Denken Sie an den Kauf einer digitalen Kamera, aber kennen sich nicht aus? Diese Woche schildert unser Gastautor Arthur Bleich die Fakten und Facetten digitaler Photographie. Tom Geweke schreibt über MkLinux, die von Apple geförderte Version von Unix für PowerPC-Maschinen. Wir melden neue Versionen von SiteCam und CopyPaste, dazu kommt das Flaggschiff von Apples Multimedia-Technologie, QuickTime 3.0.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#407/01-Dec-97.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-407.html>
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<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-407.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-407.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-407.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Vorschau auf QuickTime 3.0 -- Apple hat für Entwickler eine lang erwartete Vorab-Version von QuickTime 3.0 herausgebracht, die auch als QuickTime Media Layer bekannt ist. QuickTime ist eine der erfolgreichsten Apple-Technologien, deren Reichweite nach Apple Plänen noch gesteigert werden soll, indem sie in der Version 3.0 voll plattformübergreifend wird. Derzeit können Windows-Benutzer QuickTime-Dateien nur abspielen, bei QuickTime 3.0 haben Entwickler auf Windows wie auch auf Mac vollen Zugriff auf alle Fähigkeiten von QuickTime - Wiedergabe, Gestaltung, Aufnahme, Kompression und anderes mehr. Zusätzlich zu den zahlreichen schon bisher unterstützten Formaten steht bei 3.0 eine Reihe plattformübergreifender und professioneller Video-, Bild- und Audioformate zur Verfügung, darunter auch das kommende digitale Video-Format DV. QuickTime 3.0 kommt auch mit dem schnellen Laden von Vektorgrafik zurecht, ebenso mit Echtzeit-Effekten und Überblendungen. Apple Botschaft an die Entwickler ist einfach: QuickTime bietet den besten Medien-Support sowohl auf Mac als auch auf Windows.
<http://devworld.apple.com/mkt/informed/appledirections/aug97/stratmosaic.html>
Die Mac-Vorab-Version erfordert System 7.0 oder höher, mindestens 8 MB RAM und einen 68020-Prozessor (einige Funktionen könnne nur mit dem PowerPC-Prozessor angesprochen werden. Falls Sie mit digitalen Medien oder Video arbeiten, ist es einen Versuch wert, besonders, wenn Sie ein Programmierer sind - auf der Web-Site für QuickTime 3.0 sind sowohl Beispielsdateien als auch viele Entwickler-Informationen zu haben. Beim Herunterladen ist das Produkt etwa 3,7 MB groß. [GD]
<http://quicktime.apple.com/preview/>
Französische Übersetzer gesucht! -- Wenn Sie in Französisch sehr gut sind und helfen wollen, Macintosh-News an andere französischsprachige Personen in aller Welt weiterzugeben: Die preisgekrönte französische Übersetzung der TidBITS braucht weitere freiwillige Übersetzer, die jede Woche an der Übertragung der TidBITS mitarbeiten. Kontaktieren Sie den Koordinator für die französische Ausgabe, Emmanuel Decarie, unter <edecarie@aei.ca>, wenn Sie an einer Mitarbeit interessiert sind. [ACE]
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/fr/>
CopyPaste 4.0.2 erschienen -- Script Software International hat letzte Woche die Version 4.0.2 von CopyPaste bekanntgegeben, einem Hilfsprogramm für mehrfache Zwischenablagen. 4.0.2 ist gegenüber Version 3.2.2 stark erweitert, wie wir sie in TidBITS-364 beschrieben haben. Neue Funktionen sind eine CopyPaste Palette mit visuellem Zugriff auf zehn Zwischenablagen und auf alle anderen CopyPaste-Funktionen, die Unterstützung von drag & drop und die Möglichkeit, die Zwischenablagen anzusehen und zu ändern. Neu sind auch die Konvertierung spezieller Zeichen und HTML-Entities (in beiden Richtungen), das Umbrechen von Text bei Zeilenlängen von 60 Zeichen (für e-Mail) und die Umwandlung kurzer Datumsformate in lange. [ACE]
<http://www.scriptsoftware.com/copypaste/>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-364>
