Wie betreibe ich PC-Software auf dem Mac? Diese Woche bringen wir eine Besprechung von Virtual PC, mit dem Connectix das Feld der PC-Emulation betritt. Wir setzen auch unsere Berichterstattung zur Lizenzierung von Mac-Clones fort - wir bringen Neuigkeiten über Motorolas Pläne, die Clone-Produktion aufzugeben -, erwähnen einen neuen Konverter für Word-Benutzer, die auf Word-97/98-Dokumente zugreifen müssen, und geben einen heiteren Einblick in das Kuriositätenkabinett der Mac-Shareware.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#397/15-Sep-97.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-397.html>
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
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[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
TidBITS Updates -- Die rasche Abfolge wichtiger Neuigkeiten in Zusammenhang mit der Lizenzierung von Mac-Clones hat uns veranlaßt, im Web ein Projekt zu starten, das wir schon seit einiger Zeit erwägen. Wenn nach dem Erscheinen einer Ausgabe der TidBITS noch wichtige Neuigkeiten hereinkommen (wie das in den vergangenen Wochen der Fall war), liefern wir eine Kurzfassung davon auf unserer Seite "TidBITS Updates", mit den Überschriften auf unserer Home Page. Wir planen auch die Ankündigungen wichtiger Software-Versionen, gelegentliche Leserbriefe und Informationen über andere geeignete Themen auf diesem Wege aktuell weiterzugeben. Wie auch die TidBITS werden sich auch die TidBITS-Updates auf die wichtigsten News konzentrieren. Wir vervollstŠndigen gerade unsere internen Strukturen für die Updates, daher benutzen Sie bitte unsere Home Page, um auf die Updates zuzugreifen. [ACE]
[Anmerkung zu den deutschsprachigen TidBITS: Derzeit können wir die TidBITS-Updates nicht in der Weise laufend übertragen, wie wir es mit den TidBITS-Ausgaben tun. Wir werden aber fallweise Meldungen in die MailBITS der jeweils in Arbeit befindlichen Ausgabe übernehmen. --WJF]
Import-Utility für Dateien von Word 97-98 -- Vor einige Tagen hat Microsoft angekündigt, daß Office 98 für den Mac zum Jahresende erscheinen werde, und - eher von aktuellem Interesse - eine Betaversion des Word 97-98 Import Converter herausgebracht. Die Benutzer von Macintosh Word 5 und 6 können den Konverter verwenden, um das Format von Word 97-98 zu lesen, das von Word for Windows 97, dem kommenden Word for Windows 98 und von Word for Macintosh 98 benutzt wird. Der Importer ist als 1,4 MB große Datei zum Herunterladen auf der Microsoft-Web-Site verfügbar. Laut einer Quelle bei Microsoft wird das Produkt auch noch eine Weile im Betastadium bleiben. Falls Sie öfters mit Benutzern von Word 97 zu tun haben, die ihre Dokumente nicht für Sie in Word-5- oder Word-6-Format abspeichern, kann Ihnen der Konverter vielleicht helfen. Lesen Sie aber in jedem Fall die Liste bekannter Probleme in der Read-Me-Datei durch. Die Installationsroutine installiert den Importer (unter der Bezeichnung 97-98 Import version 97081800), einige neue Grafik-Filter (JPEG, PNG und Metafile) und einen Batch-Konverter. Die Software erfordert mindestens einen 68020-Macintosh.
<http://www.microsoft.com/MacOffice/ProdInfo/Office/CoExist.htm>
In der Ankündigung von Office 98 hat Microsoft angemerkt, daß Office 98 nur auf Power Macs laufen wird und selbstreparierend sein wird - das heißt, falls ein User ungewollt eine der zahlreichen shared libraries von Office 98 entfernt, legt die Software automatisch eine neue an. [TJE]
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Heike Kurtz]
In einigen meiner früheren Artikel habe ich die Situation der Lizenzvergabe an Clone-Hersteller recht ungläubig kommentiert. Trotzdem hat Apple getan, was ich damals für unwahrscheinlich hielt - nämlich mindestens zwei Hauptakteure im Clone-Geschäft von der Bildfläche entfernt. Vor zwei Wochen hat Apple die Mac-Abteilung von Power Computing gekauft (inklusive der Mac-OS-Lizenz) und in der vergangenen Woche hat Motorola angekündigt, das Geschäft mit Mac-OS-Clones nicht fortzusetzen. Motorola wird die StarMax-Systeme noch bis Ende 1997 verkaufen und danach allen Kunden noch volle Garantie und technische Unterstützung bieten - alle bestehenden und neuen StarMax-Kunden bekommen außerdem ein ganzes Jahr kostenlosen Telefonsupport anstatt der bisher üblichen 90 Tage.
