Grafiken für das Web zu erstellen ist oftmals weniger lustig als Zähneziehen und doppelt so schmerzhaft. Unsere Gastautorin Cynthia Baron wirft einen genauen Blick auf ImageVice von BoxTop Software und erkundet, wie Bilder einerseits gut aussehen und andererseits kurze Ladezeiten im Web bieten können. Wir berichten weiters über Gerüchte, die Tage des Newton seien gezählt, über die Version 2.0v3 von Emailer, den endgültigen 56K-Modemstandard und Reaktionen unserer Leser zu Apples jüngsten Schritten.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#417/16-Feb-98.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-417.html>
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-417.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-417.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-417.etx>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Gerüchte um den Newton: Aus und vorbei? -- Aus verläßlicher Quelle verlautet, daß die meisten Techniker, die am Newton gearbeitet haben, weg sind - abgesehen von denen, die derzeit in das Gehäuse des eMate statt des bisherigen StrongARM-Prozessors einen PowerPC-Chip einbauen. Geben Sie nun noch einen Farbschirm und eine abgespeckte Version des Mac-Betriebssystems dazu und Sie haben einen preiswerten Netzwerk-Computer auf Basis des Mac OS, der sich mit einem Server unter Rhapsody zu einer kompletten Lösung ergänzt. Ein solcher Netzwerk-Computer kann mit passablen Batterie-Betriebszeiten im Netz arbeiten. Das bedeutet, daß das MessagePad 2100 der letzte Newton sein wird und die Lagerbestände in den nächsten Monaten ausgehen werden. Was die Situation kaum durchsichtiger macht: Apple hat erst vor wenigen Monaten die zwischenzeitlich selbständige Newton, Inc. wieder in die eigene Struktur augenommen. Wenn das Plastikgehäuse des eMate und ein paar Techniker alles war, was Apple haben wollte - warum konnte man die Newton-Gruppe dann nicht selbständig weitermachen lassen oder zumindestens den wichtigen Newton-Quellcode an die große Gemeinschaft aktiver Newton-Entwickler freigeben? [ACE]
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-396>
ITU verabschiedet Standard für 56K-Modems -- Nach Monaten des Kampfes zwischen rivalisierenden Anbietern um die Vorherrschaft bei den 56K-Modems hat die International Telecommunication Union (ITU) nun einen Standard für diese Technologie verabschiedet (siehe "Speed Jockeys on the Internet: Flying at 56K" in NetBITS-008 zu den technischen Gegebenheiten dieser Technologie). Der Standard, als V.90 bezeichnet, umfaßt Aspekte der beiden konkurrierenden Plattformen (K56Flex und X2) und wird hoffentlich die Verwirrung im Bereich der 56K-Technologie verringern. Die meisten Modemhersteller werden Upgrades auf V.90 anbieten; mehr Informationen finden Sie auf der Web-Site von 56K.com. [JLC]
<http://www.itu.ch/newsroom/press/releases/1998/98-04.html>
<http://db.netbits.net/getbits.acgi?nbart=04451>
<http://www.56k.com/>
Microsoft bringt Explorer 4.0a -- Microsoft hat in aller Stille den Internet Explorer 4.0a herausgebracht, der auch auf der CD-ROM von Microsoft Office 98 (derzeit in Produktion) enthalten sein wird. Wenn Sie schon Version 4.0 benutzen, gibt es keinen Grund, 4.0a allzu eilig herunterzuladen; die einzigen Änderungen betreffen die Kompatibilität mit Office 98 und mit neuen Installationsroutinen, darunter für Outlook Express 4.0c. Falls Sie daran denken, Office 98 zu benutzen, ist es besser, den Explorer 4.0a von der CD-ROM zu installieren statt ihn (mit seinen mindestens 4 MB, bis zu 24 MB) über das Internet zu laden. Der 128-bit "security patch" für 4.0 funktioniert auch mit Version 4.0a.
