TidBITS#387/07-Jul-97 - Deutsch

Interessiert es Sie, wie es ist, einen der Jubiläums-Macs zu besitzen? Tonya konnte einen Tag lang diese Erfahrung machen. Von Disinfectant gibt es eine neue Version, LetterRip 2.0 hat derzeit einen reduzierten Preis, Power Computing will auch Intel-Computer anbieten und wir weisen auf Ressourcen für die Sicherheit im Internet hin. Die Produktbesprechungen befassen sich dieses Mal mit Family Tree Maker von Broderbund und CyberStudio von GoLive Systems.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#387/07-Jul-97.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-387.html>

Copyright 1997 TidBITS Electronic Publishing. All rights reserved.
Information: <info@tidbits.com> Comments: <editors@tidbits.com>

Copyright 1997 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier Kommunikation.
Information: <office@carrier.co.at> Comments: <ferstl@carrier.co.at>


Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1997/TidBITS#387/07-Jul-97>

Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-387.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-387.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-387.etx>


MailBITS/07-Jul-97

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Disinfectant 3.7 -- John Norstad hat Version 3.7 seines Antivirenprogramms Disinfectant fertiggestellt, die um Funktionen zur Bekämpfung einer MBDF-B-Variante erweitert ist (der Virus MBDF B wurde vorher zwar vom Disinfectant-Init, aber nicht von der Applikation selbst erkannt). Disinfectant 3.7 geht auch besser mit schreibgeschützten Platten und Netzwerk-Volumes um; gleich beim Start werden die Benutzer gewarnt, daß Makroviren nicht erkannt werden (siehe TidBITS-385). [GD]

<ftp://ftp.acns.nwu.edu/pub/disinfectant/disinfectant37.sea.hqx>

LetterRip 2.0 derzeit um 95 US$ -- In der letzten Ausgabe haben wir über LetterRip 2.0 von Fog City Software berichtet (TidBITS-386). Für dieses Produkt hat der Hersteller einen Einführungpreis von 95 US$ (bis zum 15. August 1997) angekündigt, was deutlich unter dem Listenpreis von 295 US$ liegt. [ACE]

<http://www.fogcity.com/>

Power Computing geht an die Börse -- Power Computing hat vor kurzer Zeit der U.S. Securities and Exchange Commission Dokumente vorgelegt, aus denen zu schließen ist, daß der Mac-Clone-Hersteller mit etwa drei Millionen Aktien an die Börse gehen wird. Aus den Unterlagen geht weiter hervor, daß die Firma zusätzlich zu den Mac-kompatiblen Maschinen auch Computer auf Intel-Basis anbieten will.

Typisch für die Massenmedien ist es, daß sie die Vorlage der Unterlagen bei der SEC als ein "Umsteigen" von Power Computing interpretieren und dabei die Betonung, die Powers Papiere auf das Macintosh-Geschäft legen, völlig ignorieren. In den Dokumenten ist auch der vollständige Text des Lizenz-Abkommens (samt Zertifizierung) mit Apple enthalten sowie der Hinweis darauf, daß Power auch von IBM eine - etwas weniger weitreichende - Lizenz für das Mac-System erworben hat (vermutlich aus Sicherheitgründen, falls die Verhandlungen mit Apple gescheitert wären). Die Pläne von Power Computing, Intel-Clones herzustellen, stellen keine Überraschung dar: Zahlreiche Mac-orientierte Kunden benutzen NT-Server; da will Power auf beiden Schienen anbieten können. Der gesamte Text der bei der SEC eingereichten Dokumente (835 K) kann bei der FTP-Site der Behörde heruntergeladen werden. [GD]

<ftp://ftp.sec.gov/edgar/data/1040478/0000950134-97-005019.txt>

Kein Sinn für Sicherheit? -- Im Gefolge meines Artikels über Sicherheits-Berwerbe am Macintosh in TidBITS-385 ist mir die Dissertation von Dr. John D. Howard untergekommen, die für den Zeitraum zwischen 1989 und 1995 die Trends bei der Sicherheit im Internet analysiert. Grundlage der Untersuchung sind 4.300 Vorfälle, die dem Computer Emergency Response Team Coordination Center gemeldet worden sind. Die Kapitel 1 und 14 (Einleitung und Schlußfolgerungen) sind eine Lektüre von allgemeinem Interesse, im ganzen Werk gibt es eine Fülle von Detailinformationen. Das Fazit der Studie ist ein Rückgang der sicherheitsrelevanten Vorfälle im Hinblick auf die wachsende Größe des Netzes.

