Eine Woche, nachdem sich die Macintosh-Gemeinde auf der Macworld Expo in San Francisco versammelt hat, bringen die TidBITS Meldungen zu der Show, darunter eine Analyse der Betriebssystem-Strategie von Apple und eine Liste hervorstechender Produkte und Anbieter; dazu Informationen zu Internet Explorer 3.0 und zum Aufkauf von FutureWave durch Macromedia.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#361/13-Jan-97.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-361.html>
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[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Internet Explorer 3.0 -- Microsoft hat die endgültige Version 3.0 von Internet Explorer für Power Macs vorgestellt. Die Software unterstützt über HTML-Styles und das (fragwürdige) RSAC-Internet-Ratings-System auch ActiveX und Java. Die Benutzer können zwischen Java VM von Apple und der Java-Variante von Microsoft/Metrowerks wählen; es gibt auch den ersten JIT-Java-Compiler [für Just in Time, also "zur Laufzeit". -WJF]. ActiveX und Java verlangen zwar nach mehr RAM, der Explorer selbst kommt mit 4 MB aus - Microsoft hat E-Mail und Usenet-News in eigene Applikationen ausgegliedert. Diverse Pakete mit dem Explorer 3.0 können heruntergeladen werden; die volle Ladung samt Java ist über 7 MB groß. Wegen Problemen mit Apples CFM-68K (siehe TidBITS-356) ist der Explorer derzeit für 68K-Macs nicht zu haben. [GD]
<http://www.microsoft.com/ie/mac/>
Macromedia übernimmt FutureWave -- Macromedia hat einen Schritt in Richtung Beherrschung des Online-Multimedia-Marktes getan; die Übernahme von FutureWave Software hat der Firma Zugang zur FutureSplash-Software verschafft, die kompakte vektorbasierte Animationen erzeugt. Diese Animationen sind durch Browser-Plug-Ins zu nutzen. Macromedia benennt die FutureSplash-Produkte in Macromedia Flash um und wird sie in die ShockWave-Reihe eingliedern. FutureSplash wird derzeit von einigen anspruchsvollen Web-Sites (wie der "neuen" MSN-Site von Microsoft) eingesetzt und ist schneller und kompakter als andere Animationstechniken wie Macromedias eigenem Director. Es ist zu hoffen, daß Macromedia Flash nicht die weniger attraktiven Eigenheiten von Director abbekommt, besonders die hohen Preise. [GD]
<http://www.macromedia.com/software/flash/>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Nach jeder Macworld Expo schreibe ich einen Artikel mit meinen Gedanken dazu. In den letzten Jahren waren diese Beiträge meist nicht sehr positiv - wenige interessante Produkte, oft nur mit Internet-Unterstützung in der "Möchtegern"-Kategorie. Dieses Jahr habe ich die Expo mit neuem Optimismus (nebst einer exotischen Form der Grippe) verlassen.
Das NeXT-Ereignis -- Der Aufmacher der Show spricht natürlich von der Übernahme von NeXT durch Apple. Es gab dazu einige weitere Details von Apples Seite, aber generell skizziert Apple die Pläne der nächsten Jahre nur in Umrissen. Lesen Sie dazu Tonyas Artikel über Gil Amelios lange Einleitungsrede.
Die Reaktionen zu der Transaktion waren allgemein positiv, wenn auch einige Leute meiner Meinung waren - Apple mußte etwas tun; was genau, war nicht so wichtig. Eine Anzahl älterer NeXT-Maschinen waren zu sehen, die wohl die zukünftige Marschrichtung symbolisieren sollten. Eine pointierte negative Äußerung kam von einem ehemaligen Apple-Mitarbeiter, der den Kauf von NeXT für ganz nett hielt, aber nicht für die Lösung der realen Probleme bei Apple (in seiner Sicht das Management).
Ehemalige NeXT-Angestellte und -Entwickler waren auch da und brachten einen Hauch von Surrealismus in die Abendveranstaltungen. Interessant die starke Unterstützung durch die aktuellen NeXT-Entwickler, die von den Aussichten auf einen neuen großen Markt für ihre Produkte sehr angetan waren. Ich habe die Vermutung gehört, daß Apple jeden Monat mehr Macs verkauft als insgesamt Kopien von NeXTstep (mit oder ohne NeXT-Hardware) verkauft worden sind. Die Begeisterung der NeXT-Entwickler ist also zu verstehen.
