Denken Sie daran, auf das neue Mac OS 8.1 umzusteigen? Geoff Duncan bringt diese Woche zwei Artikel, die den Sprung erleichtern. Der erste erläutert die meisten erweiterten Funktionen in Mac OS 8.1, der zweite konzentriert sich ganz auf Macintosh Extended Format, das verbesserte Plattenformat, das bisher als HFS Plus bekannt war. Weitere Meldungen: Netscape hat den Navigator kostenlos zugänglich gemacht, und Eudora Pro 4.0 wird - zum Nachteil von Benutzern in aller Welt - außerhalb Nordamerikas nicht zu haben sein.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#414/26-Jan-98.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-414.html>
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-414.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-414.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-414.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Netscape gratis -- Im Bestreben, den Geländegewinnen von Microsofts Internet Explorer im Markt der Web-Browser Paroli zu bieten, hat Netscape Communications angekündigt, den Navigator und die Standard Edition des Communicator ab sofort kostenlos abzugeben (die Professional Edition von Netscape Communicator kostet 29 US$). In Zusammenhang damit hat Netscape der Öffentlichkeit auch ein "Unlimited Distribution"-Schema vorgestellt, das es Computer-Herstellern, Internet-Zugangsprovidern und anderen Firmen gestattet, Netscape Navigator und Communicator kostenlos herunterzuladen und weiterzuvertreiben. Dazu teilte Netscape noch mit, der Quellcode der nächsten Version von Communicator werde frei im Internet zur Modifikation und zum Vertrieb zu haben sein. Dies alles sind mutige Maßnahmen, die aber bitter notwendig sein könnten, seit Branchenriese Microsoft die Firma Netscape als direkten Konkurrenten ins Visier genommen hat. [ACE]
<http://www.netscape.com/communicator/free_faq.html>
<http://www.netscape.com/newsref/pr/newsrelease560.html>
<http://www.netscape.com/newsref/pr/newsrelease558.html>
Kein Eudora Pro 4.0 for Macintosh in Übersee -- Qualcomm hat bestätigt, daß Eudora Pro 4.0 außerhalb von Nordamerika möglicherweise nie zu haben sein wird. Das Problem besteht darin, daß Qualcomm in der Übersee-Märkten Verträge mit lokalen "Re-Distributoren" abschließt, die für Lokalisierung, Verkauf, Marketing und Vertrieb verantwortlich sind. Bis dato hat sich allerdings keine Firma gefunden, die bereit gewesen wäre, Zeit und Geld in die Macintosh-Version zu investieren; als Grund wurde die geringe Nachfrage angegeben (dies trotz der Tatsache, daß internationale Märkte 50 Prozent des Gesamtabsatzes von Apple erbringen). Die problematische Situation wird noch dadurch verschärft, daß nach der PGP-Lizenz von Qualcomm jedem U.S.-Exemplar von Eudra Pro auch PGP beigelegt werden muß; da PGP aber eine starke Verschlüsselung benutzt, darf es nicht exportiert werden. Sobald alle Re-Distributoren unterschrieben haben, will Qualcomm Kontakt-Informationen im Internet verfügbar machen; Mac-Benutzer können dann die entsprechenden Firmen um Unterstützung bitten. Eudora Pro 3.1 (siehe unseren Bericht zu Eudora Pro 3.0 in TidBITS-357) bleibt international verfügbar. [ACE]
<http://www.eudora.com/international/>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-357>
Open Transport 1.3 -- Mac OS 8.1 enthält Open Transport 1.3, eine neue Version von Apples Netzwerk-Software. OT 1.3 bietet generell verbesserte Leistung, bessere Erkennung serieller Schnittstellen - besonders in Verbindung mit PC-Card-Modems - und zahlreiche Verbesserungen und Fehlerbehebungen. Wirklich neu an OT 1.3 ist Multihoming über eine einzige Verbindung (single-link multihoming, damit kann die Ethernet-Hardware des Mac auf mehrere IP-Adressen gleichzeitig reagieren (ein Server kann also mehrere Web-Sites aufnehmen. die alle verschiedene Domain-Namen haben). Bisher war diese Funktionalität nur auf Macs unter MkLinux, WebTen oder anderen Unix-Derivaten verfügbar. Zwar wird diese Art Multihoming für Mac-Benutzer mit einem schlichten Modemzugang nur von geringer Bedeutung sein, sie ist aber für Internet-Provider, die Internet-Server auf Macs betreiben, sehr wichtig.
