Sind Sie auf der Suche nach einem neuen Tabellenprogramm? Versäumen Sie nicht Matts Besprechung von Spreadsheet 2000, einem benutzerfreundlichen Programm mit einem völlig neuen Ansatz in dieser Kategorie. In dieser Ausgabe bringen wir auch Berichte über Apples Worldwide Developers Conference, das weitere Schicksal des Newton und neue Produkte von Global Village in der Sparte Telekommunikation.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#381/26-May-97.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-381.html>
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-381.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-381.etx>
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Apple lagert den Newton aus -- Apple hat die Gründung einer Tochtergesellschaft angekündigt, die aus der Newton-Gruppe hervorgehen wird. Die neue Firme, die derzeit noch weder einen Namen noch einen Chef hat, wird sich "um die Rechen- und Kommunikationsbedürfnisse des mobilen Benutzers" kümmern. Zur Zeit bedeutet dies, daß die neue Firma zwei Produkte hat, das MessagePad 2000 (siehe TidBITS-379) und den eMate 300 (TidBITS-361). Apple wird aber weiterhin den eMate im Bildungsbereich verkaufen und dort auch Support leisten. In Zukunft wird es Produkte für vertikale Märkte geben, wie etwa den Gesundheitsbereich oder die Unterstützung von Verkäufern im Außendienst und Montage- und Kundendienst-Technikern. Die Firma wird auch neue Technologien mit Zielrichtung auf mobile User entwickeln und Lizenzen dafür vergeben. Kurios wäre es, wenn Apple auf der Suche nach einem Chef für das neue Unternehmen auf den ehemaligen Apple-Chef John Sculley käme, der während seiner Zeit bei Apple die Newton-Plattform sehr gefördert hat. [ACE]
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1997/q3/970522.pr.rel.newton.html>
TidBITS immer noch auf ZDNet/Mac bei CompuServe -- Kevin Norris von ZDNet/Mac teilt uns mit, daß die TidBITS weiterhin in der Electronic Pubs Library (#11) im ZDNet/Mac Arts & Fun Forum vertreten sein werden (erreichbar über GO ZMC:ZMACARTS). Er betont auch, daß dieses Forum und das gesamte ZDNet nun ein Teil des Pakets Computing Professionals von Compuserve sein werden (GO CPRO). Wenn Sie also die TidBITS von CompuServe herunterladen wollen, statt sie per E-Mail zu erhalten (indem Sie unsere Mailing-Liste über <tidbits-on@tidbits.com> oder auf unserer Web-Site abonnieren), wählen Sie dieses Forum an. [ACE]
von Mark H. Anbinder <mha@tidbits.com>
Global Village Communication hat eine neue Reihe von PC-Card-Modems (auch solche in Kombination mit Ethernet) angekündigt, die einen Durchsatz bis zu 56 Kbps erbringen. Die neue Karten verwenden die neue K56flex-Technologie von Rockwell und Lucent; sie werden Mitte Juni auf dem Markt erscheinen.
<http://www.globalvillage.com/>
Die PC-Cards werden zunächst die PowerBooks der Serien 190, 5300 und 1400 unterstützen und mindestens System 7.5 voraussetzen. Global Village will im Juli ein kostenloses Software-Update für die PowerBooks 3400 und 2400 herausbringen. Parallel dazu bringt Global Village ein Paar PC-Cards (Modem und Modem/Ethernet-Combo) für Windows-95-Laptops heraus - das erste Mal, daß Global Village für beide Plattformen dieselben Produkte anbietet. Beide Modelle können mit der GlobalFax-Software auch Faxe verschicken.
Auf die Frage, warum die K56flex-Technologie der konkurrierenden X2-56-Kbps-Architektur von U.S. Robotics vorgezogen wird, gab Global Village an, der Support bei den Internet-Providern sei für K56flex-Einwahlkunden besser; dies gelte auch für den Markt der Remote Access Server, der von Firmen wie Cisco und Shiva dominiert wird. Die neuen Modems verfügen über ein beschreibbares Flash-ROM und DSP-Technologie, die ebenfalls updatefähig ist. Die Firma erwartet, daß damit diese Produkte diejenige 56K-Technologie unterstützen werden, die sich letztlich durchsetzt. Mit kostenlosen Update-Dateien haben schon die Besitzer von Platinum-Modems ihre Geräte von 28,8 auf 33,6 Kbps Durchsatz bringen können.
