TidBITS#367/24-Feb-97 - Deutsch

Haben Sie sich je gefragt, wodurch das Verkaufspersonal in den großen Elektronik-Läden motiviert wird? Durch Geld. Lesen Sie über die Erfahrungen von Ian Gregson in der abgelaufenen Weihnachtssaison. Dazu kommt in dieser Ausgabe Neues zu Betas von Emailer 2.0 und CFM-68K Runtime Enabler; Mark Anbinder schreibt zu WebTV und Stuart Cheshire untersucht die Latenzzeit, die Ihr flinkes Modem daran hindert, sich voll zu entfalten.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#367/24-Feb-97.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-367.html>

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MailBITS/24-Feb-97

CFM-68K Beta -- Letzten Dezember hat Apple empfohlen, daß die Benutzer von 68K-Macs den CFM-68K Runtime Enabler ausschalten sollten, weil er bei einigen Applikationen zu Abstürzen und Datenverlust führen kann (siehe TidBITS-356). Die Version 7.6 des Mac-Systems unterstützte CFM-68K nicht. Nun hat Apple den Runtime Enabler CFM-68K in der Version 4.0b1 für 68K-Macs publiziert. Apple betont zwar, daß diese Beta nicht unterstützt wird (Verwendung also auf eigenes Risiko!), aber erste Tests haben ergeben, daß 68K-Programme, die CFM brauchen, nun laufen, mit Ausnahme von Cyberdog 1.2.x und 2.0. Apple will die neue Version von CFM-68K mit System 7.6.1 ausliefern, das in einigen Wochen herauskommt. [GD]

<http://www.macos.apple.com/macos/cfm/cfmbeta.html>

BBEdit 4.0.3 -- Bare Bones Software hat BBEdit, die kommerzielle Variante des Text-Editors, in der Version 4.0.3 fertig (siehe TidBITS-365). BBEdit 4.0.3 weist Verbesserungen bei FTP und HTML auf, bessere Integration mit CodeWarrior, schnelleres Starten und bessere Werte auf Power Macs mit 603- und 604-Prozessoren. Das Update ist etwa 2,5 MB groß. [GD]

<http://www.barebones.com/updates.html>

Emailer 2.0 als Beta -- Claris hat eine allgemein zugängliche Betaversion von Emailer 2.0 angekündigt, die nun alle Messages in einer einzigen Datei speichert und die Leistungs- und Speicherprobleme früherer Versionen damit vermeidet. Die Filter-Funktionen wurden verbessert. Meine ersten Tests haben ergeben, daß die Version nur für verwegene Benutzer stabil genug ist; im Download ist sie 5 MB groß. [GD]

<http://www3.claris.com/emailer_beta/>

Performas an vorderster Front verkaufen

von Ian Gregson <igregson@portal.ca>

Haben Sie sich auch schon gefragt, warum das Verkaufspersonal in großen Elektronik-Läden, die Macs verkaufen, manchmal nicht besonders hilfsbereit (oder auch nur freundlich) ist? Meine Erfahrungen während der letzten Weihnachtssaison haben mir eine Idee vermittelt, warum manchen Mac-Interessenten von den Verkäufern die kalte Schulter gezeigt wird.

Ich benutze seit 1989 einen Mac und kurz vor Weihnachten schloß ich einen Vertrag mit Apple, betreffend eine ihrer Promotions-Aktionen, genannt Apple Demo Days. Nach zwei Tagen Einschulung begann meine Arbeit in einem der meistfrequentierten Läden von Future Shop in der Region Vancouver, British Columbia - wie sich herausstellte, eine wahre Hölle der Weihnachtseinkäufe.

Spiff und die Stückzahlen -- Ich fand heraus, daß das Verkaufspersonal von den Computerfirmen einen Bonus für zusätzliche Verkäufe erhält; dieser wird "spiff" genannt. Acer, Compaq, IBM, Apple - alle geben diese finanziellen Anreize. Raten Sie, wer den besten Bonus in den Läden gab, die ich besuchte - Acer. Wer hat am meisten verkauft? Acer. Wessen Prozente waren die geringsten? Apples. Wer hat am wenigsten verkauft? Dreimal dürfen Sie raten.

