Apple hat in letzter Zeit wichtige Schritte unternommen: Claris wurde in FileMaker, Inc. umgewandelt, die meisten großen Handelsketten bis auf CompUSA sind als Vertriebskanäle passé. Sind diese Aktionen ein Anzeichen dafür, daß Apple die Lektion gelernt hat, sich auf ein paar Dinge zu konzentrieren? Adam analysiert diese Woche die Lage. Jeff Carlson schließt seine Serie über den PalmPilot ab; Neues gibt es auch zu Speed Doubler von Connectix.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#416/09-Feb-98.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-416.html>
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-416.etx>
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[Übersetzung: Heike Kurtz]
Aus verschiedenen Gründen werde ich in den nächsten fünf Wochen praktisch nicht per Email erreichbar sein. Ich werde Mikael Hansens Freeware-Programm AutoShare benutzen, um Emails automatisch mit einer Urlaubsnachricht zu beantworten. Zwar werde ich in dieser Zeit alles lesen, was ich bekomme, werde aber wahrscheinlich nicht antworten können. Bitte schicken Sie Mail mit Bezug auf die TidBITS an <editors@tidbits.com>, wo Geoff Duncan und Jeff Carlson sich darum kümmern können. Danke! [ACE]
<http://www.dnai.com/~meh/autoshare/>
Speed Doubler 8.1 kommt im März -- Connectix hat eine FAQ-Aussendung zu Speed Doubler 8.1 verschickt, in der erklärt wird, warum Speed Doubler 8.0 und 8.0.1 nicht mit Mac OS 8.1 laufen und kündigt an, daß es im März ein kostenloses Update geben wird. Kurz gesagt, die Unterschiede zwischen Mac OS 8.0 und 8.1 sind so gravierend, daß Connectix Speed Doubler umprogrammiert hat, um all die Komponenten zu entfernen, die unter Mac OS 8.1 Konflikte verursachen könnten. [ACE]
<http://www.connectix.com/html/sd81faq.html>
von Jeff Carlson <jeffc@tidbits.com>
[Übersetzung: Heike Kurtz]
Als ich meinen PalmPilot kaufte, verdrehten die anderen Familienmitglieder die Augen und erinnerten mich an meine Neigung, elektronisches "Spielzeug" zu kaufen. Ich habe mich seitdem an das Organisationstalent meines Pilot und die Vielfalt an Programmen, die es inzwischen dafür gibt, gewöhnt. Er ist nicht nur ein weiteres Gerät, das man wegwirft, sobald der Reiz des Neuen verflogen ist, ich muß jedoch zugeben, daß er etwas von einem Spielzeug hat - es macht Spaß, ihn zu benutzen, selbst wenn ich nur eine Adresse nachschlage. Und nichts geht über die Neugierde, die ich verursache, wenn ich das in der Gegenwart von Leuten tue, die nie zuvor einen Pilot gesehen haben.
In den ersten beiden Teilen dieser Artikelreihe habe ich den PalmPilot, seine eingebauten Funktionen und ein paar Programme, die ich täglich nutze, vorgestellt. In dieser Ausgabe möchte ich zum Schluß ein paar Mißverständnisse ausräumen, das unbezahlbare Hilfsprogramm HackMaster besprechen und schließlich das vorstellen, was ein wirklich erfolgreiches Produkt ausmacht: Accessoires und Spiele.
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-411>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-413>
Ohne ROM geht nix -- In TidBITS-411 empfahl ich Lesern, die noch nicht genau wissen, ob sie sich einen Pilot kaufen sollen, Zilot auszuprobieren, einen Pilot-Emulator für PowerPC Macintosh Computer. Der Haken an der Sache - den ich sehr schnell fand - ist, daß man eine Kopie des Pilot ROM dafür braucht, und das gibt es im Internet - wegen berechtigter Bedenken in bezug auf das Copyright - nicht mehr. Zilot ist aber immer noch ein tolles Programm für Pilot-Besitzer, die Software für das Gerät entwickeln oder verschiedene Programme ausprobieren wollen, ohne immer wieder HotSync zum Installieren der Applikationen anschießen zu müssen. Für unentschlossene potentielle Käufer empfehle ich statt dessen die Shockwave PalmPilot Demo auf 3Coms Web Site.
