Immer wenn man denkt, daß man jemanden gut kennt, tut derjenige etwas Unerwartetes: In dieser Ausgabe schreibt Adam, wie er sich einen PC kaufte, sich mit Windows 95 herumschlug und das Ganze dann in sein Mac-Netzwerk integrierte, um an seinem neuen Buch zu arbeiten. Außerdem beginnt Tonya eine mehrteilige Reihe über Web-Publishing-Software: Diese Woche bringt sie eine Marktübersicht und schaut sich PageSpinner genauer an. Weitere Neuigkeiten in dieser Ausgabe: Virtual PC wird endlich ausgeliefert und es gibt eine neue Version von WebCollage.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#384/16-Jun-97.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-384.html>
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-384.etx>
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[Übersetzung: Heike Kurtz]
Neues von Virtual PC -- In dieser Woche will Connectix den Pentium-Emulator Virtual PC ausliefern (vgl. TidBITS-374). Erste Berichte sind sehr positiv und es scheint, daß Virtual PC - zumindest für diejenigen, die die nötige Hardware besitzen - eine echte Alternative darstellt; nicht nur um das mitgelieferte Windows 95 zu nutzen, sondern auch für jedes andere Pentium-kompatible Betriebssystem.
Laut Connectix wird die "kleine" Version - Virtual PC Windows 3.11/MS-DOS - auf jedem Power Mac laufen, der einen mit mindestens 100 MHz getakteten Prozessor und mindestens 24 MB RAM sowie 200 MB freien Festplattenspeicher hat. Wer sich für Virtual PC Windows 95 interessiert, braucht einen Power Mac mit mindestens einem 180 MHz Power PC 603e Prozessor oder einem 604 oder 604e, sowie empfohlene 32 MB RAM und 300 MB Festplattenspeicher. Beide Versionen benötigen Mac OS 7.5.5. oder neuer. Connectix schreibt weiterhin, daß ein großer Level-2-Cache die Performance unterstützt. Der Endverbraucherpreis soll um 159 US$ betragen, SoftWindows-User bekommen 25 US$ Rabatt. Connectix -- 001 415 571 5100 -- 001 415 571 5195 (fax) -- <info@connectix.com> [TJE]
<http://www.connectix.com/html/connectix_virtualpc.html>
WebCollage -- Letzte Woche, noch bevor wir über die Version 1.0 berichtet hatten, brachte StarNine WebCollage 1.01 heraus, eine neue Version, die 68K-Macs unterstützt und ein paar Bugs ausbügelt. Die Software ermöglicht es dem Webmaster, "dynamische Grafiken" auf Web-Seiten zu plazieren. Eine dynamische Grafik ist ein normales GIF oder JPEG, das ein oder mehrere zu aktualisierende Elemente enthält, wie z.B. Daten von einer Web-Seite oder das Ergebnis einer Datenbank-Recherche. Mittels eines vom User zu definierenden Zeitplans aktualisiert WebCollage die Grafiken und lädt sie auf einen Web-Server. Z.B. arbeitet StarNine mit Nasdaq zusammen an einer Grafikvorlage für dynamische Grafiken, die die aktuellen Aktienkurse anzeigen. WebCollage unterstützt Scripts sehr gut und lohnt sich besonders, wenn Sie Schwierigkeiten haben, CGIs auf Ihrem Web-Server zu plazieren. WebCollage kostet im Moment 199 US$ und braucht mindestens einen Mac mit einem 68020-Prozessor, System 7.1, 2,5 MB RAM und QuickTime. Eine 30-Tage-Demoversion gibt es als 2,6 MB großen Download auf der StarNine Web-Site. StarNine Technologies -- 001 510 649-4949 -- 001 510 548 0393 (fax) -- <info@starnine.com> [TJE]
<http://www.starnine.com/webcollage/webcollage.html>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Heike Kurtz]
Mein neues Buch, "The Official AT&T WorldNetWeb Discovery Guide" (Osborne/McGraw-Hill, ISBN 0-07-882336-6, 24,99 US$), müßte in diesen Tagen auf den Markt kommen. Obwohl es sich sehr nach Firmenwerbung anhört, stellte es sich doch als sehr interessantes Projekt heraus. Es kam mir wie ein Internet-Buch der zweiten Generation vor, denn ein Viertel des Buches dient dazu, dem Leser zu erklären, wie man etwas im Internet sucht und in einem weiteren Viertel versuchte ich zu zeigen, wie ich das Internet im computerfreien Teil meines täglichen Lebens nutze. (Ehrlich gesagt: dieser Teil des Buches ist sehr autobiographisch). Diese beiden Themen - Suche und täglicher Gebrauch - machen deutlich, wohin sich das Internet auf nützliche Art und Weise weiterentwickelt, im Gegensatz zu vielen mega-abgefahrenen Technologien, die uns eingetrichtert werden.