Die Anreize variieren nicht nur von Marke zu Marke, sondern auch zwischen den Modellen einer Firma. Der Bonus für die Performas 6400/200 und 6400/180 war viel höher als für den neuen Performa 6360.

Das Bonussystem ist wahrscheinlich der stärktse motivierende Faktor für Verkäuferinnen und Verkäufer. Sie verwenden viel mehr Zeit auf einen Acer-Interessenten als auf einen Mac-Aspiranten. Begriffe wie "bedienerfreundlich" und "plug and play" verlieren jedes Gewicht, wenn der Bonus bei Acer fünfmal so hoch ist wie bei Apple.

In meiner Zeit bei Future Shop hat sich der Acer Aspire etwa zehnmal so oft verkauft wie der Mac. Es war schrecklich anzusehen: Computer-Neulinge, die nicht wußten, was ihnen bevorstand, fragten meist nach einer billigen Maschine, mit der sie ins Internet gehen wollten. Der Aspire leistet das auch - nach einigen Stolpersteinen.

Ich habe mit vielen der Erstkäufer gesprochen. Meine erste Frage war: "Haben Sie je daran gedacht, einen Macintosh zu kaufen?" Zu neunzig Prozent erhielt ich die Antwort "nein" (das waren noch die höflicheren Leute). Ich bekam auch oft zur Antwort "Soll das ein Witz sein?", "Arbeitet der unter Windows?" oder "Alle meine Freunde haben Windows 95 - warum sollte ich einen Mac kaufen?" Nachdem ich diese prinzipielle Abneigung gegen den Macintosh überwunden hatte. waren die Leute aber von meiner Vorführung beeindruckt. Eine Diskette oder CD ins Laufwerk schieben, die dann am Desktop auftaucht - das hat sie begeistert wie die Einfachheit der Benutzung ganz allgemein, die Wiedergabe des Kabelfernsehens am Mac war eine Sensation. Etliche Personen haben den Kauf eines Mac ernsthaft erwogen (etwa fünf Minuten lang) - und dann doch einen Acer gekauft.

Etwas Positives: 90 Prozent der Macintosh-Benutzer waren erfreut, mich zu sehen. Ich führte interessante Gespräche mit langjährigen Mac-Fans; darin kam zum Ausdruck, was für ein großartiges Gerät der Mac ist und wie jämmerlich das Marketing von Apple. Die restlichen 10 Prozent waren Besitzer von Performa 6400, die ihre Geräte gleich bei ihrem Erscheinen gekauft hatten; zwei Monate später senkte Apple den Preis um 700 kanadische Dollar...

Offensichtlich kamen Erstkäufer schon mit einer vorgefaßten Meinung in den Laden, welchen Computer sie kaufen wollten. Sie kamen nicht, um eine Entscheidung zu treffen, sondern um den Computer zu kaufen, für den sie sich entschieden hatten. Zusammen mit der hohen Motivation des Personals, jedem Interessenten auch mit der geringsten Unentschiedenheit einen Acer anzupreisen, wirkte sich das in sehr geringen Mac-Verkäufen aus.

Was sollte Apple tun? -- Apple braucht eine aggressivere Werbestrategie, um die Acer Aspires dieser Welt nach Stückzahlen zu übertreffen. Werbesendungen von 30 Minuten mögen gut sein, aber ein kreativer, intelligenter Spot von 30 Sekunden kann mehr bringen. Kein Medium sollte dabei außer Betracht gelassen werden.

Obwohl die Anreize von Apple für Verkaufspersonal sich verbessert haben (alle Mitarbeiter in einem Future Shop erhielten je ein PowerBook 190, weil sie die besten Verkaufszahlen eines Zeitraums hatten), gibt es nichts, was Verkäufer mehr motiviert als kaltes, hartes Bargeld. Mehrere Mitarbeiter von Future Shop haben mir ihre Bonus-PowerBooks zum Kauf angeboten.

Wenn die Mac-Verkäufe in großen Elektronik-Läden derart enttäuschend laufen - warum werden die Geräte dann überhaupt in diesem Kanal angeboten? Preisbewußte, erstmalige oder schlecht informierte Käufer kaufen dort ihre Geräte. Die Läden von Future Shop liegen an vorderster Front der Schlöacht um neue Kaufkraft.