<http://www.cert.org/research/JHThesis/>

Wenn Sie auf der Suche nach einem Macintosh-Bewerb für Netzsicherheit sind: Infinit Information AB aus Schweden hat am 4. Juli 1997 den zweiten Crack-A-Mac-Bewerb gestartet (zur ersten Auflage siehe TidBITS-378). Dieses Mal wird ein Server nach dem neuesten Stand aufgesetzt, mit der aktuellen Version von WebSTAR und Mac OS 8, dazu SiteEdit Pro, Unterstützung mehrerer Domains mittels ClearlyHome und Datenbankzugriff über Lasso und FileMaker Pro. Wenn Sie das Preisgeld von 100.000 Schwedenkronen (etwa 13.000 US$) beanspruchen wollen, lesen Sie die Teilnahmebedingungen und ändern Sie dann die Home Page des Servers. [GD]

<http://hacke.infinit.se/>

Internet-Gesetz in Deutschland -- Die Regierung Helmut Kohl hat ein Gesetz zur Regulierung des Internet vom Bundestag verabschieden lassen, das am 1. August 1997 in Kraft tritt. In erster Linie setzt das Gesetz Standards für elektronischen Handel und digitale Signaturen, es soll aber auch Pornografie, Nazi-Propaganda und andere Anwendungen des Netzes verhindern, die in Deutschland illegal sind. Einem Online-Provider, der wissentlich solche verbotenen Inhalte speichert und übermittelt, drohen Strafen, wenn es "technisch möglich und zumutbar" wäre, diese Inhalte zu verhindern. Das Gesetz ist auch auf Fälle anwendbar, wo Provider keine direkte Kontrolle über Inhalte haben oder diese ihren Ursprung außerhalb Deutschlands haben. [MHA]

<http://www.washingtonpost.com/wp-srv/WAPO/19970704/V000749-070497-idx.html>

Der Jubiläums-Mac kommt zum Tee

von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Letzte Woche hat Michael Koidahl, der Besitzer von Westwind Computing in Seattle, die Frage, wann Adam und ich unsere Sommer-Party veranstalten sollten, mit einem Schlag gelöst. Er teilte uns mit, er habe einen Prototypen des Macs zum zwanzigsten Apple-Jubiläum über das Wochenende zur Verfügung und schlug vor, wir sollten haufenweise Leute einladen - zum Barbecue und zum Spielen mit dem Jubiläums-Mac.

<http://www.westwind.com/>
<http://powermacintosh.apple.com/products/20thann_mac.html>
<http://20thanniversary.apple.com/>

Das Grillen war ein Erfolg (auch wenn ich mir Sauce auf mein dunkelrotes Apple-T-Shirt gespritzt habe). Jeff Carlson, der leitende Redakteur der TidBITS, hat sich lukullisch selbst überboten und brachte einen Apfelkuchen mit Mac-OS-Logo auf den Tisch.

Das Konzept des Jubiläums-Macs verbindet die Linienführung und Freundlichkeit des 128K-Mac mit den Design-Feinheiten der ersten PowerBooks. Das Gehäuse mit der Hauptplatine ist nur etwas über 7 cm dick und enthält einen farbigen Aktivmatrix-Schirm (800 zu 600 Pixel) mit Hintergrundbeleuchtung und 12,1 Zoll Diagonale. Das Diskettenlaufwerk liegt seitlich; die Vorderseite unter dem Display wird von einem vertikal angeordneten CD-ROM-Laufwerk und einigen Tasten eingenommen.

Das Gerät vereint übliche Mac-Features (PowerPC 603e mit 250 MHz, 32 MB RAM, 256K Level-2-Cache) mit diversen Elektronik-Optionen und einem eleganten, futuristischen Design. Es ist mit einem speziell entwickelten Tonsystem (Bose Acoustimass) ausgestattet, das die Tonausgabe zwischen den eingebauten Lautsprechern und einer separaten Baßeinheit aufteilt, die wie ein verkleinertes Raketensilo aussieht und das gesamte Netzteil des Computers aufnimmt. Der Anniversary-Mac soll mit Software geliefert werden, die ein Einstellen des Hörwinkels und die Balance der Lautstärken ermöglicht (auf dem Prototypen war davon nichts zu sehen).

<http://www.bose.com/new/new_apple.shtml>

Auch ein UKW-Radio und ein TV-Tuner sind eingebaut; über Anschlüsse für S-Video und Composite Video können Geräte wie Laser-Plattenspieler (auf unserer Party hatten wir Blade Runner mehrmals laufen), Videorekorder und DSS-Satelliten-Antennen angesteckt werden.

