Brauchen Sie Hilfe beim Strukturieren Ihrer Ideen? Matt Neuburg schreibt über Inspiration 5.0, ein Programm zum Zeichnen von Diagrammen und für Gliederungen. Adam nimmt in dieser letzten Ausgabe des Jahres 1997 die Zahlen unter die Lupe, die der Apple Store zu den finanziellen Ergebnissen von Apple beitragen kann; wir bringen Meldungen zu einem potentiellen 56K-Modem-Standard, einen Nachtrag zum Artikel über digitale Kameras (in TidBITS-408) und Hinweise auf Bezugsquellen für die Mac-Picasso-Monitorkarte, die wir in unserer Geschenks-Sondernummer erwähnt haben. Auf ein gutes Jahr 1998!
Autorisierte Übertragung der TidBITS#410/15-Dec-97.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-410.html>
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Copyright 1997 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier Kommunikation.
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-410.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-410.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-410.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Zum Jahreswechsel -- Die nächste Ausgabe erscheint in der ersten Januarwoch 1998. Wir nutzen diese Gelegenheit, um Ihnen für Ihre netten Worte und Ihre Unterstützung im Jahr 1997 zu danken und wünschen Ihnen das Allerbeste für 1998. 1997 war für die Macintosh-Benutzer ein schweres Jahr; wir wollen hoffen, daß das kommende Jahr Grund für neuen Optimismus bringt. [ACE]
Besuchen Sie die TidBITS-Redakteure -- In meinem Artikel "Eudora: Tips und Tricks" in TidBITS-405 habe ich versprochen, daß ich auf der Macworld Expo in San Francisco am Stand von Peachpit Press zu finden sein werde. Der Zeitplan steht - ich werde am Donnerstag, den 8. Januar, zwischen 14:00 und 16:00 Uhr gerne Ihr Exemplar meines Eudora Visual QuickStart Guide signieren - schauen Sie doch vorbei! Tonya und Jeff Carlson werden wahrscheinlich auch da sein. [ACE]
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-405>
Plug & Play Web Sites in den NetBITS -- Wenn Sie die zwei letzten NetBITS-Ausgaben verpaßt haben, lesen Sie sie wegen eines zweiteiligen Artikels von Peter Kent durch. Er beschreibt, wie Web-Sites ohne einen Streich Programmierung um Dinge wie Chat-Bereiche, Einkaufskörbe und CGIs erweitert werden können. Andere Themen in diesen Ausgaben sind ein Überblick über Hilfsprogramme zum Verschicken von Messages, welche Nummern Sie anwählen können, um 56K-Modems zu testen und Details zur Finanzierung des Internet, zum Unterschied zwischen dem Web und dem Internet und zur Anatomie von Suchmaschinen. Wenn Sie die NetBITS wöchentlich erhalten wollen, schicken Sie Mail an <netbits-on@netbits.net>. [ACE]
<http://www.netbits.net/nb-issues/NetBITS-011.html>
<http://www.netbits.net/nb-issues/NetBITS-010.html>
Seltene MacPicasso-Karte aufgestöbert -- Nachdem sie unsere Weihnachts-Spezialausgabe (TidBITS-409) gelesen hatten, wollten mehrere Leser Bezugsquellen für die Videokarte MacPicasso 516 haben. Es war uns nicht klar gewesen, wie schwierig es sein könnte, eine Bezugsquelle in den Vereinigten Staaten dafür zu finden. Anne-Marie Concepcion <amarie@sdandc.com> hat die Mühe auf sich genommen und Software Hut als den Distributor für die U.S.A. ausfindig gemacht. Sie schrieb: "Laut Software Hut wird die MacPicasso 516 nicht mehr hergestellt, es gibt auch keine Restbestände mehr. Software Hut bietet aber das günstigste aktuelle Modell, die MacPicasso 523, zum selben Preis von 199,95 Dollar an." Software Hut hat Anne-Marie auch mitgeteilt, daß die 523 erst im Januar lieferbar sein wird; sie hat daher statt dessen eine preisgünstige Karte bei MacConnection gekauft.
