TidBITS#368/03-Mar-97 - Deutsch

Sind Sie ein erfahrener Macianer, wenn es um die Erstellung von Volltext-Suchmaschinen für das Web geht? Dann machen Sie doch bei unserem ersten Wettbewerb um das beste Search Tool mit! Dieses Mal bringen wir auch den zweiten Teil von Stuart Cheshires Artikel über Latenzzeit und Bandbreite, dazu noch Neues zu Internet Explorer und Quicken; unsere Korrespondenten berichten von der Macworld in Tokio.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#368/03-Mar-97.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-368.html>

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Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1997/TidBITS#368/03-Mar-97>

Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-368.etx>
<ftp://nic.switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-368.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-368.etx>


MailBITS/03-Mar-97

[Übersetzung: Tobias Engler]

Übersetzer gesucht -- Im Laufe des letzten Jahres haben Gruppen begeisterter Freiwilliger die TidBITS-Ausgaben mit großem Erfolg ins Chinesische, Niederländische, Französische, Deutsche, Japanische und Spanische übersetzt. Diese Gruppen brauchen nun weitere Freiwillige, um die Arbeit besser verteilen zu können. Jede Gruppe arbeitet zu einem bestimmten Grad nach einem eigenen Zeitplan, prinzipiell dreht es sich für Freiwillige jedoch um einen Artikel, der pro Woche zu übersetzen wäre. Wer Interesse daran hat, den Mac in seinem Land (oder in seiner Sprache) zu unterstützen, der nehme doch bitte Kontakt mit dem entsprechenden Zuständigen auf. [ACE]

Chinese -- Peter <webmaster@appleclub.com.hk>
Dutch -- Sander Lam <sanderlm@knoware.nl>
French -- Chantal David <csamuel@excelsior.fr>
German -- Walter J. Ferstl <ferstl@carrier.co.at>
Japanese -- Shuichi Odaka <odaka@iprolink.ch>
Spanish -- Javier Pedreira <wicho@encomix.es>

[Hinweis in Sachen der deutschsprachigen TidBITS: Die Reaktionen waren überwältigend und wir stellen gerade ein Übersetzer-Team zusammen. Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre Hilfsbereitschaft. --WJF]

Microsoft Internet Explorer 3.0a -- Obwohl ich eine Vielzahl von Browsern benutze, um mir Web-Seiten anzuschauen oder zu testen, benutze ich Microsofts Internet Explorer immer häufiger. Mit der Veröffentlichung von Version 3.0a (leider nur für PowerPCs) hat Microsoft einige Probleme beseitigt, die beim Löschen von Cache-Dateien, wiederholtem Laden von einigen Web-Seiten, Challenge Response Control (wird bei Zugriff auf gesicherte Seiten benutzt) und dem Laden von Java unter MacTCP auftraten. Es gibt sowohl eine minimale als auch eine Vollversion, die Größe beläuft sich bei der einen auf 2,1 MB, bei der anderen auf fast 8 MB. [JLC]

<http://www.microsoft.com/msdownload/ieplatform/iemac.htm>

Steve Becker <steve@macease.com> schreibt:
Intuit hat ein Update R6 für Quicken 7 und Quicken 7 Deluxe herausgebracht. Es werden damit einige Fehler behoben (siehe TidBITS-353 und TidBITS-359), dazu wurde die unübliche Berechnung des ROI (Return on Investment) durch diejenige ersetzt, wie sie im "Investment Performance"-Report verwendet wird. Speed Doubler von Connectix kann das Öffnen von Register-Fenstern deutlich beschleunigen; Fehlermeldungen beim Indizieren sind manchmal zu vermeiden, wenn die Speicherzuteilung von Quicken ein wenig erhöht wird (bei mir war 1 MB mehr RAM ausreichend).

