Wie lange werden wir auf das Mac-System 8 warten müssen? Nur einige Monate, weil Apple Tempo umbenennt. CFM-68K ist in der fertigen Version da, der Marktanteil des Macintosh-Betriebssystems nimmt zu, einige Performa-Besitzer erhalten von Apple ein vorteilhaftes Angebot. Wir werfen einen Blick auf Leserreaktionen zum Mac im Einzelhandel; Matt Neuburg befaßt sich mit dem Multimedia-Programm SuperCard 3.0.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#369/10-Mar-97.
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Fetch 3.0.2 ist da -- Interessante Dateien zum Herunterladen aus dem Netz tendieren dazu, immer größer zu werden; oft genug bricht auch noch die Modemverbindung gerade beim Download einer extrem großen Datei zusammen. Bisher blieb nichts anderes übrig, als den kompletten Ladevorgang von neuem zu starten - Fetch 3.0.2 bietet hier Abhilfe. Die neue Version verfügt über eine "Resume Download"-Funktion, die dort anzuknüpfen versucht, wo die erste Verbindung abgebrochen wurde. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß der verwendete FTP-Server dies unterstützt. Andere Verbesserungen betreffen höhere Stabilität mit Open Transport und der Sortier-Algorithmus Natural Order von Stuart Cheshire (siehe TidBITS-364). [JLC]
<http://www.dartmouth.edu/pages/softdev/fetch.html>
Internes Ethernet für das PowerBook 1400 -- Dayna Communications, Inc. hat vor kurzem einen internen Ethernet-Adapter für die PowerBook-1400-Serie angekündigt. Der 10Base-T-Adapter wird unter der Tastatur installiert statt in einem der beiden PC-Card-Slots. Dayna und andere Hersteller bieten schon bisher PowerBook-kompatible PC-Karten mit 10Base-T- oder 10Base-2-Ethernet-Schnittstelle an; auch Kombikarten mit Ethernet und Daten/Fax-Modem-Funktionen sind erhältlich. [MHA]
<http://www.dayna.com/dayna/pressreleases/pb1400.html>
Die Alertbox-Kolumne zum WebTV -- Nach Mark Anbinders Artikel über das WebTV in TidBITS-367 hat Keith Instone <instone@cs.bgsu.edu> uns geschrieben, um uns einen Artikel zu dem Thema zu empfehlen. Dieser Artikel von Jakob Nielsen, einem leitenden Techniker bei SunSoft, untersucht im Detail den Nutzen des WebTV und ist auf jeden Fall lesenswert, wenn Sie die Anschaffung des Produkts überlegen. Der Artikel ist im Rahmen der Alertbox-Kolumne von Jakob Nielsen erschienen, die insgesamt sehr interessant ist - mir hat besonders die Ausgabe vom 1. März gefallen, die sich mit der Geschwindigkeit im Web befaßt. Nielsen kommt dort zum Schluß, daß Geschwindigkeit (im Sinne von minimaler Verwendung von Grafik und Multimedia-Effekten) das vorrangige Kriterium bei der Gestaltung von Web-Seiten sein muß - wir bei den TidBITS haben das auch immer betont. [ACE]
<http://www.useit.com/alertbox/9702a.html>
von den TidBITS-Mitarbeitern <editors@tidbits.com>
Zur allgemeinen Überraschung hat Apple verkündet, daß Tempo, die nächste im Juli fällige Version des Mac-Systems, statt unter dem Namen 7.7 unter der Bezeichnung System 8 ausgeliefert werden wird. Apple nimmt für Tempo in Anspruch, es sei ein wesentlicher Fortschritt, sowohl technologisch als auch in der Benutzerführung. Der Finder ist nun PowerPC-"native" und "multi-threaded", wichtige Änderungen sind auch in der Benutzeroberfläche gemacht worden. Einiges davon war erst für Copland geplan, das nunmehr obsolete Betriebssystem, das als Mac OS 8 bekannt war.