<http://www.microsoft.com/ie/ie40/download/mac.htm>
<http://www.microsoft.com/ie/security/?/ie/security/mac128.htm>
Im Gegensatz dazu ist Outlook Express 4.0c ein wichtiges Update, das ein gravierendes Problem behebt: Bisher wurden E-Mail-Adressen, die ohne einen zugeordneten Personennamen im Adreßbuch gespeichert sind, per cc: in <B>jede</B> E-Mail-Mitteilung aufgenommen. Wenn Sie Outlook Express verwenden, ist es von Vorteil, Version 4.0c (3,3 MB) separat herunterzuladen statt als Teil des gesamten Pakets mit Explorer 4.0a. [GD]
<http://www.microsoft.com/msdownload/ieplatform/ie4mac/oe/oe.asp>
Netscape: Neue Versionen für beide Browser -- Netscape Communications hat Version 4.04.1 sowohl für Netscape Communicator als auch für Netscape Navigator fertiggestellt, die beide, wie berichtet, kostenlos zu haben sind (siehe "Netscape gratis" in TidBITS-414). Die neue Version behebt mögliche Abstürze beim Laden der Preferences, behält MIME-Handlers besser von einer Sitzung zur nächsten, beseitigt ein Problem der Rechtschreibprüfung und verbessert noch weitere kleinere Mängel. Versionen mit starker 128-bit-Verschlüsselung sind nur in den U.S.A. und Kanada verfügbar. [GD]
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-414>
<http://home.netscape.com/download/client_download.html?communicator4.04.1>
von Jeff Carlson <jeffc@tidbits.com>
[Übersetzung: Heike Kurtz]
Jetzt, da sich Apples Tochterfirma Claris nurmehr auf FileMaker und HomePage konzentriert (vgl. "Aus Claris wird FileMaker, Inc." in TidBITS-415), liegt das Schicksal anderer Claris-Produkte in Apples Hand - und was dort damit passiert, kann niemand voraussehen. Trotz alledem veröffentlichte Apple vergangene Woche den Emailer 2.0v3 Updater (ein Download von 3,6 MB), der den Emailer mit neuen Funktionen zu einer ansprechenderen Email-Anwendung macht.
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-415>
<http://www.claris.com/products/claris/emailer/emailer.html>
<ftp://ftp.claris.com/pub/USA-Macintosh/Updaters/>
Die wichtigste Neuerung ist wohl die Möglichkeit, Nachrichten umzuleiten (per redirect-Befehl, d. h., sie weiterzuleiten, wobei der ursprüngliche Absender beibehalten wird). Wenn man eine Nachricht an jemanden umleitet, kann dieser dem ursprünglichen Absender antworten, ohne daß er Email-Adressen hin und her kopieren muß. Da wir bei TIDBITS ziemlich viel Email bekommen, ist diese Funktion für mich unentbehrlich; ich benutze den Emailer schon sehr lange und habe allein wegen dieser Funktion überlegt, zu Eudora zu wechseln.
Eine weitere willkommene Verbesserung ist ein neues Adreßbuch, das nun Adressen, die Bestandteil von Gruppen sind, dynamisch nachhält und Einträge vor Emailers Auto-Ausfüll-Funktion verstecken kann, wenn man Empfängernamen eintippt. Emailer 2.0.v3 bietet außerdem Unterstützung der Kontextmenüs unter Mac OS 8 und Ordner können jetzt durch Drag & Drop umorganisiert werden (man braucht also nicht mehr die Dateien in einem Ordner kopieren und dann das Original löschen).
Nutzer von Emailer 2.0 sollten aber auch auf 2.0v3 updaten, um in den Genuß einiger Bug Fixes zu kommen (das Paßwort eines Accounts kann jetzt zum Beispiel nicht mehr geknackt werden, indem man es einfach auf den Schreibtisch kopiert und den so entstehenden Text Clip öffnet). Emailer 2.0v3 unterstützt keine HTML-formatierten Emails, was (obwohl es wirklich ein Segen ist) für Leute, die Emailer in einer Umgebung nutzen möchten, in der HTML-Email gebräuchlich ist, ein ziemliches Manko sein könnte.
Emailer könnte von Apple ziemlich unsanft behandelt werden, denn man wird sehr unter dem Druck stehen, nicht mit Produkten von Drittanbietern zu konkurrieren, die größtenteils kostenlos zu haben sind. Es wäre eine Schande für Apple, Emailer als "nur ein weiteres Email-Programm" zu betrachten, denn es ist ein ausgereiftes Produkt mit einzigartigen Funktionen (wie z. B. die Möglichkeit, AOL- und CompuServe-Mailboxen abzurufen und Scripts als automatische Message-Aktionen laufen zu lassen) sowie tollen Möglichkeiten zur Betreuung mehrerer Email-Accounts.
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
[Übersetzung: Heike Kurtz]
Viele TidBITS-Leser antworteten auf Adams Artikel "Apple 1998: Rückzug oder Konzentration?", der vergangene Woche in TidBITS-416 erschien und sich mit einigen neueren Entscheidungen und Restrukturierungsmaßnahmen von Apple auseinandersetzte. Die Kommentare waren sehr gemischt, aber die meisten Briefe beschäftigten sich mit drei Themen: Apples Präsenz im Einzelhandel, dem Preis eines Macintosh und Apples jüngster Fernseh-Werbekampagne.
