Apple kann diese Woche vor Stolz strahlen - Mac OS 8 ist da; Geoff bespricht die vielen neuen Funktionen. Wir bringen auch Neues zum verbesserten PowerBook 1400, zu einem Verschlüsselungs-Bewerb im Internet, an dem Mac-Benutzer teilnehmen können, und zum Quartalsverlust Apples, der niedriger als erwartet ausgefallen ist. Tonya rundet diese Ausgabe ab mit ihrer Besprechung von Frontier als Werkzeug zum Erstellen von Web-Seiten und zum Verwalten von Web-Sites.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#389/21-Jul-97.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.dartmouth.edu/pages/TidBITS/issues/TidBITS-389.html>
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-389.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-389.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-389.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Apple: Verlust im 3. Quartal geringer als erwartet -- Nach dem Drama um den Abschied von Gil Amelio und Ellen Hancock (siehe TidBITS-388) hat Apple den Geschäftsbericht für das 3. Quartal ohne Aufsehen vorgelegt. Darin wird ein Verlust von 56 Millionen US$ (44 ¢ je Aktie) ausgewiesen, verglichen mit einem Verlust im 3. Quartal des Vorjahrs von 32 Millionen (26 ¢ je Aktie). 56 Millionen sind eine Menge Geld, aber der Betrag bleibt unter den Spekulationen von einem Verlust zwischen 70 und 130 Millionen. [JLC]
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1997/q4/970716.pr.rel.q397.html>
RC5 Challenge, ein Entschlüsselungsbewerb -- Eine Gruppe von Mac-Benutzern nimmt am 56-Bit-Teil der RSA Data Security Secret-Key Contests teil, wo eine Verschlüsselung mittels 56 Bit langem Schlüssel geknackt werden soll. Unter den Bewerbern ist die Gruppe Bovine RC5 Project, die ungenutzte Rechenzeit zum Testen aller möglichen Schlüssel nutzen wird. Um teilzunehmen, können Mac-User das kostenlose Client-Programm herunterladen und es auf Power Macs, die am Internet hängen, laufen lassen (68K-Macs sind zu langsam). Wenn Sie sich als Mitglied des EvangeList-Teams von Guy Kawasaki beteiligen wollen, benutzen Sie <evangelist@apple.com> als E-Mail-Adresse. Das EvangeList-Team hat zuletzt die meisten Schlüssel pro 24 Stunden überprüft, es sind aber erst etwa 6 Prozent der möglichen Schlüssel überprüft - es ist also noch viel zu tun.
<http://rc5.distributed.net/>
<ftp://ftp.distributed.net//pub/rc5/v2/rc5v2-macos.sit.hqx>
Das Preisgeld von 10.000 US$ wird zwischen den Bovine-Organisatoren (1.000 $), dem Team (1.000 $) und dem Project Gutenberg (8.000 $) geteilt, dem Langzeitprojekt, mit dem Literatur kostenlos in Internet zugänglich gemacht werden soll. Ohne auf die technischen Details einzugehen - sollte es ein Mac sein, der den Schlüssel entdeckt und sollten Macs mehr Schlüssel prüfen als andere Computertypen, bedeutet das gute Presse für Apple und den Macintosh. Es ist ein leichter und positiver Beitrag im Dienst der Mac-Gemeinschaft. [ACE]
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Letzte Woche hat Apple bevorstehende Verbesserungen an der Serie PowerBook 1400 angekündigt, die alle interessieren werden, die in diesem Monat einen 1400 zu kaufen planen.
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1997/q4/970714.pr.rel.pb1400.html>
Hinaus mit dem Alten -- Falls Sie sich nicht an die Merkmale der Powerbooks 1400 erinnern: Diese Baureihe hat das BookCover-Fach, wo Dekorfolien eingesteckt werden können und eine aufklappbare Tastatur, die leichte Zugang zum Inneren gewährt (siehe TidBITS-350 und TidBITS-371). Sie haben den Prozessor PowerPC 603e, eingebautes 6-fach-CD-ROM und Festplatten zwischen 750 MB und 1 GB. Die bisherige Reihe weist vier Typen auf, vom 1400cs/117 mit Dual-Scan-Display bis zum 1400c/133 mit Active-Matrix-Schirm und 128 KB Level-2-Cache. Die Marktpreise lagen zwischen 2.500 und 4.000 US$.