<http://www.teaser.fr/~mpollet/Zilot/>
<http://www.3com.com/palm/vrdemo/>
Personal und Professional -- Immer wieder werde ich gefragt, was denn der Unterschied zwischen dem PalmPilot Personal und dem Professional sei. Der Professional verfügt über mehr als zusätzliche 512 K RAM, wie Christian Moskal <dimento@cs.tu-berlin.de> schreibt:
Es gibt noch einen weiteren Unterschied, den man erwähnen sollte, den TCP/IP-Stack. HandStamp [das im ersten Artikel erwähnt wurde] ist der einzige POP3-Email-Client, der mit einem eigenen, proprietären IP-Stack ausgeliefert wird und somit auf den älteren 1000er und 5000er Baureihen und dem Personal läuft. Wer jedoch den Pilot Pro kauft, hat wesentlich mehr Auswahl an Email-Client-Software für POP3/IMAP4.
Mac Pilot Desktop immer noch nicht das Wahre -- Ich hatte mich über die Macintosh Pilot Desktop Software beklagt, die seit Version 1.0 kein Update erfahren hat, aber neben Now Synchronize die einzige Möglichkeit zum Synchronisieren von Daten bietet. Wenn Sie die Mac Pilot Desktop Software absolut nicht haben wollen, aber nur zum Backup Ihres Pilot keinen PC kaufen wollen, könnte Connectix' Virtual PC 2.0, das bald herauskommen soll, eine Lösung für Sie sein. Laut Mark Hayden <hayden@connectix.com> von Connectix wird die nächste Version dieser PC-Emulation die Datensynchronisation zwischen PalmPilot und der Windows-Version von Pilot Deskop unterstützen. Mit der Windows-Version des Pilot Desktop werden auch ein paar Funktionen verfügbar, die es in der Mac-Software nicht gibt, wie z. B. das Ausgaben-Programm, das Teil des Palm OS ist.
<http://www.connectix.com/html/connectix_virtualpc.html>
Ein hartnäckiges Anhängsel -- Für den Pilot gibt es viele Hilfsprogramme, wie z. B. Budgetrechner, Wecker, Zeichenprogramme etc. Und dann gibt es noch Edward Keyes' HackMaster, einen Systemerweiterungs-Manager, der es Programmierern ermöglicht, kleine kontrollfeldähnliche "Anhängsel" ["hack" --HK] zu schreiben. Die meisten erfüllen einen ganz bestimmten Zweck und bieten nicht die breite Funktionalität eines ganzen Programms. Hier sind ein paar dieser Erweiterungen, die ich inzwischen als unentbehrlich für das Palm OS erachte. Damit sie laufen, muß allerdings HackMaster installiert sein.
<http://www.daggerware.com/hackmstr.htm>
Wenn Sie sich Sorgen machen, daß andere in Dingen herumschnüffeln könnten, die Sie in Ihrem Pilot als "persönlich" gekennzeichnet haben, installieren Sie Water Lou's Freeware SafeHack. Im Palm OS kann man persönliche Dinge mit einem Passwort schützen - wenn man sie sehen will muß man im Pilot-Sicherheitssystem das Passwort eingeben und "zeigen" auswählen. Das Problem dabei ist, daß man danach wieder in das Sicherheitssystem gehen muß, um die persönlichen Daten erneut zu schützen. Wenn man den Pilot einfach ausschaltet und jemand spielt später daran herum, sind alle persönlichen Dateien sichtbar. SafeHack schaltet die Sicherheitsstufe einfach immer auf "verbergen", wenn das Gerät ausgeschaltet wird.
<http://www.hk.super.net/~cwlou/safehack.zip>
Matt Petersons Freeware "GlowHack" ist praktisch, wenn ich meinen PalmPilot im Dunkeln benutze. Ist GlowHack installiert, schaltet sich die Hintergrundbeleuchtung meines Pilot automatisch ein, wenn ich ihn innerhalb einer bestimmten Zeitspanne (z. B. zwischen 17.00 Uhr und 6.00 Uhr) einschalte. Man braucht zwar sonst auch nur den grünen Einschaltknopf zwei Sekunden lang gedrückt zu halten, aber GlowHack ist viel einfacher.
