TidBITS#385/23-Jun-97 - Deutsch

Sind Sie in Sorge über die Sicherheit am Macintosh? Adam wirft einen weiteren Blick auf Microsoft-Word-Makroviren. Geoff befaßt sich den Motiven hinter Wettbewerben betreffend Macintosh-Server (und mit einigen kreativen Methoden, sie zu knacken), wir bringen Neues zu Adobe SiteMill 2.0 und den zweiten Teil von Tonyas Artikel über HTML-Editoren. Diesmal beleuchtet sie die Konkurrenz von PageSpinner: World Wide Web Weaver, BBEdit und Alpha.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#385/23-Jun-97.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-385.html>

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Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1997/TidBITS#385/23-Jun-97>

Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-385.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-385.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-385.etx>


MailBITS/23-Jun-97

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Die TidBITS Search Engine ist online -- Wie versprochen, haben wir die siegreiche Konfiguration unseres Bewerbs "Search Engine Shootout" (siehe TidBITS-368, TidBITS-379 und TidBITS-380) online installiert. Die spezielle Implementation von Apple e.g. läuft derzeit auf einem Power Macintosh 7100/80 mit 24 MB RAM, der mittels einer 56K-Frame-Relay-Leitung (statt über die T1-Anbindung unseres Web-Servers) am Internet hängt. Auf die Leistungen der Maschine sind wir schon gespannt. Wenn Sie sich von der Suchseite ein Bookmark anlegen wollen, nehmen Sie die folgende kurze Web-Adresse (statt dem Link bis zu seinem Ende zu folgen - wir verlegen vielleicht bald die Suchmaschine woanders hin). [ACE]

<http://www.tidbits.com/search/>

Versteckenspiel mit SiteMill 2.0 -- Adobe SiteMill 1.0 war eins der ersten kommerziellen Softwareprodukte zur Verwaltung von Web-Sites für den Macintosh. Als SiteMill 2.0 so lange überfällig war, fragten sich viele Leute, ob es überhaupt je herauskommen würde. Selbst als Adobe mich vom Erscheinen informiert hatte, war auf der Web-Site Adobes davon nichts zu merken und die Presse-Mitteilungen bezogen sich alle auf die Windows-Version.

SiteMill ist kein separates Produkt mehr; es wird zusammen mit PageMill 2.0 und Photoshop LE, der "leichten" Version von Photoshop, geliefert. Dieses Paket hat einen Listenpreis von 149 US$ und ersetzt das ehemalige PageMill. Alle Benutzer mit einer Registrierung für SiteMill 1.0 oder PageMill 2.0 können kostenlos ein Exemplar von SiteMill 2.0 herunterladen, etwa 2 MB groß. Zu dem Zeitpunkt, wo ich dies schreibe, verweisen einige Pages von Adobe auf die Beta-Version, aber die folgende Web-Adresse bringt Sie zu der richtigen Page mit der fertigen Version. Adobe Systems -- 001 408 536-6000 [TJE]

<http://www.adobe.com/prodindex/pagemill/siteben.html>

Mehr über Makroviren

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Heike Kurtz]

Viele Viren - ob Makro oder nicht - ärgern Menschen und machen Zeit und Bandbreite kaputt. Ironischerweise benötigen die Viren davon (Bandbreite) aber sehr viel, wenn in der Presse über sie berichtet wird (vgl. TidBITS-383). Aber weil viele Leser nützliche Tips und Vorschläge zum Thema gemacht haben, wollten wir die Information weitergeben, damit alle das Makrovirus-Problem besser verstehen. Es wird danach für eine Weile nichts über Viren in den TidBITS geben, aber Sie können noch viel mehr Informationen über Viren auf dem Macintosh (auch über Makroviren) auf der Seite "Viruses and the Macintosh FAQ" von David Harley finden:

<http://webworlds.co.uk/dharley/anti-virus/macvir.faq>

Wenn's wehtut... -- Von allen Antworten, die ich bekommen habe, war die einfachste (und oft von einem hämischen Grinsen begleitete) Lösung zum Makrovirus-Problem in Word, man solle einfach Word 6 und andere mit Makroviren belastete Programme nicht benutzen. Das klappt natürlich nicht immer, denn man hat schließlich nicht immer die Wahl, welche Programme man benutzen möchte.