Herein mit dem Neuen -- Die neue Serie besteht aus drei Modellen mit schnelleren CPUs, aber ähnlichen Bildschirmen - den Typen 1400cs/133, 1400c/133 und 1400c/166 zu Preisen zwischen 2.500 und 3.500 US$. Jede Variante ist mit 8-fach-CD-ROM, 128 KB Level-2-Cache und einer Festplatte mit entweder 1,3 oder 2 GB ausgestattet. Alle werden zunächst mit System 7.6 oder 7.6.1 statt mit Mac OS 8 ausgeliefert. Weiters verlautet, daß sich die Auslieferung des subkompakten PowerBook 2400c bis August hinzieht, sodaß dieses Modell mit Mac OS 8 geliefert werden kann.
<http://product.info.apple.com/pr/media.alerts/1997/q4/970714.pr.alrt.pb2400.html>
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
[Übersetzung: Christoph Pfisterer]
Diese Woche wird Apple offiziell Mac OS 8 herausbringen, eine neue Version des Macintosh-Betriebssystems, angepriesen als das wichtigste Update seit 1984. Mac OS 8 wartet mit neuen Features und einer neuen Oberfläche auf sowie einer Fülle von Internet-Software. Das alles umrahmt den wichtigsten Aspekt von Mac OS 8 - einen PowerPC-nativen Finder mit Multithreading.
Die Neuerungen in Mac OS 8 sind schwer in einem kurzen Artikel zusammenzufassen, wir werden ihm deshalb in den kommenden Ausgaben weiter "unter die Haube" schauen.
Systemvoraussetzungen und Bestellmöglichkeiten -- Mac OS 8 hat höhere Anforderungen als jedes frühere System. Es besteht auf einem 68040- oder PowerPC-Prozessor, mindestens 12 MB physikalischem RAM (mit virtuellem Speicher werden daraus 20 MB) und mindestens 65 MB Platz auf der Festplatte (eine vollständige Installation benötigt etwa 130 MB). Genauso wie Mac OS 7.6 die 24-Bit-Macs und 68000- und 68020-basierten Maschinen zurückließ, gibt Mac OS 8 die 68030-basierten Macs auf, darunter viele Modelle der Serie Mac II und etliche LC-, Performa- und PowerBook Modelle. Außerdem unterstützt Mac OS 8 keine 68030-Maschinen, die mit einer Upgrade-Karte auf einen 68040- oder PowerPC-Prozessor aufgerüstet wurden (Upgrades, bei denen die Hauptplatine ausgetauscht wurde, sind aber in Ordnung). Für alle diese Maschinen bleibt Mac OS 7.6.1 das letzte unterstützte Betriebssystem.
Mac OS 8 kostet auf CD-ROM etwa 99 US$; Diskettenversionen kosten etwa 25 $ mehr und haben nicht alle Extras. Besitzer von Mac OS 7.6 können den Rabattgutschein von 30 $ benutzen, der Mac OS 8 beiliegt. Wenn Sie Mac OS 7.6 zwischen dem 1. Juni und dem 31. Juli 97 gekauft haben, bekommen Sie Mac OS 8 zum Preis der Versandkosten; Details sind dem 7.6-Paket beigefügt. [Nicht zum ersten Mal erhebt sich die Frage, wie diese Konditionen außerhalb der U.S.A. aussehen. --CP]
Das Update sollte bis Ende der Woche bei Claris, Mail-Order-Häusern und Fachhändlern verfügbar sein. Viele Häuser bieten Aktionsangebote mit Mac OS 8 im Bundle an, es lohnt sich also, sich nach einem Angebot umzusehen.
<http://www.claris.com/macos8/>
Apple plant, internationale Versionen von Mac OS 8 im Lauf des restlichen Jahres 1997 auf den Markt zu bringen.
Ein ganz neuer Finder -- Die bedeutendste Verbesserung in Mac OS 8 ist ein neuer PowerPC-nativer Finder mit Multithreading. Multithreading bedeutet, daß der Finder jetzt mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen kann - zum Beispiel Dateien kopieren und den Papierkorb leeren -, die er zuvor nur eine nach der anderen abarbeiten konnte. Obwohl das mit Produkten von Drittherstellern auch vorher möglich war, bietet Multithreading auch viele andere, subtilere Verbesserungen. Zum Beispiel öffnen sich Fenster im Finder jetzt auch während andere Dinge passieren (was beim Arbeiten mit großen Ordnern, CD-ROMs oder langsamen Servern sehr praktisch ist) und die Fenster werden schneller aktualisiert. Diese Änderungen lassen den Finder in Mac OS 8 schneller wirken, obwohl es einige Zeit braucht, sich daran zu gewöhnen und Vorteile aus dem Multithreading zu ziehen. Jahrelang hat man uns eingebleut, daß der Finder das nicht kann; jetzt erwarten wir es natürlich nicht von ihm.
