Diese Woche berichten wir über interessante Produkte auf der Macworld Expo, stellen den neuesten Sponsor der TidBITS vor - Hitachi samt einer nagelneuen MPEG-Kamera - und melden die Verschmelzung der beiden führenden Mac-Magazine. Zum Abschluß ihrer siebenteiligen Serie über Web-Publishing-Software vergleicht Tonya Microsoft FrontPage mit NetObjects Fusion und zieht eine Bilanz über alle besprochenen Produkte.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#391/04-Aug-97.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-391.html>
Copyright 1997 TidBITS Electronic Publishing. All rights reserved.
Information: <info@tidbits.com>
Comments: <editors@tidbits.com>
Copyright 1997 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier Kommunikation.
Information: <office@carrier.co.at>
Comments: <ferstl@carrier.co.at>
Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-391.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-391.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-391.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Wie sich der Apfel dreht... -- Bei dem dichten Nebel der Gerüchte, die Apple in den letzten Wochen umgeben haben, fragen Sie sich vielleicht, wo unser Beitrag zur Klärung des Nebels bleibt. Die Artikel in der Presse über Apple, die wie schlechte Seifenopern anmuten, machen uns krank. Sobald sich aber etwas von Bedeutung tut (was auf der Macworld Expo vermutlich der Fall sein wird), werden wir wieder berichten. Bis dahin schenken wir es uns, über Steve Jobs zu schreiben, er sei schüchtern, üner Larry Ellison, er spiele die eifersüchtige Gottheit und über Pamela Anderson, sie werde die Verhandlungen mit den Clone-Herstellern leiten. [ACE]
MacUser & Macworld gehen zusammen -- Die wichtigste Neuheit der letzten Woche: Die beiden Medienkonzerne IDG und Ziff-Davis haben eine gemeinsame Gesellschaft namens Mac Publications gegründet, die für Macworld, MacUser und MacWEEK zuständig ist. MacUser und Macworld werden zu einem einzigen Monatsmagazin vereinigt, MacWEEK hingegen bleibt als wöchentliche Publikation erhalten (mehr dazu in einer der nächsten Ausgaben). [ACE]
<http://www.macworld.com/daily/daily.1494.html>
<http://www.zdnet.com/zdnn/content/zdnn/0801/zdnn0008.html>
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Diese Woche tritt Hitachi erstmals als neuer Sponsor der TidBITS auf und gibt gleichzeitig die Lieferbarkeit einer neuen Kamera für Mac-Benutzer bekannt. Die MPEG Cam ist auf der Macworld Expo zu sehen und zielt in erster Linie auf professionelle Anwender ab; sie wird mit einer PC Card von 260 MB ausgeliefert, die 20 Minuten digitales Video im MPEG-Format bei 30 Bilder pro Sekunde speichern kann. Alternativ dazu können bis zu 3.000 JPEG-Standbilder, 1.000 JPEGs mit 10 Sekunden Ton oder 4 Stunden digitaler Ton allein festgehalten werden. Die Auflösung bei Video liegt bei 352 zu 240 Punkten, bei JPEG-Bildern bei 704 zu 480 Punkten.
Die Kamera hat einen kleinen Bildschirm zur Handhabung von Dateien ("media navigation"); Dateien können etwa in verschiedene Ordner verlegt, abgespielt oder gelöscht werden. Die Kamera ist mit zwei Akkus samt Ladegerät ausgestattet (eine Batterie soll 40 Minuten vorhalten und in 100 Minuten wieder aufgeladen sein). Dateien können auf jeden PowerPC-Mac überspielt werden, der mit System 7.5 und 10 MB freiem RAM aufwarten kann; dabei kann entweder die SCSI-Buchse oder eine PC Card vom Typ III verwendet werden. In voller Ausstattung mit Batterie und PC Card wiegt die Kamera etwa 550 g.
Rob Burr, verantwortlich für Hitachis MPEG-Cam-Webseiten, beschreibt die Kamera so: "Die MPEG Cam ist die Geheimwaffe des Multimedia-Webmasters. Ich habe sie kürzlich benutzt, um 1.024 Bilder und etliche VRML-Movies für eine Web-Site über die Insel Providenciales, die zu den Turks und Caicos Islands gehört, aufzunehmen. Die Kosten für herkömmlichen Film, Entwicklung und Scannen für Photo CDs wären bei diesem Auftrag auf mehr als 4.000 Dollar gekommen."