<http://www.dovcom.com/pilot/glowhack.html>
Auf dem Macintosh benutze ich CE Softwares QuicKeys, um Programme schnell und einfach mit Tastaturbefehlen aufzurufen oder zwischen ihnen hin- und herzuschalten. Mein Pilot hat nun eine ähnliche Funktion, dank Murray Dowlings SwitchHack. Wenn man den Stift aus dem Programm-Fenster in das Graffiti-Schreibfeld zieht, wechselt man zwischen dem aktuellen und dem zuletzt benutzten Programm. Zieht man aus dem Menü-Bild in das Programm-Bild, öffnet sich ein Menü mit den letzten zehn benutzten Programmen. SwitchHack ist Shareware und kostet 5 US$.
<http://www.deskfree.com/SwitchHack.html>
Das letzte "Hack", das ich erwähnen möchte, ist TealEcho von TealPoint Software. Es zeigt die Graffiti-Buchstaben, die man gerade schreibt, auf dem Bildschirm, so daß man genauer und schneller wird. Teal Echo ist Shareware und für 11,95 US$ zu haben.
<http://www.tealpoint.com/software.htm#echo>
Accessoires für den PalmPilot -- Ein Gradmesser für den Erfolg eines Produkt ist die Vielfalt des dafür erhältlichen Zubehörs - kein Wunder also, daß es rund um den PalmPilot eine ganze Industrie gibt, die für immer neue Accessoires sorgt. Das Angebot reicht von Designer-Stiften über Bildschirmschützer bis hin zu einer Lederjacke mit einer geschützten Pilot-Innentasche für 239 US$ [das ultimative Statussymbol für Pilotisten? --WJF].
<http://palmpilot.3com.com/catalog/jacket.html>
Der PalmPilot wird zwar mit einer Schutztasche ausgeliefert, ich fand es aber ziemlich unpraktisch, den Pilot jedesmal, wenn ich ihn benutzen wollte, dort herauszuholen. Es gibt verschiedene Arten von Behältnissen, wie z. B. das FlipCase, das sich beim Öffnen wie ein alter Star-Trek-Kommunikator verhält, und RhinoSkins Cockpit - eine harte Schachtel aus Titan mit einem Schmelzpunkt von 1666°C! Ich zog kurzzeitig das dünne Lederetui von 3Com in Erwägung, nahm aber Abstand, als ich hörte, daß bei manchen Benutzern die Monitore Ihrer PalmPilots durch den Druck des Verschlusses geborsten waren. Stattdessen kaufte ich das Copilot Case von E & B, ein kompaktes Behältnis, das sich wie ein Buch öffnet.
<http://www.synsolutions.com/products/flipcase.html>
<http://www.rhinoskin.com/>
<http://palmpilot.3com.com/catalog/slimcase.html>
<http://www2.ebcases.com/cgi-bin/rofm_cgi/ebprodfind.html>
Produktivitätsminderungsprogramme -- Jeder hartgesottene Computernutzer wird sagen, daß ein Computer, auf dem man nicht spielen kann, nichts taugt. Es gibt zur Zeit ungefähr hundert Spiele für den PalmPilot. Ich habe ein paar Solitär-Spiele und Bearbeitungen klassischer Schießspiele wie Missile Command und Space Invaders gespielt, aber ich muß gestehen, daß ich im Moment nur zwei Spiele permanent auf meinem Pilot installiert habe (weil ich sie mag und weil ich nur 512 K RAM habe).
Für den intellektuellen/strategischen Part habe ich Scott Ludwigs Freeware "Pocket Chess" parat. Es braucht zwar nur 27 K, ist aber ziemlich gut darin, mich zu schlagen - sogar in den leichteren Stufen (zugegeben, ich bin kein Großmeister, aber so schlecht nun auch wieder nicht). Es ist klar strukturiert, schnell, und hat noch nicht seinen großen Bruder Deep Blue um Hilfe gerufen.
