Wird OpenDoc als Apple-Technologie den Weg von PowerTalk gehen? Die Komponenten dafür kommen gerade auf den Markt - Adam sieht sich einige davon näher an. Charles Wheeler befaßt sich mit einer Familie, die mit ihrem Maskottchen bekannt geworden ist. Der vielseitige Text-Editor BBEdit liegt in Version 4.0.2 vor, Heidi Roizen verläßt Apple; wir beruhigen Newton-Benutzer und weisen auf eine Methode hin, mit der Hacker und Cracker schnell reich werden könnten.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#365/10-Feb-97.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-365.html>
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-365.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-365.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-365.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Neues vom Newton -- Im Zuge der neuesten Reorganisation und Kostensenkungen bei Apple haben mehrere Quellen behauptet, die Firma werde sich von der Newton-Abteilung trennen. Verständlich, daß die Reaktionen der MessagePad-Benutzer von Verwirrung bis zu blanker Wut reichten. Darauf hat Sandy Benett, verantwortlich für den Bereich Newton, einen Brief an Entwickler und User ausgeschickt, in dem zugesichert wurde, daß die Gruppe innerhalb der gesamten Firmenstruktur "intakt bleiben" werde; die Unterstützung für die aktuellen Modelle MessagePad 2000 und eMate 300 gehe ebenso weiter wie die Entwicklung zukünftiger Produkte. [JLC]
<http://www.newton.apple.com/newton/message_Feb.7.97.html>
Roizen verläßt Apple -- Heidi Roizen, bei Apple für die Beziehungen zu den Entwicklern zuständig, hat angekündigt, sie verlasse Apple am 19. Februar, um mehr Zeit für ihre Familie zu haben. Im abgelaufenen Jahr hat sie die Beziehungen Apples zu den Entwicklern auf eine völlig neue Basis gestellt. Ihre Arbeit wird in der Gemeinschaft der Software-Hersteller fehlen; es bleibt zu hoffen, daß Apple ihren Weg fortsetzt. [GD]
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1997/q2/970210.pr.rel.roizen.html>
Eudora 3.0.2 -- Qualcomm hat Eudora Light und Eudora Pro in der endgültigen Version 3.0.2. herausgebracht. Nunmehr sind laut Qualcomm Probleme bei den Nickname-Dateien, mit Attachments, in der Handhabung von URLs und mit dem Editor behoben. Der Updater für Eudora Pro (1,6 MB beim Herunterladen) setzt Eudora Pro voraus, Eudora Light ist weiterhin kostenlos (2 MB im Download). [GD]
<ftp://ftp.eudora.com/eudora/mac/pro302/eudp302updater.sea.hqx>
<ftp://ftp.eudora.com/eudora/mac/light302/eudlight302.sea.hqx>
Schneller Reichtum? Inspiriert durch den Wettbewerb zur Sicherheit von Mac-Web-Servern im Vorjahr (siehe TidBITS-317) hat Joakim Jardenberg aus Schweden einen Bewerb unter dem Titel "Knack einen Mac" ins Leben gerufen, der ebenfalls auf Macs als Web-Server abzielt. Zwischen 10. Februar und 10. April 1997 erhalten alle einen Geldpreis, die den Inhalt der Home Page auf einem normalen Mac-Web-Server verändern können, der unter WebSTAR 2.0 läuft. Diesmal macht der Preis 10.000 Schwedenkronen aus (etwa 3.000 DM/sFr, 22.000 öS); bemerkenswert ist, daß im Bewerb des vorigen Jahres niemand den Preis beansprucht hat. Vielleicht sollte die Central Intelligence Agency (CIA), deren Web-Site kürzlich geknackt wurde, in Zukunft Macs als Server einsetzen... [GD]
<http://www.infinit.se/hacke/crack.html>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Die TidBITS haben sich schon mehrmals mit OpenDoc und den dazu gehörenden Komponenten befaßt; auf der Macworld Expo zu Anfang dieses Jahres scheint die Technologie die Kurve zum Einsatz im Alltag genommen zu haben. Im Bereich Component 100 auf der Macworld waren zahlreiche solche Komponenten (die nun Live Objects heißen) zu sehen. Etliche Entwickler hatten sich zusammengetan, um verschiedene Pakete aus Live Objects anzubieten. Die Preise waren generell günstig und die meisten Anbieter waren vorher vollkommen unbekannte kleine Firmen. Diese beiden Tatsachen sprechen dafür, daß das Konzept von OpenDoc aufgeht; es bleibt abzuwarten, ob diese Anbieter sich am Markt behaupten können.
