Der Marktanteil von Apple ist zurückgegangen, aber was bedeutet das genau? In dieser Ausgabe untersuchen wir die oft widersprüchlichen Aussagen zu den Verkaufszahlen von Betriebssystemen. Geoff Duncan befaßt sich mit Pro und Kontra von Apples neuem System 7.6; wir bringen Lesermeinungen zur Macworld Expo und wir berichten über neue Versionen von NetPresenz, UserLand Frontier und Eudora.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#363/27-Jan-97.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-363.html>
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-363.etx>
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[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Eudora Light/Pro aktualisiert -- Qualcomm hat Version 3.0.2b7 von Eudora Light und Pro publiziert. Wir schreiben nicht oft von Betaversionen (wegen der hektischen Abfolge der Releases von Internet-Software), aber Eudora 3.0.2b7 behebt einige möglicherweise lästige Mängel, darunter eine zusätzliche Zeile beim Tippen und die Beschädigung der Nickname-Datei, die in zumindest einem Fall aufgetreten ist, wenn Nicknames in eine geschlossene Nickname-Datei gezogen wurden. Die Downloads haben 1,5 MB (Pro) und 2 MB (Light); die Pro-Variante kann nur auf der Basis der Versionen Eudora Pro 3.0 oder 3.0.1 installiert werden. [ACE]
<http://www.eudora.com/mac302b.html>
NetPresenz 4.1 publiziert und diskutiert -- Peter Lewis von Stairways Software hat Version 4.1 von NetPresenz, dem bekannten FTP-, Web- und Gopher-Server, herausgegeben. Wichtige Neuerungen gruppieren sich um verbesserte Stabilität unter starker Belastung; der Web-Server verfügt nun über verbesserte CGI-Unterstützung und serverseitige Includes für dynamische Web-Seiten. Der Preis von NetPresenz ist nach wie vor unschlagbar - 10 US$ - und dabei ist das Upgrade auf 4.1 auch noch für Benutzer kostenlos, die sich nach dem 1.1.1996 registriert haben. Andere Benutzer erhalten das Upgrade um 5 US$.
<http://www.stairways.com/netpresenz/>
Stairways kündigte auch zwei neue Mailing-Listen für die Diskussion von Fragen zu NetPresenz und Anarchie an. Zum Abonnieren schicken Sie eine E-Mail-Message an <netpresenz-on@list.stairways.com> bzw. an <anarchie-on@list.stairways.com>. Die Listen benutzen dasselbe Schema von An/Aus-Adressen wie die TidBITS-Liste; es ist also keine Text nötig. Sie können sich bei diesen und anderen Listen, die von Stairways betrieben werden, auch mit einem Web-Formular anmelden. [ACE]
<http://www.stairways.com/mailinglists/>
Noch nicht die letzte Grenze -- Frontier von UserLand Software hat die Versionsnummer 4.2 erreicht. Frontier, eine vielseitige und schnelle Skriptsprache für den Mac, weist in der neuen Version wesentlich verfeinerte Möglichkeiten zum Management von Web-Sites auf (darunter NewsPage für Seiten, die laufend aktualisiert werden), verbesserte Makroverarbeitung, direktes Editieren von HTML, Unterstützung von MCF-Maps (siehe TidBITS-355), eine Reihe von nützlichen Finder-Skripts für Webmaster und Autoren (die über Leonard Rosenthols OSA Menu zur Verfügung stehen) und eine enge Integration mit WebSTAR 2.0. Frontier ist immer noch kostenlos; Neugierige können sich einen Überblick verschaffen, indem sie die Online-Dokumentation lesen. [MN]
<http://www.scripting.com/frontier/>
von Matt Deatherage <mattd@gcsf.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Mehrere Marktforschungsfirmen haben in letzter Zeit Momentaufnahmen und Prognosen für die Computerindustrie publiziert; dabei erhält das alte Schlachtroß Mac-Plattform nur mittelmäßige bis schlechte Aussichten zugestanden - je nachdem, an wen welche Fragen gestellt wurden.
Während die meisten U.S.-Computerhersteller vermutlich für das vierte Quartal gute Erträge ausweisen werden, stimmen alle Analytiker darin überein, daß die PC-Verkäufe - besonders in den U.S.A. und Europa - hinter den Erwartungen zurückbleiben. IBM und Hewlett-Packard als große, diversifizierte Firmen werden demnach gute Ergebnisse haben; Compaq erholt sich von den Problemen des letzten Jahres (falsch eingeschätzte Lagerhaltung). Apple führt den Verlust von 120 Millionen US$ auf Lieferschwierigkeiten bei PowerBooks und auf mangelnde Nachfrage in den U.S.A. bei Performas zurück.