Als ich bei Software Hut anrief, um Anne-Maries Informationen zu überprüfen, konnte mir ein Mitarbeiter dort den Preis nicht bestätigen. Kai Niggemann <canine@muenster.de>, der in Deutschland lebt und das Produkt vorgeschlagen hat, sagte, daß "die Picasso 516 in Deutschland immer noch beworben" werde. [TJE]
Software Hut (in U.S.A.) -- 001 610/586 5701 -- 001 610/586 5706 (fax)
<softhut@erols.com>
Villagetronic (in Deutschland) -- 0049 05066-7013-10 -- 0049 95966-7013-49
<orders@village.de>
Wird der Krieg um 56K-Standards beendet? -- Die Firmen, die sich im Krieg um die 56K-Standards für Modems befinden, haben eine vorläufige Übereinkunft betreffend die 56K-Technologie erzielt, die zu einem einheitlichen Standard führen könnte. Diese Übereinkunft kommt schneller, als wir es erwartet haben - in einem Artikel in den NetBITS ("Speed Jockeys on the Internet: Flying at 56K") vor kurzem haben wir berichtet, ein Standard sei nicht vor September 1998 zu erwarten. Es scheint nun, als hätte das Fehlen eines einheitlichen Standards die größeren Teilnehmer am Kampf zu sehr getroffen, darunter 3Com/USRobotics einerseits und Lucent Technologies und Rockwell Communications andererseits. Erste Berichte sprechen davon, daß in der einheitlichen 56K-Technologie Elemente der derzeitigen Konzepte K56flex und X2 enthalten sein werden. Möglicherweise wird die ITU diese Übereinkunft verwenden, um auf ihrer Januar-Konferenz einen vorläufigen Standard zu entwerfen. Es könnte also gut sein, daß der endgültige Standard auf der September-Konferenz der ITU verabschiedet wird. [JLC]
<http://db.netbits.net/getbits.acgi?nbart=04451>
<http://www.itu.int/>
<http://www.3com.com/news/releases/dec0897c.html>
<http://www.lucent.com/press/1297/971205.mea.html>
Frontier 5.0: Alpha-Versionen für Mac und Windows -- UserLand Software hat die ersten öffentlichen Alpha-Versionen von Frontier 5.0 für den Mac und, das erste Mal überhaupt, für Windows herausgebracht. Frontier ist eine kostenlose integrierte Kombination aus Scripting-Umgebung, Gliederungs-Programm und objektorientierter Datenbank, die unter Mac-Benutzern wegen ihrer Fähigkeit, Applikationen miteinander zu verknüpfen, eine loyale Anhängerschaft gewonnen hat. Die jüngsten Versionen haben sich darauf konzentriert, den Verwaltern von Web-Sites auch in komplexen und oft zu verändernden Situationen zu helfen (siehe "Netze knüpfen, Teil 5: Mit Frontier zu neuen Ufern" in TidBITS-389). Wenn Sie Frontier zum Betrieb einer Web-Site benutzen, beachten Sie die wichtigen Änderungen, die die neueste Version aufweist. Bedenken Sie weiter, daß Alpha-Versionen vielleicht noch instabil sein können und möglicherweise nicht alle Optionen der endgültigen Version aufweisen. [ACE]
<http://www.scripting.com/frontier5/>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-389>
<http://www.scripting.com/frontier5/migration/>
COPSTalk 2.5 verbindet Win95 und AppleShare IP -- Apples AppleShare IP 5 und ShareWay IP von Open Door Networks gestatten Mac-Benutzern den Zugriff auf AppleShare-Volumes über das Internet. Bisher konnten Benutzer von Windows 95 auf solche AppleShare-Volumes über das Internet nicht zugreifen; mit dem Erscheinen des Programms COPSTalk 2.5 von COPS Inc. (159 US$) wird das nun möglich. COPSTalk wird derzeit mit dem Paket AppleShare IP 5 mitgeliefert. Eine Testversion für 10 Tage kann aus dem Net heruntergeladen werden. [ACE]
<http://appleshareip.apple.com/>
<http://www.opendoor.com/shareway/>
<http://www.copstalk.com/news/ctw_2_5_pr.shtml>
<http://www.copstalk.com/docs/ctw2_5doc/ctw2_5_upgrade.htm>
AutoShare 2.0 publiziert -- Mikael Hansen hat AutoShare 2.0, die neueste Version seines kostenlosen Programms zum Verwalten von Mailing-Listen und zum automatischen Beantworten von E-Mail, herausgebracht. AutoShare ist klein, schnell, skriptfähig und arbeitet mit dem Eudora Internet Mail Server ebenso zusammen wie mit dem Stalker Internet Mail Server. Neu an der Version 2.0 ist eine vollständig überarbeitete Dokumentation, die Unterstützung mehrerer Preference-Sets zur Handhabung mehrerer Domains, erweiterte Verwendung von Filter-Prozessen und Verbesserungen an der Benutzeroberfläche. [ACE]
<http://www.dnai.com/~meh/autoshare/>
Pixel Perfect -- Im Gefolge der Artikel von Arthur H. Bleich <arthur@zim.com> über digitale Kameras (siehe TidBITS-407 und TidBITS-408) haben einige scharf beobachtende Leser darauf hingewiesen, daß die Auflösung von Kameras in Pixeln pro Zoll (ppi) angegeben wird, obwohl sie eigentlich nur in Pixeln angegeben sein sollte. Eine digitale Kamera nimmt ihr Bild an einer Oberfläche auf, die aus lichtempfindlichen Elementen besteht, aber diese Oberfläche ist nicht auf ein bestimmtes Maß festgelegt. Wenn die fertige Aufnahme auf einem Bildschirm gezeigt wird, kann sie korrekt in Pixeln pro Zoll, etwa 640 zu 480 ppi, beschrieben werden.
