Wie werden sich Bücher und Lehrgänge verändern, wenn sie sich online treffen? Adam spricht dieses Thema an, indem er sein gerade fertiggestelltes Projekt beschreibt. Apple gibt einen Quartalsverlust bekannt und senkt die Preise einiger Modelle, GoLive Systems bringt einen vielversprechenden HTML-Editor, Jeremy Kezer hat seine Control Strip Modules auf den neuesten Stand gebracht. Zum Abschluß bespricht Tonya das Programm Online Army Knife, eine Rechtschreibkontrolle für den Mac mit einem neuen Konzept.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#376/21-Apr-97.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-376.html>
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Apple gibt einen Verlust von 708 Millionen bekannt -- Im April haben die Verantwortlichen bei Apple einen Quartalsverlust von 708 Millionen Dollar bekanntgeben müssen, das zweitschlechteste Ergebnis der Firmengeschichte. Der größte Teil des Mankos stammt aus der Übernahme von NeXT Software (375 Millionen) und "Aktivitäten zur Umstrukturierung" (155 Millionen).
Zwar klingen diese Zahlen beunruhigend (besonders seit die ehemals fetten Reserven der Firma deutlich geringer geworden sind), aber die Medien haben nicht wieder den Chor "Apple ist tot" angestimmt, der wie in einer Endlosschleife dahinplärrt. Das mag an etlichen Aspekten liegen, die für einen gewissen Erfolg der Pläne zur Reorganisation sprechen: Operative Aufwendungen waren um 32 Millionen niedriger als im Quartal davor und um 65 Millionen geringer als im Vergleichsquartal des Vorjahres; die Umsätze im Business-Segment lagen um 35 Prozent höher als im ersten Quartal und die Verkäufe von PowerBooks machten 22 Prozent des Gesamtumsatzes aus, gegenüber 10 Prozent in der Vorperiode. [JLC]
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1997/q3/970416.pr.rel.q297.html>
Preissenkungen bei Apple -- Bei den Computern der Serien Performa 6360 und 6400 hat Apple die Preise um 200 US$ gesenkt und, viel wichtiger, einige Preise in der Reihe PowerBook 1400 um mehr als 30 Prozent reduziert. Ein PowerBook 1400cs/117 ist nun ab 1.700 US$ (mit CD-ROM-Laufwerk 300 $ mehr) zu haben, das Spitzenmodell der Baureihe, das PowerBook 1400c/133, kostet nun 3.200 US$. Wenn ein PowerBokk für Sie interessant und die 3400er-Reihe zu teuer ist, sollten Sie ein PowerBook 1400 ins Auge fassen. Inzwischen gehen die Gerüchte betreffend das PowerBook 2400 weiter um, ein Subnotebook mit nur noch 2 kg, das von IBM und Apple gemeinsam entwickelt worden ist. Es scheint aber immer noch so, daß es in der U.S.A. nur beschränkt lieferbar sein wird. [GD]
<http://biz.yahoo.com/prnews/97/04/18/aapl_x000_3.html>
GoLive lebt weiter -- GoLive Systems hat GoLive CyberStudio in der Version 1.0.1 auszuliefern begonnen. Der empfohlene Verkaufspreis von 349 US$ hält das Programm außer Reichweite gelegentlicher Web-Autoren. Es bietet einen vielversprechenden WYSIWYG-Ansatz für professionelle Gestalter, besonders für solche, die Web-Sites mit vielen visuellen Elementen, Plug-Ins und Java erstellen.
CyberStudio hat das elegante Erscheinungsbild seines Vorgängers GoLive Pro (siehe TidBITS-337) behalten, aber viele wichtige Features dazubekommen. Ein Layout-Raster ermöglicht pixelgenaue Plazierung von Objekten. Auf der HTML-Ebene stellen sich diese Layouts dann als ziemlich komplexe Tabellen fixer Größe dar, aber der Raster kann auch weggeschaltet und skaliert werden; es ist also leicht, Seiten zu erstellen, die nicht für eine bestimmte Größe des Browser-Fensters maßgeschneidert sind. Die Verwaltung von Web-Sites wird unter anderem durch eine Ansicht der Site-Struktur und eine Prüfung auf falsche Links unterstützt, es kann auch Material in Apples Meta-Content Format (siehe TidBITS-355) exportiert werden. Was mir besonders gefällt: Tags können sowohl als HTML geschrieben als auch in der Layout-Ansicht mittels Menüs und Toolbalken angelegt werden - eine sehr naheliegende Option, die aber andere HTML-Editoren nicht aufweisen.