Zwar rückt ein empfohlener Verkaufspreis von 2.400 US$ die MPEG Cam außerhalb der Reichweite der meisten Konsumenten, aber diejenigen, die beruflich mit Fotos oder Filmen zu tun haben (und besonders, wenn sie Web-Sites mit hoher Aktualität betreuen), werden die Kamera unverzichtbar finden. Ich freue mich, daß Hitachi eine Mac-Version des Geräts herausgebracht hat und heiße die Firma als neuen Sponsor der TidBITS willkommen.
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Die Boston Macworld Expo kann man mit viele Absichten besuchen; eine der wichtigsten ist die, ausgefallenes Computerzubehör zu kaufen.
<http://www.mha.com/macworld/mwbos97/index.html>
Adam und ich haben im Lauf der Jahre schon unseren Teil an nützlichen und unnützen Dingen gekauft und wir wollen hier etwas dazu sagen. Meistens haben wir Hilfsmittel gekauft, die zur Vorbeugung und Erleichterung des Repetitive-Stress-Syndroms [repetitive stress injuries - kurz RSI, --WJF] dienen können. Adam und ich sind zwar im Moment davon frei, aber wir hatten beide schon unser Maß an Carpal-Tunnel-Syndrom und Sehnenscheidenentzündung.
Was auf der Hand liegt -- Adam hat unsere erste Expo-Anschaffung überhaupt gemacht - ein Paar fingerlose Handeze-Handschuhe, die aus einem dehnbaren Material gefertigt sind. Der Hersteller verspricht den Benutzern Stützung, Durchblutung und Massage der Hände. Wie Adam in TidBITS-199 beschreibt, haben die Handschuhe sein Carpal-Tunnel-Syndrom gebessert und ihm ermöglicht, den Abgabetermin für die erste Auflage des Internet Starter Kit for Macintosh einzuhalten. In der Folge hat mein eigenes Paar meine Sehnenscheidenentzündung sehr erleichtert. Damals waren Handeze-Hendschuhe neu in der Computer-Szene, inzwischen sind sie schon weit verbreitet und den Kaufpreis von 20 US$ waren sie in jedem Fall wert. Wenn Sie auch ein Paar haben wollen, besuchen Sie die Web-Site eines Distributors des Produkts (wo auch Hinweise zu den Größen zu finden sind) oder benutzen Sie unsere bevorzugte Quelle, unseren Sponsor APS. APS Technologies -- <sales@apstech.com>
<http://www.handeze.com/>
<http://www.apstech.com/>
Ein Ruheplatz für die Müden
-- Ein wenig später hat Adam einen Comfort Point gekauft, eine bewegliche
Handgelenks-Auflage, die mit Velcro-Streifen an einer Maus oder einem Trackball
befestigt wird. Diese Vorrichtung bettet Ihr Handgelenk in eine gepolsterte,
geschwungene Plattform (ein "contour paddle"), die in mehreren Positionen fixiert
werden kann. Das Prinzip des Comfort Point besteht darin, daß die Steuerung
der Maus über die Finger oder den Arm, aber nicht über Bewegungen des
Handgelenks erfolgt. Adam und ich haben immer noch gelegentlich leichte RSI-Symptome,
aber wir fanden das Ding beide letztlich nicht überzeugend; es belegt viel
Platz am Tisch und erschwert die Bewegung zwischen Maus und Tastatur. Dennoch ist
es für 20 Dollar (Expo-Spezialpreis) einen Versuch wert.
Comfort Point -- 001 310 305 8931 -- 001 310 305 8731 (fax)
-- <orders@comfortpoint.com>
<http://www.comfortpoint.com/>
Unter Bedeckung -- Glänzende Gegenstände haben mich immer schon besonders angezogen. Ich konnte nicht widerstehen, 5 Dollar für eine durchscheinende, purpurfarbene Maushülle auszugeben. Sie schmiegt sich an die Seiten meiner Maus an und hat für das Kabel ein Loch. Über der Handflächenauflage hat die Hülle erhöhte Rippen, über der Maustaste kleine Nippel, die beide die Blutzirkulation anregen und präzisere Bedienung ermöglichen sollen. Das konnte ich zwar nicht beobachten, aber meine Ausgabe habe ich mit dem hübschen Aussehen des Dings schon wieder eingespielt. Die Anbieterfirma weiß ich leider nicht mehr.