<http://www.globalvillage.com/support/software.html>
Die 56K-Karten benutzen denselben externen Dongle namens Clyde wie frühere PC-Card-Produkte der Firma, um Telefon- und Ethernet-Verbindungen herzustellen. Der Clyde schützt die Karte auch vor Spannungsspitzen, die in einigen digitalen Telefonsystemen vorkommen. Die Karten unterstützen auch die Adapterkabel für Mobiltelefone, die zu früheren PC-Karten von Global Village verkauft worden sind. Die zu erwartenden Preise liegen bei 269 US$ für die Modemkarte und 379 US$ für die Modem/Ethernet-Kombination.
Global Village Communication -- 408/523-1000 -- 408/523-2407 (fax)
<sales@globalvillage.com>
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
Jedes Jahr veranstaltet Apple die Worldwide Developers Conference (WWDC), ein kostenträchtiges Zusammentreffen für ernsthafte Macintosh-Programmierer. Anders als Messen wie die Macworld Expo ist die WWDC kein Auftrieb von hunderten Firmen; es gibt auch nicht die taschenschleppenden und mit Abzeichen bedeckten Besucher. Statt dessen bietet die WWDC Programmierern die Möglichkeit, die zukünftigen Technologien und Entwicklungslinien von Apple kennenzulernen, Fragen zu stellen und selbst Kommentare abzugeben. Die Entwickler sind für Apple der schwierigste Adressatenkreis - sie lassen sich am wenigsten von Versprechungen beeindrucken und fordern für Behauptungen am hartnäckigsten Beweise ein. Aus der Sicht von Apple ist die WWDC immer ein anstrengendes Ereignis.
Dazu kommt, daß Apple nicht gerade ein großartiges Jahr hinter sich hat. Im Gefolge der finanziellen Probleme bei Apple und der Übernahme von NeXT waren die Erwartungen an die WWDC dieses Jahr verhalten. Niemand wußte, was Apple auf den Tisch legen wollte und bei vielen Entwicklern war das Vertrauen gegenüber Apple erschüttert durch Entlassungen, Streichung von Technologien und die Ankunft von ehemaligen NeXT-Leuten, die derzeit das Schicksal des Macintosh in Händen zu halten scheinen.
Rhapsody und die Yellow Box -- Was alle auf der WWDC brennend interessiert hat, war Rhapsody, das kommende Betriebssystem von Apple, das teilweise auf Technologien aufbauen wird, die mit NeXT eingekauft worden sind. Apple hat diesen Erwartungen entsprochen - zur Überraschung vieler Besucher wurde die Yellow Box vorgeführt, also die von NeXTs OpenStep abgeleitete Umgebung, die bei Rhapsody die zentrale Rolle spielen wird. Die Yellow Box wurde sowohl auf PowerPC- als auch auf Intel-Hardware gezeigt; unter den demonstrierten Programmen war das Spiel Quake (das die Bildschirmdarstellung in PostScript schrieb, während im Hintergrund Movies gespielt wurden), PowerPC-Demos von QuickDraw 3D und eine kommerzielle Applikation von Stone Design, die innerhalb weniger Tage von OpenStep nach der Yellow Box portiert worden war. Apple wollte eins klarmachen: Es gibt lauffähigen Code, nicht nur Versprechungen. Die Unix-Befehlszeile war auch zu sehen (unter dem Gezische einiger Zuseher), aber Apple betonte, daß sie in der ersten einheitlichen Version von Rhapsody verborgen und nur dann sichtbar sein wird, wenn die Benutzer das wollen. Die Oberfläche der Yellow Box wurde ein "laufendes Projekt" genannt, aber sie erinnert doch an die des Mac.
Obwohl sich die Yellow Box in direkter Linie von OpenStep herleitet und typische NeXT-Merkmale wie Display PostScript und Unicode-Konvertierung enthält, will Apple doch etliche angestammte Macintosh-Technologien mit aufnehmen, wie QuickTime Media Layer (QTML), QuickTime VR, QuickDraw 3D, ColorSync, QuickDraw-GX-Typographie und die V-Twin-Engine zum Indizieren von Text (auf der auch Apple e.g. beruht). Es ist noch zu früh, um abschätzen zu können, was das bedeutet, aber Apple gibt an, daß alle Applikationen für die Yellow Box skriptfähig sein werden und das Scripting im Rahmen der Yellow Box so weit wie möglich der Vorgabe von AppleScript folgen soll. Die Yellow Box wird auch WebObjects FrameWorks von NeXT und Java umfassen.