Laut GoLive Systems kann CyberStudio gleichzeitig mehrere Sprachen unterstützen. Die Firma plant, demnächst lokalisierte Versionen, darunter eine japanische und eine deutsche, zu liefern. Die Anforderungen an Soft- und Hardware sind freilich nicht gering: Ein Computer auf PowerPC-Basis unter System 7.5.5 (oder neuer) und mindestens 8 MB freier Arbeitsspeicher, besser aber 16 MB, muß es schon sein. Eine Testversion für 30 Tage (4 MB groß) ist online herunterzuladen; Upgrades von golive und golive pro kosten 249 US$. GoLive Systems -- 415/463-1580 -- 415/563-1598 -- <info@golive.com> [TJE]
Jeremy Kezers CSM in neuer Version -- Jeremy Kezer hat die Version 1.6.4 seiner Control Strip Modules herausgebracht (Shareware, 10 US$), einer Sammlung von winzigen, aber hilfreichen Tools. Darunter sind neue Module und solche, die als Ersatz für Apples Originale im Control Strip dienen, der am PowerBook debütiert hat und nun auch für Desktop-Geräte zu haben ist. Es gibt in Kezers Sammlung einige Module, die nur am PowerBook sinnvoll sind (z.B. ein verbessertes Temperatur-Modul zur Überwachung der Temperatur sowohl des Computers selbst als auch der Batterien oder ein Modul, das die noch zu erwartende Batterie-Nutzungsdauer vorhersagt), aber in Version 1.6.4 ist auch ein verbessertes AppleTalk-Modul enthalten zur komfortableren Handhabung von File Sharing, ein Pop-Up-Menü mit Konfigurationen von Open Transport TCP/IP und eine neue Kontrolle für den Lautsprecher. [MHA]
<http://members.aol.com/jbkezer/shareware.html>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
Wie viele von Ihnen vielleicht wissen, bestreite ich meinen Lebensunterhalt, außer mit den TidBITS, auch mit dem Schreiben von Büchern (das bekannteste davon heißt Internet Starter Kit for Macintosh). Für mich als Autor von Internet-Büchern entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, daß das Internet, das ich verbreiten geholfen habe, den Markt für Computerbücher verändert hat. Bücher werden online verkauft, sie werden online beworben, einige werden überhaupt nur online publiziert.
Eine der Reaktionen des Publikums auf diese Veränderungen war ein Wandel bei den Anforderungen an Bücher und die Art, wie sie vermarktet werden. Viele Computerbücher sind im wesentlichen Lehrbücher - sie vermitteln Kenntnisse, wie in Photoshop bestimmte Effekte zu erzielen sind ebenso wie bestimmte Dinge im Internet zu finden sind. Lehrbücher in Papierform gehen weit über das Thema Computer hinaus - was ist schließlich ein Kochbuch oder ein Buch über Gärtnerei anderes als ein Lehrbuch? Könnte es nicht bessere Wege geben, Lehrbücher zu publizieren - vielleicht über das Internet?
Es gibt Firmen, die die didaktischen Inhalte eines Lehrbuchs zu einem interaktiven elektronischen Lehrgang machen. Am besten kenne ich eine neu gegründete Firma in San Francisco namens DigitalThink, die einen interessanten Weg gefunden hat, ihre Produkte von anderen abzuheben. DigitalThink läßt nicht irgend jemanden einen Kurs erstellen, sondern sucht nach Autoren, die sich gut verkaufen und die schon unter Beweis gestellt haben, daß sie ihr Gebiet beherrschen und es auch gut erklären können.
<http://www.digitalthink.com/>
Ich habe vor kurzem einige Monate damit zugebracht, einen interaktiven Lehrgang unter dem Titel "Living with the Internet" für DigitalThink zu erstellen. Es ist klar, daß ein Kurs wie dieser, der über das Internet vertrieben wird, schon einen Zugang zum Netz und Grundkenntnisse im Umgang mit einem Browser voraussetzt. Die Nutzung des Internet geht aber über die Besonderheiten eines spezifischen Programms weit hinaus - und das ist das Ziel meines Lehrgangs. Ich setze in DigitalThink große Erwartungen; ich glaube, daß die Firma etwas Neuem, sehr Nützlichen auf der Spur ist. Wenn Sie am Lernen im Internet und an interaktivem Lehrmaterial interessiert sind, lesen Sie weiter.
