Text ist nicht tot, keineswegs - in dieser Ausgabe befassen wir uns mit Palimpsest, einem Programm zum Handhaben großer Mengen Text, mit CopyPaste, einem Utility mit vielfachen Zwischenablagen und mit Natural Order, einer Erweiterung zum Sortieren von Text und Dateinamen in einer für Menschen nachvollziehbaren Ordnung. Leser teilen ihre Ansichten über die letzten Neuerscheinungen bei den HTML-Editoren mit, Speed Doubler wurde an System 7.6 angepaßt, Be stellt die Fertigung der BeBox ein und Apple kündigt organisatorische Änderungen, Preissenkungen und einen Kernel für Rhapsody an.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#364/03-Feb-97.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-364.html>
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-364.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-364.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-364.etx>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Apple senkt die Preise -- In der letzten Woche gab Apple bekannt, daß die Preise für eine ganze Reihe von Macs bis zu 27% gesenkt worden seien. Die größten Einschnitte gab es dabei offensichtlich in der Mittel- und Oberklasse der Power-Macintosh-Desktopreihe mit Nachlässen um bis zu 1000 US$ für 8500er und 9500er PowerMacs. Die Oberklasse der Performa 6400-Serie wurde 15-18% billiger, für Apples Workgroup Server 7250 und 8550 sind jetzt 7-13% weniger zu bezahlen. Apple versucht ganz offensichtlich, die Verkäufe nach einer eher verhaltenen Weihnachtssaison noch einmal ordentlich in Schwung zu bringen, um Lagerbestände abzubauen und Platz zu schaffen für die neuen Modelle, die Ende des Monats angekündigt werden sollen. [GD]
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1997/q2/970131.pr.rel.price.html>
Entlassungen und Umorganisation bei Apple -- Seit der letzten Entlassungwelle und den jüngsten Umorganisationen bei Apple ist gerade mal ein Jahr vergangen, trotzdem werden demnächst Ankündigungen weiterer Veränderungen bei Apple erwartet, um die Organisation schlagkräftiger zu machen und um die Kosten um 25% zu kappen. Es gibt Hinweise darauf, daß Apple künftig drei Kernbereiche haben soll (Publishing, Erziehung und Internet). Einige der Schlüsselbereiche (dazu gehören Pippin und möglicherweise die Newton-Abteilung) werden wohl verkauft, außerdem sollen 2000-3000 Angestellte in diesem Jahr entlassen werden. Im Januar hat Apple Umstrukturierungspläne angekündigt, die die Kosten um etwa 400 Millionen $ beschneiden sollen. Nachdem die Firma im letzten Jahr um die 900 Millionen $ Verlust gemacht hat, gehen Analytiker davon aus, daß Apple nur über eine Senkung der Betriebskosten wieder profitabel werden kann. Bandai hat angekündigt, die Pippin-Plattform weiterzuentwickeln und sie 1997 auf neuen Märkten anzubieten. [GD]
Mach-Geschwindigkeit -- In einem Schreiben an Softwareentwickler hat Ellen Hancock, Apples Chief Technology Officer, angekündigt, daß entschieden wurde, den Mach-Kernel als Basis für Rhapsody zu verwenden. Weitere Einzelheiten dazu, z.B. welche Mach-Version verwendet werden soll, gab es nicht. OpenStep ist auf den Mach-3-Kernel ausgerichtet, NeXTstep dagegen auf die Version 2.5. Die Wahl ist wohl deshalb auf Mach gefallen, um Rhapsody schneller zur Marktreife bringen zu können.