... der muß auch Be sagen -- Trotz der positiven Aufnahme der NeXT-Übernahme war der Stand von Be sehr gut besucht; es war wegen des Grdänges fast unmöglich, einen Blick auf die Power Macs zu werfen, auf denen Mac-Programme unter Be OS liefen.
Nach den Maßstäben des Show Business konnte keine Firma an den Clone-Anbieter Power Computing auch nur herankommen; in Fortsetzung des Mottos "Kämpfen wir für den Mac!" hatte Power den Stand mit martialischen Accessoires aufgeputzt; die Mitarbeiter trugen schwarze T-Shirts und Hosen in Tarnmuster. Auf Posters und großen Transparenten war das Portrait des Chefs, Steve Kahng, zu sehen, dazu Slogans, die zum Kampf für den Mac aufriefen. Damit nicht genug - Power hatte auch eine ganze Flotte von "Hummer"-Fahrzeugen der U.S. Army gemietet, die mit Lautsprechern durch San Francisco fuhren und "Steve sagt..."-Slogans verkündeten.
Nachdem ich Mike Rosenfelt, den Marketing-Direktor von Power Computing, gesehen hatte, wie er die Zuseher in Begeisterung versetzen kann, weil eine seiner Maschinen einen Pentium Pro von Compaq mit 200 MHz im Adobe-Premiere-Vergleich locker hinter sich ließ, dachte ich mir: Ein wenig von diesem Enthusiasmus könnte Apple gut brauchen. Auch loyale Mac-User kommen in letzter Zeit ins Schwanken; Auftritte wie der von Mike können wieder den Eindruck vermitteln, daß in der Macintosh-Welt das alte Feuer noch brennt.
Internet, diesmal richtig -- Die Internet-Produkte auf den letzten Expos konnten mich nicht wirklich überzeugen - jede zweite Firma gab vor, auf einmal auch ein Internet-Anbieter zu sein (die meisten Produkte hatten freilich kaum einen Bezug zum Internet). Dieses Jahr waren diese Behauptungen weniger lautstark und oft auch im Einklang mit den Tatsachen.
T-Shirts mit URL-Adressen der Firmen waren heuer überall zu sehen; man konnte die URLs der Firmen nun auch auf Visitenkarten (statt nur in Hochglanzbroschüren) bekommen - als Gedächtnisstütze vollkommen ausreichend.
Dank an all die kleinen Leute -- Zu meinem positiven Eindruck von der Show hat auch beigetragen, daß viele kleine Firmen vertreten waren. Zu danken ist vor allem den Leuten, die die Bereiche Developer Central, Developer Greenhouse und Component 100 organisiert haben, in denen kleine Flächen für Firmen zur Verfügung standen, die sich sonst keine Teilnahme an der Expo hätten leisten können.
Developer Central war den Werkzeugen für Software-Entwicklung gewidmet, obwohl ich eine Reihe interessanter Produkte sah, die mit Entwicklung nichts zu tun haben. Darunter ist mein Favorit um den Titel des besten Produkts der Show, Rev von 6prime (mehr dazu in der nächsten Ausgabe). Developer Greenhouse präsentiert, wie mir scheint, die interessantesten Firmen aus einer Reihe von Bewerbern - ich fand dort Unternehmen, die dem Anspruch, Internet-Produkte zu haben, gerecht werden; auch die derzeitige enge Verbindung des Macintosh mit dem Internet wurde so verdeutlicht. Component 100 war eine dichte Gruppe von Anbietern, die LiveObjects für OpenDoc zeigten und zu niedrigen Preisen verkauften. Einige der Produkte dort waren eindrucksvoll - ich werde sie im Auge behalten.