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-407>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-408>
Andrew Nielsen <andrews@starfish.net.au> teilte uns aus Australien mit, daß außerhalb der U.S.A. die Olympus-Modelle 200, 300, 500 und 600 die Bezeichnungen 400, 800, 1000 und 1400 tragen. Wir haben auch erfahren, daß Arthur ab Januar für ZoneZero zweimal im Monat eine Kolumne schreiben wird. [JLC]
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Heike Kurtz]
Apples Online Store, der bereits im Vorfeld viel Beachtung gefunden hatte, meldete für den ersten Geschäftsmonat Ergebnisse, die sich eindrucksvoll anhören. Keine Frage - der Apple Store ist ein Erfolg im Internet. Aber wirkt sich das positiv auf die allgemeine finanzielle Situation der Firma Apple aus?
Am Tag nach der Eröffnung des Apple Store gab Apple bekannt, innerhalb von 12 Stunden 500.000 Dollar Umsatz gemacht zu haben und vergangene Woche veröffentlichte Apple eine Pressemitteilung, die verkündete, der Umsatz des ersten Monats beliefe sich auf 12 Millionen Dollar. Diese Zahlen hören sich beeindruckend an, aber ein Riesen-Umsatz bedeutet nicht unbedingt einen ebensolchen Gewinn. Natürlich möchte ich das, was Apple mit dem Apple Store erreicht hat, nicht schlecht machen, sondern lediglich darauf hinweisen, daß die genannten Umsätze die Situation wahrscheinlich zu rosig darstellen. Dies sollte man beim Betrachten der Zahlen im Hinterkopf haben:
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1998/q1/971210.pr.rel.store.html>
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1998/q1/971111.pr.rel.onlinestore.html>
Dollars pro Jahr? -- Wenn der Apple Store den Umsatz des ersten Monats von 500.000 Dollar in zwölf Stunden halten könnte, dann wäre das eine Million am Tag bzw. 30 Millionen im ersten Monat. Selbst wenn man diese Annahme halbiert, da wahrscheinlich die meisten Bestellungen in den zwölf Stunden eingehen, die ungefähr den Bürozeiten in den USA entsprechen (der Apple Store nimmt noch keine Bestellungen aus dem Ausland an), bleiben immer noch 15 Millionen - also 3 Millionen mehr, als Apple nach eigenen Angaben im ersten Monat umgesetzt hat. (Böse Zungen behaupten, daß die Werbeaktion mit der Gratis-Kamera, die im Apple Store lief, ganz zufällig in die letzte Woche des ersten Geschäftsmonats fiel und die Zahlen vielleicht etwas angehoben haben könnte.)
Es sieht also so aus, als ob der Apple Store den typischen "Splash"-Effekt im Internet für sich verbuchen kann - neue Angebote werden unmittelbar nach Erscheinen sehr stark beachtet und es ist schwierig, diese Aufmerksamkeit für eine längere Zeit zu binden. Neue, wichtige Web Sites werden unmittelbar nach Ankündigung oft mit Anfragen überschwemmt und später gehen die Hits dann auf ein niedriges Niveau zurück.