Es geht das Gerücht, die Umbenennung habe weniger mit der klaren Kennzeichnung von Betriebssystemversionen zu tun als vielmehr mit den Lizenzgebühren für das Mac-Betriebssystem. Die Clone-Anbieter haben derzeit nur Lizenzen für System 7 und müssen wahrscheinlich für System 8 neue Verträge abschließen. Das könnte für das an Anwendungen arme BeOS neue Chancen schaffen; der Zeitpunkt dieser Entscheidung stellt freilich keine Überraschung dar. Die meisten Clone-Anbieter wußten, daß Apple im Laufe des Jahres 1997 ein System 8 ausliefern wollte, als die Lizenzvereinbarungen unterzeichnet wurden. Dennoch: Apples Absicht könnte es sein, sich erhöhte Einnahmen auf Kosten der Clone-Anbieter zu verschaffen und deren Geschäfte beeinträchtigen - bei der gegenwärtigen Marktsituation ein riskantes Spiel. [GD]
<http://macos.apple.com/macos/releases/macos8/naming.html>
<http://www.be.com/aboutbe/benewsletter/Issue63.html#Gassee>
Die Absatzzahlen bei Mac-Kompatiblen -- Dataquest hat vor kurzem die neuesten Zahlen zu den Marktanteilen bei Personal Computern publiziert; die Lizenzvergabe ducrh Apple hat den gesamten Marktanteil des Mac-Systems deutlich erhöht. Der Marktanteil von Apple selbst lag 1996 bei 6,7 Prozent, ein fünfter Platz); wenn die Mac-Kompatiblen in die Rechnung einbezogen werden, ergeben sich 7,8 Prozent und damit der vierte Platz. Computer Intelligence hat verlautbart, daß der Marktanteil des Mac-Systems bei den US-Fachhändlern von 8 Prozent im November 1996 auf 11 Prozent im Januar 1997 angestiegen ist - ebenfalls vorwiegend auf die Kompatiblen zurückzuführen. Interessante Zusammenhänge, besonders im Licht der Kommentare von Matt Deatherage in TidBITS-363. [ACE]
<http://www.ci.zd.com/news/macos.html>
Apple läßt QuickDraw GX Printing fallen -- Wegen mangelnder Akzeptanz bei den Kunden und geringer Unterstützung durch Entwickler hat Apple den Druckbereich von QuickDraw GX nicht in das kommende Mac System 8 aufgenommen. Andere Aspekte von QuickDraw Gx, wie Typografie und objektorientierte Grafik, werden hingegen eingebaut. [JLC]
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1997/q2/970303.pr.rel.print.html>
Mehr Beziehungen zu Entwicklern -- Apple hat David Kratwohl zum Nachfolger von Heidi Roizen, der Vizepräsidentin für die Beziehungen zu den Entwicklern, ernannt (siehe TidBITS-365). Es gibt noch keine Reaktionen aus Entwicklerkreisen dazu; Kratwohl hat aber den richtigen Hintergrund für die Stelle, drei Jahre lang war er für die Beziehungen zu den Entwicklern in Europa verantwortlich und wurde dann von Roizen zum Direktor für internationale Entwicklerbeziehungen ernannt. [ACE]
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
In TidBITS-367 hat Ian Gregson von seinen Erfahrungen in einem Laden von Future Shop in der Vorweihnachtszeit berichtet ("Performas an vorderster Front verkaufen"). Er schlägt vor, Apple sollte die Verkaufsziffern verbessern, indem die Konsumenten stärker davon zu überzeugen seien, daß sie Macs wollen. Außerdem sollten die Verkäufer, die Macs erfolgreich verkaufen, besser belohnt werden. Etliche Leser unterstreichen und erweitern diese Sichtweise.