Das Multithreading wird einem wahrscheinlich nicht sofort auffallen, wohl aber das neue "Platin Design". Überall werden graue Schattierungen und der neue 3D-Look benutzt. Kontrollieren kann man dieses Erscheinungsbild über das neue Kontrollfeld "Appearance" (Erscheinung), wo man einstellen kann, ob das neue Platin-Design überall anstatt des alten System-7-Looks benutzt werden soll und ob man als Systemschrift die traditionelle Chicago oder die neue Charcoal haben möchte. Allen Programmen das Platin-Design zu geben funktioniert in der Regel gut (mir sind ein paar kosmetische Fehler in einigen Applikationen aufgefallen); das häufigste Problem ist die Positionierung der Fenster, denn die Fensterrahmen sind jetzt meist einige Pixel breiter. Apple hat Bildschirmfotos ins Netz gestellt, die den neuen Look zeigen:
Der neue Appearance Manager (der über das Kontrollfeld Appearance gesteuert wird) läßt einen noch keines der neuen, oft sonderbaren Themen einstellen, die in letzter Zeit veröffentlicht wurden. Die Grundlage für verschiedene Designs ist aber in Mac OS 8 schon vorhanden, und Softwareentwickler können Programme schreiben, die Design-Themen benutzen: rechnen Sie mit mehr in dieser Richtung. Wenn Sie nicht warten können mit dem Aussehen Ihres Macs zu spielen, probieren Sie es mit Kaleidoscope; Version 1.7 sollte unter Mac OS 8 funktionieren.
<http://www.kaleidoscope.net/>
Der neue Finder wartet mit automatisch aufspringenden Ordnern auf - man klickt einen Ordner doppelt, ohne nach dem zweiten Klick den Mausknopf loszulassen (also ein "Anderthalbklick"), um in die Ordner-Hierarchie hinunterzusteigen und dann ein Dokument an einer bestimmten Stelle abzulegen oder gezielt einen Unterordner zu öffnen. Wenn man die Maus losläßt, werden alle dazwischenliegenden Fenster wieder geschlossen, und zurück bleibt ein aufgeräumter Schreibtisch mit genau den Objekten, die man wollte.
Die Fenster des Finders lassen sich in Popup-Fenster (oder "Schubladen") verwandeln, die dann als Etiketten am unteren Rand des Bildschirms stehen bleiben. Die Schubladen gehen auf, wenn man Objekte hineinzieht oder auf ihre Etiketten klickt, schließen sich aber sofort wieder, wenn man sie nicht mehr braucht. Es gibt neue Menükommandos, um das Original zu einem Alias anzuzeigen (Command-R) und um ein Objekt in den Papierkorb zu werfen (Command-Löschen). Außerdem kann man für jedes Fenster einzeln einstellen, welche Spalten in der Listenansicht angezeigt werden sollen (die Breite oder Reihenfolge der Spalten kann man aber nicht verändern).
Neue Features im System -- In Mac OS 8 finden sich auch neue Features für schnelleres Arbeiten. Im Finder kann man zu fast jedem Objekt (auch zur Schreibtischfläche) mit einem Control-Klick ein Kontextmenü mit häufigen Befehlen bekommen. Alle Menüs bleiben auf dem Bildschirm stehen, wenn man sie mit einem einfachen Klick öffnet. Ich dachte, dieses Feature würde vor allem behinderten Menschen helfen, aber jetzt benutze ich es selbst ständig, insbesondere um in großen Popup-Menüs zu navigieren. Zu den neuen "Goodies" gehört auch die Möglichkeit, ein komplettes Bild als Schreibtischhintergrund zu benutzen und ein 'Über diesen Macintosh'-Fenster, das besser zeigt, welches Programm wieviel Speicher benutzt.
Leider gibt es auch Bereiche in Mac OS 8, die auffallend vom Fortschritt verschont geblieben sind. Die Auswahl ist wie ein Flashback nach 1988 und die Standarddialoge zum Auswählen von Öffnen und Speichern von Dateien erinnern an 1985: Viele Verbesserungen - wie Popup-Fenster, hierarchische Apple-Menüs und Tastenkürzel - scheinen nur darauf ausgerichtet, um diese Probleme herumzuhelfen, anstatt sie zu beheben.