<http://www.intuit.com/quicken/technical-support/quicken/releases/qfm7-releases/>

TidBITS-Wettbewerb Macintosh Search Tool

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

Schon seit einiger Zeit bedauern wir, daß es für die TidBITS keine gute Volltext-Suchmaschine gibt. Vor Jahren hat uns Ephraim Vishniac ein exzellentes WAIS-Programm erstellt, das auf dem WAIS-Server von Thinking Machines lief. Später wurde diese Suchmöglichkeit durch eine andere ersetzt, die von Sensei Consulting in Australien betrieben wird. Diese Option ist sehr wertvoll, aber wir hören immer wieder von Schwierigkeiten mit dieser Maschine. Dazu kommt, daß eine Suche immer eine ganze Ausgabe zurückliefert statt einzelner Artikel - es muß also in der erhaltenen Ausgabe noch einmal gesucht werden.

Für den Mac ist in den letzten Jahren eine Reihe von Suchwerkzeugen auf den Markt gekommen; wir hatten aber nie die Kombination aus Zeit, Hardware und Erfahrung, um eine Auswahl treffen zu können. So sind wir denn nun auf die Idee gekommen, diese Softwareprodukte auf andere Weise zu beurteilen - wir veranstalten einen Wettbewerb unter dem Titel "Search Tool Shootout".

Dabei verfolgen wir mehrere Ziele. Zuerst einmal wollen wir das beste Suchwerkzeug für die Mac-Plattform unter den konkurrierenden Produkten herausfinden. Dann wollen wir die Urheber dieser Programme ihre Werke angemessen präsentieren lassen. Nicht zuletzt sollen unsere Leser komfortable Suchmöglichkeiten für die TidBITS erhalten.

Wer kann teilnehmen? Alle können sich beteiligen, obwohl wir davon ausgehen, daß Personen, die schon Suchprogramme geschrieben haben, das meiste Interesse haben werden - schließlich bietet sich ihnen die Möglichkeit, ihre Arbeiten einem Test unter realistischen Bedingungen zu unterziehen, bei dem der Kreis der Benutzer in die Tausende geht. Wenn Sie also ein Konsulent sind und sich auf die Einrichtung von Suchprogrammen auf Mac-Basis spezialisiert haben, sind Sie herzlich eingeladen, an dem Bewerb teilzunehmen.

Worin besteht der Test? Wenn alle an einer Teilnahme Interessierten unseren Redakteur Jeff Carlson unter <jeffc@tidbits.com> kontaktiert haben, werden wir den Zugang zu allen erschienenen Ausgaben der TidBITS in HTML-Format einräumen. Dabei handelt es sich nicht um Kleinkram - der Bewerb wird mehr als 360 Ausgaben der TidBITS mit einem Umfang von etwa 11 MB aus den letzten sieben Jahren benutzen. Wenn alle Teilnehmer die TidBITS-Ausgaben haben, können sie ihre Suchmaschinen aufsetzen. Wir haben nicht annähernd genug Macs, um diese Programme zu beherbergen; die Berweber müssen also ihre eigene Hardware und Internet-Verbindung verwenden. Technische Fragen zum Format und zu anderen Aspekten können an mich unter <ace@tidbits.com> gerichtet werden.

Spezifikationen -- Kein Wettbewerb kommt ohne Regeln aus; alle teilnehmenden Programme müssen:

Zusätzliche Features, die eingebaut werden können (und die Gewinnchancen eines Programms erhöhen), sind:

Der zeitliche Rahmen -- Wir erwarten von den Berwebern nicht, daß sie jetzt alles liegen und stehen lassen und ihre gesamte Zeit nur noch diesem Bewerb widmen - eigentlich erwarten wir uns auch Kommentare in der Art wie "ich habe das alles zusammengeschrieben, während ich auf meine Pizza wartete". Beim Mac geht es um einfache Bedienbarkeit; wir hoffen daher, daß es auch nicht schwierig sein wird, diese Systeme aufzusetzen. Hier die Eckdaten:

Wie werden wir beurteilen? Die Details der Realisierung liegen bei den Bewerbern, aber alle Teilnehmer sollten einige Richtlinien im Auge behalten. Alle Spezifikationen müssen eingehalten werden (obwohl wir keine Bewerbung disqualifizieren, die nicht alle erfüllt - Ausnahmen sind die Anforderung nach dem Mac und dem Web, die nicht zur Diskussion stehen).