Der Aufbau des Kurses -- Wie ich schon sagte, sind die Lehrgänge interaktiv und ich halte das für unverzichtbar, wenn sie erfolgreich sein sollen. Nur einige Schritte auf einer Webseite zu plazieren, denen der Benutzer folgen soll - das hat es nicht nur schon gegeben, es ist auch nicht attraktiv. Statt dessen arbeitet DigitalThink mit einer Anzahl von Systemen, mit denen Interaktivität in einen Lehrgang eingebracht wird. Die Schüler sollen nicht nur mit dem Server von DigitalThink kommunizieren, sondern auch mit anderen Kursteilnehmern und mit den Lehrern.
Ein Kurs von DigitalThink besteht aus fünf oder sechs großen Teilen, von denen jeder wiederum aus sechs bis zwanzig Lektionen besteht. Jede Lektion hat ein Lernziel (wie sich aus den Untersuchungen von DigitalThink ergeben hat, werden solche Lernziele gewünscht). Lektionen enthalten Text, der kurz gehalten ist, weil die meisten Leute nicht viel am Bildschirm lesen wollen, und zusätzliche Spalten mit zusätzlichen Informationen zum Thema, mit Übungen, Diskussionen und Ratespielen. Diese letzteren Elemente sorgen auch für die Interaktivität, die den Kursen die Würze gibt.
Der Text einer Lektion -- Die größte Herausforderung beim Schreiben des Kurses war es, das Ausmaß an Text gering zu halten. Tali Bray, mein Betreuer, hatte ursprünglich vorgeschlagen, die Text auf 400 Wörter pro Lektion zu beschränken, aber das hat sich bald bei meinen Themen als nicht praktikabel herausgestellt. Also haben wir Teile der Lektionen in Randspalten ausgelagert, um die Information in weniger geballter Form zu präsentieren. Talis Ziel war, mit mir die notwendigen Informationen auf ihre fundamentale Form zu reduzieren - das ist es schließlich, was online-Lehrgänge, im Gegensatz zu Büchern, auszeichnen sollte.
DigitalThink sorgt auch auf andere Weise dafür, daß wenig Text am Bildschirm gelesen werden muß. Bei vielen der Lehrgänge gibt es Bücher zum Lesen und die Interaktion zwischen den Lernenden wird ebenso gefördert wie die zwischen Lehrern und Schülern.
Übungsaufgaben -- Ein weiterer Bestandteil jeder Lektion sind die Übungsaufgaben, einige sehr einfach (wie bestimmte Webseiten anwählen, sie durchlesen und über Schlußfolgerungen nachdenken), andere etwas anspruchsvoller (wie die von den Schülern verwendeten Internet-Programme zu bewerten, damit diese Beurteilungen mit denen anderer Teilnehmer verglichen werden können).
Mit etlichen dieser Übungen hatte ich meinen Spaß - ein Kurs muß ja nicht langweilig sein. Die Lektion zum Thema Client/Server-Computing enthält eine freiwillige Aufgabe, die darin besteht, mit einer Freundin oder einem Freund zum Abendessen auszugehen. Beim Thema E-Mail besteht die Aufgabe darin, kleinen Kindern das Prinzip zu erklären (vorausgesetzt, es sind welche aufzutreiben).
Frage und Antwort -- Lehrgänge brauchen generell irgendeine Form von Tests. Die Schüler reichen ihre Antworten zu einigen der Übungsaufgaben ein, aber die häufigere Methode, mit der die Kurse von DigitalThink Wissen testen, ist der Quiz. Dabei handelt es sich meist um Multiple-Choice-Tests, die mit gelegentlichen wahr/falsch-Fragen angereichert sind. Wenn eine Schülerin einen Quiz einschickt, zeigt ihr der Server von DigitalThink, welche Fragen richtig und welche falsch beantwortet sind und erklärt die Antworten. Dabei wird oft zusätzliche Information zu dem Thema geliefert. In jedem Kurs kann jederzeit per Tastendruck eine grafische Darstellung der eigenen Testergebnisse und der anderen Teilnehmer abgerufen werden.