Apple hat die Absicht bekräftigt, auch eine Rhapsody-Version für die Intel-Hardware zu liefern; dazu kommt aber - und das war eine der größten Neuigkeiten auf der WWDC -, daß es auch eine Version der Yellow Box für das Mac-Betriebssystem geben wird.
Damit dies deutlicher wird, sollte Sie sich die Yellow Box als eine Umgebung für Applikationen (wie ihr Vorgänger OpenStep) vorstellen, nicht als eine Komponente von Rhapsody als Betriebssystem. Die beiden Varianten der Yellow Box, für das Mac-OS und für Windows, machen aus ihr theoretisch eine ideale Umgebung für plattformübergreifende Entwicklung: Die Entwickler könnten Applikationen liefern, die auf Rhapsody (PowerPC- und Intel-Prozessoren), dem Mac-System, Windows NT und Windows 95 laufen, und das alles unter Benutzung von Werkzeugen, die von der vielgelobten objektorientierten NeXT-Entwicklungsumgebung abgeleitet sind. Laut Apple kann eine Applikation, die für die Yellow Box geschrieben ist, einfach für eine andere der Zielplattformen neu kompiliert werden; es soll sogar möglich sein, eine einzige große Datei auszuliefern, die den ausführbaren Code für mehrere Plattformen enthält (Leonard Rosenthol von Aladdin hat diese Programme "korpulente Binaries" genannt). Um der Idee noch etwas zusätzlichen Nachdruck zu verleihen, hat Apple angekündigt, daß Lizenzen für die Technologie, mit der die Yellow Box auf Windows aufgesetzt laufen kann, kostenlos sein werden. Auf diese Weise würde es die Entwickler keinen Groschen zusätzlich kosten, ihre Yellow-Box-Applikationen auch für Windows herauszubringen.
Eine Version der Yellow Box für das Mac-Betriebssystem ist für einige Entwickler ebenfalls eine verlockende Karotte. Diese könnte es Benutzern, die noch die heutige Version des Mac-Systems (oder kommende Varianten wie OS 8 oder Allegro) betreiben, ermöglichen, Applikationen für die Yellow Box zu verwenden, ohne auf Rhapsody umzusteigen. Es wurde zwar kein Zeitplan angegeben und es sind einige bedeutsame Fragen nicht beantwortet worden (etwa welche Funktionen der Yellow Box vom Mac-OS unterstützt werden können - Threading wurde als wichtiger Aspekt genannt, symmetrisches Multiprocessing auch), aber die Aussicht, einige Yellow-Box-Applikationen unter dem Mac-OS betreiben zu können, sollte die Furcht vor dem Umstieg verringern und diesen Programmen einen breiteren Markt verschaffen.
Rhapsody und die Blue Box -- Apple hat auch die Blue Box von Rhapsody, auf einer Betaversion von Mac OS 8 laufend, vorgestellt. Die Entwickler hatten Gelegenheit, ihre eigenen Mac-OS-Produkte in der Blue Box von Rhapsody laufen zu lassen. Nach einer Apple-Aussage waren unter 500 Programmen, die auf der WWDC getestet wurden, nur fünf, die wegen Errors in der Blue Box nicht lauffähig waren.
Die Blue Box ist im wesentlichen eine Yellow-Box-Applikation, die unter Rhapsody für den PowerPCläuft (Rhapsody für Intel wird keine Blue Box haben). Die Blue Box benutzt ein Abbild des Mac-ROMs, um das Mac-Betriebssystem unverändert laufen zu lassen; daher können die User auch Mac-Applikationen und Systemerweiterungen ohne irgendwelche Modifikationen betreiben und die Kompatibilität ist insgesamt höher als sie bei Copland gewesen wäre. Die Blue Box wird einige der Vorteile von Rhapsody mitbekommen (Verbesserungen bei Virtual Memory und Eingabe/Ausgabe). Mac-Programme werden zwar nicht alle ihren individuellen Speicherschutz erhalten, aber ein Absturz der Blue Box wird Rhapsody nicht mit in die Tiefe reißen. Als eine Applikation wird die Blue Box in ihrem eigenen Fenster laufen und Mac-Programme werden nicht denselben Raum am Bildschirm einnehmen wie Yellow-Box-Applikationen. Blue-Box-Anwendungen werden mit Yellow-Box-Produkten über Apple Events (und traditionelle Mechanismen wie die Zwischenablage) kommunizieren können; es wird aber eine klare Trennlinie zwischen dem Mac-System und der Yellow Box geben. Die Blue Box wird wahlweise auch in einem Modus laufen können, bei dem sie den gesamten Bildschirm ausfüllt (Apple-Sprecher haben betont, daß dies für alle Bildschirme gelte), aber ich habe den Eindruck, daß die Blue Box aussehen wird, als ob Sie durch eine Lupe auf Ihren alten Macintosh blickten.
