TidBITS#415/02-Feb-98 - Deutsch

An Macintosh-Neuigkeiten haben wir diesmal einiges: Claris gibt sich unter dem Namen FileMaker, Inc. eine neue Struktur; Frontier und KeyQuencer 2.5 sind da; Eudora Pro 4.0 wird doch international vertrieben; Conflict Catcher 4.1.1 ist erschienen und APS sucht Schutz unter Chapter 11 (hofft aber durchzukommen). Wir bringen weitere Details zu Open Transport 1.3 und besprechen Nachteile, die aus den Kopierschutz-Maßnahmen von Quark entstehen. Zuletzt schreibt Adam zur erfolgreichen Organisation von Messeparties.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#415/02-Feb-98.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-415.html>

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Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1998/TidBITS#415/02-Feb-98>

Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-415.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-415.etx>
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MailBITS/02-Feb-98

[Übersetzung: Heike Kurtz]

Aus Claris wird FileMaker, Inc. -- Vergangene Woche überraschte uns Apple Computer mit der Ankündigung, daß die Tochterfirma Claris sich künftig nur noch auf FileMaker Pro, die meistverkaufte Datenbank für Macintosh und Windows, konzentrieren wird. Laut Claris ist FileMaker die beliebteste Datenbank für den Macintosh und steht auch bei Windows-Nutzern an zweiter Stelle der Datenbankprogramme, die nicht in Softwarepakete integriert sind. Im Jahr 1997 habe man allein mit FileMaker 73 Millionen Dollar Umsatz gemacht. Die Restrukturierungsmaßnahmen beinhalten einen Namenswechsel: Die Firma wird künftig als FileMaker, Inc. firmieren und sich von allen Produkten außer FileMaker Pro und Home Page trennen, was mit der Entlassung von ca. 300 Angestellten einhergehen soll. Wie am 01.02.98 bekannt wurde, wird Apple künftig alle Apple-eigenen Softwareprodukte (auch das Mac OS 8) selbst vertreiben und auch das Programm ClarisWorks weiterentwickeln, vertreiben und technische Unterstützung dafür bieten. Der Präsident von Claris, Dominique Goupil, kündigte in einem Brief an, Apple werde auch die Programme Claris Emailer, ClarisDraw, ClarisImpact und Claris Organizer übernehmen. Auf der Claris Homepage bietet eine Seite im Interview-Stil mehr Informationen. [ACE]

<http://www.claris.com/news/docs/fminc-release.html>
<http://www.claris.com/news/docs/fminc-letter.html>
<http://www.claris.com/news/docs/fminc-qanda.html>

Englisches Eudora Pro 4.0 wird auch in Übersee angeboten -- Qualcomm gab bekannt, daß Eudora Pro 4.0 für Macintosh nun doch weltweit verkauft werde. Qualcomm entwickelt eine Version in englischer Sprache, die nur die Eudora Software enthält und somit die Exportprobleme mit PGP vermeidet. Qualcomm wird diese Version allen internationalen Wiederverkäufern und auch den lokalen "Lizenz-Herausgebern" zur Verfügung stellen, die die Software dann an jedermann verkaufen können. Wir freuen uns über diese offizielle Ankündigung von Qualcomm und die Unterstützung, die loyalen Eudora-Benutzern auf der ganzen Welt dadurch zuteil wird. [ACE]

<http://www.eudora.com/>

Frontier 5.0 herausgekommen -- UserLand Software Inc. hat die Version 5.0 von Frontier fertiggestellt und veröffentlicht. Frontier ist eine kostenlose Skript-Umgebung, die Web Site Management, die Möglichkeit, CGI-Skripts zu schreiben und Netzwerk-Kommunikations-Funktionen beinhaltet (Frontiers Web Site-Funktionen wurden in TidBITS-389 beschrieben). Frontier 5.0 ist die erste Version, die auch für Windows herausgekommen ist. Es gab außerdem ein paar Verbesserungen in der Benutzeroberfläche (Tabellen sind nun Formatvorlagen), und die Web Site-Werkzeuge sind einfacher zu bedienen. Wer Frontier 4.2.3 bereits im Einsatz hat, kann seine bestehenden Dateien in 5.0 exportieren, aber es gibt keine zuverlässige Möglichkeit des Rückwärtskonvertierens. Weil die Datenbank erheblich aufgeräumt und übersichtlicher gestaltet wurde (incl. der Umbenennung einiger wichtiger Verben), müssen Frontier 4.x-Skripts u. U. nachbearbeitet werden.