Die Preise -- In einem Bewerb müssen am Ende auch Preise verteilt werden und wir belohnen den Siegerbeitrag (oder die gewinnenden Beiträge) mit dem, was wir in erster Linie haben - mit der Bekanntmachung bei etwa 150.000 Mac-Benutzern. Wir werden über den Bewerb schreiben, jeden einzelnen Beitrag besprechen, den besten seiner Art ganz ausführlich. Schließlich werden wir die beste Lösung auf unseren Servern installieren und den Urheber dabei natürlich im vollen Umfang nennen. Alle Berweber können ihre suchbaren Archive weiter betreiben.

Macworld Tokio: Von Kameras und Macs

von Chuck und Linda Shotton <cshotton@biap.com>

Die Tokio-Ausgabe der Macworld Expo gibt sich immer strahlender und selbstbewußter als ihre Schwestern in Boston und San Francisco - die Stände sind größer, es gibt mehr Personal, alles wird mit mehr Aufwand betrieben. Bemerkenswert ist insbesondere die größere Bandbreite der Produkte. Zu den Produkten, die schon von Boston und San Francisco geläufig sind, kommen noch die Waren, Ideen und Technologien aus der anderen Hemisphäre. Wir waren auf der Suche nach Dingen, die in den Vereinigten Staaten nicht allgemein zu haben (oder dort auch nur nicht so bekannt) sind.

Digitale Kameras -- Unsere erste Runde führte uns zu den Ständen der Anbieter digitaler Kameras. Das Erscheinen der neuen QuickTake 200 von Apple legt den Vergleich mit neuen Produkten japanischer Anbieter nahe. Dabei haben wir versucht, uns auf bemerkenswerte Kameras zwischen 250 und 1.500 US$ zu konzentrieren.

Fujifilm zeigte die neue Fujix DS-300, die mit etwa 1.400 US$ zu den teureren Angeboten zählt. Sie bringt eine Reihe von Features in einem Gehäuse unter, das nicht größer als eine normale Spiegelreflexkamera ist. Außer RS-232- und NTSC-Schnittstellen [letztere für die US-Fernsehnorm, --WJF] bietet sie einen PC-Card-Steckplatz und eine SCSI-Buchse. Die große Überraschung ist aber die beeindruckende Auflösung bis 1280 zu 1000 Punkten. Bei dieser Auflösung können 8 Bilder im TIFF- oder JPEG-Format gespeichert werden, 30 Bilder in "hoher" Auflösung, 62 in der normalen von 640 zu 480 Pixeln und 121 Fotos in einer "niedrigen" Auflösung. Die Kamera verwendet normale Kleinbild-Objektive, das CCD-Element kann Filmemfindlichleiten zwischen 100 und 400 ASA emulieren.

<http://www.fujifilm.co.jp/noah/>

Am anderen Ende des Preisspektrums liegt die Cool Shot (KXL-600A-N) von Panasonic. Dies Kamera mit Pistolengriff hat die Größe einer Karteikarte (7,5 x 12,5 cm) und ist kaum mehr als zwei Zentimeter dick. Auf ein (Batterie-)stromfressendes LCD-Display verzichtet sie zugunsten eines optischen Suchers, wie er bei automatischen Kleinbildkameras üblich ist. Die Cool Shot verwendet Standard-PC-Karten vom Typ II und kann bei einer Auflösung von 640 zu 480 Punkten 24 Bilder, bei 320 zu 240 Pixeln 96 Bilder auf einer Karte mit 2 MB speichern. Der große Reiz dieser Kamera liegt in der Handlichkeit und der Bedienung mit einer Hand. Ein externes LCD-Display ist optional, ebenso eine Docking-Station zur Verbindung mit einem Desktop-Computer. Software gibt es für PCs und Macs. Die Preise liegen zwischen 400 und 800 US$.