Der Mach-Kernel wurde ursprünglich an der Carnegie-Mellon-Universität entwickelt und wird z.Zt. in vielen Umgebungen eingesetzt, so z.B. bei AIX von IBM, bei Apples MkLinux und bei MachTen von Tenon Systems, einer Unix-Umgebung für den Mac. Zwar basieren die meisten Betriebssysteme mit Mach auf Unix, aber das heißt noch nicht zwangsläufig, daß Rhapsody auf Unix aufbauen wird. [GD]
<http://www.mklinux.apple.com/>
<http://www.tenon.com/>
Hemmschwellen für Anwender von Speed Doubler -- Connectix hat Probleme entdeckt, die beim Betrieb von Speed Doubler mit Find File unter dem neuen Mac OS 7.6 möglicherweise ernsthafte Folgen haben können. Die Skala reicht dabei von harmlosen Fehlern (Find File zeigt keine Informationen an) bis zu furchterregenden Bugs (Fehler im Disk Katalog). Kürzlich hat Connectix den Speed Doubler 2.0.1 Updater herausgebracht, der diese Probleme bei Nutzern der Version 2.0 beseitigt. Anwender der Version 1.x werden in der nächsten Zeit die Möglichkeit bekommen, auf 1.3.2 upzudaten. Möglicherweise hat Connectix diesen Updater im Internet auch schon bereitgestellt. Bei beiden handelt es sich um U.S.-Versionen, lokalisierte Updates sollen Connectix zufolge bald verfügbar sein. [TJE]
Connectix -- 415/571-5100 -- 415/571-5195 (fax) --
<info@connectix.com>
<http://www.connectix.com/connect/upda.spee.html>
Schluß mit Be-Hardware -- Be, Liebling der Computerbranche, kündigte letzte Woche an, die Hardwareherstellung ("BeBox") einzustellen und sich künftig nur noch darauf zu konzentrieren, ein Be-Betriebssystem für PowerPC-basierte Macintosh zu entwickeln. Be weist (zu Recht) darauf hin, daß es für eine 50-Personen-Firma schwierig sei, sowohl Hardware als auch ein Betriebssystem zu entwerfen und daß der größte Teil ihrer Zielgruppe und ihres Entwicklermarktes ohnehin Power-Mac-Hardware einsetzten. Be verspricht, die heute eingesetzten BeBoxes mindestens noch für die nächsten drei Jahre zu unterstützen. [GD]
<http://www.be.com/developers/hardwareplans.html>
Update für QuickMail Pro -- CE Software hat kürzlich QuickMail Pro 1.0.1 angekündigt, eine Version, die verschiedene Fehler korrigiert und einige Eigenschaften des POP3 Email Client verbessert, der von der selben Firma stammt. Macintosh-Anwender können sich dieses Update auf ihrer Web Site besorgen, für Windows soll es laut CE noch im Februar eine Ergänzung geben. [MHA]
<http://www.cesoft.com/quickmail/qmpupdate.html>
Rev jetzt online verfügbar -- Die Leute von 6prime haben uns mitgeteilt, daß sie mit Rev-Bestellungen zugeschüttet würden, nachdem ich dieses ausgezeichnete Revisionskontroll-Programm in TidBITS-362 besprochen hatte. Um mit den Massen besser fertigzuwerden, haben sie jetzt ein Bestellformular vorbereitet, das unter der unten angegebenen URL zu finden ist. Der Preis bleibt bei 49,95 $. Für Versand, Handling (und einen Bonus-Kaffeebecher) an US- und kanadische Adressen werden 4 $ berechnet; wenn Sie aber keinen Wert auf eine Diskette oder einen Becher legen oder wenn Sie außerhalb der U.S.A. oder Kanadas wohnen, dann können Sie die 4 Dollar sparen und per Email beliefert werden. [ACE]
<http://www.6prime.com/rev/revorder.html>
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
In TidBITS-362 habe ich über neue HTML-Editoren geschrieben, die mittels Tables oder Java das freie Plazieren von Objekten auf einer Web-Seite gestatten. Etliche Leser haben den Artikel kommentiert, besonders im Hinblick auf Probleme, die aus eine derartigen Vorgangsweise entstehen können. Andere machen sich Gedanken Ÿber diese Tendenzen insgesamt.
