Nachdem wir vier Tage auf der Macworld Expo in San Francisco verbracht haben, fassen wir nun unsere Eindrücke zusammen: Steve Jobs hat einen Gewinn von 45 Millionen Dollar für Apple verlautbart, aber sonst nicht viel; unser Redakteur Matt Neuburg hat nach Wechselplattensystemen Ausschau gehalten; Adam hat die Trends der diesjährigen Messe beobachtet; Jeff Carlsons Aufmerksamkeit war Grafikprogrammen gewidmet; der Superlative-Artikel befaßt sich dieses Jahr mit der Frage "Was hat es mit Latexanzügen auf sich?".
Autorisierte Übertragung der TidBITS#412/12-Jan-98.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-412.html>
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-412.etx>
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[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Jobs kündigt Gewinn von 45 Millionen Dollar an
-- Obwohl die Einführungsrede von Steve Jobs auf der Macworld Expo in San
Francisco nicht viel von seinem Showtalent enthielt, für das er bekannt ist,
auch kaum Neues zu Apples Zukunft, schaffte er es doch, seine Auftritt mit einer
Überraschung zu beenden: Apple erwartet bei einem Gesamtumsatz von 1,575
Milliarden Dollar im ersten Quartal 1998 einen Gewinn von 45 Millionen. Laut Apple
soll dieser Gewinn nicht in bilanztechnischen Tricks seine Ursprung haben, sondern
ein echter Gewinn aus dem operationalen Bereich sein. Er sei zum Teil auf gute
Verkäufe der neuen G3-Systeme (mehr als 130.000 Stück im Jahr 1997) und
auf Umsätze über CompUSA zurückzuführen (wo spezielle
Mac-Bereiche in den Läden eingerichtet werden). Apple hat auch den Beitrag
des neuen Online Store und der Fertigungsweise auf Kundenbestellung hervorgehoben.
Ob Apple auch im Laufe des Jahres 1998 in der Gewinnzone bleiben kann, ist fraglich;
sicher stellt die Bekanntgabe eines Gewinns zum momentanen Zeitpunkt eine moralische
Stärkung für Partner, Aktionäre und Kunden dar. [GD]
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1998/q2/980106.pr.rel.q1profits.html>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=04252>
<http://info.compusa.com/apple/default.asp>
Massenspeicher-Kriege -- Suchen Sie nach einem Wechselplatten-Laufwerk mit Gigabyte-Kapazität? Unser Redakteur Matt Neuburg auch; also haben wir auf der Macworld Expo Iomegas Jaz-Laufwerk (derzeit 1 GB je Medium, demnächst aber 2 GB), SyQuests SyJet-Laufwerk (1,5 GB) und das kommende Orb-Drive von Neuling Castlewood Systems (2,1 GB) verglichen. Nach Gesprächen mit Mitarbeitern der Firmen stellt sich heraus, daß sich die Unterschiede auf Preis und Verbreitungsgrad reduzieren lassen, daneben - vielleicht - auf Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Das SyJet ist derzeit das preisgünstigste Produkt, besonders bei einem Messepreis von 249 US$ samt zwei Cartridges. Das Jaz-Laufwerk mit 1 GB ist das am weitesten verbreitete (mehr als eine Million Stück sind verkauft) und bietet sich daher am ehesten unter dem Aspekt der Kompatibilität und des Dateienaustauschs an. Das Orb-Laufwerk wird, wenn es auf den Markt kommt, das preiswerteste und schnellste sein und die höchste Kapazität haben. Es könnte auch das zuverlässigste Produkt sein, weil es einen einfacheren Mechanismus aufweist (die ersten Exemplare von Wechsellaufwerken haben allerdings oft Probleme).