Installation -- Mac OS 8 hat einen ähnlichen generellen Installer wie schon Mac OS 7.6, der in Wirklichkeit viele einzelne Installer steuert. Obwohl dieser Installationsprozeß etwas holprig ist, ist es viel besser, als die einzelnen Komponenten separat zu installieren. Mac OS 8 hat zwei 'Setup Assistants' - Mac OS Setup Assistant und Internet Setup Assistant -, die einem dabei helfen, der Maschine einen Namen zu geben, einen Drucker auszuwählen und die Verbindung zum Internet herzustellen. Der Internet Setup Assistant nützt einem wohl am meisten, wenn man weiß, was man tut; z. B. wissen die meisten Leute, die über ein LAN ans Internet angeschlossen sind, nicht, welche Subnet-Mask sie eingeben müssen. Diese Assistenten holen sich einen Teil der Informationen aus dem früheren System, aber bei einer kompletten Neuinstallation findet der Internet Setup Assistant praktisch nichts vor, und naive Nutzer könnten denken, daß sie sich bei einem Provider anmelden müssen (Angebote sind gleich mit dabei).
Internet-Integration -- Apple behauptet, daß Mac OS 8 eine bessere Internet-Integration bietet als alle anderen Betriebssysteme - wenn das stimmt, spiegelt es den traurigen Alltag des Internet-Zugriffs heutzutage wieder. Mit drei Ausnahmen besteht die Internet-Integration von Mac OS 8 aus einem sperrigen Bündel von existierender Software (drei Web-Browser, drei E-Mail-Programme, PointCast, Castanet und anderes). Ich habe kürzlich meiner Schwester und meinen Eltern Internet-Zugänge eingerichtet, und ich kann mir nicht vorstellen, sie auf diese Kakophonie von Software zu verweisen und das als überlegene Internet-Integration zu bezeichnen.
Was also sind die drei Ausnahmen? Die erste ist ein AppleScript (wirklich!) namens "Connect To..." (Verbinden mit...), das sich im Apple-Menü befindet. In jedem Programm kann man einfach "Connect To..." aufrufen, einen URL eingeben oder einfügen, und schon ist man unterwegs. Es ist einfach, aber effektiv. Die zweite Ausnahme ist Apples Personal Web Sharing, ein kleiner, robuster Webserver, der sich wie File Sharing konfigurieren läßt. Man braucht eine statische IP-Adresse, um Web Sharing im Internet effektiv zu benutzen (damit sind die meisten einwählenden Benutzer ausgeschlossen), aber es macht sich gut, um CGI-Skripts zu testen und Daten in einem lokalen TCP/IP-Netz freizugeben (mit Unterstützung von Personal NetFinder, der Finder-ähnliche Dateilisten erzeugt). Lassen Sie sich nicht von Web Sharings veraltetem ReadMe täuschen; es sagt aus, daß man auf Mac OS 7.6 downgraden muß, um es auf PCI-basierten Maschinen zu benutzen; in Wirklichkeit läuft es aber auch unter neueren Systemen.
Die dritte Ausnahme ist subtiler: Internet Config. Apple versteckt Internet Config 1.3 hinterhältig im Ordner Internet Utilities, aber in Wirklichkeit ist Internet Config das Rückgrat u. a. des Internet Setup Assistant und des "Connect To..."-Skripts. Apple scheint sich in der Dokumentation zu Mac OS 8 über Internet Config auszuschweigen, aber es ist schön zu sehen, daß eine Freeware-Lösung, die von der Macintosh-Gemeinde im Internet entwickelt wurde, als Bestandteil von Mac OS 8 ausgeliefert wird (siehe TidBITS-255).
Geschwindigkeit und Kompatibilität -- Ich habe in den letzten Wochen verschiedene Versionen von Mac OS 8 benutzt, und ich fand es stabil und schnell. Wegen eines defekten Kabels mußte ich einige Tage wieder mit 7.6.1 arbeiten, und ich war überrascht, wie sehr mir das alte System in die Quere kam. Das neue System erlaubt den Anwendungen, sich den Prozessor besser zu teilen, so daß Hintergrundjobs schneller laufen, und einige Programme sind bis zu 25 Prozent schneller. Obwohl mich Mac OS 8 mehr Dinge tun läßt, wann ich sie tun will, ist es nicht notwendigerweise schneller; das Kopieren von Dateien kann etwa langsamer sein als unter Mac OS 7.6.1, da der Finder mehr Zeit für andere Aufgaben zur Verfügung stellt. Mir ist es egal, besonders da der Finder unter Mac OS 8 im Hintergrund deutlich schneller geworden ist.