Java -- Während seiner Rede auf der WWDC hat der neue Chef des Software-Bereichs, Avie Tevanian, Java als die größte Chance für Apple bezeichnet. Es ist nicht klar, wieviele Apple-Entwickler diese Ansicht teilen, aber offenbar kann Apple ebenso große Aussagen zu Java machen wie irgendeine andere Softwarefirma. Es wurde die Unterstützung der Java Foundation Classes angekündigt, die von Sun, Netscape und IBM gerade entwickelt werden; Java soll auch vollen Zugriff zu der Programmierschnittstelle der Yellow Box erhalten (damit wäre es möglich, Applikationen für die Yellow Box zu schreiben, ohne auf Objective C oder andere Programmiersprachen zurückgreifen zu müssen). Apple hat sich zwar zu "hundertprozentig reinem Java" bekannt, aber gleichzeitig betont, daß der Zugriff auf die Yellow Box es den Entwicklern ermöglichen werde, die "klassenbesten" Java-Anwendungen zu erstellen - eine Diktion, die sehr ähnlich dem klingt, was Microsoft den Programmierern über das Konkurrenzprodukt Application Foundation Classes for Java einredet.
Der Zeitplan für Rhapsody -- Derzeit spricht der Zeitplan für Rhapsody von einer Entwicklerversion (noch ohne Blue Box) Mitte 1997, die möglicherweise nur die Power Macs 8500 und 8600 unterstützen wird. Eine erste Version für einen speziellen Benutzerkreis soll Anfang 1998 schon einige Blue-Box-Fähigkeiten für den PowerPC aufweisen und eine vereinheitlichte Version zur allgemeinen Verbreitung mit voller Blue-Box-Funktionalität soll Mitte 1998 für die PowerPC-Plattform fertig sein. Apple gedenkt Client- und Server-Versionen von Rhapsody auszuliefern und hat zugesichert, daß die vereinheitlichte Version auf den PowerPC-basierten Macs und Mac-Clones von heute laufen wird.
Die Dynamik -- Kein Zweifel, das Potential von Rhapsody ist beeindruckend. Entwickler und Konferenzteilnehmer, mit denen ich gesprochen habe, waren allgemein überrascht, wie weit Apple schon ist, aber die weiteren Aussichten (ob Apple die weiteren Schritte des ehrgeizigen Plans einhalten kann) wurden gemischt beurteilt. Nach Meinung einiger kommt Rhapsody schlicht zu spät: Sie hätten ausgereifte Entwicklungstools schon vor einem Jahr gebraucht, nicht ein Versprechen, es werde solche Werkzeuge in einem Jahr, von heute weg gerechnet, geben. Andere Entwickler schienen von Apples Plänen unglaublich ermutigt zu sein, darunter die Hersteller einiger systemnaher Produkte und Hilfsprogramme, für die Rhapsody eine ganz besonders große technische Herausforderung darstellt.
Die Kluft zwischen den Unternehmenskulturen von Apple und NeXT ist immer noch auffallend. Steve Jobs hat es bei einem Kamingespräch auf der WWDC geschafft, viele Mac-Entwickler vor den Kopf zu stoßen und gelegentliche Kommentare ehemaliger NeXT-Mitarbeiter haben die Unterschiede noch unterstrichen. Vereinfacht gesagt arbeiten die typischen NeXT-User bei großen Firmen und verfügen über sehr gute Ausstattung an Rechnerleistung und Bandbreite, während Mac-Besitzer eher darüber nachdenken, wie sie ein einzelnes CD-ROM-Laufwerk im LocalTalk-Netz einer Schule betreiben können. Ob ein tragfähiger Kompromiß bei den Software-Teams von Apple gefunden werden kann, bleibt abzuwarten.
Weitere Details und Ankündigungen von der WWDC finden Sie auf der Developer-World-Site von Apple. John Norstad hat ebenfalls exzellente Anmerkungen zur WWDC ins Web gestellt.