<http://www.panasonic.co.jp/cbdo/p3/>

Neue Kameramodelle von Ricoh und Sharp sind ebenfalls bemerkenswert. Das neue Produkt von Sharp ist eine PC-Karte mit eingebauter digitaler Kamera. Sie ist für den Gebrauch mit dem farbigen Zaurus-Organizer entworfen und kann von einer tragbaren Stromversorgung direkt in einen Laptop gesteckt werden, wo die Bilder sofort zugänglich sind. Die Ricoh DC-2 kann nicht nur Standbilder, sondern auch Videos und/oder Tonaufnahmen und gesprochene Anmerkungen speichern. Das Grundmodell DC-2E, nur für Standbilder, ist um etwa 650 US$ zu haben, die Modelle 2L und 2V mit Video- und Audiofeatures um 800 und 950 US$.

<http://www.ricoh.co.jp/dc/index.html>

Pioniere bei den Macs -- Obwohl die angekündigte Hardware von Apple ein Hit war, hat Pioneer doch einige neue Mac-Kompatible gezeigt, die auf meinem Schreibtisch jederzeit willkommen wären. Die Clones von Pioneer kombinieren hohe Leistung mit Features, die in den U.S.A. derzeit nicht zu haben sind, in einem Minitower-Gehäuse. Sie entsprechen nämlich schon den CHRP-Spezifikationen (PPCP); auf dem Modell MPC-GX2 läuft die CHRP-Variante von System 7.6. Mit einem 604e und 200 MHz sowie 32 MB RAM und 512 K Level-2-Speicher ist das Gerät sehr schnell. Zu den üblichen Mac-Schnittstellen kommen noch 4 PCI-Slots, ein ISA-Steckplatz, 2 IDE-Kanäle, eine SCSI-Festplatte von 2 GB und die üblichen Ports eines Intel-PCs. Das Beste ist ein DVD-Laufwerk; es wurde der neueste James-Bond-Film (Goldeneye) abgespielt, während im Vordergrund Applikationen von System 7 liefen - sehr beeindruckend. Endkundenpreise waren nicht zu erfahren, aber die Preise dürften bei 3.500 US$ beginnen.

<http://www.pioneer.co.jp/comp/>

Gedankenspiel nach Noten... -- Was uns noch aufgefallen ist: Verbesserte Versionen der AtMark-Pippin-Geräte und die Brainwave-Hardware von IBVA, mit der die direkte Ausgabe von Gehirnwellen auf MIDI vorgeführt wurde - der Benutzer konnte also neue Musik "denken". Die Software dazu liegt in einer Plug-In-Architektur vor; die Hard- und Software kann dadurch in beinahe jeder Mac-Applikation über Skripts etc. benutzt werden. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, obwohl der Preis in Japan (drahtlose Kopfgarnitur, Basisstation und Software) bei 1.000 US$ liegt.

<http://www.opendoor.com/Pagoda/IBVA.html>

Englisch als Fremdsprache -- Bei der Software gab es ein interessantes Sprachlernprogramm von Transparent Language, English Now! genannt. Bei diesem Produkt sind schriftliche, gesprochene und visuelle Elemente zu einem System vereinigt, das ein umfassendes Sprachenlernen erlaubt. Englischer Text kann in einer Reihe synthetischer Stimmen vorgesprochen werden; Sie können Ihre eigene Stimme dazu aufnehmen und sie mit den Sonogrammen korrekt gesprochener Wörter vergleichen. Zahlreiche Lektionen und Spiele helfen dabei, das Übersetzen von japanischem Text ins Englische und umgekehrt zu üben, wandeln gesprochenen Text in Geschriebenes um und vice versa. English Now! ist erstaunlich vollständig; es kostet als CD-ROM für Mac und Windows etwa 100 US$.