Es gibt immer noch viel mehr Personen ohne Computer zu Hause als solche mit Home-Computer. Apple muß die Erstkäufer erreichen, bevor sie noch einen Laden betreten. Dazu noch eine Strategie, das Verkaufspersonal für den Macintosh zu motivieren - und die Verkaufszahlen von Apple könnten steigen.

Internet für die TV-Generation

von Mark H. Anbinder <mha@tidbits.com>

Das Web hat die Aufmerksamkeit vieler Menschen an sich gezogen, die nach Information und Unterhaltung hungern. So unterschiedliche Organisationen wie die National Hockey League [die nordamerikanische Eishockey-Liga, --WJF] und das Oregon Shakespeare Festival haben Arbeit und Geld in ihre Web-Sites gesteckt, um sie attraktiv zu machen. Die Leser der TidBITS haben zwar klarerweise irgendeine Art von Internet-Zugang, in vielen Familien fehlen jedoch die Voraussetzungen dafür.

<http://www.nhl.com/>
<http://www.mind.net/osf/>

Neue elektronische Produkte für den Endverbrauchermarkt von Philips Magnavox und Sony, die beide den geschützten Namen WebTV verwenden, sollen Web- und E-Maildienste allen Menschen zur Verfügung stellen, die ein Fernsehgerät und einen Telefonanschluß haben (beides sollte nahe beieinander liegen). Die schwarze Design-Hardware kostet etwa 300 US$ (dazu noch 100 $ für die "optionale" Tastatur, auf die allerdings kaum verzichtet werden kann); der Dienst selbst kommt auf 20 US$ im Monat - weniger als Kabel-TV in der Regel kostet.

<http://www.sel.sony.com/SEL/webtv/index.html>
<http://www.magnavox.com/hottechnology/webtv/webtv.html>
<http://www.webtv.net/>

Ein großer Vorteil bei WebTV: Alles ist betriebsbereit. Keine Software ist zu installieren, keine speziellen Programme für Sound oder Video sind herunterzuladen, keine Meldungen wie "Zu wenig Speicher" oder "Allgemeine Schutzverletzung" treten auf. Das Gerät hat ein schnelles Modem eingebaut (33.6 Kbps v.34bis); Sie stecken die Kabel zwischen dem WebTV, Ihrem Telefonanschluß, dem Fernsehgerät und einer Netzsteckdose an - das ist alles.

<http://www.webtv.net/corp/HTML/home.specs.html>

Das Konzept von WebTV besteht darin, daß private Benutzer Unterhaltung und Information ins Haus geliefert bekommen wollen. Die Grundausstattung von WebTV, nur mit Fernbedienung und ohne Tastatur, bringt genau das. Sie können nach Belieben surfen, indem Sie die Pfeiltasten auf der Fernbedienung drücken; die "Go"-Taste benutzen Sie, um einem Link zu folgen oder eine Option zu wählen. Das klingt für jemanden, der an die Benutzung einer Maus gewöhnt ist, eigenartig; allzu exotisch ist es aber nicht - mich erinnert es an die Programmierung eines Videorekorders.

WebTV zeigt die Web-Seiten auf dem Fernsehschirm. Auch wenn ein TV-Schirm viel größer als die meisten Computer-Monitore ist, kann er doch nicht so viel Information darstellen; Fernsehgeräte haben eine geringere Auflösung als ein Monitor mit 640 zu 480 Punkten (die Bildqualität kann über den S-Video-Ausgang von WebTV noch etwas angehoben werden, wenn das TV-Gerät einen solchen Eingang hat). Viele Web-Seiten sehen in WebTV völlig anders aus als im Netscape Navigator oder im Internet Explorer. Wegen des "Interlaced"-Verfahrens beim Fernsehen [d.h. bei dem einen vertikalen Durchlauf des Kathodenstrahls werden die Zeilen mit den geraden Nummern gezeichnet, beim nächsten die mit den ungeraden. --WJF] tendieren horizontale Linien von 1 Pixel Höhe zum Flackern. Text wird oft anders umbrochen, Grafiken können an anderer Stelle erscheinen, als der Gestalter der Seite es wollte. Web-Seiten, die für sehr große Monitore entworfen worden sind (was ich insgesamt für eine schlechte Idee halte) sind besonders problematisch.