<http://www.mot.com/GSS/MCG/new/press_rel/pr970911.html>
<http://www.mot.com/GSS/MCG/starmax/html/qna.html>
Wie auch bei Power Computing scheint die Höhe der an Apple gezahlten Lizenzgebühr nicht das Hauptproblem darzustellen. Motorola war bekanntlich bereit, eine höhere Lizenzgebühr zu bezahlen, aber laut der Nachrichtenagentur Reuters "war Apple nicht bereit, die Designs herauszugeben, die Clone-Hersteller benötigt hätten, um Systeme zu entwickeln, die auf der Common Hardware Reference Platform (CHRP) basieren." Ich vermute, das bedeutet, daß Apple nicht bereit war, Motorola eine Mac-OS-Lizenz für CHRP zu geben, denn UMAX hat sich schließlich erfolgreich mit Apple auf eine Lizenz für das Mac OS 8 geeinigt - für Computer ohne CHRP Motherboard Designs.
Was ist mit den Lizenznehmern der Lizenznehmer? -- Motorola vergibt die MacOS-Lizenz weiter an andere Firmen - auch an den TidBITS-Sponsor APS. Paul McGraw von APS schrieb:
"Obwohl es unvermeidlich schien, wenn man die momentane Haltung bei Apple Computer zum Thema Lizenzvergabe bedenkt, finden wir die Entscheidung der Motorola Computer Group (MCG), das Programm der Mac-OS-kompatiblen Rechner einzustellen, sehr enttäuschend. Die Entscheidung schadet dem gesamten Markt und besonders den Unter-Lizenznehmern. Wir werden aufgrund dessen in den nächsten Monaten schwierige Entscheidungen zu treffen haben. Zumindest hätten wir gehofft, daß die MCG sich verpflichtet gefühlt hätte, ihren eigenen Lizenznehmern diese Entscheidung mitzuteilen, bevor sie damit an die Öffentlichkeit gegangen ist. Die Tatsache, daß sie dies nicht tat, bestätigt leider die Qualität der Zusammenarbeit zwischen der MCG und ihren Lizenznehmern."
Quellen aus der Industrie behaupten, IBM habe ebenfalls entschieden, das Mac-OS-Geschäft einzustellen. IBM hat zwar nie einen Macintosh-Clone gebaut, half aber bei der Entwicklung des PowerBook 2400 und wartete dem Vernehmen nach nur darauf, daß Apple CHRP- und Portable-Designs zertifiziert, um dann selbst Macintosh-Clones herzustellen. Außerdem hat IBM eine Mac-OS-Lizenz an die Firmen Tatung in Taiwan und Akia in Japan vergeben. Beide hatten CHRP-Macs hergestellt, die auf IBMs CHRP-Designs basierten.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt, denn die bestehenden Lizenzvereinbarungen gelten immer noch. Motorola hat noch keine endgültige Entscheidung darüber getroffen, ob man Apple verklagen will. Man sagt, daß es Motorola 140 Millionen Dollar gekostet habe, in die Mac-Clone-Produktion einzusteigen und es koste wiederum 95 Millionen Dollar, damit aufzuhören - ich glaube schon, daß die Firma versuchen wird, den finanziellen Schaden zu begrenzen. Der Verlust bei IBM ist nicht so hoch, denn man hat nie Clones gebaut, aber die Situation der Unter-Lizenznehmer ist natürlich schwierig und wird noch wochenlang für Spannung sorgen. Laut einem Bericht von MacInTouch wird PowerTools weiterhin Clones bauen, die auf Motorola-Motherboards basieren, hat aber auch einen Vertrag zur Lieferung von Motherboards mit UMAX abgeschlossen.
Geht nun die Welt unter? -- Daß die Entscheidungen von Apple (offensichtlich stark vorangetrieben von Steve Jobs) einige der negativen Folgen hatten, die wir in TidBITS-395 voraussahen, braucht nicht nochmals erwähnt zu werden. Einige Macintosh-Entwickler reden davon, Projekte auf andere Plattformen zu übertragen und Firmen halten sich in bezug auf Mac-spezifische Werbung und Messen zurück. Apples Aktionen haben dem eigenen geschäftlichen Ruf geschadet, ebenso der Geschäftsbeziehung zu den PowerPC-Lieferanten Motorola und IBM und dem "Standing" bei ehemals loyalen Macintosh-Usern.