<http://www.three-a.co.jp/>

Summa summarum -- Es war viel mehr zu sehen als wir in den zwei Tagen bewältigen konnten. Die neue Hardware von Apple war nicht schlecht, aber nur ein gradueller Fortschritt. Unsere Wertung: Großes Lob für die Pioneer-Clones (und, nebenbei gesagt, für ein Pioneer-LCD-Display mit einer Diagonale von 25 Zoll, das nur 2 Zoll dick ist). Ganz oben in der Hardware-Liste auch das IBVA-Paket. Bei der Software ist der Hit English Now! (obwohl wir keine Experten für computergestützte Sprachdidaktik sind).

Latenzzeit schlägt Bandbreite (Teil 2)

von Stuart Cheshire <cheshire@cs.stanford.edu>

[In der vorigen Ausgabe (TidBITS-367) hat Stuart die Themen Latenzzeit und Gesamtübertragungsdauer bei modemgestützter Kommunikation im Internet behandelt. Diesmal geht er auf die Beziehung zwischen Bandbreite und gesamter Latenz einer Verbindung ein.]

Letztes Mal habe ich die Leser gebeten, sich eine Welt vorzustellen, in der die einzige Netzverbinding, die sie zu Hause bekommen können, eine über Modem und Telefonleitung mit 33,6 Kbps ist. Stellen Sie sich nun vor, daß dies für Ihren Bedarf nicht ausreicht. Was tun?

Mehr Bandbreite - kein Problem -- Technisch ist die Lösung einfach. Sie können zwei Telefonleitungen installieren, die Sie parallel benutzen - mit einer Bandbreite von 66 Kbps. Theoretisch können Sie zehn Leitungen parallel schalten und haben dann eine gesamte Bandbreite von 330 Kbps, wenn auch mit großem Aufwand. Bei einem ISDN-Anschluß kann so etwas sehr leicht realisiert werden; die Parallelschaltung von zwei ISDN-Leitungen zu je 64 Kbps nennt man BONDING (kurz für "Bandwidth ON Demand INteroperability Group", [im deutschen Sprachraum "Kanalbündelung", weil die beiden B-Kanäle von ISDN zusammengefaßt werden. --WJF]); sie liefert einen Gesamtdurchsatz von 128 Kbps.

Kompression -- Genauso einfach wie die Bandbreite zu erweitern ist es, die Daten zu komprimieren. Dabei sind Allzweck-Kompressionsalgorithmen (wie StuffIt) von datenspezifischen Routinen (JPEG für Bilder, MPEG für Video-Daten) zu unterscheiden, weil diese viel höhere Kompressionsraten bringen.

Diese Kompressionsmethoden setzen die Rechenleistung der CPU ein, um geringere Bandbreite zu kompensieren. Die Rechenleistung kann allerdings noch so hoch sein, sie kann niemals eine schlechte Latenz ausbügeln.

Alle modernen Modems benutzen eigene interne Kompressionsalgorithmen. Leider kann die Kompression, die im Modem stattfindet, einer solchen im Computer nicht das Wasser reichen. Dort steht nämlich ein starker und schneller Prozessor zur Verfügung - im Vergleich dazu hat das Modem nur einen billigen, langsamen Chip. Dazu kommt, daß das Modem wartet, bis ein Datenblock groß genug ist, um ihn effizient komprimieren zu können. Dabei wird die Latenz noch größer und, wie gesagt, Latenz, die einmal da ist, kann nicht mehr beseitigt werden. Auch weiß das Modems nichts über die Art der Daten und kann daher keine der effizienteren datenspezifischen Kompressionsmethoden anwenden. Die meisten Sounds und Bilder auf Web-Seiten sind schon komprimiert und die (vergeblichen) Versuche des Modems, sie nochmals zu komprimieren, erhöhen die Latenz weiter.

Das soll nicht heißen, daß Kompression generell nutzlos ist. Wenn die Software an den Endpunkten der Verbindung keinerlei Kompression vornimmt, erhöht die Kompression im Modem den Durchsatz ein wenig. Das Fazit: Kompression im Modem nützt nur bei "dummer" Software, schadet aber "schlauer" Software, weil zusätzliche Verzögerung eintritt.