Unter Bezug auf diese Meldungen hat ein Analytiker von Oppenheimer & Co. dem Wall Street Journal gegenüber gesagt, dem Betriebssystem von Apple sei "die Luft ausgegangen" und die Kunden zögen Windows dem Mac vor, weil es mehr Windows-Software gäbe; außerdem verliere Apple auch schon Boden im Bildungssektor (ohne irgendeine dieser Behauptungen zu belegen).
International Data Corporation (IDC) hat Schätzungen zu den ausgelieferten Stückzahlen an Betriebssystemen für 1996 veröffentlicht. IDC betonte, Windows 95 sei hinter den Prognosen zurückgeblieben; "viele Benutzer in Großfirmen steigen noch nicht auf die neuen Systeme um" (gemeint sind Windows 95 und Windows NT). Die Zuwächse waren zweifellos spektakulär - Windows 95 hatte unter den 1996 abgesetzten Betriebssystemen nach Stück einen Anteil von 63 Prozent, aber das waren immer noch 9,3 Prozentpunkte weniger als prognostiziert. Windows NT wuchs um 303 Prozent, um 32 Prozentpunkte weniger als erwartet. Die "Marktbeobachtungen" von IDC gingen dahin, daß "Apple-Clones sich erst noch in höhere Marktanteile umsetzen müssen" und Apple selbst "müsse ein voll multitaskingfähiges System auf den Markt bringen, das mit dem derzeitigen OS kompatibel ist und die technologische Führung zurückgewinnen hilft. Die kürzlich erfolgte Ankündigung der Übernahme von NeXT ist da nicht genug".
<http://www.idcresearch.com/HNR/pcopso.htm>
Wie schlecht waren die Verkäufe auf der Mac-Plattform wirklich? Sie nahmen in Stück von 6,8 auf 6,6 Prozent ab - im Vergleich dazu hat OS/2 im selben Zeitraum beinahe die Hälfte seines Marktanteils verloren.
Der Marktanteil des Mac-Betriebssystems -- Ein Teil des Problems besteht in nicht eindeutigen Definitionen. Die meisten der düsteren Berichte über abnehmende Marktanteile beziehen sich auf Apple als Firma; seit 1995 ist das aber nicht mehr die Bezugsgröße für den gesamten Mac-Markt, weil inzwischen ja noch andere Anbieter Computer mit dem Mac-Betriebssystem verkaufen. Da es sich dabei um eine Erscheinung aus jüngster Zeit handelt, geht die Tendenz dahin, die Marktanteile von Apple Macintosh und von Computern der Mac-Plattform als dasselbe anzusehen - was nicht stimmt.
Für diejenigen, die es nicht wissen: Der Marktanteil ist der Prozentsatz aller Verkäufe neuer Artikel einer bestimmten Kategorie, der einer Firma zuzurechnen ist. Um genau zu sein, müßte man den Marktanteil auch auf einen Zeitraum beziehen, aber es ist üblich, ihn als Schätzung zum jeweils gegenwärtigen Zeitpunkt aufzufassen, also den Anteil, den die Verkaufszahlen einer Firma an den gesamten abgesetzten Stückzahlen im Moment haben. Der Bericht von IDC besagt, daß 6,6 Prozent aller Verkäufe von Personal-Computern im Jahr 1996 auf solche mit dem Mac-Betriebssystem entfallen, wogegen dieser Wert 1995 bei 6,8 Prozent gelegen ist. Bemerkenswert dabei ist, daß diese Zahl keine Upgrades berücksichtigt, sondern nur neue Lizenzen des Mac OS an neue Käufer. Dies ist also eine Methode, den Anteil der Hardware, die das Mac-System fahren kann, in Relation zum Gesamtmarkt zu messen.
Zwei Zehntel eines Prozentpunkts ist kein starker Rückgang - in den Zahlen von IDC handelt es sich um ein Minus von 150.000 Einheiten bei einem gesamten Volumen von 5 Millionen Stück. Im Jahre 1995, sagt IDC, sind 4,5 Millionen Mac-System-Lizenzen verkauft worden - wie können da 5 Millionen eine Abnahme sein? Die Antwort: Der Markt der Betriebssysteme wächst. Die Verkäufe für Mac OS sind auch angewachsen, aber nicht so stark wie der Gesamtmarkt. Um den Anteil des Jahres davor zu halten, hätten 5,15 Millionen Lizenzen des Mac OS verkauft werden müssen. Das war nicht der Fall, daher also der Rückgang bei einem wachsenden Gesamtmarkt.