Die Apple-Manager halten dagegen, die Firma habe zu viel Geld verloren, um überleben zu können. Diese Behauptung kann man nur schwer überprüfen, da nur Apple die Zahlen kennt. Aber auch wenn man diese Zweifel zu Apples Gunsten auslegt, denke ich, daß Apple und Steve Jobs die Situation ziemlich vergeigt haben. Man fragt sich, wer im Moment bei Apple für die PR zuständig ist - wenn überhaupt jemand.
Die einzige offizielle Information von Apple war ein Telefongespräch zwischen Steve Jobs und Ric Ford von MacInTouch. Aufgrund dieses Gesprächs glaubt Ric, daß Jobs seine Strategie vor allem auf das Mac OS und den PowerPC-Chip konzentriert. Er glaubt auch, daß Jobs einen gangbaren Weg für die Ausweitung des Macintosh-Marktes in 1998 gefunden hat. Ich hoffe, Jobs sagt die Wahrheit und seine Pläne haben Erfolg. Ich wünschte, er hätte die Abschaffung der Clone-Lizenzen nicht für notwendig gehalten, denn ich denke, daß die negativen Effekte dieser Entscheidung sehr gefährliche Folgen haben werden.
<http://www.macintouch.com/newsrecent.shtml>
von Kris Kunze <puck@wr.com.au>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Die guten Leute bei den TidBITS haben - vielleicht vom Nieselregen in Seattle zermürbt - mich gebeten, eine Artikel über meine Web-Site "Ausgefallenes, Kurioses und Seltenes für den Macintosh" zu schreiben. Und warum eigentlich nicht? Wir alle brauchen Liebe, Bewunderung und eine Gelegenheit, auf unsere 15 Minuten Ruhm im Sinne Andy Warhols hinzuarbeiten.
Das Konzept meiner Seiten ist einfach genug - es handelt sich um eine Sammlung schräger, kurioser und seltener Shareware für den Mac zum Herunterladen. Jedes einzelne Produkt wird von informativen Informationen oder einer langen Abhandlung über irgendetwas vollkommen Irrelevantes begleitet. Die Leute lesen das und sagen sich: "Das klingt aber sehr interessant. Ich werde mir dieses Programm, das eine Heftzange simuliert, herunterladen und mich damit stundenlang bestens unterhalten." Sie tun das dann auch, sie freuen sich daran und sie schreiben mir, um mir das alles mitzuteilen.
<http://www.mac-curios.com/Files/SimStapler.hqx>
Es wird zunehmend klar, daß der Macintosh eine einzigartige und unernste Kategorie Software hervorgebracht hat. Von den Grouches, die aus Papierkörben auftauchen, und satirischen Emulationen von Windows 95 bis zu Programmen, die hypnotisierende rotierende gelbe Räder erzeugen - dem Mac ist ein humorvoller Untergrund aus Freeware-Applikationen zugewachsen. Das ist natürlich nicht ohne Grund geschehen. Studien haben ergeben, daß Mac-Benutzern oft wichtige Enzyme fehlen, die zum stetigen Verarbeiten von Gedanken nötig sind. Auch sind wir als Gruppe überproportional auf unsere eigenen Kreise fixiert (was zumindestens zum Teil mit unserer angeborenen Attraktivität und einem ausgeprägten sexuellen Magnetismus zu tun hat).
<http://www.mac-curios.com/Files/95Demo.sit.hqx>
<http://www.mac-curios.com/Files/bugeyes.sit.hqx>
Oh - habe ich das jetzt wirklich gesagt? Was ich eigentlich meine: Irgend etwas unterscheidet uns Mac-User von der breiten Masse. Die ursprüngliche Ästhetik, die schon bei der Schaffung des Macintosh zugange war, hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Im Rahmen dieser Ästhetik sollte Software nicht nur leicht, sondern auch mit Vergnügen zu benutzen sein. Und belassen wir es nicht bloß beim Spaß; laßt uns gleich verrückt sein und Platz vergeuden, indem wir Karikaturen der Programmierer in unser Betriebssystem hineinstopfen. Diese Art von Mentalität war dem Mac schon immer zu eigen.