<http://www.scripting.com/frontier5/>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-389>

Matt Neuburg, ein freier Mitarbeiter von TidBITS, hat ein dickes Buch über Frontier geschrieben; es wird sehr bald bei O'Reilly & Associates herauskommen. Es beschäftigt sich mit Frontier 4.2.3, der stabilsten Version, die verfügbar war, als er das Buch schrieb. Matt arbeitet bereits an einer zweiten Ausgabe, die Käufern der ersten zu einem kleinen Preis zur Verfügung gestellt werden soll. [GD]

<http://www.ora.com/catalog/frontier/>

HFS-Plus-Hilfsprogramme online erhältlich -- Alsoft kündigte letzte Woche an, daß die beiden Hilfsprogramme zum Konvertieren von Festplatten in Apples neues Macintosh Extended Format (HFS Plus) - PlusMaker und PlusMaximizer - auf der firmeneigenen Web Site zum Download und Kauf zur Verfügung stünden. Mit der Veröffentlichung von Mac OS 8.1 kann man dieses neue Extended Format nutzen, das Festplattenspeicher spart, indem es die Anzahl der adressierbaren Blöcke auf der Festplatte erhöht (vgl. "Alles über das Macintosh Extended Format (HFS Plus)" in TidBITS-414). Ein Nachteil ist allerdings, daß man seine Daten sichern, dann seine Festplatten mit dem neuen Format formatieren und die Daten noch einmal ablegen muß - eine zeitaufwendige Sache, besonders für Systemadministratoren, die viele Macs zu betreuen haben. PlusMaker (Download: 875K) ermöglicht die Konversion ohne Formatieren. PlusMaximizer (Download: 265 K) gibt Ihnen die Möglichkeit, adressierbare Blöcke von 512 K Größe (anstelle von Apples Standardgröße) zu wählen. Die Programme kosten je 29,95 Dollar, man kann aber auch beide zusammen als 1,1 MB Download für 39,95 Dollar kaufen. [JLC]

<http://www.alsoftinc.com/>
<http://www.alsoftinc.com/beforeyoubuy.html>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-414>

APS meldet "Chapter 11" an, hofft aber auf baldige Besserung -- Der Festplattenhändler, Macintosh-Clone-Hersteller und Langzeit-TidBITS-Sponsor APS hat letzte Woche für die Zeit während der Reorganisation der Firma den Schutz der Aktiva nach "Chapter 11" des amerikanischen Konkursrechts beantragt. Firmenvertreter glauben, daß APS immer noch eine lebensfähige Firma ist und hoffen, in ein paar Monaten das "Chapter 11"-Verfahren beenden zu können. APS plant keine massiven Entlassungen und die Geschäfte gehen weiter. Der Vizepräsident von APS, Paul McGraw, sagte: "Wenn Sie uns anrufen, werden Sie feststellen, daß alles ziemlich normal weitergeht. Unsere Angestellten bekommen ihr Gehalt, unsere Kunden ihre Ware und wir werden weiterhin unser möglichstes tun, um den besten Support zu bieten, den man bekommen kann".

Zwei Ereignisse, der unerwartete Konkurs des Festplattenherstellers Micropolis Corporation im November 1997 und Apple Computers Entscheidung, das Mac OS nicht weiter zu lizensieren, können als Ursache für die Schwierigkeiten des sonst gesunden Unternehmens gesehen werden. Nachdem Micropolis pleite war, gab APS Millionen Dollar aus, um Micropolis' Garantieverpflichtungen bei Hunderttausenden von Festplatten zu erfüllen, und die Elimination von Clone-Verkäufern durch Apple führte dazu, daß APS Millionen Dollar für Produktentwicklung und Marketing abschreiben mußte. Wir wünschen APS viel Glück beim Überwinden dieser Rückschläge. [ACE]