Dazu kommen eine Fernbedienung, eine Festplatte mit 2 GB, ein externes GeoPort-Modem mit 33,6 Kbps, ein Steckplatz für eine Ethernet-Karte, ein AV-Slot, eine PCI-Steckplatz für kurze 7-Zoll-Karten und eine spezielle Tastatur mit ledernen Handauflagen und abnehmbarem Trackpad. Beim Kauf eines dieser Geräte erhalten Sie die Zustellung und Einrichtung an Ihrer Adresse, drei Jahre Garantie und drei Jahre kostenlosen Support über Telefon.

Ich habe den Jubiläums.Mac schon einmal auf einem Treffen der Macintosh User Group Seattle (dBUG) gesehen, aber auf meinem Eßzimmertisch machte er mehr Eindruck - er paßt hervorragend zum Mobiliar. Das Bose-System hat einen hervorragenden Klang und der Bildschirm ist viel besser (bei größerem Betrachtungswinkel) als der meines PowerBook 5300 in unserer Küche.

Nachdem die meisten Leute gegangen waren, schlossen wir den Mac per drahtlosem Ricochet-Modem (siehe TidBITS-366) ans Internet an, was sehr gut lief, obwohl wir etwas außerhalb des lokalen Versorgungsbereichs von Metricom in Seattle wohnen. Es stellte sich heraus, daß die Ricochet-Modems über größere Entfernungen mit einem Transceiver (Umsetzer) Verbindung aufnehmen können als angenommen. Die Transceiver sind üblicherweise eine halbe bis zwei Meilen (800 bis 3300 Meter) voneinander entfernt; wir schätzten die Distanz zum nächsten Transceiver aber auf 25 bis 30 Kilometer. Der Grund könnte sein, daß unser Haus am Berghang liegt und wir daher eine Sichtverbindung zu Umsetzern in Renton und Seattle haben.

<http://www.ricochet.net/>

Natürlich hätte ich gerne eine der Jubiläums-Macs - wer nicht? (Ich konnte die Leute von Westwind nicht dazu bringen, das Haus ohne den Prototypen zu verlassen). Ich wollte. Apple würde den Preis und die Ausstattung reduzieren, sodaß sich mehr Kunden das Ding leisten können - derzeit kostet es 7.500 US$ und sogar zu diesem Preis hat Westwind schon sieben Bestellungen vorliegen. Bei der Anschaffung meines SE, 1988 zum Unipreis, mußte ich schon alles zusammenkratzen; dieser neue Mac scheint mir ein wenig zu elitär zu sein - eher ein Computer, der zum Tee kommt als einer, der in eine Garküche geht. Dennoch: Ich habe ihn gerne zu Besuch gehabt und die Sauce-Flecken sind aus meinem T-Shirt auch wieder heraus.

Ein Traum von Familie: Family Tree Maker

von Douglas Tallman <dtallman@crosslink.net>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Ihre Verwandten können Sie sich nicht aussuchen, Ihre Genealogie-Software schon.

Zu Anfang dieses Jahres hat Broderbund eine Mac-Version von Family Tree Maker (FTM) auf den Markt gebracht, für DOS- und Windows-Maschinen die bestverkaufte Genealogie-Software. Das Programm organisiert Informationen über Ihre Verwandten und erstellt hübsche Reports, Tafeln und Stammbäume. Dem Paket liegen CD-ROMs bei, die den Start in der Familienforschung erleichtern, die Web-Site der Firma bietet den Kunden weitere spezielle Dienste an.

<http://www.familytreemaker.com/>

Lernen Sie Ihre Familie kennen -- Das Hauptfenster in FTM ist die Familien-Seite, die Felder für Namen, Daten und Orte für Eltern und deren Kinder enthält. Reiter auf der rechten Seite des Bildschirms führen zur Familie jedes Elternteils und zu den Ehepartnern jedes Kindes.

Hilfsfenster speichern Adressen, medizinische Daten und Anmerkungen. Ein weiteres Fenster bietet Felder zur Beschreibung der Beziehung einer Person zu ihren Eltern an - z.B. ob es sich um leibliche oder Adoptiveltern handelt. Ein Facts-Fenster zeigt sechzehn Datums- und sechzehn Textfelder, die vom Benutzer nach Bedarf etikettiert werden können. Ich benutze sie, um Standorte von Friedhöfen zu notieren, aber auch, wo Personen gelebt haben, welche Berufe sie hatten, welcher Religion sie anhingen und wann und wo sie getauft worden sind.

Die meisten Orts- und Namensfelder weisen ein Feature namens Fastfields auf, das wie die QuickFill-Funktion in Quicken arbeitet. Sie tippen die ersten Buchstaben ein, bis FTM auf der Basis bestehender Einträge richtig das ausgewählt hat, was Sie suchen. Das kann eine enorme Erleichterung sein, es erspart nicht nur Tippen, sondern steigert auch die Konsistenz der Daten.