Peter Miller <ocean@mpx.com.au> wirft einen Blick auf die Situation in Australien und betont die Wichtigkeit des Kundendienstes:
Bei uns hier in Sydney gibt es etliche Mac-Händler, darunter Apple-Centres, andere Fachhändler und das allgegenwärtige MacWarehouse. Alle zusammen liegen unterhalb dessen, was als ein angemessenes Niveau beim Kundendienst für irgend einen Konsum-Artikel angesehen werden kann. Bezeichnend dafür ist die Aussage meines Büroleiters gegenüber einem Mitarbeiter von MacWarehouse: "Wir würden gern für vernünftigen Service extra bezahlen."
Apple versagt hier in zwei Punkten: Die Zusammenarbeit mit den Mac-Evangelisten sollte wieder aufgenommen werden, trotz der großen Preisunterschiede zwischen den Plattformen. Zweitens sollten Macs von intelligenten Verkäufern betreut werden, die die Produkte aktiv vertreiben und auch später unterstützen.
Francis Drake <fdrake3335@aol.com> schreibt aus dem SŸdosten der U.S.A., er hat Bedenken, ob der Mac Schritt halten kann:
Ich lebe im Raum Tampa Bay. Wenn ich in letzter Zeit die Superstores am Ort besuche, fällt mir auf, daß die Mac-Bereiche dort alle kleiner geworden sind. Oft sind sie auch ganz weggefallen, die Vorführgeräte funktionieren nicht oder es ist kein Verkaufspersonal vorhanden.
Jeri Croucher <fsjkc1@aurora.alaska.edu> aus Alaska beklagt die Lieferbarkeit von neuen Macs und Ersatzteilen:
Ich arbeite im Verkauf in einem Computerladen in Fairbanks, Alaska. Ich verkaufe viel mehr Macs als PCs, weil ich glaube, daß einem Anfänger mit einem Macintosh viel besser gedient ist. In letzter Zeit ist es freilich sehr schwierig geworden, Macs zu verkaufen. Als die neuen PowerBooks vorgestellt waren, habe ich acht Bestellungen angenommen. Alle diese Bestellungen wurden von den Kunden im Laufe einiger Monate storniert, die gleich einen tragbaren Computer haben wollten. Das erste PowerBook 1400 ist erst vor wenigen Wochen bei uns im Laden eingetroffen. Alle diese Maschinen sind an dem Tag bestellt worden, an dem Apple sie herausgebracht hat. Wer wird es mir verdenken, wenn ich in Zukunft nur noch Geräte empfehle, die ich auch bekomme? Wenn bei einem Mac eine Reparatur erforderlich ist, dauert es oft ziemlich lange, bis die Teile da sind. Es hat Kunden gegeben, die bei einem Gerät, das nicht einmal zwei Monate alt war, sechs Monate auf ein Ersatzteil warten mußten. Ich bin überzeugt vom Mac, aber mich irritiert die Art, wie die Firma Apple ihr Geschäft anlegt. Werbung allein wird nicht den Ausschlag geben - Lieferbereitschaft und Service sind da viel wesentlicher.
Shawn King <sking@direct.ca>, wendet sich sowohl an die TidBITS als auch an Guy Kawasakis EvangeList mit Kommentaren und Empfehlungen für Apple:
Ich habe die Apple Demo Days hier im Westen von Kanada die letzten beiden Male organisiert. Aus persönlicher Erfahrung kann ich Ihnen versichern, daß Apple bei der Kommunikation mit den Konsumenten, die noch keinen Computer benutzen, schlechte Arbeit leistet. Ich hatte jeden Tag Dutzende Kunden von der Art, die den Markt für Performas ausmachen (Mama, Papa und im Durchschnitt 2,2 Kinder). Diese Leute wissen, daß der Mac sehr bemutzerfreundlich ist, wollen aber keinen "veralteten" Computer oder das Produkt einer Firma, "die schon bald nicht mehr existiert". Statt den Interessenten faszinierende Dinge wie die TV-Karte, QTVR, einfachen Zugang zum Internet oder Megaphone vorzuführen, waren wir viel zu sehr damit beschäftigt, die Firmenpolitik zu erklären. Der Mangel an Kampfgeist bei Apple wird von den Konsumenten als Resignation verstanden - Apple sei nur noch dabei, "die Lager zu räumen".