Hoffentlich ist das beim Apple Store nicht so. Bei 12 Millionen Dollar im Monat würde der Apple Store rund 144 Millionen Jahresumsatz machen - nicht gerade "Peanuts", aber im Vergleich zu den schlechteren Quartalsergebnissen ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn diese 144 Millionen sind natürlich Bruttoumsatz und nicht der Gewinn - Apples Marge bei Direktverkäufen ist zwar nicht bekannt, aber mehr als 35% sind unwahrscheinlich (die Großhandelsmarge war immer rund 20% und Distributoren und Händler schlagen noch einmal 15% drauf, bevor sie zum Endverbraucherpreis kommen). Wenn diese Zahlen halbwegs stimmen, würde der Apple Store jährlich ca. 50 Millionen Dollar zum Betriebsergebnis beitragen. Tatsächlich?
Der Apple Store bekommt Bestellungen, die ansonsten meist bei anderen Macintosh-Händlern eingegangen wären. Wenn man also davon ausgeht, daß Apple an einem Mac, der über den Apple Store und nicht über den Einzelhandel verkauft wird, 15% mehr verdient, wären 85% von diesen 50 Millionen Dollar Gewinn auch ohne Apple Store gemacht worden, was den finanziellen Vorteil durch den Apple Store auf ca. 7,5 Millionen reduziert (immer unter der Voraussetzung, daß damit tatsächlich jeden Monat 12 Millionen Dollar Umsatz gemacht werden).
Lohnt sich das? Könnte sein, aber Apple bewegt sich auf einem schmalen Grat. Anders als das Aushängeschild des Direktverkaufs, Dell Computer, hat Apple immer auf die Einzelhändler gesetzt und wird das auch weiterhin tun, denn nur bei den lokalen Computerhändlern kann der Kunde einen Mac ausprobieren, bevor er ihn kauft. Dell hat dieses Problem nicht, denn man kann einen beliebigen PC in jedem Computerladen ausprobieren und dann davon ausgehen, daß er bei gleicher Konfiguration ungefähr so funktionieren wird wie der Dell, den man bestellt.
Ich sprach mit Michael Koidahl, dem Geschäftsführer von Westwind Computing, meinem bevorzugten Computerhändler im Raum Seattle, darüber, was ein Einzelhändler vom Apple Store hält. Er ist der Meinung, daß der Apple Store im Moment den Händlern schadet, denn diese dürfen keine in Wunschkonfiguration gefertigten Macs verkaufen. Michael sagte, daß Apple den Händlern versprochen habe, im ersten Quartal 1998 diese Möglichkeit anzubieten. Zweifelsohne dauert es eine Weile, ein solches System einzurichten (die Händler müssen sich schließlich die nötigen Teile auf Lager legen), aber Michael schlug vor, daß Apple die bereits bestehende Reparatur-Infrastruktur stärken könne, sodaß Händler Teile bestellen und lagern und dann entweder für Reparaturen oder zum Zusammenbau von Wunschkonfigurationen verwenden könnten. Dadurch würde außerdem der Kundendienst wesentlich beschleunigt, da die Händler bei Reparaturarbeiten nicht mehr warten müßten, bis die entsprechenden Teile von Apple eingetroffen seien).
Wieviele Kunden, wieviele Macs? -- Ein weiterer Irrtum, der entstehen könnte, wenn man nur die Verkaufszahlen des Apple Store betrachtet, sollte zumindest erwähnt werden: Apple berichtete, es seien in den ersten zwölf Stunden Bestellungen im Wert von 500.000 Dollar eingegangen. Wenn man von einem durchschnittlichen Bestellwert von 2500 Dollar ausgeht, wären das nur 200 Kunden. Das ist nicht gerade schlecht für 12 Stunden, aber es ist weniger beeindruckend, wenn man bedenkt, daß der Apple Store in dieser Zeit ca. 4,4 Millionen Hits (bei ca. 20 bis 50 Hits pro Person) hatte. Das heißt, viele Leute haben sich die Site angeschaut, aber nur wenige haben etwas gekauft.
Wenn man von dem Monat ausgeht, in dem der Apple Store 12 Millionen Dollar umgesetzt hat und einen Durchschnitts-Bestellwert von 2500 Dollar annimmt, kommt man auf ca. 4800 Kunden, d. h. 160 pro Tag - etwas weniger als der Ansturm in den ersten zwölf Stunden. 160 Kunden am Tag sind nicht zu verachten, aber selbst wenn jeder dieser Kunden einen Rechner kauft (bei 2500 Dollar pro Bestellung muß das wohl so sein), kommt man auf nur 58.400 Macs, die pro Jahr online verkauft werden. Zu ihren Glanzzeiten hat die Firma Apple mehr als eine Million Macs pro Quartal verkauft (und selbst heute sind es noch ca. 650.000). 58.400 Geräte pro Jahr sind also nicht gerade viel.