FTM bietet zahlreiche Wege, all die Daten zu drucken, darunter auch Baumdiagramme, die die Ahnen und die Nachkommen einer Person zeigen. Auf das Aussehen dieser Übersichten haben Sie viel Einfluß; Sie können Stile, Schriftarten und -größen auswählen und die Daten, die enthalten sein sollen.

Einige Reports sind in dem Programm fix installiert, darunter ein Kalender für Geburtstage und Jubiläen lebender Verwandter und ein Report, der die Beziehungen einer Person zu allen anderen in der Datenbank aufführt. Daraus können Sie entnehmen, ob Base Gertrude nun Ihre Cousine ersten oder zweiten Grades ist. Es werden auch zwei Family-Group-Blätter generiert, eine bei Genealogen gängige Form, Informationen zu präsentieren. Das eine Blatt ist die Form der bloßen Fakten mit Eltern, Kindern und Kalenderdaten. Die andere Variante bringt zusätzlich noch weitere ausgewählte Daten.

Falls diese Reports nicht genügen, können die Benutzer auch ihre eigenen definieren. Es wäre kein Problem, z.B. einen Report der Todesursachen Verblichener zu erstellen. Jeder Report kann gedruckt oder in eine Textverarbeitung übernommen werden.

Wenn der Umfang Ihrer FTM-Datei zunimmt, werden die Informationen immer wertvoller. Bei jedem Beenden legt FTM automatisch eine Sicherungskopie an. Die Mac- und die Windows-Version haben dasselbe Datei-Format - es ist also kinderleicht, bei Familientreffen Daten auszutauschen.

Um Daten zu importieren und zu exportieren, benutzt FTM ein Protokoll namens GEDCOM (Genealogical Data Communications), das zum Datenaustausch auf diesem speziellen Gebiet eingerichtet ist. Das Protokoll kommt mit diesen Dateien locker zurecht - sogar mit den Daten in Fakten-Feldern -, nur ein Merkmal verrät den PC-Ursprung: ein Name einer Datei muß auf ".ged" enden, damit FTM die enthaltenen Informationen importieren kann.

Einige Eigenheiten scheinen Überbleibsel der Übertragung von einem Betriebssystem zum anderen zu sein. Wenn Sie eine FTM-Datei im Finder doppeltklicken, öffnet FTM die Datei, die zuletzt offen war, nicht die angeklickte. Die Schließbox eines Fensters schließt nicht die Datei, sondern beendet das ganze Programm. Alle Funktionstasten auf der erweiterten Tastatur werden verwendet, Command-Tastenkombinationen gibt es hingegen kaum. Nur wenige Mac-User werden auf die Idee kommen, auf der Suche nach Hilfe F1 zu drücken statt die Help-Taste.

Die Mac-Version verfügt auch nicht über die Album-Funktion der Windows-Variante, mit der Bilder in der Datenbank gespeichert werden können. Die Sprecherin der Firma sagte, die Funktion sei in letzter Minute entfernt worden - das erklärt auch, daß auf der Packung und in der Online-Dokumentation davon die Rede ist. Die Mac-Version kann immerhin Windows-Files lesen und die dort enthaltenen Bilder darstellen, auch wenn sie selbst keine abspeichern kann.

Weitere Quellen -- Die Software wird mit dem Social Security Death Index als CD-ROM ausgeliefert. Diese Datensammlung enthält Namen, Geburtsdatum, Sozialversicherungsnummer und wahrscheinlichen Wohnort jeder Person [in den U.S.A., --WJF], die vor mehr als zwei Jahren gestorben ist. Mit diesen Daten können Sie von der Bundesregierung eine Kopie des Formblatts SS-5 einer Person anfordern (das für die Zuteilung einer Sozialversicherungsnummer ausgefüllt werden muß), in dem auch die Namen und Adressen der Eltern dieser Person enthalten sind.

Darüber hinaus sind im FTM-Paket auch noch die ersten beiden CDs des Projekt World Family Tree [etwa "Weltstammbaum", --WJF] von Broderbund enthalten. Damit will Broderbund die FTM-Benutzer zum Austausch ihrer Ergebnisse ermutigen und derart die Familienforschung als solche fördern. Hier hoffte ich einige Informationen über meinen Ur-Ur-Urgroßvater Cornelison Tallman zu finden, einen Mann, der zwar Nachkommen hinterlassen hat, aber kaum weitere Belege seines Daseins. Wenn ich seine Eltern herausbekomme, werde ich meinen Familienstammbaum bis in die Niederlande erweitern können.