Automatisch ablaufende Makros -- Andere schlugen vor, die automatisch ablaufenden Makros in Word 6 auszuschalten, was manche Makroviren daran hindert, sich zu duplizieren oder anderen unsozialen Tätigkeiten nachzugehen. Leider nutzen viele Makroviren andere Aktivierungsmethoden, z. B. irreführende Namen, "umgewidmete" vielgenutzte Tastaturkürzel und "geklaute" Menübefehle. Das Ausschalten der automatisch ablaufenden Makros in Word 6 hilft zwar ein wenig, ist aber keine zuverlässige Lösung.

Das normale Dokumentformat schützen -- Eine gute Lösung, um die Verbreitung von Makroviren zu verhindern, kam von Tyler Stewart <stewart@utkux.utk.edu>. Er schlug vor, die Vorlagendatei für normale Dokumente (im Vorlagen-Ordner im Word-Ordner) zu schützen. Wenn man die Datei im Finder auswählt und die Datei-Information aufruft (im "Ablage"-Menü), kann man dort das Markierfeld "geschützt" anklicken. Wenn man die "Normal"-Dokumentvorlage so schützt, können Makroviren sie nicht infizieren. Aber Makroviren können sich auch an andere offene Dokumente anhängen oder ablaufen, ohne sich zu vermehren. Noch problematischer ist es, daß Word 6 die "Normal"-Dokumentvorlage offensichtlich im Arbeitspeicher zwischenlagert, so daß die Version, die im RAM liegt, infiziert werden kann und zumindest während der jeweiligen Sitzung Makroviren ungehindert weitergegeben werden können, obwohl die "Normal"-Dokumentvorlage, die sich auf der Festplatte befindet, geschützt ist. Mit anderen Worten, diese Lösung funktioniert nicht immer und kann stören, wenn die "Normal"-Dokumentvorlage geändert werden muß.

Datenkonvertierung -- Einige Leser schlugen verschiedene Dateikonvertierungstechniken vor. Unter Microsoft Word 5 laufen gar keine Makros, deshalb ist das Programm vor den Makroviren von Word 6 sicher. Einige Leute dachten, daß Makros nach Word 5 konvertiert, geöffnet, gesichert und dann wieder nach Word 6 konvertiert werden könnten. Mike Groh von Datawatch berichtete jedoch, daß ihm kein Makro bekannt sei, das den Konvertiervorgang überlebt hätte, weder mit Word 5 noch mit Konvertierern wie MacLinkPlus von DataViz. In unserem und auch in Datawatchs Tests wurden die Makros durch Konvertierung zerstört.

<http://www.dataviz.com/Products/MLP/MLP_Home.html>

Makros komplett eliminieren -- Manche schlugen Techniken vor, die alle Makros in Word-Dokumenten eliminierten. Aber Makros an sich sind ja durchaus nichts Schlechtes, und alles, was blind alle Makros entfernt, könnte nützliche oder gar notwendige Makros zerstören. Werkzeuge wie Microsofts MVTOOL sind nicht ganz so zerstörerisch, da sie die Möglichkeit bieten, Dokumente einzeln ohne Makros zu öffnen. Man sollte MVTOOLs Schutz aber nicht zu sehr trauen (der durch ein Makro namens SCANPROT erreicht wird, was einige Leser verwirrte), denn er funktioniert nur, wenn man die Dateien mit dem "Öffnen"-Befehl aus dem "Ablage"-Menü in Word öffnet. Wenn man Dateien durch Doppelklick, über das Apfel-Menü oder andere Methoden wie z. B. Now Super Boomerang öffnet, funktioniert MVTOOL nicht. Lesen Sie also die Dokumentation zu MVTOOL genau durch, bevor Sie sich darauf verlassen.

<http://www.microsoft.com/word/freestuff/mvtool/virusinfo.htm>

Andere Antivirus-Programme -- Der Vollständigkeit halber: Datawatchs Virex und SAM von Symantec sind nicht die einzigen kommerziellen Antiviren-Programme für den Mac, die Makroviren finden und eliminieren können. Es gibt auch McAfees VirusScan und Dr. Solomons FindVirus und bestimmt noch mehr. Ich kann hier kein Programm besonders empfehlen, höchstens erwähnen, daß Mike Groh von Datawatch mir beim Lesen und Kommentieren dieser Artikel behilflich war. Viren treffen jeden, und so würde ich mich an Firmen wenden, die selbst die Betriebssysteme verwenden, die von ihrer Software geschützt werden.