Administratoren konfigurieren single-link-Mutihoming mittels einer Text-Datei namens IP Secondary Addresses, die im Preferences-Ordner liegt - das genaue Format ist in der Technical-Info-Datei zu OT 1.3 beschrieben. Freilich bedeutet die Unterstützung mehrerer IP-Adressen durch Open Transport nicht, daß auch alle Server-Appikationen dazu in der Lage sind. Die meisten Server-Programme müssen erst in diesem Sinne überarbeitet werden, QuidProQuo 2.1 und die öffentliche Beta-Version von WebSTAR 3.0 können es schon jetzt. Single-link-Mutihoming ist zwar eine neue und willkommene Funktion, Alternativen wie HomeDoor und ClearlyHome werden aber dadurch nicht überflüssig. OT 1.3 geht davon aus, daß Administratoren genug IP-Adressen haben und bietet auch einige spezielle Funktionen dieser Zusatzprodukte nicht. [GD]
<http://www.starnine.com/webstar/webstar.html>
<http://www.socialeng.com/>
<http://www.opendoor.com/homedoor/>
<http://www.clearink.com/fun_stuff/plugins/clearlyhome/>
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
[Übersetzung: Heike Kurtz]
Apple hat Mac OS 8.1 herausgebracht und die Macintosh-Gemeinschaft ergeht sich in Diskussionen über die neuen Komponenten und spekuliert über das neue (und optionale) Festplattenformat, Macintosh Extended Format, das auch als "HFS Plus" bekannt ist. Wir haben in dieser Ausgabe auch noch einen Artikel über HFS Plus, deshalb beschränke ich mich hier auf die neuen Funktionen in 8.1 und wie man es installiert.
Was gibt es Neues außer HFS Plus? -- Mac OS 8.1 bietet schnelleres Booten und schnelleres Kopieren von und auf Netzwerk-Volumes. Es gibt außerdem eine neue Sortieroption für die Listenansichten des Finders: Man kann die Sortierfolge umkehren, was besonders praktisch ist, wenn man die ältesten Objekte zuoberst haben möchte. Weniger offensichtlich ist die Beseitigung verschiedener Speicherzuteilungsprobleme beim Benutzen von Apple Events - Scripts laufen im Finder von Mac OS 8.1 stabiler.
Mac OS 8.1 unterstützt außerdem neue Speichermedien-Formate: UDF-CD-ROMs (Universal Disk Format) und DVD-ROM Disks. Um eine unter UDF formatierte CD-ROM zu benutzen, brauchen Sie zumindest ein CD-ROM-Laufwerk zweifacher Geschwindigkeit. Es sind zwar noch keine Macs mit DVD-ROM-Laufwerken ausgeliefert worden, aber E4 hat bereits eine CoolDVD-PCI-Karte vorgeführt, die es ermöglicht, externe DVD-ROM-Laufwerke von Drittanbietern an Macs anzuschließen.
Mac OS 8.1 versammelt eine umfangreiche Kollektion neuer (und ganz neuer) Systemkomponenten. Diejenigen, die Dateien mit Windows-Nutzern austauschen, werden sich über PC Exchange 2.2 freuen, das die langen Dateinamen von Windows 95 unterstützt und auch viel besser mit Wechselmedien und Diskettenformaten aus dem PC-Bereich zusammenarbeitet. Ein neues Kontrolleistenmodul namens "SoundSource" kann blitzschnell den Audio-Input-Eingang Ihres Mac wechseln. Die Auswahl hängt von der Ausstattung Ihres Mac ab, aber normalerweise sind es Audio CDs oder das Mikrophon sowie "keine" - was z. B. verhindert, daß die automatische Überwachung von Klang-Input durch den Mac mit bestimmter Audio-Software ins Gehege kommt. Unter Mac OS 8.1 haben Anwendungsprogramme außerdem mehr Kontrolle über Audio-Input und Output.
Außerdem gibt es LaserWriter 8.5.1 (siehe "LaserWriter bei 8.5.1. angelangt" in TidBITS-406), Open Transport 1.3 (siehe "Open Transport 1.3" in dieser Ausgabe), Apple CD-ROM 5.4.2, Apple Share 3.7.4 und Updates für die eingebauten (Built-In) Ethernet-Treiber, Text Encoding Converter 1.3 (mehr Info gibts unten), Monitore und Ton 1.3.3 und Macintosh Runtime for Java (MRJ) 2.0. Nicht alles ist auf dem neuesten Stand, Mac OS 8.1 enthält z. B. den Apple Remote Access 2.1.1 Client, obwohl der ARA 3.0 Client und Server schon auf dem Markt sind.