Wenn auf einer der CDs eine Spur von Corny zu finden gewesen wäre, hätte das meine Meinung von ihnen viel besser ausfallen lassen. Leider bleibt er weiter im Dunkeln. Dennoch können die CDs von großem Nutzen sein. Wenn Sie irgendeinen Bezug zwischen Ihnen und einem der Stammbäume herstellen können, sparen Sie sich viel Mühe - dazu kommt, daß Sie die Forschungen zu Hause statt in einer öden Bibliothek durchführen können. Weitere CDs werden um etwa 20 US$ von Broderbund zu kaufen sein. Das Projekt hat einige Kritiker auf den Plan gerufen, die in genealogischen Newsgroups und in Mailing-Listen bemängelt haben, daß einige Stammbäume auf den CDs ohne Einwilligung der Urheber aufgenommen worden sind und etliche fehlerhafte Informationen verbreitet werden. In Hinblick auf meine eigene Familie habe ich Angaben gefunden, die meinen vertrauenswürdigen Informationen widersprechen; die Daten auf den CDs sollten also jedenfalls überprüft werden.

Viele Hobby-Genealogen werden auch aus der FTM-Web-Site Nutzen ziehen, wo der größte Teil der Informationen kostenlos ist. Eine wertvolle Hilfe, die die Web-Site bietet, sind Hinweise für die Suche im National-Archiv und darauf, wie in den Hauptstädten der Bezirke und Bundesstaaten wichtige Informationen gefunden werden können. Broderbund hat auch einen Online-Service namens "Internet FamilyFinder Agents" ins Leben gerufen. Sie tippen einen Namen ein und der Dienst sucht einen speziellen Index von Web-Sites ab. Broderbund verspricht, daß die Agents laufend Suchen durchführen und Interessierte per E-Mail auf dem Laufenden halten werden.

Die Web-Site bietet registrierten FTM-Kunden zusätzliche Vorteile, etwa eine Diskussionsplattform, kostenlose Kleinanzeigen in Rubriken und einfache Kunden-Pages. Diese speziellen Dienste können nur mit Netscape Navigator genutzt werden - derzeit wird kein anderer Browser unterstützt, obwohl Broderbund schon dazu aufgefordert worden ist.

Andere Werkzeuge zur Pflege Ihrer Bäume -- Auf der Mac-Plattform gibt es einige Alternativen zu FTM; dazu gehören das bekannte Reunion von Leister Productions Inc. und das Shareware-Juwel Gene von Diana und David Eppstein.

<http://www.leisterpro.com/>
<http://www.ics.uci.edu/~eppstein/gene/>

Was diese beiden Programme dem Family Tree Maker voraus haben, ist ein Report zu Ihrer Genealogie im Stil eines Buches. Aus diesem Grund allein ist es schon der Mühe wert, Gene herunterzuladen, es kann nämlich die mit FTM erstellten GEDCOMs importieren. Broderbund hat übrigens diese Funktion kürzlich in die Windows-Version aufgenommen, von einem Update der Mac-Version ist aber momentan noch keine Rede.

Es gibt beinahe ebenso viele Web-Sites und Mailing-Listen für Genealogie wie für Star Trek [Sie wissen: Unendliche Weiten, Pille, Mr. Spock und - ganz besonders - Lt. Uhura. Mir ist schon klar, daß ich da nicht auf dem neuesten Stand bin... --WJF]. Dazu kommen noch Newsgroups wie <alt.genealogy>.

RootsWeb betreibt die Mailing-Liste ROOTS-L, die ein guter Startpunkt für angehende Familienforscherinnen ist und unterhält auch eine Anzahl von spezifischen Listen für bestimmte Nachnamen und Gegenden, dazu eine Liste für Anfänger der Genealogie. Cyndi's List of Genealogy Sites im Internet ist eine Fundgrube mit mehr als 21.000 Sites, die alle auch indiziert sind. Die Newsgroup-Hierarchie soc.genealogy.* umfaßt 18 Newsgroups, <soc.genealogy.computing> widmet sich genealogischer Software und einschlägigen Internet-Ressourcen.

<http://www.rootsweb.com/>
<http://www.oz.net/~cyndihow/sites.htm>

Family Tree Maker wird nur auf CD-ROM ausgeliefert und verlangt nach einem PowerPC-Mac mit mindestens 16 MB RAM (oder 8 MB plus virtuellen Speicher) unter mindestens System 7.1.2. Auf der Festplatte werden 7 MB von der Software und weitere 4,5 MB von notwendigen Microsoft-Systemerweiterungen belegt.