Bill Seitz <seitz@mail.medscape.com> merkt an:
Viele Web-Seiten sehen für mich blöd aus, weil ich den Zeichensatz in meinem Browser auf Palatino 12 statt der winzigen und schwer lesbaren Times 10 setze. Aufeinander bezogene ("cascading") Style Sheets bieten auch mehr Kontrolle bei der Plazierung, ohne Tables verwenden zu müssen; dennoch geben sie dem Web-Gestalter mehr Kontrolle darüber, wie der User die Seite sieht. Manchmal denke ich, diese Leute sollten die ganze Seite als eine einzige riesige JPEG-Grafik aufbauen und es dabei bewenden lassen.
Brad Kemper <andrmahr@inreach.com> meldet sich ebenfalls:
Ich finde, freies Plazieren ist ein bedenklicher Trend - nicht wegen des Codes, der dabei herauskommt (damit will ich generell nichts zu tun haben), sondern weil Seiten mit fixer Breite nicht auf die spezifischen Bedürfnisse von Leuten eingehen, die Text am Bildschirm lesen. Seit den ersten Macs gibt es den automatischen Zeilenumbruch in Textfenstern; und jetzt sollen wir dank der HTML-Editoren, die Objekte pixelgenau plazieren können, diese Errungenschaft wieder verlieren? Vielleicht hat es damit zu tun, daß wir ein Seitenparadigma statt einer Fenster- oder Bildschirmsymbolik vor Augen haben; es ist jedenfalls ein mächtiger Schritt rückwärts. Wir sollten uns von den Spezialisten etwas sagen lassen, die Benutzeroberflächen für Programme entwerfen: Gutes Design für Bildschirmdarstellung unterscheidet sich stark von dem für Druck.
Sajid Martin <slmartin@cruzio.com> ist über die Geschwindigkeit besorgt:
Ein wesentlicher Nachteil bei der Verwendung von Tables beim Plazieren ist meiner Meinung nach die viel längere Aufbauzeit für die Seite; auch das Scrollen im Browser wird gebremst. Letztlich halte ich aber die Tendenz, das Schreiben von Code - auch in der Form von Skripts - überflüssig zu machen, für begrüßenswert.
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Mal eine dumme Frage: Werden die Ziffern zwischen 1 und 9 durch ein einziges Zeichen oder durch einen Zeichenstring angegeben? Oder, anders gesagt: wenn Sie die Zahl 1 in einem Filenamen verwenden, schreiben Sie dann immer eine Null davor? Aller Wahrscheinlichkeit nach werden einige Leute jetzt nicken und denken: "Natürlich tue ich das, sonst könnte man Files mit Zahlen im Namen ja gar nicht sortieren."
Mit TidBITS hatten wir früher genau dieses Problem. Ich war zwar schlau genug, den Einzelzahlen eine Null voranzustellen, um so zweistellige Zahlen daraus zu machen, aber ich hätte nicht zu träumen gewagt, daß TidBITS jemals die 100. Ausgabe erleben würde. Dann wäre nämlich eine Umbenennung der ersten 99 Ausgaben nötig gewesen, um mit Hilfe einer weiteren führenden Null eine dreistellige Zahl daraus zu machen. Sogar heute können wir uns kaum vorstellen, TidBITS noch so lange zu machen, bis wir vierstellige Zahlen benötigen (obwohl schon merkwürdigere Dinge passiert sind).
Falls Sie sich immer noch fragen, warum ich Ihnen das alles erzähle - hier ist ein Beispiel. Angenommen, Sie hätten eine eigene TidBITS-Sammlung, die Sie aus irgendeinem Grund mit sprechenderen Namen versehen möchten. Wenn Sie die ersten 12 Ausgaben im Finder betrachten, dann könnten Sie folgendes Problem bekommen:
TidBITS-1.html TidBITS-10.html TidBITS-11.html TidBITS-12.html TidBITS-2.html TidBITS-3.html TidBITS-4.html TidBITS-5.html TidBITS-6.html TidBITS-7.html TidBITS-8.html TidBITS-9.html
Das Problem ist offensichtlich - warum werden die Ausgaben 10, 11 und 12 vor der Ausgabe 2 sortiert? Es liegt am Durcheinander im Macintosh-System, das ist alles. Irgend jemand bei Apple hat in grauer Vorzeit verfügt, daß Sortierungen genau wie bei Unix, DOS und überall sonst passieren sollten: durch das Vergleichen von einem Zeichen nach dem anderen, anstatt die Tatsache zu berücksichtigen, daß Zahlen nicht wie Wörter in alphabetischer Reihenfolge angeordnet sind.