Reale Erweiterungen -- In der neuesten Version beherrscht WebTV RealAudio, mit dem Web-User in Echtzeit Konzerte, Nachrichten und andere akustische Inhalte hören können. Eine Modem-Verbindung hat genug Bandbreite, daß Sprache gut klingt, Musik immer noch passabel. Wenn die Entwickler von WebTV neue Funktionen fertig haben, bietet das WebTV-Gerät dem Benutzer an, die erforderliche Software selbsttätig herunterzuladen und sich so auf den neuesten Stand zu bringen. Ein Update über das Modem dauert einige Minuten, daher fragt WebTV vorher, ob der Vorgang auch erwünscht ist.

E-Mail für alle -- WebTV bietet auch E-Mail und kann bis zu fünf private Mailboxen verwalten. Es handelt sich um eine Art E-Mail, die bestens geeignet ist, an Großmama ein paar Zeilen zu schreiben - WebTV bringt nicht genug Text auf dem Bildschirm unter, um längere E-Mail-Messages auf einmal darzustellen. Der proportionale Zeichensatz (der Helvetica ähnlich) macht die Formatierung einer E-Mail-Nachricht gegenstandslos, aber zum Senden und Empfangen kurzer Mitteilungen reicht es.

Damit bin ich auch schon beim Thema Texteingabe. Die meisten Internet-User müssen ab und zu Text eintippen, auch wenn sie keine E-Mail verwenden. Um WebTV dazu zu bringen, "www.cnn.com" oder "www.tidbits.com" anzufahren, müssen Sie die Adresse eingeben. In der Grundausstattung von WebTV suchen Sie per Adlermethode [kreisen und zustoßen, --WJF] mit der Fernbedienung auf einer virtuellen Tastatur am Bildschirm Buchstaben für Buchstaben zusammen - eine quälend langwierige Prozedur.

Die Tastatur benutzt wie die Fernbedienung drahtlose Infrarot-Technologie - Sie können auf der Couch sitzen und die Tastatur auf dem Schoß halten. Sie ist klein und gewöhnungsbedürftig, aber weit besser für die Texteingabe geeignet als die Fernbedienung.

Mark mag WebTV! -- Ich habe mich überraschend schnell an den Browser von WebTV gewöhnt; auch der entspannte Zugang zum Web von der Couch aus und die Möglichkeit, die URL-Adresse, die in einer TV-Sendung vorkommt, sofort anzufahren, sind mir inzwischen ans Herz gewachsen. Anders gesagt, auch erfahrene Internet-Veteranen könnten WebTV-Fans werden. Natürlich ist die eigentliche Zielgruppe die Familie, die keinen Computer hat, aber ich sehe auch Bedarf für WebTV in Haushalten mit Internet-Zugang. Und wenn Sie schon dabei sind: Kaufen Sie auch ein weiteres WebTV für Großmama gleich mit!

Latenzzeit schlägt Bandbreite (Teil 1)

von Stuart Cheshire <cheshire@cs.stanford.edu>

Vor Jahren hat mich David Cheriton an der Stanford University etwas gelehrt, was mir damals wie eine Binsenweisheit vorkam - wenn Sie einen Netzwerkzugang mit niedriger Bandbreite haben, können Sie mehrere solcher Verbindungen parallel schalten, um in Summe eine höhere Bandbreite zu erhalten. Haben Sie jedoch einen Zugang mit schlechter Latenzzeit, kann kein Geld dieser Welt Ihnen über parallele Verbindungen eine bessere Latenzzeit verschaffen. Viele Jahre sind seit damals ins Land gegangen und diese Erkenntnisse scheinen bei den Firmen, die Netzwerk-Hardware und -Software für den Normalverbraucher anbieten, nicht mehr vorhanden zu sein. Es scheint mir an der Zeit, diese Erscheinungen zu erklären.