An dritter Stelle? -- Apples Pressemitteilung stellte die Behauptung auf, daß der Apple Store die drittgrößte Elektronik-Verkaufs-Site im Internet sei. Es wurden keine Details genannt, die diese Behauptung untermauern und Apples PR-Abteilung hat meine Anfragen nicht beantwortet, aber ironischerweise gab Dell am selben Tag, an dem die Pressemitteilung von Apple herauskam, auch Zahlen bekannt. In einer Grundsatzrede auf der Internet World sagte Michael Dell, der Chef von Dell, daß seine Firma über ihre Web Site mehr als 3 Millionen Dollar am Tag umsetzt und daß an manchen Tagen in der Vorweihnachtszeit Bestellungen im Wert von bis zu 6 Millionen Dollar eingehen. Das ist ca. 1 Milliarde Dollar Umsatz im Jahr. Dell erwartet, bis zum Jahr 2000 die Hälfte des gesamten Umsatzes mit Online-Bestellungen zu machen.
Kurz: Der Apple Store ist zwar ein Internet-Erfolg, wird aber bei den derzeitigen Umsätzen an der finanziellen Situation wenig ändern. Außerdem kaufen viele Leute deshalb beim Apple Store ein, weil man nur dort seine Wunschkonfiguration bekommen kann - die Tatsache, daß Apple bisher überhaupt nicht in der Lage war, von der Standardkonfiguration abzuweichen, hat schon seit langem die Käufer frustriert. Wenn die Apple-Händler im kommenden Jahr ebenfalls "Built-to-order" Macs [Macs, die gemäß den Wünschen des Kunden konfiguriert und zusammengebaut werden, --HK] verkaufen dürfen, wird der Apple Store seine erste große Herausforderung erleben. Andererseits könnte der Umsatz eine wesentliche Verbesserung erfahren, wenn der Apple Store für das internationale Geschäft geöffnet wird und Bestellungen aus Teilen der Welt eingehen, in denen Apple-Händler eher spärlich vertreten sind. Im Idealfall wird der Apple Store seinen Teil zum Gesamtergebnis beitragen, ohne den Händlern, die Apple für Verkauf, Support und Kundendienst braucht, das Wasser abzugraben.
von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Da ich hoffnungslos süchtig bin nach vielseitigen Strukturen, mit denen ich Text speichern und bearbeiten kann, hatte ich zuletzt keine erfreulichen Zeiten - der Support für einige meiner liebsten Applikationen schwindet dahin. Klar - ein Computerprogramm stellt weder seine Funktion ein noch hört es gar auf zu existieren, wenn der Hersteller den Verkauf oder die Weiterentwicklung beendet. Ich finde es aber doch traurig, daß derart faszinierende Programme wie In Control (TidBITS-191), Info Depot und MORE (TidBITS-198) nicht mehr erhältlich sind.
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=02443>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=02381>
Aus diesem Grund fand ich es im September herzerfrischend zu hören, daß die Firma Inspiration Software, Inc. ihr Flaggschiff-Produkt, ein Diagramm- und Gliederungsprogramm, in der Version 5.0 herausbringt, mit dem sie ihren Namen teilt: Inspiration. Zuletzt habe ich mich 1993 mit Inspiration beschäftigt (TidBITS-180); ich freue mich, das Programm nach all diesen Jahren mit solcher Macht zurückkehren zu sehen. Die Firma hat Inspiration die Aussicht auf Erfolg mitgegeben, indem sie es für Windows ebenso wie für Macintosh publiziert; dazu kommen spezielle Ausgaben für den Grundschul- und den höheren Bildungsbereich.
<http://www.inspiration.com/>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=02542>
Zeig mir ein Bild... -- Ein Dokument von Inspiration können Sie entweder als Gliederung oder als Diagramm bearbeiten. Zwar sind Diagramme normalerweise nicht mein Bier, aber die Möglichkeiten, die Inspiration auf diesem Gebiet hat, sind flott und leicht zu handhaben, andererseits aber weit gespannt und flexibel genug, um den meisten Bedürfnissen dienen zu können. Es ist also leicht einzusehen, warum die Web Site der Firma diesen Aspekt des Programms betont.