<http://www.osborne.com/int/attdisc.htm>
Ein anderer interessanter Aspekt des Projekts war rein technisch. Es ist ein Internet-Buch, also kein Mac- oder PC-Buch, und die AT&T WorldNet CD-ROM, die dem Buch beiliegt, enthält Macintosh- und Windows-Software. Aber (ganz großes ABER): AT&T WorldNet wollte die Screenshots vom Internet Explorer unter Windows 95 abdrucken. Es war ihr Buch, sie riefen mich an, und schon saß ich da und überlegte mir die beste Lösung für dieses Problem.
Apples PC-Karte -- Mein erster Versuch war eine PC-Kompatibilitätskarte für den Mac. Die ist ein bißchen teuer und ich kannte niemanden, der damit arbeitete, deshalb war ich froh, als mir ein Freund von Apple anbot, mir eine zu leihen - seiner Meinung nach ein ausgereifter Prototyp. Ich kämpfte mich ohne Komplett-Dokumentation durch die Installation und die Disketten (immerhin gab es die komplette Software auf Apples FTP-Server), und brachte das Ding - nach einer einzigen Dummheit - zum Laufen. Diese Dummheit bestand darin, daß mein "PC Setup"-Kontrollfeld sich beschwerte, es habe nicht genug Speicher, um ordnungsgemäß geladen zu werden. Da ich aber ein bißchen schlauer bin als Otto Normal-User, benutzte ich Conflict Catcher, um PC Setup vor all meinen anderen Systemerweiterungen und Kontrollfeldern laden zu lassen. Blöd. Einfach blöd. Da PC Setup dann vor den CD-ROM- und Ethernet-Erweiterungen geladen wurde, konnte die PC-Karte das CD-ROM-Laufwerk und das Netzwerk nicht erkennen. Es dauerte ein paar Tage, bis ich darauf kam.
Im Großen und Ganzen war ich von der PC-Karte beeindruckt. Die Geschwindigkeit schien gut (das war ja der Hauptgrund, warum ich SoftWindows nicht ernsthaft in Erwägung gezogen hatte und Virtual PC war noch nicht da), und ich fand es klasse, daß die Karte Mac-Dateien als PC-Festplatten benutzt. Möchten Sie von Ihrem E:-Laufwerk starten, oder vielleicht lieber vom L:-Volume anstatt dem normalen C:-Laufwerk? Stellen Sie einfach das Laufwerk im Kontrollfeld PC Setup um. Versuchen Sie das mal auf einem PC! Ich bekam sogar das Netzwerk zum Laufen (obwohl Apples DOS-Software verwirrend ist - sie entspricht in bezug auf Schnittstellen und Dokumentation nicht den Apple-Standards, nicht einmal unter DOS).
Es gab nur ein Problem: Windows stürzte permanent ab, besonders wenn ich Dateien kopierte. Ich versuchte alles, was mir einfiel, aber mein Redaktionsschluß rückte näher und widerwillig entfernte ich die Karte wieder. Ich konnte es mir nur dadurch erklären, daß ich wohl eine leicht beschädigte oder unfertige Karte bekommen hatte, und ich hatte nicht die Zeit, mir eine andere zu kaufen und diese zu testen, für den Fall, daß die Windows-Abstürze sich fortsetzen würden.
Der Pentium 150 -- Also beschloß ich, daß es am sichersten sei, einen PC-Clone zu kaufen. Ein Laden in der Nähe, der Computer Stop heißt, baut Maschinen aus Komponenten zu vernünftigen Preisen und mein Internet-Provider benutzt sie für Linux. Ich kaufte einen Pentium 150 mit 32 MB RAM und einer 2-GB-Festplatte. Er kostete rund 2300 $, also ein bißchen weniger als ein vergleichbarer Mac, aber nicht viel weniger. Ich bekam einen 150 MHz-Pentium, also konnte ich behaupten (zumindest gegenüber Leuten, die nicht wußten, daß ich Äpfel mit Birnen verglich), daß dieser PC theoretisch meinem Power Mac 8500 mit 150 MHz entsprach.