Für Backup-Zwecke eines einzelnen Benutzers scheint also das SyJet 1.5 GB die beste Wahl zu sein. Das Jaz 1 GB dürfte ideal für alle User sein, die viel mit Belichtungsstudios arbeiten. Das Orb-Laufwerk (falls es die Erwartungen erfüllen kann) wird beim einzelnen Benutzer eine ernsthafte Konkurrenz darstellen (auch weil die Orb-Cartridges mit 30 US$ pro Stück viel billiger sind als bei den beiden anderen Produkten), es könnte allerdings eine Weile dauern, bis es bei Belichtern weitere Verbreitung findet. [ACE]
<http://www.iomega.com/product/jaz/>
<http://www.syquest.com/products/m_syjet.html>
<http://www.castlewoodsystems.com/>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Heike Kurtz]
Ich ging dieses Jahr mit einer gewissen Beklommenheit auf die Macworld Expo in San Francisco. 1997 überstürzten sich die Ereignisse in Bezug auf die Macintosh-Gemeinde - Macintosh-Clones kamen auf und gingen wieder unter, Microsoft verstärkte sein Engagement für die Macintosh-Plattform, CEO Gil Amelio und andere leitende Mitarbeiter nahmen ihren Hut und Steve Jobs kam wieder zurück und wurde de-facto-CEO ohne offiziellen Titel.
Der erste Tag der Messe war besorgniserregend ruhig. Jobs' Grundsatzrede wurde zwar freundlich aufgenommen - besonders der Bericht über einen Gewinn von 45 Millionen Dollar im ersten Quartal 1998, aber es gab nichts Neues zum Thema CEO; Jobs konzentrierte sich mehr auf die Vergangenheit und die Gegenwart, ohne allzuviel über Apples Zukunftspläne zu sagen. Die Messestände waren zwar nicht gerade einsam und verlassen, aber man kam am ersten Tag sehr gut durch - vielleicht weil viele Leute auf Konferenzen waren.
Nach den Sorgen des ersten Tages wurde es am zweiten Tag aufgrund der gestiegenen Besucherzahlen wesentlich schwieriger, sich in den Gängen zu bewegen. Die meisten Aussteller, mit denen ich sprach, waren zufrieden mit dem Messeverlauf und es wurde viel gekauft. Eine Firma berichtete, sie habe mehr Exemplare ihres Produktes verkauft als auf der Comdex - die eine wesentlich größere Veranstaltung ist - und am letzten Tag standen am Verkaufsstand von Connectix immer etwa 30 bis 40 Leute Schlange.
Die Messe war zwar etwas kleiner und weniger euphorisch als in den vergangenen Jahren, aber es war weder eine bemerkenswerte Verschlechterung noch ein verzweifeltes letztes Aufbäumen.
Kein Herum-Clonen -- Einer der wesentlichen Gründe, warum die Messe kleiner und ruhiger schien als sonst, war, daß sie tatsächlich ca. 10% kleiner war. Diese Reduktion war zwar in vielerlei Hinsicht willkommen, denn so hatte man mehr Platz, um das überteuerte Essen zu genießen und es gab mehr Plätze zum Sitzen - eine Aktivität, die während der Macworld immer sehr genossen wird.
Man kann in diese Verkleinerung um 10% alles Mögliche hineininterpretieren. Neil Ticktin vom MacTech Magazine berichtete, die Veranstalter hätten verlauten lassen, daß im letzten Jahr 10% der Ausstellungsfläche von den Clone-Firmen belegt gewesen sei. Wenn man bedenkt, welch riesigen Stand allein Power Computing letztes Jahr hatte (vgl. meinen Bericht in TidBITS-361), ist die Verkleinerung der Messe keine Überraschung.
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-361>
Dieses Jahr sind vom Mac-Clone-Markt nur UMAX und Mactell übriggeblieben, aber keiner von beiden machte soviel Wind wie Power Computing in den vorangegangenen Jahren. Das Motto der Stunde für Clones ist wohl eine Kombination aus ruhigerer Firmenstrategie, einem kleineren Werbeetat und dem Wunsch, nicht von Apples Radar erfaßt zu werden. Mal sehen, wieviele Firmen im Jahr 1998 noch Clones verkaufen.
<http://www.supermac.com/>
<http://www.mactell.com/>
Gedränge bei Microsoft -- In vielerlei Hinsicht hatten die wichtigsten Neuigkeiten der Messe wieder mit Microsoft zu tun - genau wie bei der Macworld in Boston. Diesmal ging es aber um mehr als ein werbewirksames Schulterklopfen und eine symbolische Investition. Microsoft zeigte die Macintosh-Versionen des Internet Explorer 4.0 und von Office 98. Ich habe gehört, daß die Reaktionen fast einhellig positiv waren. Ein Freund, der während der Vorführung von Office 98 in der Presseabteilung saß, berichtete, daß die geflüsterten, anfangs recht negativen Kommentare während die Demo lief in zähneknirschende Zustimmung übergingen - nicht schlecht, für solch ein schwieriges Publikum. Mein Eindruck von Office 98 betrifft vor allem Word, und ich vermute, daß diejenigen, die das wenig erfolgreiche Word 6 nutzen, sofort upgraden und sich an den neuen Funktionen (wie z. B. die interaktive Rechtschreibprüfung, die falsch geschriebene Wörter unterstreicht) und der stark verbesserten, Mac-ähnlichen Oberfläche erfreuen werden - auch wenn eingefleischte Word 5.1-Nutzer noch eine Weile ausharren werden.