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-406>
In der Vollversion ist Apples Location Manager 2.0.1 enthalten. Die Originalversion dieses Tools, die mit Mac OS 7.6.1 ausgeliefert wurde, ermöglichte es PowerBook-Nutzern, bei Netzwerk-, Druck- und anderen Voreinstellungen zwischen vordefinierten Sets hin- und herzuschalten. Die neue Version läuft auch auf vielen Desktop-Rechnern. Der Location Manager 2.0.1 ist zwar nicht im Update auf Mac OS 8.1 enthalten, aber er kann von Apples Servern heruntergeladen werden. QuickDraw 3D 1.5.3 verbessert die Unterstützung für High-End-Grafikkarten und ist ebenfalls in der Vollversion von Mac OS 8.1 und auf Apples Web-Servern erhältlich - jedoch nicht Bestandteil des Update auf Mac OS 8.1.
<http://support.info.apple.com/ftp/8.1us.html>
<ftp://ftp.info.apple.com/Apple_Support_Area/Apple_SW_Updates/US/Macintosh/System/QuickDraw_3D/>
Mac OS 8.1 enthält auch LocalTalk PCI, einen PowerPC-nativen LocalTalk- Treiber, der zur Nutzung unter Open Transport entwickelt wurde. LocalTalkPCI verbessert zwar die schwache LocalTalk-Performance auf Apples neuen G3-Systemen, es kann aber dazu führen, daß LocalTalk-Drucker aus der Auswahl verschwinden. Wenn das passiert, sollten Sie die LocalTalkPCI-Erweiterung abschalten: Sie werden zwar wieder eine miserable Performance haben, aber Sie können dann wenigstens drucken.
Mac OS 8.1: Woher nehmen? -- Mac OS 8.1 kann man auf zweierelei Art bekommen: Als kostenloses Online Update für Besitzer von Mac OS 8 (Apple hat das Update in BinHex- und MacBinary-Format als eine große (15 bis 22 MB) und als dreizehn kleinere Dateien ins Netz gestellt).
<http://support.info.apple.com/ftp/8.1us.html>
oder als Kauf-CD-ROM, die ab Februar für 19,95 US$ (für Besitzer von Mac OS 8) oder zu normalen Preisen im Einzelhandel (wahrscheinlich zwischen 65 und 100 US$) zu haben sein wird. Ab Februar werden neue Apple-CPUs vermutlich mit vorinstalliertem Mac OS 8.1 ausgeliefert werden.
<http://www.apple.com/macos/8.1/upgrade/>
Das Mac OS 8.1 Update läuft nur auf US-Versionen von Mac OS 8. Lokalisierte Versionen wird es vermutlich ab April geben - einzelne Sprachversionen vielleicht auch früher.
Systemvoraussetzungen -- Mac OS 8.1 braucht die gleiche Hardware wie Mac OS 8 - einen Rechner mit 68040er oder PowerPC-Prozessor mit mindestens 12 MB eingebautem Speicher. Wieviel Festplattenspeicher für das Update benötigt wird, hängt davon ab, welche Mac-OS-8-Komponenten bereits installiert sind. Grob geschätzt benötigt man mindestens 40 MB Festplattenspeicher für ein Update von Mac OS 8 - glücklicherweise wird ein Teil davon lediglich für die Installation selbst gebraucht.
Wenn Sie einen Power Mac mit NuBus und nachträglich beschleunigter Taktfrequenz haben, könnte es sein, daß Sie den schnelleren Taktgeber zum Installieren des Update entfernen müssen. Sie können auch versuchen, den Mac mittels Software-Hilfsprogrammen als ein anderes Modell erscheinen zu lassen; meine Erfahrungen mit solchen Tricks sind allerdings sehr unterschiedlich ausgefallen. Wenn Sie versuchen, einen Power PC mit 16 MB RAM oder weniger zu updaten, könnte es sein, daß Sie vor der Installation ohne Systemerweiterungen (also während des Hochfahrens die Shift-Taste gedrückt halten) starten müssen.
Installation des Mac OS 8.1 Update -- Apple vertreibt das Mac OS 8.1 als selbstmountendes Disk Image, man braucht also kein Disk-Image-Programm (wenn Sie die zerteilte Version herunterladen, müssen Sie die Teile nicht zusammenfügen, sie müssen nur alle im selben Ordner sein). Ein Doppelklick auf das Disk Image (oder das erste Archivsegment), und es erscheint auf Ihrem Schreibtisch. Dann braucht man eigentlich nur noch den Installer aufzurufen und den Dingen ihren Lauf zu lassen.