<http://www.computerstop.com/>
Nachdem ich ihn nach Hause geholt und auf einen kleinen Schreibtisch in der Ecke gequetscht hatte (ich kümmere mich nicht um Ergonomie, wie sich gleich zeigen wird), schaffte ich es, den PC zum Laufen zu bringen, sowohl auf meinem Ethernet als auch im Internet. Über weite Strecken war die Verbindung sehr einfach, vor allem deshalb, weil ich Macs recht gut für das Internet konfigurieren kann und deshalb weiß, was all die Zahlen bedeuten. Verwirrenderweise scheint Windows 95 jedesmal einen Neustart des PC zu erfordern, wenn man auch nur die geringste Netzwerk- oder Video-Einstellung ändert.
Die erste geschäftliche Transaktion auf dem vernetzten PC war der Kauf und die Installation von Farallons Timbuktu Pro. Ich hatte nicht vor, ständig zwischen meinem Mac und diesem PC hin und her zu marschieren und Timbuktu Pro kann man sich im Internet mit minimalem Aufwand kaufen. So konnte ich also den PC in einem Fenster auf meinem zweiten Monitor betreiben und auf meinem Hauptmonitor die Kapitel in Nisus Writer schreiben (später konvertierte ich diese Kapitel mit den absturzgefährdeten, aber effektiven MacLink Plus Translators in Word 6, da Osborne die Daten in Word 6 brauchte). Glücklicherweise hatte ich einen Kensington TurboMouse Trackball (die ältere Version mit zwei Tasten, nicht die aktuelle mit vier Tasten), so daß ich den zweiten Knopf nutzen konnte, um die rechte Maustaste des PC zu emulieren. Ansonsten hätte ich die Auswahltaste benutzen müssen, um die zweite Maustaste zu klicken, was ziemlich umständlich ist.
Sobald ich den PC als Slave an den Macintosh angeschlossen hatte, wollte ich ihn auch in mein Backup einschließen. Dieser PC stürzte - dafür, daß ich ihn recht wenig benutzte - häufig ab und ich wollte unbedingt gute Backups meiner Screenshots haben. Komischerweise will dieser PC nach einem Absturz immer ScanDisk laufen lassen, und es macht mich verrückt, ständig ScanDisks Fragen nach verlorenen Fragmenten, die zu Dateien gehören könnten oder auch nicht, zu beantworten. Mit der PC-Karte hätte ich alle Screenshots einfach in einem Ordner auf dem Mac gespeichert, den ich als eine Art K:-Laufwerk definiert hätte. Zum Glück gibt es von Dantz Development eine Windows-95-Version von Retrospect Remote (neuerdings: Retrospect Client). Retrospect Backup Server, der auf einem Mac läuft, kann ein Backup des PCs fahren und die PC-Version sieht fast genau wie die Mac-Version aus und läuft auch fast genauso.
<http://www.dantz.com/dantz_products/clients_4_windows.html>
Der PC war ein paar Wochen lang im täglichen Gebrauch, aber jeden Tag nur kurze Zeit, also wollte ich Retrospect so einstellen, daß jedesmal, wenn der PC eingeschaltet war, ein Backup gemacht wurde. Ich fügte den PC meinem Backup Server Script hinzu, das wir normalerweise für unsere PowerBooks verwenden, die nur kurz im Netzwerk auftauchen. Die Strategie funktionierte gut. Das einzige Problem (außer daß Windows 95 alle möglichen Dateien völlig grundlos ändert) war, daß Retrospect am Mac nur Dateinamen bis 31 Zeichen bearbeiten kann, Windows 95 aber längere Dateinamen erlaubt. Retrospect 3.0 gibt den Dateien neue Namen und informiert den Benutzer darüber, was nett ist, aber das Logfile sehr schnell füllt. In der nächsten Version, Retrospect 4.0, soll das verbessert werden.
Noch nicht alles in Ordnung -- Dann kam mein erstes Alptraum-Problem. Der PC fing an, kurz nach dem Hochfahren einzufrieren. Manchmal machte er sogar von selbst einen Neustart! Ich tat alles, was meiner Meinung nach helfen konnte: Ich steckte die SIMMs um, schloß Startprogramme, installierte Windows 95 neu... ich konnte das Problem nicht finden. Schließlich hatte ich ein Eingebung, daß es am Netzwerk liegen könnte und tatsächlich - die Maschine stürzte nicht ab, wenn sie nicht ans Netzwerk angeschlossen war. Ich steckte die 3Com-PCI-Ethernetkarte in einen anderen Slot - keine gute Idee. Windows 95 wollte die Treiber für die Karte neu installieren und ich konnte keine Diskette mit den Treibern finden - zumindest nicht mit der einen Datei, die ich nicht hatte. Schließlich schaffte ich es, das komplette Treiber-Set mit meinem Mac von der Web-Site der Firma 3Com zu laden und auf den PC zu kopieren, aber ich war frustriert und enttäuscht. Soviel zum Thema "plug and pray".