In puncto Tastatur Schritt halten -- Was mich immer wieder ärgert, ist, daß erweiterte Tastaturen nach rechts erweitert sind und deshalb einen Rechtshänder dazu zwingen, die Hand noch ein wenig weiter nach der Maus auszustrecken. Mir wäre es lieber, die Pfeiltasten und den Ziffernblock links zu haben und dafür die Maus für die rechte Hand näher. Auf der Macworld Expo im Januar 1996 habe ich eine Tastatur gesucht, die diesen Anforderungen entspricht, und eine solche mit dem Datadesk TrackBoard auch gefunden. Das TrackBoard hat nicht nur hübsche violette Funktionstasten, sondern auch einen Trackball auf der rechten Seite, an genau der Stelle, wo er hingehört. Ich habe das TrackBoard hocherfreut bestellt, zusammen mit einer numerischen Zusatztastatur. Die Lieferung traf auch prompt ein, mußte aber bald ausgetauscht werden: Trotz eingehender Fehlersuche funktionierten Geräte am ADB-Bus nach einem Neustart oft nicht und wenn ich es doch schaffte, neigte der Trackball dazu, hängenzubleiben und den Mauszeiger nur noch in einer Richtung bewegen zu lassen.
Leider begann sich die neue Tastatur nach ein paar Wochen gleich zu benehmen wie die alte. Da ich von der vierten Auflage des Internet Starter Kit for Macintosh völlig in Anspruch genommen war, verbrachte das zweite TrackBoard sechs Monate auf dem Boden neben dem ersten, das ich nie zurückgeschickt hatte. Ich habe dann doch Datadesk kontaktiert, wo man über die sechs Monate nicht verstimmt war und mir versprach, einen weiteren Versuch zu machen. Ich schickte beide Tastaturen zurück und erhielt eine dritte. Ich schloß sie an und sie funktionierte tadellos. Ich bekam aber umgehend Sehnenscheidenentzündung. Ich habe die Tastatur wieder aus dem Verkehr gezogen, werde sie aber gelegentlich wieder probieren. In der Zwischenzeit ist die Zahl unserer Macs gestiegen und das TrackBoard hängt am Power Mac 7100, auf dem unsere Suchmaschine läuft. Datadesk -- 001 206 842 5480 -- 001 206 842 9219 (fax)
Kleiner als eine Brotbüchse
-- Der Nada-Chair ist ein textiles Objekt, das sich zu einem kleinen Bündel
zusammenrollen läßt, auseinandergefaltet aber zu einem tragbaren Stuhl
wird. Adam hat ihn für mich gekauft, weil er dachte, er könnte mir Linderung
bei meinen Kreuzschmerzen bringen. Mir waren aber die Bänder, mit denen er
befestigt wird, zu kompliziert zu bedienen und ich habe das Stück dann nicht
mehr verwendet. Beim Sitzen war der Stuhl angenehm, aber wenn ich aufstand, mußte
ich den Stuhl abnehmen oder ihn an seinen Bändern nachziehen. Wenn wir öfter
Sport- oder Konzertereignisse im Freien besuchten, würde ich ihn benutzen. Unser
TidBITS-Redakteur Matt Neuburg besitzt auch einen Nada-Chair; er findet, es sei die
Arbeit wert, aus dem Stuhl heraus und in ihn hineinzukommen.
Nada-Concepts -- 001 612 644 4466 -- 001 612 644 4488 (fax)
-- <info@nadachair.com>
Zum Einsacken
-- Adams neueste Anschaffung war eine große PowerBook-Tasche von Tenba mit
zusätzlichen Gurten wie bei einem Rucksack. Adam wollte eine Tasche für
ein PowerBook und unsere QuickTake-Kamera samt einem Haufen von Kabeln und Netzteilen.
Außerdem dachte er, die Rückengurte könnten bei schnellen Spurts auf
Flughäfen von Nutzen sein - er hatte recht. Die Tasche war ein voller Erfolg.
Tenba -- 001 212 966 1013 -- 001 212 334 0841 (fax)
-- <tenba@tiac.net>
Größer als eine Brotbüchse -- Im letzten Sommer nahm ich Abschied von meiner Vorstellung, Möbel sollten in der Regel unter 100 Dollar kosten. Es war an der Zeit, einen teuren, super-ergonomischen Schreibtischstuhl zu kaufen. Da mir auf der Macworld Expo oft die Füße weh tun, wollte ich dort nach einem Stuhl suchen und ausgiebig probesitzen.
Ich geriet auf den Stand von ZACKBACK International und kaufte dort später einen verstellbaren ZACKBACK-Stuhl in der Farbe "Seashore". Dieser Sessel (er kostet zwischen 700 und 800 Dollar) stützt die Wirbelsäule knapp unterhalb der Schultern und im Bereich des Kreuzbeins, nicht wie sonst üblich im Lendenbereich. Da ich immer schon Lendenwirbelstützen so weit wie möglich nach unten geschoben habe, wo sie mir angenehmer waren, fand ich das ZACKBACK-Konzept gleich interessant.