Diskussionen und Plauderei -- Übungen und Tests, also die Kommunikation mit dem Server, sind aber nur der erste Schritt zu weiteren Erfahrungen mit Interaktion, wo es letztlich keinen Ersatz für echte Personen gibt. Deswegen bieten die meisten Lektionen eine Möglichkeit zur Diskussion, jedes Modul bietet zumindestens einen Termin für online-Chat an. Die Diskussionen erinnern ein wenig an die Newsgruppen im Usenet, wo die Beiträge auch nacheinander aufgelistet werden. Die online-Chats benutzen das iChat-Plug-In-Modul.
Als Autor lasse ich mich pro Monat einige Stunden im Kurs blicken, nehme an Diskussionen und vielleicht auch ab und zu an einem Chat-Termin teil (in der Regel meide ich ja online-Chat-Sitzungen, weil sie meine Hände zu sehr anstrengen). Ich statte jede Diskussion mit einem Anfangsbeitrag aus, wie ja schon jede Lektion Fragen zum Überlegen für die Teilnehmerinnen aufweist. Ich gebe mein Bestes, um Leuten dabei zu helfen, über das Internet und damit verbundene Aspekte nachzudenken.
Sei es im Diskussionsforum, sei es in einer Chat-Sitzung, DigitalThink hofft, die Lehrgänge nicht nur unterhaltsamer, sondern auch ergiebiger zu machen, wenn die Teilnehmer zum Gedankenaustausch untereinander und mit den Lehrpersonen ermutigt werden. Jüngste Untersuchungen haben ergeben, daß die Interaktivität, wenn sie integrierender Bestandteil von online-Unterricht ist, diesen erfolgreicher werden läßt als traditionellen Unterricht in der Klasse.
<http://www.csun.edu/sociology/virexp.htm>
Das Gesamtkonzept -- Die Technologie, die DigitalThink für diese Lehrgänge einsetzt, reicht weit über elementares HTML hinaus. Ich kenne nicht alle Details, aber ich weiß, daß es bei DigitalThink ein selbst entwickeltes System gibt, das alle Teile eines Kurses und alle Teilnehmer laufend verwaltet. Damit ist es möglich, eingesandte Tests sofort auszuwerten und die Gesamtergebnisse aktuell zu halten. Alle Teilnehmer an einem Kurs können jederzeit abrufen, wer sonst noch daran teilnimmt. Ein nettes Bonbon: DigitalThink gibt an alle Teilnehmerinnen spezielle kursbezogene E-Mail-Adressen aus, die auf die wirklichen E-Mail-Adressen umgeleitet werden. Auf diese Weise können die Schüler einander schreiben, ohne ein gewisses Maß an Privatheit aufgeben zu müssen.
Der Nachteil an der Sache ist allerdings, daß JavaScript für die Lehrgänge selbst und für die Diskussionsrunden Voraussetzung ist; Microsofts Internet Explorer 3.0 für den Mac unterstützt das nicht (die Version Explorer 3.0.1b1 ist jetzt in der Lage, JavaScript zu verwenden, siehe TidBITS-373). Andere technische Anforderungen sind das Plug-In-Modul für Shockwave, wenn die Stimme des Lehrers zu hören sein soll, und das iChat-Plug-In zur Teilnahme an Chat-Sitzungen.
Persönliche Daten der Kursteilnehmer sind in "Fächern" gespeichert, die Angaben über belegte Lehrgänge und alle anderen Informationen enthalten, die sie herausgeben wollen (beispielsweise enthält das Feld "Bio" bei mir nur den Eintrag "auf Kohlenstoffbasis"). Sobald Sie sich für einen Lehrgang eingeschrieben haben, suchen Sie Ihr "Fach" jedes Mal auf, wenn Sie die Web-Site von DigitalThink im Laufe des Kurses anwählen.
Wie ich es verstehe, zielt DigitalThink auf die Bedürfnisse von Personen und Firmen ab, die sich einen ein- bis zweitägigen Kurs leisten können, aber nicht mehr Zeit für ganztägigen Unterricht erübrigen können. Die Lehrgänge sind so konzipiert, daß sie in etwa 25 Stunden abgeschlossen werden können; die Teilnehmer können langsamer oder schneller arbeiten und sich ihre Zeit in einem gewissen Rahmen frei einteilen.