Schließlich kam mir die Erleuchtung und ich schaltete Retrospect Remote ab. Keine Abstürze mehr. Irgend etwas hatte sich auf dem PC verändert, sodaß er immer dann abstürzte, wenn mein Backup Server Script versuchte, ein Backup vom PC zu machen. Ich de-installierte Retrospect Remote (das Programm erledigt das sorgfältig) und installierte es neu, und alles funktionierte wieder.
Datenübertragung -- Wer genau aufgepaßt hat, dem ist vielleicht aufgefallen, daß ich die Dateien meines Manuskripts (meist im Word 6 Format) auf meinem Mac hatte, die meisten Screenshots aber waren TIFFs auf dem PC. (Ich hatte auch ein paar Mac-Screenshots, die ich mit Snapz Pro erzeugt und dann mit dem Freeware-Programm clip2gif - siehe TidBITS-372 - in TIFF konvertiert hatte). Meine Herausgeberin hat aber einen PC und benutzt cc:Mail, ein Programm, das mit angehängten Dateien völlig willkürlich umgeht. Wie sollte ich also die Dateien übertragen?
<http://www.ambrosiasw.com/Products/SnapzPro.html>
<http://iawww.epfl.ch/Staff/Yves.Piguet/clip2gif-home/>
Mit dem Senden der Word 6 Dateien hatte ich keine Probleme; ich benutzte "uuencoding" in Eudora Pro. Sie sagte mir, daß sie sogar mit meinen Dateien weniger Probleme hatte als mit denen anderer Leute. (Witzig, wenn man bedenkt, daß ich die Dateien aus Nisus Writer in die Mac-Versionen von Eudora Pro und Word 6 konvertierte.) Trotz dieses glücklichen Umstands war es mir nicht möglich, auch nur eine TIFF-Datei unbeschädigt durch cc:Mail zu bekommen. Also richtete ich einen Paßwort-geschützten Ordner auf einem internen E-Mail- und FTP-Server ein und schickte meiner Herausgeberin die volle URL-Adresse mit eingebautem Benutzernamen und Paßwort. Sie konnte wegen eines Firewall-Systems in ihrer Firma keinen FTP-Client benutzen, aber mit Netscape Navigator konnte sie schließlich die .zip-Dateien mit meinen Screenshots herunterladen.
Wenn ich Screenshots zwischen dem Mac und dem PC hin und her bewegen mußte, nutze ich die Datenaustausch-Funktion von Timbuktu Pro. Leider funktioniert drag & drop zwischen Mac und PC nicht (zumindest nicht mit den Versionen, die ich benutzt habe), und Timbuktu Pro unterstützt unter Windows 95 keine langen Dateinamen! Ich hatte alle meine Mac-Screenshots mit Dateinamen versehen, die neun Buchstaben lang waren, also löschte Timbuktu Pro einen Buchstaben beim Kopieren auf den PC. Das machte mich wahnsinnig.
Eindrücke -- Nachdem ich nun ein paar Monate lang an einem PC mit Windows 95 gearbeitet habe (meistens mit Internet Explorer, Internet Mail und Internet News, da AT&T WorldNet diese Programme seinen Benutzern empfiehlt), muß ich sagen, daß Windows 95 durchaus zu gebrauchen ist. Es ist nicht gut, und die Bedienerführung ist sehr gewöhnungsbedürftig, aber man kann damit arbeiten.