Unter der Voraussetzung, daß die statistische Unschärfe von IDC im Bereich von 0,2 Prozentpunkten liegt (wovon wir einmal ausgehen; sie könnte auch höher liegen), haben die Verkäufe für das Mac OS im Jahr 1996 stagniert. Die Presseberichte (und Apple Computer selbst) reden aber immer von Rückgängen, nicht von stagnierenden Verkaufszahlen oder solchen mit langsamerem Wachstum.
Täterätää: Die Clones kommen -- Die Hersteller von Mac-Clones sind für einiges an Zuwächsen verantwortlich (aber wahrscheinlich auch für Verkaufsrückgänge, die Apple zu verzeichnen hat). Ein Bericht von NEWS.COM hat die vier großen Clone-Anbieter untersucht - Daystar Digital, Motorola, Power Computing und UMAX -, um deren Position im Markt zu klären. Laut NEWS.COM schätzt Dataquest, der Konkurrent von IDC, die Mac-Clones auf 8,5 Prozent des U.S.-Marktes im 3. Quartal 1996.
<http://www.news.com/SpecialFeatures/0,5,6931,00.html>
Die Zahl von Dataquest gilt nicht für das gesamte Jahr, aber sie macht die Sache spannender. Wenn Apples Marktanteil in den U.S.A. im 4. Quartal bei 7,3 Prozent liegt (wie eine Quelle schätzt), dann lassen andere Verkäufe der Mac-Plattform den gesamten Marktanteil der Mac-Plattform auf 7,9 Prozent ansteigen. Das ist immer noch viel weniger als die 13,5 Prozent, die Apple im Jahr davor hatte, aber im derzeitigen Medienklima kann man es niemandem verdenken, der keinen Mac kaufen will. Der gesamte Marktanteil liegt wahrscheinlich über 7,9 Prozent - schließlich habe ich die Clone-Zahlen des 3. Quartals den Apple-Werten des 4. Quartals hinzugefügt. Die Clone-Verkäufe waren vermutlich im 4. Quartal höer - nicht zuletzt wegen der Lieferbarkeit neuer Modelle von Motorola (und APS), die anscheinend nicht auf Kosten der anderen Verkäufe für Mac-Systeme gehen.
Von Motorola ist bekannt, daß in den ersten acht Produktionswochen mindestens 40.000 StarMax-Clones ausgeliefert wurden. Ein Motorola-Verantwortlicher sagte gegenüber NEWS.COM, seine Firma "vermute", daß ein Viertel der Käufer zum ersten Mal ein Gerät der Mac-Plattform gekauft haben. Motorola ist im Einzelhandel bisher nicht vertreten und scheint nicht die Kapazitäten für die Stückzahlen zu haben, die von einem Vertrieb über die Einzelhandelskanäle verursacht werden könnten.
UMAX hat andererseits im zweiten Halbjahr 1996 etwa 100.000 Stück ausgeliefert; Zahlen für Power Computing liegen nicht vor, könnten aber laut Tim Bajarin über 500.000 Stück für 1996 liegen. Die Zahlen von DayStar sind viel kleiner, um die 3.000 Stück, aber dabei handelt es sich um Geräte der obersten Leistungsklasse mit stattlicher Gewinnspanne - die Maschine mit vier 604e-Prozessoren ist für einen speziellen Markt bestimmt, besonders für 10.000 US$ pro Stück.