<http://www.eskimo.com/~scottlu/pilot/>
Zur reinen Unterhaltung kann ich von Tank Kok Muns yahtChallenge nicht genug bekommen - es ist ein Yahtzee-Würfelspiel (Shareware, 12 US$). Ich könnte zwar manchmal schwören, daß das Programm zugunsten des Pilot manipuliert ist, aber das passiert nur dann, wenn ich nach mehreren schlechten Würfen ein wenig eingeschnappt bin.
<http://home.pacific.net.sg/~kokmun/pilotpgm.htm>
Ein Programm, das ich wegen meines Arbeitsspeichermangels noch nicht ausprobiert habe, das zu erwähnen ich mich aber verpflichtet fühle, ist PilotZip. Wenn Sie sich danach sehnen, in das Land Zork zurückzukehren, hat PalmGlyph Software für Sie ein Macintosh-Schreibtischprogramm entwickelt, das die Daten aus Infocoms alten textbasierten Rollenspielen in den Pilot importiert. PilotZip ist ein Z-Code-Interpreter, der auch andere interaktive Fiction-Dateien spielt.
<http://www.palmglyph.com/zip.html>
<http://www.activision.com/games/low/classics/masterpiece/>
<http://www.geocities.com/Heartland/9590/interactive.htm>
Mehr als nur ein Spielzeug -- Der PalmPilot ist der erfolgreichste Taschen-Organizer auf dem Markt - wohl hauptsächlich wegen seiner Größe, der Bedienerfreundlichkeit und der stetig wachsenden Zahl an Programmen, die eine fleißige Entwicklerschar herausbringt. Wie kann man einem Taschengerät widerstehen, dessen Stärke gleichermaßen in der Unterhaltung und der Organisation liegt?
DealBITS -- Kaufen Sie einen PalmPilot Professional beim TidBITS-Sponsor Cyberian Outpost zum regulären Preis von 337,95 US$ und sichern Sie sich das kostenlose MacPac (Ersparnis: 13,95 US$); mehr Details unter
<http://www.tidbits.com/tbp/palm-pilot-and-mac-pac.html>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Heike Kurtz]
Setzt Apple seinen Rückzug angesichts der Verluste von 1997 fort oder beginnt die Firma langsam, sich von diesem dunklen Kapitel der Firmengeschichte zu erholen? Apple hat in den letzten Wochen viel getan, das uns diese Frage geradezu aufzwingt, und wie immer bei Apple sind die Antworten nicht gerade eindeutig. Schauen wir uns ein paar der jüngsten Ereignisse an.
Restrukturierung bei Claris -- Ende Januar kündigte Apple an, daß Claris restrukturiert werde und sich künftig ausschließlich auf FileMaker Pro, die preisgekrönte Datenbank der Firma, konzentrieren werde. Andere Programme, die Claris vertreibt - Claris Works, Emailer, ClarisDraw, ClarisImpact und Claris Organizer - gehen wieder an Apple, mit einer einzigen Ausnahme: HomePage, das nunmehr als Teil von FileMaker angesehen wird.
Schon seit Monaten gab es Gerüchte, daß Claris den Organizer und Emailer aufgeben wolle und, ehrlich gesagt, wir haben seit Jahren nicht ein einziges Mal von ClarisDraw oder ClarisImpact gehört (ClarisDraw wurde in TidBITS zuletzt im November 1995 erwähnt und ClarisImpact war seit März 1994 aus den TidBITS verschwunden). Es heißt, daß Claris Organizer sich auch nicht allzu gut verkauft habe und daß Claris deshalb beschlossen habe, das Programm fallenzulassen - nur um zu spät festzustellen, daß das Hauptproblem der hohe Preis von 70 US$ gewesen war.