SiteCam in Version 1.1 -- Rearden Technology hat SiteCam 1.1 herausgebracht, ein kostenloses Upgrade für Besitzer von SiteCam 1.0, das 129 US$ kostet. Bei SiteCam handelt es sich um Software, die eine Web-Kamera steuert und ihre Einrichtung automatisiert (einer Kamera, die Bilder oder Videos in eine Web-Site einspielt). Es gibt jetzt eine Anti-Hijacking-Sicherung, die es verhindert, daß andere Web-Sites den Video-Datenstrom einer Kamera umleiten (ein Problem, das für Web-Kamera-Software charakteristisch ist). Neben der Behebung einiger Programmfehler verbessert die neue Version das Archivieren von QuickTime-Sequenzen, die Darstellung von Standbildern und die Dokumentation. [TJE]
<http://www.rearden.com/sitecam/>
von Tom Gewecke <tom@bluesky.org>
[Übersetzung: Christoph Pfisterer]
Die meisten Computerbenutzer werden schon einmal mit Unix in Berührung gekommen sein, dem lange dominierenden Betriebssystem in Universitäten, Forschungsinstituten und dem Internet. Aufgrund der Hardware-Anforderungen, der Kosten der Software und der kryptischen Natur, die Unix innewohnt, kommt es für die meisten Heimbenutzer nicht in Betracht. Anfang der 90er Jahre entwickelten Linus Torvalds von der Universität Helsinki in Finnland und eine internationale Gruppe von Freiwilligen einen frei erhältlichen Unix-Klone namens Linux. Linux ist inzwischen für PC-Besitzer leicht zugänglich; in den meisten Computerläden finden sich einige Angebote mit CD-ROM und dickem Buch dazu. 1997 kamen ähnliche Versionen von Linux für PowerPC-basierte Macs auf den Markt; in diesem Artikel geht es um die Erfahrungen, die ich als Nicht-Experte mit Installation und Betrieb einer solche Variante gemacht habe, nämlich mit MkLinux.
Wozu das alles? -- Warum sollte jemand Unix auf einem Mac benutzen wollen? Man kann keine Mac-Applikationen benutzen, und das komplizierte Kommandozeilen-Interface ist meilenweit vom Mac OS entfernt. Ist nicht Unix das genaue Gegenteil des Macintosh? Ich habe MkLinux installiert, um mich über ein wichtiges Betriebssystem zu informieren und um herauszufinden, wie ein echtes Multiuser-System mit präemptivem Multitasking und geschütztem Speicher arbeitet.
Leute mit tieferen technischen Kenntnissen mögen andere Aspekte interessant finden. Zum Beispiel kann man Linux benutzen, um einen Internet-Server zu betreiben, mit all den Diensten und Funktionen, die das Mac OS noch nicht bereitstellen kann, z.B. echtes Multihoming. Programmierer, die bei ihrer Ausbildung meistens mit Unix gearbeitet haben, wissen zu schätzen, daß mächtige Compiler, Editoren und andere Werkzeuge schon fertig für Linux verfügbar sind und dazu der komplette Quellcode für das gesamte System (und viele Programme), den sie erforschen und anpassen können. Jemand, der im Büro Unix benutzt, kann mit Linux dasselbe zu Hause auf einem Mac machen. Schließlich darf man auch nicht vergessen, daß Rhapsody, Apples in Entwicklung befindliches neues Betriebssystem auf der Basis von NeXT-Technologie, eine komplette Unix-Implementierung enthält, obwohl sie vor dem Benutzer versteckt wird, solange er nicht ausdrücklich darauf zugreift.
Die Qual der Wahl -- Es gibt zwei weit verbreitete Versionen von Linux für PowerPC Macintosh. MkLinux wird von Apple gesponsort und ist eine Portierung von Linux, die auf einem Mach Microkernel läuft. Prime Time Freeware verkauft eine Kombination aus Buch und CD-ROM mit Developer Release 2.1 (DR2.1) für 50 Dollar. MkLinux läuft in der Regel auf PowerPC-601-basierten NuBus-Macs und PowerPC-604-basierten PCI-Maschinen, aber (noch) nicht auf 603-Kisten oder (angeblich) Apples neuen G3-Systemen. Man braucht mindestens 500 MB Plattenplatz (auf einer anderen Festplatte oder Partition als das Mac OS Startvolume) und ein absolutes Minimum von 8 MB RAM.
<http://www.mklinux.apple.com/>
<http://www.ptf.com/>
Seit dem Erscheinen der DR2.1 Anfang 1997 sind sechs Updates veröffentlicht worden, die nur über das Internet heruntergeladen werden können; insgesamt machen die Updates mehr als 200 MB aus. Für diesen Artikel habe ich es bei DR2.1 bewenden lassen. Die Hauptschwäche, die mir aufgefallen ist: MkLinux kann nicht über den seriellen Anschluß drucken. Benutzer von PCI-Maschinen haben auch berichtet, daß PPP nicht funktioniert, außer vielleicht mit dem fünften Update.