Jahrelang gab es nur die Möglichkeit, Ziffern durch das Voransetzen einer Null in gewohnter Reihenfolge zu sortieren. Mit zunehmender Stellenanzahl vermehrten sich auch die Nullen. Computer sollten sich der menschlichen Arbeits- und Denkweise anpassen - beim Sortieren von Zahlen ist es zur Zeit noch umgekehrt.
Bis jetzt jedenfalls. Stuart Cheshire <cheshire@cs.stanford.edu>, Verfasser des populären Netzwerk-Panzerspieles Bolo, hat eine kleine Freeware herausgebracht; Natural Order überspielt die Vorgehensweise des Systems beim Sortieren numerischer Teile in einem String. Ich wiederhole die Beispielliste von eben nicht noch einmal, aber nach der Installation von Natural Order (in den Ordner mit den Systemerweiterungen legen und neu starten) finden sich die Ausgaben 10, 11 und 12 an der vorgesehenen Stelle am Ende der Liste wieder.
Zu den Programmen, die unmittelbar von Natural Order profitieren, gehören der Finder (das "Sortieren nach Namen"-Fenster), Standard-File-Dialoge (in jedem Programm) und die Auswahl (beim Sortieren von Zonen, Servern usw.) Da Natural Order die eingebauten Systemroutinen für den Vergleich von Strings überschreibt, nutzt seine Funktion auch nur bei den Programmen, die eben diese Routine aufrufen. Es gibt eine Reihe von Programmen mit eigenen Sortiermechanismen, die mit Natural Order nichts anfangen können. Einige neuere Programme (wie Anarchie 2.0, Fetch 3.0.2 und spätere Versionen) enthalten die Sortierroutinen von Natural Order bereits und sortieren in vernünftiger Weise, ohne daß Natural Order selbst eingesetzt werden muß.
Stuart interessiert sich für Programme, die die Sortierroutinen von Natural Order noch nicht für sich nutzen können. Er möchte versuchen, die Programmierer davon zu überzeugen, ihre Anwendungen auf die systeminternen Vergleichsroutinen zurückgreifen und so von Natural Order profitieren zu lassen.
Wenn Sie sich also darüber ärgern, wie Ihr Mac beim Sortieren vorgeht, dann sollten Sie Natural Order ausprobieren. Es wird sich wahrscheinlich erst bei einem Ordner bemerkbar machen, der numerierte Files enthält.
<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/gui/natural-order-11.hqx>
<http://rescomp.stanford.edu/~cheshire/NaturalOrder.html>
von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Heute war ich einer der Situationen, wo ich mehrere Stücke Information von einer Applikation in die andere übertragen mußte. Ich war dabei, in Symantec Visual Page eine Web-Page zu erstellen, die aus Zitaten anderer Web-Seiten (in Netscape Navigator) besteht. Für jedes Zitat brauchte ich den Titel und den Verfasser (am Kopf der Seite), den Auszug selbst (aus dem Mittelteil) und die URL-Adresse (aus dem Location-Feld). Was glauben Sie, wie oft ich zwischen den Programmen hin- und herschalten mußte? Falsch! Pro Web-Page mußte ich nur einmal die Information im Navigator kopieren und in Visual Page einsetzen - die drei Stücke Information waren in drei separaten Zwischenablagen gespeichert.