[Anmerkung: Apple hat kürzlich weitere Informatonen über Clone-Stückzahlen veröffentlicht; dabei sind für Power Computing mehr als 100.000 Einheiten im ersten Jahr angegeben. -Adam]
<http://www.devworld.apple.com/devnews/devnews012797.html>
UMAX und Motorola glauben, bis zum Jahr 2000 je 10 Prozent vom Mac-OS-Markt erreichen zu können. Das ist auch für Apple günstig - freilich nur, wenn dies durch eine Ausweitung des gesamten Volumens für Mac-Systeme geschieht. Besonders UMAX hat sich darauf festgelegt; mit einer Mutterfirma in Taiwan sollten die Märkte Asiens leichter für die Mac-Technologie zu erschließen sein. Die Ausgangsposition für UMAX ist jedenfalls gut. Die Firma hat NEWS.COM gegenüber erklärt, die Mac-OS-Verkäufe in Taiwan sollten um 300 Prozent gesteigert werden, in anderen Teilen Südostasiens und Chinas sogar noch mehr. Das ist es, was in Apples Ohren wohl klingt; wenn auch die anderen Clone-Hersteller ähnliche Zuwächse erzielen, hat sich das Warten in den frühen Jahren der Lizenzvergabe schon gelohnt, in denen die Absätze der Clones an Apples eigenem Marktanteil gezehrt haben.
Was bedeutet das alles? -- Was aber noch keine Marktforschungsfirma veröffentlicht hat, sind laufende Studien zum Marktanteil des Mac-Betriebssystems im Unterschied zum Marktanteil von Apple Computer. Wenn die Verkäufe von Betriebssystem-Lizenzen als Richtschnur dienen, dann weisen die Zahlen von IDC beinahe keine Veränderung zwischen 1995 und 1996 aus - im Kontrast zu dem Negativen, das Apple seit Monaten von den Medien und im Vertrauen der Kunden einstecken muß. Eine wichtige Erkenntnis - IDC sagt zwar, die "Mac-Clones müssen den Marktanteil erst noch erhöhen", aber wenn ich bedenke, daß jeder von einem fallenden Marktanteil der Plattform ausgeht, ist das ja doch nicht schlecht.
Es ist auch wichtig zu beachten, daß der Markt für Nicht-Mac-Betriebssysteme nicht einheitlich ist. Laut Computer Industry Almanac, Nr. 8, waren im 3. Quartal 1996 etwa 25 Millionen Macintosh-Geräte (Apple spricht von 26 Millionen) in Betrieb, es gab etwa 180 Millionen DOS-Nutzer, 130 Millionen User von Windows 3.x und zusammen 53 Millionen von Windows 95 und NT. Jedes dieser Systeme hat ein eigenes Programmier-Interface, da sich von den anderen ein wenig unterscheidet - Code, der für Windows 3.x geschrieben ist, läuft zwar in einer Art Emulation auf NT, aber umgekehrt geht gar nichts. Wenn an den Plänen Apples, Rhapsody auch für Nicht-PowerPC-Hardware herauszubringen, etwas dran ist, könnten die Entwickler unter Umständen über einen einfachen Weg verfügen, ein Programm für die Mac-Plattform zu schreiben und dieses gleichzeitig für all die neueren Windows-Maschinen anbieten zu können. Das könnte zweifellos mehr Entwickler für die Mac-Plattform gewinnen und mehr Mac-OS-Software hieße - nach der Theorie von IDC - mehr verkaufte Hardware.
Es ist klar, daß Apple diese Dinge erst ins Werk setzen muß - ohne ein gutes Mac-OS, für das Lizenzen vergeben werden können, werden die Verkaufszahlen der Clones am Ende abnehmen, egal, wie knallhart die Preise kalkuliert sind. Die einzelnen Clone-Hersteller sind derzeit zu klein, um auf dem Radarschirm der Marktforschung aufzuscheinen; also haben die Berichte in der Presse die Tendenz, sich auf Apple zu konzentrieren. Und doch sind die Clone-Anbieter schon präsent (Power Computing konnte im ersten vollen Quartal schon einen Gewinn erzielen); das zeigt sich auch in Verkaufsziffern, auch wenn wir manchmal etwas nachgraben müssen, um die nicht so schlechten Neuigkeiten zu finden.
[Dieser Artikel wird in überarbeiteter Fassung mit Erlaubnis von MDJ, einer täglichen Mac-Publikation, veröffentlicht. MDJ berichtet über Neues, Produkte und Ereignisse in der Mac-Welt. Ein Probe-Abo ist verfügbar; TidBITS-Leser können auch für kurze Zeit zu einem speziellen Preis von 11,95 US$ pro Monat MDJ abonnieren (20% Rabatt). Informationen auf der Web-Site von MDJ.] <http://www.gcsf.com/tidbits.html>
von Jeff Carlson <jeffc@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Nach dem Erscheinen des Beitrages "Eindrücke eines Macworld-Neulings" in TidBITS-362 - meines ersten Artikels für die TidBITS - wurde ich von Leserkommentaren und Willkommensgrüßen aus aller Welt geradezu überflutet.