<http://www.mklinux.apple.com/info/ftp.html>
Die zweite Option ist Linux für PowerPC (linux-pmac), eine konventionelle Portierung ohne Mach-Unterbau, produziert von einer Gruppe von Freiwilligen unter der Führung von Paul Mackerras von der Australian National University. Kürzlich ist eine 32 Dollar teure CD-ROM für dieses System erschienen; sie soll auf allen Macs mit Open Firmware arbeiten. Open Firmware ist ein Prozeß, der die Initialisierung und Selbstdiagnose der Hardware kontrolliert, bevor ein Betriebssystem geladen wird. Das schließt PowerPC-601-basierte NuBus-Maschinen und wohl auch ein paar Performa-Modelle aus, aber PowerPC-604-basierte und viele PowerPC-603-basierte Macs gehören dazu.
Ich habe einen Mac mit einem PowerPC-601-Prozessor, daher habe ich linux-pmac nicht ausprobiert. Ein Linux für 68K-Macs wird auch gerade entwickelt.
Für den Fall, daß weder MkLinux noch linux-pmac Sie ansprechen, gibt es auch zwei weitere nicht-kommerzielle Unix-ähnliche Betriebssysteme für den Mac: NetBSD (früher MacBSD) und OpenBSD. Sie laufen auf manchen Mac-Modellen und sind auf CD-ROM für 35 bzw. 30 Dollar zu haben. Wenn Sie auch eine kommerzielle Alternative in Betracht ziehen wollen, versuchen Sie es mit dem hoch angesehenen MachTen von Tenon Intersystems. [Tenon hat kürzlich WebTen herausgebracht, eine Mac-Anwendung, die Tenons Unix-Technologie mit dem beliebten Web-Server Apache verbindet. -Adam]
<http://www.netbsd.org/>
<http://www.openbsd.org/>
<http://www.tenon.com/>
Diese Portierungen arbeiten alle nur auf bestimmten Modellen, prüfen Sie also über FAQs, Mailinglisten und die Hersteller vorher sorgfältig ab, ob ein bestimmtes Unix-Angebot auch wirklich auf Ihrem Mac oder Mac-Clone laufen wird. Der Rest dieses Artikels dreht sich um MkLinux DR2.1, das auf meinem Performa 6116 problemlos arbeitet.
Installation -- MkLinux DR2.1 mit den CD-ROMs und dem Buch von Prime Time Freeware (PTF) zu installieren war einfach und unkompliziert. Der schwierigste Teil war das korrekte Partitionieren meiner Festplatte. Ich habe eine externe 1-GB-Platte von APS; die mitgelieferte Formatierungssoftware war nicht in der Lage, Unix-Partitionen anzulegen. Nachdem ich Apples HD SC Setup mit ResEdit modifiziert hatte (wie in dem PTF-Buch beschrieben), klappte es dann. Ich hatte auch einige Schwierigkeiten mit dem Einrichten des Netzwerkes; MkLinux hat ein Kommando namens setnet, das PPP- und LAN-Verbindungen einrichtet. Ich mußte auch das Standard-Chatskript ändern, damit MkLinux mit meinem Modem eine Verbindung mit meinem ISP [Internet Service Provider, -CP] aufbauen konnte.
Nach der Installation der DR2.1 fand ich ein neues Kontrollfeld im Mac OS, mit dem man einstellen kann, daß beim Einschalten eine Dialogbox erscheint, über die man MkLinux starten kann. Virtueller Speicher und RAM Doubler müssen ausgeschaltet werden, damit es funktioniert (obwohl das in kürzlich erschienenen Updates behoben worden ist).
Wenn Sie Hilfe brauchen, können Sie sich auf die freundliche Aufgeschlossenheit der vielen Leute verlassen, die MkLinux auf den verschiedensten Maschinen betreiben. Apple stellt mindestens zehn Mailinglisten über MkLinux-Themen zur Verfügung, und auf den meisten herrscht reger Betrieb. Es gibt auch einige FAQs und Hilfeseiten im Web, unter anderem die "Linux on the PowerPC FAQ-O-Matic."
<http://www.dartmouth.edu/cgi-bin/cgiwrap/jonh/lppc/faq.pl>
Die Grundlagen erlernen -- Wenn Sie nicht viel über Unix-Kommandos wissen, werden Sie einiges lernen müssen, bevor Sie überhaupt etwas tun können. Das PTF-Buch hilft dabei nur bedingt; der beste Weg ist, sich einen der vielen Schmöker über Linux auf PCs auszuleihen oder zu kaufen. Ich habe "Linux Unleashed" benutzt, das ich als Sonderangebot gefunden habe.