Ein Diagramm von Inspiration besteht aus "Ideen", die durch "Links" miteinander verbunden sind. Eine Idee ist ein Stück Text (meistens in einer Grafik oder einer solchen benachbart); ein Link ist eine Linie, unter Umständen mit einem Pfeil oder einem Etikett. Stellen Sie sich zum Beispiel ein Flußdiagramm vor, ein Organisationsschema oder ein Prozeß-Flußdiagramm - das sind die Objekte, die Sie mit Inspiration darstellen können.
Inspiration stellt viele Möglichkeiten zur Verfügung, um das Diagramm modifizieren zu können. Die voreingestellten Merkmale neuer oder ausgewählter Ideen können geändert werden; eine Idee kann anders positioniert und in ihrer Größe verändert werden, ihre Flächen-, Linien- und Textfarben können ebenso festgelegt werden wie Flächen- und Linienmuster, Linienstärken und der Stil aller Teile des Texts. Dasselbe können Sie für Links machen (diese haben freilich keine Flächenfüllung), bei denen Sie auch noch die Pfeile an beiden Enden anbringen und entfernen, das Text-Etikett verschieben, den genauen Ein- oder Austrittspunkt eines Links bei einer Ideen-Grafik festlegen und denen Sie diverse Gestalten geben können, so etwa spezielle Zickzackformen oder Kurven.
Inspiration wird mit einer großen Bibliothek an Grafiken ausgeliefert; Sie können sich aber auch Ihre eigenen verwenden. Sie brauchen nur irgendein Bild auf eine Idee zu kopieren, um es zur Grafik dieser Idee zu machen. In diesem Fall fehlen diesem Bild aber einige "intelligente" Merkmale der mitgelieferten Grafiken wie etwa ein abgegrenzter Textbereich im Inneren. Sie können auch grafische Elemente im Hintergrund eines Diagramms einfügen, indem Sie sie mit den Werkzeugen des Programms zeichnen - Sie könne aber kurioserweise keine Hintergrundgrafik importieren.
Wohldurchdachte Features machen es leicht, ein Diagramm zu modifizieren. Sie können Ihre Sicht auf das Diagramm vergrößern oder verkleinern (als Zoom). Wenn Sie Ideen in einem vorhandenen Link einfügen oder daraus entfernen, wird der Link automatisch angepaßt. Sie können eine andere Idee zur "Haupt-Idee" machen. Sie können Ideen aneinander ausrichten und sie auch in großer Zahl in verschiedenen Rastern anordnen.
Unterordnung und Nicht-Unterordnung -- Das Diagramm stellt auch eine Hierarchie dar. Es gibt eine Haupt-Idee (der alle anderen untergeordnet sind); Links haben ihre Richtungen, sodaß, wenn ein Link von Idee A zu Idee B führt, Idee B eine Unter-Idee von Idee A ist. Diese Hierarchie verbindet die Diagramm-Ansicht eines Dokuments mit der Gliederungs-Ansicht - deshalb kann ein Diagramm auch als Gliederung betrachtet werden.
Einige sehr intelligente Möglichkeiten der Diagramm-Bearbeitung machen sich diese Hierarchie zunutze. Die Unter-Ideen einer bestimmten Idee (oder alle ihre Unter-Ideen unterhalb einer bestimmten Ebene) können ausgeblendet werden; auch alles außer einer Idee mit ihren Unter-Ideen kann versteckt werden.
Freilich gibt es hier ein Problem: Sie können mit einem Diagramm Dinge anstellen, die mit einer einfachen Hierarchie-Struktur von Typ einer Gliederung nicht möglich wären. In einem Diagramm können Sie A mit C und auch noch B mit C, B mit A und C mit B verbinden - was auch immer hilft, die Beziehungen auszudrücken, die Sie deutlich machen wollen. Solche mehrfachen und rückverweisenden Bezüge können in einer Gliederung nicht aufscheinen.
Ich finde Inspirations Lösung für dieses Paradoxon ein wenig verwirrend. Es gibt immer eine zugrundeliegende Gliederungs-Hierarchie, die sichtbar wird, wenn Sie in die Gliederungs-Ansicht wechseln. Leider handelt es sich dabei nicht um das, was Sie vielleicht erwarten (ich nehme an, es hängt in irgendeiner Weise davon ab, wie die Ideen ursprünglich erstellt worden sind, aber von dem Algorithmus mache ich mir, ehrlich gesagt, keine Vorstellung. Ideen müssen auch nicht unbedingt eine Verbindung zum Haupt-Diagramm haben; solche "losen" Ideen erscheinen in der Gliederung als Unterthemen eines speziellen Themas "Verschiedene Gedanken". Wenn ein Diagramm so komplex wird, daß die Gliederungs-Ansicht irrelevant wird, können Sie immer noch ganz darauf verzichten; Inspiration bietet eine spezielle "Text"-Ansicht, die einen Zugriff auf Texte ganz ohne Hierarchie gestattet.