Mitten in dieser Arbeit wurde mir erst bewußt, wie großartig diese Hilfe eigentlich ist - ich mußte die Web-Arbeit unterbrechen und diese Lobpreisung einer Erweiterung schreiben, die mir nicht nur drei, sondern zehn Zwischenablagen einräumt: CopyPaste 3.2.2.
Anfangs habe ich über CopyPaste die Nase gerümpft, weil ich darüber dasselbe dachte wie über drag & drop: "Seit Jahren kopiere ich und setze ein, immer ein Objekt nach dem anderen. Das war für mich immer gut genug." Frühe Versionen von CopyPaste waren auch mit Programmen instabil, die ich oft verwende. Die Kompatibilität von CopyPaste hat sich gebessert und ich benutze es inzwischen laufend.
Die Grundfunktion von CopyPaste ist einfach: Es stellt zehn programmunabhängige Zwischenablagen zur Verfügung, numeriert von 0 bis 9. Um die momentane Auswahl in die Zwischenablage 7 zu kopieren, drücken Sie Command-C-7 statt nur Command-C. Dieselbe Vorgangsweise gilt für Ausschneiden und Einsetzen, also für die Alternativen zu Command-X und Command-V. Sie können auch wahlweise ein Edit-Menü verwenden, mit dem CopyPaste Sie zu den zehn Zwischenablagen gelangen führt und dabei in einem kleinen Ausschnitt den Inhalt jeder einzelnen andeutet.
CopyPaste kann aber noch mehr. Die Zwischenablagen könne als Dateien abgelegt werden (einzeln oder alle vorhandenen in einer Datei); Sie können auch die Zwischenablagen beim Ausschalten des Computers automatisch archivieren und beim Neustart wiederherstellen lassen. Sie können auch die momentane Auswahl einer Zwischenablage anfügen, was etwa zum Erstellen einer Download-Liste praktisch ist, wenn Sie den Info-Mac-Digest durchsehen. Es gibt auch ein Fenster [ein "windoid", --WJF], das den Inhalt aller Zwischenablagen zeigt und Sie die Inhalte miteinander austauschen läßt.
Andere Funktionen sind für mich weniger interessant. Einen Kurzbefehl zum Wechseln zwischen Programmen verwende ich nicht, weil er mit HyperCard Probleme macht, etwas namens Tag and Drop verstehe ich gar nicht. Es gibt eine Vielzahl von Funktionen zur Bearbeitung von Zwischenablegen, die im Grunde nur den Clipboard Magician neu erfinden. Zum Glück können "unerwünschte Nebenwirkungen" über einen Preferences-Dialog deaktiviert werden; mir kommt aber dieser Programmierstil, in dem Entwickler einfach nicht wissen, wann sie aufhören sollen, enervierend vor. Gefragt ist eine komponentenweise Konzeption, bei der unerwünschte Funktionen gar nicht geladen werden.
<http://www.umich.edu/~archive/mac/system.extensions/da/clipboardmagician0.76.sit.hqx>
Es gibt auch Probleme, die mit der schlampigen Art zusammenhängen, in der CopyPaste programmiert ist. Diese Mängel wechseln von einer Version zur anderen; sie haben mit Kompatibilität zu tun, aber das zentrale Ärgernis ist, daß Sie den Zugang zu den eigenen Kopiermechanismen eines Programms verlieren. Auch wenn Sie nur Command-C drücken - Sie kopieren immer mit CopyPaste. Das kann zwiespältig sein bei Applikationen, die zum Finder und wieder zurück wechseln; dabei kann Information verloren gehen, wenn die Inhalte einer CopyPaste-Zwischenablage das spezifische Format der Applikation verlieren. Ich fände es besser, wenn mit Command-C die normale Kopierfunktion des Programms angesprochen werden könnte.
Dennoch: Der Reiz von CopyPaste ist beachtlich, wenn Sie einmal damit gearbeitet haben, fragen Sie sich, warum es nicht schon längst Bestandteil des Betriebssystems ist (ich gäbe all die gepriesenen funktionellen Verbesserungen von System 7.6 für zehn Clipboards hin). Bis dahin gibt CopyPaste zum Dumpingpreis (Shareware, 20 US$) Ihrer Maschine eine neue Seele.