Weniger Daten schicken -- Ein anderer Ansatz, mit geringer Bandbreite zu Rande zu kommen, ist Software zu schreiben, die wenig Bandbreite vergeudet. Um die Größe der Pakete zu reduzieren, benutzt etwa mein Netzwerk-Spiel Bolo wenn möglich Byte-Pakete statt 16- oder 32-bit-Worten [also ein Viertel oder die Hälfte der Paketgröße. --WJF].

<http://rescomp.stanford.edu/~cheshire/Bolo.html>

Für viele Arten interaktiver Software wie Spiele ist es nicht wichtig, große Datenmengen zu übertragen. Von Bedeutung ist es, kleine Datenportionen rasch zu übermitteln. Bolo ist ursprünglich entwickelt für serielle Verbindungen mit 4800 bps und konnte auf diese Weise acht Spieler unterstützen. Über Modems mit 28,8 Kbps kann es gerade zwei Spieler mit akzeptablen Antwortzeiten bedienen. Der Grund dafür ist, daß ein serieller Prt bei 4800 bps eine Latenz von 2 ms hat, ein Modem mit 28,8 Kbps aber 100 ms, also 50mal schlechter als die serielle Verbindung.

Software kann sich auf niedrige Bandbreite einstellen, indem sie weniger Daten sendet. Wenn ein Programm nicht die Bandbreite zur Verfügung hat, um Bilder hoher Auflösung zu schicken, könnte sie solche mit niedriger Auflösung verwenden, ebenso schwarz/weiß-Grafiken (oder Bilder mit reduzierter Farbtiefe) statt farbiger und so weiter.

Diese Kompensationen sind nicht optimal, aber sie sind realistisch. Sie können für bessere Bandbreite mehr bezahlen oder einfach weniger Daten senden, um in Ihrer begrenzten Bandbreite zu bleiben. Bei der Latenz haben Sie diese Optionen nicht. Mehrere Verbindungen parallel zu schalten hilft nicht, auch weniger Daten zu schicken bringt bei der Latenz nichts.

Cache-Speicherung -- Eine der effizentesten Methoden, um Computer- und Netzleistung zu verbessern, ist die Verwendung von Cache-Speicher. Wenn Sie eine Web-Site besuchen, kann Ihr Browser Text und Bilder auf Ihre Festplatte kopieren. Wenn Sie diese Site neuerlich anwählen, stellt der Browser fest, daß die gespeicherten Kopien noch aktuell sind und lädt diese von Ihrer Platte auf den Schirm.

Das Datum und der Zeitpunkt, zu dem eine Datei zuletzt verändert wurde, stellen eine sehr kleine Datenmenge dar, die sich auf den Durchsatz des Modems nicht auswirkt - die Latenz allerdings macht sich auch hier bemerkbar.

Einige Firmen haben in letzter Zeit begonnen, zur Beschleunigung beim Web-Surfen ganze Web-Sites auf CD-ROM anzubieten. Der Web-Browser macht dabei nichts anderes, als das Modifikationsdatum jeder Datei zu prüfen, die er anspricht. Wenn die Datei auf der CD-ROM noch aktuell ist, lädt er diese lokale Kopie; nur die Dateien, die sich seit der Pressung der CD-ROM geändert haben, werden über das Netz heruntergeladen. Die meisten großen Files im Web sind ja Bilder, die sich weit weniger oft ändern als HTML-Dateien - es werden also in der Regel viel weniger Daten zu transferieren sein.

Auch hier gilt wieder: Der Web-Browser hat nur kleine Datenmengen zu übertragen, was den Durchsatz kaum belastet, aber die Latenz schlägt zu.