Zugegeben, ich habe noch nicht viele Live Objects verwendet. Der Grund? Ganz einfach - ich habe immer viel zu tun und ich kann auf keine neue Arbeitsweise umsteigen, wenn ich nicht einen triftigen Grund habe. Diese Art persönlicher Trägheit wird auch das Haupthindernis sein, das sich den OpenDoc-Produkten entgegenstellt. Die Lösung wird in Live Objects liegen, die bisher unbekannte Funktionen aufweisen. So wie die User zu neuen Applikationen umsteigen, wenn sie einen klaren Vorteil darin sehen, werden sie in diesem Fall auch die OpenDoc-Technologie annehmen.
Um Ihnen eine Vorstellung zu vermitteln, was heute schon mit OpenDoc möglich ist, habe ich bei vielen der Live-Objects-Anbieter Informationen gesammelt. Die Liste ist nicht komplett, aber sie enthält einige der herausragendsten Lösungen, die lieferbar sind. Eine umfangreichere Liste ist auf der OpenDoc-Seite von Apple zu haben; andere Web-Sites von Interesse sind die von CI Labs und Component 100.
<http://opendoc.apple.com/users/odproducts.html>
<http://www.cilabs.org/>
<http://www.c100.org/>
Ich führe keine Preise für die Produkte an, weil sie in der Regel in Paketen angeboten werden, unter denen vielleicht auch das richtige für Ihre Bedürfnisse ist. Die meisten dieser Pakete kosten zwischen 25 und 100 US$; viele sind auf der Web-Site von Hutchings Software aufgelistet.
<http://www.hutchings-software.com/bundles/>
WAV -- Eins der meistbeachteten Live Objects war WAV von Digital Harbor. Im Kern ist WAV eine Textverarbeitung, die aber mittels OpenDoc und Cyberdog gut an das Internet angeschlossen ist. Neben den üblichen Funktionen einer Textverarbeitung hat WAV auch Feinheiten vorzuweisen - mit Klick können Sie irgendwo auf einer Seite zu schreiben beginnen. Andere Live Objects, auch solche anderer Hersteller, können integriert und im WAV-Fenster über Reiter ["tabs"] angesprochen werden. Solche Reiter können Sie auch für Projekt-Ordner einrichten, in denen projektbezogene URLs, Live Objects, Text und Grafiken abgelegt sind.
Nisus Writer 5.0 -- Die vielseitige Textverarbeitung Nisus Writer 5.0 war eines der ersten weitverbreiteten Programme mit OpenDoc-Unterstützung. Writer 5.0 ist eine Umgebung für Live Objects, stellt also selbst kein Live Object dar. Wenn Sie schon die Version 4.0 verwenden, ist der Umstieg auf 5.0 eine gute Gelegenheit, auch mit OpenDoc erste Versuche zu machen.
<http://www.nisus-soft.com/nisus_writer.html>
C-Table, C-Graph, C-TextBox -- In einer Textverarbeitung ist die Tabellenfunktion besonders wichtig - oft ist sie nur sehr schwach ausgelegt. C-Table von Corda hat für seine Funktionen und die Integration mit anderen Live Objects viel Lob erhalten. Dazu gehört C-Graph, ebenfalls von Corda, zum Erstellen von Geschäftsgrafiken aus Daten von C-Table oder anderer Herkunft. C-TextBox, ein weiteres Live Object, gestattet es, Text-Boxen in jedem OpenDoc-Container zu erstellen, komplett mit Möglichkeiten zur Text- und Grafikgestaltung.
<http://www.corda.com/odentry.html>
Canopy Outliner -- Wenn Sie ein Outline-Programm brauchen, dann gibt es ein Live Object für Sie. Canopy Outliner von Eclipse kann andere Live Objects in seine Übersichten aufnehmen, kann aber seinerseits in andere Live Objects eingebettet werden. Jede Art von Daten kann in Outline-Form verwendet werden, es gibt beliebig viele Rückgängig-Schritte, Objekte können automatisch numeriert werden und so weiter.