<http://devworld.apple.com/>
<http://charlotte.acns.nwu.edu/jln/wwdc97.html>
von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>
Zu einer Zeit, als Apple und der Macintosh ihrem Ende entgegenzugehen schienen, hat das Erscheinen von Spreadsheet 2000 (Casady & Greene) meine Stimmung ein wenig gehoben. Das Produkt ist eine vielseitige, flexible Methode, Informationen zu speichern und wieder aufzufinden (im konkreten Fall numerische Informationen und Berechnungen). Wie langjährige TidBITS-Leser wissen, ist es genau das, was ich mit meinem Mac erreichen will. Die angenehme Benutzeroberfläche beweist, daß es am Mac noch genug Spielraum für Originelles gibt; sie ist sehr leicht zu erlernen - Sie arbeiten die Anleitung durch, verstehen die Metapher und von da an läuft alles völlig intuitiv ab. Spreadsheet 2000 ist im wesentlichen von Steve Wilson von Emergent Behavior geschrieben, was wieder einmal die Bedeutung der kleinen Entwickler unterstreicht. Die Tatsache, daß es mit Prograph CPX erstellt worden ist, meiner liebsten Entwicklungsumgebung für den Mac (siehe TidBITS-312), ist in meinen Augen ein weiteres Bonbon.
<http://www.casadyg.com/C&G/Welcome.html>
Spreadsheet 2000, offiziell als S2K abgekürzt, ist eigentlich die Version 2.0 von Let's Keep It Simple Spreadsheet (kurz Let's KISS, oder LKISS oder schlicht KISS).
Dem Datenstrom folgen -- Eine Tabellenkalkulation ist ein Tummelplatz der Zahlen, die zum Teil die Ergebnisse automatischer Berechnungen sind. Wenn beispielsweise ein Budget überwacht werden soll, führt das Ändern oder Hinzufügen einer Zahl in der Spalte der monatlichen Ausgaben für Lebensmittel automatisch zu einer Anpassung der Felder für die gesamten Lebensmittelausgaben dieses Monats, der gesamten Ausgaben des Monats und der Gesamtsumme für das jeweilige Jahr.
In den meisten Tabellenkalkulationen geschehen solche Berechnungen mittels versteckter Formeln. Als Benutzer sehen Sie den leeren Raster aus Zellen; in jede einzelne dieser Zellen können Sie entweder eine Zahl eintragen oder eine Formel eingeben, die eine Berechnung auf der Basis der Werte in anderen Zellen definiert. Eine Zelle, die eine Formel enthält, zeigt allerdings nur das Ergebnis dieser Berechnung nach der enthaltenen Formel. Dieses Resultat kann wieder in anderen Formeln verwendet werden und so weiter. All das setzt voraus, daß Sie eine Formelsprache lernen, was nicht immer leicht ist. Dazu kommt, daß eine Tabelle schwer zu durchschauen, aber leicht durcheinanderzubringen ist: Da üblicherweise die Formel in einer Zelle nicht sichtbar ist (und wenn sie zu sehen wäre, könnten die Bezüge dieser Formel zu anderen Werten oder Formeln nicht so leicht nachvollzogen werden), kann es leicht geschehen, daß jemand ungewollt etwas ändert, was zu einem falschen Resultat der Formel führt oder die Formel gar überschreibt.
Spreadsheet 2000 geht hier völlig andere Wege. Am Anfang steht ein vollkommen leeres Fenster, in das Sie per drag & drop von Paletten beliebig viele Objekte ziehen, die Sie dann dort wie in einem Zeichenprogramm mit der Maus nach Belieben anordnen. Bei diesen Objekten handelt es sich im Grunde entweder um rechteckige Bereiche von Zellen oder um Operatoren wie "+", "*", "avg" etc., die als kleine Rechtecke dargestellt werden. Per Mausklick zeichnen Sie dann Linien, die Zellenbereiche mit Operatoren verbinden, von denen wieder Linien zu anderen Zellen gezogen werden können (das sind dann sogenannte "Ausgabe"-Bereiche) usw. In die Zellen können Zahlen eingegeben werden (außer in die Zellen, die zu Ausgabe-Bereichen gehören, die automatisch mit einer anderen Farbe gekennzeichnet werden). Die Ergebnise von Berechnungen werden also sowohl speziell gekennzeichnet als auch automatisch gegen Veränderung geschützt. Die Struktur jeder Berechnung ist als ein Datenstrom sichtbar - von einem Eingabe-Bereich (oder mehreren Input-Bereichen) über einen Operator zu einem Ausgabe-Bereich.