<http://www.apstech.com/>
<http://www.news.com/News/Item/0,4,16603,00.html>

KeyQuencer jetzt bei Version 2.5 -- Binary Software hat KeyQuencer 2.5 herausgebracht, ein großes Upgrade für Alessandro Levi Montalcinis beliebtes Makroprogramm. Neue Funktionen sind z. B. die Unterstützung von Kontextmenüs für Mac OS 8-Nutzer, ein "OpenURL"-Befehl, der jede Web- oder FTP-Site auf Tastendruck öffnet und KeyQuencer-Hilfen, die die Erstellung von Makros erleichtern und automatisieren. KeyQuencer 2.5 beinhaltet außerdem viele Kniffe. Upgrades kosten 11,95 Dollar für registrierte Nutzer von KeyQuencer 2.0 oder 2.1. Wer mehr über KeyQuencer 2.0 und Makroprogramme im allgemeinen wissen möchte, sollte sich "KeyQuencer - ein Rivale für QuicKeys?" aus TidBITS-351 und "Der Anwender über Ihrer Schulter - Macs und Makros" aus TidBITS-357 anschauen. [ACE]

<http://www.binarysoft.com/kqmac/kqmac.html>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-351>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-357>

Update für Conflict Catcher -- Casady & Greene hat Conflict Catcher 4.1.1 veröffentlicht, ein kleines Update für den erst einen Monat alten Conflict Catcher 4.1. Die Version 4.1 fügte dem bereits sehr leistungsfähigen Erweiterungs-Manager neue Funktionen hinzu - unter anderem die Fähigkeit, unter Mac OS 8.1 zu laufen. Es stellte sich heraus, daß Conflict Catcher 4.1 außerdem verschiedene Systemdateien in 8.1 als beschädigt identifizierte (tatsächlich war der Schaden rein kosmetisch, denn die Resource Forks waren 11 Byte größer, als sie sein sollten). Version 4.1.1 bringt eine handvoll kleiner Kniffe und - wie keiner übersehen kann, der heute die Web Site von Casady & Greene besucht - die Fähigkeit, diese 11 Byte zu entfernen. Das Update ist für Besitzer von Conflict Catcher 4 kostenlos und der Download ist 875 K groß. [TJE]

<http://www.casadyg.com/C&G/welcome2.html>

Verewigen Sie sich in der Macintosh-Bibel -- Haben Sie einen tollen Tip in bezug auf den Macintosh? Diejenigen, die die Macintosh-Bibel schreiben, möchten ihn gerne erfahren und möglicherweise in die siebte Ausgabe aufnehmen - Sie können also Berühmtheit erlangen, denn Sie würden ggf. in die Dank-Seiten des Buches aufgenommen. Wenn Sie die Tipster Web Site besuchen, können Sie Ihren Tip abgeben und den Tip der Woche sehen. Die Macintosh Bibel ist schon lange das Lieblingsbuch der Macintosh-Gemeinde; TidBITS berichtete letztmalig in dem Artikel "Peachpit Press bringt die Mac-Bibel in neuer Auflage" in TidBITS-343 mehr darüber. [TJE]

<http://www.thetipster.com/>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-343>

OT 1.3 & Single-Link Multihoming -- Mark Kriegsman <kriegsman@clearway.com> von ClearWay Technologies schreibt:

Es ist schön, daß Open Transport 1.3 (OT) so positive Presse hat, aber ich denke, Sie haben zwei wichtige Punkte in Ihrem Artikel über Open Transport 1.3 in TidBITS-414 vergessen. It's nice to see Open Transport 1.3 (OT) receiving good press, but I think you missed two important points in "Open Transport 1.3" in TidBITS-414.

<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-414>

<http://www.w3.org/Protocols/rfc2068/rfc2068>

<http://www.clearway.com/VDM/>


Quarks Sicherheitsvorkehrungen verärgern rechtmäßige Nutzer

von Glenn Fleishman <glenn@netbits.net>

[Übersetzung: Heike Kurtz]

Ich benutze die DTP-Software QuarkXpress seit 1989 und da ich Neues gerne früh benutze, bestellte ich das 4.0 Upgrade unmittelbar, nachdem es erhältlich war. [Quark hat gerade den 4.01r1 Updater herausgebracht, der ein paar kleinere Schwierigkeiten mit 4.0 behebt -Adam]. Stellen Sie sich meine Enttäuschung vor, als ich das Paket öffnete, und eine Diskette mit Seriennummer und eine CD-ROM vorfand.