Kühles Klima -- Bei der Großwetterlage in der Computerbranche bekommt Apple genug schlechte Presse [meist in der Form von "Nachrichten" und Kolumnen, kaum einmal als ehrliche User-Kommentare. -Jeff]. Die TidBITS erhielten keinerlei Feedback in Form von positiven Gegenbeispielen zu dem, was Ian in seinem Artikel schreibt.
Es wäre zu begrüßen, wenn irgendjemand in leitender Stellung bei Apple einen Plan entwerfen, wie diese Probleme angegangen werden sollen, und die dabei erzielten Fortschritte öffentlich mitteilen wollte. Denken Sie an America Online - dort gibt es das große Problem, daß der Zugang zu ihrem Netz kaum noch möglich ist, seit die pauschalierte Preisstruktur eingeführt worden ist. Was macht America Online? In TV-Spots wird dargestellt, wie das Problem gelöst wird. In einem der Spots wurde vor kurzem mitgeteilt, wieviele Telefonleitungen in letzter Zeit neu eingerichtet worden sind. Nichts wäre mir eine größere Freude, als in einem halben Jahr einen begeisterten Artikel darüber schreiben zu können, wie Apple eine erstklassige Verkaufsstrategie für die kommende Weihnachtssaison in die Wege leitet.
von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>
Als langjähriger Benutzer von Apples HyperCard habe ich SuperCard nie beachtet. Als HyperCard noch gratis war, stellte es den Grund für mich dar, meinen ersten Macintosh zu kaufen. In HyperCard habe ich Lehrsoftware für Sprachlabors geschrieben und Stacks über das Web verteilt. Ich greife immer noch danach, wenn rasch eine Lösung eines Problems bei Informationsspeicherung oder Automatisierung von Aufgaben erforderlich ist. Es ist so einfach: Sie zeichnen Tasten zum Klicken und Felder zum Speichern von Text, ordnen sie auf "Karten" (das sind Fensterinhalte) an und statten das alles mittels HyperTalk mit Funktionalität aus, einer der englischen Sprache ähnlichen, dynamischen Skriptsprache, die vielseitig und ansatzweise objektorientiert ist. Siehe da, Sie haben ein selbstgebasteltes Programm mit einer Mac-mäßigen Oberfläche ausgestattet.
Meine Loyalität gegenüber HyperCard grenzt an Fanatismus; ein wieder kostenloses HyperCard nimmt einen bestimmenden Platz in meiner geheimen Strategie ein, den Mac zu retten. Dennoch: Nach einer stürmischen Phase der Entwicklung von HyperCard in den Jahren zwischen 1987 und 1991 wurde es ruhig um das Produkt. Gut, im Jahr 1994 erschien die Version 2.2, eine wesentliche Erneuerung, die vielen Usern (einschließlich mir) wieder Zuversicht gegeben hat. Aber danach haben sich die Fortschritte in Grenzen gehalten, obwohl wir inzwischen bei 2.3.5 angelangt sind. HyperCard 3, von Apple als Übergang zu QuickTime geplant, ist derzeit nicht mehr als ein ferner Traum.
SuperCard hingegen kannte ich nur vom Hörensagen - als ein "Möchtegern-HyperCard". Und dann sah ich es auf der Macworld Expo im Januar bei einer Vorführung und begann mich zu fragen: Könnte dies das bessere HyperCard sein?
SuperCard wurde ursprünglich von Silicon Beach Software entwickelt und dann von Aldus übernommen. Von Aldus hat sich Allegiant Technologies abgespalten, um SuperCard weiterzuentwickeln. Das war Ende 1993; gerade als HyperCard darniederlag, machte SuperCard wichtige Schritte nach vorne. Nun liegt seit Dezember 1996 SuperCard 3.0 als eine wesentlich erweiterte Version der Entwicklungsumgebung vor [ein Update auf Version 3.0.1, mit dem die Leistung verbessert wird, ist auf der Web-Site von Allegiant zu haben. -Adam].