Verbesserung der Latenz -- ISDN hat eine Latenzzeit von etwa 10 ms. Während der Durchsatz bei ISDN nur etwa doppelt so hoch ist wie bei einem modernen Modem ist, macht die Latenz nur ein Zehntel des Wertes beim Modem aus - das ist der Hauptgrund dafür, daß sich das Web-Browsing via ISDN viel flotter ausnimmt.

Ein Grund, daß normale Modems eine derart schlechte Latenz aufweisen, liegt darin, daß sie nicht wissen, was auf dem Computer geschieht. Ein externes Modem ist meist über die serielle Schnittstelle angeschlossen und alles, was es wahrnimmt, ist ein unstrukturierter Datenstrom, der vom seriellen Port daherkommt.

Pikanterweise kann der vielgescholtene Apple GeoPort Telecom Adapter zur Lösung des Problems beitragen. Der GeoPort Telecom Adapter verbindet Ihren Mac mit einer Telefonleitung, ist aber kein Modem im strengen Sinn. Statt dessen werden alle Modemfunktionen von Software auf dem Mac selbst ausgeführt. Der Hauptkritikpunkt am Telecom Adapter geht dahin, daß seine Software Speicher belegt und den Mac abbremst, aber er könnte theoretisch einen Vorteil bieten, der bei keinem externen Modem zu haben ist. Bei Benutzung des Telecom Adapters läuft die Modem-Software auf derselben CPU wie die TCP/IP-Software; wenn der Browser ein TCP-Paket schickt, müßte die Geoport-Software kein traditionelles Modem imitieren, sondern könnte das Paket nehmen, codieren und unmittelbar über die Leitung verschicken - beinahe ohne Latenzzeit.

Ein für Spiele typisches Paket von 36 Byte kann über einen Telecom Adapter, der mit 28,8 Kbps arbeitet, in nur 10 ms verschickt werden - so schnell wie ISDN und schneller als das beste Modem, das zu kaufen ist. Der Preis ist niedriger als der eines typischen Modems; wer schon einen Telecom Adapter hat, braucht sogar nur ein Software-Update.

Die Bandbreite ist auch wichtig -- Nach all dem, was ich gesagt habe, sollten Sie nicht annehmen, daß ich die Bandbreite für bedeutungslos hielte. Sie ist sehr wichtig, aber nicht in der Weise, wie meist angenommen wird. Bandbreite ist ein Wert an sich, hat aber auch Auswirkungen auf die Gesamt-Latenz - die Kernfrage ist die gesamte Übertragungszeit für ein Datenpaket von einem Ende der Verbindung zum anderen.

Erinnern Sie sich an meine Beispiel im ersten teil meines Artikels: Ich habe die Kapazität einer Boeing 747 mit der einer 737 verglichen. Oft wird angenommen, daß ein privater ISDN-Anschluß mit 64 Kbps ebenso gut sei wie ein 1:160-Anteil an einer 10Mbps-Ethernet-Anbindung. Telefonfirmen behaupten, daß ISDN gleich gut sei wie Kabelmodems; diese hätten zwar eine viel höhere Bandbreite, aber diese werde unter viele Benutzer aufgeteilt, denen dann nur ein entsprechender Bruchteil zur Verfügung stünde. Diese Argumentation ist fehlerhaft, wie das folgende Beispiel zeigen soll.

Nehmen wir an, bei einem Spiel kann der Gesamtzustand in 40 K beschrieben werden. Wir haben einen Spieleserver, der diesen Gesamtzustand alle 10 Sekunden an den Spieler übermittelt, im Durchschnitt also 4 K pro Sekunde oder 32 Kbps. Das ist nur die halbe ISDN-Kapazität und 160 User, die das Spiel über Ethernet spielen, nutzen auch nur die halbe Kapazität der Ethernet-Verbindung. So weit, so gut - beide Verbindungen sind je zur Hälfte ausgelastet und die Leistung sollte also die gleiche sein.