Broderbund Software -- 001 415 382 4419 (fax)

Netze knüpfen, Teil 4: CyberStudio

von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>

[Übersetzung: Heike Kurtz]

Wenn Sie die vorangegangenen Teile dieser Serie gelesen haben (die in TidBITS-384 begann), kennen Sie sich jetzt mit textorientierten Web-Publishing-Tools und auch einfachen layoutorientierten Programmen aus, die wie einfache Textverarbeitungsprogramme funktionieren. Beide Arten von Programmen sind für bestimmte Aufgaben gut geeignet, aber für Web-Publishing sind sie alle nicht gerade das Ei des Kolumbus. Heute schauen wir uns CyberStudio 1.1 von GoLive Systems an, eine sehr interessante Neuerscheinung, die ihre Stärken sowohl im Text- als auch im layoutorientierten Bereich hat und noch ein paar professionelle Features dazu.

<http://www.golive.com/>

Liebe auf den ersten Blick -- Hier bei den TidBits benutzen wir manchmal den Ausdruck "testet sich gut". Das heißt, ein Produkt hört sich toll an und sieht zunächst richtig klasse aus, hat aber unter Umständen Schwächen, die sich erst beim längeren Einsatz zu Hause zeigen. Mit seiner eleganten, attraktiven Benutzeroberfläche und seiner Vielzahl von Schlüsselfunktionen testet sich CyberStudio auf jeden Fall sehr gut.

CyberStudio macht einen sehr guten ersten Eindruck. Die ReadMe-Datei beschreibt ganz genau, wo alle Teile von CyberStudio bei der Installation landen. Das Handbuch ist schön und professionell gemacht - anders als die zusammengewürfelten Handbücher, die man in der heutigen "mach schnell und verkauf's"-Zeit überall bekommt. Das Kapitel über CyberStudios Farbpaletten (RGB, Apple, CMYK, 216 Web-safe etc.) ist farbig auf beschichtetem Papier gedruckt und die Verkaufsverpackung enthält eine Karte auf der die wichtigsten Inkompatibilitäten notiert sind (Irv vom technischen Support bei GoLive sagt, manche Leute haben mit RAM Doubler keine Probleme, andere dagegen müssen ihn deaktivieren, um mit CyberStudio arbeiten zu können. Wenn man CyberStudio zusammen mit Adobe Type Reunion verwendet, tauchen in den Aufklappmenüs von CyberStudio viele seltsame Buchstaben auf).

Beim Öffnen von CyberStudio wird automatisch ein leeres Dokument mit Karteikartenreitern geöffnet, bei dem der "Layout"-Reiter aktiv ist. In der rechten unteren Ecke ist ein Aufklappmenü, mit dem man das Fenster in verschiedenen allgemein üblichen Browser-Fenstergrößen einstellen kann. Andere Reiter schalten das Fenster auf andere Ansichten um. Über dem Dokumentfenster ist eine Leiste mit den wichtigsten Werkzeugen, die man auch schließen kann. Eine Palette (auch mit Reitern) beinhaltet Icons, die für verschiedene Dinge stehen, die man u. U. auf einer Website haben möchte, so z. B. ein <table>- oder <meta>-Tag. Es gibt auch eine "Inspector"-Palette, die die Eigenschaften des jeweils im Dokument ausgewählten Objekts zeigt.

Zwei Dinge wirken bei der Bedienoberfläche störend: CyberStudio hat eine Unmenge von Fenstern und Paletten und meine Konfiguration mit zwei Bildschirmen war keineswegs überdimensioniert. Man könnte flüssiger arbeiten, wenn man zwischen Fenster- und Paletten-Steuerung wählen könnte. Außerdem ist das "drag & drop"-Prinzip bei CyberStudio auf die Spitze getrieben, d. h. man muß zum Teil mehr Mausbewegungen ausführen, als nötig wäre. Objekte auf der Palette können z. B. nicht dadurch an der Cursormarke eingefügt werden, daß man sie doppelklickt oder eine Tastenkombination drückt, sondern sie müssen wirklich mit der Maus angeklickt, festgehalten und in das aktive Dokument hineingezogen werden.

HTML-Quellcode sehen -- Es geht doch nichts über die Bearbeitung von realen Projekten, wenn man die Schwächen eines Produktes herausfinden will. Als ich eine Seite des bald bevorstehenden neuen Designs der TidBITS-Website in CyberStudio importierte, fand ich eine ziemlich große: Wir haben unsere Site paarweise mit Absatz-Tags versehen, d. h. jeder Absatz beginnt mit einem <P>-Tag und endet mit einem </P>. CyberStudio benutzt nur das Anfangs-<P> und verändert importierte HTML-Dokumente entsprechend - die Absatzabstände werden also an manchen Stellen ohne Vorwarnung verändert.