Die Kette Datenbereich-Operator-Datenbereich kann beliebig erweitert werden; ein Bereich von Zellen kann die Eingabedaten für mehr als nur einen Operator aufnehmen; andererseits kann ein Operator die Eingaben von mehr als einem Zellenbereich verarbeiten. Um hier Verwirrung zu vermeiden, können Sie einen Abschnitt einer solchen längeren Kette markieren und ihn als einen speziellen Operator höherer Ebene definieren. Wenn Sie diesen spezifischen Operator doppeltklicken, öffnet sich ein Editierfenster, das die Zellen und Operatoren zeigt, aus denen sich der Operator aufbaut. In diesem Fenster können Sie die Elemente neu arrangieren, Daten ändern, Berechnungen modifizieren und sogar Abschnitte zu neuen Operatoren machen. Durch aussagekräftige Benennung dieser spezifischen Operatoren können Berechnungsstrukturen entstehen, die optisch nachvollziehbar sind; dennoch ist der Zugriff auf die Details jederzeit leicht möglich, indem die Editierfenster für die selbstdefinierten Operatoren auf einer beliebigen Ebene aufgemacht werden.
Spreadsheet 2000 vermeidet Unübersichtlichkeit aber noch auf andere Weise, die als Report bezeichnet wird (ich ziehe es aber vor, einen Report als eine Ansicht zu betrachten, da er eine andere Darstellungsweise für gewisse Portionen von Daten ist). Das Hauptfenster ("Master") wird durch ein anderes ersetzt, das nur einen Teil der Elemente enthält; in der Regel werden dann nur noch zwei oder drei wichtige Bereiche von Zellen ohne Operatoren oder Verbindungen gezeigt. Ein Dokument kann viele verschiedene Reports enthalten, die beliebig benannt werden können; zu einem gegebenen Zeitpunkt ist entweder ein Report oder das Master-Fenster zu sehen (ein weiterer Grund, daß ich es vorziehe, Reports als Ansichten zu bezeichnen). Wie Reports eingesetzt werden, hängt vom Anwender ab. Daten können auch in Reports eingegeben werden; wenn also eine Berechnung viele Daten erfordert, können über mehrere Reports mehrere Masken zur Dateneingabe zur Verfügung gestellt werden. Reports sind aber auch hervorragend geeignet, die Endergebnisse von Berechnungen wiederzugeben.
Ich habe schon erwähnt, daß Spreadsheet-Elemente von Paletten in eine Tabelle eingefügt werden. Sie können Ihre eigenen Paletten erstellen, wo Sie Elemente abspeichern, die Sie später brauchen (also in der Art einer Bibliothek, einer Library). Zu diesen Elementen könnte eine komplizierte Berechnung gehören, die aus Zahlen Balkengrafiken erzeugt, aber auch ein einfacher leerer Datenbereich aus 12 Zeilen, die mit den Namen der Monate eines Jahres gekennzeichnet sind.
Tabellen können auch spezielle Elemente enthalten wie etwa Charts, die automatisch einfache, aber klare Graphen von jedem Zahlenbereich zeigen, der mit ihnen verbunden ist. Es gibt auch Anmerkungen - einfache rechteckige Text-Bereiche, die für Kommentare und Anweisungen geeignet sind - und Grafiken. Alle diese Objekte können natürlich auch beliebig plaziert werden.
Ein Raster für alles -- Alle Daten werden in einen Raster von Zellen eingetragen und auch so dargestellt. Daten können direkt in eine Zelle eines Bereichs eingegeben werden oder per Ausschneiden und Einfügen von anderen Teilen einer Tabelle oder aus anderen Programmen übertragen werden (S2K ist in der Lage, mit den Inhalten der Zwischenablage auf intelligente Weise umzugehen). Die Daten einer Tabelle oder von Teilen davon können auch als mit Tabulatoren gegliederte Text-Dateien exportiert werden.
Ein Bereich kann, bezogen auf die enthaltenen Zellen, beliebige rechtwinklige Dimensionen annehmen; er kann aus nur einer Zelle bestehen, einer einzelnen Spalte, einer Zeile oder einem vollen Rechteck aus Zeilen und Spalten. Die Bedeutung einer Zeile oder Spalte kann mit Label-Feldern angegeben werden, die über oder neben einem Bereich angeordnet sein können. Bei Ausgabe-Bereichen können Sie selbst Ihre Labels anbringen oder den Operator so modifizieren, daß der Ausgabe-Bereich die Labels der Eingabe-Bereiche automatisch wiedergibt.