Durch die Unterstützung der Brust- und Kreuzbein-Abschnitte der Wirbelsäule bringt der ZACKBACK Sie beim Sitzen in eine Position, die laut Dennis Zacharkow, dem Schöpfer des Stuhls, die beste Sitzhaltung ist - gerade und offen, die Körperflüssigkeiten können frei fließen und keinerlei Nerven werden gequetscht. Als mein Stuhl eintraf, waren einige einfache Handgriffe beim Zusammenbau nötig und dann mußte er angepaßt werden, was nicht ohne Helfer möglich war (ich konnte ja nicht gleichzeitig im Stuhl sitzen und ihn verstellen). Damit war der Sessel perfekt auf mich abgestimmt - Adam, der viel größer ist, findet es fast unmöglich, darin zu sitzen.
Vor einige Jahren habe ich ein Peitschenschlag-Syndrom [auch "Schleudertrauma", --WJF]
erlitten und ich schätze besonders die Position, in die der Stuhl meinen Hals
bringt. Der ZACKBACK hat weder das Peitschenschlag-Syndrom noch meine RSI-Probleme
beseitigt, aber ich kann darin längere Zeit bequem sitzen als in jedem anderen
Schreibtischsessel, oft sitze ich jedenfalls länger, als ich sollte.
ZACKBACK International -- 001 507 252 9293 -- 001 507 252 5150 (fax)
-- <zmail@zackback.com>
Planen und warten -- Angesichts des Angebots auf einer Messe wie der Macworld Expo können Besucher leicht ihre Budgets überschreiten. Wenn Sie nicht viel zu viel Geld haben, empfehle ich Ihnen eine zweistufige Vorgangsweise - planen und warten.
Erstellen Sie zuerst einen Ausgabenplan. Gehen Sie auf die Show mit einem klaren Blick auf den Betrag, den Sie sich leisten können. Überlegen Sie, welche Produkte in Frage kommen, auf der Messe gekauft (oder auch nur ausprobiert) zu werden und welche leichter später auf einem anderen Weg angeschaftt werden können. Wenn Ihre Analyse ergibt, daß Sie und Ihr Geld dazu neigen, leicht getrennte Wege zu gehen, lassen Sie eventuell Ihr Scheckbuch und Ihre Kreditkarten zu Hause (oder im Hotel), wenn Sie auf die Show gehen. Die meisten Sonderangebote sind auch noch einige Tage nach der Messe zu haben, viele Spezialpreise können auch mit Bestellcoupons in Prospekten wahrgenommen werden.
Wenn Sie auf der Messe ein Produkt begutachten, planen Sie weiter. Überlegen Sie, wie Sie das Produkt in Ihrem alltäglichen Leben benutzen. Der Nada-Chair etwa wäre nützlich, wenn ich lange Zeit stillsäße, aber ich bewege mich sehr viel. Bei Software sind Kompatibilität und RAM-Anforderungen einen Gedanken vor dem Kauf wert. Lassen Sie sich nicht vom Glanz eines Produkts verführen (wie etwa einem Buch über Java), ohne daran zu denken, ob Sie auch die Zeit haben werden, es zu benutzen.
Nach der Planungsphase kommt die Zeit des Wartens. Warten Sie bis zum Ende des Tages, ehe Sie irgendetwas kaufen, das größer als eine CD-ROM ist. Warten bedeutet, daß Sie Zeit haben, Impulskäufe noch einmal zu überdenken und Sie müssen außerdem Ihre Anschaffungen nicht den ganzen Tag herumschleppen. Viele Anbieter sind auch gerne bereit, Ihnen die gekauften Produkte nach Hause zu senden. Wenn Sie bis zum letzten Tag der Show warten, erleben Sie oft noch einmal gesenkte Preise. Noch besser: Warten Sie bis nach der Messe. Ich schlage ihnen nicht vor, einmalige Chancen vorbeigehen zu lassen, aber wenn es keine unbedingte Notwendigkeit für einen Kauf gibt, warten Sie. Bis dann kann auch ein eventueller Fehler eines Produkts schon behoben sein.
von Tonya Engst <tonya@tidbits.com>
[Übersetzung: Heike Kurtz]
Haben Sie schon einmal ein Buch aus der Sesamstraße-Reihe gesehen, in dem Grover (ein Monster mit blauem Fell) nicht will, daß der Leser die Seite umblättert, weil "am Ende des Buchs ein Monster wartet"? Nun, wir sind fast am Ende dieser Artikelserie angekommen. Hier wartet zwar kein Monster, aber es sind noch zwei Programme übrig - eines davon kommt mir tatsächlich wie ein riesiges, wolliges Etwas vor.
