TidBITS#362/20-Jan-97 - Deutsch

In dieser Nummer betrachten wir neue Produkte auf der Macworld, darunter einige HTML-Editoren und Rev, ein Programm zur Versionskontrolle. Wir berichten auch über den neuen Online-Support von Apple, ein verbessertes PowerBook 1400 und heißen nicht zuletzt unseren neuen verantwortlichen Redakteur Jeff Carlson willkommen, der seine Eindrücke als Macworld-Expo-Neuling beschreibt.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#362/20-Jan-97.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-362.html>

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Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1997/TidBITS#362/20-Jan-97>

Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-362.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-362.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-362.etx>


MailBITS/20-Jan-97

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Im Bemühen, unsere geistige Gesundheit zu bewahren und die TidBITS doch weiter qualitäts- und fristgerecht herauszubringen, haben wir einen neuen verantwortlichen Redakteur gewinnen können. Jeff Carlson <jeffc@tidbits.com> war zuletzt bei Open House verantwortlich, einem Buchverlag, der zahlreiche Bände der Peachpit Press publiziert hat; er schreibt auch eine monatliche Kolumne für das Online-Magazin adobe.mag. Jenseits des technischen Bereichs hat Jeff auch Projekte wie eSCENE 1996 gestaltet, eine Sammlung von online-Literatur. Jeff wird mit Leuten arbeiten, die Artikel an die TidBITS einsenden, und an der Endredaktion der einzelnen Ausgaben beteiligt sein. Wir freuen uns sehr, ihn dabeizuhaben.

<http://www.halcyon.com/kepi/>
<http://www.etext.org/Zines/eScene/index.html>

Geoff Duncan wird nun unser technischer Redakteur; er wird weiter unsere Mailing-Liste betreuen und die fundierten Artikel verfassen, die Sie von ihm gewöhnt sind. [ACE]

Pressemitteilungen an die TidBITS -- Wir haben auch unseren Arbeitsablauf neu organisiert. Bisher haben wir uns ja bei unserer internen Kommunikation vorwiegend auf Telepathie verlassen. Für Presseaussendungen haben wir nun also eine eigene E-Mail-Adresse, die statt unserer persönlichen Adressen zu verwenden ist: <releases@tidbits.com>. Danke für Ihre Hilfe! [ACE]

Apple Online Technical Support -- Apple hat vor kurzem die Webseiten für den Online-Support überarbeitet und damit ein Hilfesystem geschaffen, für das nicht seinerseits Hilfe erforderlich ist. Dieser Bereich der Apple-Web-Site ist nach Produktgruppen gegliedert (Desktop-Computer, PowerBooks, Betriebssystem, Anwendungen etc.) und umfaßt oft gestellte Fragen (FAQs), Artikel der Apple Tech Info Library (TIL), Software-Updates und von Apple-Mitarbeitern moderierte Diskussionsforen. Mit zwei, drei Klicks habe ich ziemlich alles gefunden, und da die Seite kaum Grafik aufweisen, laden die Seiten sehr schnell. [JLC]

<http://support.info.apple.com/tso/tso-home.html>

Update für das PowerBook 1400 -- Einige Leser haben von ihren Versuchen berichtet, Disk First Aid und andere Utilities auf PowerBooks 1400 zu benutzen, was eine Meldung zur Folge hatte, die Festplatte sei keine HFS-Disk (HFS für Hierarchical File System, das von allen Mac-Platten verwendet wird). Die Meldung bedeutet kein fundamentales Problem mit dem PowerBook 1400; laut Apple wurden einige 1400er-Systeme ohne eine "Referenz-Datei" ausgeliefert, die von diesen Hilfsprogrammen gebraucht wird. Wenn Sie dieses Problem haben, holen Sie sich das Update, um wie üblich Platten-Reparaturen durchführen zu können. [GD]

<ftp://mirror.apple.com/mirrors/Apple_SW_Updates/US/Macintosh/PowerBook/PB_1400/PB_1400_HD_Updater_1.0.sea.hqx>