Lexi -- Was wäre eine Textverarbeitung ohne Rechtschreibkontrolle? Noch besser - eine solche Funktion sollte in allen Applikationen verfügbar sein! Zahlreiche Hilfsprogramme haben dies seit Jahren geleistet; nun ist es für jedes Live Object zu haben, das die Erweiterungen von Word Services unterstützt, wie Cyberdog 2.0, WAV, Canopy Outliner und andere. Lexi von SoftLinc kann auch allein verwendet werden und kann in diesem Fall per drag & drop jedes Stück Text prüfen, das auf Lexis Icon gezogen wird. Das Wörterbuch von Lexi hat 212.000 Einträge, der Thesaurus 185.000 Synonyme. Die User können sich eigene Wörterbücher dazu erstellen.
Dock'Em -- Dock'Em von MetaMind beherrscht die grundlegenden Funktionen von Layout und Präsentation, arbeitet aber in erster Linie mit anderen Live Objects zusammen. In die Dokumente von Dock'Em können andere Live Objects ebenso wie weitere Dock'Em-Dateien eingebettet werden. MetaMind nennt Dock'Em einen "Baukasten für Dokumente" und das ist angesichts der breiten Palette von Funktionen anderer OpenDoc-Komponenten keine Übertreibung.
<http://pomo.nbn.com/people/minds/>
Adrenaline Numbers und Charts -- Neben Textverarbeitung, Internet und Seitenlayout gibt es auch Live Objects zur Tabellenkalkulation, etwa in Gestalt von Adrenaline Numbers, einem Excel-kompatiblen Programm. Es wird von Adrenaline Charts ergänzt, das die Zahlenwerte aus Numbers als Grafiken darstellen kann. Beide zusammen decken die grundlegenden Funktionen ab, die typische Spreadsheet-User brauchen, und sind durch andere Live Objects noch zu erweitern.
PartBank, Internet Search Service, WinMenu -- Von Kantara Development stammt ein Live Object namens PartFinder, das auf die PartBank-Web-Site der Firma abgestimmt ist. Mit PartFinder können Live Objects nach datenkompatiblen anderen Live Objects suchen. Eine Komponente für Tabellenkalkulation könnte ein Live Object zum Erstellen von Charts finden und automatisch herunterladen. Der Internet Search Service gestattet es Benutzern von Cyberdog, mehrere Web-Suchmaschinen (darunter auch PartBank) abzufragen; ebenfalls von Kantara ist WinMenu, das für jedes OpenDoc-Dokument ein Windows-Menu einrichtet.
<http://www.opendoc.partbank.com/>
Rapid-I Button -- Zuletzt nenne ich noch das bemerkenswerte Live Object Rapid-I Button von Hutchings Software, das in OpenDoc-Dateien eine Reihe verschiedener Tasten einblenden kann; lesen Sie dazu im Detail das folgende Interview von Charles Wheeler mit Brad Hutchings, der Rapid-I Button geschrieben hat.
von Charles Wheeler <charlesw16@aol.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Inmitten des Component-100-Bereichs auf der Macworld Expo war ein Familienbetrieb vertreten, der am besten verdeutlicht, warum OpenDoc für alle wichtig ist, die mit übergewichtiger Software zu kämpfen haben. Hutchings Software besteht aus Brad Hutchings, einem Programmierer und Studenten an der Universität Irvine, seiner Schwester Jennifer, Grafikspezialistin und Web-Mistress, Mutter Hutchings, der Finanzchefin, und Vater Hutchings, dessen Funktionen nicht näher beschrieben sind. Diese Familie aus Lake Forest in Kalifornien verteilte handbemalte Kühlschrank-Magneten als Werbeartikel; Jennifer hatte sogar einige Rappie-Puppen, das Firmenmaskottchen, selbst zusammengenäht.