<http://members.aol.com/copypaste1/index.html>
<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/gui/copy-paste-322.hqx>
von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
TidBITS-Lesern ist die Besessenheit bekannt, mit der ich Informationen speichere und suche, besonders die unstruktutierten Textinformationen, die ein Dozent für seine Vorlesungen, Bücher und Artikel braucht. Nun gibt es ein neues Softwareprodukt, das genau für Leute wie mich geschaffen ist: Palimpsest. Wie kaum anders zu erwarten, bin ich sehr angetan. Es stellte sich heraus, daß Palimpsest Merkmale einer Datenverarbeitung mit den besten Funktionen von HyperCard, Storyspace (siehe TidBITS-095), Conc und FreeText verbindet und zudem mit Prograph (siehe TidBITS-312) geschrieben ist.
<http://www.umich.edu/~archive/mac/misc/linguistics/conc1.71.cpt.hqx>
<http://www.umich.edu/~archive/mac/hypercard/organization/freetext1.03.cpt.hqx>
Palimpsest kommt von Western Civilisation, einer australischen Firma. Es hat seinen Weg begonnen als ein persönlicher Versuch, tausende Seiten juristischen Texts zu überschauen; jetzt ist es ein Hilfsmittel, dasselbe mit Dokumenten in elektronischer Form generell zu tun (ein Palimpsest ist ein Manuskript, das ausradiert und überschrieben worden ist - ich mußte das Wort nicht nachsehen, schließlich bin ich klassischer Philologe). Mehr über das Produkt steht auf der Web-Site der Firma; Sie können auch von Info-Mac eine Demoversion herunterladen.
<http://www.westciv.com.au/>
<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/text/>
Die Grundidee -- Mit Palimpsest lesen, erstellen und analysieren Sie spezielle Dokumente im programmeigenen Format. Wenn Sie Dokumente in einem anderen Format haben, erzeugen Sie eine Palimpsest-Datei und setzen Ihr Material dort ein; Sie können auch Text im SimpleText-Format importieren.
In der Benutzung erinnert Palimpsest sehr an HyperCard. Sie werden vermutlich mehrere Fenster offen haben, die wie HyperCard-Stacks mit je einer Karte aussehen, die von einem Rollfeld mit formatiertem, editierbaren Text beherrscht wird. Jeder "Stack" wird eine Section genannt und solche Sections sind hinter den Kulissen zu einem Dokument verbunden. Jede Section kann von Headings unterteilt werden. Dokumente, Sections und Headings stehen zueinander in folgendem Zusammenhang:
Ein Heading ist eine Portion Text, auf die der Befehl "Make Heading" angewandt wurde. In einem Fenster ("Heading Browser"), der die Headings des vordersten Fensters zeigt, kann jedem Heading ein Level zugewiesen werden, sodaß dort alle in einer Gliederungsansicht erscheinen; diese Hierarchie ist im Text der Section nicht zu sehen. Ein Doppelklick auf ein Heading im Browser führt zu der entsprechenden Stelle der Section.
Ähnlich zeigt ein Inhaltsverzeichnis die Sections in einem Dokument in einer sinnvollen Anordnung wie die Kapitel eines Buches. Die Reihenfolge kann durch Ziehen mit der Maus geändert werden, jede Section-Liste kann aufgemacht werden und zeigt dann die Headings an. Sie können auch auf eine Heading- oder Section-Liste im Inhaltsverzeichnis doppelklicken und kommen sofort dorthin.
Zwischen den Sections wechseln Sie bequem mit einem Pop-Up-Menü in der linken unteren Ecke des Section-Fensters, in dem alle Sections eines Dokuments gezeigt werden.