Das hat zur Folge, daß es meiner Web-Site nicht an Material mangelt. Immer, wenn ich den Gipfel des Ausgefallenen erreicht zu haben glaube, entdecke ich neue Schätze. Neulich habe ich auf einem Ausflug in Hotline (einem Gebiet im Internet, das viele von Ihnen noch gar nicht erforscht haben dürften) ein Hilfsprogramm namens Psychomatic entdeckt, das in einem kleinen Fenster eine bewegte Strichfigur zeigt. Der Autor sagt, er sei eines Tages gelangweilt gewesen und habe beim Schreiben von Geschäfts-Software eine Pause eingelegt, um dieses nutzlose Programm zu schaffen (das in Wirklichkeit raffiniert ist und künstlerische Meriten aufweist). In einem anderen Kontext könnte man sich vorstellen, daß es an die Wand einer Galerie für moderne Kunst projiziert wird, gleich neben der aufregenden Multimedia-Projektion von Nasenhaaren.
<http://www.mac-curios.com/Files/Psychomatic.sit.hqx>
Nicht bei allen Objekten in meiner Sammlung werden die Vorzüge so offensichtlich. Dafür ist Lobsterpetting ein gutes Beispiel, ein Programm, bei dem Sie das Bild eines Hummers tätscheln. Dieser beginnt wohlig zu qietschen und Sie beginnen sich zu fragen, was Sie da eigentlich tun. Sie versuchen zu begreifen, was dem Urheber dieser Software durch den Kopf gegangen sein muß. Sehr wenig, wie Ihnen die beiliegende ReadMe-Datei mitteilt. Ist es schlechte Kunst, nur ein Jux oder etwa eine existentialistische Erkenntnis, die auch dem sprichwörtlichen Narren durch den Kopf fährt?
<http://www.mac-curios.com/Files/Lobster.sit.hqx>
Möglicherweise nichts von alledem. Aber Lobsterpetting gibt es nur am Macintosh. Leute, die auf beiden Plattformen zu Hause sind (das ist ja sehr modern), sagten mir, daß Windows kein derartiges Genre hervorgebracht hat. Das ist wirklich schade. Die kalte, graue Firmenmaschine schreitet zügig in die unendliche Nacht hinein, erfüllt von einem frostigen, unabänderlichen Daseinszweck und zieht ihre verderbten Schöpfer in die Dunkelheit einer gefühllosen Leere.
Inzwischen entwirft irgendwo in einem Gebiet am äußersten Rand des Reiches eine Schar von Verrückten und Narren die Anfänge eines neuen Zeitalters. Sie nehmen bunte Farben, schnupfen und trinken einen guten Teil davon, lachen viel und malen sich einem strahlenden, karmesinroten Sonnenaufgang entgegen. Sie leiden bittere Not und ihre Erträge sind auch nicht besonders, aber sie haben etwas Gewinnendes an sich; sie scheinen von Leben erfüllt zu sein. Die Software, die ich aufliste, mag närrisch, sinnlos oder trivial sein (oft sogar eine Kombination aus all dem), aber sie zeigt, daß in der Macintosh-Welt ein verrückter Geist weiterhin lebt.
von Glenn Fleishman <glenn@popco.com>
[Übersetzung: Christoph Pfisterer, Walter J. Ferstl]
Mit dem neuen Virtual PC von Connectix zu arbeiten ist ein bißchen schaurig. Innerhalb von einer Minute nach dem Doppelklick auf sein Icon schaut einem der Startbildschirm von Windows 95 ins Gesicht. Für manche Leute ist das ein furchtbarer Alptraum, für andere etwas Unvermeidliches und für wieder andere ist es Büroalltag, weil sie ihren Macintosh in einer Organisation einsetzen, die auf Software für Intel-basierte Computer angewiesen ist.
<http://www.connectix.com/html/connectix_virtualpc.html>
Betrachten Sie meine Situation: Ich habe ein PowerBook 3400c/200. Mit Virtual PC kann ich sowohl Mac OS 8 als auch Windows 95 mit mir herumtragen und mit beiden Systemen auf CD-ROMs und Disketten zugreifen, und ich habe Netzwerkanbindung über Telefon oder Ethernet. Es ist wirklich ein verrücktes Schauspiel, wenn in Virtual PC Windows 95 läuft und mit der DFÜ-Netzwerk-Funktion über das Macintosh-Modem eine PPP-Verbindung aufbaut. Das ist eher ein Wunschtraum als ein Alptraum für diejenigen von uns, die ab und zu Windows-Software benutzen müssen, aber die zusätzlichen Geräte und Ausgaben scheuen.