Wie zu erwarten war, schlägt dem Software-Giganten immer noch Feindseligkeit entgegen, die sich z. B. durch Buh-Rufe während der Vorführung von Internet Explorer und einzelne Kommentare während der Messe manifestiert. Ein beliebtes Thema war die bissige Parodie-CD-ROM namens Winblows von Parroty Interactive (sie haben auch eine andere namens PYST, eine Parodie auf MYST.) Aber Apple ward nicht müde, die neuen, engeren Beziehungen zu Microsoft zu betonen und Steve Jobs sprach kurz auf der gemeinsamen Microsoft/Apple-Party für den Internet Explorer 4.0 und Office 98. Vielleicht läßt sich Apples Situation am besten durch den Ausruf eines Freundes darstellen, der, als er am Microsoft-Stand vorbeiging, scherzhaft ausrief: "Oh nein, Microsoft! Halt, die sind ja jetzt die Guten!"
<http://www.microsoft.com/>
<http://www.parroty.com/>
Und was ist mit dem Internet?
-- Nachdem das Thema Internet in den vergangenen Jahren immer sehr viel Raum
auf der Macworld Expo eingenommen hatte, war ich überrascht über
die deutliche Verringerung in diesem Jahr. Die meisten Internet-Firmen, die
ich dort erwartete, wie z. B. StarNine, Blue World Communications, Stalker,
Qualcomm, Maxum, ClearWay, Web Broadcasting, EveryWare Development und Rockstar
Studios, waren da, aber ich fand nichts wirklich Neues. Ein paar kleinere
Internet-Firmen tauchten in kleineren Ständen im
"Developer Central" Bereich auf, dort fanden wir also Bare Bones
Software, Tenon Intersystems, Qdea und Hotline Communications sowie den
"Newcomer" Omni Development mit dem OmniWeb Web Browser für
Rhapsody.
<http://www.starnine.com/>
<http://www.blueworld.com/>
<http://www.stalker.com/>
<http://www.eudora.com/>
<http://www.maxum.com/>
<http://www.clearway.com/>
<http://www.webfm.com/>
<http://www.everyware.com/>
<http://www.rockstar.com/>
<http://www.barebones.com/>
<http://www.tenon.com/>
<http://www.qdea.com/>
<http://www.hotlinesw.com/>
<http://www.omnigroup.com/Software/OmniWeb/3/>
Ich denke, für diesen Rückgang des Internet-Interesses gibt es drei Gründe: Erstens gibt es viele der gezeigten Internet-Technologien schon ein paar Jahre und sie sind inzwischen bekannt. StarNine kündigte die Public Beta von WebSTAR 3.0 an, Maxum hatte den Rumpus FTP Server, Stalker zeigt eine Version des CommuniGate Mail Server, der unter Rhapsody lief etc. An diesen Produkten ist nichts Schlechtes, aber neue Versionen bestehender Internet-Server-Programme sind nunmal nicht besonders aufregend.
<http://www.starnine.com/webstarbeta/webstarbeta.html>
<http://www.maxum.com/Rumpus/>
<http://www.stalker.com/>
Zweitens scheint sich Apples starkes Engagement im Internet in Luft aufgelöst zu haben. Nirgends wurden die Apple Internet Server Solution Bundles erwähnt und meine Kontakte bei Apple berichteten, daß das Budget 1997 völlig zusammengestrichen worden ist. Diese Sparmaßnahmen haben den Internet-Marketing- und Evangelism-Abteilungen ziemlich wehgetan und sie hatten bestimmt ähnlich verheerende Auswirkungen auf Entwicklungs-Anstrengungen, die noch nicht bekanntgeworden waren. Sicher mußte Apple die Ausgaben deutlich verringern, um den finanziellen Schwierigkeiten von 1997 zu begegnen, aber das Endergebnis könnte sich auf Rhapsody schädlich auswirken, das immer noch so aussieht, als sei es als Server-Betriebssystem gedacht. Wenn Webmaster und Netzwerkadministratoren das Gefühl haben, daß sie sich auf Apple in bezug auf die Verfügbarkeit von Mac-OS-Servern nicht verlassen können, wird es für Apple schwierig sein, sie davon zu überzeugen, Rhapsody-Server anzunehmen.