Zunächst muß ich jedoch etwas richtigstellen: Gordon Meyer <grmeyer@ricochet.net> schrieb zu CyberStudio (getestet in TidBITS-387 und TidBITS-390): "Es ist durchaus möglich, externe Links zu testen und das klappt prima. Eine weitere nette Funktion prüft neue externe Links sofort, wenn man sie hinzufügt. Wenn etwas damit nicht stimmt, erscheint ein grünes Fehlersymbol im Projekt-Fenster."
Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit Microsoft FrontPage 1.0 und NetObjects Fusion 2.0. In bezug auf die Funktionen vergleicht man FrontPage am besten mit Adobe PageMill/SiteMill - mit einem Listenpreis von 149 Dollar (40 $ Rabatt für Kunden, die bestimmte Microsoft- oder Adobe-Produkte schon besitzen) rangiert es auch in der gleichen Preiskategorie. Fusion (das Wollmammut-Programm) kostet mehr: 495 Dollar.
<http://www.microsoft.com/frontpage/>
<http://www.netobjects.com/>
Die Installation von FrontPage -- FrontPage ist gegen meinen Mac allergisch. Nach der ersten Installation konnte ich die Online-Hilfe nicht aufrufen; in Sites, die ich auf meiner lokalen Festplatte anlegte, ging der gesamte Body-Text verloren oder es tauchte irgendwelcher Text-Müll in der Datei auf. Außerdem konnte ich keine Verbindung zu meinem FTP-Server aufbauen (das scheint bei NetPresenz ein weit verbreitetes Problem zu sein, obwohl es das meistgenutzte Macintosh-FTP-Serverprogramm ist).
Mein Anruf bei der Microsoft-Hotline brachte die Erkenntnis, daß meine Erfahrungen ganz und gar atypisch seien und zog eine lange Reihe von Neuinstallationen und manueller Entfernung von Software nach sich (ca. 15 Dateien mußten aus dem Systemordner entfernt werden). Nach der Neuinstallation können mein Mac und FrontPage einander immer noch nicht leiden, aber die Probleme haben sich leicht verändert. Angesichts des nahenden Abgabetermins für diesen Artikel habe ich dann beschlossen, eine Besprechung des Programms zusammenzuschustern, aber daß FrontPage nicht richtig arbeitet, hindert mich natürlich daran, es ausgiebig zu testen.
Abgesehen von meinen ganz persönlichen schlechten Erfahrungen leidet die Funktionalität von FrontPage unter zwei allgemeinen Problemen: Auf meinem PowerMac 7600 mit 604er Prozessor quält es sich sehr langsam voran und die Wartezeiten sind schon fast unannehmbar. In der Pressemitteilung zu dem Programm schreibt Microsoft, FrontPage sei "optimiert für" alle Power Macintosh ab System 7.5.3 mit 16 MB freiem Arbeitsspeicher (24 MB empfohlen), 30 MB Festplattenspeicher und einem CD-ROM-Laufwerk.
Das zweite Problem: Wenn Sie die bestmöglichen Ergebnisse erzielen wollen, muß Ihre Site auf einem Server laufen, der mit den FrontPage Server Extensions arbeitet - und das sind genau die Funktionen, die FrontPage interessant machen könnten. Sie kreisen um das Live Editing, das so ähnlich aussieht wie das von AOLpress (vgl. TidBITS-386), flexible Uploads, die nur den Teil einer Site auf den Server laden, der geändert wurde, die Möglichkeit, mit anderen zusammen an einer Web Site zu arbeiten - mit Zugriffsberechtigungen für einzelnen Seiten und einer gemeinsamen Aufgabenliste und der Möglichkeit der Nutzung von FrontPages WebBots (auch "bots"), die die endgültige Verarbeitung von Funktionen wie z. B. Formularen oder Elementen übernehmen, die nur zu bestimmten Zeiten erscheinen. (Nicht alle "bots" brauchen die FrontPage Server Extensions: wichtige Funktionen, wie z. B. automatisch erzeugte Inhaltsverzeichnisse und "Includes" (wo sich wiederholende Elemente einer Site nur einmal geändert werden müssen und nicht überall dort, wo sie auftauchen), arbeiten auch lokal.