Zuletzt noch eine kleine Geschichte. Beim Frühstück mit Freunden in einem der Konferenz-Hotels hatte ich ein interessantes Gespräch mit unserem Kellner. Er war kein Technik-Kenner und wußte von der Computerbranche nur, was in den Schlagzeilen vorkommt; und doch hatte er den Eindruck, daß der Mac-Bereich dabei ist, sich nach dem Vorjahr wieder zu erholen. Er hatte sich seine Meinung nach der Stimmung seiner Gäste gebildet; wenn Sie bedenken, wie vielen Menschen ein Kellner während einer Messe serviert, gelangen Sie zu einer ansehnlichen Stichprobe. Im Vorjahr habe er tatsächlich erlebt, wie Leute an den Tischen weinten und die Stimmung sei generell zwischen Unlust und Niedergeschlagenheit gelegen. In diesem Jahr schienen ihm die Besucher der Veranstaltungen heiterer und zuversichtlicher, trotz des gerade von Apple bekanntgegebenen Verlusts von 150 Millionen. Das ist sicher keine wissenschaftlich fundierte Einschätzung von Apples Zukunft, aber ich werde mich in Hinkunft mehr mit dem Bedienungspersonal auf Computermessen unterhalten.
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Sie haben es sich nach der Lektüre von Adams und Geoffs Essays in TidBITS-360 sicher schon gedacht: auf der Macworld Expo letzte Woche drehte sich alles um Apples Übernahme von NeXT Software. Die Einführungsrede war sehr gut besucht, da die Besucher erwarteten, konkrete Einzelheiten über das neue Betriebssystem (Code: Rhapsody) zu erfahren, das Apple mit Hilfe der NeXT-Technologie aufbauen will. Mein Notizblock war nach 3 Stunden zwar gut gefüllt und mir schwirrte der Kopf vor lauter Informationen, nach einigen Tagen fand ich aber meine Analyse durch die Beobachtung der meisten anderen Kollegen bestätigt: vieles von dem, was in der Rede zu hören war, wußten wir bereits.
Die wichtigen Fragen im Zusammenhang mit Rhapsody sind in der Ansprache nur unzureichend behandelt worden. Gil Amelio unterstrich zwar die Bedeutung der Rückwärts-Kompatibilität, es hat aber den Anschein, als würde Rhapsody nur auf solchen PowerPC-Macs laufen, die "heute von Apple und seinen Lizenznehmern verkauft" würden. Apple hat offensichtlich noch nicht entschieden, wie mit älteren Power Macs und 68K-Macs verfahren werden soll. Eine andere große Unbekannte könnte sich dagegen in Wohlgefallen auflösen: nach Apples Plänen sollen die heutigen System 7.x-Applikationen unter Rhapsody nativ laufen und nicht unter einer Emulation. Diese Fähigkeit wird wohl in der Premierenfassung von Rhapsody noch nicht vollständig enthalten sein wird. Man kann auch davon ausgehen, daß auch Rhapsody das "echte Macintosh-Gefühl" vermitteln wird, wenn auch mit Änderungen und Verbesserungen des Interfaces.
An den Sechsmonatsintervallen für die Veröffentlichung neuer System 7.x-Updates soll sich nichts ändern, mehr Einzelheiten waren Gil Amelios Rede nicht zu entnehmen. Mir ist es aber gelungen, im Dunstkreis zwischen Expo und Apples Website noch einige Informationen zusammenzutragen. Ein Hinweis: Aussagen über künftige Softwareerscheinungen sind immer mit Vorsicht zu genießen.
Bald auf einem Mac in Ihrer Nähe -- Am 31.1.97 soll Mac OS 7.6 (Codename Harmony) erscheinen. Diese Version enthält einen neuen Installer und faßt einer Reihe von heutigen Komponenten zusammen. Einige der Höhepunkte sind: QuickTime 2.5, QuickDraw 3D 1.0.6 (nur für PowerPC), QuickDraw GX 1.1.5, LaserWriter 8.4.2 und ein verbesserter Extensions Manager. Ich bin auf das OpenDoc Essentials Kit gespannt, das eine Reihe von OpenDoc-Anteilen enthält. Mac OS 7.6 wird auf den meisten neueren Macs laufen, nicht aber auf 68020- oder 68000-basierten Maschinen oder auf SE/30, IIx oder IIcx. Besitzer von 68K-Macs werden wegen des inzwischen berüchtigten CFM-68K-Bugs (siehe TidBITS-356), der im Gefolge von OpenDoc, Cyberdog und LaserWriter 8.4 auf 68K-Maschinen auftritt, ohnehin wenig motiviert sein, auf System 7.6 umzusteigen. Von Apple war bislang kein Hinweis darauf zu erhalten, wann dieses CFM-68K-Problem gelöst werden könnte.