<http://www.datawatch.com/virex.shtml>
<http://www.symantec.com/sam/index.html>
<http://www.mcafee.com/prod/av/vsmac.html>
<http://www.drsolomon.com/products/avtk/ps_mac.html>

Ewige Wachsamkeit -- Dieses Thema kam nur deshalb auf, weil ich in TidBITS-381 gewarnt hatte, daß die Macintosh-Gemeinde zu nachlässig gegenüber Viren geworden sei. Verschiedene Leser warnten mich vor infizierten CD-ROMs, die in letzter Zeit an viele Leute verteilt worden sind, z. B. auch Apples offizielles Marketing ToolKit von Mai 1997, das an Händler und die Medien geht. Zwei Dinge sollten immer beachtet werden. Erstens: vertrauen Sie nicht einmal anscheinend unverdächtigen Quellen, denn sogar CD-ROMs und Disketten von bekannten Firmen können infiziert werden. Zweitens: Wenn Sie Master-CDs oder -Disketten erstellen, prüfen Sie die Medien mit Antivirus-Software! Es ist einfach indiskutabel, daß weitverbreitete CD-ROMs oder Disketten infizierte Dateien enthalten.

Entwerfen Sie einen Sandkasten -- Ich denke, daß die Lösung des Makroviren-Problems nur darin bestehen kann, daß die Firmen, die makrofähige Programme herstellen, ihre Programme so schreiben, daß Makroviren eliminiert werden. Auch wenn die Java-Programmiersprache der Firma Sun sicher nicht perfekt ist - zumindest wurde bösartiger Nutzung vorgebeugt. Auch dieses Design kann man natürlich austricksen, aber es ist zumindest nicht so einfach wie bei Makro-Sprachen. Ich habe keine Ahnung, ob es überhaupt möglich ist, eine Makrosprache zu entwickeln, die keine Viren zuläßt, aber wenn man sich die Zahl der täglich neu erscheinenden Makroviren betrachtet, wird klar, daß sie wirklich ein Problem darstellen.

Sicherheit bei Macintosh-Servern

von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Computersicherheit - oder genauer Datensicherheit - ist keine neue Idee. Seit sensible Informationen auf Lochkarten, Magnetbändern und Festplatten gespeichert werden, wurde die Gewißheit, daß Daten nicht in die falschen Hände gelangen können, mit teurem Geld bezahlt. Bis vor kurzem waren Tests auf diesem Gebiet teure, geheimnisvolle Angelegenheiten, die von Spezialisten und Beratungsfirmen durchgeführt wurden; das halsbrecherische Wachstum des Internet hat hier etwas Neues hervorgebracht - öffentliche Bewerbe zur Datensicherheit. Diese Ereignisse stellen meist beträchtliche Preisgelder in Aussicht und alle mit einem Computer und einem Internetzugang können daran teilnehmen.

Solche öffentlichen Bewerbe haben in der Regel zum Ziel, eine Technologie zu zeigen, Produkte und Dienste zu fördern und die Medien anzusprechen. Die TidBITS haben über zwei Mac-spezifische Bewerbe dieser Art berichtet (siehe TidBITS-317 und TidBITS-378), die geholfen haben, den Macintosh als eine sichere und robuste Serverplattform für das Web zu etablieren. Außerdem haben Apple, Software-Entwickler und die Sponsoren der Bewerbe eine gute Presse bekommen, weil niemand die Preise beanspruchen konnte. Die laufenden Sicherheits-Bewerbe scheinen sich allerdings mehr auf Marketing als auf Sicherheit zu konzentrieren und dürften wenig geeignet sein, die Sicherheitsgrenzen der Mac-Plattform weiter auszuloten.

Apple Europe -- Die beiden früheren Mac-Sicherheitsbewerbe sind von privaten Organisationen durchgeführt worden; jetzt wird aber auch Apple Europe aktiv. Wer immer die Inhalte einer spezifischen Web-Seite ändern kann, die auf einem normalen Apple Workgroup Server 9650 mit Mac OS 7.6 und WebSTAR 2.0 installiert ist, soll ein nagelneues PowerBook 3400 mit 240 MHz erhalten.