Das Angebot an Kursen -- Derzeit bietet DigitalThink Kurse in den Kategorien Internet, Computerwissenschaften und Multimedia an. Darunter sind Lehrgangstitel wie Object-Oriented Programming with C++, Home Sweet Home Page, Advanced Perl for the Web (als Teil der Reihe Perl for Programmers), Building Graphical User Interfaces (als Teil der Reihe Java for Programmers) und Hands-On Photoshop.
<http://www.digitalthink.com/catalog/>
DigitalThink führt Ende April zwei neue Kategorien ein, Finanzen (mit der Behandlung von persönlicher Finanzsoftware, Investitionen etc.) und Lifestyles, worauf ich besonders gespannt bin. Dort soll es um Themen gehen, die mit Beruflichem nichts zu tun haben, wie etwa Weinverkostung. Das klingt interessant, obwohl die Tests vielleicht viel schwieriger werden, wenn während der Verkostungsübungen nicht ausgespuckt wird.
Die Teilnahmegebühren sind unterschiedlich je nach Art und Länge eines Lehrgangs. Einführende Kurse kosten nur 45 US$, die Bandbreite reicht hinauf bis zu 275 US$ für einen Kurs in voller Länge in Computerwissenschaften für Fortgeschrittene.
Wenn Sie gern Kurse besuchen und an kurzen Lehrgängen interessiert sind, nehmen Sie das Angebot auf der Web-Site von DigitalThink unter die Lupe, besonders den kostenlosen Kurs von Tali über Suche im Internet. Mir hat die Erstellung meines Kurses "Living with the Internet" mehr Freude gemacht als meine größeren Buchprojekte, denn es hat mir geholfen, die Art und Weise, wie ich das Internet erkläre, zu überdenken. Wenn das auch für die anderen Autoren bei DigitalThink gilt, kann ich annehmen, daß auch ihre Lehrgänge profitiert haben. Wer weiß - vielleicht sieht so die Zukunft für einige Arten von Computerbüchern aus.
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
Gegen Ende des letzten Jahres habe ich Spell Catcher von Casady & Greene besprochen, ein handliches Programm, das bei der Rechtschreibung und auch sonst beim Schreiben hilft (siehe TidBITS-353). Besonders hat mir gefallen, daß ich das Benutzer-Wörterbuch und das interaktive Glossar nur einmal aufzusetzen brauchte und sie dann in jedem Programm verwenden konnte - Wörter, die ich aus der Textverarbeitung heraus in das Wörterbuch aufgenommen hatte, wurden auch verstanden, wenn ich im E-Mail-Programm eine Rechtschreibkontrolle durchführte. Damals habe ich versprochen, andere, ähnliche Hilfsprogramme zu besprechen, von denen nun eins vorliegt: Online Army Knife 1.21 (OAK) von JEM Software.
<http://www.casadyg.com/C&G/Products/SpellCatcher/description.html>
<http://arielpub.com/jem.html>
OAK ist darauf angelegt, Internet-Benutzern Rechtschreibprüfung und andere Dienste zu bieten, besonders in E-Mail-Applikationen und HTML-Editoren, die keine angemessenen Funktionen in dieser Richtung haben. Im Stil eines Schweizer Armeemessers hat OAK noch zahlreiche weitere Fähigkeiten: Grammatikprüfung, Abspielen von QuickTime-Sequenzen, Öffnen von GIF-, PICT- und JPEG-Grafiken, Konvertieren solcher Dateien in viele andere Formate (u.a. in EPS und TIFF), Öffnen und Konvertieren von WAV-, SND- und AIFF-Sounds (samt einer einfachen Aufzeichnungsmöglichkeit für Klänge), Verschlüsselung von Text (der dann von jedem Empfänger mit OAK oder dem OAK-Decrypter entschlüsselt werden kann) und das Entfernen von Zeichen über ASCII-Wert 127 (die beim Versenden von E-Mail unlesbar werden können).
Ich will den Wert keines einzigen dieser Features in Abrede stellen, aber OAK hat sich selbst auf meine Liste der unentbehrlichen Hilfsprogramme gesetzt, als ich die Batch-Funktion bei der Rechtschreibprüfung entdeckt hatte (ein Feature, das Adam zum Teil bei JEM Software vorgeschlagen hat - er war die Ÿblichen Spell-Checkers mit ihrem linearen Modus einfach leid).