Auch über Claris Emailer kursieren Gerüchte, daß das angekündigte 2.0v3-Update das letzte sein solle, weil das Programm, obwohl beliebt und mit einzigartigen Funktionen versehen, nur für Macintosh geeignet sei und sich nicht gut verkaufe. Diese Gerüchte kamen auf, bevor Emailer an Apple ging, man kann also nicht wissen, was passieren wird, obwohl verschiedene Möglichkeiten vorgeschlagen wurden. Erstens: Emailer könnte in das Mac OS integriert werden, ungefähr so wie PowerTalk, das in System 7.1 Pro Email-Funktionen im Betriebssystem verankerte. Das scheint aber recht unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, was mit Cyberdog passiert ist, von dem Apple auch als einem Teil des Mac OS geredet hat. Zweitens: Es heißt, Apple könnte Emailer und Organizer zu einem einzigen integrierten Programm verschmelzen, um mit Microsoft Outlook zu konkurrieren, das Email- und Kalender-Funktionen unter Windows bietet. Angesichts der momentanen engen Verbindung zwischen Apple und Microsoft und angesichts der Veröffentlichung von Microsofts Outlook Express Email Client scheint auch diese Möglichkeit sehr unwahrscheinlich. Die dritte und wahrscheinlichste Option wäre, daß Emailer mit der aktuellen Version nicht mehr weiterentwickelt, sondern nur noch mit der derzeitigen Funktionalität erhalten wird [also in den "maintenance mode" versetzt wird, wie Apple das nennt, --WJF], - im günstigsten Fall könnte Apple die neueste Version irgendwann kostenlos anbieten, das könnte allerdings Microsoft, Netscape, Qualcomm und andere Email-Firmen ärgern.
Was ClarisWorks angeht, war Apple ziemlich konkret in bezug auf die Weiterentwicklung des Programms. Dieser Schwerpunkt hängt bestimmt damit zusammen, daß ClarisWorks im Bildungssektor sehr beliebt ist, und der ist zusammen mit dem Publishing-Bereich der wichtigste Markt für Apple. Es bleibt aber abzuwarten, ob Apple die Windows-Version von ClarisWorks weiterentwickeln wird.
Die Restrukturierungsmaßnahmen sind vom ökonomischen Standpunkt aus sehr sinnvoll. FileMaker - und immer mehr auch die Windows-Version - war das Programm, mit dem Claris das meiste Geld verdiente, etwa 73 Millionen US$ im vergangenen Jahr. Durch die Trennung von kleineren Produkten, die wahrscheinlich nicht viel Geld gebracht haben, und durch die Entlassung von 300 Mitarbeitern (40 bis 50% der Arbeitnehmer von Claris) kann die neugegründete FileMaker Inc. mit neuen Perspektiven voranschreiten. In mancherlei Hinsicht könnte es auch ein Vorteil sein, den Markennamen Claris loszuwerden, der untrennbar mit Apple verbunden ist und den Bemühungen, Windows-Software zu vertreiben, nicht gerade dienlich sein könnte.
Es gab auch Gerüchte, daß Apple Claris verkaufen wolle, und die Restrukturierung könnte in der Tat eine Möglichkeit sein, den FileMaker-Anteil der Firma aufzupolieren, um ihn zu einem attraktiveren Kaufobjekt zu machen. Ich halte es zwar nicht für sinnvoll, eine rentable Tochterfirma zu verkaufen, aber vielleicht ist das ein weiterer Teil von Apples neuem Mantra: "Konzentrieren, konzentrieren, konzentrieren". Die ganze Sache könnte auch dadurch erklärt werden, daß Steve Jobs möglicherweise beschlossen hat, Apple solle keine allgemeine Bürosoftware entwickeln, sondern sich auf die Produktion von Macs konzentrieren.
Rückzug aus großen Einzelhandelsketten -- Das nächste wichtigste Ereignis, das man als gut oder schlecht interpretieren kann, ist der Rückzug aus großen Einzelhandelsketten, wie Best Buy, Circuit City, Computer City, Office Max und Sears. Apples Propaganda ließ verlauten, dies sei geschehen, um das "Geschäft im Geschäft"-Konzept zu stärken, das laut Apple und CompUSA im Moment sehr erfolgreich läuft. CompUSA gibt an, daß der Anteil der Mac-Verkäufe am Gesamtumsatz von 3 auf 14 Prozent gestiegen sei, seit man dieses Konzept umgesetzt habe.