Beinahe ohne Ausnahme hat meine konservativ ausgewählte Sammlung von Kontrollfeldern, Systemerweiterungen und Utilities von Drittherstellern auf meinem Power Mac 7600 weiterfunktioniert. Ich habe anderslautende Berichte gehört, aber auf meinen Maschinen (ein Quadra 650, ein Duo 2300c und ein Power Mac 7600) stürzt der Finder sofort ab, wenn ich eine Komponente von Now Utilities Version 5.0.3 oder 6.7 lade. Now Software geht gemeldeten Problemen mit OS 8 nach. Connectix sagt, daß RAM Doubler mit Mac OS 8 funktioniert, Speed Doubler allerdings sei inkompatibel und sollte gemieden werden. Von Symantec gibt es Updates für Norton Utilities und Suitcase. Wer MacsBug benutzt, braucht unter Mac OS 8 die Version 6.5.4a3.
<ftp://ftp.symantec.com/public/Updates/mac/>
<ftp://ftp.apple.com/devworld/Tool_Chest/Testing_-_Debugging/Debuggers_-_dcmds/MacsBug_6.5.4a3.sit.hqx>
Ist es den Aufwand wert? -- Für die meisten Leute dürfte Mac OS 8 ein lohnendes Upgrade sein, vorausgesetzt, sie haben die CPU-"Pferdestärken" und den Speicher, um es auszunutzen. Apple geht davon aus, daß Mac OS 8 den Verkauf von neuer Hardware und Upgrades antreiben wird, wenn alte Mac-Besitzer in den sauren Apfel beißen und zum neuen System aufschließen. Ich denke, manche werden OS 8 kritisieren, weil es Windows ähnlicher ist als frühere Versionen, und das nicht ohne Grund. Allerdings ist Mac OS 8 elegant und mächtig, und man wird Ihre Maschine nie für etwas anderes halten als für einen Macintosh.
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Heike Kurtz]
In den letzten paar Ausgaben der TidBITS habe ich meine Ansichten über Software zum Erstellen von Web-Seiten zum Besten gegeben. In TidBITS-384 ging es mit Texteditoren los, in TidBITS-386 waren die layoutorientierten Editoren dran und in TidBITS-387 beschrieb ich die Funktionen von GoLive CyberStudio, die zum "Bauen" von Web-Seiten gedacht sind. Mit CyberStudio kann man aber auch ganze Web-Sites verwalten und ich hatte versprochen, diese Funktionen demnächst zusammen mit ähnlichen Funktionen anderer Programme zu behandeln. Zunächst ist es aber an der Zeit, das Programm Frontier zu testen, das für das Web Publishing wirklich eine einzigartige Umgebung bietet.
<http://www.scripting.com/frontier/>
Frontier verstehen -- Frontier 4.2.3 ist eine kostenlose und intelligente Datenbank. Die Software kostet nichts, weil Dave Winer, der Gründer der Firma UserLand Software das so entschieden hat (vgl. TidBITS-279). Ich bezeichne das Programm als intelligent, weil fast alles durch Apple Events und eine eigene Scriptsprache namens UserTalk gesteuert wird und als Datenbank, weil es Informationen speichert. Frontier ist in der Macintosh Scripting Community weit verbreitet und deren User sind von den Vorzügen des Programms meist hellauf begeistert - unter anderem kann man die Komponenten einer Web-Site speichern und sie in eine komplexe, automatisierte Web-Site umwandeln.
<http://www.scripting.com/frontier/snippets/features.html>
Frontier erforschen -- Normalerweise beginnt die Entdeckungsreise mit dem Öffnen des Hauptfensters von Frontier, dem sogenannten "Ursprung". Das Hauptfenster enthält Eingabefelder, die durch die Art und den Wert definiert werden. Ein solches Feld heißt z. B. "readme" und ist von der Art "wp text" (word processing text), und wenn man es doppelklickt, öffnet sich ein Fenster mit dem Text und es erscheint ein Textbearbeitungs-Menü mit ein paar Textbearbeitungs-Befehlen. Web-Publisher, die mit Frontier arbeiten, können HTML-Code als WP-Text-Eingabe an anderer Stelle in der Datenbank erstellen und speichern.
Eine anderes Eingabefeld im Ausgangsfenster heißt "User" und ist von der Art "Tabelle". Wenn man es doppelklickt, öffnet sich eine andere Tabelle mit User-bezogenen Objekten. Eines dieser Objekte namens "Organisation" bekam den Wert "TidBITS", sobald ich Frontier registriert hatte. Ähnliche Eingaben an anderer Stelle legen fest, wie Frontier Web-Seiten herausgibt. Man kann Frontier steuern, indem man sich durch eine sehr umfangreiche Tabellen-Hierarchie hindurcharbeitet, oder aber anhand von Vorgaben, die verschiedene Teile der Datenbank je nach Anwendung zeigen oder verbergen.