Geschwindigkeit und Kapazität -- Auch kompetente Leute haben oft Schwierigkeiten, die Auswirkungen der Latenz auf den gesamten Durchsatz zu begreifen. Das Problem hat zum Teil mit dem Gebrauch des Wortes "schneller" zu tun. Würden Sie eine Boeing 747 als dreimal so schnell wie eine 737 bezeichnen? Natürlich nicht - beide fliegen mit etwa 850 Kilometern in der Stunde. Der Unterschied liegt darin, daß die 747 bis zu 500 Passagiere transportiert, die 737 aber nur 150. Die Boeing 747 ist dreimal so groß, aber nicht dreimal so schnell wie die 737.

Wenn Sie es wirklich eilig hätten, über den Atlantik zu kommen, müßten Sie die Concorde nehmen, die etwa 2000 Kilometer in der Stunde macht. Sie faßt aber nur 100 Personen und ist damit das kleinste der drei Flugzeuge - Größe und Geschwindigkeit sind eben ganz verschiedene Dinge.

Wenn Sie mit einem einzigen Flugzeug 1500 Personen transportieren müßten, könnte die 747 dies mit drei Flügen bewältigen, die 737 müßte die Strecke zehnmal fliegen. Man könnte also sagen, daß die 747, verglichen mit der 737, große Personenzahlen in einem Drittel der Zeit transportieren kann, aber niemand würde behaupten, daß die 747 dreimal so schnell sei wie die 737.

Ein Problem mit den Kommunikationsprodukten heutzutage ist, daß die Hersteller "Geschwindigkeit" sagen, wenn sie "Kapazität" meinen. Ein anderes Problem, sofern Endverbraucher betroffen sind: Diese wollen in erster Linie große Dateien schneller übertragen. Dafür scheint sich eine Verbindung mit hoher Kapazität und niedriger Geschwindigkeit anzubieten. Was die Laien aber nicht sehen: Um einen solchen Dateientransfer zu bewerkstelligen, senden ihre Computer Dutzende kleine Kontroll-Mitteilungen hin und her. Kommunikation über Computer unterscheidet sich durch ihre Interaktivität von Radio oder Fernsehen und diese Interaktivität beruht auf dem Hin- und Herschicken von Signalen.

Der Begriff "Verbindung mit hoher Kapazität und niedriger Geschwindigkeit", den ich oben verwendet habe, mutet wahrscheinlich seltsam an. Wir haben uns so sehr an eine unrichtige Ausdrucksweise gewöhnt, daß die korrekte schon seltsam wirkt. Wie kann eine Verbindung hoher Kapazität langsam sein? In anderen Bereichen ist dieses Mißverständnis nicht entstanden: Wenn jemand von einem Öltanker mit hoher Kapazität redet, stellen Sie sich dann ein schnelles Schiff vor? Ist ein Lastwagen hoher Kapazität schneller als ein kleines Sportcoupé?

Fangen wir also an, diese Unterscheidung in der Kommunikation zu treffen. Wenn jemand von einem Modem sagt, es habe eine Geschwindigkeit von 28,8 Kbps, müssen wir uns bewußt machen, daß 28,8 Kbps nicht die Geschwindigkeit des Modems sind, sondern seine Kapazität. Geschwindigkeit ist ein Maß für Entfernung, geteilt durch Zeiteinheiten, und "bits" sind nun einmal kein Maß für Entfernung.

Aber zum wahrgenommenen Durchsatz trägt mehr bei als nur Kapazität und Geschwindigkeit, nämlich die Latenzzeit. Wenn Sie eine Festplatte kaufen, sollten Sie über ihre Suchzeit Bescheid wissen. Die maximale Transferrate ist zwar auch wichtig, aber die Suchzeit wiegt schwerer. Warum spricht niemand von der Suchzeit eines Modems? Die Latenzzeit ist dasselbe wie die Suchzeit einer Festplatte - die Mindestzeit zwischen der Anforderung eines Datenpakets und dessen Eintreffen - und ebenso wichtig.