<http://www.amazon.com/exec/obidos/ISBN=0672309084/tidbitselectro00A/>
Die wichtigsten Prozeduren, die man beherrschen sollte, sind das Hochbooten und das Herunterfahren des Systems, das Einrichten von Benutzern mit ihren Rechten, das Bewegen im Dateisystem, das Kopieren, Verschieben und Umbenennen von Dateien, das Ändern von Zugriffsrechten, der Zugriff auf die Festplatte, das Lesen und Ändern von Textdateien mit dem Programm vi (sehr gewöhnungsbedürftig!), das Herunterladen von Dateien mit FTP (obwohl Sie FTP auch vom Mac OS aus benutzen können) sowie neue Programme zu entpacken, zu compilieren und zu installieren.
Diese Aufgaben sind nicht intuitiv und erscheinen am Anfang entmutigend: Allerdings stellten sie sich als einfacher heraus als ich erwartet hatte. Es gibt nette grafische Programme, mit denen man den größten Teil des Kommando-Labyrinths umgehen kann, aber man wird sie kaum korrekt installieren und starten können, wenn man die Grundlagen nicht beherrscht.
X Windows benutzen -- Die Unix-Welt ist nicht komplett textbasiert. MkLinux enthält X Windows, eine graphische Oberfläche, die durch das Kommando X11 gestartet wird. In seiner einfachsten Form beschert einem X mehrere unabhängige Fenster, in denen man die üblichen Kommandos ausführen kann. Man kann das System allerdings ausgestalten, indem man Window-Manager benutzt, mit denen man die Oberfläche individuell einrichten kann.
MkLinux DR2.1 hat zwei freie Window-Manager dabei, den spartanischen "Tab Window Manager" (twm) und den "Freeware Window Manager" (fvwm2). Der letztere hat schöne 3D-Rahmen und bietet scrollende Fenster, mehrere "Seiten" oder Schreibtischoberflächen und alle möglichen Knöpfe, mit denen man die unterschiedlichsten Aktionen auslösen kann, ohne ein Kommando einzutippen.
Für X Windows gibt es reichlich Anwendungen; die meisten sind kostenlos und sehen genauso aus und funktionieren genauso wie von Mac OS und Windows gewohnt. Auf meinem MkLinux-System konnte ich attraktive graphische Programme zur Dateiverwaltung (TkDesk), zum Editieren von Textdateien (Nedit), zum News-Lesen (Knews), zum Email-Lesen (Xfmail), für Dateitransfer (Xftp) und zum Browsen im Web (Mosaic) ohne größere Schwierigkeiten installieren. Netscape Communications hat auch angefangen, Communicator und Navigator für MkLinux zu kompilieren. Es gibt auch einige Spiele, darunter eines namens XBill, bei dem man einen bekannt aussehenden Herren davon abhalten muß, Windows auf einer Reihe von Computern zu installieren. Eine wichtige Quelle für MkLinux-Anwendungen ist das MkArchive.
<ftp://ftp.netscape.com/pub/communicator/4.04/development/english/unix/mklinux/>
<ftp://ftp.dodds.net/pub/linux/mkarchive/>
Zusammenfassung -- Das Arbeiten mit X Windows bringt einen wieder zurück an den Anfang; es bietet die Art von Interface, für die man seinen Mac ursprünglich gekauft hat, obwohl es sich in Aussehen, Funktion und Möglichkeiten deutlich unterscheidet. Das Aufbauen, Verbessern und Instandhalten einer MkLinux-Maschine hält einem garantiert für einige Zeit die Langeweile vom Hals. Es ist auch gut zu wissen, daß es noch mehr zu Experimentieren gibt, besonders da Rhapsody sich der Fertigstellung nähert. Ein größeres Update, MkLinux DR3, wird noch vor Jahresende erwartet und verspricht bessere Performance und mehr Möglichkeiten.
von Arthur H. Bleich <arthur@zim.com>
[Übersetzung: Heike Kurtz]
Es gibt nichts Aufregenderes, als mit einer Digitalkamera zu fotografieren und die Bilder dann - fast ohne Zwischenschritte - am Computerbildschirm aufzurufen und zu sehen, wie sie sich problemlos in ein Bildbearbeitungs-Programm einfügen. Es ist ungefähr das gleiche Gefühl, wie wenn ein Fotoabzug in der Entwicklerflüssigkeit langsam Gestalt annimmt oder die Erregung, die einen ergreift, wenn man noch feuchte Negative von der Spule abrollt und gegen das Licht hält.