Der Schlüssel zum Schatz -- Tabelleneinträge können auch "Verben" sein, d. h. Befehle, die in Frontier-Skripts aufgerufen werden. Mit Frontier-Skripts kann ein geübter Skripter fast alle Funktionen eines Macintosh automatisieren - auch andere Programme. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Skripts aufzurufen: Aus Menüs, indem man sie in Frontier öffnet und den "Start"-Button anklickt, oder indem man den Namen des Skripts in Frontiers "Quick Script"-Fenster eingibt. Oder - hier greife ich mir selbst ein bißchen vor - indem man sie beim "Rendern" einer Web-Seite aufruft.
Matt Neuburg, einer der Co-Autoren der TidBITS und erfahrener Frontier-User, sagte zu diesem Thema: "Frontier ist die Befehlszeile Ihres Macintosh." Die folgenden vier Punkte stammen aus seiner Abhandlung über das Programm:
Frontier kann das System und den Finder steuern. Es kann Dateien erzeugen, lesen, kopieren und löschen, Typ und Creator einstellen, die Systemuhr und die Zwischenablage lesen und noch mehr.
Frontiers Funktionen sind überall verfügbar. Es kann Menüpunkte in anderen Programmen erzeugen und durch Doppelklick aufrufbare Pseudo-Programme erzeugen.
Frontier "spricht" Apple Events viel schneller als AppleScript das tut. Wenn ein Programm skriptfähig ist, kann Frontier es steuern und Informationen daraus abrufen.
Frontier kann Apple Events empfangen und umsetzen, d. h. man kann Frontier aus anderen Programmen heraus steuern. Webmaster können Frontier z. B. nutzen, um Formularanfragen von den Besuchern ihrer Websites zu bearbeiten. Eine der besten Einsendungen auf unseren TidBITS-Suchmaschinen-Wettbewerb (vgl, TidBITS-380) arbeitet mit Frontier: Ein Besucher der TidBITS-Website klickt auf den "Search"-Knopf, WebSTAR (die Server-Software) gibt den Befehl an Frontier weiter, Frontier sucht in einer FileMaker-Datenbank mit TidBITS-Ausgaben und erzeugt - basierend auf den Suchergebnissen - eine neue Web-Seite, die es an WebSTAR weiterreicht und die dann von WebSTAR an den Browser des Benutzers geschickt wird.
Frontiers Fähigkeit, fast alles zu automatisieren und die hierarchische Struktur seiner Datenbank machen es zu einem einzigartigen Werkzeug für das Web Publishing. Wenn Sie Frontier für das Site Management verwenden, können Sie das entweder mit einem anderen Programm als Grundlage oder direkt in Frontier tun.
Frontier zusammen mit anderen Programmen benutzen -- Die HTML-Seiten, die Sie in Frontier speichern wollen, können Sie mit jedem beliebigen Programm schreiben, um hinterher die hierarchische Struktur von Frontier zur endgültigen Bearbeitung zu verwenden. Frontier speichert jede HTML-Seite als Tabelleneintrag. Wenn Sie eine Site [d. h. eine zusammenhängende Gruppe von Web-Seiten, --HK] rendern, werden diese Einträge als separate Web-Seiten in eine Ordnerstruktur gebracht, die genau wie die Struktur in Frontier organisiert ist.
<http://www.barebones.com/bbedit.html>
Es sollte nicht lange dauern, das Rendering in den Grundzügen zu verstehen. Wenn Frontier eine rohe HTML-Seite oder Gruppe von Seiten in eine Web-Site umwandelt, wendet es eine komplexe Reihe von Prozessen und Filtern an, die wahlweise Änderungen wie die folgenden anbringen:
Wiederkehrende Kopf- und Fußtexte erscheinen auf jeder Seite.
Die passenden HTML-Entities ersetzen die ASCII-Werte über 127 im HTML-Code (besonders nützlich für Leute, die Texte in Sprachen wie Französisch schreiben).
Makros, die Frontier-Skripts aufrufen, werden durch ihre Ergebnisse ersetzt. So liefert etwa {clock.now()} das aktuelle Datum als Ergebnis zurück; es gibt auch ein Skript, das Image-Tags mit automatisch generierten Breiten- und Höhen-Attributen einfügt.
E-Mail-Adressen und URLs werden in Links umgewandelt.
Text in Anführungszeichen wird gegen einen Eintrag in einer Liste ausgetauscht (noch eine der Tabellen von Frontier). Ich kann es so einrichten, daß "TidBITS" durch einen Link zur TidBITS Home Page ersetzt wird.