<http://hack-a-mac.global.de/>

Es ist nett zu sehen, daß Apple neue Wege sucht, um das Mac-System als Internet-Serverplattform zu vermarkten, aber bei diesem Bewerb geht es nur um Promotion. In technischer Hinsicht imitiert er den Bewerb "Crack-A-Mac" (der von Infinit Information AB aus Schweden dieses Frühjahr veranstaltet worden ist), weist aber gegenüber dem Vorbild einige unschöne Kanten auf. So dauert Apples Bewerb vom 4. Juni bis zum 31. Juli 1997, aber diese Information ist weder auf dem Server noch in den Regeln des Bewerbs zu finden - Sie müssen schon Presseaussendungen oder Zeitungsartikel lesen, um dieses wichtige Detail (und noch einige andere) zu entdecken. Dabei lesen Sie sich durch allerlei Feststellungen über das "völlige Vertrauen" Apples in den Server hindurch - was Wunder, nachdem das Preisgeld im Infinit-Bewerb wenige Wochen zuvor niemandem zugefallen war. Auch was zu gewinnen ist, wird kritisiert; ein PowerBook 3400 ist ab 5.500 US$ zu haben und damit, so wird argumentiert, sei der finanzielle Anreiz kleiner als in vorangegangenen Veranstaltungen. Das mag sein, aber wichtiger ist noch, daß ein PowerBook 3400 der Schar von Server-Knackern weniger den Mund wäßrig macht als kaltes, hartes Bargeld. Schließlich werden wenige Unix- oder Windows-Anhänger ihre Zeit aufwenden, um einen Mac zu gewinnen.

<http://www.euro.apple.com/newdocs/pressreleases/pr-HackAMac.html>

VanHacking -- Bargeld ist nicht das Problem beim VanHacking Challenge, einer Veranstaltung von VirTech Communications in Vancouver, Kanada vom 1. Juni bis zum 15. Juli 1997; den Batrag von 10.000 Can$ (etwa 7.200 US$) erhalten alle, die zwei Dinge vollbringen:

Der VanHacking-Server ist ein Power Mac 7200/120 unter System 7.5.3 mit Timbuktu Pro 3.0.2 und WebSTAR 1.3.2. Die Seite, um die es geht, ist mit dem Realms-Feature von WebSTAR geschützt, sodaß Sie nach einem Paßwort gefragt werden, wenn Sie mit dem Web-Browser auf die Seite zugreifen wollen.

<http://www.vanhacking.com/>

Zunächst einmal ist die VanHacking-Challenge nur ein weiteres Beispiel für einen Wettbewerb "Ändern Sie eine Web-Seite", bringt allerdings mit den Kreditkarten-Daten den Aspekt des Handels im Internet herein. Die Presseaussendung von VirTech (und die Propaganda auf der Home-Page von Apple) spielt das hoch: VirTech redet davon, eine Vorstellung (von der "die Medien heute überflutet" seien) beseitigen zu wollen - daß Geldtransaktionen im Internet unsicher sind.

<http://www.vanhacking.com/press3.html>

Leider zielt die VanHacking Challenge geradewegs auf die Massenmedien ab und hat mit elektronischem Handel wenig zu schaffen. Frühere Bewerbe haben zwar nicht direkt das Realms-Feature von WebSTAR getestet, es hat aber sicher eine Rolle beim Schutz des Infinit-Servers gegen Angriffe auf WebSTAR gespielt. Selbst wenn die Web-Seite nicht speziell geschützt wäre, müßte ein Cracker erst noch herausfinden, wie die Inhalte der Wettbewerbs-Page zu ändern sind - der Infinit- und der ComVist-Bewerb haben ja schon bewiesen, daß das für 10.000 US$ nicht zu machen ist.

Ein anderer Aspekt sind die verschlüsselten Kreditkarten-Daten. Nach den Regeln für VanHacking sind die Kreditkarten-Angaben mit PGP (Pretty Good Privacy) verschlüsselt, einem hervorragenden Verschlüsselungsprogramm von Phil Zimmerman, das auf einem öffentlichen Schlüssel (public key) beruht und für zahlreiche Computer-Plattformen verfügbar ist.