Objekte allerorten -- SuperCard überdenkt und erweitert die Batterie von Objekten, wie wir sie von HyperCard kennen. Die Spitze der Hierarchie in HyperCard ist der Stack; Fenster zu wechseln bedeutet Stacks zu wechseln (es sei denn, Sie benutzen ein XCMD, um ein "externes" Fenster aufzuziehen). SuperCard beginnt auf der "Project"-Ebene, ein Project kann ein anderes aufrufen, es kann aber auch mehrere Fenster enthalten. Jedes Fenster, in der Regel einem HyperCard-Stack entsprechend, kann von irgendeinem der üblichen Typen sein, auch ein Dialog oder eine Palette.
Menüs sind ebenfalls sehr gut integriert. Ein Project kann mehrere Menü-Sätze enthalten mit jeweils mehreren Menüs und hier wiederum verschiedenen Menüpunkten. Sowohl Menüs als auch Menüpunkte sind Objekte im vollen Sinn - sie können also Skripts enthalten und durch Botschaften ["messages"] angesprochen werden.
Wie ein HyperCard-Stack hat ein Fenster von SuperCard Backgrounds und Karten, die wiederum Buttons und Felder enthalten können. Aber es können auch Grafiken eingebettet sein, die ebenfalls Skripts enthalten und auf Messages reagieren können - genau wie ein Button. Eine Grafik kann entweder eine rechtwinklige Bitmap-Region oder vom vektorbasierten Typ sein - im letzteren Fall verbraucht sie wenig Speicher und kann jede gängige Form annehmen (Rechteck, Oval, Bogen, abgerundetes Rechteck, Polygon oder freie Form). Auch Buttons können in Polygon-Form angelegt werden - "alles kann ein Button sein" war einmal ein Slogan für SuperCard.
Die SuperTalk-Sprache ist im wesentlichen HyperTalk in erweiterter Form; diese Erweiterung ist in sinnvoller und durchdachter Weise angelegt. Einige Beispiele: Es gibt eine "case"-Kontrollstruktur Ÿber die "if-else"-Struktur hinaus; neben string-offset gibt es auch noch eine line-offset-Funktion, die die Zeile eines Strings zurückliefert, in der ein anderer String vorkommt; die "describe"-Funktion erstellt Listen ähnlicher Objekte (wie etwa alle Buttons in einem Background); "textHeightSum" nennt die Pixel-Höhe des gesamten Textes in einem Feld bei der aktuellen Wrap-Einstellung; neben dem itemDelimiter kann auch noch ein wordDelimiter und ein lineDelimiter definiert und verwendet werden. Die Weitergabe von Messages ist der von HyperCard überlegen, besonders dann, wenn das "start using" von HyperCard verallgemeinert verwendet werden kann - Skripts aus irgendeinem Objekt können entweder ganz oben oder ganz unten in der Hierarchie eingefügt werden.
In einem einzigen Aspekt, so kommt mir vor, greift die Struktur von SuperCard zu kurz. Stellen Sie sich einen Stack (ein Project) mit "to-do"-Einträgen vor; jede Karte enthält ein Feld, das die Aktivität beschreibt, sowie einen Checkbox-Button, mit dem diese Aktivität als erledigt markiert werden kann. Da diese beiden Elemente allen Karten gemeinsam sind, sollten sie Background-Elemente sein; aber Background-Buttons von SuperCard können nicht auf jeder Karte ein anderes highlight haben (das gesetzte Kreuz in einer Checkbox entspricht einem highlighting-status "true"). Die Eigenschaften für jedes Objekt können weitgehend beeinflußt werden, aber ein Background-Objekt kann auf verschiedenen Karten nicht verschiedene Werte solcher Eigenschaften haben - damit reduziert sich der Nutzen von Background-Objekten sehr stark.