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1997/q2/970107.pr.rel.macos76.html>
Wie es scheint, hat Apple mit der neuen Fassung einen Goldesel geschaffen. Gehen Sie mal davon aus, daß Sie für Mac OS 7.6 etwa 99 US$ hinlegen dürfen; 69 $ für die, die System 7.5 oder 7.5.x registriert haben. (Die Floppyversionen verteuern sich um jeweils 30 $). Wer nach dem 7.12.96 einen Mac gekauft hat, sollte im Up-To-Date-Programm überprüfen, ob er ein Anrecht auf einen noch besseren Preisnachlaß hat.
<http://www.macos.apple.com/macos/releases/fulfillment.html>
Die neue Version wird sicher über viele verschiedene Vertriebskanäle zu haben sein. Informationen über einen Erwerb in den U.S.A. gibt Apple unter Tel. 800/742-1926.
Höheres Tempo -- Mac OS 7.6 macht keinen sehr originellen Eindruck, was hauptsächlich damit zu tun hat, daß viele seiner Bestandteile heute schon separat erhältlich sind. "Tempo" - diese nächste Fassung wird in etwa 6 Monaten erwartet - wird wahrscheinlich mehr zu bieten haben, da viele Elemente des Copland-Finders darin zu finden sein werden, die auf dem PowerPC "native" laufen werden (Copland war der Codename für Apples ursprünglich geplantes Mac OS 8). Die Hierarchie der Ordner wird so aufgebaut sein, daß eine tiefgestaffelte Dateiablage darin bequem handhabbar ist. Der Finder wird neue Darstellungsformen bieten, z.B. nach Erstellungsdatum oder eine Buttondarstellung, mit der sich Files und Ordner auf Knopfdruck öffnen lassen.
Während der Begrüßungsansprache wurde auch auf die obere rechte Ecke der Fenster hingewiesen. Heute gibt es an dieser Stelle nur die Zoombox, bei Tempo wird es hier eine Art Jalousie-Funktion geben, mit der man ein Fenster so verkleinern kann, daß nur noch die Titelleiste sichtbar bleibt. (Sie können sich mit Aaron oder Kaleidoscope einen Eindruck davon verschaffen; eine Zusatzfunktion bei Tempo wird auf Option-Klick alle offenen Fenster "aufrollen"). Wenn Sie nicht unbedingt auf 7.6 upgraden müssen und Ihre Mittel sparsam einsetzen wollen, dann lohnt es sich auf Tempo zu warten, das voraussichtlich in einer ähnlichen Preislage angesiedelt sein wird.
<http://greg.math.harvard.edu/>
Applemusik -- Apple plant, Mitte 1997 eine Entwicklerversion von Rhapsody auszuliefern und kündigte an, der Allgemeinheit eine Premierenversion rechtzeitig zum Jahreswechsel zur Verfügung zu stellen, ein Terminplan, der von vielen Beobachtern als unrealistisch eingeschätzt wird. Das nächste 7.x-Update ("Allegro") ist für Anfang 1998 geplant. Mitte nächsten Jahres wird es dann das Folge-Update "Sonata" geben, außerdem eine weiter verbesserte Version von Rhapsody. Zur Zeit gibt es nur wenige Informationen über die Technologien, die in Sonata und Allegro verwendet werden sollen.
Ich vermute, daß die wenigsten Anwender sich vor Mitte 1998 in Rhapsodys neuer Welt (mit protected memory und pre-emptive multitasking) tummeln werden, zumal es noch viele ungelöste Fragen gibt. Apples Website ist zu entnehmen, daß Rhapsody Display PostScript enthalten wird, allerdings in Verbindung mit einigen Apple-Display-Technologien wie ColorSync und die QuickDraw-GX-Typographie (wenn auch nicht im kompletten GX-Umfang). Das kann - zum Teil wenigstens - bedeuten, daß Macs unter Rhapsody ihre Bildschirme mit PostScript aufbauen und damit den Designern, die von PostScript abhängen, besseres WYSIWYG bieten, als der Mac es bislang konnte. Apple hat schon immer die Bedeutung von Multimedia unterstrichen, eine Position, die mit verbesserten Versionen der QTML-Technologien (Quick Time Multimedia Layer) in Rhapsody verstärkt werden soll. Die wichtigste Frage, mit der Apple sich kurzfristig beschäftigen muß, betrifft den Kernel, auf dem das System aufsetzen soll.