Wie immer, wenn Sie neue Systemsoftware installieren, sollten Sie vor dem Update eine Sicherungskopie Ihres Systems und Ihrer Daten anfertigen. Außerdem kann es nützlich sein, vor dem eigentlichen Update eine Dienstprogramme-Startdiskette mit Mac OS 8.1 anzulegen. Wenn Sie einen PowerPC haben, benutzen Sie dafür das PPC Disk Image, das auf Apples FTP-Servern im gleichen Verzeichnis wie das Update liegt (um aus diesem Disk Image eine Diskette zu machen, benötigen Sie allerdings Disk Copy 6.1 oder ShrinkWrap 3.0). Für einen 68040er Mac brauchen Sie das Disk Tools 1 Disk Image, das es anscheinend nur auf der Mac OS 8.1 CD-ROM gibt, die als Vollversion verkauft wird.
Nachdem Sie Mac OS 8.1 installiert haben, könnten manche Programme von Drittanbietern melden, daß Libraries von Open Transport 1.3 (und die AppleTalk- und TCP/IP-Kontrollfelder) "beschädigt" seien, weil sie 11 Extra-Bytes enthalten. Apple hat die Existenz dieses Problems bestätigt, aber die Dateien sollten normal funktionieren. Man braucht sie also nicht mit ResEdit oder anderen Dienstprogrammen zu reparieren.
<http://til.info.apple.com/techinfo.nsf/artnum/n22142/>
Inkompatibilitäten -- Obwohl es im allgemeinen kaum Probleme mit der Kompatibilität von Mac OS 8.1 gibt, liste ich hier ein paar Updates und bekannte Probleme auf. Eine vollständige Liste gibt es im "Mac OS 8.1 Special Report" von MacInTouch, MacFixIt und MRP.
<http://www.macintouch.com/m81.html>
Wie in TidBITS-411 berichtet, braucht man für Mac OS 8.1 Conflict Catcher 4.1. Das Update von 4.0 auf 4.1 ist kostenlos.
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-411>
<http://www.casadyg.aa.psiweb.com/downloads/updaters/>
Obwohl manche Komponenten von Speed Doubler 8 unter Mac OS 8.1 zu arbeiten scheinen, sagt Connectix, man brauche Speed Doubler 8.1 und es soll bald ein Update geben.
<http://www.connectix.com/html/speeddoubler.html>
Computer unter Mac OS 8.1 starten nicht, wenn StuffIt SpaceSaver 4.5 installiert ist. Nutzer können nur das Kontrollfeld StuffIt SpaceSaver deaktivieren, Aladdin hat bereits ein Update angekündigt.
Asanté Net Doubler meldet einen Festplattenfehler bei Drag&Drop-Dateiübertragungen. Asanté hat eine Zwischenlösung gepostet, die in diesem speziellen Fall die Beschleunigung deaktiviert - im Februar soll ein Update zu NetDoubler herauskommen.
<http://www.asante.com/net_doubler/MACOS81.html>
Default Folder von St. Clair Software, ein beliebter Shareware-Ersatz für Super Boomerang unter Mac OS 8, wurde auf Version 2.8 gebracht, um ihn mit Mac OS 8.1 kompatibel zu halten.
Zum Schluß -- Manche sind enttäuscht, daß es kaum neue Funktionen gibt - wie z. B. mehr Möglichkeiten beim Einstellen des Finder-Erscheinungsbilds. Es gibt aber genug Drittanbieter-Anwendungen, die genau das bieten, wie z. B. CoolViews von Quadratic Software (mit dem man Finder-Fenster von Mac OS 8 ganz individuell gestalten kann) und die beliebte Schreibtisch-Gestaltungs-Software Kaleidoscope.
<http://www.quadratic.com/Cool/>
<http://www.kaleidoscope.net/>
Wenn Sie große Festplatten mit vielen Dateien haben, könnte Ihnen das neue Macintosh Extended Format Vorteile bringen. Ich empfehle dennoch nicht, auf das Macintosh Extended Format umzusteigen, bevor man sich nicht über die Folgen im klaren ist (die im nächsten Artikel beschrieben werden). Wenn Sie schon Mac OS 8 benutzen, lohnt sich das Update bestimmt, besonders wenn man keine Software besitzt, die dafür ebenfalls ein Update braucht. Apple verlangt für das Update kein Geld und die Bugfixes und zusätzlichen Komponenten wiegen die Mühe, die eine solche Installation mit sich bringt, sicherlich auf.