Wenn Sie in BBEdit arbeiten, brauchen Sie sich mit Frontier nicht zu befassen - diese Features sind dort sofort verfügbar. Wenn Sie aber in Frontier direkt arbeiten, können Sie einige Einstellungen vornehmen und genausogut von BBEdit aus arbeiten.
Mit Frontier direkt arbeiten -- Sie können jede beliebige Software verwenden, um die rohen Seiten zu erstellen, die Sie in Frontier ablegen, und dann zu Frontier wechseln, um dort von der hierarchischen Struktur zu profitieren. Frontier speichert jede HTML-Seite als Tabelleneintrag. Wenn eine Site gerendert wird, werden diese Einträge in separate Web-Seiten umgewandelt, die in ihrer Ordner-Struktur die in Frontier benutzte abbildet.
(Im vorangegangenen Absatz habe ich sehr stark vereinfacht - gerenderte Seiten können aus Skripts oder aus "Schablonen" erstellt werden. Skripts können Seiten aus fast allem, was Sie jemals erstellt oder wofür Sie jemals ein Skript geschrieben haben, zusammengesetzt werden und Formulare können auf vielerlei Arten genutzt werden, aber ich werde in diesem Artikel nicht näher auf alle diese Möglichkeiten eingehen.)
Frontiers Hierarchie geht aber noch viel weiter. Man kann z. B. mehr als ein Glossar anlegen und Frontier ersetzt zitierten Text anhand desjenigen Glossars, das der Datei mit dem Roh-HTML am nächsten liegt (Wenn das Glossar nicht in derselben Tabelle wie die unbearbeitete Datei liegt, überprüft Frontier die nächste Ebene und geht immer eine Stufe weiter, bis es ein Glossar findet).
Dateistrukturen spielen auch eine große Rolle, wenn Sie mit "Vorschriften" ["directives", --WJF] arbeiten. Eine Vorschrift ist ein Tabelleneintrag, der beschreibt, wie Sie eine allgemeine Eigenschaft einer Gruppe von Web-Seiten behandeln wollen (z. B. die Hintergrundfarbe). Eine Vorschrift kann auch direkt in eine noch unbearbeitete HTML-Seite eingebaut werden. Wenn eine HTML-Seite gerendert wird, haben darin definierte Vorschriften immer Vorrang. Wenn keine Vorschrift definiert ist, durchsucht die Seite die Tabelle nach einer Definition. Mit diesen Vorschriften ist es einfach, einen Zweig einer Site mit einem orangefarbenen und einen anderen Zweig mit einem grünen Hintergrund anzulegen.
Hier fängt mein Hirn langsam an zu qualmen und ich kann Ihnen versichern, daß ich bis jetzt nur vorsichtig an der Oberfläche gekratzt habe. Ich habe noch nichts über Schablonen gesagt, über die Fähigkeit eine Datei in eine andere einzubauen oder die Möglichtkeit ein Site-Diagramm in HTML anzulegen. Schablonen sind eine Schlüsselfunktion von Frontier und ich überlasse Sie interessierten Lesern als Übung.
Rendern -- Wenn eine Seite gerendert wird, laufen verschiedene Prozesse und Filter ab; z. B. werden alle Makros aufgerufen, die Sie in die Seite (oder die zugrundeliegende Schablone) eingebaut haben. Das hat Millionen von nützlichen Aspekten.
Nehmen wir z. B. die neue TidBITS Homepage, die stündlich neu aufgebaut wird. Jedesmal, wenn die Seite neu erstellt wird, bekommt sie eine neue, automatisch zusammengebaute Grafik. Die neue Grafik beinhaltet einen von mehreren Sprüchen und einen Hinweis auf einen besonders interessanten Artikel (oder eine Gruppe von Artikeln), auf den wir Sie hinweisen möchten. Die Graphik basiert auf einer Client-Side Image Map, d. h. für jede neue Version der Seite muß neuer HTML-Code erzeugt werden. Geoff Duncan hat das zwar mit AppleScript und HyperCard gelöst, Frontier könnte das aber genauso.
Als weiteres Beispiel hier eine Anmerkung von Pam McAllister <pmcallister@pugetsound.org>:
Ich habe vor ein paar Monaten angefangen, mit Frontier zu arbeiten. Es hat mehrere Tage gedauert, bis ich das System begriffen und meine Sites importiert hatte. Aber jetzt kann ich Updates und Ergänzungen in einem Bruchteil der Zeit erledigen, die ich vorher dafür brauchte. Ich habe viele Funktionen hinzugefügt, so z. B. Inhaltsverzeichnisse von Teilen der Site, die ich aus Zeitgründen vorher niemals hätte machen können. Ich habe auch ein Frontier-Skript geschrieben, das alle Seiten in einer FileMaker-Datenbank ablegt, die dann (mit Lasso) online durchsucht werden kann. Ich habe nicht viel Erfahrung im Schreiben von Skripts, aber das Projekt nahm nur ein paar Stunden in Anspruch. [Schauen Sie sich die SoundWeb-Site einmal an, um das Ergebnis von Pams Arbeit zu sehen].