<http://www.quark.com/>

Ich benutze nämlich ein PowerBook 3400c und kann entweder ein Diskettenlaufwerk oder ein CD-ROM-Laufwerk anschließen - aber nicht beides gleichzeitig (Nutzer der PowerBooks 1400, 3400 und G3 haben alle dieses Problem). Diese Notwendigkeit, Installationen von zwei Medien gleichzeitig zu fahren, ist Teil einer langen Reihe von Versuchen der Firma Quark, Softwarepiraterie einzudämmen - ganz allgemein und auch innerhalb von Firmen. Ich befürworte zwar Quarks Anstrengungen, gegen die Softwarepiraterie vorzugehen, die Methoden jedoch behindern registrierte Nutzer wie mich.

Ich dachte, ich sei besonders schlau, erzeugte ein Disk-Image der Seriennummern-Diskette und öffnete es mit Aladdins ShrinkWrap-Programm. Ich schloß das CD-ROM-Laufwerk an und startete den Installer. Aber der war schlauer als ich und verlangte nach einer ungeschützten Diskette. Glücklicherweise hat ShrinkWrap eine Einstellungsmöglichkeit dafür - nachdem ich die virtuelle Diskette ausgeworfen und erneut geladen hatte, war ich erfolgreich. QuarkXpress Installer schreiben nämlich ein paar Informationen auf die Installationsdisketten - vielleicht wird nachgehalten, wie oft die Installation ausgeführt wird, oder es gibt eine Einstellung, daß der Installer nur mit einer bestimmten CD läuft.

<http://www.aladdinsys.com/dev/shrinkwrap/>

Meine Probleme mit der Installation überraschten mich keineswegs, denn Quark hat schon immer starke Geschütze gegen den Software-Klau aufgefahren. Quark war eine der ersten Firmen, die die Informationen über die Seriennummern ihrer Produkte in AppleTalk-Netzwerke einspeiste. Wenn man QuarkXpress öffnet, sucht das Programm nach weiteren Versionen im lokalen AppleTalk-Netzwerk, die unter derselben Seriennummer laufen.

(Mit einem Programm wie Dartmouth Colleges MacPing oder EtherPeek von AG Group - Version 3.5 ist gerade herausgekommen - kann man alle AppleTalk-Geräte und -Programme - auch QuarkXpress, Retrospect Remote Clients, Kopien von FileMaker Pro 4.0 u. a. - mittels dieses Seriennummern-Senders ausfindig machen.)

<http://www.dartmouth.edu/netsoftware/macping/>
<http://www.aggroup.com/>

Vor Jahren, in den goldenen Tagen der LocalTalk-Netzwerke, die manche von Ihnen immer noch genießen dürfen, hörten wir von Leuten, die in der Not hin und wieder den LocalTalk-Stecker herauszogen, QuarkXpress starteten und dann LocalTalk wieder einsteckten. Quark ist aber zu clever für so etwas, und in irgendeiner Version 3.x wurde eine regelmäßige AppleTalk-Abfrage eingefügt, die Seriennummern abfragt, während das Programm läuft und das Programm ohne Vorwarnung beendet, wenn eine zweite Version mit derselben Seriennummer im Netzwerk gefunden wird. Freunde erlauben einander nicht, geklaute Software zu benutzen.

Eine Geschichte unkonventioneller Sicherheitsvorkehrungen -- Quark hatte noch nie einen Installer, bei dem man während des Installationsprozesses die Seriennummer eintippt. Jedes Produkt, das Quark verkauft, ist bereits vor-registriert und benötigt eine ganz spezielle Kombination von Diskette und CD-ROM. Als ich noch für die Technik in Kodaks "Center for Creative Imaging" tätig war, hatten wir zehn Versionen von QuarkXpress, die wir auf einem Server installierten und in verschiedenen Ordnern aufbewahrten - nach Seriennummern sortiert -, falls wir die Software auf dem Rechner eines Studenten installieren mußten. Wir hätten sonst jedesmal die Disketten hervorkramen und eine saubere Neuinstallation vornehmen müssen. Mehrfachlizenz? Nicht bei Quark!