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
[Übersetzung: Jens Wolk]
Das meistdiskutierte, aber gleichzeitig selten verstandene Merkmal des Mac OS 8.1 ist ein optionales neues Dateisystem mit dem Namen Macintosh Extended Format (früher HFS Plus). Das Macintosh Extended Format ersetzt Apples zunehmend veraltetes HFS Dateisystem (nunmehr Macintosh Standard Format genannt) durch ein robustes, modernes Dateisystem, welches in den kommenden Jahren mit dem Macintosh und Rhapsody wachsen kann.
Wie gesagt, das Macintosh Extended Format ist optional: Es ist nicht Voraussetzung für den Betrieb von Mac OS 8.1, und bei der Installation von Mac OS 8.1 werden Ihre Datenträger nicht automatisch im Extended Format neu formatiert. Sie können problemlos mit Mac OS 8.1 arbeiten, ohne auch nur einen Gedanken an das Extended Format zu verschwenden. Mehr noch, Extended Format Volumes arbeiten ohne weiteres Seite an Seite mit HFS Datenträgern, sei es am selben Computer oder im Netzwerk.
Speicherblöcke -- Was ist denn nun das Tolle am Macintosh Extended Format, und warum ist das HFS System veraltet? Zeit für eine Geschichtsstunde. Das Macintosh Standard Format (HFS) wurde 1986 eingeführt, als eine große Festplatte 20 MB umfaßte, und ersetzte das ursprüngliche Macintosh File System (MFS). MFS war auf 400K-Floppydisks zugeschnitten und nicht in der Lage, eine grosse Anzahl von Dateien zu verwalten. Im MFS waren nicht einmal Ordner vorgesehen.
Im Gegensatz zum MFS konnte das HFS eine nach damaligen Maßstäben unglaublich große Festplatte (bis 2 GB) und mehr als 65 000 Blöcke verwalten. Es verwendete zweigeteilte "binary trees" (b-trees), um Informationen schnell abspeichern und abrufen zu können, verfügte über eine volume bitmap zur Aufzeichnung der Blöcke eines Datenträgers und mußte sich nicht mit unmöglichen Dateipfaden herumschlagen (wie dies unter DOS der Fall ist).
Heutzutage sind Datenträger mit 4 bis 8 GB sind nichts ungewöhnliches und die verfügbaren Kapazitäten werden weiter steigen. Obwohl das HFS über viele Eigenschaften verfügt, die anderen Dateisystemen fehlen, erweiterte Apple seine Fähigkeiten über die Jahre - zum Beispiel kann es inzwischen Datenträger mit bis zu 3 Terabyte verwalten. Im wesentlichen verschwendet es auf den heutigen Datenträgern aber eine Menge Platz und beinhaltet weitere Schwächen, die in den kommenden Jahren echte Stolpersteine darstellen werden.
HFS verschwendet Platz? Und wie! Datenträger werden zunächst in logische Blöcke aufgeteilt, deren Größe fast immer 512 Bytes beträgt. Dateisysteme - sowohl auf dem Mac wie auf anderen Plattformen - ordnen Speicherplatz blockweise zu; diese Speicherblöcke bestehen aus zusammenhängenden Gruppen von logischen Blöcken. HFS muß jeder nicht leeren Fork [Gabel] einer Datei mindestens einen Speicherblock zuweisen - dabei darf nicht vergessen werden, daß Dateien am Mac zwei Forks haben können, eine Data Fork und eine Resource Fork.
Hier nun der Knackpunkt: HFS benutzt einen 16-Bit-Code, um jeden Speicherblock eindeutig zu identifizieren, d.h. auf einem HFS-Datenträger müssen sich weniger als 65.536 (2^16) solcher Blöcke befinden (und damit weniger als 65.536 Dateien).
Je größer Ihre Festplatte ist, desto größer fallen die gut 65.000 Speicherblöcke aus. Auf einem Datenträger mit 256 MB umfaßt jeder Speicherblock 4 KB. Aber auf einer Festplatte mit 4 GB ist ein solcher Speicherblock bereits 64 KB groß! Das bedeutet, wenn Sie eine Datei erstellen, die nur den Buchstaben "a" beinhaltet und diese auf einer 4 GB Festplatte abspeichern, dann enthält diese Datei weniger als 1 KB Information, belegt auf der Festplatte aber 64 KB Speicherplatz! Falls Sie besagte Datei mit SimpleText erstellen, dann belegt sie auf der Festplatte sogar 128 KB, da SimpleText-Dateien sowohl eine Data Fork als auch eine Resource Fork beinhalten. Nur wenn Sie die Datei um weitere Daten erweitern, wird der belegte Block mit diesen neuen Informationen aufgefüllt (bis er nicht mehr ausreicht und ein neuer Speicherblock benötigt wird), ansonsten kann der Leerraum aber nicht genutzt werden.