<http://product.info.apple.com/pr/press.releases/1998/q2/980202.pr.rel.compusa.html>
Es scheint ein wenig seltsam, daß Apple Macs von diesen anderen Computerläden fernhalten möchte, egal wieviel CompUSA verkauft, aber an der Geschichte ist noch mehr dran: Best Buy und Sears hatten bereits eine Woche vorher keine Macs mehr verkauft, und die anderen großen Einzelhändler waren mit ihren Mac-Umsätzen gar nicht glücklich. Kurz gesagt, beide Seiten scheinen sich miteinander nicht wohl gefühlt zu haben.
Warum konnte aber CompUSA die Umsätze so sehr steigern, wenn sich Macs in den anderen Läden so schlecht verkauften? Wir haben alle von der gleichgültigen oder gar ablehnenden Haltung des Personals in diesen und anderen großen Einzelhandelsgeschäften gehört - wir haben auch ein paar Beispiele in TidBITS veröffentlicht. Schlechte Präsentation, schlechte technische Unterstützung und Verkaufspersonal ohne Mac-Kenntnisse könnten in diesen Geschäften zumindest einen Teil zu den Umsatzeinbußen beigetragen haben, ebenso Apples bekannt lasche Einstellung gegenüber Einzelhandelsgeschäften. Wie oft haben Sie schon in einem dieser Läden Macs ohne Bildschirme, Mäuse oder Tastaturen gesehen - oder Macs, die nicht eingesteckt waren? Wie oft zeigte man Ihnen den PC-Clone des Monats, wenn Sie Interesse an einem Mac bekundeten? Ich habe all das schon zu oft gesehen. Wir haben von jemandem gehört, der in einer Sears-Filiale an der Ostküste eine erfolgreiche Mac-Abteilung leitete, denn man gestattete ihm zähneknirschend, es richtig zu machen. Er hatte eine Anzahl gut gewarteter Macs ausgestellt, Kabel und Peripheriegeräte auf Lager, beantwortete die Fragen seiner Kunden, redete mit örtlichen Benutzer-Gruppen - und machte mit Macs einen guten Umsatz.
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-367>
Sicher, viele Computerläden machen es mit PCs genauso, aber in einer Welt, in der der Mac die Haupt-Alternative zu irgend einem PC darstellt, muß man ein bißchen mehr tun. Trotz tapferer Bemühungen von zumindest einigen Apple-Vertretern hat Apple es nie geschafft, die richtigen Leute für den Verkauf zu bekommen. Ich habe das schon mehrfach gesagt und ich werde es zweifellos noch öfter sagen, aber Apple hat noch nie Nutzen aus der unglaublichen Loyalität seiner Kunden gezogen, die sich über die Jahre entwickelt hat.
Trotz der unterschiedlichen Deutung dieser "Konzentration" auf CompUSA sehe ich diesen Rückzug nicht als großes Problem. Sicher, es wird schwieriger, Macs in großen Kaufhäusern zu finden, aber da diese Läden sowieso nie viele Macs verkauft haben, ist das kein großer Verlust. Viel wichtiger ist, daß das den Apple-Händlern und anderen Geschäftsleuten, die in mehr als 3500 Verkaufsstellen in den USA Macs verkauften, mehr Aufmerksamkeit verschaffen wird. Diese Geschäfte beschäftigen normalerweise Leute, die sich um ihre Kunden kümmern, und wer dort kauft, wird wahrscheinlich so behandelt, wie er es verdient. Es wäre schön, wenn Apple diesen Händlern ein wenig Anerkennung gönnen würde, z. B. durch die Betonung der Tatsache, daß die Angestellten dort im allgemeinen mehr wissen und hilfsbereiter sind als die in den großen Computerhandelsketten.
Die größte Sorge bezüglich dieser Entscheidung ist nicht die gegenwärtige Situation, sondern die Zukunft. Was wird passieren, wenn Apple sich von den rückgängigen Verkaufszahlen und Marktanteilen der letzten Jahre erholt? Wird es möglich sein, die Gunst der großen Einzelhändler wieder zu gewinnen? Und wird das überhaupt eine Rolle spielen, wenn die Einkaufsgewohnheiten in bezug auf Computer sich in den nächsten Jahren stark verändern?