Man muß z. B. in das Start-Menü gehen (das genau wie die anderen Buttons in der Task-Leiste aussieht, obwohl es ja ein Menü ist), um den Computer herunterzufahren - dieser Gedankengang ist schon ziemlich verquer. Jedesmal, wenn man eine Kleinigkeit in der Netzwerk- oder Grafik-Konfiguration ändert, muß man den Computer neu starten, was auf die Dauer ziemlich lästig wird. Man kann ein Fenster zwar auf ein Icon reduzieren oder es per Mausklick vergrößern, daß es den ganzen Bildschirm einnimmt - aber es ist nicht möglich, es anzuklicken, so daß es genau die Größe hat, die für den Fensterinhalt benötigt wird - das geht in den meisten Mac-Anwendungen. Vielleicht habe ich mich schon zu sehr an meinen Mac gewöhnt, aber ich fand es verwirrend, daß Dateien mit der linken Maustaste verschoben und mit der rechten kopiert werden. Manchmal mußte ich alle Screenshots eines Kapitels drucken, also wählte ich sie aus, drückte die rechte Maustaste (dann klappt ein Menü auf, mit Befehlen zur Bearbeitung der ausgewählten Objekte), und wählte den Druckbefehl aus. Ich dachte, die Dateien würden dann entweder in alphabetischer oder chronologischer Reihenfolge gedruckt (was in meinem Fall ein und dasselbe gewesen wäre). Statt dessen kamen sie völlig durcheinander aus dem Drucker. Ich fragte ein paar Windows-Gurus; der beste Rat, den ich bekam, war, daß es in den Norton Utilities ein Modul zum Ordnen von Verzeichnissen gibt, das mir u. U. weiterhelfen könnte. Ich beschloß, die Screenshots sofort einzeln zu drucken, immer wenn ich sie gemacht hatte.
Werde ich den PC nun täglich nutzen? Nein, bestimmt nicht. Es gibt nichts, was ich nicht auf meinem Mac mindestens genau so gut erledigen könnte. Der PC kommt mir schwerfälliger und langsamer vor, selbst wenn ich nicht über Timbuktu Pro, sondern direkt daran arbeite. Wenn ich viel mehr Zeit hätte, würde ich wahrscheinlich mit Linux, Windows NT oder OpenStep herumspielen, aber für das Niveau, auf dem ich mich bewege, lohnt es die Mühe nicht.
Ich bin trotzdem froh, daß ich die Maschine habe. Es ist immer besser, wenn man die Dinge kennt, die man kritisiert. Ich werde zwar wahrscheinlich kein Windows-Experte werden, aber ich kann zumindest überprüfen, ob Behauptungen von Windows-Usern begründet oder aus der Luft gegriffen sind. Und schließlich verdiene ich einen großen Teil meines Lebensunterhalts damit, über das Internet zu schreiben. Ob ich einen Web-Browser nun auf einem PC oder einem Mac nutze, macht fast keinen Unterschied. Und wenn ich mich darauf beschränken würde, nur aus der Sicht des Macintosh-Users über das Internet zu schreiben, hätte ich mehr Probleme, Herausgeber zu finden - besonders im Hinblick darauf, daß der Markt für Macintosh-Bücher im Moment an der gleichen selbsterfüllenden Prophezeiung [in dem Sinn "Apple macht es nicht mehr lange", --WJF] zugrunde geht, die auch den Einzelhandel für Mac-Software kaputt gemacht hat. Wenn ich, der Mac-User, dafür sorgen kann, daß der Macintosh in betriebssystemübergreifend geschriebenen Büchern mit hoher Auflage angemessen erwähnt wird, ist das besser, als wenn ich reine Macintosh-Bücher schreibe, die nur von Wenigen gelesen werden.
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Das Feld der Web-Autorenprogramme zu beobachten ist wie auf eine vulkanische Insel zu blicken - nach Monaten der Ruhe tut sich so viel, daß die Landschaft völlig verändert wird. In letzter Zeit haben die TidBITS nicht viele neue HTML-Editoren behandelt und es ist Zeit, wieder aufzuholen. In dieser mehrteiligen Übersicht will ich mich mit den Neuerscheinungen befassen - es sind einige sehr bemerkenswerte dabei.
Prioritäten setzen -- Wenn Sie Software zur Gestaltung von Web-Seiten suchen, haben Sie die Wahl zwischen komfortablem Layout und präziser Kontrolle. Die meisten Programme liegen irgendwo zwischen den beiden Extremen; wichtig ist, daß Sie Ihre Prioritäten setzen.
Unsere Web-Site legt eher Wert auf präzise Kontrolle. Weil unsere Pages eine lange Lebensdauer haben, vermeiden wir den neuesten Schnickschnack, der gut aussehen mag, aber vielleicht bald nicht mehr richtig funktioniert. Ein Web-Programm, das HTML-Code hinter den Kulissen erzeugt, ist auch nicht unsere Sache, weil das zu wenig Kontrolle gestattet. In den sieben Jahren, seit es die TidBITS gibt, haben wir zweimal zurückliegende Ausgaben konvertiert - einmal von HyperCard zu setext und dann setext in HTML. Das hat uns den Wert einer einheitlichen Formatierung gelehrt, es ist einfacher, Makros über eiheitlich aufgebaute Dokumente laufen zu lassen. Wir haben auch keine Chefs, die uns ihren Atem in den Kragen blasen - wir können also unsere Web-Site langsam weiterentwickeln.