Wenn Sie allerdings einen triftigeren Grund als "hört sich an, als mache es Spaß" brauchen, um sich eine dieser neuen Zauberkisten anzuschaffen, sollten Sie die folgenden Vorteile bedenken: Die Bilder sind sofort verfügbar, Sie brauchen nicht zu scannen, Sie haben keine Kosten für Filme (das fördert die Kreativität) und weniger Umweltschmutz, außerdem das gute Gefühl, einer der ersten gewesen zu sein, die die historische Dimension einer neuen fotografischen Entwicklung erkannt und sie genutzt haben. Was auch immer Ihre Beweggründe sein mögen, dieser Artikel wird Ihnen die Grundkenntnisse der Digitalfotografie nahebringen.
In dieser zweiteiligen Serie werde ich mich zunächst mit Auflösung und allgemeinen Themen wie z. B. Lichtempfindlichkeit befassen, die mit der Nutzung einer Digitalkamera einhergehen. Nächste Woche werde ich darauf eingehen, was man beachten solle, bevor man sich eine Digitalkamera kauft und meine Meinung kundtun, welche Kameras im Moment im unteren bis mittleren Preissegment die besten auf dem Markt sind. Zunächst sollten Sie Ihre Suche nach der richtigen Digitalkamera damit beginnen, daß Sie sich fragen, was Sie mit den Bildern machen wollen - die Verwendung der Bilder ist bei der Auswahl der Funktionen, die Sie bei einer Digitalkamera brauchen, sehr wichtig.
Die Auflösung für den Bildschirm -- Wenn man über Digitalkameras und Bildbearbeitung redet, kommt man um das Thema "Auflösung" nicht herum. Darüber ist schon viel geschrieben worden, aber ich werde versuchen, meine Ausführungen so einfach wie möglich zu halten. Wenn Sie gerade keinen Lust auf technische Details haben und die nächsten paar Absätze überspringen wollen, gebe ich Ihnen in bezug auf Auflösung bei Digitalkameras zusammenfassend den Rat: Je höher, desto besser. Denken Sie daran, und Sie werden das Auflösungsproblem zu 101% meistern.
Bevor wir uns auf Bildschirmgrößen und Maßeinheiten stürzen, sollten wir sicherstellen, daß wir über dieselbe Sache reden. Bilder von Digitalkameras (und Scannern) bestehen aus kleinen Quadraten (manchmal Rechtecken), genannt "Pixel". Pixel ist eine Abkürzung für "picture cell" oder "picture element". Auch die Bilder auf einem Computerbildschirm bestehen aus Pixeln. Drucker hingegen reproduzieren Bilder, indem sie viele kleine Punkte auf ein Blatt Papier bringen.
Digitale Bilder und Bildschirmdarstellungen werden in Pixel pro Zoll ["pixels per inch", --HK] (ppi) gemessen. Die Ausgabequalität eines Druckers wird in Punkten pro Zoll ["dots per inch"] (dpi) angegeben. Diese beiden Abkürzungen werden oft verwechselt (besonders, wenn es ums Scannen geht) und das macht manche Puristen wahnsinnig. Um der Genauigkeit willen sollte zwischen den beiden Begriffen ppi und dpi sorgfältig unterschieden werden.
Wenn eine Digitalkamera Bilder mit 640 x 480 ppi aufnimmt, ist die Auflösung der Kamera durch eine altmodische Multiplikation bestimmt: 640 x 480 = 307.200 Pixel.
Angenommen, Ihre Digitalkamera speichert Bilder im voreingestellten Maß 640 Pixel breit mal 480 Pixel hoch. Um festzustellen, wie groß dieses Bild auf einem Computerbildschirm wäre, muß man ein wenig dividieren; auf den meisten Mac-Monitoren zum Beispiel entsprechen 72 Pixel aneinandergereiht einem Zoll. Um also die Länge von 640 Pixeln in Zoll zu ermitteln, muß man 640 durch 72 teilen und kommt so auf 8,8 Zoll (ca. 22,4 cm). Mit der kurzen Seite von 480 Pixel verfährt man genauso und kommt auf 6,6 Zoll (ca. 16,8 cm).