Der Affe auf Ihrem Buckel -- Wenn Sie eine schlechte Latenzzeit haben, werden Sie sie nicht mehr los. Wenn Sie über Modem eine große Datei übertreagen wollen, dauert das vielleicht einige Minuten. Je weniger Daten Sie schicken, desto weniger Zeit erfordert es, aber es gibt ein unteres Limit. Wie klein die Datenmenge auch immer sein mag, für ein gegebenes Kommunikationsgerät gibt es eine Mindestzeit, die Sie nicht unterschreiten können - das ist die Latenzzeit des Geräts. Bei einer typischen Ethernet-Verbindung liegt die Latenzzeit bei 0,3 ms (Millisekunden, also Tausendstel Sekunden). Für eine typische Modemverbindung weisen Ping- und Traceroute-Tests eine Latenzzeit von etwa 100 ms aus, also 300mal so lang wie bei Ethernet.

Wenn Sie zehn Zeichen (zu je acht bit) über Ihr 33,6-Kbps-Modem übertragen wollen, könnten Sie meinen, es werde dauern:

80 bit / 33000 bit pro Sekunde = 2,4 ms

Leider stimmt das nicht. Es dauert 102,4 ms wegen der Latenzzeit von 100 ms, die von den Modems an beiden Enden der Verbindung verursacht wird.

Wenn Sie eine größere Datenmenge, sagen wir 100 KB, übertragen wollen, dauert das 25 Sekunden; die Latenz von 100 ms macht sich kaum bemerkbar. Bei kleineren Datenmengen, etwa bei 100 Byte, übersteigt die Latenz die Übertragungszeit bei weitem.

Warum sollte Ihnen das nicht egal sein? Warum sollten kleinste Datenmengen irgendeine Rolle spielen? Den meisten Benutzern fällt die Zeit, die zum Übertragen großer Dateien nötig ist, deutlich auf; daher denken sie nicht einmal an die Latenzzeit, wenn sie Telekommunikationsprodukte kaufen.

Was vielen Leuten nicht klar ist: Computer tauschen während der Übertragung einer großen Datei Hunderte kleiner Kontrollsignale aus. Daher wirkt sich die Übertragungsrate für kleine Datenmengen direkt auf die Leistungen bei allen anderen Übertragungen in diesem Netz aus.

Stellen Sie sich weiter vor, Sie leben in einer Welt, wo die einzige Verbindung zu Ihrem Haus eine über Modem und Telefonleitung ist. Ihr Modem hat eine Latenz von 100 ms, aber Sie wollen etwas machen, wofür eine bessere (also kürzere) Latenz nötig ist. Sei es, Sie wollen Audio über das Netz betreiben (100 ms klingt nicht nach sehr viel, aber bei Sprachkommunikation bedeutet das Verzögerungen und Echos), sei es, Sie spielen ein interaktives Spiel über das Netz, das nur kleine Datenmengen über die Leitung schickt (aber die 100 ms bremsen das Spiel doch stark herunter).

Was können Sie in diesem Fall tun? Absolut nichts. Sie können die Daten komprimieren, aber das nützt nichts: Die Datenmengen sind ohnehin schon klein - die Latenzzeit von 100 ms ist immer noch da. Sie könnten 80 Telefonleitungen parallel installieren und gleichzeitig je ein bit über jede Leitung schicken - die 100 ms Latenz bleiben Ihnen erhalten.

Mit anderen Worten: Wenn Sie eine Gerät mit schlechter Latenz haben, können Sie nichts tun außer dieses Gerät gegen ein anderes mit besserer Latenzzeit auszutauschen.

Die Latenzzeit von Modems -- Geräte, die für Konsumenten bestimmt sind, haben derzeit erschreckend lange Latenzzeiten. Die typische Ethernetkarte liegt unter 1 ms, das Internet-Backbone als ganzes hat ebenfalls eine sehr gute Latenz - hier ein reales Beispiel:

Das Internet als ganzes schafft also real sehr gute Werte. Es kann sich noch verbessern, aber es wird die Lichtgeschwindigkeit nie übertreffen. Mit anderen Worten, die Schleifenzeit von Stanford nach Boston und retour von 85 ms kann gesenkt werden, aber sie wird die theoretischen 48 ms nie unterschreiten. Die Geschwindigkleit wird sich also nie verdoppeln lassen. Innerhalb eines Faktors 2 befindet sich das Internet-Backbone am theoretischen Optimum - das können nicht viele Technologien von sich behaupten.