Falsch. Wenn der Server die 40 K via Ethernet an den Spieler schickt, erhält dieser die Daten nach nur 32 ms (40 K, geteilt durch 10 Mbps). Wenn der Game-Server nicht die einzige Maschine ist, die Daten über das Ethernet schickt, sollte das berücksichtigt werden, aber sogar in dem Fall erhält der Spieler die Daten mit nur 64 ms Verzögerung. Über die ISDN-Verbindung bekommt der Spieler das Paket nach 5 Sekunden (40 K / 64 Kbps). In beiden Fällen haben die Benutzer dieselbe durchschnittliche Bandbreite, die Gesamtleistung ist aber verschieden. Im Falle der Ethernet-Anbindung erhält der Empfänger wegen der hohen Kapazität die Daten beinahe unmittelbar, bei ISDN ist die Information bei Erhalt aber schon 5 Sekunden alt.

Das Problem dabei: Ein Paket von 40 K alle zehn Sekunden zu verschicken ist nicht dasselbe wie mit einer gleichbleibenden Rate von 4 K pro Sekunde zu senden. Wenn das so wäre, könnten ISDN, ATM und andere Telefon-Technologien sehr gut eingesetzt werden. Die Telefongesellschaften stellen es so dar, als ob jede Art von Kommunikation wie ein Strom einer Flüssigkeit in einer Rohrleitung wäre. Sagen Sie nur, welchen Durchfluß Sie brauchen, und die Telefonfirmen bieten Ihnen eine entsprechend dicke Rohrleitung an. Sprachtelefonie arbeitet zwar nach dem Modell der Flüssigkeit in einem Rohr, Datenkommunikation tut das aber nicht. Computerdaten werden in Bündeln geschickt. 60 K Daten einmal pro Minute zu versenden ist nicht dasselbe wie pro Sekunde 1 K zu schicken. Eine Verbindung mit 1 K pro Sekunde mag eine ausreichende Kapazität sein, um die Daten zu bewältigen, aber das Gesamtverhalten wird unbefriedigend sein; wenn das Paket ankommt, ist es eine Minute alt.

Die Schlußfolgerung liegt auf der Hand: Die Kapazität einer Verbindung hat starke Auswirkungen auf ihre Leistung. Wenn Sie die Wahl haben zwischen einer eigenen Verbindung mit kleiner Bandbreite und einem Anteil an einer Verbindung mit hoher Bandbreite - nehmen Sie den Anteil an der dicken Leitung! Außerhalb der Computerwelt ist das alles offensichtlich: Wenn die Regierung anbietet, eine breite Autobahn zur allgemeinen Benutzung zu bauen oder eine Million separate Fußpfade für je einen Benutzer - wofür sprechen Sie sich aus?

Was können Sie tun? Ich habe zahlreiche Anfragen erhalten, was Einzelne beitragen können, um die Problematik von Latenzzeit und Bandbreite in breiteren Kreisen bekannt zu machen. Ich habe herausgefunden, daß es nutzlos ist, bei Modemherstellern anzurufen; ich empfehle Ihnen also, diese beiden Artikel an Freunde weiterzuleiten, die an dem Thema interessiert sein könnten. Noch wichtiger: Bitten Sie die Redakteure der großen Magazine, bei Modem-Tests auch die Latenzzeiten per Traceroute und Ping zu ermitteln und abzudrucken. Wenn wir Bewußtsein betreffend das schauderhafte Latenzverhalten aller derzeit angebotenen Modems wecken können, werden die Hersteller der Modems vielleicht mehr Augenmerk darauf richten, die Latenz zu vermindern statt immer nur den Durchsatz zu erhöhen.

[Teile dieses Artikels stammen aus Stuart Cheshires Publikation mit dem Titel "Latency and the Quest for Interactivity" (etwa "Latenz und die Suche nach Interaktivität" --WJF), die von Volpe Welty Asset Management, L.L.C., herausgegeben wird.]

<http://rescomp.stanford.edu/~cheshire/papers/LatencyQuest.html>



Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD].

Übertragung dieser Ausgabe:
Tobias Engler [TE], Walter J. Ferstl [WJF].

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