Da 22,4 x 16,8 cm keine schlechte Größe sind, wenn man die Bilder nicht drucken will, sollte eine Auflösung von 640 x 480 ppi also ausreichen. Die Abbildung ist sogar groß genug, daß man unerwünschte Elemente entfernen kann und immer noch einiges zum Betrachten übrig ist.
Die Auflösung zum Drucken -- Wenn Sie dieses Foto allerdings drucken wollen, ist das etwas ganz anderes. Selbstverständlich kann man dieses 640 x 480 ppi-Bild als 22,4 x 16,8 cm großes Foto ausdrucken, aber das Ergebnis könnte unbefriedigend sein - je nachdem, wie genau Sie es mit der Bildqualität nehmen. Das Foto könnte unscharf aussehen oder gezackte Kanten haben - man nennt das Pixelisierung, ein Phänomen, das bei Bildern mit niedriger Auflösung auftritt, wenn nicht genug Pixel da sind, um die Farben oder die Einzelheiten in einem Bild darzustellen.
Um schnell Abhilfe zu schaffen, können Sie Ihr Bildbearbeitungsprogramm das Bild interpolieren lassen, d. h. es fügt mehr Pixel hinzu und erhöht dadurch die ppi-Anzahl. Interpolieren fügt mehr Pixel hinzu, um das Bild glatter aussehen zu lassen, aber die Ergebnisse sind nicht immer befriedigend, denn das Programm muß raten, wo zusätzliche Pixel hinzugefügt werden müssen, welche Farbe sie haben sollen usw. Um die Bildqualität zu bekommen, die Sie benötigen, ist es oft notwendig, das Bild kleiner zu machen - dadurch werden die vorhandenen Pixel enger zusammengeschoben; es entsteht eine höhere Auflösung und ein schöneres Bild.
Jetzt könnten Sie denken: "Mein Farbtintenstrahldrucker gibt mir die Auflösung, die ich brauche, denn er druckt 720 dpi - das steht im Handbuch." Sicher, aber was im Handbuch steht, bedeutet, daß der Drucker maximal 720 Tintenpunkte pro Zoll versprühen kann und durchschnittlich drei Tintenpunkte für das Drucken jedes Pixels zur Verfügung stehen. (Merke: Pixel und Punkte sind nicht dasselbe!)
Wenn Sie also ein Bild mit 640 x 480 ppi haben, das 8,8 x 6,6 Zoll groß ist, hat dieses Bild 72 Pixel pro Zoll und Ihr Drucker wird ca. 216 Tintentropfen pro Zoll (drei Tropfen für jedes Pixel mal 72 Pixel ergeben 216 Tropfen) absondern.
Da Sie für 720 dpi bezahlt haben und nur 216 dpi bekommen, könnten Sie jetzt daran denken, Ihr Geld zurückzufordern. Aber langsam: Sie können dieses Bild mit 720 dpi ausdrucken, wenn Sie es kleiner machen, sodaß es auf 240 Pixel pro Zoll zusammengeschoben wird. Dann würde Ihr Drucker - bei 3 Tintentropfen pro Pixel - seinen Maximal-Output von 720 dpi bringen (sorry, kein Geld zurück). Damit die Pixel so dicht liegen, muß das Originalbild auf 2,6 x 2,0 Zoll (6,6 x 5,1 cm) schrumpfen, eine prima Größe als Wanddekoration eines Puppenhauses.
Aber nur Mut: Die 3:1-Verkleinerung, bei der wir hier gelandet sind, ist nicht unbedingt notwendig. Schon bei 4,4 x 3,3 Zoll (und dann 144 ppi) kann das Ergebnis zufriedenstellend ausfallen, und sogar die Originalgröße von 8,8 x 6,6 Zoll mit den ursprünglichen 72 dpi kann ganz gut aussehen. Wenn Sie natürlich von Anfang an mit einer Kameraauflösung von 1024 x 768 ppi gearbeitet haben, würden Sie exzellente Drucke in 7,1 x 5,3 Zoll (ca. 18 x 13,5 cm) mit 144 ppi bekommen - oder aber annehmbare in 14,2 x 10,6 Zoll (36,1 x 26,9 cm) mit 72 ppi, wenn sie aus großer Entfernung betrachtet werden sollen, denn die Entfernung des Betrachters hat großen Einfluß darauf, wie ein Bild aussieht. Wußten Sie, daß Werbeplakate mit nur 18 dpi gedruckt werden? Sie sehen toll aus, aber nur aus der richtigen Entfernung.