<http://www.macos.apple.com/macos/releases/rhapsody/letter.html>
Interessante Aussichten -- Ob Rhapsody wie geplant zur Verfügung stehen kann, wird maßgeblich davon abhängen, wie reibungslos der Zusammenschluß der Apple und NeXT-Belegschaften vonstatten geht. Außerdem müssen die NeXT-Entwickler mit ins Boot geholt werden (einige von ihnen wurden auf der Macworld Expo beim Studium der neuesten Mac-Software gesichtet), die zunächst auf umfangreiche Informationen und auf Unterstützung angewiesen sind. Schließlich muß es gelingen, die Macanwender und die gesamte Öffentlichkeit wegen Rhapsody so nervös zu machen, daß sie praktisch nichts Anderes mehr haben möchten. Rhapsody muß dafür nicht nur die guten und überzeugenden Lösungen bieten, die Steve Jobs in seiner Rede versprochen hat; die Anwender müssen diese Lösungen auch verstehen und ihnen vertrauen.
von den TidBITS-Autoren <editors@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Die Macworld Expo bringt nicht nur das Beste und das Schlechteste in der Macintosh-Industrie zum Vorschein, sondern auch das Bizarrste. Nach vier Tagen der Rundgänge in dem höhlenartigen Moscone Center, in Gesellschaft von 70.000 Macintosh-Fans, fällt es schwer, den Bezug zur Realität zu bewahren. Hier also einiges, das uns besonders aufgefallen ist.
Die beste Software für Kinder -- Cocoa von Apple ist ein tolles Werkzeug (in Prograph geschrieben) für Kinder aller Altersstufen, um Spiel- und Simulationswelten zu erstellen. Cocoa ist im Stadium der ersten Entwicklerversion (DR1) und kann heruntergeladen werden. Es erzeugt alleinlaufende Applikationen oder kann am Internet mittels eines Netscape-Plug-Ins gespielt werden. Eine Gruppe von Kindern, die sich Tenadar Software nennt, vermarktet schon ein mit Cocoa geschriebenes Spiel. [MN]
<http://cocoa.apple.com/>
<http://www.millertime.com/tenadar/>
Das teuerste Geschenk -- Je ein Exemplar von Visual Page (Preis normal 99 US$) erhielten gratis alle , die eine Demo eines Symantec-Produkts bis zu Ende angesehen haben. Visual Page ist ein WYSIWYG-Webprogramm unter vielen; ich hatte aber vorher keins und dieses funktioniert gut. Ich nehme an, daß es vor Symantec verschenkt wurde, weil (a) es CDs mit leichten Fehlern waren, (b) das Programm selbst noch Unebenheiten aufweist, (c) HTML das Programm in der Entwicklung abgehängt hat und (d) die Firma der Konkurrenz (Adobe mit PageMill, das auch an allen Ecken verteilt wird) Paroli bieten wollte. Unter dem Strich wird für Symantec kein Nachteil herausschauen, weil etliche User bei der Software bleiben werden und für Updates später zur Kasse gebeten werden können. [MN]
<http://www.symantec.com/vpagemac/>
Selbstinszenierung -- Dieser Preis geht an Adaptec, einen Hersteller von unauffälligen SCSI- und Netzwerkkarten. Der Stand der Firma hatte optisch stark gewonnen durch einen acht Meter hohen nachgemachten Berg, der ein wenig an eine Kletterwand erinnerte. Irgendjemand hat Adaptec angeboten, auf dem Stand eine solche Wand zu installieren - schade nur, daß der felsfarbige Schaumstoff keine Haken zuließ. [ACE]
Die traurigsten Worte -- "Nur für PowerPC" - dieses immer häufiger hörbare Mantra war vor allem bei grafischen Java-Erzeugungssoftware präsent, darunter bei Symantec Visual Cafe und RandomNoise Coda (aber mit WebBurst von Power Production als löblicher Ausnahme). Das war vorauszusehen, aber mein 68K-Mac und ich haben Probleme, diesen Lauf der Dinge zu akzeptieren. [MN]
<http://www.symantec.com/vcafemac/>
<http://www.powerproduction.com/>