"The Multimedia Is the Message" -- In Übereinstimmung mit dem Image, ein dem Macromedia Director vergleichbares Multimedia-Werkzeug zu sein, verfügt SuperCard über einige Möglichkeiten, den Benutzer zu verblüffen und zu unterhalten. Diejenige, die HyperCard-Veteranen am meisten ansprechen wird, ist die Verwendung von Farbe, die in vollem Umfang implementiert ist. Vektorgrafiken, Felder und Buttons können farbige und gemusterte Umrandungen und Füllungen haben. In Feldern gehört Farbe zu den Merkmalen einer verwendeten Schrift. Buttons können farbige Icons (aber kurioserweise keinen farbigen Text!) aufweisen; Vektorgrafiken können farbigen Text oder ein Bild enthalten, das aus verschiedenen gängigen Formaten importiert werden kann. Überlappende Farben können auf verschiedene Weise aufeinander einwirken - Transparenz, Mischung und Addition. "Handgemachte" Farbtabellen und der Import von Bitmap-Grafiken in 16 und 24 bit Farbtiefe lassen erstklassige Bilder zu.
Auch QuickTime-Sequenzen können beliebig eingebunden und gesteuert werden; darüber hinaus können auch PICS-Animationen und PICT-"Filmstrips" abgespielt werden. Objekte können an Pfaden entlangbewegt werden; Sounds können aus Ressourcen oder aus AIFF/AIGC-Dateien stammen; Text kann mittels Speech Manager als Sprache ausgegeben werden. Alle diese Effekte stehen im asynchronen Modus zur Verfügung - ein Project kann daher leicht zu einem Aufruhr aus Sound und Bewegung werden.
Editieren Sie um Ihr Leben -- Die SuperCard-Umgebung ist nicht voll dynamisch; entweder befinden Sie sich im User-Modus oder Sie editieren ein Project, um Objekte hinzuzufügen, wegzunehmen oder zu ändern (ohne System-Meldungen): Die beiden Modi überlappen sich aber ein wenig: Im Run-Modus können Skripts editiert werden, im Edit-Modus können via Messagebox Messages geschickt werden. Dennoch ist diese Zweiteilung für HyperCard-Benutzer sicher sehr ungewohnt (der Wechsel zwischen den beiden Modi vollzieht sich überdies auf meiner 68K-Maschine sehr langsam).
Das Editieren geschieht im neuen Project Editor, einem Satz von Fenstern, Paletten und Menüs, die zusammen selbst ein SuperCard-Project sind - eine erstaunliche Demonstration der Vielseitigkeit von SuperCard (und ein Beispiel für das Vertrauen der Entwickler in ihr eigenes Produkt, wodurch SuperCard sicher noch einmal dazugewonnen hat). Der Project Editor ersetzt die frühere Programmierumgebung von SuperCard, SuperEdit, die immer noch mitgeliefert wird (nicht alle Funktionen können vom Project Editor erledigt werden), aber an die vermehrten Möglichkeiten der neuen SuperCard-Version nicht angepaßt worden ist.
Das Ergebnis ist eine gemischte Sache. Cursors, Icons, Farbtabellen und Bitmaps in Vergrößerung ("fatbits") können nur in SuperEdit bearbeitet werden; nur in SuperEdit können Polygon-Buttons mittels Autotracing gestaltet oder der Background einer Karte ausgewechselt werden (ohne die Karten-Ebene zu stšren). Andererseits ignoriert SuperEdit farbige Icons und kann PICT-Ressourcen nicht in Grafiken importieren. In der Regel werden Sie im Project Editor arbeiten und nur zu SuperEdit wechseln, wenn es nötig ist. Irritierend, das Ganze.