Drittens und letztens haben die vieldiskutierten Browser-Kriege zwischen Netscape und Microsoft dem restlichen Internet-Markt geschadet. Da Web-Browser eine ständig wachsende Zahl an Funktionen enthalten und verbessern, ist es für entsprechende Programme - ob es sich um einen FTP-Client wie Fetch oder Anarchie oder um ein Email-Programm wie Emailer oder Eudora handelt - schwieriger, zu überleben, egal wieviel besser sie auch sein mögen. (Trotzdem zeigte Bare Bones Software eine Vorabversion eines neuen Email-Client namens Mailsmith.)
<http://web.barebones.com/products/msmith/msmith.html>
Was noch viel besorgniserregender ist, ist die Frage, wo das alles hinführen soll, denn es ist mit einer Geschäftspolitik, die auf dem Verschenken von Software beruht, einfacher, Marktanteile zu gewinnen, als Geld zu verdienen. Netscape Communications hat im letzten Quartal Verluste gemacht und obwohl Microsoft es sich leisten kann, Geld für die vorhersehbare Zukunft in den Internet Explorer zu pumpen, hat Microsoft doch genausoviel Interesse am Geschäftsergebnis wie jede andere Firma auch. Früher oder später wird sich diese Entwicklung bezahlt machen müssen.
<http://www.netscape.com/newsref/pr/newsrelease556.html>
Cache as Cache Can -- Das heißt natürlich nicht, daß es auf der Messe keine interessanten Internet-Produkte gegeben hätte. Der Preis gebührt definitiv Connectix für das Programm SurfExpress, das die Cache-Verwaltung von Web-Browsern wesentlich schneller macht, indem es Web-Seiten aus dem Cache-Speicher in eine Hochleistungs-Datenbank umleitet und so das langsamere Mac-OS-Dateisystem umgeht und außerdem die Suche in so gespeicherten Web Pages ermöglicht. Maxum und ClearWay zeigten zusammen WebDoubler, einen Cache-Proxy-Server, der Seiten, die man aus dem Web anfordert, lädt und dann speichert, so daß andere in Ihrem Netzwerk sie schnell aus dem lokalen Cache anstatt langsam erneut aus dem Internet laden können. Dieses Produkt wäre ideal, um in Schulen oder kleinen Firmen die Leistungsfähigkeit von Browsern zu erhöhen und die angeforderten Seiten zu filtern. Tenons WebTen, eine Mac-Version des beliebten Unix Apache Web Server und des Squid Caching Proxy Server, war vorher der einzige Proxy-Server mit Cache-Speicher, den es gab, und WebSTAR 3.0 verspricht ebenfalls einen solchen.
<http://www.connectix.com/html/surfexpress.html>
<http://press.clearway.com/articles/art-971230-119.html>
<http://www.tenon.com/products/webten/>
Die niederländische Firma Neuron Data Systems zeigte das Programm MacCoach (139 US$), ein pfiffiges ADB-Programm, das ein Kontrollfeld auf dem Server anwählt, um zu prüfen, ob der Server noch läuft. Wenn die Kommunikation aufgrund eines Absturzes unterbrochen wird, simuliert MacCoach den "Klammergriff" von Control-Befehls- und Einschalttaste für einen Warmstart. MacCoach ist zwar nicht so flexibel und leistungsfähig wie PowerKey Pro mit der Server-Neustart-Option von Sophisticated Circuits, MacCoach ist kleiner und einfacher, kostet aber genausoviel. Ehrlich gesagt, würde ich keinen Macintosh Internet Server ohne PowerKey Pro betreiben, aber ich muß MacCoach wahrscheinlich ausprobieren.