Auf den Märkten in Übersee, wo viele Produkte zwei- oder dreimal soviel kosten wie in den USA, braucht Quark oft Dongles, um Piraten auszubremsen. Diese netten Teilchen sind eigentlich nur Seriennummern in Hardware-Ausführung, die man in den Druckerport, den Apple Desktop Bus (ADB) [Tastatur-Anschluß, --HK] oder, bei PCs, als einen durchgeschleiften Stecker am Parallelport einsteckt.

Das Programm sendet eine Anfrage an den Dongle und bekommt die Seriennummer zurück. Normalerweise gibt es Hardware-Dongles nur bei Programmen, die Tausende von Dollars kosten, wie z. B. ElectricImages Animationsprogramm. Es kommt außerdem in Nischenmärkten vor, wo das unerlaubte Kopieren sehr wahrscheinlich und die Anzahl der potentiellen Kunden klein ist - Isis Software <isiscorp@axionet.com> und Second Glance Software schützen ihre miteinander konkurrierenden frequenzmodulierenden Rasterungs-Pakete, denn es gibt nur einige zehntausend (wahrscheinlich keine hunderttausend) potentielle Kunden.

<http://www.electricimage.com/>
<http://www.secondglance.com/>

Was wird die Zukunft bringen? Eine genau vorgeschriebene Prozedur wie auf einem Atom-U-Boot "Legen Sie Diskette A im selben Moment wie CD-ROM B und Zip-Diskette C ein, während Kollege D gleichzeitig die Control-Befehl-Entfern-Wahl- und Löschtaste auf Computer E drückt"?

"Öffne die Farbpalette bitte, HAL."

"Tut mir leid, Glenn, das kann ich nicht."

[Glenn Fleishman ist der Chefredakteur der NetBITS und erklärt das Internet, ohne anzunehmen, man sei ein Dummie (oder Dummy[tm]). Er hat alle erdenklichen DTP-Programme ab Version 1.0 benutzt - außer CorelDRAW.]

<http://www.netbits.net/>


Wie man eine Messeparty ausrichtet

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Ich habe schon viele Macworld Expos besucht und bin jedes Mal auch auf einige Parties gegangen - und wissen Sie was? Die meisten dieser Parties sind eine matte Sache, zumindestens aus der Perspektive von Fachleuten. Und die machen sicher 95 Prozent der Besucher einer Macworld-Messe aus.

In diesem Artikel, dem ich ein langes Leben und weites Herumkommen per E-Mail wünsche, will ich einige Vorschläge machen, wie solche Parties zu einem Erfolg werden können. Diese Ideen sind nicht ausschließlich die meinen - ich habe sie in Gesprächen mit anderen Messebesuchern gesammelt, mit Anbietern, EDV-Verantwortlichen, Konsulenten, Produktmanagern und Journalistenkollegen.

Das Ziel -- Lassen Sie mich zuerst das Ziel einer solchen Messeparty festlegen. Die Firma, die eine Party gibt, möchte, daß alle ihren Spaß haben, sich nur in Maßen betrinken und die Produkte des Gastgebers stark kaufen (oder begeistert weiterempfehlen). Nur die ersten beiden Dinge können sich auf der Party selbst abspielen (auf einer Party gleich Produkte zu verkaufen wird als schlechter Stil angesehen), aber Punkt drei wird mit höherer Wahrscheinlichkeit passieren, wenn die ersten beiden Dinge auf der Party zugetroffen haben. Eine Party stellt ein Erfolgsmerkmal für eine Firma dar; sie ist ein Zeichen für ihre angestrebte oder tatsächliche Bedeutung. Parties können auch ein Weg sein, wichtigen Kunden ein Dankeschön auszudrücken (in dieser Funktion sind sie ein zusätzliches Hilfsmittel im Verkauf). Auf der anderen Seite wollen die Gäste der Party eine angenehme Zeit verbringen, mit anderen plaudern, essen und sich der Firma nahe fühlen, die die Party gibt.