Vergleichen wir das nun mit einem Modem. Nehmen wir eine Entfernung von 18 km zu Ihrem Internet-Provider an. Bei der Lichtgeschwindigkeit in Glasfaser (oder der Geschwindigkeit von Elektrizität in Kupfer, die etwa gleich ist) ergibt sich ein theoretischer Wert für die Latenzzeit:

18000 / (180 * 10^6 m/s) = 0,1 ms

Obwohl es bei Modems Unterschiede gibt, dürfte die reale Latenz Ihres Modems zwischen 75 ms und 130 ms liegen. Modems operieren also derzeit auf einem Niveau, das etwa 1000mal schlechter ist als die Lichtgeschwindigkeit. Dazu kommt, daß die Latenz sich in beiden Richtungen auswirkt. Wenn eine Strecke bei einem gängigen Modem eine Latenz von 130 ms hat, dann liegt die Gesamtzeit bei 260 ms.

Natürlich wird keine Modemverbindung je eine Latenz von 0,1 ms erreichen. Von Interesse ist vielmehr die Gesamtzeit der Übertragung, von einem Ende zum anderen - die Zeit zwischen dem Moment, in dem die sendende Software das Datenpaket abschickt, und dem Augenblick, in dem es bei der empfangenden Software am anderen Ende eintrifft. Die gesamte Übertragungszeit setzt sich aus der fixen Latenz (einschließlich der Verzögerung durch die endliche Lichtgeschwindigkeit) und der volumenabhängigen Übertragungszeit zusammen. Diese beträgt für ein Paket von 36 Byte 10 ms (288 bit bei einer Übertragungsrate von 28,8 Kbps). Wenn die reale Übertragungszeit nur 10 ms beträgt, wäre es absurd, die Latenz auf 0,1 ms senken zu wollen. Die Latenz sollte nur relativ klein im Vergleich zur Übertragungsdauer sein. Etwa 5 ms könnten ein sinnvolles Ziel für die Latenz eines Modems mit einer Rate von 28,8 Kbps sein.

Was bedeutet Übertragungsdauer? -- An jedem Knoten auf der Strecke besteht die gesamte Übertragungsdauer aus zwei Komponenten: eine volumsabhängige Übertragungszeit und eine fixe Overhead-Zeit. Die erstere ist einfach zu berechnen - sie hängt lediglich von der Übertragungsrate ab. Die fixe Overhead-Zeit setzt sich aus Software-Overhead, Hardware-Overhead und der Verzögerung durch die Lichtgeschwindigkeit zusammen.

Bei Modems ist die Entfernung üblicherweise gering, sodaß die Verzögerung durch die Lichtgeschwindigkeit nicht von Bedeutung ist. Die Datenrate ist niedrig, es dauert also lange, ein Byte zu senden. Die Übertragungsdauer pro Byte sollte den größten Teil der gesamten Übertragungsdauer für das Paket ausmachen. 100 Byte über die Modemverbindung zu schicken dauert also in der Theorie:

100 Byte * 8 bit pro Byte / 28800 bit pro Sekunde = 28 ms

Das ergibt eine Schleifenzeit für beide Strecken im doppelten Ausmaß, also 56 ms. In der Praxis dauert es aber eher 260 ms - was ist der Grund dafür? Es gibt noch zwei Faktoren, die zu der Gesamtzeit beitragen.

Erstens sind Modems meist über serielle Schnittstellen angeschlossen. Viele Modembenutzer nehmen an, daß sie keinesfalls ihren Durchsatz beschneiden, wenn sie ein Modem mit 28,8 Kbps an ihren seriellen Port mit 38,4 Kbps anschließen, weil 38,4 größer ist als 28,8. Der Durchsatz wird durch den seriellen Port nicht eingeschränkt, aber dieser fügt eine Verzögerung hinzu, die nicht mehr wegzubekommen ist. Wenn 100 Byte über den seriellen Port geschickt werden, dauert es:

100 Byte * 10 bit pro Byte / 38400 bps = 26 ms

Zweitens gruppieren Modems Daten zu Blöcken. Das Modem wartet etwa 50 ms lang, ob noch weitere Daten kommen, die es zu dem Block hinzufügen könnte, erst dann sendet es die schon vorhandenen Daten. Die Gesamtdauer beträgt nun also:

26 ms (100 Byte vom seriellen Port zum Modem)
50 ms (fixe Wartezeit des Modems)
28 ms (Übertragungszeit über die Telefonleitung mit 28.8 Kbps)
26 ms (100 Byte zum seriellen Port auf der empfangenden Seite)

Somit ist die Gesamtzeit 130 ms in jeder Richtung, also 260 ms für die gesamte Schleife hin und retour. Stellen Sie sich nun vor, daß die 100 Byte von einem Netzwerkspiel mit zwei Spielern gesendet werden. Wenn beide Teilnehmer an ihren jeweiligen Provider per Modem angebunden sind, dann beträgt die Gesamtzeit für beide Spieler 520 ms, was für einen reaktionsschnellen Ablauf aussichtslos ist. Kann irgend etwas geschehen, um die Situation zu verbessern?

Die Verbesserung der Latenz -- Es ist zu beachten, daß die serielle Verbindung von 38,4 Kbps zwischen dem Computer und dem Modem, die die meisten Leute nicht für die Engstelle halten, immerhin für 52 ms Verzögerung verantwortlich ist. Sie bringt aber den größten einzelnen Beitrag in die Gesamtzeit ein - doppelt so viel wie die eigentliche Kommunikation über die Telefonleitung. Wenn die beiden Modems mit je 115,2 Kbps an den Computern hängen statt mit 38,4 Kbps, sinkt die Verzögerung durch den seriellen Port auf nur noch je 9 ms. Bei Verwendung eines internen Modems kann die Verzögerung ganz beseitigt werden; die Gesamtzeit für beide Richtungen sinkt auf 156 ms ab.

Nachdem die Verzögerung beim seriellen Port verringert ist, stellt die Wartezeit von 50 ms, die in das Modem eingebaut ist, die größte Bremse dar. Woher kommt dieser Overhead? Modernen Modems bieten allerlei "Zusatzfunktionen" - Kompression und automatische Fehlerkorrektur. Um diese Funktionen effizient durchführen zu können, muß das Modem die Daten in einem Puffer zwischenspeichern. Solange sich die Daten in dem Pufferspeicher ansammeln, werden sie nicht über die Leitung geschickt. Eine kleine Datenmenge, sagen wir 100 Byte, ist zu klein für effiziente Kompression oder Fehlerkorrektur; das Modem wartet also, ob noch mehr Daten kommen; erst nach 50 ms komprimiert es die Daten und schickt sie nach außen weiter. Diese 50 ms sind verlorene, vergeudete Zeit, die nicht mehr gutzumachen ist.

Modems sind ursprünglich zum Zweck des Terminalzugangs konzipiert, bei dem der Benutzer einzelne Zeichen eingibt, die an einen Großrechner am anderen Ende weitergeleitet werden. Das einzige Anzeichen, daß ein Benutzer seine Eingabe beendet hatte (oder daß der Großrechner nicht mehr antwortete) war eine Pause im kontinuierlichen Datenstrom. Das Modem mußte raten, ob noch weitere Daten zu erwarten waren oder nicht - es wurde ihm nicht explizit mitgeteilt.

Das alles gehört der Vergangenheit an. Die meisten Leute benutzen heute ihre Modems, um ins Internet einzusteigen; Daten werden als diskrete Pakete, nicht als kontinuierlicher Fluß wie früher, versendet.

Es gibt eine einfache Lösung für die Probleme. Wir könnten Modems die Tatsache, daß sie Internet-Pakete versenden, erkennen lassen. Wenn ein Modem das Zeichen für das Ende eines Pakets im Point-to-Point-Protokoll (PPP), nämlich 0x7E, bekommt, könnte es damit das Paket als vollständig auffassen und es komprimieren und verschicken, ohne vorher 50 ms verstreichen zu lassen. Diese einfache Vorgangsweise würde den fixen Overhead beseitigen und eine Gesamtzeit (beide Richtungen) von 56 ms bei einer PPP-Verbindung möglich machen - ein fünfmal besserer Wert, als gängige Modems derzeit aufweisen.

[Nächste Woche geht es weiter: Stuart erklärt, wie Bandbreite und Latenz einander beeinflussen und wie sich Software des Latenzproblems annehmen kann.]



Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Mark Anbinder [MHA], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD].

Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF].

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