HTMLbits: Freies Plazieren von Grafiken

von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Auf der Macworld Expo waren sehr viele Anbieter von HTML-Editoren auf kleinstem Raum versammelt, wodurch ein Vergleich ihrer Produkte leicht war. Dabei erlangten diejenigen Editoren die meiste Aufmerksamkeit (bei mir und bei anderen), die freies Plazieren von Objekten gestatten. Bei den gegenwärtig lieferbaren Produkten, wie Adobe PageMill 2.0 und Claris Home Page 2.0, können Elemente nicht beliebig auf einer Seite plaziert werden; wenn Sie in ein neues Dokument eine Grafik einsetzen, tun Sie das immer links oben. Sie können das Bild zwar zentriert oder rechtsbündig setzen, aber um es weiter unten auf der Seite zu setzen, müssen Sie mehrmals Leerzeilen eingeben, was sich als lästig herausstellt, wenn Sie oberhalb der Grafik etwas einfügen wollen. Bei freiem Plazieren setzen Sie das Bild in einem neuen Dokument ein, wo Sie wollen.

Diese Eigenschaft wird etwa von der kommenden Version von GoLive Pro 1.1., die unter dem Namen GoLive CyberStudio ab März um 349 US$ lieferbar sein wird, geboten (die Firma, die GoLive anbietet, hat ihren Namen von gonet in GoLive Systems geändert); ebenso kann NetObjects Fusion 1.0 (von NetObjects, 495 US$) damit aufwarten.

<http://www.golive.com/html/product.html>
<http://www.netobjects.com/html/products.html>

Beide Programme setzen Tables ein, um das Plazieren bis herunter auf die Ebene einzelner Pixel zu ermöglichen. Ich bin von diesem Trend nicht begeistert (obwohl er mir unvermeidlich erscheint); derartige Software wird Code erzeugen, der nur noch von Experten und sonst niemandem verstanden werden kann. Bisher waren die meisten HTML-Implementationen einfach genug, um vielen Benutzern zugänglich zu sein; nun bewegen wir uns aber in eine Richtung, wo nur noch Spezialisten Code ändern werden können. Dies ist aber ein Preis, den viele zu zahlen gewillt sind. Die beiden Produkte verfügen auch über gehobene Möglichkeiten, Web-Sites zu verwalten. CyberStudio erhält besonders viel Lob für die Weiterentwicklung einer schon sehr guten Benutzeroberfläche; Fusion beeindruckt durch ausgereiftes Management einer Web-Site - es kann automatisch Navigationsbalken erzeugen, die aktuell gehalten werden, auch wenn Objekte der Site geändert worden sind.

Und mehr... -- Web-Gestalter, die freies Plazieren schätzen, sich aber mehr auf Multimedia hin orientieren, sollten sich Coda ansehen, einen HTML-Editor, der von RandomNoise komplett in Java geschrieben wurde. Coda soll im ersten Quartal um 495 US$ ausgeliefert werden und erzeugt Web-Seiten, die vorwiegend aus Java-Code bestehen. Sowohl das Plazieren von Elementen als auch verschiedene Animationen und Effekte sind ohne jede Java-Kenntnis möglich. Bei der Vorführung hat der Präsentator eine Taste erstellt, die eine Animation an- und ausschalten konnte. Web-Seiten, die mit Coda erzeugt sind, können nur von java-fähigen Browsern dargestellt werden.

<http://www.randomnoise.com/>

... und noch mehr -- Zwei weitere Editoren, mit denen ich mich auf der Show beschäftigt habe, sind Visual Page und FrontPage. Symantec hat Visual Page 1.0 (99,95 US$) vorgeführt, das auf den ersten Blick wie ein Abklatsch von Claris Home Page aussieht, freilich ohne dessen Reife. FrontPage 1.0 for Macintosh (Microsoft, 149 US$) wird im ersten Quartal ausgeliefert; ich habe an einer Schulung am Stand von Microsoft teilgenommen. Ich habe ein gutes Produkt erwartet, weil ich mich noch an die FrontPage-Demo von Vermeer vor einem Jahr erinnere, bevor Microsoft das Programm übernommen hat. Ich war daher enttäuscht, ein für die Firma typisches 1.0-Produkt mit einer Oberfläche vorzufinden, die nur ein chronisch von Microsoft Office Abhängiger gutheißen kann. Besonders anzukreiden ist der miserable Umgang mit Tabellen (schließlich hatte Microsoft genug Zeit, die Konkurrenz zu beobachten).