<http://www.neuronsys.com/>
<http://www.sophisticated.com/products/powerkey.html>
Schließlich sah ich eine Demo von ClearWays Web Archer, einem Programm, das das Suchen mit mehreren Web-Suchmaschinen und nach bestimmten Arten von Information vereinfacht. Ich hatte die Web Archer Demo schon vorher ausprobiert, hatte aber all die schlauen Tricks, die in der Bedienoberfläche versteckt sind, nicht bemerkt - viele davon ändern sich je nach Suchmodus. Es ist einen zweiten Blick wert.
<http://www.clearway.com/webarcher/info.html>
Tonya merkte an, daß es auch zum Thema Web Authoring in diesem Jahr ein paar Überraschungen gegeben habe. Macromedia machte viel Aufhebens von Dreamweaver 1.0 und betonte besonders Dreamweavers Support für JavaScript/HTML 4, der es dem User ermöglicht, Skript-Effekte auf Web Pages zu erstellen, ohne die Scripts zu schreiben. SoftPress zeigte Freeway und betonte besonders die Layout-Fähigkeiten und die Benutzeroberfläche, die der von QuarkXpress sehr ähnelt. Schließlich gab es noch die Demo von Claris HomePage 3.0, das mittlerweile eine schnelle Möglichkeit für die Verbindung zu FileMaker Datenbanken bietet. Am Stand von Claris legte man allerdings mehr Wert auf die Internet-Aspekte von FileMaker Pro 4.0.
<http://www.macromedia.com/software/dreamweaver/>
<http://www.softpress.com/>
<http://www.clarishomepage.com/>
<http://www.filemaker.com/>
New York, New York! -- Die Macintosh-Industrie ist alles andere als tot, wie diese Messe und die Zehntausende von Besuchern zeigen. Apple behauptet, man sei wieder auf dem Weg, Gewinne zu machen, obwohl man abwarten muß, ob der Aufwärtstrend anhalten und den schlechten Nachgeschmack von 1997 vergessen lassen wird. Wir werden bis zur Macworld Expo in New York im Juli (6.-10.) warten müssen, um uns wieder ein Bild von der Mac-Industrie zu verschaffen. Hoffentlich ist es gut belichtet, nicht verwackelt und man sieht lauter lächelnde Leute.
von der TidBITS-Redaktion <editors@tidbits.com>
[Übersetzung: Heike Kurtz]
An dieser Stelle setzen wir die Tradition fort und stellen Ihnen die Superlative - das Beste, das Schlechteste und das Verrückteste - von der Macworld Expo vor.
Am besten hereingelegt -- Den Preis für den besten "Ätsch"-Effekt bekommt Olympus für die gefälschten Filmrollen. Sie sehen echt aus, aber auf dem heraushängenden Film-Ende steht "Ziehen". Tut man das, erfährt man, daß Olympus keine Filme verkauft und wird aufgefordert, den Olympus-Stand wegen der Digitalkameras zu besuchen. Die haben uns drangekriegt.
Schlimmster Nervtöter -- Der geht an Iomega für die fürchterlich lästigen Klicker, die sie verteilten, um für ihr demnächst auf den Markt kommendes Clik!-Laufwerk (das hört sich cool an) zu werben. Jeder, mit dem wir sprachen, fand es unglaublich irritierend, daß überall während der ganzen Show Leute mit diesen Dingern herumklickten und während einer Clik!-Vorführung hörte sich der Iomega-Stand wie eine Horde Verrückter an. Ich überlegte mir, daß Iomegas Konkurrent SyQuest Luftgewehre mit Betäubungspfeilen hätte verteilen sollen. Wir konnten uns der Schwemme von Iomega-Giveaways und Standdekoration unmöglich entziehen: Außer den Klickern gab es gelbe Buttons mit sinnlosen Aussprüchen (die waren sehr lustig, als sie vor ein paar Jahren erstmals auftauchten), Temporary Tattoos und Models in Latex-Anzügen (s. u.)
Beste Kostüme -- Human Computing, Hersteller der ComicBase Encyclopedia of Comics CD-ROM (vorgestellt in TidBITS-266), mußte für diesen Preis nicht über ein hohes Gebäude springen, aber die Firma staffierte ein paar Leute vom Standpersonal als Superhelden aus, wie z. B. Batman (der ein etwas kleineres Kostüm gebraucht hätte), Batgirl und Supergirl.