Die Darstellung numerischer Daten kann formatiert werden, indem ein Format-Icon per drag & drop auf den Bereich gezogen wird; dafür stehen zahlreiche Grundformate in einem Toolbar oben auf dem Bildschirm zur Verfügung. Andere Formate, mit denen z.B. die Zahl der darzustellenden Dezimalstellen festgelegt wird, können von einer Format-Palette "abgerissen" werden. Das Formatieren von Text funktioniert ähnlich, hier gibt es auch noch ein Text-Menü. S2K sorgt für Konsistenz der Formatierung; Sie können einen ganzen Bereich oder markierte Spalten numerisch formatieren; die Text-Formatierung bezieht sich auch nur auf ganze Bereiche oder alle Kopf- oder Seiten-Labels, aber nicht auf einzelne Zellen.
Eine der schlauesten Funktionen von Spreadsheet 2000 ist das intelligente Verhalten der Operatoren gegenüber den Bereichen der Tabelle. Zum Beispiel hängt die Funktion des "+"-Operators davon ab, welche Gestalt der Ausgabe-Bereich hat. Ein Zahlen-Bereich von 5 mal 4 Zellen auf der Eingabeseite kann etwa über diesen Summen-Operator mit einer einzigen Zelle in der Ausgabe verknüpft sein - dann erscheint dort die Gesamtsumme aller 20 Zellen. Wenn als Ausgabe eine einzelne Zeile definiert ist, wird diese automatisch auf 5 auf 1 angepaßt und zeigt die Summen der einzelnen Spalten des Input-Bereichs. Wenn der Output-Bereich aus einer Spalte besteht, nimmt diese die Dimensionen 1 zu 4 an und stellt die Zeilensummen der Eingabe-Seite dar.
Andere Operatoren, die mehrere Eingaben annehmen, reagieren auf die Form dieser Inputs. Der "A+B"-Operator, der zwei Eingaben addiert, summiert zwei Bereiche aus je einer Spalte, indem er die Ausgabe als eine Spalte gestaltet, die zellenweise die Summe korrespondierender Zellen der Eingabeseite enthält. Ein rechtwinkliger Bereich wird zu einer Spalte addiert, indem in einem rechtwinkligen Ausgabe-Bereich Spalte für Spalte entsprechende Zellenpaare aufsummiert werden. Eine Spalte wird mit einer Zeile summiert, indem in einem rechtwinkligen Bereich jede Zelle eine der möglichen Summen eines Zahlenpaars enthält, und so weiter.
Das Außergewöhnliche daran ist, daß das in der Beschreibung ziemlich komliziert klingen mag; in der Ausführung ist es aber unmittelbar einsichtig und intuitiv. S2K gibt Ihnen das Gefühl, das Richtige zu tun, indem es weiß, was Sie meinen (manchmal besser als Sie selbst!).
Die Glasur auf dem Kuchen -- Zu den Standard-Operatoren gehören numerische (arithmetische, trigonometrische, exponentielle) Funktionen und Rundungsregeln; "Form"-Operatoren dienen als Abkürzung bei der Zusammensetzung elementarer algebraischer Ausdrücke; grundlegende statistische Funktionen (Mittelwert, Standardabweichung) sind ebenfalls verfügbar. Zellen-Operatoren zählen Zellen, Spalten und Zeilen; sie kombinieren oder zerlegen Bereiche; sie kopieren, transponieren oder sortieren Bereiche und übernehmen nach angegebenen Kriterien Werte aus den Zellen. Logische Operatoren führen Boole'sche Tests durch und gestatten sogar die Anwendung von "if-then-else"-Kontrollstrukturen. Schleifen-Operatoren lassen den Benutzer Zellenbereiche automatisch mit Daten füllen - auch kumulativ berechnete Ausgabe-Werte (wie ein laufend aktualisierter Bank-Saldo) sind mit S2K möglich.
Die schon vorgegebenen Operatoren sind in den meisten Fällen ausreichend. Wenn Sie selbst eine neue Funktion erstellen wollen, müssen Sie sich mit dem Datenfluß-Modell vertraut machen, das sich von einer algebraischen Sprache unterscheidet. Zu Ihrer Unterstützung gibt es auch schon eine große Auswahl an vordefinierten speziellen Operatoren; diese können als Kürzel verwendet werden und da sie aus Standard-Operatoren zusammengesetzt sind, stellen sie auch wertvolle Studienobjekte dar. Ihr Leistungsumfang reicht von einfachen Umwandlungen von Maßeinheiten und physikalischen Konstanten bis zu arithmetischen Repräsentationen von komplexen Zahlen, polynomialen Wurzeln, dem Test auf Primzahl-Eigenschaft, der Fibonacci-Reihe, dem Erzeugen von Pseudo-Zufallszahlen, linearer Regression und etlichen Finanz-Operatoren; genug, um zu beweisen, daß die Datenfluß-Sprache von S2K unglaublich vielseitig ist (besonders, wenn man bedenkt, daß Rekursion nicht möglich ist).