Webmaster, die kurzlebige Web-Sites betreuen oder sehr schnell arbeiten müssen, haben hingegen weder die Zeit noch den Anreiz, sich über perfekten, einheitlichen HTML-Code Gedanken zu machen. Diese Leute neigen zu leichtem, schnell zu erstellendem Layout.
Programme wie etwa NetObjects Fusion bieten komfortables Layout; ein Raster ist immer da, auf dem Elemente an beliebigen Stellen plaziert werden. Der Raster wird hinter den Kulissen in eine HTML-Tabelle umgesetzt. In Fusion können Sie kein HTML editieren (und hätten auch keine Lust, das zu tun - die Tabellen-Tags sind extrem komplex). Fusion 2.0 wird zwar mit dem kostenlosen BBEdit Lite ausgeliefert, aber dieser Editor ist nur für "externe" Seiten gedacht, die in Fusion ja nicht bearbeitet werden können. Mit Fusion ist es nicht schwer, eine Web-Site rasch zu entwerfen und zu erstellen.
<http://www.netobjects.com/>
<http://www.barebones.com/freeware.html>
Als nächstes kommt Software in der Art von PageMill, das die Dokumente ähnlich einer Textverarbeitung darstellt; Sie können Elemente nicht nach Belieben herumziehen wie in Fusion. Es gibt auch eine HTML-Ansicht, in der HTML-Code direkt bearbeitet werden kann, aber der Eindruck bleibt bestehen, daß Adobe nicht bergreift, warum jemand das wollen sollte. Der HTML-Code von PageMill und verwandten Produkten ist in der Regel für Menschen lesbar, er weist aber nicht das erforderliche Maß an Einheitlichkeit auf, um automatisch editierbar zu sein.
<http://www.adobe.com/prodindex/pagemill/main.html>
Das Spektrum der Software wird von Editoren wie PageSpinner abgeschlossen, in denen Sie direkt in HTML arbeiten und die Ergebnisse in einem Web-Browser begutachten. Mit diesen Anwendungen können Sie leicht einheitlichen HTML-Code erstellen, aber es mag nicht immer einfach sein, sich das Resultat vorzustellen. Experimente mit Layouts können auch zeitraubend sein.
<http://www.algonet.se/~optima/pagespinner.html>
Ein Programm, das die Kluft zwischen komfortablem Layout und präziser Plazierung überspannt, ist CyberStudio Pro von GoLive. CyberStudio Pro stellt wahlweise einen Raster bereit, in dem Objekte plaziert werden können, gestattet aber auch den direkten Zugriff auf den HTML-Code jeder Seite.
Natürlich gibt es noch weitere Kriterien, die beid er Auwahl eines Web-Programms eine Rolle spielen - wollen Sie sich mit HTML belasten, wollen Sie viele Plug-Ins einsetzen, brauchen Sie Funktionen zum Verwalten ganzer Sites, etc.? Was immer Ihre Anforderungen sind, der Rest dieser Abhandlung wird sich mit PageSpinner 2.0.1 von Optima Systems und mit Cascading Style Sheets, einer trickreichen HTML-Funktion, befassen.
Viel Leistung fürs Geld -- Bei einem Preis von 25 US$ stellt PageSpinner einen der besten Gegenwerte unter den Shareware-Programmen dar. Auf den ersten Blick sieht PageSpinner simpel aus, aber der Eindruck täuscht. Nach dem Start macht das Produkt ein neues Dokument auf, in dem die HTML-Grundstruktur einer Web-Seite schon enthalten ist. Ein einfacher Toolbalken bietet einfache Tags an, wie horizontale Balken und fetten Text, über Menüs können Tabellen erstellt und Texte formatiert werden. Neulinge sind gut bedient, wenn sie die ErklŠrungen (auf Basis von Apple-Guides) zu HTML lesen, sie können dann gleich mit einfachen Seiten beginnen. Aufmerksamen Benutzern werden die modernen Features nicht entgehen, wie z.B. FTP-Upload per Link zu Fetch oder Anarchie, Forms und Frames; Herunterladen oder Editieren am Server ist nicht möglich.