Insbesondere haben einige Leser meinen Rat, auf einer Messe nicht alles mitzunehmen, was kostenlos zu haben ist, kommentiert; andere bezogen sich auf die "realitätsverzerrende" Ausstrahlung von Steve Jobs.
Suzanne Courteau <suzanne_courteau@macworld.com> schreibt:
Vor allem ließ ich meine Pressetasche im Büro. In der Jackentasche hatte ich Stifte und Visitenkarten; immer wenn ich ein interessantes Produkt entdeckte, schrieb ich eine kurze Notiz auf eine Karte und gab sie dem zuständigen Produkt- oder PR-Menschen mit der Bitte, mir Informationen oder ein Muster ins Büro zu senden. Auf diese Weise bekam ich alles, was ich wollte und weder mein Rücken noch meine Füße hatten zu leiden.
Adam L. Pollock <alp@umich.edu> nähert sich der Sache auf mühsamem Weg:
Mein Ziel war es, jeden Kugelschreiber, jede CD, jede Diskette mitzunehmen. Ich habe auch T-Shirts gesammelt - gegen Ende der Expo hatte ich zwölf Stück ergattert!
Jack C. Kobzeff <jack.c.kobzeff@jpl.nasa.gov> hat festgestellt:
Mir scheint, daß die durch Jobs verursachte Verzerrung der Wahrnehmung dieses Mal nur mit halber Kraft gelaufen ist. Ich kenne die Wirkung schon aus den frühen Tagen des Mac und aus der Anfangszeit von NeXT; damals hätte Steve auch Schnee an Eskimos verkaufen können. Bei den NeXT-Vorführungen war er in der Lage, Manager in Anzug und Krawatte mit einer Kiste in Aufregung zu versetzen, die weder mit Diskettenlaufwerk noch mit Anwenderprogrammen gesegnet war. Diesmal - vielleicht ist er nur älter, vielleicht auch zu reich oder er ist nicht mit ganzem Herzen dabei - konnte er sein früheres Niveau an Realitätsverzerrung nicht erreichen. Der Effekt war zweifellos da, aber nicht so stark wie früher.
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Kürzlich [am 27.1.97, --HG] hat Apple mit der Auslieferung von Mac OS 7.6 begonnen, einer umfassenden Betriebssystemversion, die neue Eigenschaften aufweist, die eine beeindruckende Reihe von nicht sichtbaren Änderungen und eine Sammlung von Apple-Technologien bringt, die bislang umsonst zu haben waren. Mac OS 7.6 ist nicht kostenlos und auch nicht als Download erhältlich. Bei mehr als 120 MB auf der CD-ROM ist das auch verständlich.
<http://www.macos.apple.com/macos/releases.html>
Mit Mac OS 7.6 steht die lang erwartete Basis für eine System-Software zur Verfügung. Vor 7.6 bedeutete es einen ziemlichen Aufwand, die aktuelle Mac-OS-Version zu installieren, da 2 oder 3 Installationsvorgänge und zusätzlich separate Installationen für Technologien wie OpenDoc und Open Transport nötig waren. Mit Mac OS 7.6 entfallen viele dieser Schritte und die Fragen wegen der unterschiedlichen 7.5 Bestandteile. Nicht zuletzt: Apple hat sein Versprechen wahr gemacht und das Mac OS Update im Januar 1997 ausgeliefert.
Auf der anderen Seite muß man feststellen, daß die Begeisterung wegen Mac OS 7.6 eher verhalten ist, im wesentlichen deshalb, weil keine von den tollen Eigenschaften enthalten sind, die Apple schon seit Jahren verspricht. Es gibt keinen multi-threaded, PowerPC-nativen Finder, keine schnelle Volltext-Suchmaschine, keine aktive Hilfe, vom sagenhaften Appearance Manager und von integrierter Java-Unterstützung keine Spur. Das sind alles Kandidaten für Tempo, das nächste - für Juli 1997 geplante - Update.