Viele Modelle liegen auch schon als fertige Dateien Vorlagen bei. Auch hier spricht der weite Umfang für die Vielseitigkeit von Spreadsheet 2000: Break Even und Abschreibung, Budgeterstellung und Leasing, Triangulation, Fourier-Addition von Sinuswellen, numerische Integration nach der Simpson-Regel, Notengebung für die Schule, sogar Baseball-Tabellen. Weitere von Usern erstellte Vorlagen sind auf der Web-Site von Casady & Greene zu finden.
<http://www.casadyg.com/C&G/Products/spreadsheet_2000/Solutions/solutions.html>
Leider dokumentiert das Handbuch außer den Standard-Operatoren nicht von alledem; sonst ist es aber gelungen. Es besteht zum größten Teil aus ausführlichen Anleitungen und Hinweisen, die durch leicht geschriebenes Referenzmaterial ergänzt werden. Sie erhalten alles, was Sie brauchen, weil das Programm nach dem Durcharbeiten der Tutorials einfach zu bedienen ist. Dazu kommt noch einiges an Balloon Help und Apple Guides.
Drag & Drop zuhauf -- Wenn ich überhaupt an Spreadsheet 2000 etwas Grundsätzliches zu kritisieren habe, ist es die starke Orientierung des Produkts an der Bedienung per Maus. Ich schätze drag & drop so sehr wie sonst jemand (und die wahlweisen Sound-Effekte von S2K steigern den Spaß noch), aber es wird mehr physische Geschicklichkeit vorausgesetzt, als mir vergönnt ist und es sind mehr Bewegungen hin und her nötig, als meine Geduld zuläßt.
Ich habe das und anderes als Anregungen an Steve Wilson, den Autor von S2K, weitergeleitet; die Edit-Fenster von zusammengesetzten Operatoren sollten ihre Position und Größe beibehalten, wenn sie das nächste Mal geöffnet werden, und ein zusätzlicher Dialog sollte es erleichtern, die Größe eines Bereichs zu ändern. Steves Reaktion auf meine Kommentare lassen mich annehmen, daß zukünftige Versionen von S2K noch besser sein werden (besonders, wenn auch andere Benutzer konstruktive Kritik üben).
Nachdem das Negative nun alles gesagt ist: Spreadsheet 2000 ist ein großartiges Programm. Es scheint sehr stabil zu sein (ich habe es nicht zum Absturz, nicht einmal zum Husten bringen können); es verhält sich dem User gegenüber intuitiv und komfortabel. S2K hat genau jene direkten, einfachen, Mac-gemäßen Qualitäten, die nur hin und wieder in einem Produkt auftauchen - es hat das Zeug zu einem Klassiker. Es stellt einen breiten Funktionsumfang zur Verfügung, ist aber trotzdem leicht zu erlernen, und es macht Spaß es zu benutzen. Nach meiner Meinung ist Spreadsheet 2000 die Tabellenkalkulation für jeden Tag, die jeder Mac-Besitzer haben sollte.
Zur Ansicht -- Ein hervorragend gemachtes QuickTime-Movie, das S2K in Aktion zeigt (200 K groß), ist ebenso auf der Web-Site von Casady & Greene zu haben wie Demo-Versionen für 68K- und Power-Macs (jeweils etwas mehr als 2 MB):
<http://www.casadyg.com/C&G/Products/spreadsheet_2000/S2Kmov.html>
Nach unseren Informationen kostet Spreadsheet 2000 zwischen 60 und 75 US$; wenn Sie derzeit ein anderes Spreadsheet verwenden, erhalten Sie einen Nachlaß von 30 $. Das Upgrade von LKISS kostet 20 $ (und ist kostenlos, wenn Sie LKISS im Jahr 1997 gekauft haben).
<http://www.casadyg.com/C&G/Products/spreadsheet_2000/description.html>
DealBITS -- An der folgende URL-Adresse bietet Cyberian Outpost den TidBITS-Lesern Spreadsheet 2000 um 54,95 US$ an, also 5 $ unter dem normalen Preis.
<http://www.tidbits.com/products/spreadsheet-2000.html>
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Mark Anbinder [MHA], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD],
Matt Neuburg [MN].
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF].
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