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=01596>
<http://www.human-computing.com/>
Schlechteste und sinnloseste Kostüme -- Die hatte Iomega und bekommt den Preis dafür, daß man super-dünne Models à la Kate Moss in hautenge Latexanzüge quetschte (mit schwarzen Perücken, dunklen Sonnenbrillen und hochhackigen schwarzen Stiefeln) und sie rund um den Iomega-Stand posieren ließ. Tonya fragte zwei der Iomega-Mitarbeiter, auf welches Produkt sich diese Aktion bezog und erfuhr, daß es keinen Produktbezug gebe und daß die Models lediglich "Aufmerksamkeit erregen" sollten. Schwach. Sehr schwach.
Beste Darbietung -- Obwohl Ms. Day-Glo Green Perky am ATI-Stand schwer zu schlagen war, geht der Preis für die beste Darbietung an die zwei Ullanta-Roboter, die sich unter die Besucher mischten und QuickTime-VR-Filme aufnahmen. Zusammen mit dem Direktor von Ullanta Performance Robotics trafen wir zwei der Roboter im Apple-Pavillon. Der erste Roboter war ungefähr sechs Fuß hoch und hatte eine Digitalkamera anstelle des Kopfes. Seine Kamera war an ein Newton MessagePad 2000 angeschlossen, das wiederum mit einem schnurlosen Modem verbunden war. Immer wieder drehte er sich und nahm Bilder auf, die der Newton dann auf eine Web Site lud, wo sie dann zu einem QuickTime-VR-Film zusammengebaut wurden. Der zweite, kleinere Roboter versuchte, dem großen Roboter zu folgen, was einige sehr niedliche Szenen zur Folge hatte, als das ungleiche Paar herumrollte und sehr höflich mit den Messebesuchern umging.
<http://www-robotics.usc.edu/~barry/ullanta.html>
Coolstes einfaches Gerät -- Das AlphaSmart Keyboard gewinnt diesen Preis, denn es ist ein billiges (250 US$), robustes (es ist für Kinder gedacht) elektronisches Teil, das in seinem 128K-Speicher bis zu 64 Textseiten speichern kann. Ports machen die Verbindung zu Mac oder PC möglich und man kann Text herunterladen, indem man ihn als Tastendruck an irgendein Programm sendet. Während der Verbindung kann es auch also normale Tastatur dienen. Der LCD-Bildschirm ist zwar klein (4 Zeilen mit 40 Zeichen), aber mit seinen zwei Pfund Gewicht ist es ein tolles Gerät für Kinder oder Notizen machende Journalisten. Es kann acht "Dateien" speichern, in jeder von ihnen nach Text suchen und hat grundlegende Rechtschreibprüf-Funktionen. Drei 1,5 V-AA-Batterien halten 300 Stunden lang und die Bedienung ist so einfach, daß die Gebrauchsanweisung auf die Rückseite des Gehäuses paßt.
Best of Show, irgendwann demnächst -- Unsere Entwickler-Freunde, die Vorabversionen von Mac OS 8.1 haben, waren von Alsofts PlusMaker begeistert, der bestehende Festplatten in HFS+ verwandelt, Apples neues Festplattenformat, das Platz spart, indem es die Blockgröße reduziert. PlusMaker bekam einen "Best of Show"-Preis, der ziemlich verfrüht erscheint, da Mac OS 8.1 noch nicht herausgekommen ist. Wir freuen uns darauf, HFS+ und PlusMaker bald zu sehen, zusammen mit PlusMaximizer, einer anderen Anwendung von Alsoft, die die in Mac OS 8.1 voreingestellte Blockgröße von 4K auf 512 Bytes reduziert und so noch mehr Platz schafft - für den Preis einer höheren Fragmentierung.
<http://www.alsoftinc.com/plusmaker.html>
Beste Visitenkarte -- Die hatte Fabian Ramierez, den wir auf der Messe zufällig trafen. Wir hatten ihn vor Jahren auf der Info-Mac-Mailing-Liste kennengelernt, damals arbeitete er für SuperMac. Er hat später gekündigt und ist Polizist geworden und hat jetzt tolle Visitenkarten, die ihn in offizieller Pose auf einem Polizeifahrrad zeigen - mit einem kurzen Lebenslauf auf der Rückseite. Demnächst geht das Karten tauschen los (Ich gebe vier Gil Amelios, eine Ellen Hancock und meine T-Maker Heidi Roizen für einen Henry Norr und einen Steve Jobs ohne Bart.)