Die Gliederung von innen gesehen -- Der Gliederungsmodus, der das Betrachten und Bearbeiten von Dokumenten in Gliederungs-Ansicht erlaubt, ist sehr vielseitig und gegenüber der Version 4.0 stark verbessert, wo er im ganzen so arm an wesentlichen Kurzbefehlen war, daß er für ernsthafte Arbeit nicht zu gebrauchen war. Die Version 4.0 lieferte keinen Grund, daß jemand überhaupt Inspiration als Gliederungsprogramm auswählen sollte; in der Version 5.0 hingegen gibt es nur sehr wenige Gründe, dies nicht zu tun. Inspiration bietet nun alle Tastaturkürzel und andere Hilfen, die man zum Bewegen in einer Gliederung und zu ihrer Bearbeitung erwarten kann - den Sprung zum übergeordneten Eintrag, eine Zeile verschieben, Unterthemen in der Hierachie nach unten oder oben verschieben, alles außer einem bestimmten Eintrag und seinen Unterthemen ausblenden und so weiter (es gibt einen Befehl, um ein Thema in zwei aufzuspalten, aber keinen, um zwei Themen zu einem zu vereinigen - eigenartig).
Es gibt Möglichkeiten, die Textgestaltung auf mehreren Ebenen voreinzustellen, die ich als gut bezeichnen würde, aber nicht als großartig (besonders im Vergleich zu MORE). Das Präfix, das jedem Gliederungspunkt vorangestellt ist, kann geändert und angepaßt werden. Ein Thema kann eine Anmerkung haben, die sogar eine Grafik enthalten kann und (auch im Diagramm-Modus) wahlweise ein- oder ausgeblendet werden kann. Ein Eintrag kann - bemerkenswert für ein Gliederungsprogramm! - auch Zeilenschaltungen aufweisen. Sie können mehrere nicht zusammenhängende Themen zu einem Eintrag zusammenfassen. Ein "Summations"-Feature setzt eine Zahl in einen Eintrag ein, die die Summe aller Zahlen in den entsprechenden Sub-Themen mit einem bestimmten Format ist; ich habe ein ähnliches Feature in MORE nützlich gefunden, um Verzeichnisse, nach Kategorien geordnet, zu führen.
Inspiration 5.0 hat ein Merkmal behalten, das mich schon in der Version 4.0 sehr beeindruckt hat: Jeder Eintrag in einer Gliederung (bzw. in der Diagramm-Darstellung jede Idee) kann in Form eines angefügten "Child"-Fensters eine zweite, beinahe hypertextuelle Dimension der Hierarchie haben, das jederzeit geöffnet werden kann. Diese Fenster sehen wie separate Inspiration-Dokumente aus, sie sind aber tatsächlich Teil desselben Dokuments. Natürlich kann jeder Eintrag in einer Child-Gliederung wieder seine eigenes Child-Fenster haben. Ein Inspiration-Dokument kann auf diese Weise einen Schwarm von Sub-Dokumenten enthalten, von denen jedes durch ein bestimmtes Thema des Hauptdokuments oder eines Unterdokuments aufgerufen werden kann. Das nenne ich eine mächtige und interessante Struktur zum Speichern und Bearbeiten von Text!
Das Import-Export-Geschäft -- Die Import- und Exportfähigkeiten von Inspiration sind bemerkenswert gut. Ein Diagramm kann als PICT oder als GIF exportiert werden. Was Gliederungen anlangt, öffnet Inspiration Outlines von MORE direkt (und ohne jeden Fehler, so weit ich das sehe). Das Programm öffnet auch Text-Dateien und interpretiert dabei Tabulatoren als Gliederungsebenen und Zeilen ohne Tabs als Anmerkungen. Es öffnet auch Files von Microsoft Word, wenn diese im RTF-Format (Rich Text Format) gespeichert sind; dabei werden die Heading Styles von Word als Hinweise auf die Gliederungsebene benutzt und die Zeichenformatierung bleibt ziemlich gut erhalten. Eine Gliederung kann in diesen und einigen anderen Formaten exportiert werden (leider erlaubt Inspiration es nicht, die Anmerkungen allein zu exportieren).