Abgesehen von ihrer liebenswürdig schlichten Werbeschiene - warum sollten Sie sich für Familie Hutchings interessieren? Nun, ihr erstes kommerzielles Produkt, Rapid-I Button, ist das Tasten-Utility schlechthin für OpenDoc. Es ist schon ein voll entwickeltes Produkt mit zahlreichen Funktionen, durchaus gleichauf mit anderen kommerziellen Angeboten von Adrenaline, SoftLinc, Corda und Digital Harbor (deren WAV-Textverarbeitung ich gegenwärtig einsetze). Die Tasten von Rapid-I können Cyberdog steuern, Dateien öffnen, Skripts laufen lassen, Sounds abspielen und so weiter.
<http://www.hutchings-software.com/>
Brad hatte zwar schon seit 1988 auf dem Mac programmiert, den OpenDoc-Bazillus schnappte er aber erst 1995 auf, als er ein Cyberdog-Video zu sehen bekam. Er nahm mit dem OpenDoc-Evangelisten Jim Black Kontakt auf, der ihm Informationen und Software zukommen ließ. Brads erster Versuch war auf der OpenDoc-CD-ROM 4 enthalten. Rapid-I wurde erstmals auf der Entwicklerkonferenz 1996 vorgestellt.
Es sind auch schon Konkurrenzprodukte zu Rapid-I in Arbeit, aber außer der einfachen Button-Komponente von Apple ist nichts lieferbar. "Wenn sie auftauchen, werde ich sie zerschmettern", witzelt Brad, wenn man ihn zur Konkurrenz fragt. "Ich bin aber nicht nur ein Tasten-Drücker. Ich will mit OpenDoc-Tools bekannt werden, die das beste in ihrer Kategorie sind." In diese Richtung könnte Rapid-I Surfboard gehen, eine Web-Komponente, die Anfang März herauskommt.
Wie ist die Macworld Expo der Familie Hutchings bekommen? "Die Reaktionen waren großartig", sagt Mutter Hutchings, "insbesondere Leute aus dem Bildungsbereich waren begeistert."
OpenDoc hat eine Türe für uns alle geöffnet. Wenn Sie glauben, man brauche ein Zimmer voll mit risikofreudigen Geldgebern, eine Halle voll mit Programmierern und eine Marketing-Abteilung wie eine kleinere Armee, um ein Produkt auf den Markt zu bringen - Hutchings Software beweist das Gegenteil. Die besten Dinge kommen immer noch in unscheinbarer Verpackung daher.
[Charles D. Wheeler ist ein Konsulent für FileMaker Pro (Macintosh), gefürchteter Macworld-Partybesucher und gelegentlicher Mitarbeiter der TidBITS.]
von Sean Peisert <speisert@ucsd.edu>
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
In den letzten Jahren ist BBEdit (von Bare Bones Software) von einem Texteditor für Programmierer, der nur das Nötigste enthielt, zu einem großartigen Produkt herangereift. BBEdit 4.0.2 präsentiert sich besonders für Programmierer und für HTML-Enthusiasten als ein äußerst nützliches Werkzeug, das sich aber auch für das Erstellen langer Dokumente eignet, die nicht auf viele Feinheiten angewiesen sind.
Ein zahmes Wesen -- Mit 1 MB RAM- und 1,7 MB Plattenbedarf stellt BBEdit nicht im entferntesten die Anforderungen, die man von einem modernen Textverarbeitungsprogramm gewöhnt ist. Bare Bones zufolge läuft BBEdit schon auf einem Mac Plus und erwartet System 7.0 oder eine spätere Version (empfohlen werden System 7.5 oder folgende). Der Speicherbedarf kann sich erhöhen, wenn Sie das volle Angebot der BBEdit-CD-ROM installieren. Mit allen Templates, Erweiterungen, Wörterbüchern und sonstigen Bestandteilen bin ich auf 8 MB Speicherplatz gekommen.
Der Listenpreis für BBEdit beträgt 119 US$, ein Cross-Grading ist für 79 $ zu haben, während ein Update von früheren kommerziellen Versionen 39 $ kostet.