<http://www.symantec.com/vpagemac/>
<http://www.microsoft.com/frontpage/>

Mir ist klar, daß es noch andere erwähnenswerte Programme gibt; dieser Artikel soll Ihnen nur einen Eindruck vermitteln, was auf der Expo zum Testen bereitstand.

Noch einmal: Kontrollfelder zum Energiesparen

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Laufend treffen weitere Informationen zu Kontrollfeldern, die viele Mac-Modelle in Ruhezustand versetzen können, und zu solchen, die Mac-Typen mit Soft-Power-Schalter nach Stromausfall neu starten können, bei uns ein, nachdem ich in TidBITS-356 und TidBITS-357 darüber geschrieben habe.

Pete Resnick <resnick@uiuc.edu> merkt an:

Auto Power On/Off erschien zum ersten Mal in System 7 Pro und ist in derselben Version, 1.0, auch in System 7.5 enthalten. Leider hat sich schon zu Zeiten von System 7 Pro herausgestellt, daß es in Auto Power On/Off einen Fehler gibt. Es wird nämlich die Systemroutine _SetDateTime in einem fehlerhaften Patch modifiziert; Apple hat diesen Fehler zwar zugegeben, aber nie behoben. In den Anmerkungen zu Open Transport steht, daß Auto Power On/Off zusammen mit Open Transport und meinem "Network Time"-Kontrollfeld wegen des Bugs einen Absturz bedingt. Apple hat offenbar das Problem in System 7.6 (Harmony) bereinigt - bis dorthin also Hände weg von Auto Power On/Off.

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/tisk/inet/network-time-201.hqx>

Vinnie Moscaritolo <vinnie@webstuff.apple.com> schreibt:

Da ich die berüchtigte Tech Note 1079 (Power Management & Servers) verfaßt habe, will ich daran erinnern, daß ein Aufruf des Cuda-Managers Probleme verursachen kann. Ein solcher Aufruf kann unerfahrenen Entwicklern nicht empfohlen werden - sogar Hardwareschäden könnten die Folge sein.

Die empfehlenswerte Vorgangsweise: Ein Aufruf der "Energy Saver"-Schnittstelle (Energy Saver API). Diese faßt alle Funktionen im Zusammenhang mit der Stromversorgung zusammen, die eine Applikation in der Regel braucht und ist auch die Standardmethode, um alle diesbezüglichen Aufrufe aufeinander abzustimmen. Mit der Zeit wird Energy Saver auf immer mehr Maschinen eingesetzt werden.

Ich bin gerade dabei, die letzten Änderungen in einer weiteren Tech Note zum Energy Saver zu schreiben, die auf meiner Web-Site für Entwickler allgemein verfügbar sein wird, wenn Sie dies hier lesen.

<http://www.vmeng.com/vinnie/papers.html>

Lloyd Wood <l.wood@surrey.ac.uk> kommentiert:

Sleeper 2.1 (Shareware von St. Clair Software, 20 US$) gibt Ihnen weitgehende Kontrolle über Ruhezustands- und Energiespar-Intervalle. Sleeper installiert die SAVR-"gestalt"-Routine, sodaß eine Applikation von der Präsenz eines Bildschirmschoners weiß, und kann auch die Festplatte herunterfahren, genau wie auf einem tragbaren Mac. Sleeper gestattet mehr Einfluß auf die zahlreichen Energiespar-Modi als alles, was ich sonst gesehen habe.

<http://www.stclairsw.com/slpr_bg.html>

Rev: Sichern ohne Reue

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Mein zentraler Kritikpunkt am Macintosh-Segment lautet derzeit: Es gibt nur wenige neue Produkte, die auf breites Interesse treffen. Internet-Produkte halten sich in dieser Hinsicht ganz gut; auf der diesjährigen Macworld Expo bin ich aber auf ein Produkt gestoßen, das beinahe jedem Mac-Benutzer von Wert sein könnte.