<http://www.pgp.com/>

Es gibt prinzipiell drei Wege, auf verschlüsselte Daten zuzugreifen: die Daten per Computer zu entschlüsseln, eine Kopie der unverschlüsselten Daten zu finden oder den geeigneten Schlüssel oder das Paßwort zum Entschlüsseln zu bekommen.

Trotz der (gelegentlich paranoiden) Spekulationen, PGP könnte von der U.S.-Regierung geknackt worden sein, ist es höchst unwahrscheinlich, daß irgend jemand den VanHacking-Bewerb durch Entschlüsselung per Computer gewinnt. Den PGP-Schlüssel durch Einsatz schierer Rechenleistung zu knacken ist derzeit nicht zu schaffen und es gibt im Moment auich keine bekannten Hinweise auf Schwächen in den PGP-Algorithmen, die beim Knacken helfen könnten. Um es klar zu sagen - eine Methode, mit PGP verschlüsselte Daten zu dechiffrieren, wäre Dutzende Millionen Dollar wert; wenn im Rahmen von VanHacking PGP nicht geknackt wird, beweist das gar nichts.

Es wäre möglich, daß eine unverschlüsselte Kopie der Kreditkarten-Daten gefunden werden kann; es gibt Beispiele, daß Paßwörter oder offene Kopien verschlüsselter Informationen im Arbeitsspeicher, in unbenutzten Plattensektoren, in virtuellem RAM oder in temporären Dateien gefunden worden sind. Schon mehrfach wurde demonstriert, daß der Mac und sein System gegen die meisten Zugriffe aus dem Internet sicher ist; daher ist es unwahrscheinlich, daß irgend jemand aus dem Internet auf dem Server oder anderen Maschinen von VirTech diese Bereiche in Augenschein nehmen kann.

Vom Aufwand her ist es für mich leichter, in die Büros von VirTech in Vancouver zu gehen (oder eine heimliche Bespitzelung zu arrangieren) als in den Web-Server einzubrechen. Ich könnte mich als Journalist ausgeben und vielleicht jemanden bei VirTech dazu bringen, mir zu sagen, was ich wissen will. Wenn ich schnüffeln will, ist eine Abschrift der Kreditkarten-Nummer (oder ein Hinweis auf sie), ein Paßwort von PGP oder Timbuktu oder eine aufschlußreiche E-Mail-Message oder ein Vermerk zu finden. Wenn ich gewillt wäre, Gesetze zu brechen (was ja für Kreditkartenbetrüger kein Hindernis darstellt), könnte ich mir sicher noch mehr einfallen lassen. VirTech hat auch für diesen Punkt Vorkehrungen getroffen ("ein Einbruch im VirTech-Büro führt zum Ausschluß des Teilnehmers"); es wird zwar weder Betrug noch Nötigung oder das Auftreten als Polizeibeamter erwähnt, aber was die Regeln meinen, ist klar. Diese Taktiken klingen natürlich nach Industriespionage und Kriminalfilmen und das Preisgeld von 10.000 Dollar lohnt den Aufwand nicht. Wenn aber Millionen Dollar zu holen sind, ist vieles vorstellbar.

Fazit - ein nutzloses Spektakel -- Sind solche Bewerbe sinnlos? Nein, sie demonstrieren die Integrität und den Wert des Mac-Betriebssystems und einiger exzellenter Produkte, die darauf laufen. Das ist festzuhalten.

Dennoch ist es wichtig, die Ziele hinter solchen Veranstaltungen nicht aus den Augen zu verlieren, damit technische Errungenschaften von Aktivitäten als Selbstzweck unterschieden werden können. Aktionen, die nur andere Veranstaltungen wiederholen, sagen mehr über die Motivation der Verantwortlichen aus als über den Wert, den sie für die Allgemeinheit haben. Bewerbe, die auf Technologien aufbauen, die nicht für den Mac typisch sind (wie PGP oder Java), sagen nicht mehr über den Mac aus als ein Buch über das Regal, in dem es steht.

Netze knüpfen, Teil 2: PageSpinners Konkurrenz

von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

In der letzten Ausgabe (TidBITS-384) habe ich über PageSpinner geschrieben, einen Shareware-HTML-Editor von Optima Systems um 25 US$. Ich habe PageSpinner als ein Produkt mit einer Vielzahl von Tag-Optionen in einer offenen, benutzerfreundlichen Umgebung geschildert. Diese Woche werde ich PageSpinner nicht nur wie versprochen mit World Wide Web Weaver und BBEdit vergleichen, sondern auch mit Alpha.