Der "Sie belieben zu scherzen"-Preis geht an Apples Mitarbeiter-Anwerbe-Tisch in der Ecke des Apple-Pavillons. Angesichts der Entlassungswellen der Vergangenheit hätte man den "work different" ["anders arbeiten" --HK] Slogan über dem Tisch leicht zu "work fast, work different, work elsewhere" [arbeiten Sie schnell, arbeiten Sie anders, arbeiten Sie anderswo" --HK] erweitern können, um den Gesetzen über das Verbot von Falschaussagen in der Werbung zu entsprechen.
Das beste neue Wort -- Unser Dank gebührt Mark Kriegsman, der uns aufklärte, daß das Wort für unsere Gewohnheit, an einem Ende der Messehalle anzufangen und uns systematisch in Schlangenlinien die Gänge auf und ab zu arbeiten, "boustrophedon" sei. Noch mehr Dank geht an den freien TidBITS-Mitarbeiter Matt Neuburg (der in einem früheren Leben Adams Lehrer für klassische Sprachen war), der uns erklärte, daß das Wort aus den griechischen Wörtern "bou" (Ochse), und "strophe" (sich drehen) zusammengesetzt sei. Und wir dachten zuerst. Mark hätte nur einen Scherz gemacht...
von Jeff Carlson <jeffc@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Auf den vergangenen Macworld Expos hat das Internet das meiste Aufsehen erregt - dieses Jahr wurde in San Francisco deutlich, daß Grafik und Desktop Publishing immer noch im Zentrum der Macintosh-Welt stehen.
Dieses Mal hatte ich nicht den Eindruck, daß die Aussteller um jeden Preis die Begriffe Internet und Web in ihre Aussagen preßten, um die Aktualität ihrer Produkte zu betonen. Statt dessen schienen die Anbieter ihre Produkte den zentralen Zielgruppen schmackhaft machen zu wollen; möglicherweise inspiriert Apples neuerliche Konzentration auf die Urheber von Inhalten andere Firmen, dasselbe zu tun.
Wie gewohnt hatte auch diese Macworld eine große Anzahl von Hardware-Herstellern mit Produkten aufzuweisen, die auf Desktop Publishing ausgerichtet sind. So präsentierte etwa Tektronix mehrere Modelle der großformatigen Phaser-Farbdrucker und Linotype CPS zeigte Scanner und die LinoColor-Technologie.
<http://www.tektronix.com/Color_Printers/>
<http://www.linocolor.com/>
Nachdem ich das Messegelände durchgegangen bin, hier nun einige Produkte, die mir besonders aufgefallen sind.
Was man in Denver so alles tun kann, wenn man Zeit hat -- Wie um zu beweisen, daß man nicht in derselben Sandkiste wie alle anderen spielen will, war Quark dieses Jahr nicht auf der Expo vertreten. Das hat regelmäßige Besucher zwar nicht überrascht, aber ich hätte mir doch erwartet, daß die Firma zumindestens QuarkXPress 4.0 vorführen würde, die erste größere Überarbeitung des Layout-Programms seit mehr als drei Jahren. Vielleicht ist Schifahren um diese Jahreszeit in Colorado einfach zu schön.
Video-Tools, die mich bewegen -- Mit zunehmender Rechenleistung der Desktop-Computer hat sich die Einstiegsschwelle für Video-Bearbeitung gesenkt. Auf diese Weise ist ein Markt für Video-Produkte entstanden, die fast jeder benutzen kann. QuickTime 3.0 war heuer auf dem Apple-Stand eine Attraktion, es gab aber auch noch andere herausragende Produkte.
<http://www.apple.com/quicktime/>
Die Leute mit dem mehrfarbigen Haar von Alien Skin Software zeigten Eye Candy 3.0 for After Effects, eine Sammlung von Plug-Ins für Photoshop, die für die Benutzung mit Adobe After Effects angepaßt und optimiert worden sind. Viele Eye-Candy-Filter wie Fire, Smoke und Fur können auch in Animationen und Videos verwendet werden.