Als ich noch Student in Cornell war und in den Computerräumen arbeitete, passierte es immer wieder, daß Leute mit command-A ein ganzes Dokument auswählten statt wie beabsichtigt mit command-S zu sichern. Wenn sie dann irgendeine Taste drückten, ersetzten sie den gesamten Inhalt des Dokuments durch dieses Zeichen. Manche gerieten dann in Panik und klickten auf "Speichern" statt auf "Rückgängig". Bei den damaligen Textverarbeitungen (1988-1989) war dann nichts mehr zu machen. Einer der Gründe dafür, daß ich Nisus Writer für alle meine Textaufgaben verwende, ist die Möglichkeit, Änderungen in beliebig vielen Schritten rückgängig zu machen - auch wenn Sicherungsvorgänge erfolgt sind. Bei Nisus brauchen Sie nicht zu fürchten, ein ganzes Dokument zu verlieren, wenn Sie es versehentlich durch ein einziges Zeichen ersetzt haben.

In dieser Hinsicht hat sich die Welt seit 1989 nicht sehr geändert - wir haben auch Programme, die ständig sichern und es dem Benutzer nicht erlauben auszusteigen, ohne zu sichern. Die Programme, die automatisch sichern, sind zahlreicher geworden, aber nur wenige Programme können Änderungen rückgängig machen, die vor einem Sicherungsvorgang gemacht worden sind.

Die Reue nach dem Sichern -- Die Leute bei der Firma 6prime nennen dies die "Reue nach dem Sichern". Wenn etwas derartiges passiert, wird das Speichern mit einer negativen Bedeutung belegt; dennoch ist es noch schlimmer, nicht regelmäßig zu sichern. Um die Reue nach dem Sichern beseitigen zu helfen, hat 6prime die Software Rev herausgebracht, die alle Änderungen aufzeichnet, die an einer Datei beim Sichern vorgenommen werden; Sie können dann in der Zeit zurückgehen und einen Stand wiederherstellen, den Sie lieber nicht beim Sichern überschrieben hätten (oder eine automatisch sichernde Applikation überschreiben hätten lassen). Im wesentlichen ist Rev eine Software zur Versionskontrolle - etwas, das bis vor kurzem noch sehr teuer, kompliziert und nur für Programmierer gedacht war.

Wie arbeitet Rev? Es handelt sich um eine Applikation (die etwa 750 K RAM erfordert); Rev mischt sich nicht in das System ein und bringt daher keine Instabilität ins Spiel. Wenn Sie die Versionen eines Dokuments überwachen wollen, ziehen Sie sein Icon in das Fenster von Rev, worauf dieses einen Gliederungseintrag, ähnlich einem im Finder, für die Applikation erzeugt, die das Dokument erstellt hat. Dann arbeiten Sie wie gewohnt, sichern oder lassen die automatische Sicherung laufen, sooft Sie wollen. Bei jedem Sicherungsvorgang erstellt Rev eine kleine "Diff"-Datei, die nur die Änderungen zwischen der letzten Version und der nach der Sicherung enthält. Die Diff-Dateien erscheinen eine Gliederungsebene unter dem Dokument und sind mit dem Namen der Originaldatei und einem Zeit- und Datumsstempel bezeichnet.

Diff-Dateien nehmen viel weniger Platz ein als die Originaldateien, weil sie nur die Unterschiede zwischen verschiedenen Versionen eines Dokuments verzeichnen. Rev hilft auch Platz auf der Festplatte sparen, indem es Sie angeben läßt, wieviele Diff-Dateien es behalten soll; die älteren werden bei Erreichen des Limits automatisch gelöscht.

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten an einem Dokument in ClarisWorks. Sie wollen sehen, wie das Dokument ohne ein bestimmtes Objekt aussieht, also löschen sie es, weil Sie sich darauf verlassen, die Änderung wieder rückgängig machen zu können. Irgendwas geht aber schief, Sie sichern oder das automatische Sichern schaltet sich ein - Sie wären aufgeschmissen, wenn Sie nicht zufällig eine nicht zu alte Version des Dokuments anderswo gespeichert hätten.