Optionen noch und noch -- Die Einstellungen von PageSpinner bieten ein erstaunliches Maß an Flexibilität. Wenn Sie beim Starten kein neues Dokument sehen wollen, können Sie statt dessen einen Open-Dialog, einen New-Dialog oder gar keine Aktion einstellen. Absatz-Tags werden wahlweise mit Return oder mit Command-Return angelegt, für Zeilenumbrüche und horizontale Balken gibt es sinnvolle Tastaturkürzel.
Alle, die oft mit ASCII-Zeichen im oberen Bereich (also über ASCII 127) zu tun haben, werden die Art schätzen, wie PageSpinner diese Zeichen handhabt. Eine Einstellung behält sie so im Dokument, wie sie auf der Mac-Tastatur eigegeben werden; eine andere konvertiert sie in den ISO-8859-1-Zeichensatz, der international oft benutzt wird. Ob eine Datei in diesem oder jenem der beiden Formate abgespeichert wird, wirkt sich auf das Aussehen nicht aus. Die höheren ASCII-Werte können auch in HTML-Entities verwandelt werden, die zwar korrekt sind, das Lesen von HTML-Text aber doch erschweren.
Eine weitere Option, die die Flexibilität von PageSpinner belegt, ist das User-Tags-Feature, mit dem bis zu 18 benutzerdefinierte Tags angelegt werden können.
Ein Werkzeugkasten -- Was PageSpinner so wertvoll macht, ist nicht der Umfang an Grundfunktionen, auch nicht die Flexibilität. PageSpinner ist weniger ein Programm als ein Werkzeugkasten, ähnlich einem Chemie-Baukasten, mit hilfreichen Anleitungen und praktischen Beispielsprojekten, auf denen Anfänger aufbauen können. Es gibt auch fortgeschrittenere Projekte, die etwas mehr Beschäftigung erfordern.
PageSpinner verfügt über einen HTML Assistant, der über ein Menü aufgerufen wird (Sie können das Fenster aber auch dauernd offen lassen), der viel kontextbezogene Hilfe und funktionale Codebeispiele zum Einsetzen in eigene Dokumente bringt. Die Beispiele reichen von elementarem HTML (wie Links oder Headers aufgebaut sind) bis hin zu höheren Themen wie Java und Frames. Der Assistant hat mir sehr geholfen, mein Gedächtnis aufzufrischen; er hat mir aber auch als kundiger Begleiter beim Erlernen neuer Tags den Weg gewiesen.
PageSpinner benutzt Erweiterungen (die wie Plug-In-Modules arbeiten, nicht wie die Extensions des Systems), um neue Funktionen hinzuzufügen. Wer an den grundlegenden Funktionen gleich vorbeiziehen will, wird eine Extension samt Hilfe bemerken, die beim Erstellen von Cascading Style Sheets hilft (genauer: Cascading Style Sheets, Level 1, kurz CSS1). Im vollen Ausbau kann der CSS-1-Standard Fonts, Größen, Positionen, Farben, freien Raum und so weiter flexibel festlegen. Die meisten Einstellungen können allgemein oder spezifisch sein (z.B. kann die Größe einer Schrift als 18 Punkt oder als "extra large" festgelegt sein). CSS1 wird zum Teil von Microsoft Internet Explorer unterstützt und soll von Internet Explorer 4 und Netscape Communicator 4 weitgehend unterstützt werden.
<http://www.w3.org/pub/WWW/TR/REC-CSS1>
Style Sheets haben zwei faszinierende Aspekte. Einmal funktionieren sie sehr ähnlich wie die Stilvorlagen in einer Textverarbeitung - um das Aussehen einer Überschrift in einem Dokument zu ändern, tun Sie das einmal in einem Style Sheet, nicht 50 Mal im Dokument selbst. Style Sheets können sich auf einen Textabschnitt, eine ganze Page oder eine ganze Web-Site beziehen. Zweitens trennen sie die Struktur von den Stilmerkmalen, sodaß Seiten aus einfachem HTML-Code aufgebaut sein und dennoch (in einem Browser, der CSS1-fähig ist) großartig aussehen können. Wenn Sie wollen, können Sie die Style Sheets nach der derzeitigen Spezifikation in Ihrem CSS1-fähigen Browser auch abschalten.
Andere Erweiterungen von PageSpinner bieten Hilfe beim Erstellen von JavaScripts, beim Einsetzen von Java Applets und bei der Handhabung von Netscapismen wie Spaltensatz und Abstands-Tags.