Das Problem des "verschwendeten Speicherplatzes" kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn Sie viele kleine Dateien haben, wobei jede einen nur teilweise gefüllten Speicherblock belegt - nicht aber, wenn sie nur wenige, große Dateien haben, bei denen fast jeder Speicherblock ausgeschöpft wird. Die meisten Anwender speichern eine Mischung aus kleinen und großen Dateien ab, was zu einer bemerkbaren (aber nicht katastrophalen) Verschwendung von Speicherplatz führt. Allerdings geht um so mehr Speicherplatz verloren, je größer der Datenträger ist. Und auf einigen Festplatten - insbesondere jenen von Programmierern, Webautoren und in Servern - können sich Tausende von winzigen Dateien befinden.
Das Macintosh Extended Format begegnet dem Problem der Verschwendung von Speicherplatz, indem bei ihm die maximale Anzahl von Speicherblöcken nicht mehr bei 65.536, sondern über 4,2 Milliarden liegt. Das bedeutet, daß Extended-Format-Festplatten mehr Dateien beherbergen können als Standard-Format-Festplatten, und daß Datenträger im Extended Format (theoretisch) Speicherblöcke mit einer Größe von 512 Byte haben können (d.h. Speicherblöcke stehen zu logischen Blöcken im Verhältnis eins zu eins), sofern der Datenträger nicht größer als 2 Terabyte ist.
Kleiner muß nicht besser sein -- Doch es herrscht nicht nur eitel Sonnenschein in der Welt der 512 KB großen Speicherblöcke. Man erinnere sich, daß auf den meisten Rechnern eine Mischung aus großen und kleinen Dateien zur Anwendung kommt, die unterschiedliche Aufgaben haben. E-Mail-Dateien werden insgesamt größer, während Daten in der Mitte gelöscht werden, Dateien von Textverarbeitungen wachsen und schrumpfen unablässig, an Logbuch-Dateien werden neue Daten angehängt, Web-Browser erstellen und löschen in einer Stunde mehr Dateien als ein durchschnittlicher Anwender während eines ganzen Tages. Dieses Erstellen, Erweitern und Löschen führt zur Fragmentierung der Festplatte. Bei 512 KB großen Speicherblöcken resultieren daraus typischerweise viele winzige Fragmente (statt einige wenige größere Fragmente). Nach einer gewissen Zeit ist eine Festplatte mit hoher Kapazität und Speicherblöcken von 512 KB stärker fragmentiert - und damit langsamer - als dieselbe Festplatte mit größeren Speicherblöcken. Deshalb beträgt die Standardgröße der Speicherblöcke für Festplatten mit mehr als 1 GB beim Extended Format 4 KB; es ist dies ein Kompromiß zwischen dem Bedürfnis nach kleinen Speicherblöcken und der Vermeidung zu starker Fragmentierung. Um im Extended Format formatiert werden zu können, muß der Datenträger eine Kapazität von mindestens 32 MB haben; für kleinere Datenträger macht das Extended Format kaum Sinn.
Noch mehr Vorteile -- Doch halt, es kommt noch mehr! Das Macintosh Extended Format behebt noch weitere Schwächen des HFS. Während Jahren prahlten Mac-Anwender damit, daß Dateinamen 31 Zeichen lang sein können und sämtliche Zeichen (außer dem Doppelpunkt) inklusive Leerzeichen (space) enthalten dürfen, doch 31 Zeichen sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Zudem war das HFS etwas einseitig auf die romanischen Sprachen ausgerichtet, wenn es um das Sortieren und Abspeichern von Dateien ging; etwas, das jeder bemerkt, der z.B. die japanische Version des Mac OS benutzt.
Das Macintosh Extended Format unterstützt Dateinamen mit bis zu 255 Unicode-Zeichen, die Dateinamen dürfen also länger sein und verhalten sich entsprechend der Sprache (dem Sprachskript), welches der Computer verwendet. (Unicode umfaßt mehr als 38.000 Zeichen und 25 Skriptsysteme, inklusive Arabisch, Kyrillisch, japanischem Katakana und Thai.) Unter Mac OS 8.1 muß beim Einsatz von Macintosh Extended Format Festplatten die Systemerweiterung Text Encoding Converter installiert sein, damit Dateinamen und andere Informationen angezeigt werden können. Allerdings unterstützt der Finder des Mac OS 8.1 noch immer nur Dateinamen mit bis zu 31 Zeichen, sodaß wir auf eine entsprechende Version des Finders warten müssen, um die Möglichkeit langer Dateinamen beim Extended Format nutzen zu können.