<http://www.algonet.se/~optima/pagespinner.html>
<http://www.miracleinc.com/>
<http://www.barebones.com/>
<http://www.cs.umd.edu/~keleher/alpha.html>

W4 -- World Wide Web Weaver 2.1, auch als W4 bekannt, kommt von Miracle Software und kostet zwischen 39 und 89 US$, je nachdem, wie Sie das Programm kaufen. W4 erfordert einen Mac mit mindestens 68020-Prozessor, System 7.0 und 5,5 MB zugewiesenes RAM (empfohlen sind 8 MB). PageSpinner will einen 68020-Mac und System 7.0.1, einen Graustufen-Monitor und 2 bis 4 MB eigenes RAM. Seit seinen Shareware-Zeiten ist W4 gereift, läßt aber noch immer die Perfektion eines erstklassigen kommerziellen Produkts vermissen. Wem allerdings die weitgehende Konfigurierbarkeit von PageSpinner verwirrend vorkommt, ist mit W4 gut bedient.

W4 hat nicht die breite Palette esoterischer Tags wie PageSpinner, aber alle grundlegenden Optionen samt Frames, Forms und Tables sind vorhanden. W4 ist mit einer eigenen Rechtschreibkontrolle und einem HTML-Checker ausgestattet - beides muß bei PageSpinner in Form weiterer Software hinzugefügt werden. PageSpinner ist zwar unschlagbar in puncto Konfigurierbarkeit, W4 ist aber nicht unflexibel zu nennen. Neue Tags können hinzugefügt und das Aussehen, das Tags und Text im Dokument annehmen, kann eingestellt werden.

Ein HTML-Dokument sieht in W4 sehr ähnlich einem in einer Textverarbeitung; einige der Dialogboxen von W4 bauen auf einer visuellen Metapher auf, so etwa ein grafischer Image-Map-Editor, in dem Sie Bereiche definieren, die als Links zu anderen Seiten fungieren sollen. Diesem Editor fehlen die Feinheiten, die z.B. in PageMill zu finden sind, aber er taugt zum Arbeiten. PageSpinner verläßt sich darauf, daß Sie Ihre Image-Maps in einem anderen Programm erstellen.

Weitere Unterschiede zwischen den beiden Programmen kommen bei den Tables zum Vorschein. Im Tabellen-Editor von W4 sehen Sie zunächst eine grobe Näherung der Tabelle. Darin können Sie jede Zelle anwählen und Text einfügen oder zellenspezifische Formate (wie Hintergrund-Farben) zuweisen. Der Text ist sofort zu sehen, die Formate nicht. Nachdem Sie den Table-Editor verlassen haben, können Sie die Tabelle von Hand ändern oder die gesamte Tabelle auswählen und den Befehl "Re-Edit Tag" geben - schon sind Sie wieder im Tabellen-Editor und können Änderungen anbringen.

Im Gegensatz dazu ist in PageSpinner das Erstellen einer Tabelle ein einziger Vorgang auf Textebene. Sie können Text, der durch Tabs strukturiert ist, auswählen oder importieren und dann mit dem HTML Assistant rasch die Table-Tags anbringen, aber keine einzelnen Zellen formatieren. Sie können tabellenspezifische Tags auch einzeln einrichten. Es gibt keine Option "Re-Edit Tag", Änderungen dauern etwas länger.

Das Feature "Re-Edit Tag" in W4 ist auch praktisch beim Bearbeiten von Listen; sie können überarbeitet und in verschiedene Typen umgewandelt werden. Sogar eine Sortierfunktion bietet der Listen-Editor.

W4 hat noch ein bemerkenswertes Feature, das sonst nirgends zu finden ist - Auto-Preview. Bei der Arbeit in W4 halte ich ein Fenster von Netscape Navigator offen und alles, was ich in W4 mache, scheint ein, zwei Sekunden später im Browser-Fenster auf. Was daran so faszinierend ist - ich muß überhaupt nichts tun, um die aktuelle Ansicht zu bekommen. Alle anderen Programme verlangen zumindestens einen Tastaturbefehl. Das Feature funktioniert nur mit Netscape Navigator/Communicator; es läuft mit Navigator 3.01 und Communicator 4.0 PR 5 tadellos.