Bezeichnend für BBEdit ist die Riesensammlung großartiger Eigenschaften auf einer leicht bedienbaren Oberfläche. Bei Bedarf läßt sich in jedem Dokumentenfenster ein Informationsbalken mit nützlichen Einzelheiten zu dem betreffenden Dokument aktivieren: Wann zuletzt gespeichert?, Wurden seit dem letzten Speichern Änderungen vorgenommen?, Wo wurde der File abgelegt? Außerdem findet man in den Klappmenüs des Statusbalkens oft verwendete Funktionen. Die Steuerung über die Tastatur funktioniert sehr gut, da es für die meisten Arbeitsschritte Kurzeingaben gibt. Ein kleiner Gag, der mir besonders gut gefällt: Wenn man ein Dokumentenfenster öffnet oder neu erzeugt, dann stellt BBEdit Tastaturkürzel dafür zur Verfügung (von Command-1 bis Command-0), mit denen sich die Fenster aktivieren lassen.
Den weichen Zeilenumbruch (Soft Wrapping), eine Eigenschaft, die unter anderen BBEdit den Schritt vom Programmier-Editor zur Allzweck-Textverarbeitung machen hat lassen, gibt es schon seit der Version 3.1. Dabei endet der Text an einer vom Nutzer festgelegten Stelle und wechselt dann in die nächste Zeile - nicht anders als bei jedem Standard-Macintosh-Textprogramm, ohne dabei die Zeichenfolge zu beeinflussen. Die meisten Nutzer nehmen diese Eigenschaft so lange für selbstverständlich, bis sie ein Programm kennenlernen, das den Text nicht umbricht. Bei solchen Programmen reicht der Text bei langen Absätzen über den rechten Rand des Fensters hinaus, anstatt sich automatisch in der nächsten Zeile fortzusetzen.
BBEdit unterstützt auch viele Apple-Technologien und Internet-Trends. Mit der Balloon-Hilfe können Sie sich bei BBEdit z.B. jede erdenkliche Einzelheit des Programms erklären lassen, der BBEdit-Guide erleichtert das Auffinden von Begriffen und ist dem Anwender bei komplizierten Aufgaben behilflich. BBEdit läßt sich zwar nicht aufzeichnen, kann aber von jeder OSA-Scriptsprache (z.B. AppleScript oder Frontiers UserTalk von Userland) mit Scripts gesteuert werden. Kundige Anwender können BBEdit mit eigenen Funktionen ergänzen, indem sie häufig genutzte Scripts als Anweisungen im Scriptmenü ablegen.
BBedit enthält zwar zahlreiche Voreinstellungen, die der Nutzer nach eigenem Geschmack verändern kann, insgesamt ist es aber nicht der flexibelste Text-Editor. Dieser Titel gebührt emacs oder Alpha (Shareware, von Pete Keleher). Im Gegensatz zu Alphas Fähigkeit, so ziemlich jede Tastaturkombination mit einer beliebigen Funktion zu belegen, lassen sich bei BBEdit Tastaturkürzel nur mit Punkten im Erweiterungsmenü verbinden.
<ftp://ftp.cs.cornell.edu/pub/parmet/>
<http://www.cs.umd.edu/~keleher/alpha.html>
Die typischen Editor-Funktionen finden sich bei BBEdit in weiterentwickelter Form. So unterstützt die FIND-Anweisung z.B. GREP, mit dem die Suche auf Grund komplexer Muster und echter Ausdrücke - anstatt einfacher Wörter oder Phrasen - ermöglicht wird. Die komplexe Syntax, die hier vorausgesetzt wird, ist im BBEdit-Handbuch und in der Online-Hilfe ausgezeichnet beschrieben. So ist es sehr leicht, mit einer Zeichenkette wie "[A-Za-z]+" nach einzelnen Worten in Anführungszeichen zu suchen. Außerdem enthält BBEdit einige allgemeine GREP-Muster, wie sie von Programmierern benutzt werden. Die Nutzer können eigene, oft benutzte GREP-Ausdrücke abspeichern.
Große Bandbreite -- Die BBEdit-Erweiterungen entsprechen nicht den Erweiterungen bei Open Transport und RAM Doubler, die beim Booten des Mac geladen werden. Sie funktionieren eher wie kleine Makros oder Helfer. Die "Convert to ASCII"-Erweiterung konvertiert zum Beispiel einen Text aus 8-Bit-Zeichen in einen solchen mit 7-Bit-Zeichen. Dabei werden Sonderzeichen wie smarte Anführungszeichen, Bullets und Copyright-Symbole in 7-Bit-Entsprechungen umgewandelt, die per Email verschickt oder unter einem anderen Betriebssystem als Text gelesen werden können. Es gibt auch eine Erweiterung namens "Cut Lines Containing ...", die nach ihrer Aktivierung nach einer Zeichenkette fragt. Danach wird das Dokument auf solche Zeilen hin überprüft, die diese Zeichenkette enthalten. Diese Zeilen werden dann "ausgeschnitten" und auf dem Clipboard abgelegt. Außerdem enthält BBEdit eine Reihe sehr guter HTML-Erweiterungen, auf die ich noch zu sprechen komme.