Worauf all diese Rechnerei hinausläuft: Höher ist besser, wenn es sich auf die Auflösung digitaler Kameras bezieht. Kaufen Sie die Kamera mit der höchsten Auflösung, die Sie sich leisten können, falls Sie Ausdrucke auf Papier in vernünftiger Größe haben wollen. Die meisten Kameras bieten eine Palette von höheren und niedrigeren Auflösungen zur Auswahl, aber es ist wahrscheinlich, daß Sie die meiste Zeit die höhere benutzen werden.
Höher ist auch größer -- Natürlich steigt mit der Auflösung auch die Dateigröße an - obwohl die Bilder in den Kameras meist mit dem JPEG-Kompressionsverfahren (Joint Photographic Experts Group) komprimiert werden. Am Anfang werden Sie jede einzelne Aufnahme, die Sie gemacht haben (ein Juwel, wie alle anderen Ihrer Schnappschüsse), speichern wollen; machen Sie sich also darauf gefaßt, daß Ihre Festplatte sich rasch füllen wird (ein weiterer Grund, ein Wechselplattenlaufwerk anzuschaffen, samt einem Stapel von Medien dazu).
Die Dateigröße ist abhängig von dem jeweiligen Bild und dem Kompressionsgrad, den Sie wählen (der kann bei vielen Kameras vom Benutzer eingestellt werden). Ein unkomprimiertes Bild ist ca. fünf- bis zwanzigmal größer als ein komprimiertes. Ein Bild mit 640 x 480 ppi, das auf 50K komprimiert ist, wird, wenn man es in einem Bildbearbeitungsprogramm öffnet, ca. 900K groß sein. Ein Bild mit 1024 x 768 ppi, das auf 200K komprimiert ist, wird ca. 2,25 MB einnehmen. Und wenn Sie 1280 x 1024 ppi wählen (die höchste Auflösung in der Preisklasse von 250 bis 1300 Dollar, die ich betrachten werde), bläht sich ein 900K-JPEG auf 3,75 MB auf.
Aber das ist erst der Anfang. Wenn Sie die Bilder weiter bearbeiten, werden Sie sie nicht als JPEGs speichern wollen, denn beim Reduzieren der Dateigröße geht etwas von der Bildinformation verloren - und wenn die Pixel erst einmal weg sind, können Sie sie nicht wiederherstellen - es sei denn, Sie fangen wieder mit ihrem ursprünglichen Bild an (das Sie natürlich gesichert haben, bevor Sie mit dem Bearbeiten anfingen - stimmt's?). Stattdessen werden Sie Ihre Bilder wahrscheinlich als TIFFs (Tagged Image File Format) sichern, das in einigen Bildbearbeitungsprogrammen die LZW-Kompressionsmethode unterstützt, die ohne Verluste arbeitet, oder aber als unkomprimierte PICTs. (Mehr Information über Bilddateiformate und Kompression gibt es in NetBITS-007.)
<http://db.netbits.net/getbits.acgi?nbart=04458>
Geduld ist ein Pluspunkt -- An dieser Stelle halten wir kurz inne und atmen tief durch. Ich lebe mit mehreren Katzen zusammen und ich rate Frischvermählten immer, sich Katzen anzuschaffen, bevor sie Kinder haben (biologisch unmöglich, aber Sie wissen, was ich meine). Katzen lehren die Menschen, sich in Geduld zu üben und alles zu seiner Zeit zu tun. Digitalphotographie auch. Wenn Sie gerne schnell zu Ergebnissen kommen, wird sie sie Ihnen geben, aber sie wird Sie auch lehren, geduldig zu sein.
Als ich zum erstenmal Bilder von einer Digitalkamera über den seriellen Port des Mac auf meine Festplatte übertrug, war ich zu aufgeregt, um zu bemerken, daß das für jedes Bild ca. 30 Sekunden dauerte. Das hört sich nicht nach viel an, aber wenn man 40 Bilder überträgt, sind das mindestens 20 Minuten, und es dauert noch länger, die Hochformate zu drehen, damit man sich nicht den Hals verrenkt.
Und wenn sie dann übertragen sind, müssen die guten, die schlechten und die häßlichen voneinander getrennt werden und es gibt bis jetzt keine einfache Methode dafür. Der "digitale Kontaktabzug", der vor dem Download angezeigt wird, ist keinen Pfifferling wert. Die Bilder sind zu klein und man sieht keine Details. Stellen Sie sich also darauf ein, die meisten davon zu übertragen. Wenn sie dann endich an Bord sind, ist es nicht einfach, sie am Bildschirm nebeneinander anzuordnen, ohne ihre Größe zu verändern und noch mehr herumzupfuschen.