In Summe ist W4 ein brauchbarer HTML-Editor auf Textbasis. Einige ausgefallene Optionen von Alpha und BBEdit fehlen, aber der Funktionsumfang ist für Anfänger ebenso geeignet wie für gelegentliche Web-Gestalter. Angesichts des Preises und der Konkurrenz befindet sich W4 in einer schmalen Nische, weil er nicht die Features aufweist, die ihn bei einer großen Zielgruppe attraktiv machen können. W4 hat vielleicht noch einen Trumpf im Ärmel - eine familienbedingte Nähe zu Site Weaver, einem Programm zum Verwalten von Web-Sites, ebenfalls von Miracle Software; ich werde über das Produkt in einer späteren Folge dieser Serie berichten.

Wenn die gehobenen Fähigkeiten von PageSpinner für Sie von Interesse sind, achten Sie auf BBEdit und Alpha, zwei ausgereifte Text-Editoren mit HTML-Funktionen.

BBEdit -- BBEdit von Bare Bones Software war schon ein beliebter HTML-Editor, ehe er noch irgendwelche HTML-Features hatte, einerseits weil BBEdit ein hervorragender Text-Editor ist, andererseits weil Carles Bellver und Lindsay Davies jeweils ziemlich umfassende Pakete mit HTML-Erweiterungen für BBEdit herausbrachten (es handelt sich um Extensions speziell für BBEdit, die nichts mit Erweiterungen des Systems gemein haben). Carles aktualisiert seine Extensions nicht mehr, sie sind aber immer noch zu haben; die HTML Tools von Lindsay sind inzwischen Teil von BBEdit und Bare Bones Software hat auch eigene HTML-Funktionen hinzugefügt wie eine Rechtschreibkontrolle, die HTML versteht, ein FTP-Feature, das direkt auf einen Server sichern kann und visuelle Formatierung für Tags, die auf diese Weise von normalem Text gut zu unterscheiden sind.

Um in BBEdit Text zu HTML zu verwandeln, benützen Sie ein langen Menü, einen Tastaturbefehl oder eine Palette. Die Palette läßt sich in Größe und Umfang der enthaltenen Befehle modifizieren; sie könnte allerdings noch mehr Gestaltungsspielraum bieten, z.B. im Hinblick auf die Verwendung von Fraben oder grafischen Elementen, weil es nicht leicht ist, unter den vielen schwarz-grauen Tasten den gewünschten Befehl zu finden. BBEdit kann in Bezug auf die Oberfläche, das Erscheinungbild der Tags und dergleichen vielfältig an die Benutzergewohnheiten angepaßt werden, ist aber nicht ganz so flexibel wie PageSpinner (wo z.B. Tags gesperrt werden können, sodaß jemand beim Bearbeiten von Text nicht versehentlich die Tags ändern kann).

Die HTML Tools von BBEdit lassen die Benutzer nicht nur neue Tags definieren, sondern auch Makros, mit denen automatisch Tag-Sequenzen zugewiesen werden. Eins meiner Makros bettet angewählten Text in einen Anchor-Tag ein und vervollständigt diesen mit dem URL aus der Zwischenablage.

Was an BBEdit so besticht, ist die Kombination aus praxisnaher Oberfläche und weitreichenden Features. Dazu gehört eine Suchen-und-Ersetzen-Funktion über mehrere Dateien hinweg, die auf grep basiert - da hat PageSpinner nichts Vergleichbares zu bieten. Ein anderes Beispiel ist die sinnreiche Zusammenarbeit mit den Web-Optionen von UserLands Frontier.

<http://www.scripting.com/frontier/>

Wie ich schon letzte Woche ausgeführt habe, verfügt PageSpinner über Includes, mit denen etwa das Datum und die Uhrzeit automatisch aktuell gehalten werden können. Die HTML Tools von BBEdit sind PageSpinner bei den Includes einen Schritt voraus, es gibt mehr Optionen, die Uhrzeit, das Datum und andere Werte aktuell zu halten. Sie können sogar "Variablen" einsetzen, die den einzelnen Dokumenten einen Einfluß darauf nehmen lassen, wie Informationen eines Includes aufgenommen werden (z.B. kann ein Include einen Tag für ein grafisches Element enthalten und die Variable auf einer Seite legt die Stelle fest, wo diese Grafik plaziert wird).