BBEdit bietet zudem ausführliche Anweisungen, Beispiele und Quellcode, mit deren Hilfe C- und C++-Programmierer eigene Erweiterungen erstellen können. In den Info-Mac-Archiven und auf der FTP-Site von Bare Bones steht eine Reihe dieser Extensions zur Verfügung.
<ftp://mirror.aol.com/pub/info-mac/text/bbe/>
<ftp://ftp.barebones.com/pub/third-party-extensions/>
Knüppel aus dem Sack -- BBEdit 4.0 bietet jetzt endlich auch für die geläufigsten Programmiersprachen und sogar für einige Exoten das sogenannte "Syntax-Coloring". Damit ist die Fähigkeit gemeint, Quellcodes, Kommentare, Schlüsselwörter und String-Konstanten farblich abzusetzen, um sie in einem Programm leichter identifizieren zu können. Dieses "Syntax Coloring" funktioniert auch mit HTML und macht BBEdit dadurch zu einem sehr attraktiven Instrument für die Arbeit im Web.
Eine andere schöne Eigenschaft von BBEdit nennt sich "Groups", mit der sich mehrere Files - z.B. alle Files einer Website - zu einer Gruppe zusammenfassen lassen. Die Files einer solchen Gruppe lassen sich dann leicht gleichzeitig öffnen oder z.B. mit der FIND-Funktion durchsuchen. Bei Webmastern, die mit Hilfe von BBEdit umfassende Änderungen machen, ist dies eine überaus beliebte Eigenschaft; es ist ja auch leichter, für alle Files einer Gruppe ein "Suchen und Ersetzen" durchzuführen, als jeden File einer Web-Site zu öffnen, um darin z.B. einen Namen zu ändern oder ein Link zu flicken.
BBEdits wohlgeratene Korrekturhilfe prüft die Wörter mit Hilfe eines Wörterbuches für US-Englisch oder über ein Anwender-Wörterbuch. Diese Liste läßt sich durch weitere Wörterbücher ergänzen. Die mitgelieferten Wörterbücher decken Themen ab wie biblisches und britisches Englisch, dazu kommen juristische und wissenschaftliche Fachausdrücke. Das Prüfprogramm übergeht HTML-Tags und ermöglicht damit eine leichte Kontrolle auch von HTML-Dokumenten.
Vergleichsmöglichkeiten sind mir besonders wichtig. Neben dem Vergleichen zweier Files, um die Unterschiede festzustellen (ähnlich der diff-Anweisung bei Unix), vergleicht BBEdit komplette Ordner und Symantec C++- und CodeWarrior-Files. Die Ergebnisse werden in einem eigenen Browser-Fenster dargestellt, mit dessen Hilfe man sich durch die Liste der Unterschiede arbeiten kann.
Der Internet-Club -- Mit Hilfe von Internet Config teilen Sie dem Internet-Menü von BBEdit sämtliche Internet-Clientprogramme mit, die Sie bevorzugen und die sich dann über dieses Menü aktivieren lassen. Eine URL-Adresse läßt sich einfach dadurch öffnen ("auflösen"), daß man sie in BBEdit auswählt und dann im Menü "Resolve URL" anklickt.
Die tollste Eigenschaft bietet BBEdit den Leuten, die Uploads auf einen Remote File Server durchführen müssen (z.B. Leute, die HTML-Markup oder CGI-Programmierungen machen): mit dem eingebauten FTP-Client läßt sich eine Web-Site aus BBEdit heraus pflegen. Mit der Anweisung "Open from FTP Server" läßt sich ein File auf transparente Weise auf die eigene Festplatte laden. Beim Sichern der Änderungen lädt BBEdit die Datei auf transparente Weise wieder zurück auf den Server.