Virtual PC benutzt den PowerPC-Prozessor des Macs, um das Verhalten eines Intel Pentium MMX-Prozessors und einiger zusätzlicher Chips zu emulieren und erzeugt dadurch eine "virtuelle Maschine", auf der Programme laufen, die sonst nicht auf einem PowerPC-Prozessor laufen würden. Nach den Angaben von Connectix kann man dadurch, obwohl Virtual PC nur mit Windows 3.1 oder Windows 95 ausgeliefert wird, jedes Intel-basierte Betriebssystem installieren, wie zum Beispiel Windows NT, OS/2 oder die vorläufige Rhapsody-Version für Intel-Maschinen. In diesem Bericht geht es aber ausschließlich um die Benutzung von Windows 95 mit Virtual PC.
Obwohl Virtual PC das Problem löst, sich als Mac-Benutzer eventuell einen PC-Clone kaufen zu müssen, setzt es doch einen Mac mit reichlich Pferdestärken vorraus. Für die Windows-95-Ausgabe von Virtual PC empfiehlt Connectix mindestens einen Prozessor PowerPC 603e mit einer Taktfrequenz von 180 MHz und ein Minimum von 32 MB RAM und 300 MB freiem Platz auf der Festplatte. Connectix weist auch darauf hin, daß ein Level-2-Cache die Geschwindigkeit erhöht, und ein großer Level-2-Cache lohnt sich noch mehr. So hat auch Brian Grove von Connectix betont, daß "eine der allerbesten Methoden, die Performance von Virtual PC zu verbessern (besonders für Windows), ein größerer Level-2-Cache ist. Das gilt besonders für 603e-Maschinen. Es gibt Fälle, wo Virtual PC selbst auf schnellen PowerPC-Prozessoren tatsächlich auf Daten aus dem Cache wartet." (Die Hardware-Anforderungen für die Windows-3.11/DOS-Ausgabe sind etwas niedriger.)
Installation -- Virtual PC ist kinderleicht zu installieren. Man braucht ein CD-ROM-Laufwerk, aber der Vorgang dauert nur einige Minuten, weil das Installationsprogramm lediglich Festplattenimages mit vorbereiteten Konfigurationen hinüberkopiert.
Das coolste an der Installation ist, daß man den Rechner nicht neu starten muß. Es gibt keine Systemerweiterungen oder ähnliche Änderungen am System. Diese Tatsache entlockte meinem Bürogenossen Steve Broback ein hörbares "Wow!" - kurz danach kaufte und installierte er seine eigene Kopie.
Nach der Installation kann man festlegen, wieviel RAM die virtuelle Windows-Maschine haben soll. Das Icon von Virtual PC auswählen, im Ablage-Menü Informationen auswählen und das Feld für die bevorzugte Größe ändern. Virtual PC braucht auch Speicher für sich selbst, bei einer bevorzugten Größe von 40 MB bekommt Windows etwa 33 MB ab.
Eine Ironie ist mir beim Benutzen von Virtual PC aufgefallen: die Version von Windows 95, die mit Virtual PC ausgeliefert wird, ist die sogenannte "Revision B", die ein Update des Dateisystems enthält, das mit kleineren Zuteilungseinheiten umgehen kann. Das bedeutet, daß das Dateisystem von Windows 95 wesentlich weniger Platz verschwendet (besonders bei einer großen Zahl von kleinen Dateien) als das Mac OS. Obwohl Mac OS 8.0.1 HFS Plus enthalten soll, eine große Verbesserung des Macintosh-Dateisystems, das ebenfalls diese Einschränkung aufhebt, ist es doch ironisch, daß der Festplattenplatz meines Macs in den Festplattenimages von Virtual PC effektiver genutzt wird als von meinem Mac selbst. [Das neue Dateisystem wird aber bei Virtual PC nicht standardmäßig eingesetzt. -CP]
Benutzung wie bei einem PC -- Beim normalen Gebrauch funktioniert Virtual PC zauberhaft. Ich habe alle möglichen Arten von Grafik- und Web-bezogener Software ohne Hänger installiert. Netscape Communicator 4.0, Microsoft Internet Explorer 3.0, DeBabelizer 4.0 und die gesamte Ulead PhotoImpact Reihe haben alle problemlos funktioniert.