CyberStudios Quellcode-Ansicht sieht fast genauso aus wie die HTML-Ansicht der Programme, die wir letzte Woche behandelt haben; es benutzt Syntax-Färbung, um Tags vom Text zu unterscheiden und Schriftgröße und -stil sind ein bißchen veränderbar. In anderen layoutorientierten Editoren, die wir uns angeschaut haben, muß fast jeder einzelne Tag von Hand in der HTML-Ansicht eingetippt werden. Bei CyberStudio gibt es so etwas nicht - alles, was in der Layout-Ansicht per Befehl eingefügt werden kann, hat in der Quellcode-Ansicht die entsprechenden HTML-Tags. Um z. B. in der Quellcode-Ansicht einen "Submit"-Knopf hinzuzufügen, braucht man nur das Objekt "Submit Button" aus der Palette an der entsprechenden Stelle in die Quellcode-Ansicht einzufügen und sofort steht der richtige HTML-Code da. Leider kann die Quellcode-Ansicht Text nicht umbrechen, sodaß lange Absätze weit hinter der rechten Kante des Fensters enden.

Wem das Arbeiten in der Quellcode-Ansicht nicht strukturiert genug ist, der kann in der "Outline"-Ansicht arbeiten. Diese zeigt den HTML-Code als aufklappbare Gliederung, in der die Tags als Schaltflächen mit Aufklappmenüs erscheinen. Diese Menüs ermöglichen es, verschiedene Attribute (wie z. B. die Breite eines Tabellenrahmens) hinzuzufügen, die dann auch hinter den Schaltflächen erscheinen. Die Outline-Ansicht arbeitet mit einer veränderbaren Datenbank, in der man die Attribute anpassen und zu der man auch Tags hinzufügen kann.

CyberStudio verfügt außerdem über einen eingebauten JavaScript Editor, komplett mit Syntax-Färbung und einer Skript-Bibliothek.

Pixeln oder nicht Pixeln -- Auf den ersten Blick arbeitet die Layout-Ansicht ungefähr so wie die "Bearbeiten"-Modi der einfachen layoutorientierten Programme. Man kann Text eingeben und Medien-Elemente wie Graphiken oder Filme einfügen, aber man kann die Objekte nicht frei plazieren. Das macht den Quellcode einfach - wie ich bereits im ersten Artikel dieser Serie bemerkt habe. Wenn jedoch pixelgenaue Plazierung wichtiger wird als verständlicher HTML-Code, dann kann man ein Layoutraster aus der Palette in das Dokument einfügen. Das Raster kann die ganze Seite oder nur einen Teil davon einnehmen und Objekte können frei auf dem ganzen Raster plaziert werden, so ähnlich wie in einem DTP-Programm. Dadurch, daß dem Benutzer die Wahl zwischen DTP-orientierter und HTML-orientierter Arbeitsweise gelassen wird, ist CyberStudio für vielerlei Nutzer und Aufgaben geeignet.

Obwohl das Raster pixelgenaue Plazierung ermöglicht, kann es nicht auf allen Seiten die Tabellen ersetzen. Wenn eine Tabelle mit 5 Reihen, 5 Spalten und speziellen Zellformaten benötigt wird, ist eine Tabelle schneller zu erstellen, da im Raster eine Positionsangabe für die plazierten Objekte nur schwer auszumachen ist (ein Lineal oder eine Statuszeile mit den Koordinaten der Objekte wäre hier schön gewesen). Man kann sich natürlich behelfen, indem man Raster in Tabellen-Zellen plaziert: die Tabelle wird als "Skelett" mit bekannten Maßen aufgezogen und dann können innerhalb des "Skeletts" die Layouts plaziert werden.

Im Hinblick auf die fehlende Möglichkeit, im Layoutraster die genaue Position von plazierten Objekten zu erkennen, ist es enttäuschend, daß CyberStudio beim Erstellen einfacher Tabellen hinter seinen einfacheren Konkurrenten zurückbleibt. Es ist zwar schön, daß man Zellbegrenzungen durch Drücken der Auswahltaste zurechtziehen und so die Größe der Zellen verändern kann. Auch sind die Befehle für die Erstellung der Tabelle nicht in irgendeiner Dialogbox versteckt, so daß das Formatieren erfreulich schnell geht. Aber leider muß jede Zelle einzeln formatiert werden, genauso der Text in jeder einzelnen Zelle. Wer viel mit Tabellen arbeitet, für den ist Symantec Visual Page das bessere Produkt.