Beste externe Technologie -- Meine Stimme für die beste externe Technologie bekommt das SMART Board von SMART Technologies. Es ist ein Whiteboard, das an den seriellen Port des Computers angeschlossen wird. Was Sie auf einer solchen weißen Tafel mit farbigen Stiften schreiben, erscheint auf dem Monitor des Computers als Grafik; Sie können aber auch den Bildschirminhalt des Computers auf das Whiteboard projizieren, wobei Sie mit dem Finger auf dem Board wie mit der Maus die Maschine steuern können. Hätte ich doch nur so etwas gehabt, als ich noch Lehrer war! [MN]
<http://www.smarttech.com/smtboard.htm>
Mit im Finale bei externer Technologie -- Das Wireless Modem von Metricom gibt mir die Vorstellung ein, wie ich mit einem PowerBook in einem Yuppie-Café sitze und über die Antenne dieses schwarzen Dings mit dem Internet Verbindung aufnehme. Jetzt sollte Metricom nur noch die Infrastruktur etwas ausbauen; damit Sie in Ihrer Stadt das Modem benutzen können, müssen an jedem Laternenpfahl Empfänger angebracht sein. Das hat Metricom erst in wenigen Städten geschafft; obendrein kann ich mir die Preise in Yuppie-Cafés nicht leisten. [MN]
Bestes Hilfsprogramm -- PreFab TextMachine stammt aus demselben Stall wie PreFab Player und ist ein Tool zum Suchen und Ersetzen von Textstrings. Das Konzept ähnelt einem GREP in englischer Sprache und ist manchmal leistungsfähiger als das in Nisus Writer! Das Produkt stellt vielseitige Textbearbeitungsfunktionen in jedem Programm zur Verfügung, das entweder via AppleScript oder Frontier mit ihm zusammenarbeitet oder TextMachine als OpenDoc-Modul nutzen kann. Derzeit ist es noch im Alpha-Stadium, es wird aber im Auge zu behalten sein. [MN]
<http://www.tiac.net/prefab/textmachine.html>
Die sicherste E-Mail -- Der belgische Entwickler Highware zeigte eine Betaversion von Pretty Safe Mail, das PGP (Pretty Good Privacy) zur Verschlüsseln und Entschlüsseln von Dateien, Ordnern und Messages verwendet. All dies machen Sie, indem Sie aus einem Menü auf Systemebene einen Befehl auswählen. Pretty Safe Mail unterstützt digitale Signaturen und ist eine einfache Implementation starker Verschlüsselungssoftware - genau darauf habe ich gewartet. [ACE]
<http://www.highware.com/highware/safemail/safemail.htm>
Die langweiligste heiße Luft -- Dieser Titel geht an Apple mit System 7.6. Es ist noch gar nicht da und schon fragen sich alle: "Wozu die Aufregung?" [MN]
Leute, die ihrer Software ähnlich sehen -- Die Angestellten von Alien Skin Software, Hersteller des Photoshop-Filters Eye Candy 3.0 (ehemals Black Box), hatten ihr Haar in Leuchtfarben getönt, vielleicht um ein Friseur-Plug-In für Photoshop zu vermarkten. [ACE]
Die beste Methode, die Expo zu sehen -- Rearden Technologies hatte mehrere Videokameras verteilt angebracht, die mit MacWebCam entweder statische Bilder oder bewegtes Video aufnahmen. Mit MacWebCam können sogar zeitabgestimmte QuickTime-Movies erstellt werden. Neu in diesem Jahr: Eine schwenk- und kippbare Einrichtung, die von einem Web-Browser aus gesteuert werden kann, fängt die Umgebung einer Kamera in verschiedenen Blickwinkeln ein. [ACE]
Bester HyperCard-Rivale -- Trotz meiner verzweifelten Treue zu HyperCard war ich sehr beeindruckt von einer Vorführung von SuperCard 3.0 (Allegiant), das alles hat, was HyperCard eigentlich haben sollte (Paletten, echter integrierter Farbe, Vektorgrafik, "automatischem" Skripting), und auch schon mit einem Netscape-Plug-In namens Roadster im Internet einsetzbar ist. [MN]