Allerdings war es zu viel für Virtual PC, als ich eine Vorabversion von Microsoft Internet Explorer 4.0 für Windows 95 installiert habe. Im Gegensatz zur Macintosh-Version kann die Windows-Beta von Internet Explorer 4.0 die gesamte Schreibtischoberfläche umgestalten. Das ist selbst für Windowsbenutzer keine besonders begrüßenswerte Idee - ich habe von zahlreichen Problemen auf echten PCs gehört, und für Virtual PC steht es definitiv außer Frage. Ich mußte neu anfangen und Virtual PC von Grund auf neu installieren (was zugegeben viel einfacher war, als Windows auf einem echten PC neu zu installieren).
Wenn man mit TCP/IP in einem lokalen Netzwerk arbeitet, braucht Virtual PC eine andere IP-Nummer als die schon vom Macintosh benutzte. In dieser Hinsicht ist Virtual PC eines der ersten Endverbraucherprodukte, mit denen ein Mac zwei IP-Nummern gleichzeitig benutzen kann (man braucht Open Transport, um Ethernet benutzen zu können). Das praktische Ergebnis davon ist, daß man das Internet sowohl in der Macintosh- als auch in der Windows-Umgebung gleichzeitig benutzen kann. Ich habe auf dem Mac im Web gesurft, während unter Windows Dateien per FTP heruntergeladen wurden.
Connectix bringt es fertig, zwei separate IP-Nummern auf der gleichen physikalischen Maschine zuzulassen, indem es nichts spezielles unternimmt. Die virtuelle Maschine betreibt ihren eigenen, separaten TCP-Stapel [engl. Stack, -CP] - das ist im Prinzip die Software, die für die Verbindung zwischen der Anwendungssoftware und der Netzwerkhardware sorgt. Jeder Stapel kann seine eigene logische IP-Nummer haben, obwohl der Rechner nur eine physische Ethernetkarte hat; die beiden sind völlig unabhängig. In den Unix- und Windows-NT-Welten hat oft ein Ethernet-Gerät viele IP-Adressen.
Das Konfigurieren von PPP in Windows 95 geht schnell, da man von Assistenten durch die Aufgaben geführt wird und sie dabei erklärt bekommt. Die Assistenten haben mir gut gefallen, weil es komplex ist, PPP ohne Hilfe zu konfigurieren. Das interne Modem meines PowerBook 3400c wollte nicht mit dem PPP von Windows zusammenarbeiten (obwohl es von anderen Anwendungen in Windows 95 erkannt wurde), also nahm ich stattdessen eine Global Village PowerPort Platinum Pro PC Card (ich nenne sie gerne eine GV PPPPP). Das führte beim Starten von Virtual PC zu bizarren "Prozessorfehlern"; ich umging sie, indem ich vorübergehend im Preferences-Menü Ethernet ausschaltete. Connectix hat das Problem erkannt, es sollte in einem bevorstehenden Update behoben sein.
Mac-spezifische Fragen -- Das Umschalten zwischen den Mac- und Windows-Umgebungen fand ich einfach. Man kann zwischen einer Vollbild- und einer Fenster-Darstellung der Windows-Umgebung wählen. Im Vollbildmodus erscheinen beim Drücken der Command-Taste die Mac-Menüzeile sowie eine Statuszeile, die Auskunft über die Aktivität der Ethernet-Verbindung, des CD-ROM-Laufwerks, des Diskettenlaufwerks und der Festplatte gibt.
Virtual PC macht auch das Umschalten der Bildschirmmodi einfach, und es hat sowohl mit der 800 mal 600 Anzeige des PowerBook 3400c als auch mit einem externen Monitor gut funktioniert. Die Auflösung von Windows stellt man im Anzeige-Kontrollfeld von Windows ein; wieviel simuliertes Video-RAM Windows hat, ist in den Preferences von Virtual PC einzustellen.