<http://www.alienskin.com/ecae_product.htm>
Vielleicht das interessanteste Video-Hilfsprogramm war CineLook von DigiEffects. Im Grunde läßt dieses Plug-In für After Effects Bilder auf Videobändern wie solche auf Filmmaterial aussehen. Ich kann mir vorstellen, daß viele unabhängige Filmemacher, die aus Kostengründen auf Video arbeiten, CineLook mit Begeisterung aufnehmen werden. Das Produkt kann auch benutzt werden, um unterschiedlichen Chargen von Filmmaterial einheitliches Aussehen zu verleihen - eine Emulations-Bibliothek enthält mehr als 50 verschiedene gängige Filmsorten. Und falls Sie meinen, daß Ihr Film zu gut aussieht, können Sie den Filter Film Damage verwenden, der Video-Aufzeichnungen wie strapaziertes Filmmaterial aussehen läßt, komplett mit Kratzern, Fingerabdrücken und Fusseln!
<http://www.digieffects.com/frames/cinelook.html>
Ein wenig Purpur -- Der Grafik-Profi, der den völligen Überblick hat, wie Farben zu definieren sind, damit sie im Ausdruck genau gleich aussehen - dieser Spezialist muß mir erst noch begegnen. Zwar ist der Mac immer noch die beste Plattform für den Umgang mit Farben, aber es ist nach wie vor sehr schwierig. Zwei Programme, die ich gesehen habe, stellen einen großen Fortschritt in der Farbhandhabung dar.
Equilibriums Werbespruch für DeBabelizer 3 lautet "Es ist an der Zeit", was sich nicht nur auf die zeitsparenden automatisierten grafischen Funktionen, sondern auch auf die Verzögerung zwischen den Mac-Versionen des Produkts bezieht. Web-Gestalter in kommerziellen Umgebungen lieben den DeBabelizer wegen seiner Fähigkeit zur Stapelverarbeitung und wegen der Super Palette, die eine Web-freundliche Farbauswahl aus einer Anzahl von Bildern erstellt. Gestalter für Printmedien benutzen DeBabelizer zum Öffnen und Bearbeiten von Grafikdateien in nahezu jedem bekannten Format. Die Version 3 bietet nun auch Unterstützung für ColorSync und hat eine verbesserte Benutzeroberfläche erhalten (die bisherige war verrufen als die wirrste, die es auf der MacPlattform überhaupt gibt).
Das zweite beeindruckende Programm für Farbmanagement ist Test Strip 2.0 von Vivid Details. Dieses Photoshop-Plug-In erzeugt einen Farbteststreifen, der darstellt, wie ein Bild aussieht, nachdem ein Sortiment von Korrekturen angewendet worden ist. Sie können viele Parameter beeinflussen und erhalten eine Vorschau in Bezug auf zahlreiche Anpassungen der Farb-Balance, Belichtung, Sättigung sowie der Addition und Subtraktion von Farben. Wenn Sie die ideale Kombination gefunden haben, können Sie Gruppen von Bildern in Stapelverarbeitung demselben Satz von Änderungen unterziehen. Test Strip wird mit einigen Standard-Aktionen geliefert, die vordefinierte Bearbeitungen unter Photoshop 4 durchführen.
<http://www.vividdetails.com/Test_Strip.html>
Reich mir die Hand, mein Leben -- Als langjähriger Benutzer von Macromedia FreeHand setze ich immer hohe Erwartungen in dieses großartige Zeichenprogramm. Dennoch hat mich eine Vorführung von FreeHand 8 hingerissen, als ich den neuen Transparentlinsen-Effekt zu sehen bekam. Zwar unterstützt PostScript keine Transparenz, aber Macromedia hat ein System zum Erstellen, Bearbeiten und Drucken transparenter Objekte entwickelt, das ohne verwirrende Umwege auskommt.
In FreeHand 8 gibt es auch benutzerdefinierte Tastaturbefehle und Werkzeugbalken, mit denen Sie selbst bestimmen, wie Sie das Programm benutzen. Für die User von Adobe Illustrator 6.0 bringt ein zusätzlicher Satz an Einstellungen die Tastaturkürzel von FreeHand mit denen von Illustrator zur Übereinstimmung.
<http://www.macromedia.com/software/freehand/>
Internet ist nicht alles -- Ja, ja, das Internet erweitert die Kommunikation - aber das Faktum bleibt bestehen, daß die meiste veröffentlichte Kommunikation heutzutage immer noch von den Leuten geliefert wird, die Grafik, Desktop Publishing und Video betreiben. Zwar haben einige der Produkte, die ich erwähnt habe, sich an das Internet angepaßt, aber keines davon scheint es eilig zu haben, die Druckerpressen abzustellen.
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE].
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Heike Kurtz [HK].
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