Bestes Programm für Sonnenanbeter -- Sundial von John Neil & Associates wechselt Ihr Desktop-Muster gegen eine von zehn professionell aufgenommenen kalifornischen Landschaften aus. Die Besonderheit: Das Bild ist in Wirklichkeit ein 24-stündiges QuickTime-Movie aus 288 Bildern, die während des Tages nach dem Sonnenstand langsam ablaufen. Sundial synchronisiert sich sogar mit Sonnenauf- und untergang an Ihrem Standort. Prinzipiell kann jedes QuickTime-Movie mit 288 Bildern verwendet werden; John Neil & Associates hat einen Wettbewerb für neue Ideen initiiert. [ACE]
<http://www.jna.com/sundial.html>
Der schaurigste Support -- Casady & Greene hatte einen extrem großen Mann auf dem Stand, der als orientalischer Dschinn gekleidet war und zum Support gehörte. Leider war er so eindrucksvoll, daß ein Besucher, der eine technische Frage hatte, nach einem Blick auf den riesigen Dämon entschieden sagte: "Nein, ich wollte gar nichts fragen".
<http://www.casadyg.com/C&G/Welcome.html>
Höchste Zeit -- Der langjährige Internet-Entwickler InterCon Systems kam mit einem Produkt heraus, auf das sehr viele Leute seit Jahren warten - MacVPA (VPA für Virtual Private AppleTalk). MacVPA bietet im wesentlichen einen AppleTalk-Zugang für alle, die nur einen Internet-Zugang auf PPP-Basis haben. Auf Reisen können Sie also irgendeinen Internet-Provider anwählen und erhalten AppleTalk-Zugriff auf das internet-angebundene LAN in Ihrer Firma - das alles ohne eigene Dial-In-Server oder Ferngespräche. [ACE]
<http://www.intercon.com/macvpa/macvpa.html>
Das beste ergonomische Gerät -- Die No Hands Mouse von Hunter Digital ist gar keine Maus; sie befindet sich nicht einmal auf Ihrem Schreibtisch. Es handelt sich um ein Paar Fußpedale; das rechte steuert die Mausbewegung in der Art eines Joysticks, das linke sorgt für das Klicken: nach vorne kippen - ein Klick, nach hinten - ein Doppelklick. Ich hatte Probleme beim Bewegen des Cursors und langte auch immer wieder unbewußt nach einer nicht vorhandenen Maus; es dürfte aber nur um ein kurzer Gewöhnungsprozeß nötig sein. [JLC]
Die zwiespältigsten Stände -- Dieser Preis geht an die RAM-Anbieter auf der Expo, die große, aufwendige Stände hatten - in schroffem Kontrast zu der kleinen, unscheinbaren Erscheinung ihrer Ware. RAM ist klein und die SIMMs und DIMMs sehen fast gleich aus - andererseits kann man ja nie genug davon installiert haben. [ACE]
Unser liebster Anstecker -- "Email Rules" [etwa "E-Mail ist angesagt", --WJF] von StarNine. Wie wahr.
Bestes Computergehäuse -- Der nur zwei Kilogramm schwere eMate Newton von Apple, der zunächst nur für den Bildungsbereich lieferbar ist, hat einen integrierten Handgriff und (das Exemplar, das wir gesehen haben) ein grünlich-durchscheinendes Gehäuse. Die Tastatur ist für kleine Hände konzipiert, aber auch für Erwachsene brauchbar. Das Newton-System funktionierte gut, an Applikationen sind Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Zeichenprogramm, grafischer Rechner, Adreßbuch und Kalender installiert. Ich warte schon lange auf einen Newton mit Tastatur und größerem Bildschirm (480 zu 320 Pixel). Eine gute Idee, die ich noch nirgends gesehen habe, ist ein Stativgewinde an der Unterseite - bei Verwendung im Gelände sehr nützlich. [ACE]
<http://www.newton.apple.com/newton/productinfo/eMate300.html>
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD],
Matt Neuburg [MN].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].
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