<http://www.pugetsound.org/>
<http://www.blueworld.com/lasso/>
Komplexität -- Die Beschäftigung mit Frontier erinnerte mich an jenen Cartoon, in dem ein Schüler darum bittet, die Klasse verlassen zu dürfen, da "sein Gehirn voll" sei. Dieser umfangreiche Lernprozeß wird durch ein Online-Lehrbuch von Matt Neuburg erleichtert:
<http://www.scripting.com/matt/webtutorial/>
(Matt ist im Moment bei O'Reilly Associates unter Vertrag und schreibt das erste Buch über Frontier. Das Buch sollte zusammen mit dem neuen Frontier 5 herauskommen).
Ist das was für Sie? -- Zusammenfassend kan man sagen, daß Frontiers Struktur die Organisation von HTML-Seiten, die in anderen Programmen erzeugt wurden (oder auch in Frontier, aber die Möglichkeiten sind begrenzt), vereinfacht. Wenn Ihre Site einmal in Frontier angelegt ist, können Sie - korrekte Bedienung vorausgesetzt - Seiten oder andere Bestandteile einfach innerhalb der Datenbank verschieben und Elemente, die auf mehreren Seiten erscheinen, verändern. Man kann auch mittels einer Reihe von Seiten, die der Reihe nach "durchsurft" werden, Links auf die jeweils vorangegangene und folgende Seite erzeugen. Sites können in einen Ordner auf der lokalen Festplatte oder aber mit FTP auf einen Webserver gerendert werden. Sie können beim Rendern seitenweise oder tabellenweise vorgehen oder einfach das rendern lassen, was sich seit dem letztenmal verändert hat. Frontier ist ein Werkzeug, das eine gewisse Automation voraussetzt - besonders wenn mehrere Programme ineinandergreifen sollen.
Frontier bietet eine angenehme Arbeitsumgebung, aber ob es sich lohnt, viel Zeit zu investieren, um es zu lernen, hängt von der Web-Site ab. Als ich mit der Recherche für diesen Artikel etwa halb fertig war, dachte ich, daß die ziemlich abschreckende Ansammlung von Tabellen eine benutzerfreundliche Oberfläche dringend nötig hätte. Einen Tag später kam es mir dann wieder logisch und gut verständlich vor. Wenn mein Wissen über Dateistrukturen, HTML, Makros und allgemeine Skriptsprache nicht schon ziemlich umfangreich gewesen wäre, hätte ich wohl aufgegeben. Es ist außerdem schwierig, sich daran zu erinnern, wie man Frontier zum Betreiben einer Web-Site nutzt, denn die Befehle sind in den Menüs und Dialogboxen nicht so geordnet, daß man sie intuitiv findet.
Man kann eine bereits bestehende Site in Frontier importieren, aber um die Funktionen von Frontier nutzen zu können, muß man vieles in Handarbeit neu erstellen. Außerdem fehlen ein paar nützliche Funktionen. Es gibt keine Ansicht, die die Dateistruktur und die Beziehungen der Dateien untereinander darstellt (z. B. als Netzstruktur oder Flußdiagramm). Es gibt keinen Mechanismus, um zu notieren, welche Seiten bereits fertig sind und wer daran arbeitet. Um in Frontier stabile relative Links zu setzen, muß man mit Makros arbeiten - in anderen Programmen braucht man nur ein Bild, das das Ziel des Links darstellt, auf die Quelldatei ziehen. Außerdem gibt es keine Site-übergreifende Funktion "Suchen und Ersetzen" und keine Rechtschreibprüfung, auch Links und HTML Code können nicht überprüft werden. Ich bin allerdings davon überzeugt, daß erfahrene Frontier-User diese Einschränkungen dadurch umgehen, daß sie Frontier mit anderen Programmen verknüpfen.
Das nächste Mal werde ich mich - wie versprochen - mit den Site-Management-Funktionen von CyberStudio beschäftigen und auch andere Site-Management-Software vorstellen.
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Jeff Carlson [JLC], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Geoff Duncan [GD].
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Heike Kurtz [HK], Christoph Pfisterer [CP].
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