Bei den Imaging Technologies gehen die Lichter aus -- Ein weiteres - wenig beachtetes - Opfer der verstärkten Konzentrationsbemühungen bei Apple war die "Imaging"-Abteilung, die Drucker und Digitalkameras herstellte. Diese Abteilung soll nicht besonders rentabel gewesen sein und Steve Jobs war der Meinung, Apple mache die Produkte nicht besser als andere - also stellte er sie ein. Firmen wie Hewlett-Packard, Epson und andere werden nun wahrscheinlich mehr Macintosh-kompatible Hardware herstellen, denn die Konkurrenz mit Apple hatte in der Vergangenheit den Elan gebremst. Hewlett-Packard stellte die Druckwerke der Apple-Drucker her, und so gab es gewisse vertragliche Verpflichtungen gegenüber Apple, die es Hewlett-Packard untersagten, bestimmte Mac-kompatible Drucker zu verkaufen.
Ich denke, die Drucker-Geschichte wird für Apple so weitergehen: Abgesehen von High-End-Farblaserdruckern wird Apple die Produktion von Druckern und Digitalkameras unter eigenem Namen einstellen. PostScript-fähige Laserdrucker von anderen Firmen werden aber weiterhin mit Apples LaserWriter-Treiber laufen. Meist ist die Hardware sowieso unwichtig - der Treiber ist der wichtige Faktor, und Apples LaserWriter-Treiber läuft gut. Bei kostengünstigen Tintenstrahl-Druckern ist das schwieriger, denn die Treiber für sie müssen individuell codiert werden, obwohl PowerPrint von Infowave (früher GDT Softworks) die meisten PC-Drucker am Mac benutzbar macht. Wir hoffen, daß Apple den Firmen, die diese Tintenstrahldrucker herstellen, entweder Code oder Entwicklungs-Hilfe zur Verfügung stellen wird.
<http://www.infowave.net/printing_solutions/html/products.html>
Wie aus gut informierten Kreisen verlautete, wird Apple einige dieser Drucker von Drittanbietern in die Preisliste für Bildungseinrichtungen aufnehmen, so daß Schulen weiterhin Macs und Drucker mit einer einzigen Bestellung ordern können.
OpenDoc und Cyberdog -- Erinnern Sie sich an OpenDoc und seinen loyalen Internet-Spürhund Cyberdog? Sie waren Apples Component-Technologie (wo kleine, miteinander zusammenarbeitende Teile die notwendigen Funktionen zur Verfügung stellten) und vielleicht das beste Beispiel für OpenDocs Leistungsfähigkeit. Während der großen Einsparungen im vergangenen Jahr setzte Apple beide auf "maintenance mode", das bedeutet, daß kleinere Fehler wohl noch behoben werden, die Technologie an sich aber tot ist.
Manche OpenDoc-Entwickler waren der Meinung, OpenDoc dürfe nicht sterben (warum wohl?) und einer von ihnen, Hutchings Software, hat mit Apple eine "Verwalter-Vereinbarung" für die OpenDoc-Entwicklung getroffen, in der Hutchings Software sich dazu verpflichtet, die Software weiterzubringen und Apple verspricht, sie weiterhin zu vertreiben. Hutchings Software tat dies in der Hoffnung, Apple würde OpenDoc und Cyberdog lizensieren und als Teil der BlueBox in Rhapsody beibehalten. Einige Apple-Angestellte, die an die Technologie glaubten, machten ebenfalls Überstunden, um dies zu ermöglichen. Der Vizepräsident, der dies versprochen hatte, hat Apple allerdings inzwischen verlassen. Steven Roussey von Kantara Development hatte sich seit April 1997 um eine soche "Verwalter-Vereinbarung" für Cyberdog bemüht, wurde aber kürzlich von einem anderen Vizepräsidenten von Apple davon in Kenntnis gesetzt, daß die Geschäftsführung nicht daran interessiert ist, OpenDoc, Cyberdog oder verwandte Technologien zu lizensieren.