Die Installation von Mac OS 7.6 -- Eine der Neuerungen von Mac OS 7.6 ist Install Mac OS, ein übergeordnetes Installationsprogramm sowohl für die wichtigsten Systembestandteile als auch für Zusätze wie OpenDoc, CyberDog und QuickDraw GX. Install Mac OS ist als ein neues Installationsprogramm angekündigt worden, es handelt sich aber in Wirklichkeit um eine Shell, die die Installationsroutinen der einzelnen Komponenten kontrolliert. Dankenwerterweise fordert Install Mac OS den Anwender dazu auf, den Festplattentreiber zu aktualisieren, wenn Software installiert wird (ein bekanntes Problem, das Apple bisher nur in den ReadMe-Dateien angesprochen hat; die werden vom Nutzer meist erst dann gelesen, wenn die Probleme schon vorliegen) und startet von sich aus Disk First Aid, bevor es versucht, irgendwelche Systemsoftware zu starten. Mit Install Mac OS kann der Anwender auch einen völlig neuen Systemordner anlegen oder ein vorhandenes System aktualisieren, eine bislang versteckte Funktion.
Install Mac OS kann aber auch verwirrend sein. Wenn Sie angegeben haben, was installiert werden soll, dann erfolgt als nächstes der Start der Installer im bisherigen Sinn für Komponenten, die dann nochmal wissen wollen, was sie tun sollen. Wenn Sie also Mac OS 7.6, OpenDoc und QuickDraw 3D einrichten wollen, bekommen Sie der Reihe nach den Installer von Mac OS 7.6, den OpenDoc-Installer und schließlich den QuickDraw-3D-Installer zu sehen. Wenn Sie beim zweiten Installationsprogramm angelangt sind, dann kann es passieren, daß Sie vergessen haben, wie Sie dorthin gekommen sind oder was der nächste Schritt ist.
Apple hat auch die einzelnen Installer geändert; besonders sei hier auf Custom Install bei Mac OS 7.6 hingewiesen, mit dessen Hilfe man jetzt Komponenten nach Funktionen zusammenfassen kann (z.B. Mobilität, Multimedia oder Hilfe). Zusätzlich gibt es Gruppen für Kontrollfelder und Systemerweiterungen. Leider bedeutet das auch, daß einzelne Einheiten (wie PC Exchange) in mehr als einer Abteilung auftauchen, wobei die Auswahl in einer Kategorie keinen Einfluß auf andere Kategorien hat, was zu Unsicherheiten darüber führen kann, was wirklich installiert wird.
Was gehört dazu? -- Außer den Kernbestandteilen der Systemsoftware enthält Mac OS 7.6 noch QuickTime 2.5, OpenDoc 1.1.2, Cyberdog 1.2.1, QuickDraw 3D 1.0.6, QuickDraw GX 1.1.5, MacLink Plus 8.1 (von DataViz), Open Transport 1.1.1, Open Transport/PPP 1.0, Remote Access Client 2.1 und Version 1.2 des Apple Internet Connection Kit.
Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, daß Mac OS 7.6 weder QuickDraw 3D 1.5 noch Open Transport 1.1.2 enthält. Der Grund? Er liegt in der Koordination: die Zusammenführung von mehr als 100 MB Material aus Dutzenden Produktgruppen bei Apple ist keine einfache Angelegenheit. Apple hat wahrscheinlich knallharte Abgabetermine für die Produktgruppen vorgegeben, um die termingerechte Verfügbarkeit von Mac OS 7.6 sicherzustellen. Das gehört zur Apple-Politik der schrittweisen Updates, bei der individuelle Technologien wie CyberDog, Open Transport und Quicktime zwischen den Veröffentlichungen großer Systemupdates für die Nutzer angepaßt werden, die auf die jeweils neueste Fassung angewiesen sind.
Wer mit der Entwicklung der Apple-Technologien Schritt halten will, kann hier aber Probleme bekommen. Wenn Sie bereits Open Transport 1.1.2 auf Ihrem Rechner installiert haben, dann wird der Mac OS 7.6 Installer (mehrfach) meckern, daß Sie dabei sind, eine neue Open Transport Version zu überschreiben. Wenn Sie die Version 1.1.2 weiter benutzen wollen, müssen Sie diese nach der Installation von Mac OS 7.6 erneut installieren. Herkömmliche Netzwerkarbeit wird von Mac OS 7.6 nicht unterstützt, Sie müssen also Open Transport einsetzen. Diese Probleme betreffen zwar in erster Linie solche Anwender, die die Situation aufgrund ihrer Kenntnisse einzuschätzen wissen - Power User, Programmierer und echte Mac-Freunde - das alles wird aber für Apple nicht viele neugewonnene Freunde bedeuten.