Es gibt ein stillschweigendes Abkommen auf einer solchen Party. Jedem ist klar, daß es sich um eine Marketingveranstaltung handelt, aber der Veranstalter sollte dennoch seine Produkte nicht zu sehr in den Vordergrund stellen. Die Gäste sollten ihrerseits schlechtes Benehmen unterlassen, wie etwa laut über die Bugs eines Produkts oder über die Konkurrenz zu reden. Ebenso sollten sie keine unbequemen Fragen stellen, die besser auf eine Pressekonferenz oder in eine Vorführung auf einem Messestand passen.

Musik -- Viele Parties auf den Macworlds sind mit Musikgruppen bestückt, die teilweise sehr gut sind. Ich kann aber dem Veranstalter einer Party nur empfehlen, auf Live-Musik zu verzichten, wenn es sich nicht nur um ein dezentes Streichquartett in einer Ecke handelt. Das Problem besteht darin, daß die meistens Bands mit Verstärkern anrücken und die meisten Parties in großen Räumen mit grauenhafter Akustik stattfinden. Diese Kombination erzeugt eine Umgebung, in der niemand irgendetwas außer der Band hören kann; sogar wenn Sie an sich die Band schätzen, ist die Klangqualität in der Regel entsetzlich.

Machen wir uns nichts vor: Wir reden hier von Parties für gehobene Anwender, die einander vielleicht nur ein- oder zweimal im Jahr sehen. Wir wollen also miteinander reden, nicht tanzen. Die Tanzfläche einer solchen Party wird meistens nur von ganz wenigen Leute bevölkert und ich nehme sogar an, das sind die Leute, die die Party organisiert haben.

Die Örtlichkeit -- Immobilienmakler reiten immer auf der Lage eines Objekts herum und so sollte man auch den Ort für eine Messeparty auswählen. Suchen Sie eine Örtlichkeit aus, die in Gehweite von der Messe selbst liegt - die meisten Leute werden die Party nur besuchen, wenn sie sehr leicht zu erreichen ist. Dazu kommt, daß es sogar Leute gibt, die sehr gerne zu Fuß gehen, wenn das Wetter es zuläßt.

Es ist vielleicht nicht immer einfach, einen geeigneten Raum in unmittelbarer Nähe zu finden; falls das nicht möglich sein sollte, vergewissern Sie sich, daß man mit dem Taxi oder öffentlichen Verkehrsmitteln gut hingelangen kann. Computermessen werden in großen Städten abgehalten, die fast alle auch ihre gefährlichen Stadtteile haben - ziehen Sie Ihre Party keinesfalls weit von der Messe entfernt in einem Viertel auf, wo sich Fußgänger abends nicht wohl fühlen können.

Bars können eine gute Wahl sein, weil sie wenig oder nichts kosten und es keine Probleme mit Spirituosen gibt. Sie sind allerdings auch meistens ziemlich laut, verraucht (in Kalifornien inzwischen nicht mehr) und es mangelt an Speisen und Sitzplätzen. Ich kann Bars generell nicht empfehlen.

Wenn möglich richten Sie eine sichere Garderobe für die Mäntel (und, noch wichtiger, die PowerBooks) der Besucher ein. Das ist ein Punkt, der im Winter etwas schwerer wiegt als im Sommer, aber das Prinzip gilt für alle Jahreszeiten - PowerBooks sind einfach nicht leicht genung, um ständig in der Hand gehalten zu werden.

Einladungen -- Wen sollte man einladen? Zunächst einmal alle Mitarbeiter Ihrer eigenen Firma - es ist von Vorteil, wenn sie für Fragen zur Verfügung stehen. Auf jeden Fall bitten Sie auch Presseleute zu kommen; Sie können redaktionellen Platz nicht kaufen, aber es schadet sicher nicht, wenn viele Journalisten auf Ihrer Party sind. Laden Sie auch immer wichtige Kunden ein, sie fühlen sich dann noch wichtiger und das schlägt sich in Verkäufen nieder. Falls Ihre Firma mit anderen Firmen in der Branche Partnerschaften hat, sollte diese auch auf Ihrer Party vertreten sein - als Zeichen der Solidarität.

Die knifflige Frage: Sollen Sie das allgemeine Publikum auch einladen? Als Populist plädiere ich dafür, als Realist sehe ich aber, daß es nicht für alle genug Speisen und Getränke geben kann, auch wenn genug Platz vorhanden wäre.