Leider hat Microsoft seine FrontPage Server Extensions für kein einziges Mac-Serverprogramm herausgebracht - und wenn Ihr Internet Provider einen Windows- oder Unix-Server betreibt, sollten Sie ihn fragen, ob er die FrontPage Server Extensions installiert hat. Ich habe Microsoft zwar gebeten, mir einen zeitlich begrenzten Account auf einem Server zu geben, der die Extensions hat, aber leider war die Firma nicht in der Lage, dies rechtzeitig zu tun.
FrontPage erforschen -- Wie die Kombination PageMill/SiteMill von Adobe enthält FrontPage zwei Programme: Editor und Explorer. Explorer kontrolliert die Sites und bietet eine Ordner-Ansicht mit ähnlichen Funktionen wie z. B. das Site-Diagramm in SiteMill. In der Hyperlink-Ansicht kann man links ein Dokument im Diagramm anklicken und sieht dann auf der rechten Seite ein Schema mit den Links zu und von der Seite (mein Mac zeigt allerdings nur die Links, die von der Seite weg führen - ebenso der Screenshot im Handbuch). GoLive CyberStudio hat auch eine ähnliche Ansichtsoption, aber dort kann man eine Datei im Diagramm anklicken, um den Ausschnitt zu vergrößern und auf diese Weise durch die Site navigieren. FrontPage kann relative und externe Links prüfen und reparieren - die Überprüfung der externen Links läuft schön im Hintergrund.
Explorer verfügt außerdem über eine Rechtschreibprüfung, die auch mehrere Dateien prüfen kann und eine einfache Suchfunktion, die ebenfalls in mehreren Dateien sucht. (Editor kann auch suchen und ersetzen). Bei beiden muß man die gesamte Site (oder Teile davon) durchgehen und dann aus einer Liste mit Seiten, in denen ein Rechtschreibfehler oder der angegebene Text gefunden wurde, Seiten zu einer Aufgabenliste hinzufügen oder jeweils individuelle Korrekturen vornehmen. Diese Methode, bei der die einzelnen Dateien nacheinander durchgearbeitet werden, ist unheimlich langsam.
Der Editor - ein schlichter Charakter -- Er ist vergleichbar mit anderen layoutorientierten Programmen wie z.B. Home Page, PageMill oder Visual Page (vgl. TidBITS-386), wobei diese drei Programme sich ziemlich ähneln - FrontPage sieht ein bißchen anders aus. Die meisten Formatieroptionen werden mit modalen Dialogboxen gesteuert, nicht über Paletten oder "Inspector"-Fensterchen. Bei FrontPages Schneckentempo ist das allerdings ziemlich lästig. Außerdem ist die "drag & drop"-Funktion stark eingeschränkt. Man kann z. B. die Größe von Zellen in Tabellen nicht durch Ziehen mit der Maus vergrößern oder verkleinern. FrontPage kann auch Dateien, die aus dem Finder in die zu bearbeitende Seite hineingezogen werden, nicht bearbeiten (aus dem Explorer funktioniert das, aber sehr langsam). Des weiteren gibt es keinen Vorschau-Modus und die HTML-Ansicht ist die schlechteste von allen getesteten Programmen.
Angesichts Microsofts jahrelanger Erfahrung mit Word war ich enttäuscht, daß dem Editor viele allgemein bekannte Tastenkürzel zum Bewegen der Einfügemarke fehlen - außerdem werden beim Verschieben eines Wortes zwischen zwei andere Wörter keine zusätzlichen Leerzeichen automatisch eingefügt (Visual Page und PageMill haben das gleiche Problem bei drag & drop). Vorteilhaft ist die Tatsache, daß man in FrontPage mehrere aufeinanderfolgende Schritte rückgängig machen kann.
Man merkt, daß Microsoft viel Erfahrung mit Tabellen hat. Es ist kein Problem, in jedem beliebigen Teil der Tabelle jede gewünschte Anzahl von Reihen und Spalten hinzuzufügen oder zu löschen und mit einer kleinen Mausbewegung hat man schnell eine Reihe oder Spalte ausgewählt. Auch können Textformate wie "strong" (der Befehl "fett" wird automatisch in einen entsprechenden HTML-Tag umgewandelt!) und Zellformate (wie z. B. Hintergrundfarbe) einigen (aber nicht jeder möglichen) Gruppen von Zellen zugewiesen werden. (Diese Schlüsselfunktion findet man auch in Visual Page und eingeschränkt in PageMill, aber nur zum Teil in CyberStudio und in Home Page gar nicht). Das Arbeiten mit Tabellen könnte fast perfekt sein, wenn man die Größe der Tabellenelemente durch Ziehen verändern könnte und die Dialogboxen, die sich auf die Tabelle beziehen, nicht ständig Eingaben erzwängen. FrontPage unterstützt auch Image Maps und Frames. Ein Frameset wird durch eine flexible Hilfsfunktion hinzugefügt; ich kann allerdings leider nicht feststellen, ob Seiten innerhalb der Rahmen eines Framesets angezeigt werden.