OAK ist ein Kontrollfeld und eine Applikation; ich habe daher nach der Installation ein Alias der Applikation in meinen Startup-Ordner gestellt. OAK startet als kleines Fenster mit acht Tasten. Jede Taste zeigt nach einem Mausklick eine kurze Liste der Optionen, die mit der Taste aufgerufen werden. Wie jede andere Applikation können Sie auch OAK ausblenden, falls der Platz am Bildschirm knapp werden sollte.
Die einfache Überprüfung als Batch -- Im einfachsten Fall wird die Rechtschreibprüfung in OAK per Klick auf die Spelling-Taste gestartet. Damit kann wahlweise der Inhalt der Zwischenablage oder einer Datei geprüft werden (wenn eine entsprechende Tastenkombination definiert ist, kann auch ausgewählter Text in irgendeinem Programm überprüft werden). OAK reagiert darauf, indem mögliche Fehler in der Batch-Processing-Dialogbox aufgelistet werden; wenn ein Fehler mehrmals auftritt, wird er nur einmal angeführt. ["Batch"-Überprüfung bedeutet hier die Prüfung einer schon vorhandenen Datei oder Textpassage in einem Durchgang, im Gegensatz zu einer begleitenden Rechtschreibkontrolle während des Tippens, die OAK auch bietet - siehe unten. --WJF]
Diese Liste ist sehr praktisch: Um die möglichen Fehler durchzuarbeiten, wähle ich zuerst die Wörter, die ich übergehen will, und klicke auf die Ignore-Taste (diese Option kann so eingestellt werden, daß sie bis zum Ausschalten des Programms aktiv bleibt). Danach wähle ich die Wörter an, die ich OAK lernen lassen will und klicke auf den Learn-Button. Schließlich markiere ich die restlichen Wörter und klicke auf "Correct in Context". Diese Taste öffnet ein Spell-Checking-Fenster der üblichen Art, das vollständig von der Tastatur aus bedient werden kann. Es gibt auch noch Tasten für Grammatikprüfung und die Suche nach verdoppelten Wörtern.
Zur Feststellung der Geschwindigkeit habe ich eine Ausgabe der TidBITS geprüft. Auf meinem Power Mac 7600 (120 MHz PowerPC 604) dauerte es etwas mehr als eine Sekunde, um 24 unbekannte Wörter unter 4561 Wörtern insgesamt zu finden; auf dem Duo 230 (25 MHz 68030) erforderte dieselbe Aufgabe etwa 10 Sekunden. Laut JEM Software kann OAK Dateien jeder Größe prüfen, es hängt nur von dem verfügbaren Arbeitsspeicher ab.
Die Batch-Überprüfung ist so sensationell, daß ich OAK behalten werde, um es mit Eudora und anderen Programmen, die mit unformatiertem Text arbeiten, zu benutzen. Freilich wird OAK in meiner Software-Sammlung nicht Spell Catcher verdrängen. Wenn OAK nach einer Überprüfung Text in einem Dokument einfügt, gehen meistens die Formatierungen verloren. Dies ist bei meinen Test bei Dokumenten von Word 5.1, Nisus 4.1 und 5.0, WriteNow 3.0 und WordPerfect 3.5 geschehen. OAK und Word 6.0 hatten miteinander bei Styles und Formaten keine Probleme. JEM Software wird vielleicht die Unterstützung von Word Services in eine kommende Version von OAK einbauen, womit dieses Problem vermieden werden könnte.