Das Macintosh Extended Format erleichtert des weiteren das Einrichten von Startvolumes für andere Betriebssysteme als das Mac OS (man denke an Rhapsody), und erlaubt es, Metadaten über eine Datei abzuspeichern (z.B. Kommentare, Zugriffsrechte und andere Informationen, die nicht eigentlich Inhalt der Datei selber sind).
Zur Praxis -- Da Sie nun alles über das Macintosh Extended Format wissen - wie arbeiten Sie mit ihm? Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Sie es mit Datenträgern im Extended Format zu tun bekommen können: Sie erhalten ein entsprechendes Medium von jemand anderem oder erstellen ein eigenes.
Wenn Sie über das Netzwerk mittels File Sharing oder AppleShare auf eine Festplatte im Extended Format zugreifen, dann verhält sich diese wie jeder andere Macintosh-Datenträger. Schließen Sie allerdings eine Festplatte im Extended Format direkt an Ihren Computer an (oder wollen ein Wechselmedium im Extended Format nutzen), dann müssen Sie Mac OS 8.1 oder höher installiert haben, um auf die Daten zugreifen zu können. Andernfalls wird Ihnen nur ein einzelnes Textdokument präsentiert, in dem erklärt wird, daß Sie nicht über die notwendige Software verfügen, um auf den vorliegenden Datenträger im Extended Format zugreifen zu können. (Dieser kleine Trick wird durch eine Art HFS-Hülle bewerkstelligt, dabei wird genaugenommen ein Datenträger im Extended Format in einem herkömmlichen HFS-Datenträger eingebettet.)
Das Initialisieren der eigenen Festplatte im Extended Format ist einfach. Sie können dazu entweder den Befehl Volume löschen... im Menü Spezial des Finders unter Mac OS 8.1 benutzen oder das Hilfsprogramm Laufwerke konfigurieren 1.4 oder höher (welches mit Mac OS 8.1 mitgeliefert wird) verwenden. Bei beiden Vorgehensweisen erstellen Sie zunächst ein Backup Ihrer Festplatte, initialisieren die Festplatte und kopieren die Daten schlußendlich wieder zurück auf die frisch initialisierte Festplatte.
Um das Startvolume im Extended Format zu initialisieren, brauchen Sie ein zweites Laufwerk mit installiertem Mac OS 8.1 (Apple empfiehlt, die im Handel erhältliche CD von Mac OS 8.1 zu benutzen). Dann erstellen Sie wieder ein Backup Ihres Startvolumes, initialisieren es entweder mit dem Befehl Laufwerk löschen oder dem Programm Laufwerke konfigurieren 1.4, und kopieren die ausgelagerten Daten des Startvolumes wieder zurück. Beachten Sie bitte, daß 68040-Macs nicht von einer Festplatte im Extended Format starten (oder Dateien für den Virtuellen Speicher anlegen) können, obwohl sie ohne weiteres auf Datenträger und Partitionen im Extended Format zugreifen können. Des weiteren sollten Sie auf einem PowerBook nicht den Paßwortschutz bei einem Startvolume im Extended Format verwenden; das würde wegen einiger Änderungen bei den Startblöcken im Extended Format nicht funktionieren.
Hilfsprogramme von Alsoft -- Falls Ihnen das Verwenden des Befehls Volume löschen noch nicht einfach genug ist - oder wegen des notwendigen Auslagerns der Daten zu zeitaufwendig ist - dann könnte PlusMaker, ein Hilfsprogramm von Alsoft (30 US$) für Sie von Interesse sein. Es konvertiert bestehende HFS-Medien ab einer Größe von 8 MB in Extended Format Volumes mit Speicherblöcken zu 512 Byte. PlusMaker verändert die Daten nicht, es konvertiert die Verzeichnisstrukturen und optimiert darauf die Daten, um die Fragmentierung der Festplatte zu reduzieren. Alsoft beteuert, daß der Einsatz von Speicherblöcken zu 512 Byte im Vergleich zu solchen der Größe 4 MB zu keinem nennenswerten Geschwindigkeitsverlust führt; wie dies im einzelnen aussieht, hängt natürlich davon ab, wozu Sie das Medium verwenden, und welche Daten Sie darauf abspeichern.