PageSpinner entfaltet sich weiter, wenn Sie sich die Dateien ansehen, die mitgeliefert werden. Ich habe Hinweise gefunden, wie Include-Dateien (das sind keine serverseitigen Includes!) erstellt werden. Eine Include-Datei dient als Behälter für Informationen, die vom einem HTML-File aus angesprochen werden. Wenn zum Beispiel mehrere Web-Seiten alle mit dem gleichen Text enden, kann dieser gemeinsame Text in einer Include-Datei stehen. Auf den einzelnen Web-Pages legen Sie dann nur einen Verweis auf die Include-Datei an; wenn Sie den Inhalt ändern, tun Sie das nur im Include, in allen Seiten, die darauf verweisen, wird der aktualisierte Text eingeblendet. Mit Includes kann auch ein Datum oder die Uhrzeit aktuell gehalten werden.
Es gibt auch eine Kollektion von beispielhaften AppleScripts, die Verbindungen zwischen PageSpinner und anderen Applikationen herstellen. Ein Skript etwa verwandelt die Inhalte einer (nicht allzu großen) Mailbox von Eudora in eine sinnvoll gestaltete Web-Seite. Ganz allgemein zeigen die Beispiels-Skripts, wie von FileMaker Pro, HyperCard und 4D Server Web-Seiten generiert werden können. Ich will mit Scripting an sich nichts zu tun haben; beim Erkunden von PageSpinner habe ich aber ganz nebenbei mein erstes JavaScript erstellt, das Eudora-Mailboxen in Web-Seiten verwandelt. Es kommt mir vor, als ob PageSpinner mir geholfen hätte, eine schwere Tür aufzumachen.
Ein Programm mit Teamgeist -- Die Glasur auf dem benutzerfreundlichen Kuchen ist aber die Teamfähigkeit von PageSpinner. Eine Rechtschreibprüfung gehört nicht zum Lieferumfang, aber der "Check Spelling"-Befehl des Programms kann mit jeder Rechtschreibkontrolle verknüpft werden, die auf die Inhalte der Zwischenablage zugreift. Noch beeindruckender ist PageSpinners hierarchisches Web-Tools-Menü, von dem aus, vom User definiert, auf nicht-kommerzielle Hilfsprogramme zugegriffen werden kann, die den Funktionsumfang des Programms optimal ergänzen.
Und der Haken? PageSpinner weist einige Mängel auf, die behoben werden sollten: drag & drop ist nicht schlau genug, beim Einsetzen eines Worts auch ein Leerzeichen mit einzufügen; der Suchen-und-Ersetzen-Befehl kann nicht nur nach ganzen Wörtern suchen (die Suche nach "test" liefert auch die Stelle "testing"); in den Dialog-Boxen gibt es einige Bezüge auf eine Alt-Taste. Mein Hauptkritikpunkt an PageSpinner ist aber, daß die Dokumentation über zahlreiche Dokumente verstreut ist - es gibt keinen einheitlichen Weg, auf die Informationen zuzugreifen.
In Hinsicht auf den Preis ist PageSpinners nächster Konkurrent das Shareware-Produkt HTML Web Weaver Lite von Miracle Software, das 25 US$ (15 $ für Bildungseinrichtungen) kostet. HTML Web Weaver Lite stellt sich weniger ausgereift dar als PageSpinner, wichtige Funktionen wie Tables, Frames und Forms fehlen. Wenn Sie PageSpinner mit dem kostenlosen Editor BBEdit Lite 4.0.1 von Bare Bones Software vergleichen, der mit geeigneten Erweiterungen ausgestattet werden kann - mit BBEdit Lite erhalten Sie einen brauchbaren HTML-Editor zu einem Preis, der keinesfalls geschlagen werden kann.
<http://www.miracleinc.com/>
<http://www.barebones.com/freeware.html>
Vom Funktionsumfang ist PageSpinner am ehesten mit BBEdit 4.0.4 und dem kommerziellen World Wide Web Weaver 2.1 (W4) von Miracle Software zu vergleichen. Nächstes Mal sehen wir uns W4 im Detail an (besonders die Auto-Preview-Funktion) und bringen ein paar Anmerkungen zu den wichtigsten HTML-Fähigkeiten von BBEdit. Eine ausführliche Besprechung von BBEdit finden Sie in TidBITS-365.
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Heike Kurtz [HK].
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