Mit Rev allerdings müssen Sie nur auf eine Diff-Datei doppelklicken, die das gelöschte Objekt enthält. Rev schaut sich die aktuelle Datei an, macht alle Änderungen bis zum Verschwinden des Objekts rückgängig und öffnet ein neues ClarisWorks-Dokument, das für Ihr Original zu diesem Zeitpunkt steht. Sie können jetzt wahlweise das abhanden gekommene Objekt aus der wiederhergestellten Datei herauskopieren und in die aktuelle Version einsetzen oder diese wegwerfen und mit der rekonstruierten Version weiterarbeiten.

Automatisches Sichern -- Einige Programme, darunter FileMaker und HyperCard, sichern von selbst, immer dann, wenn es eine Änderung gegeben hat. Das schützt vor Datenverlust, kann aber Menschen schrecken, wenn sie experimentieren (wenn sie z.B. wissen wollen, ob sich "Alles löschen" auf die gesamte Datenbank bezieht oder nur auf die gerade ausgewählten Datensätze). Ein solcher Versuch kann danebengehen und doch wieder zu Datenverlust führen. Rev kommt auch mit diesen Programmen gut zurecht; Sie sollten Rev allerdings Diff-Dateien nur alle paar Minuten anlegen lassen statt bei jeder Änderung der Datei, was ja dauernd passiert.

Manche meiden automatisches Sichern aus ähnlichen Gründen - mein Vater würde ein solches Hilfsprogramm mit ClarisWorks nie verwenden; er will im Grafikmodul die völlige Kontrolle über das Sichern. Mit einem Produkt wie Rev könnte er das beste beider Welten bekommen - die Vorteile des automatischen Sicherns, aber ohne die Sorge, ungewollte Änderungen zu verewigen.

Das ist alles -- Sonst gibt es zu Rev nichts zu sagen - eine simple Applikation, die Ihre Aktionen verfolgt und sich dann nützlich macht, wenn Sie mit einer Version Ihres Dokuments dastehen, die weniger gut ist als eine frühere. Rev verfügt über Online-Hilfe und ein minutiöses Handbuch, obwohl es fast nichts gibt, das man nicht aus der Programmoberfläche herausfinden könnte. Wenn derartige Einfachheit der Bedienung und hoher Nutzen für die meisten Mac-Eigner zusammentreffen, kann ich nur meine wärmsten Empfehlungen aussprechen.

Rev funktioniert (so viel ich weiß) mit allen Mac-Applikationen und ist bestens geeignet für Leute, die schreiben, editieren, Grafiken oder Programme erstellen oder Multimedia-Arbeiten durchführen. Klarerweise bringt Rev am meisten, wenn Sie viel an einer relativ kleinen Zahl von Dokumenten arbeiten - wenn Sie an einer Datei nicht länger zu arbeiten haben, lohnt es sich nicht, es der Liste hinzuzufügen.

Ich werde Rev mit ziemlich allen Applikationen ausprobieren, die ich benutze, nicht nur mit Nisus Writer. Dort kann ich Änderungen nicht mehr rückgängig machen, wenn ich eine Datei erst einmal geschlossen habe; Rev hat auch in dieser Situation kein Problem. Ich überarbeite meine Bücher kapitelweise mit Microsoft Word und bearbeite Aufnahmen meiner QuickTake-Kamera mit PhotoFlash. In beiden Programmen habe ich schon Situationen erlebt, in denen Rev mir hätte helfen können, zu früheren Versionen zurückzugehen.

Rev kostet 49,95 US$ direkt bei 6prime. Die Web-Site bringt zusätzliche Informationen; Sie können Rev per Telefon oder per E-Mail bestellen.

<http://www.6prime.com/>

6prime Corporation -- 408/252-9828 -- <rev@6prime.com>

Eindrücke eines Macworld-Neulings

von Jeff Carlson <jeffc@tidbits.com>

[Übersetzung: Hartmut Greiser]

Mein letzter Job vor meinem derzeitigen (ein formloser Zusammenschluß von Computer-Konsulenten und Autoren mit einem Schild "Galactic Headquarters" an der Tür) war ein DTP-Job, wo ich als der "Macintosh-Typ" und als der "PageMaker-Typ" bekannt war. Ich hielt mich für ganz schön schlau, bis ich diese Leute kennenlernte, die buchstäblich alles über PageMaker, QuarkXPress, Photoshop, FreeHand und über alles mögliche andere wissen; wenn nötig, schreiben sie auch ihren eigenen PostScript-Code - echte Mac-Spezialisten eben.