Die gute Nachricht: Viele der Tools im Project Editor sind das, wonach sich viele HyperCarder schon lange gesehnt haben. Eine Palette namens Property Inspector listet alle Objekte der aktuellen Karte oder des Backgrounds auf und läßt den Programmierer daraus auswählen. Name, Position, Größe und Eigenschaften eines Objekts können leicht bearbeitet werden. Der Project Browser macht dasselbe mit den Objekten in einem Project - Fenster, Karten, Backgrounds und Menüs können erstellt, geändert und gelöscht werden; außerdem gibt es einen Ressourcen-Kopierer. Paletten für Objektfarben und -texte kommen dazu; Objekte können auch ausgerichtet, skaliert, rotiert, geschützt und gruppiert werden. Eine ausgereifte Suchfunktion findet Text in Namen, Skripts oder Feldinhalten; die Suche kann auf Untermengen von Objekten eingeschränkt werden; das Ergebnis ist in jedem Fall eine klickbare Liste von Objekten und Skripts.
Das Beste aber ist die Message Box - warum, um alles in der Welt, hat HyperCard so etwas nicht? Bei SuperCard hat die Message Box zwei Teile - den einen für Ihren Befehl und den anderen für die Antwort von SuperCard (wohingegen bei HyperCard die Antwort des Programms den eingegebenen Befehl überschreibt). Der Antwort-Teil kann vergrößert und gerollt werden - auch eine vielzeilige Antwort können Sie leicht überblicken (Ihre Befehle werden in einer History-Liste gespeichert, von wo Sie sie dann jederzeit wiederholen können). Nur - warum hat Allegiant nicht Nägel mit Köpfen gemacht und auch den Command-Teil der Message Box mehrzeilig angelegt (dann könnten Sie nämlich ein Skript, das nur im Moment gebraucht wird, von dort ablaufen lassen)? Statt dessen müssen Sie einen Handler im Skript irgendeines Objekts erstellen und dann aufrufen, wie in HyperCard.
Das Editieren von Skripts erfolgt in einer modalen Dialogbox, die den gesamten Bildschirm bedeckt und nicht verkleinert werden kann (außer in SuperEdit). Das ist lästig und unhandlich; beim Editieren möchte ich bei anderen Objekte und Skripts nachsehen können.
Und die Dokumente? -- Die Handbücher sind nicht schlecht, wenn man den Umfang ihres Stoffes bedenkt. Es gibt einige Druckfehler, einschließlich solcher von der kapitalen Sorte, wo ein wichtiger Satz in das genaue Gegenteil dessen verkehrt wird, was gemeint ist. Die Dokumentation wiederholt sich auch manchmal, der Stand der Unterlagen stimmt nicht immer mit der Softwarelieferung im Deatil überein (einige der besten Neuheiten bleiben unerwähnt). Aber die Handbücher sind mit Sorgfalt und Bemühen um Verständlichkeit gemacht - es hat sich ausgezahlt.
Die Verbreitung von Projects -- Projects von SuperCard können in drei Formen verbreitet werden. Ein Project kann als solches an jemanden mit SuperCard (oder dem kostenlosen SuperCard Player) weitergegeben werden; ein Project kann in eine Stand-Alone-Applikation umgewandelt werden oder es kann drittens im Internet mittels des kostenlosen Web-Browser-Plug-Ins Roadster benutzt werden.
Ich habe versucht, ein Project in eine Stand-Alone-Applikation umzuwandeln - die Prozedur ist ziemlich mühselig. Die bei mir aufgetretene Hauptschwierigkeit hat mit der Handhabung von farbigen Icons durch die SharedFile-Library von SuperCard zu tun. Diese Icons müssen in das Project übertragen werden, aber wenn Sie dies den Standalone Maker automatisch machen lassen, werden die ID-Nummern der Icons verändert und ein Skript findet die Icons dann nicht mehr. Ich mußte also alle farbigen Icons einzeln in das Project übertragen und dann in jeden betroffenen Button die neue ID-Nummer des Icons eintragen - eine Arbeit mehrerer Stunden. Gegen Ende der Prozedur trat beim Standalone Maker ein nicht näher spezifizierter Fehler auf und ich habe nie meine Stand-Alone-Applikation bekommen. Ein Stand-Alone-Programm für 68K-Maschinen fügt dem Project beinahe 1 MB hinzu, weit mehr als die 540 K, die in den Handbüchern erwähnt werden.