Eins der praktischsten Features von Virtual PC ist das Abspeichern des Zustandes; das ist etwa so, als würde man die Windows-Umgebung in einen Schlafmodus versetzen. Wenn man Virtual PC über sein eigenes Menü beendet (anstatt Windows 95 über das Start-Menü zu verlassen), bekommt man angeboten, den derzeitigen Zustand von Virtual PC auf der Festplatte abzulegen. Beim nächsten Starten von Virtual PC muß man nur kurz warten (etwa 20 Sekunden auf meinem 3400c), aber nach dem Warten ist man - theoretisch - wieder genau da, wo man aufgehört hat. Ich halte diese gespeicherten Zustände für einen gemischten Segen, weil sie nicht genau so funktionieren, wie man es erwartet. Es ist fantastisch, daß der 3400c einen im Betrieb austauschbaren Laufwerksschacht hat (für CD-ROM oder Diskette) und daß man auf dem Mac einfach die Ethernet- und TCP/IP-Einstellungen ändern kann, aber diese Fähigkeiten stürzen Virtual PC ins Chaos, wenn man einen gespeicherten Zustand wiederherstellen will. Es ist, als ob man in einen laufenden PC gegriffen und die Ethernetkarte oder das CD-ROM-Laufwerk herausgerissen hätte. Vor dem Ändern der Konfiguration muß man Windows 95 ganz herunterfahren, den Mac muß man aber trotzdem nicht ausschalten.
System-Ressourcen -- Vor der Installation von Virtual PC überdenken Sie bitte die Ressourcen Ihres Systems. Ich hatte ursprünglich 48 MB RAM. Nach Experimenten mit RAM Doubler und mit einigen Applikationen, die ich neben Virtual PC laufen hatte, rüstete ich auf 80 MB auf (ich lasse fallweise weiterhin RAM Doubler laufen). Nun bin ich in der Lage, Windows mehr als die 32 MB zuzuweisen, die das absolute Minimum für Windows 95 darstellen, sei es mit oder ohne Virtual PC.
Der Platz auf der Festplatte ist eine weitere Überlegung wert. Virtual PC erzeugt eine einzelne Datei, die als C:-Laufwerk für den PC dient. Zur Auswahl stehen Disk Images von 150 oder 260 MB, je nachdem, ob Sie die Minimum- oder die Standardkonfiguration wählen. Auch 260 MB sind ziemlich wenig Platz, um wirklich damit zu arbeiten; da das Speichermanagement von Windows ständig Material zwischen RAM und Platte hin- und herschiebt (wie Virtual Memory auf dem Mac), sollten allein für diese Aufgabe 40 bis 50 MB frei sein. Die Disk Images können per Doppelklick im Finder geladen werden (ähnlich den Disk Images von ShrinkWrap), dies geschieht in der Weise, daß die langen Dateinamen von Windows 95 auf Dateinamen im DOS-Stil, also im Format 8.3, umgelegt werden.
Eine weitere Datei zu erzeugen, die als zusätzliches Laufwerk angesprochen wird, ist einfach: Im Preferences-Dialog von Virtual PC klicken Sie auf die Taste "New Hard Drive Image" und geben die Größe ein, die das neue Disk Image haben soll. Wenn Sie das allerdings im Rahmen einer Windows-95-Session tun, werden Sie mit der Option konfrontiert, die virtuelle Maschine neu zu starten. Genausowenig wie es eine gute Idee ist, einen Mac im laufenden Betrieb auszuschalten, sollte man einen PC unter Windows unvermittelt ausschalten - und dasselbe gilt auch für die virtuelle Maschine Virtual PC. Statt dessen wählen Sie besser "Ausschalten" aus dem Start-Menü von Windows 95 und wählen im Ausschalten-Dialog "Neustart im DOS-Modus". Im DOS-Modus können Sie dann nach Belieben neu starten; Sie legen also das neue Laufwerk hier an und lassen einen Neustart der virtuellen Maschine zu. Eine Warnung oder ein Hinweis im Preferences-Dialog wäre günstig gewesen - ich habe das mit Versuch und Irrtum herausgefunden.
Wenn Sie ein solches Laufwerk einmal definiert haben, können Sie seine Größe nicht mehr ändern; es belegt auch den vollen nominellen Platz auf der Platte des Macintosh, egal wie voll (oder wie leer) es aus der Sicht von Windows sein mag. Diese Disk Images können Backups, die von verbreiteter Backup-Software wie Retrospect von Dantz und anderen Produkten erstellt worden sind, gehörig durcheinanderbringen. Das bloße Starten und Beenden von Virtual PC (ohne sonstige Aktivitäten) modifiziert schon die Disk Images und Retrospect nimmt sie dann beim nächsten Backup-Lauf mit ins Backup auf. Mit meinen derzeitigen Disk Images füge ich meinen Backups jede Nacht 600 MB hinzu, wenn ich nicht Retrospect explizit daran hindere, diese Dateien mitzunehmen.