Hier mein Vorschlag dazu: Geben Sie Zutritt zu Ihrer Party nur mit Einladung, verteilen Sie aber Ihre Einladungen großzügig, samt der Aufforderung, auch Freunde und Bekannte mitzubringen. Auf diese Weise können Sie schon vorher grob abschätzen, wieviele Menschen kommen könnten (ausgehend von der Zahl der gedruckten Einladungskarten), Ihre Party erhält das Flair einer exklusiven Veranstaltung, die Personen, die Einladungen vergeben, erhalten ein paar Sympathiepunkte und die Leute, die ohne ausdrückliche Einladung mitkommen dürfen, sind die dankbarsten von allen.

Bereiten Sie Namensschilder für alle Besucher vor (wenn das zu viel Arbeit ist, ermutigen Sie die Besucher, sie sich selbst am Eingang zu schreiben). Ich habe einmal (nicht auf einer Messe) eine ältere Frau mit einem großen gelben Anstecker mit der Aufschrift "Ich kann mich auch nicht an Ihren Namen erinnern!" gesehen. So fühlen sich viele von uns auf Messen und wenn die Leute dann ohne ihre Namensschilder auftreten, wird die Zuordnung schwierig und das führt zu problematischen zwischenmenschlichen Situationen.

Zuletzt tragen Sie Ihre Party in die Robert Hess Memorial Party List ein. Auch wenn sie nur mit Einladung zugänglich ist, wird es für die Leute leichter, Zeitpläne zu machen.

<http://www.xensei.com/users/ileneh/partylist.html>

Die Wahl der Zeit -- Es gibt relativ wenige zeitliche Alternativen auf einer Messe wie der Macworld, die vier Tage dauert. Der erste Abend ist meistens der beliebteste, was die meisten Leute zum Party-Hopping zwingt. Dieses Jahr habe ich am ersten Abend der Macworld drei Parties besucht und obwohl ich überall gerne länger geblieben wäre, hatte ich einfach nicht die Zeit dazu. Der zweite und der dritte Abend waren diese Jahr viel weniger beliebt und der vierte fällt flach, weil alle schon müde sind und viele Leute gleich nach Messeschluß abreisen.

Welchen Zeitpunkt Sie am besten auswählen, hängt davon ab, welche Art Party Sie geben wollen. Wenn Ihnen der Sinn nach viel Aufmerksamkeit für eine Produktvorstellung steht, nehmen Sie den besten Termin, den ersten Abend. Falls Sie eine eher familiäre Umgebung schaffen wollen oder keinen schnellen Eindruck machen müssen, weichen Sie besser auf einen der späteren Termine aus. Für eine wirklich exklusive Party schließlich nehmen Sie den letzten Abend und schicken die Einladungen lange genug im voraus aus.

Essen und Trinken -- Essen ist immer gut und auf Ihrer Party sollte es das geben, schon um einen kommunikationsfeindlichen niedrigen Blutzuckerspiegel zu vermeiden. Sie brauchen aber keinesfalls ein Vermögen für Feinschmecker-Buffets auszugeben, solange Sie sich an folgende Grundregeln halten.

Die örtliche Plazierung der Speisen ist auch wichtig, da sie viele Leute anlocken werden. Arrangieren Sie das Essen nicht an einer engen Stelle oder an Punkten, wo immer wieder viele Besucher vorbeigehen müssen.

Vorführungen -- Es gibt immer die Versuchung, auf einer Messeparty eine größere Produktdemonstration abzuhalten, besonders wenn Sie auf der Messe ein neues Produkt starten. Tatsache ist aber, daß die meisten Leute eine Party nicht wegen einer Vorführung besuchen und die räumliche Anordnung, die für Vorführungen gut ist (ein großer Raum, Reihen von Stühlen), sich nicht für eine Party eignet.

Wenn Sie auf jeden Fall eine Demonstration machen wollen, halten Sie sie kurz - zehn Minuten maximal - und beauftragen Sie jemanden damit, der flott und unterhaltsam ist.

Bedenken Sie, was das Wichtigste ist - die Besucher. Locken Sie eine Masse interessanter Leute an und sorgen Sie für eine dazu passende Atmosphäre und Ihre Party wird eine erfolgreiche sein.



Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE].

Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Heike Kurtz [HK].

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