<http://www.alsoftinc.com/plusmaker.html>
Alsoft bietet auch PlusMaximizer an, welches es ermöglicht, mittels des Befehls Volume löschen... einzelne Partitionen mit Speicherblöcken zu 512 Byte (statt der Standardgrösse 4 KB bei Medien ab 1 GB) zu erstellen. Zusammen kosten die beiden Programme 40 Dollar. Von Anwenderseite ist zu hören, daß die Hilfsprogramme von Alsoft einwandfrei funktionieren - ich rate trotzdem jedem, vor der Konvertierung ein Backup anzulegen.
<http://www.alsoftinc.com/plusmaximizer.html>
Fragen zur Kompatibilität -- Bevor Sie das Macintosh Extended Format auf einer nicht von Apple stammenden Festplatte einsetzen, sollten Sie beim Entwickler der Treibersoftware anfragen, ob sie zu Mac OS 8.1 und Extended Format kompatibel ist. Hard Disk ToolKit 2.5 und Silverlining 5.8.2 sind gemäß Herstellerangaben beide kompatibel zu Mac OS 8.1 und Extended Format; Silverlining unterstützt das Extended Format direkt.
<http://www.fwb.com/ts/hdt/hdt25bulletin.html>
<http://www.lacie.com/updates.html>
Darüberhinaus muß Software, die direkt mit dem Dateisystem interagiert - wie z.B. Programme für die automatische Komprimierung oder Laufwerkoptimierung und -instandsetzung - unter Umständen aktualisiert werden. Fragen Sie beim Hersteller des entsprechenden Produkts nach; Informationen zu einigen Produkten finden Sie nachfolgend.
Norton Utilities: Symantec hat für das Mac OS 8.1 die Norton Utilities 3.5.2 entwickelt. Diese Version erkennt Volumes im Extended Format, kann sie aber weder überprüfen noch optimieren oder reparieren. (Vorgängerversionen würden versuchen, diese Funktionen auf Volumes im Extended Format anzuwenden und möglicherweise ernsthaften Schaden anrichten.) Symantec hat noch nicht bekanntgegeben, wann ein entsprechendes Update von Norton Utilities erscheinen soll, und Symantecs abwartende Haltung gegenüber dem Extended Format auf der Macworld San Francisco läßt vermuten, daß ein solches Update noch einige Monate auf sich warten lassen wird.
<http://www.symantec.com/nu/fs_num.html>
Alsoft DiskExpress Pro ist noch nicht in der Lage, Volumes im Extended Format unter Mac OS 8.1 zu optimieren. Alsoft wird ein Update nachliefern.
<http://www.alsoftinc.com/DXPinfo.html>
FWB CD-ROM ToolKit: Die Cachefunktionen des CD-ROM ToolKit 3.0.x von FWB funktionieren nicht einwandfrei bei Volumes im Extended Format. FWB hat ein Update in Aussicht gestellt; in der Zwischenzeit sollten Anwender des CD-ROM ToolKits unter Mac OS 8.1 die Cachefunktionieren deaktivieren.
Zu PGPDisk 1.0 von Network Associates liegt ein Upgrade auf 1.0.1 vor, welches zum Extended Format kompatibel ist. Registrierte Benutzer möchten NAI Customer Care unter 001 408/988-3832 für weitergehende Informationen anrufen.
<http://www.pgp.com/products/PGPdisk.cgi>
Zu guter Letzt -- Sollten Sie das Extended Format einsetzen? Die Antwort lautet einmal mehr: "es kommt drauf an". Soweit ich es bis jetzt abschätzen kann, bieten Volumes im Extended Format keinen nennenswerten Gewinn an Geschwindigkeit gegenüber Volumes im Standard Format; darüberhinaus wird der Umstieg durch das Fehlen hochwertiger Diagnoseprogramme und möglicher Inkompatibilitäten mit bestehender Software erschwert.
Für einige Anwender ist die Einsparung von Speicherplatz beim Extended Format ein echter Vorteil - insbesondere dann, wenn ohnehin regelmäßig Sicherheitskopien angefertigt werden. Wie damals, als 1986 das HFS eingeführt wurde, wird es einige Zeit dauern, bis sich das neue Dateisystem allgemein durchgesetzt hat. Doch das Extended Format wird mit größer werdenden Speichermedien und dem nahenden Rhapsody an Bedeutung gewinnen.
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Geoff Duncan [GD], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE].
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Heike Kurtz [HK], Jens Wolk [JW].
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