Für das Platzproblem habe ich mehrere Lösungen gefunden. Zum einen müssen Sie nicht für alle PC-Dateien Disk Images verwenden. Virtual PC gestattet es, PC und Mac auf bestimmte Ordner/Verzeichnisse gemeinsam zugreifen zu lassen, sodaß Sie das meiste Ihrer Daten in einem solchen gemeinsamen Ordner speichern können (beispielsweise auf dem K:-Laufwerk) - Retrospect könnte dann einzelne Files erkennen. Sie könnten andererseits die Disk Images im Finder laden und sie von Retrospect als Laufwerke, nicht als Dateien behandeln lassen. Sowohl im Finder geladene Disk Images wie gemeinsame Ordner unterliegen allerdings der DOS-Dateibenennung (nach dem Schema 8.3); das Wiederherstellen von Files kann also später problematisch sein. Eine andere Möglichkeit besteht darin, daß Sie Virtual PC die ganze Zeit laufen lassen und das Kontrollfeld "Windows 95/NT Retrospect Remote" zum Backup benutzen, als ob die Disk Images von Virtual PC echte Festplatten auf einem richtigen PC wären. Das mag ein wenig ausgefallen sein, sollte aber funktionieren und sogar die langen Dateinamen bewahren.
Leistung -- Ich werde oft nach der Geschwindigkeit von Virtual PC gefragt. Mit meinem PowerBook 3400c (603e-Prozessor mit 200 MHz) liege ich am unteren Ende der von Connectix empfohlenen Bandbreite und für mein Empfinden ist Virtual PC langsam [zu unserer Überraschung haben wir Kommentare von Virtual-PC-Betatestern erhalten, die das Produkt auf Power Macs betreiben, die die Empfehlungen von Connectix nicht erfüllen, und bei denen es trotzdem gut läuft. -Tonya]. Mir kommt es oft vor, als hätte ich ein Pentium-MMX-System mit 50 MHz. In einigen Situationen fühlt es sich schnell an, das andere Mal warte ich bei elementaren Netzwerk- oder Bildschirmfunktionen minutenlang. Ein Vorteil davon, Virtual PC als separate Mac-Applikation zu haben, liegt darin, daß alles auch perfekt im Hintergrund laufen kann, ohne allzuviel von der Prozessorleistung wegzunehmen. Ein schnellerer Prozessor als mein 603e wäre sicher hilfreich - ich habe allerdings meine Zweifel, ob Virtual PC jemals so schnell sein kann, daß es Verblüffung hervorruft.
Virtual PC erfordert einiges mehr an Neustarts als die PC-Hardware, die ich gewöhnt bin und es ist auch bei den Einstellungen ein wenig mimosenhaft. Im allgemeinen war aber das Ausschalten aus Windows 95 heraus und ein darauf folgender Neustart nichts, was Virtual PC von Pfad des guten Benehmens abgebracht hätte.
Bei einem Preis unter 150 Dollar ist es unmöglich, Ihnen Virtual PC nicht zu empfehlen, falls Sie Windows-Software betreiben müssen und eine Maschine haben, die die Mindestanforderungen für das Produkt erfüllt. Wenn Sie für das Web schreiben oder gestalten, ist es von zunehmender Wichtigkeit, Seiten mit Browser-Software sowohl auf dem Mac als auch auf dem PC zu testen. Wenn man das auf einer einzigen Maschine tun kann, um so besser - auch wenn es ab und zu Wartezeiten gibt.
[Insignia Solutions, Hersteller von SoftWindows, einem Windows-Emulator für den Mac, hat vor kurzem RealPC auf den Markt gebracht, einen Pentium-MMX-Emulator mit Soundblaster-Unterstützung und der Zielrichtung auf DOS- und Windows-Spiele. RealPC wird etwa 79 US$ kosten und ohne Windows geliefert. -Tonya]
DealBITS special -- Cyberian Outpost bietet TidBITS-Lesern Virtual PC mit Windows 95 an der untenstehenden URL-Adresse für 134,95 US$ an, also mit einem Rabatt von 5 US$.
<http://www.tidbits.com/products/virtual-pc.html>
Connectix -- 001 415 571 5100 -- 001 415 571 0850 (fax)
<sales@connectix.com>
Insignia Solutions -- ++44 131 458 6849
<maccs@isinc.insignia.com>
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE].
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Heike Kurtz [HK], Christoph Pfisterer [CP].
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