Heutzutage ist es ein Muß für den Hersteller, sein Produkt als dem Internet angepaßt anzupreisen - Inspiration ist da keine Ausnahme: Gliederungen können als HTML exportiert werden. Ich schätze diese Option, weil ein Gliederungsprogramm eine ausgezeichnete Umgebung zum Erstellen und Pflegen einiger Typen von Web-Seiten sein kann. Inspiration bietet vier Möglichkeiten an - eine einzelne Web-Page, die mit Listen die Original-Gliederung weitgehend nachbildet; eine einzelne Page, auf der die Gliederung ohne Anmerkungen vor derjenigen mit Anmerkungen erscheint (erstere fungiert dann als Link-Index zu letzterer); zwei Web-Seiten, von denen eine als Index für die andere dient, und mehrere Web-Pages (je eine pro Eintrag der obersten Ebene), die durch eine Index-Seite mit Verweisen auf die anderen Pages zusammengehalten werden.
Leider läßt die Implementation Optionen zum Formatieren der fertigen HTML-Seiten vermissen - alle Themen werden fett formatiert, alle Anmerkungen normal; Sie können Ihren eigenen HTML-Code per Hand einfügen, das schon. Internationale Zeichen werden nicht richtig behandelt.
Sinnreiches, Merkwürdiges, Häßliches und Folgerungen -- Die Benutzeroberfläche von Inspiuration 5.0 im Ganzen ist bewundernswert - eine wohldurchdachte Verbesserung gegenüber dem klobigen und verwirrenden Interface von 4.0. Zahlreiche Befehle und Modi machen Brainstorming ebenso möglich wie die rasche Erstellung eines Diagramms oder einer Gliederung, ohne die Maus zu benutzen. Oft gebrauchte Befehle sind durch eine Kombination aus Tastendruck und Mausklick, durch Doppelklick oder über sinnvoll arrangierte Paletten, die Teil des Fensters sind und versteckt werden können, verfügbar. Andererseits können Sie alles auch nur über Menüs und einige wenige Tastaturkürzel machen.
Auf der Negativseite bleiben einige rauhe Kanten bestehen. Einige der Schwächen, die ich noch nicht erwähnt habe, sind:
In meinem Artikel über 4.0 habe ich bemängelt, daß die Möglichkeiten zum Manipulieren von Text fehlerhaft sind; zwar sind die meisten meiner Kritikpunkte nicht mehr aktuell, aber einige Überraschungen bleiben aufrecht. Wenn Sie etwa in der Wendung "Guten Tag" unmittelbar nach dem "n" doppeltklicken, wird "Tag" ausgewählt.
Wenn Sie von der Diagramm- zur Gliederungsdarstellung und wieder zurück wechseln, hat sich das Diagramm von der Stelle, von der Sie es verlassen haben, per scrolling weiterbewegt - eine verwirrende Sache.
Wenn Text in einem Diagramm beschnitten wird oder zu klein zum Lesen ist, können Sie den Mauszeiger darauf positionieren; in einem Status-Balken am unteren Rand des Fensters wird der Text dann leserlich dargestellt. Wenn allerdings der Text auch für den Status-Balken noch zu lang ist, wird er auch dort beschnitten - eine dumme Sache. Der Status-Balken sollte sich so erweitern, daß der gesamte Text zu sehen ist.
Der Rückgängig-Befehl macht eine Reihe von Aktionen nicht rückgängig.
Inspiration ist nicht skriptfähig. Stellen Sie sich nur die Möglichkeiten vor, wenn es durch Skripts gesteuert werden könnte!
Im großen und ganzen war mein Eindruck von Inspiration 5.0 hochgradig positiv. 5.0 ist ein Quantensprung gegenüber der schwachen Version 4.0, die ich vor vier Jahren besprochen habe. Es ist nun ein ernstzunehmendes und wertvolles Programm für Diagramme und Gliederungen; es verdient in beiden Hinsichten Beachtung.
Inspiration 5.0 kostet etwa 100 US$, eine kostenlose Demoversion ist im Web zu haben.
<http://www.teleport.com/~inspirat/demoform.html>
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Jeff Carlson [JLC], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE], Matt Neuburg [MN].
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Heike Kurtz [HK].
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