Vorwärts mit Fusion -- Genau wie FrontPage benötigt auch Fusion einen Mac mit PowerPC-Prozessor. Es braucht mindestens System 7.1.2, 16 MB freien Arbeitsspeicher, 20 MB Festplattenspeicher (80 MB empfohlen), einen 8-Bit-Farbmonitor mit einer Auflösung von 800 x 600 dpi und ein CD-ROM-Laufwerk. Fusion gibt es auch für Windows - das sieht man der Benutzeroberfläche an manchen Stellen an, obwohl sie ziemlich einzigartig ist. Von allen Programmen, die ich bis jetzt ausprobiert habe - möglicherweise mit Ausnahmen von Frontier - war Fusion am schwersten zu lernen.
Fusion besteht aus mehreren Modulen, zwischen denen man mit einer Werkzeugleiste hin und her wechselt. Zum Entwerfen einer Site braucht man das Site-Modul. Wie erwartet, gibt es ein Diagramm, das so ähnlich funktioniert wie das in SiteMill und FrontPage. Auch eine Ansicht, die wie ein Organigramm aussieht, ist im Angebot. Man benutzt diese Ansichten, um leere Seiten zu erstellen und so schnell die Struktur einer Site zu entwerfen. Es gibt auch ein separates Modul zum "Publizieren" einer fertigen Site, d. h. um sie auf einem Server abzulegen.
Das Seiten-Modul enthält verschiedene Funktionen zum Erstellen von Web-Seiten, die alle mehr oder weniger durchschnittlich sind - bis auf ein paar Highlights. Besonders das pixelgenaue Layout ist die Super-Funktion in Fusion. Damit kann man die Elemente einer Seite wie in einem DTP-Programm auf einer Seite plazieren. Komischerweise können aber keine Objekte aus dem Finder hereingezogen werden. Manche Designer werden das pixelgenaue Layout als die coolste Sache seit den Brotscheiben der Flying Toasters betrachten, andere werden sich dadurch gehemmt fühlen, denn man kann die Funktion nicht abschalten (wie in CyberStudio) und sie verwandelt Web-Seiten in Ansammlungen von Tabellen-Tags.
Eine weitere tolle Funktion sind die "Master Borders". Wenn man beginnt, an einer Web-Site zu arbeiten, hat jede Seite einen solchen Rahmen am äußeren Rand. Wenn man nun auf irgend einer Seite etwas innerhalb des Rahmens ändert, wird diese Änderung automatisch auf alle andere Seiten, die den gleichen Rahmen haben, übertragen. Man kann auch einen neuen Rahmen erzeugen und ihm eine bestimmte Anzahl von Seiten zuweisen - dann ändern sich nur diese Seiten parallel zueinander. Auf diese Weise kann man z. B. sehr einfach Menüleisten einfügen, die sehr viel Zeit sparen - sie sind allerdings schwierig zu gestalten, wenn die Links nicht der logischen Hierarchie folgen, die im Site-Modul festgelegt wurde, oder wenn sie innerhalb einer Site unerwartete Sprünge machen.
Kombinieren Sie die Master Borders mit den automatischen Navigationsleisten aus der AutoFrames-Funktion und Sie werden sich wie im Siebten Himmel für Webmaster vorkommen - AutoFrames wandelt die Site (oder den Teil der Site) automatisch in ein Frameset mit zentralen Layout-Teilen (innerhalb des Master-Rahmens) um und die Ränder der Seiten werden (auf Wunsch) zu separaten Seiten mit Rahmen.
Was Fusion fehlt, sind Funktionen, die die Arbeit von mehreren Leuten an einer Site erleichtern, aber wichtige Funktionen sind enthalten, wie z. B. eine Prüfung externer Links, Rechtschreibprüfung und Extras wie JavaScripts, die Tasten einfügen, die hervorgehoben werden, wenn man mit der Maus darüberfährt.