Alles für die Entwickler -- Beim Einsatz als Editor in der Programmierung kann BBEdit mit den Integrated Development Environments (IDEs) z.B. von Metrowerks CodeWarrior und Symantecs C++ zusammenarbeiten. Das Interface funktioniert in zwei Richtungen. Der Anwender kann BBEdit von CodeWarrior aus ansprechen oder IDE-Funktionen aus BBEdit heraus bearbeiten.
Wegen der Unterstützung externer Editoren ab CodeWarrior-Version CW 10 hat der Anwender die Möglichkeit, Quellcode in BBEdit einzugeben, der dann zum Bestandteil von CodeWarrior-Projekten wird. Dann können Files von offenen CodeWarrior-Projekten auch in BBEdit bearbeitet werden.
Über ein eigenes Compiler-Menu arbeitet BBEdit mit dem IDE-Compiler zusammen und erlaubt so einen schnellen Zugang zu Anweisungen wie "Compile", "Set Breakpoint", "Add" und "Run". Die Tastaturabkürzung "Command-Tab", mit der man zwischen den Implementation Source Files von C- oder C++ und den dazugehörigen Header-(Declaration)-Files hin- und herschalten kann, ist eine ganz besondere Aufmerksamkeit.
Schließlich kann man BBEdit eine gute Integration mit der Mac-Scripting-Umgebung UserLand Frontier bescheinigen, das auf der CD-ROM mitgeliefert wird. BBEdit unterstützt das Menu-Sharing-Protokoll von Frontier, sodaß beim Einsatz von Frontier ein anpaßbares Script-Menü im Menübalken von BBEdit erscheint (in der Grundstellung enthält dieses Menu Funktionen für das Web Site Management und HTML-Arbeiten.) Für Frontier kann BBEdit auch als HTML-Editor fungieren und so die Fähigkeit dieses Programms zum Web Site Management verbessern helfen.
<http://www.scripting.com/frontier/>
Programmierer sind aber schon seit langem an großartige Editoren gewöhnt. Unix-Anwender kennen emacs; Macintosh-Nutzer benutzen das IDE von Code Warrior, das IDE von Symantec oder auch Alpha. Durch die Explosion des Web ist aber eine sehr große Nachfrage nach HTML-Editoren entstanden.
Abstecher zu HTML -- Für BBEdit gibt es jede Menge Extensions, und alle bemühen sich nach Kräften, langweiliges Auswendiglernen und Tippen überflüssig zu machen, die für die Programmierung von Tabellen und Formularen vonnöten ist. Lindsay Davies' HTML Tools werden in der Version 2.1.1 mit BBEdit zusammen ausgeliefert. Sie enthalten Extensions für den größten Teil von HTML 3.2, außerdem Tabellen und Formulare. Die HTML Tools sind nicht nur wie andere BBEdit-Extensions zugänglich (über Menu-Bar und Command-Tasten), sie können auch von einer Floating Palette aus angesprochen werden. Um z.B. einen Text mit einem "Strong"-Tag zu formatieren, reicht es, ihn zu markieren und aus einem Menu "Strong Emphasis", das im Stil-Button der Floating Palette aufklappt, "Strong Emphasis" auszuwählen. Mit den HTML Tools lassen sich komplexere Vorgänge, wie das Erstellen einer Tabelle, automatisieren. Bei der Tabellenerstellung fragt BBEdit nach dem nächsten Element, das erstellt werden soll, z.B. eine Reihe oder eine Zelle, und gibt Ihnen die Möglichkeit, das Element mit Attributen zu versehen.
Neben der Möglichkeit, HTML-Tags einzufügen, bietet BBEdit auch administrative Funktionen. Check HTML, ein besonders hilfreiches Merkmal, prüft die Syntax der HTML-Dokumente und zeigt die Ergebnisse in einem geteilten Fenster: oben die Fehler und unten den HTML-Code. Wenn die Fehlerliste gescrollt wird, markiert Check HTML den dazugehörigen Text im unteren Teil. Ich möchte dieses Tool nicht in Frage stellen, aber ich finde es etwas unflexibel, besonders vor dem Hintergrund des sich dauernd verändernden HTML-Standards. Ein schöne Verbesserung für künftige Versionen wäre eine Anpassungsmöglichkeit für die Fehlerarten, die Check HTML erkennt.