Um die Sache ein wenig zu vereinfachen, gibt es ein großartiges Freeware-Programm namens Jade 1.2, das, wenn man einen Ordner mit Bildern auf das Programmsymbol zieht, die Bilder in verschiedenen Größen darstellt - wahlweise nebeneinander oder versetzt hintereinander. Leider kann es die Hochformate nicht umdrehen.
<http://www.pdn-pix.com/pdntools.html>
Das wird natürlich irgendwann alles anders. Irgendwann wird man Massen von Bildern in Sekunden übertragen können und die Software wird sich irgendwann um die Positionierung und die Auswahl kümmern. Aber bis dahin - üben Sie sich in Geduld.
Bildbearbeitungssoftware -- Sie werden ein Fotobearbeitungsprogramm brauchen, um Ihre Bilder zu übertragen und zu bearbeiten. Die meisten Kamerahersteller liefern Plug-Ins, um diesen Vorgang zu vereinfachen. Adobes Cross-Plattform-Programm PhotoDeluxe liegt vielen Kameras bei. Ich selbst bevorzuge PhotoFix, das im Bundle PhotoStudio heißt. Man kann schnell bis zu 32 Schritte rückgängig machen oder wiederherstellen, was den Lernprozeß auf ein Minimum reduziert und den Benutzer den ganzen herkömmlichen Dunkelkammer-Kram im Handumdrehen erledigen läßt, ohne daß er ein Vermögen für Workshops und Seminare ausgeben muß. Natürlich können Sie auch die Kanone unter den Bildbearbeitungsprogrammen, Adobe Photoshop, wählen, aber für Hobby-Digitalphotographen ist das viel zu umfangreich (und teuer).
<http://www.adobe.com/prodindex/photodeluxe/main.html>
<http://www.microspot.com/>
<http://www.adobe.com/prodindex/photoshop/main.html>
Lichtempfindlichkeit -- Anders als bei konventionellen Kameras, für die man Filme mit verschiedenen Lichtempfindlichkeitsstufen bekommt, haben Digitalkameras im Preissegment unter 1500 Dollar nur eine einzige fest eingestellte Lichtempfindlichkeit - normalerweise ungefähr äquivalent zu einem Film mit 50 bis 200 ISO/ASA. Das ist aber keine große Einschränkung. Viele von diesen Kameras machen auch bei wenig Licht gute Bilder, weil sie eine ziemlich gute Lichtstärke aufweisen - normalerweise um f-2,8. Standardmäßig haben die meisten auch einen eingebauten Blitz für ganz schlechte Lichtverhältnisse und um tiefe Schatten bei sonnendurchfluteten, kontrastreichen Motiven aufzuhellen. Und wenn es darum geht, Bewegungen einzufangen, haben manche sogar Verschlußzeiten von bis zu 1/10.000 Sekunden!
Was Sie zunächst als störend empfinden könnten, ist die kurze Zeitdifferenz zwischen dem Drücken des Auslösers und der tatsächlichen Aufnahme. Die Kamera braucht dann einen Bruchteil einer Sekunde für die Kalibrierung vor der Aufnahme und für den Weißabgleich. Außerdem gibt es kleine Verzögerungen zwischen den Aufnahmen, wenn die Kamera die Aufnahme verarbeitet und komprimiert, und manche vermissen das Geräusch des Motors, der den Film weitertransportiert. Aber daran gewöhnt man sich schnell.
Lang, lang ist's her -- Im amerikanischen Sezessionskrieg mußten Fotografen wie Brady und O'Sullivan ihre Platten in einem dunklen Zelt mit giftigen Lösungen vorbehandeln und dann ihre Aufnahme machen, bevor die Emulsion trocken war. Das war ein Riesenaufwand, aber das Ergebnis war es wert. Wenn Sie einmal mit der Digitalphotographie angefangen haben, werden Sie sich genauso fühlen (ohne jemals mit Giftstoffen zu hantieren), das garantiere ich.
Nächste Woche werde ich Ihnen mitteilen, welche Kameras ich derzeit für die acht besten im Preissegment zwischen 250 und 1300 Dollar halte.
[Arthur H. Bleich hat schon als Fotograf, Schriftsteller, Filmemacher, Musiker und Lehrer gearbeitet. Zur Zeit ist er der geschäftsführende Direktor des Children's Telemedical Health Fund, der mittels interaktivem Fernsehen kostenlose medizinische und psychologische Behandlung für Kinder anbietet.]
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE].
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Heike Kurtz [HK], Christoph Pfisterer [CP].
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