Typen von Sections und Dokumenten Sections gehören einem Typ an, der ähnlich dem Hintergrund in HyperCard ist; wenn etwa eine Section eines Dokuments den Typ "Kapitel" ["chapter"] hat, sieht das Layout jeder Kapitel-Section gleich aus und unterscheidet sich nur in den Inhalten der Felder. Dokumente haben auch Typen, die aus den enthaltenen Section-Typen bestehen. Ein dokument kann jederzeit geändert werden, in dem eine Section eines Typs hinzugefügt wird, der in dem Typ des Dokuments möglich ist.
Auch automatische Typen von Sektionen gibt es; das Inhaltsverzeichnis ist selbst ein Section-Typ, zu dem Sie allerdings keinen weiteren erzeugen können (jedes Dokument enthält genau ein Inhaltsverzeichnis, ebenso genau eine Titelseite und ein Cover ["Umschlag"]). Diese Sections können aber sehr wohl modifiziert werden; Sie können z.B. ein Bild auf dem Cover einfügen.
Der Typ des Dokuments und die Typen der Sections darin bilden zusammen eine Vorlage, die alle Dokumente dieses Typs erfaßt. Ein Dokumententyp kann geändert oder neu erzeugt werden. In diesem Fall erstellen Sie einfach ein Layout der Section-Typen, wahlweise auch durch Modifikation von bestehenden Section-Typen. Das Fenster und die Felder von Sections können in der Größe geändert werden; es gibt Section-Felder mit Inhalten, die nur für die Section gelten, und Dokument-Felder, die in allen Sections gemeinsame Inhalte aufweisen. Ein Feld kann einen Namen, einen Stil (Rollfeld oder nicht), einen Anfangstext etc. haben. All dies ist intuitiv wie in HyperCard oder FileMaker.
Die Schnitten des Kuchens Was ich bisher beschrieben habe, ist eine bequeme Methode, ein Dokument zu gliedern, zu formatieren und auf seine Inhalte zuzugreifen. Worin sich Palimpsest wesentlich von einer Textverarbeitung unterscheidet, wenn Sie die Struktur Ihrer Dokumente in neuer Weise zu nutzen beginnen.
Sie können zum Beispiel nach einem bestimmten Wort oder einer Kombination von Worten suchen. Das Ergebnis erscheint in einem neuen Fenster mit allen Treffern, einem pro Zeile, mit dem umgebenden Kontext - es handelt sich also um eine Konkordanz (vom Benutzer gestaltet) zu einem Dokument. Wenn Sie auf eine Zeile im Kontext doppeltklicken, springen Sie zu der Stelle im Dokument.
Auch einen Hypertext-Link zwischen zwei Stellen in einem Dokument können Sie definieren. Solche Links werden in einem Querverweis-Fenster (Cross Reference Window) aufgelistet, das zu jedem Link auch einen Kommentar, einen Autor und ein Etikett aufnehmen kann. Auf diese Weise weisen Sie einem Link eine Kategorie zu und wenn Sie später einen Abschnitt mit Links angewählt haben, können Sie einem Link folgen oder das Verweis-Fenster öffnen und Ihre eigenen Assoziationen zu disem Abschnitt nachlesen.
Palimpsest bietet auch Anmerkungen, die wie die Kommentare zu Links aussehen, aber ohne Verweisfunktion. Das Anmerkungs-Fenster benimmt sich wie ein Fenster mit sonst verborgenen Fußnoten zu einem Abschnitt.
Sie können auch drei Arten "aktiver" Übersichten von Links haben, in denen Sie nur auf einen Link zu klicken brauchen, um dorthin zu springen:
Das Bild im Großen -- Bisher habe ich alles so dargestellt, als ob nur jeweils ein Dokument offen wäre. Palimpsest kann aber mit mehreren Dokumenten gleichzeitig umgehen. Hypertext-Links können zwischen Dokumenten hergestellt werden, Suchvorgänge können mehrere Dokumente betreffen. Es gibt auch zwei weitere Objekte höherer Stufe.