Man kann sich meine Überraschung vorstellen, als sie alle möglichen und unmöglichen Ausreden brachten, um ja nicht zur Macworld Expo fahren zu müssen. Wie kann sich jemand sträuben, etwas zu besuchen, was in meinen Augen ein großes, harmonisches Treffen von Macintosh-Getreuen darstellt? (Vielleicht liegt es ja an ihrem natürlichen Instinkt, sich von Massen fernzuhalten, oder einfach daran, daß sie schon zu oft hingefahren waren). Als die TidBITS mich also zur Macworld Expo nach San Francisco schicken wollten, habe ich die Gelegenheit natürlich beim Schopf ergriffen. Hier sind einige (zugegebenermaßen willkürliche) Beobachtungen eines Macworld-Neulings.

3 Stunden Kampf um einen Stehplatz -- Nach dem Morgenflug von Seattle nach San Francisco habe ich im Hotel eingecheckt und mich dann schleunigst ins Moscone Tagungszentrum aufgemacht, um mich dort registrieren zu lassen. Ich erhielt einen Presseausweis und wurde aufgefordert, mich in eine Warteschlange zu stellen - nicht unbedingt ein aufregender Start. 40 Minuten später durfte ich meinen Namen in einen Computer eingeben, vertippte mich dabei, konnte nicht korrigieren (ich gehöre jetzt zu "TidBITS N", das ist unser neues Nord-Büro), nahm meine Plakette in Empfang und rannte los, um Tonya zu finden, mit der zusammen ich mir die Eröffnungsrede anhören wollte.

Ein wichtiger Tip: es waren zwar nur 80.000 Besucher bei der Macworld, aber es ist trotzdem ratsam, sich früh zur Eröffnung einzufinden - am besten schon einen Tag vorher. Wir waren etwa 10 Minuten vor Beginn da und schafften es kaum noch, ins Auditorium zu kommen, weil die Security-Leute schon dabei waren, die Türen zu schließen. Es war kaum noch Platz, aber wir fanden schließlich ganz vorn, rechts von der Bühne neben einer Videowand, zwei winzige Plätzchen auf dem Fußboden - unsere Bleibe für die nächsten drei Stunden.

Der "Realitätsverzerrer" in Aktion -- Es war interessant, Gil Amelio zum ersten Mal zu erleben (er hatte eine etwas höhere Stimmlage als erwartet, und seine Erscheinung - ohne Krawatte - sorgte im Publikum für Gemurmel); seine Ausführungen waren zunächst auch interessant. Leider ist Amelio kein guter Langzeit-Redner: er hat sicher mehrfach auf die Zukunft von Apple und des Mac-Betriebssystems hingewiesen, aber seine Worte gingen in einem kleinen Meer von Pausen, Ähhs und Ahhs unter. (Später hörte ich, daß Steve Jobs' Flug verspätet war, deshalb also die Stegreif-Vorstellung von Amelio). Schließlich wurde Jobs angekündigt und auf die Bühne geführt.

Ich kenne die Geschichten über Jobs - Legenden, die neben denen über kokelnde Lithium-Ionen-PowerBook-Akkus auf den Ausflügen der Ingenieure immer wieder neu erzählt werden. Nachdem ich in der Vergangenheit oft genug von Jobs als einem wandelnden Pulverfaß gelesen hatte, erwartete ich eigentlich, daß er ordentlich losschimpfen würde. Statt dessen war er ganz ruhig und gefaßt. Da wurde mir klar, daß der Knopf "Realitätsverzerrung" bis zum Anschlag aufgedreht war.