Die Verbreitungsmethode mittels Roadster konnte ich für diesen Artikel nicht testen. Die Aussicht ist bestechend; das Handbuch beschreibt mehrere Methoden, um die Daten zu laden, sodaß das Project schon auf der Maschine des Users zu laufen beginnt, bevor noch alle Ressourcen und Daten heruntergeladen sind. Das wirkliche Problem liegt in der Akzeptanz - wieviele Internet-Nutzer werden bereit sein, ein Plug-In-Modul für den Browser herunterzuladen, nur um Ihr Project anzusehen? Es sind neben Java einfach zu viele Plug-Ins im Internet vorhanden, die um Aufmerksamkeit buhlen.
In meiner persönlichen Software-Bibliothek wird SuperCard sicher nicht HyperCard ersetzen - die beiden spielen einfach nicht in derselben Liga. Wenn schnell eine Lösung zum eigenen Gebrauch zu schreiben ist, wird HyperCard nach wie vor das Werkzeug meiner Wahl sein, es ist schneller, kleiner und handlicher. Obwohl Allegiant die HyperCard-Kompatibilität sehr betont, konnte ich nur wenige meiner vorhandenen Stacks effizient in SuperCard-Projects umwandeln. Die meisten meiner Stacks bauen auf HyperCard-Features auf, mit denen SuperCard nicht dienen kann: die Fähigkeit, Reports und Felder zu drucken; die volle Skriptfähigkeit (auch die Fähigkeit, OSA-Skripts intern ablaufen zu lassen); die Benutzung von Feldern zur Auswahl aus Listen (SuperCard hat Felder zur Listenauswahl, aber spezielle Textabschnitte können nicht gesondert formatiert werden); besseres Sortieren; das Markieren von Karten mittels Boole'schem Wert; nicht zuletzt, wie schon erwähnt, die Möglichkeit von Highlighting bei Background Buttons, das von Karte zu Karte variieren kann. Sicher dürften einige dieser Defizite bei SuperCard mit XCMDs oder auf andere Art zu beheben sein. Interessant ist jedenfalls, wie sehr meine HyperCard-Stacks auf Funktionen angewiesen sind, die in SuperCard nicht zur Verfügung stehen.
Dessen ungeachtet: Wenn Stand-Alone-Applikationen geschrieben und vertrieben werden sollen, die solche Funktionen nicht verwenden, ist SuperCard ideal (ich nehme an, daß meine Probleme mit dem Standalone Maker vermeidbar sind). Das durchadchte Konzept von SuperCard stellt HyperCard als die Pflanze im Wildwuchs dar, die es ist. Die erweiterte HyperCard-Metapher bietet eine vielseitige und einfache Methode, um interaktive Applikationen zu erstellen. Die Farb- und Multimediafähigkeiten machen es zu einem wertvollen Präsentationstool. Der Preis (etwa 330 US$) kommt mir eher hoch vor; eine Schulversion für 129 US$ liegt da schon besser. SuperCard ist eine ziemliche Verbesserung eines Produkts, das Ihre Aufmerksamkeit verdient und diese vielleicht trotz des Preises.
DealBITS -- Cyberian Outpost bietet SuperCard den TidBITS-Lesern um 317,95 US$ (10 $ unter dem regulären Preis) unter folgender URL-Adresse an:
<http://www.tidbits.com/products/super-card.html>
Allegiant Technologies, Inc. -- 619/587-0500 -- 619/587-1314 (fax)
-- <info@allegiant.com>
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Mark Anbinder [MHA], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Jeff Carlson [JLC],
Geoff Duncan [GD].
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF].
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