Mit den veränderbaren HTML-Makros können Sie in BBEdit eigene HTML-Funktionen nach recht einfachen, vorgegebenen Mustern aufbauen. Die Syntax ist etwas gewöhnungsbedürftig, mit Hilfe der angegebenen Beispiele kann man sich die Grundtechniken aber leicht aneignen. Der folgende Ausdruck selektiert z.B. ein Wort und rahmt es mit den Tags für Fontgrößen ein: !SW<FONTSIZE +2>\s</FONTSIZE +2>. Damit wird also "dieserText" in <FONTSIZE +2>dieser Text</FONTSIZE +2> umgewandelt.
Was kann man verbessern? Für mich ist BBEdit fast der perfekte Text-Editor, und ich habe in der Vergangenheit jede Menge dieser Programme kennengelernt: vi, emacs, Alpha, Plaintext, BBEdit Lite, Tex-Edit Plus, CodeWarrior IDE und Symantec C++ IDE. Ich habe damit C++, Perl oder Java programmiert, Artikel geschrieben, HTML-Texte erstellt oder einfach Text gelesen, den ich aus dem Internet geladen habe.
Es wäre schön, wenn BBEdit ein Revision oder Version Control System (RCS/VCS) hätte. Damit kann man Dokumentenversionen besser managen, und die vorhandene Funktionalität in der Compare-Anweisung ließe sich damit erweitern. Nehmen Sie die folgende Situation: Sie erstellen ein Dokument in HTML, als Text-File oder im C++-Quellcode. Nach ein paar Tagen editieren Sie es und fügen umfangreiche Änderungen ein. Nach wiederum einigen Tagen stellen Sie fest, daß Sie aus der ersten Version Teile gestrichen haben, die Sie jetzt wieder benötigen. Mit einem Revision Control System können Sie sämtliche vorhandenen Versionen dadurch speichern und wiederfinden, daß Sie die jeweiligen Vorgänger archivieren und so die Möglichkeit haben, ein aktuelles Dokument mit früheren Versionen zu vergleichen. Es gibt zwar einige solcher Systeme von Drittanbietern (z.B. Rev, besprochen in TidBITS-362), das Gratisprogramm GNU XEmacs für Unix enthält aber schon ein exzellentes RCS.
BBEdit hat ein paar bemerkenswerte Bugs. Der wichtigste, über den ich gestolpert bin, betrifft einen kleineren Konflikt zwischen BBEdit 4.0.x und Apples LaserWriter-Treiber 8.4.1: er unterdrückt das letzte Zeichen eines BBEdit-Dokumentes. Bare Bones will diesen Fehler in BBEdit 4.0.3 ausgeräumt haben, einer Version, die demnächst verfügbar sein soll. Auch ist das FTP-Tool nicht in der Lage, File-Transfers in MacBinary korrekt zu handhaben - beim Öffnen eines Files können überflüssige Informationen erscheinen, und beim Abspeichern gehen Informationen verloren. In BBEdit 4.0.3 müßten auch diese Probleme gelöst sein, Bare Bones bietet dafür schon eine Zwischenlösung an.
Unterm Strich ... -- Wer oft mit HTML-Files, mit Quellcode oder mit einfachem Text zu tun hat, dem kann BBEdit eine große Hilfe sein. Versuchen Sie es selbst, auf der Website von Bare Bones steht eine Demoversion für den Download zur Verfügung.
Es gibt auch eine Freeware-Version von BBEdit, genannt BBEdit Lite. Diese Fassung enthält alle Editierfunktionen des großen Bruders - dessen beste Tools wie die Compilerintegration, OSA-Support, die HTML Floating Palette, Internet Config Support, die Rechtschreibeprüfung und die FTP-Merkmale fehlen allerdings.
DealBITS -- Cyberian Outpost bietet den TidBITS-Lesern BBEdit zum Preis von 94,95 US$ (ein Rabatt von 5 $) unter folgendem URL an:
<http://www.tidbits.com/products/bbedit.html>
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD].
Mitarbeit an der Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Hartmut Greiser [HG].
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