CyberStudios Rahmen-Ansicht ist einfach in der Anwendung und auf der Palette gibt es sogar eine ganze "Karteikarte", auf der man sich verschiedene Framesets aussuchen und in das aktuelle Dokument ziehen kann. Visual Page und Adobe PageMill können CyberStudio hier aber durchaus das Wasser reichen; beide zeigen auch die Dokumente innerhalb des Framesets - CyberStudio nicht. In CyberStudio (ähnlich wie in Claris Home Page) sieht man nur die Umrisse des Framesets und die Namen der Dokumente, die in den Rahmen zu sehen sein sollen, aber nicht die Dokumente selbst. Man kann die Framesets nur überprüfen, wenn man in die Browser-Vorschau wechselt, wo man entweder einen bestimmten Browser vorgeben oder zu jedem auf dem Rechner installierten Browser wechseln kann.

Live-Medien -- Auf Seiten, die mit CyberStudio gemacht wurden, kann jede beliebige Plug-in-Datei eingefügt werden und man kann sie sich auch gleich anschauen, wenn man die entsprechenden Plug-ins in den "Plug-Ins"-Ordner von CyberStudio legt (obwohl das Handbuch vor dem Shockwave-Plug-in warnt). In puncto Plug-Ins ähnelt CyberStudio dem Programm PageMill 2.0, das ich in einem vorangegangenen Artikel vorgestellt habe (auf diesen Aspekt bin ich dort nicht eingegangen). CyberStudio kann auch Java-Applets abspielen.

Funktionen en masse -- Ich habe hier nicht einmal annähernd alle Funktionen von CyberStudio behandelt. Zwei andere, die nicht unerwähnt bleiben sollten, sind die Unterstützung von Apple Script (mit Dokumentation) und World Script. Was allerdings fehlt, ist eine Rechtschreibprüfung. Wenn man die Listen der Funktionen aller bisher vorgestellten Programme nebeneinanderlegen würde, wäre die von CyberStudio sicherlich bei weitem die längste, aber CyberStudio liegt auch in einer ganz anderen "Gewichtsklasse". Es läuft nicht auf 68K-Macs und kostet ein paar hundert Dollar mehr. Außerdem hat es jede Menge visuelle Site-Management-Funktionen, die es auf die Ebene Site-orientierter Software wie z. B. Adobe SiteMill (das jetzt zusammen mit PageMill verkauft wird), NetObjects Fusion und Microsoft FrontPage hebt. Textorientierte Site-Management-Software gibt es übrigens auch, z. B. Userland Frontier. Ich werde in der nächsten Folge dieser Serie auf dieses Programm und auf die Site-Management-Funktionen von CyberStudio näher eingehen.

<http://www.adobe.com/prodindex/pagemill/siteben.html>
<http://www.netobjects.com/html/macprod.html>
<http://www.microsoft.com/frontpage/>
<http://www.scripting.com/frontier/>

Die Kosten -- CyberStudio Pro hat eine unverbindliche Preisempfehlung von US$ 349 US$ und der Einzelhandelspreis scheint sich bei knapp unter 300 $ einzupendeln (Unis und Studenten: 149 US$). Wer seine Kaufentscheidung zwischen dem 17.6.97 und dem 30.7.97 trifft, bekommt als Besitzer der Programme Adobe PageMill oder SiteMill, NetObjects Fusion, Symantec Visual Page, Claris Home Page und Microsoft FrontPage einen Coupon für einen Rabatt von 100 $. Wer golive Pro 1.x registriert hat, bekommt 20 US$ "Treuerabatt" [ob diese Rabatte auch außerhalb der USA gelten, sollte im Einzelfall bei der Firma GoLive erfragt werden. --HK].

Alles in allem bietet CyberStudio trotz der Schwächen, die ich aufgezeigt habe, eine großartige Kombination von oft benötigten Funktionen in einer angenehmen Arbeitsumgebung. Sie können es übrigens testen, indem sie eine 3,7 MB große 30-Tage-Testversion von der GoLive Website herunterladen.

CyberStudio benötigt einen Power-PC Prozessor und ab System 7. 5. 5. aufwärts, außerdem 8 MB freien Arbeitsspeicher (12 oder 16 MB empfohlen, je nachdem, welche Dokumentation von GoLive man gerade liest).

GoLive Systems -- 001 415 463 1580
-- <info@golive.com>



Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Mark Anbinder [MHA], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].

Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Heike Kurtz [HK].

Copyright and address info
TidBITS Home Page

Vorhergehende Ausgabe
Nächste Ausgabe

Frühere Ausgaben der TidBITS können unter folgendem Web-URL durchsucht werden:
<http://www.tidbits.com/search/>


carrier Kommunikation 1995-97