Zunächst ist das Paper zu nennen. Ein Paper ist ein einzelnes Fenster mit einem rollbaren Textfeld - sonst nichts. Es kann während der Arbeit Notizen aufnehmen, kann aber auch Headings, Links und Anmerkungen haben, wobei die Links das Paper zu einem praktischen Speicher für Verweise zu vielen Abschnitten in Dokumenten machen. Dabei gibt es viele unterstützende Funktionen, z.B. können Sie einen Abschnitt aus einem Dokument in ein Paper kopieren, sodaß das eingefügte Material einen Link zurück in das Dokument darstellt, alles in einem Vorgang. Suchergebnisse, Paths und Web Views können ebenso mit Link-Fähigkeit in einem Paper eingefügt werden.
Zweitens gibt es ein Objekt namens Study, eine klickbare Liste von Dokumenten (und Papers) mit einem allfälligen Kommentar zu jedem Eintrag (mehrere Studies können zu einem Archiv zusammengefaßt werden, von dem es aber nur ein einziges geben kann). Mit Studies können Sie einer großen Sammlung von Dokumenten beliebig viele verschiedene Kategorien zuweisen. Suchergebnisse, Web Views und Paths können auch in Studies eingefügt werden.
Wenn ich etwa einen Artikel über den Agamemnon von Aischylos schriebe und mein gesamtes Material der letzten vierzig Jahre zu dem Thema in Palimpsest-Dokumente übertragen hätte, könnte ich alles in Studies verwalten; ein Study könnten den Artikeln zum Zorn der Artemis gewidmet sein, ein anderes jenen zum Hymnus an Zeus und so weiter. Ich könnte meinen eigenen Artikel als Paper verfassen und die Verweise mit Hilfe von Hypertext-Links handhaben. Die Kommentare und Anmerkungen könnten mich daran erinnern, welche Beziehungen zwischen den einzelnen Abschnitten ich schon einmal hergestellt habe.
Und der Haken... In den frühen Phasen jeder Software gibt es zwangsläufig Mängel; in der Version 1.1, die ich gesehen habe, gäbe es einiges zu verbessern. Palimpsest ist manchmal sehr langsam, Fenster konnten sich ihre Größe und Position nicht merken, Windoids ließen sich nicht aufziehen, Etiketten zu Hyperlinks ließen sich nicht editieren. Das Ende eines Abschnittes mit Hyperlinks war oft nur zu ahnen, breitere Import/Export-Möglichkeiten (vielleicht sogar mit XTND) wären praktisch.
Andererseits sind diese Fehler geringfügig - und vorübergehend. Western Civilisation ist gewillt, sowohl Mängel rasch zu beheben als auch auf Vorschläge von Benutzern zu reagieren. Eine schnellere PowerPC-Version ist gerade fertiggestellt und die meisten meiner Kritikpunkte sollen demnächst behoben sein.
Zugegeben: Palimpsest führt keine seiner zahlreichen Funktionen so gut aus wie ein auf diese Funktion spezialisiertes Produkt; es ist bei der Bearbeitung von Texten nicht so gut wie ein Textverarbeitungsprogramm; bei Hypertext ist es Storyspace unterlegen; die Konkordanzen kann es nicht so flexibel erstellen wie Conc - wichtig ist aber, daß es den Bedarf nach einem Programm anerkennt, das große Menge elektronischer Dokumente handzuhaben und auszuwerten gestattet. Wenn Sie einmal die (Konkordanz-)Suche und die Hypertext-Funktionen ausprobiert haben, erkennen Sie, wie dringend ein solches Produkt gebraucht wurde. Um 50 US$ erhalten Sie das vollständige Programm und Updates für ein volles Jahr - ein hervorragender Preis. Wenn Palimpsest in Ihrer elektronischen Welt einen Platz haben könnte, schulden Sie es sich selbst, die kostenlose Demoversion herunterzuladen und zu testen.
Western Civilisation Pty. Ltd. -- +61 2 9130 1731 (Australia)
<western@westciv.com.au>
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD],
Matt Neuburg [MN].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].
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