Es überrascht nicht, daß BBEdit mit der Kombination aus professionellen Features, HTML-Erweiterungen und bescheidenen Ansprüchen an die Hardware (vom Mac Plus aufwärts, 1 MB RAM und System 7.0) bei Experten und Freizeit-Designern gleichermaßen ein weitverbreiteter HTML-Editor geworden ist. BBEdit kostet 119 US$ (für Besitzer anderer Editoren 79 $). Mehr zu BBEdit finden Sie in TidBITS-365.

Alpha -- Einige Leser haben mich darauf hingewiesen, ich solle auf Alpha achten, ein Shareware-Program von Pete Keleher (30 US$). Besonders Chris Ruebeck <ruebeck@jhu.edu> hat angemerkt:

"Alpha ist BBEdit ziemlich ähnlich und wird von vielen Programmierern und TeX/LaTeX-Usern verwendet. Zu den diversen Programmiersprachen und -umgebungen kommt auch ein HTML-Modus. Was an Alpha besonders auffällt: Die Pull-Down-Menüs funktionieren wie ein Assistent, der Vorlagen einfügt (freilich ohne die kontextbezogene Hilfe von PageSpinner). Die HTML-Funktionen sind aber gut dokumentiert. Alpha fügt sich sehr gut in die HTML-Umgebung ein; es hat in den Help-Seiten auch Web-Links und unterstützt das Arbeiten mit drag & drop."

Ich war vorher der Meinung, Alpha sei für meine Verhältnisse zu sehr auf Programmierung ausgerichtet, habe mir das Produkt dennoch angesehen. Am Anfang war ich verblüfft, daß die HTML-Befehle nur in einem speziellen HTML-Modus zu sehen sind; ich habe diesen dann aber als eine vielseitige und angenehme HTML-Umgebung schätzen gelernt. Die HTML-Befehle in Alpha (die als Palette dargestellt werden können) beruhen auf einer Alpha-Erweiterung namens HTML Mode, die von Johan Linde stammt und als Postcardware (Preis: eine Postkarte an den Autor) vertrieben wird.

Wie BBEdit hat auch Alpha eine Suchen-und-Ersetzen-Funktion auf grep-Basis, die mehrere Dateien auf einmal bearbeitet; es hat Includes wie PageSpinner und BBEdit; so wie PageSpinner, W4 und BBEdit verfügt es über Syntax Coloring (d.h. es färbt HTML-Tags ein). Als einziges Programm in der Riege kann es auch den Text von JavaScript richtig färben.

In den Dialogboxen, in denen die Attribute der Tags eingestellt werden, erscheinen auf Wunsch auch Textboxen, in denen die Event-Handler für JavaScript eingegeben werden können. Was mir noch gefallen hat: In einem Pop-Up-Menü werden die Überschriften eines HTML-Dokuments aufgelistet (Sie wählen eine Überschrift im Menü aus und Alpha setzt die Einfügemarke dorthin - BBEdit kann das auch); die hohen ASCII-Zeichen (über 127) können in HTML-Entities und zurück verwandelt werden und die Fähigkeit, benutzerdefinierte Tags samt Attribut-Optionen in der Dialogbox des Tags auf Wunsch darzustellen.

Es ist klar, daß ich Alpha nicht so lange wie BBEdit benutzt habe; aber wenn Sie HTML und JavaScript kennen und auf fortgeschrittenem Niveau mit beiden arbeiten wollen, wird Alpha vielleicht Ihr Herz erobern.

Was noch kommt -- Textbasierte HTML-Editoren umfassen viele großartige Funktionen und räumen den Autoren ein hohes Maß an Gestaltungsmöglichkeiten ein, aber sie sind nicht sehr gut geeignet, um mit verschiedenen Layouts und Navigationssystemen zu experimentieren. Für diese Aufgaben benutzen die meisten Leute Software, die den HTML-Code verbirgt und in einer WYSIWYG-Annäherung zeigt, wie ein Browser die Seite darstellen wird. Nächstes Mal werden wir uns mit einigen solchen Programme beschäftigen.



Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].

Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Heike Kurtz [HK].

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