Patent, Lizenz und alle künftigen Vermarktungsrechte für diesen Realitätsverzerrer gehören Jobs, ohne Zweifel. Steve Jobs gehört auf eine Bühne. Er trat auf, äußerte sich zu Fragen zum NeXT-Betriebssystem und kam gleich zum Kern der Sache. Auch wenn Sie Zweifel gehabt hätten, was den Zusammenschluß von Apple und NeXT angeht, Steve Jobs hätte Sie dazu gebracht, sofort damit zu beginnen, Programme für das ungeborene hybride System zu entwerfen, auch wenn Sie nicht in der Lage wären, ein Entwicklerrelease von einer Pressenotiz zu unterscheiden.

Auf der anderen Seite: wenn er fertig ist, dann ist er auch fertig. Als die Apple-Leute ihn wieder auf die Bühne zerren wollten, um ihm einen Spartacus Macintosh zu überreichen (das ist das Sondermodell zum 20. Apple-Jubiläum), machte er den Eindruck eines gelangweilten Vaters, der zusieht, wie sein Kind zum xten Mal den gleichen tollen Trick vorführt.

Macworld: Treffpunkt der Berühmtheiten? -- Wenn Sie mich fragen, welche berühmten Leute ich auf der Macworld gern gesehen hätte, also auf meiner kleinen Liste wären Jobs und der Sharewareautor Peter Lewis, vielleicht noch Guy Kawasaki, um mal zu sehen, was er für ein Typ ist. Jobs habe ich auf der Bühne gesehen, Lewis ist in seiner Heimat Australien geblieben, und Guy habe ich nie zu Gesicht bekommen, obwohl er einige Messeständen besuchte und an Meetings teilnahm.

Stattdessen habe ich dank der großen Eröffnungsansprache die richtigen Berühmtheiten gesehen - Sie wissen schon, die Hollywood-Typen. Hier ist eine kurze Übersicht:

Jeff Goldblum, der einzige Mensch, der die Invasion einer Horde Aliens mit einem PowerBook und einem drahtlosen Modem aufhalten kann, hat eine Menge Charme, er ist geistreich und er hat es offensichtlich mit Apple und dem Mac. Der Musiker und Multimediakünstler Peter Gabriel hat es in ganz besonderer Weise "damit", und ich könnte ihm - obwohl seine Musikdemo irgendwie an mir vorbeigegangen ist - tagelang dabei zuhören, wie er sich über eine transzendente Zukunft der Erleuchtung durch Technologie und Erziehung ausläßt.

Muhammad Ali war ein großartiger Boxer und eine ganz besondere Persönlichkeit, und es ist traurig, daß die Parkinson-Krankheit und die vielen Jahre im Ring von seiner Gesundheit jetzt Tribut fordern. Ich bezweifle aber, daß er ein fanatischer Macintosh-Anwender ist, und es stört mich, wie er seit neuestem immer wieder bei Massenveranstaltungen vorgeführt wird, im Andenken an die Fackelzeremonie bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Atlanta.

Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hatte bei weitem das schönste Showlächeln. Können Millionen Dollar einen Mann glücklich machen? Ist eigentlich egal. Er sieht jedenfalls glücklich aus. Ganz kurz sah ich noch den Schauspieler und Tänzer Gregory Hines und den Schauspieler und Komödianten Sinbad, die beide kleiner waren, als ich gedacht hatte.

Ach so, ja - die Expo -- Ich muß zugeben, daß die Eröffnungsansprache wahrscheinlich der Höhepunkt der Show war, zumindest, was verwertbare Informationen über Apple und das Mac-OS angeht (die sich ja schließlich am Ende der Ausführungen materialisierten; siehe dazu Tonyas Artikel in TidBITS-361). Mir sind bei meinen Rundgängen zu den Messeständen aber noch einige andere Dinge aufgefallen.

<http://opendoc.apple.com/>
<http://www.atg.apple.com/research/tech/V-Twin/>
<http://www.nisus-soft.com/>

<http://www.hash.com/>

Weise Worte eines Macworld-Veteranen -- Jetzt, nach meinem Macworld-Besuch, habe ich doch das Recht, Ratschläge zu erteilen, oder? Hier sind - ganz wahllos - einige Sachen, die mir auffielen:



Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD].

Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].

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