder neue Fehler und einige alte Probleme sind immer noch vorhanden. Es gibt viele Hinweise auf unerklärliche Markierungen beim Ändern von Stilen oder bei der Textsuche. Ein alter Fehler taucht beim Einsetzen von Text auf; manchmal bleibt der Zeiger des Scrollbars ganz oben stehen, auch wenn man sich gar nicht an dieser Position befindet. Bei einem anderen Jahre alten Bug geht es um normales Tippen: Sie können den Text beim Tippen sehen, solange Sie sich auf der gleichen Zeile befinden, den Übergang auf die nächste Zeile sehen Sie aber erst, wenn die Seite sich neu aufgebaut hat.
WordPerfect ist zwar schneller als Word 6, es könnte aber noch schneller sein. Es wäre auch ganz schön, wenn WordPerfect ein oder zwei Dinge von Nisus Writer übernehmen würde, z.B. mehrfaches Widerrufen und das Markieren von nicht zusammenhängendem Text. Ich würde es auch begrüßen, wenn es - ebenfalls wie in Nisus Writer - möglich wäre, alle Formatierungsinformationen in der Resource-Fork zu speichern und nur den Text in der Data-Fork zu belassen. Dann hätte ich die Möglichkeit, vollständige WordPerfect-Dokumente ohne Formatierung in einem Texteditor zu öffnen.
So macht es Corel -- Corel scheint sich vorgenommen zu haben, WordPerfect-Anwender auf eine eigene Philosophie einzuschwören. Corel bietet nicht nur Gratis-Unterstützung (dafür ohne 800er Nummer) für WordPerfect-Kunden (im Gegensatz zu Novells gebührenpflichtigem Kundendienst), sondern man publiziert außerdem WPMac News, einen monatlichen Onlinenachrichtendienst mit Hinweisen, dem Makro des Monats und anderem.
<http://www.corel.com/wpmacnews/>
Der Listenpreis für eine Einzelversion von WordPerfect liegt zwar bei 219 US$, es gibt aber verschiedene Bezugsmöglichkeiten. Besitzer von Novells WordPerfect 3.5 können die Corel WordPerfect 3.5 Replacement CD für 29,95 US$ erwerben. Besitzer der Version 3.5 können den WordPerfect 3.5.2 Updater von Corels FTP-Site herunterladen. Upgrades von noch früheren Versionen gibt es für 89 $. Schließlich gibt es WordPerfect auch als Teil von CorelDRAW for the Mac Suite (399 $), einem Bündel von sieben Applikationen, u.a. mit CorelDRAW 6 und WordPerfect 3.5.2. Dem Novell-Kundendienst zufolge sind Updates auf das CorelDRAW-Set für 149 $ erhältlich. Ein Quereinstieg über eine Reihe von Produkten von Adobe, Deneba, Macromedia und anderen ist für 149 US$ erhältlich (für Bildungseinrichtungen gibt es billigere Versionen, allerdings ohne gedrucktes Handbuch oder Gratissupport).
<ftp://ftp.corel.com/pub/wordperfect/wordperfect/wpmac/Updates/>
<http://www.corel.com/products/macintosh/draw6mac/index.htm>
Sollten Sie auf WordPerfect umsteigen? Wenn Sie ein Programm mit allen Grafikmöglichkeiten und besonderen Layoutfähigkeiten suchen, dann brauchen Sie etwas Spezialisierteres als WordPerfect. Trotzdem - wenn Sie eine ganz bestimmte Funktion suchen, dann lohnt es sich, WordPerfect in die nähere Wahl einzubeziehen. Meiner Meinung nach bietet es für die meisten Menschen eine exzellente Mischung von Eigenschaften, und ich hoffe, dieser Artikel hilft, einen Eindruck seiner grundlegenden Fähigkeiten zu vermitteln.
Corel Corporation -- 800/772-6735 -- 801/765-4020 (support)
DealBITS -- Cyberian Outpost bietet TidBITS-Lesern Corel WordPerfect zu einem Discountpreis (158,95 US$, 35 $ Nachla§) und CorelDRAW (385,95 US$, 12 $ Nachla§) źber die u.a. URLs.
<http://www.tidbits.com/products/word-perfect.html>
<http://www.tidbits.com/products/corel-draw.html>
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].
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