Die interaktive Zone -- Neben der Batch-Überprüfung bietet OAK auch interaktive Check-Funktionen zuhauf, darunter einen mitlaufenden Spelling-Checker, der anders als der Batch-Modus keine Probleme mit Formatierungen hat und daher in den meisten Programmen genutzt werden kann. Wenn diese Echtzeit-Option (real time) eingeschaltet ist, zeigt OAK ein winziges Windoid-Fenster namens "Unbekannte & Vorschläge", das über den Fenstern der Applikationen liegt. Sie können OAK so einrichten, daß bei jedem unbekannten Wort, das Sie tippen, ein Sound ertönt oder der Menübalken blinkt, als Signal dafür, daß Sie auf das OAK-Fenster achten sollen. Dort sind zwei Listen zu sehen: Die linke zeigt Wörter an, die OAK für falsch geschrieben hält. Wenn Sie auf einen der Einträge klicken, zeigt OAK auf der rechten Seite einen Vorschlag an. Sie haben dann alle Möglichkeiten - Sie können OAK das Wort ignorieren oder lernen lassen oder einen Verbesserungsvorschlag annehmen. Sie können auch auf die Glossar-Taste klicken und damit ein Wort dort aufnehmen, sodaß jedes Mal, wenn Sie diesen Fehler machen, automatisch die richtige Schreibweise eingesetzt wird. Sie können sich auch erst später mit den Fehlern befassen; OAK speichert sie dann in einer Liste. OAK kann allerdings nur Korrekturen an der Einfügemarke einsetzen, nicht an der Stelle des Fehlers - damit ist diese Möglichkeit nur von mäßigem Nutzen.
Wenn Sie die entsprechenden Einstellungen vornehmen, kann OAK auch sofort versehentlich eingebene Kleinbuchstaben gegen Großbuchstaben austauschen und häufige Zeichenvertauschungen selbsttätig korrigieren (wenn z.B. "Appel" statt "Apple" geschrieben wird).
Im Batch-Modus werden E-Mail-Adressen und Web-URLs ignoriert, der interaktive Modus nimmt sie allerdings "wörtlich" und meldet sich, wenn er Teile davon nicht versteht (ich mußte ihm Begriffe wie www und com beibringen). Das ist besonders in einem Web-Browser sehr lästig. Eine zukünftige Version von OAK sollte unbedingt so eingestellt werden können, daß sie in bestimmten Programmen nicht aktiv wird.
Es gibt auch ein Glossar, in dem oft gebrauchte Textpassagen gespeichert werden können. Dieses Glossar ist leicht zu editieren und neue Einträge können einfach eingefügt werden. Ich benutze etwa das Glossar, um jedesmal, wenn ich "ti" schreibe, "TidBITS" einfügen zu lassen. Das Feature ist auch praktisch für oft vorkommende Floskeln in der E-Mail, für lange Firmen- oder Produktnamen und die Post-Anschrift. Das Glossar enthält nicht von vorneherein schon häufige Tippfehler und ihre Korrekturen, aber es ist sehr leicht, eine Bestand zu Berichtigung der eigenen Tippfehler aufzubauen, indem man die "Glossar"-Taste im Fenster "Unbekannte & Vorschläge" drückt. JEM Software weist auch darauf hin, daß die Routine zum Berichtigen vertauschter Buchstaben schon viele häufige Fehler behebt.
Weitere Funktionen ohne Ende -- OAK hat weitere Features, die erwartet werden können, zum Beispiel speichert es Tastenanschläge, mit deren Hilfe im Fall eines Absturzes Daten gerettet werden können. Anderes ist eher ungewöhnlich, wie eine Hilfe beim Lösen von Kreuzworträtseln und eine Funktion, mit der man per Tastaturkürzel Programme starten und sogar einen Zeitplan einrichten kann, nach dem Programme automatisch gestartet werden.
Weiters gibt es eine Grammatikprüfung, die allerdings nur Leuten etwas nützen wird, die Probleme mit grundlegenden Regeln haben. Die meisten Grammatikprüfer bringen einen Wust unpassender Vorschläge und verbergen die dem Kontext angemessenen Varianten in der Fülle des Gebotenen. Die Grammatikprüfung von OAK markiert Wörter in einem Dokument, die in einer Liste der 25 häufigsten verwechselten Wortpaare enthalten sind, darunter einfache wie "your" und "you're", aber auch weniger banale wie "stationery" und "stationary". Wenn OAK ein Wort markiert, hält es einen möglichen Fehler fest und gibt Informationen zum richtigen Gebrauch beider Wörter in dem Paar an, oft auch mit einem Tip, wie es sich leichter merken läßt. Sie können das Wort beibehalten oder es gegen das andere Wort austauschen. Wortpaare können leicht aus dem Grammatikmodul entfernt oder dort neu eingefügt werden.