Was ist neu? -- Neben dem neuen Installer enthält Mac OS 7.6 auch den Extension Manager 4.0 mit deutlichen Verbesserungen gegenüber früheren Versionen. Die Anwender können damit nicht nur die Systemerweiterungen und Kontrollfelder steuern, der Extension Manager 4.0 enthält jetzt auch ein moderneres Interface (mit Sortierfunktion) mit der Möglichkeit, die Erweiterungen als Flat Set, nach Ordnern oder als Paket zu sehen. Letzteres ist besonders nützlich, weil es die User in die Lage versetzt, alle zusammengehörenden Bestandteile eines komplexen Sets wie in Now Utilities oder unter OpenDoc an- oder abzustellen. Softwareanbieter müssen möglicherweise ihre Systemerweiterungen auf den neuesten Stand bringen, damit erkennbar wird, zu welchem Paket sie gehören. Erstaunlich viele Systemkomponenten enthalten diese Information übrigens schon. Mit dem Extension Manager 4.0 lassen sich nicht - wie beim Conflict Catcher von Casady & Greene - Konflikte bei Systemerweiterungen erkennen, Sie können damit aber eine detaillierte Konfigurationsliste Ihrer Erweiterungen erstellen.
Mac OS 7.6 enthält einige neue Hilfsmittel, wie z.B. Desktop Printing 2.0.2, mit dem man Desktop-Printer von der Oberfläche in Ordner bewegen kann. Mit einem neuen Kontrolleistenmodul und innerhalb der Print-Dialogbox kann man zwischen den Desktop-Druckern wechseln (ich bin mir aber nicht sicher, ob man für letzteres nicht LaserWriter 8.4 benötigt). Im Kontrollfeld "Sprache" ist eine Funktion namens Talking Alerts versteckt, mit deren Hilfe "Text-to-Speech"-Software Bildschirmmeldungen (nach einer einstellbaren Zeit) vorlesen können - möglicherweise eine komfortable Hilfe für Sehbehinderte oder für solche, die darauf angewiesen sind, daß ihr Mac ihnen quer durch den Raum etwas zurufen kann. Leider funktioniert Talking Alerts nur mit vorgegebenen Warnhinweisen.
Die klassische FKEY-Variante für Snapshots von Ihrem Mac-Bildschirm wurde auch auf den neuesten Stand gebracht. Mit Command-Shift-4 können Sie keine Bildschirmfotos mehr zum Drucker schicken: mit Hilfe dieser Kombination können Sie jetzt Teile des Bildschirmes als Datei speichern. Bei gedrückter Feststelltaste ändert sich der Cursor übrigens in ein Fadenkreuz. Jetzt können Sie ein Bildschirmfoto von so ziemlich jedem anklickbaren Fenster erstellen. Mit Command-Shift-3 erhalten Sie auch in Zukunft ein Bild des gesamten Bildschirms. Wenn Sie aber (und das gilt für beide Tastenkombinationen) die Control-Taste betätigen, dann landet dieses Bild in der Zwischenablage anstatt auf der Oberfläche Ihres Startlaufwerks. Diese Eigenschaften verblassen zwar etwas gegenüber Screenshot-Utilities wie der bewährten Shareware Flash-It von Nobu Toge, aber sie werden auf jeden Fall für technische Autoren ein wahrer Segen sein.
<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/gst/grf/flash-it-302.hqx>
Mac OS 7.6 enthält auch einige Neuerungen auf unterster Ebene. PowerPC- und 68040-Macs unterstützen jetzt Volumegrößen (Plattenspeicher) bis zu 2 Terabyte; viele frühere Updates und Systemerweiterungen wurden in den Systemfile integriert, Apple Events können nun mehr als 64K an Daten verarbeiten und insgesamt konnte die Stabilität des Systems deutlich verbessert werden. Zwei Änderungen bei der Speicherverwaltung verdienen besondere Erwähnung: 24-Bit-Rechner (Mac II, IIx, SE/30 und IIcx), die bisher Connectix' MODE32 eingesetzt haben, werden von Mac OS 7.6 nicht unterstützt. Ähnliches gilt für Rechner mit 68000- oder 68020-Prozessoren, wie z.B. Mac Plus, SE, Classic, Portable, LC und PowerBook 100. Außerdem können PowerPC-Macs unter Mac OS 7.6 nur den Modern Memory Manager verwenden, da es für den alten 68K-Memory-Manager keine Unterstützung mehr gibt.