Wenn Sie innerhalb von ein paar Tagen eine Site aus dem Boden stampfen müssen und keine Zeit haben, HTML zu lernen, sollten Sie Fusion in Erwägung ziehen. Es scheint auch ein gutes Programm zu sein, wenn man schnell verschiedene Layouts ausprobieren möchte (man kann schnell zwischen 50 vorgegebenen Style Sheets wählen, ein bestehendes Layout verändern oder sein eigenes entwerfen). Ich denke, es ist ein wunderbares Programm für Firmen, die Web Seiten entwerfen und ihren Kunden verschiedene Entwürfe von Sites vorstellen, die dann nach den jeweiligen Wünschen geändert werden müssen.
DealBITS Discount -- Cyberian Outpost verkauft FrontPage für 134,95 Dollar an TidBITS-Leser (das sind 5 $ weniger als der reguläre Preis) und Fusion für 469,95 Dollar (ein Rabatt von 8 $, das Programm kostet dort sonst 477,95 $).
<http://www.tidbits.com/products/front-page.html>
<http://www.tidbits.com/products/fusion.html>
Empfehlungen und Favoriten -- Ich persönlich mag PageSpinner, BBEdit, Visual Page und CyberStudio. Frontier ist wohl eine gute Sache für Leute, die anspruchsvolle und flexible Sites brauchen - obwohl man mit dem richtigen Fachwissen auch aus HyperCard und SuperCard Systeme mit ähnlichen Funktionen "zaubern" kann. PageSpinner und Home Page sind die besten Programme für Neulinge und PageMill wird immer besser, besonders für Leute, die bereits mit Adobe-Produkten arbeiten oder Site Management für wenig Geld suchen. FrontPage ist unverhältnismäßig langsam, wenn jedoch irgendwann eine schnellere Version herauskommt würde ich es all denen empfehlen, die gerne mit Microsoft-Produkten arbeiten. Fusion kostet eine Menge und ist wohl für ein Publikum gedacht, das (zumindest weitgehend) für die gebotene Funktionsvielfalt gerne bereit ist, diesen Preis zu zahlen.
Was schließen wir daraus? -- Es gibt keine Web Publishing Software, die für alle geeignet ist. Sites wie TidBITS, wo manche Seiten jahrelang gleich bleiben, brauchen ganz andere Software als Sites, deren Seiten nach ein paar Monaten ersetzt werden. Wenn Sites immer größer werden, brauchen sie außerdem oft Datenbankanbindungen oder automatisierte Funktionen - und somit skriptfähige Software.
Die besten Lösungen bleiben die, die aus ein paar textorientierten und layoutorientierten Editoren sowie Dienstprogrammen und Konvertierern zusammengestellt sind. Ich glaube fest daran, daß die erste Firma, die ein skriptfähiges Site-Management-Programm auf den Markt bringt, das sich mit den meisten HTML-Editoren versteht, das sich nur mit Text beschäftigt, wenn eine Rechtschreibprüfung läuft oder Links aktualisiert werden, und das jede Menge sorgfältig konzipierter Funktionen zum Upload, Download, für Sites die von mehreren Personen bearbeitet werden oder zur Synchronisation von Sites enthält, ein gutes Geschäft machen wird.
Ich habe erlebt, wie Schreibtischprogramme zu mit Funktionen überladenen Dinosauriern wurden und ich glaube, das liegt daran, daß die meisten Gewinne über Site-Lizenzen fließen, die an große Firmen vergeben werden. Eine große Firma braucht kein besonders gutes Programm, sondern eines, das viele Funktionen enthält, so daß verschiedene Benutzer damit zurechtkommen. Das unterstützt natürlich die mittelmäßigen Programme, denn man kann ein Programm nicht besonders gut machen und gleichzeitig tausende Funktionen hinzufügen. Es bleibt abzuwarten, ob alle Web-Publishing-Programme sich in diese Richtung entwickeln, aber die Vorstellung, daß ein einziges Programm für die meisten Sites geeignet sein könnte, ist lächerlich. Ich hoffe, daß es in Zukunft mehr sorgfältig entworfene Anwendungen geben wird, die - obwohl sie nicht alle Probleme beim Web Publishing lösen können - gut mit anderen Programmen zusammenarbeiten, so daß man Software je nach Bedarf einzeln kaufen und kombinieren kann.
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE].
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Heike Kurtz [HK].
Copyright and address info
TidBITS Home Page
Vorhergehende Ausgabe
Nächste Ausgabe
Frühere Ausgaben der TidBITS können unter folgendem Web-URL durchsucht werden:
<http://www.tidbits.com/search/>