Darüber hinaus ist Online Army Knife mit MemoEdit ausgestattet, einem Text-Editor, der als Ersatz für Simple Text für einfache Textarbeiten gedacht ist. Zum Funktionsumfang von Simple Text kommen bei MemoEdit ein Befehl zum Suchen und Ersetzen und eine Farbauswahl (zum Einfärben von Text), bei der Sie mit der Maus über ein vielfarbiges Feld fahren und die entsprechenden RGB-Farbwerte direkt darunter ablesen können.
Vergleich mit Spell Catcher -- Ich habe Spell Catcher etwa drei Monate verwendet, bevor ich für diesen Artikel zu OAK gewechselt bin. Meine größte Enttäuschung bei Spell Catcher ist, daß das Programm URLs nicht als solche erkennt - die Batch-Überprüfung von OAK ist hier schlauer. Im interaktiven Modus ist Spell Catcher in ClarisWorks 4.04 und NisusWriter 4.1 besonders langsam; OAK ist flott unterwegs, auch in diesen beiden Applikationen. Ich kann Spell Catcher auch für Maschinen, die langsamer als mein Duo 230 sind, nicht empfehlen. Der (interaktive) Real-Time-Modus von OAK ist am Duo etwas langsamer, wenn er Ersatzvorschläge macht, die Geschwindigkeit ist aber generell ganz gut.
Spell Catcher ist im Laufe der Jahre immer weiter verfeinert worden, um die Bedürfnisse von Autoren abzudecken, und kommt mit sehr vielen Schreibstilen zurecht (die jüngste Version 1.5.7 hat wieder einige Verbesserungen). Das Produkt macht aus geraden Anführungszeichen geschwungene, entfernt doppelte Leerzeichen und verfügt über ein Glossar, das automatisch mehr als 1000 Tippfehler korrigiert. Anders als bei dem "alles-oder-nichts"-Ansatz von OAK sind diese Features alle zunächst abgestellt; Sie schalten Sie nach Bedarf, angepaßt an die jeweilige Applikation, zu. Spell Checker wird mit einem Thesaurus, aber ohne Grammatikmodul geliefert. Das Ghostwriter-Feature von Spell Catcher ordnet die gespeicherten Tastenanschläge nach Datum und nach Applikation. Das Produkt unterstützt zusätzliche Wörterbücher für diverse Sprachen und Berufsgruppen - OAK hingegen ist nur auf den U.S.-Englisch sprechenden Internet-Benutzer abgestimmt. Beide Programme haben brauchbare Handbücher, die sich lesen lassen, als ob sie von wirklichen Menschen geschrieben wären, wobei das von OAK ein wenig lockerer und persönlicher wirkt.
OAK ist ein junges, enthusiastisches Produkt mit einigen neuen Ideen. Probieren Sie das Batch-Modul nicht aus, wenn Sie nicht OAK installiert lassen wollen - wenn Sie einmal damit Bekanntschaft gemacht haben, führt kein Weg mehr zu einer der plumpen linearen Methoden der Rechtschreibkontrolle zurück. Ein weiterer Unterschied zwischen OAK und Spell Catcher liegt darin, daß das Glossar von OAK viel längere Einträge verträgt als die etwas dürren 255 Zeichen von Spell Catcher. OAK ist überhaupt mit zentnerweise Zusätzen und Hilfsprogrammen ausgestattet, die zum hohen Gesamtnutzen des Pakets beitragen.
Laut JEM Software funktioniert OAK mit jedem Mac unter mindestens System 7.1; die Kernfunktionen Rechtschreib- und Grammatikprüfung benötigen 1 MB freien Arbeitsspeicher. Die volle Installation belegt 4,5 MB auf der Festplatte. Der empfohlene Verkaufspreis beträgt 128 US$, bei direkter Bestellung vor dem 1. Juli 1997 sind nur 69,96 US$ fällig. Ein Wettbewerbs-Upgrade für Besitzer von SpellCatcher/Thunder 7 kostet 49,95 $ (das OAK-Glossar kann ein Spell Catcher/Thunder-Glossar importieren), für Benutzer einiger anderer Konkurrenzprodukte 59,95 $. Eine Demoversion für sieben Tage kann von der WebSite von JEM als Datei von 1 MB heruntergeladen werden.
JEM Software -- 303/422-4856 (fax)
<jemsoftware@kitchen-sink.com>
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Mark Anbinder [MHA], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD].
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF].
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