Warum Apple Wert darauf legt, bleibt ungewiß, und der einzige einleuchtende Grund ist, daß die Lizensierung in bezug auf Arbeitszeit, Rechtsanwaltskosten usw. teuer sein kann. Vielleicht ist diese Ablehnung der Lizensierung von OpenDoc und Cyberdog nach anfänglicher Zustimmung nur ein weiteres Beispiel dafür, daß sich Apple auf das Wichtige konzentriert, aber diese Entscheidung besiegelt nun endgültig das Schicksal von OpenDoc, nachdem Kantara Development, Hutchings Software und andere so hart daran gearbeitet hatten, daß OpenDoc nicht einfach verschwindet. Entwicklungen wie diese werfen die Frage auf, ob Apple nun ein weiteres Kapitel in der Firmengeschichte begonnen hat oder nicht.
Neue Werbung -- Inzwischen haben Sie wahrscheinlich von Apples neuem Fernsehspot gehört, der eine Schnecke zeigt, die einen Pentium-II-Chip trägt und diese mit einem schnellen Power Mac G3 vergleicht. Die Reaktionen der Macintosh-Gemeinde scheinen positiv zu sein, aber all das wissen wir doch schon. Ich frage mich: Was denken Nicht-Mac-User über den Spot? Oder besser, was erwarten Leute, die momentan keinen Mac benutzen, von einem Computer? Glauben sie, daß Geschwindigkeit am allerwichtigsten ist? Schauen wir der Tatsache ins Auge: Diese Leute haben nicht das technische Wissen, um CPU-Geschwindigkeit zu beurteilen. Man braucht ja nur die schlecht informierten Kommentare über Taktraten außerhalb der Computerpresse zu lesen, die irgendwie zum Schluß kommen, man könne zwei Prozessoren allein anhand der Taktrate vergleichen. (Das ist einfach nicht richtig: die Taktraten kann man nur bei gleichem Prozessormodell vergleichen.) Abgesehen von diesen Nörgeleien ist es schön, daß Apple ausnahmsweise einmal richtige vergleichende Werbung macht.
Rückzug oder Konzentration? -- Am Ende kommen wir wieder auf die Frage zurück: konzentriert Apple seine Anstrengungen oder ist es ein Rückzug? Im Moment bin ich eher für Konzentration, denn die Stimmung innerhalb der Firma scheint relativ gut zu sein und der Gewinn von 47 Millionen US$ im ersten Quartal (etwas höher als die Schätzung von 45 Mio. US$, die wir in TidBITS-412 angenommen hatten), war ermutigend. Ein Gewinn im nächsten Quartal wäre sogar noch ermutigender, denn er würde beweisen, daß der Gewinn im ersten weder Glück noch ein Buchhaltungstrick war - eine Möglichkeit, die man bei Apple lebhaft bestreitet.
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-412>
Und nun muß Apple sich weiterhin sehr bemühen, voranzukommen. Man muß mit der Konzentration aufhören, bevor alle außerhalb der Zielgruppe vergessen haben, daß man überhaupt existiert. Viele fürchten zum Beispiel, daß der Verkauf von PCs unter 1000 US$ Apple noch weiter vom Endverbrauchermarkt entfernen wird. Ebenso gibt es im PC-Sektor eine Riesenauswahl an Laptop-Computern, Apple hingegen konzentriert seine PowerBook-Reihe auf eine kleine Auswahl an Modellen.
Und dann ist da noch Rhapsody: Die Entwicklung geht zwar weiter, aber Apple pflegt es immer noch als Server-Betriebssystem. Nachdem Apples Server im vergangenen Jahr wegkonzentriert wurden - auch Apples High-End-Netzwerkserversysteme - scheint es schwer zu glauben, daß Netzwerkadministratoren in Scharen zu Apple zurückkehren werden, egal wie schön das Betriebssystem ist.
Vielleicht ist das mein Grundanliegen: Die Firma Apple hat viele Leute hinausgeworfen, während sie ihr Haus in Ordnung brachte. Werden genug Anwender zurückkehren, um die Ergebnisse der Renovierung in Augenschein zu nehmen?
Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE].
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Heike Kurtz [HK].
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