Die Anwender werden feststellen, daß Hinweise auf "Macintosh" durch solche auf "Mac OS" ersetzt wurden, und daß das vertraute "Über diesen Macintosh" im Finder nun "Über diesen Computer" lautet. Auch die beliebte "Willkommen bei Macintosh"-Anzeige, die nach jedem Neustart erscheint, entfällt jetzt zugunsten eines moderneren (und weniger firmenspezifischen) Mac-OS-Logos.
Was fehlt? -- Mac OS Runtime for Java (MRJ) ist in Mac OS 7.6 nicht enthalten, obwohl Apple dies für den Zweijahres-Updateplan versprochen hat. MRJ 1.0 für PowerPC ist gerade fertig geworden; eine 68K-Version soll in Kürze folgen.
<http://www.applejava.apple.com/>
PowerTalk, Apples bahnbrechende, jetzt aber eingestellte Email- und Workgroup-Software, wird von Mac OS 7.6 nicht mehr unterstützt. Wenn Sie diese Funktion benötigen, dann bleibt Ihnen nicht anderes übrig, als bei Ihrer derzeitigen Systemsoftware zu bleiben. Programmierer und Power-User sollten auch bedenken, daß Mac OS 7.6 MacsBug 6.5.4 voraussetzt, das aber zur Zeit noch nicht allgemein verfügbar ist.
Das wichtigste fehlende Element bei Mac OS 7.6 ist die Unterstützung von CFM-68K. Diese Erweiterung wird auf 68K-Macs für den Betrieb einiger Applikationen benötigt, z.B. für OpenDoc, Cyberdog, LaserWriter 8.4, Apple Media Tool, AOL 3.0 und Internet Explorer 3.0. Apple hat vor kurzem einen ernsten Fehler in CFM-68K entdeckt und empfiehlt Besitzern von 68K-Macs, diese Erweiterung nicht mehr zu benutzen (s. TidBITS-356). Mac OS 7.6 nimmt damit auch risikofreudigen Nutzern die Möglichkeit, Software einzusetzen, die auf CFM-68K angewiesen ist. Glücklicherweise gibt es für Entwickler Möglichkeiten, CFM-68K unter Mac OS 7.6 zu testen, dafür wird es demnächst einen Patch geben (Apple testet zur Zeit zwei mögliche Lösungen).
Verfügbarkeit -- Mac OS 7.6 kann man direkt bei Claris erwerben und es sollte bald in allen bekannten Vertriebskanälen (z.B. über Mailorder oder Online-Vertrieb) verfügbar sein. Bei Claris wird Mac OS 7.6 auf CD-ROM 99 US$ und als Disketten-Fassung 129 $ kosten. Wenn Sie den Kauf von System 7.5 nachweisen können (als Einzelkauf oder zusammen mit einem Computer), dann können Sie für 69 $ oder 99 $ (Floppies) upgraden. Wenn Sie vor kurzem einen Mac ohne 7.6 gekauft haben, dann sind Sie zu einem Upgrade um 24 US$ über Apples "Mac OS Up-To-Date"-Programm berechtigt (Einzelheiten gibt es bei dem u.a. URL). Die angegebenen Preise enthalten noch keinen Versand, Steuern und Handling: ein typisches Upgrade von Claris (69 $ fŸr die CD-ROM) wird also bei mindestens 80 $ liegen.
<http://www.macos.apple.com/macos/releases/fulfillment.html>
Über lokalisierte Versionen von Mac OS 7.6 liegen uns z.Zt. noch keine Informationen vor.
Sollen Sie Mac OS 7.6 kaufen? -- Mac OS 7.6 wäre mit einem niedrigeren Preis attraktiver - Apple wäre gut beraten, die Discount-Preisstruktur zu überarbeiten (oder möglicherweise ein Abonnement für Private einzuführen). Wenn Sie einen Power Macintosh besitzen und Wert darauf legen, immer die neuesten Applikationen einzusetzen, dann könnte sich Mac OS 7.6 auszahlen. Wenn Sie aber mit Ihrer derzeitigen Konfiguration zufrieden sind oder wenn Sie einen 68K-Mac besitzen, dann ist Mac OS 7.6 weniger zwingend nötig, und Sie sollten auf Tempo warten, das für Juli geplant ist. Wenn Sie aber ein Labor oder ein ganzes Set von Macs versorgen müssen, dann dürfte der umfassende Installer des neuen Systems Ihnen helfen, Zeit zu sparen.
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD],
Matt Neuburg [MN].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].
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