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-416>
Scott Coats <scott@insolution.com> bot ein paar Hintergrundinformationen darüber, wie Apple Leute einstellte, um Macs zumindest in einigen Einzelhandelsfilialen zu halten:
Apple hat jahrelang die Verantwortung für die Präsentation der Performa-Linie (Sears, CompUSA etc.) an AAPRs (Apple Authorized Product Reps) ["Autorisierte Apple-Produkt-Repräsentanten" --HK] vergeben, die von ADIA, einer Zeitarbeitsfirma, eingestellt und ausgebildet wurden. Die Einstellungsgespräche wurden meist telefonisch geführt und bestanden aus Fragen wie: "Wie stellen Sie fest, wieviel RAM ein Mac hat?". Die Ausbildung bestand aus einem Ringbuch mit veraltetem Prospektmaterial und einem Abonnement für das Apple MailBox Programm. Da diese Repräsentanten keinerlei Motivation bekamen, sich auf dem Laufenden zu halten, gab es auch keinen Grund anzunehmen, daß sie es taten. Ich habe an diesem Ausbildungsprogramm teilgenommen und ich kann Ihnen versichern, die Ausbildung und die Erfolgskontrolle waren äußerst kläglich. Die AAPRs bekamen 15 Dollar pro Termin, egal wieviel Zeit sie in einem Laden verbrachten. Daß Apple den Vertrieb seiner Produkte aus der Hand gegeben hat, war sehr nachlässig und hat ohne Zweifel zu den Unstimmigkeiten zwischen den Einzelhandelsketten und Apple beigetragen.
Preis, Preis, Preis -- Apple hat zwar einiges getan, um die Kosten verschiedener Mac-Modelle zu senken (Ich habe kürzlich einer Bekannten mit knappem Budget zu einem annehmbaren Power-PC-System mit Monitor und Farbdrucker für rund 1200 Dollar verholfen), aber der Preis eines neuen Mac macht Apple in den Augen mancher TidBITS-Leser immer noch nicht konkurrenzfähig. Mark Kessler <mickeykes@aol.com> schreibt:
Gehen Sie zu Ihrem Händler oder zum Online Apple Store und schauen Sie, was Sie für 1800 Dollar bekommen. Vergleichen Sie Leistung, Festplattenspeicher, Monitorgröße, Software Bundle, Modem, Garantie, Drucker und alle anderen Angebote. Gehen Sie dann mit den 1800 Dollar zu Ihrer lokalen BestBuy-Filiale und vergleichen Sie die Angebote Punkt für Punkt.
Und dann gehen wir mal davon aus, daß Sie kein Computer-Profi sind: Sie wollen einfach nur einen Computer, der Ihre Textverarbeitung und Präsentationen erledigt, Spiele spielt und im Internet surft. BestBuy bietet Dutzende von PCs in allen Preislagen mit allen möglichen Konfigurationen, es gibt vier oder fünf Gänge mit Accessoires und weitere sechs oder acht Gänge mit Software. Stellen wir uns nun vor, ein ernster junger Verkäufer führt Sie zu einem Macintosh (dies ist hypothetisch, also leiden Sie mit mir): Sie sind fasziniert, bis zu dem Moment, an dem Sie den Preis sehen - und das ist nur für die CPU! Wenn man noch einen Apple-Bildschirm und einen Apple-Drucker dazunimmt, reißt ein neuer Macintosh ein Riesenloch in den Geldbeutel. Bei einem PC kann man zwischen verschiedenen Produkten mehrerer Anbieter wählen. Beim Mac bekommt man Apple oder gar nichts. Wenn Sie gewillt sind, für all das zu bezahlen, wünsche ich Ihnen viel Glück. Ich werde keinen Pfennig mehr für Apple-Ware ausgeben. Sie ist es buchstäblich nicht wert.
David Howe <prime-time@orac.net.au> denkt ähnlich und schreibt, daß der Preis auch international ein Argument ist:
Wo ich lebe, gilt es als urig, einen Mac zu besitzen. Canberra ist die Hauptstadt von Australien und hier sitzen die Zentralen aller Ministerien. Diese Ministerien (die zum Teil sehr viel für Informationstechnologie ausgeben) benutzen ausnahmslos PCs. Es ist einfach so, daß der billigste neue Intel-Computer etwa halb soviel kostet wie der billigste neue Mac, und obwohl die Intel-Kisten unhandliche, häßliche Teile sind, kann man sie doch zum Laufen bringen.
Macs dominieren zwar noch im Print- und Werbebereich, aber Windows NT ist auch hier auf dem Vormarsch. Meine eigene Branche - Fernsehproduktion - hätte eine Apple-Domäne werden können, aber die Kosten zählen auch hier und die Vielfalt der anderen Systeme untergräbt die Vorteile von Apples Produkten. Ehrlich gesagt: Apple ist meiner Meinung nach einfach zu gierig.
Schneckenpost -- Apples Werbespots, die Pentium-II-Systeme mit G3 Power Macs vergleichen, finden immer noch Beifall, und manche Leser schreiben, daß sie sogar Interesse bei Windows-Nutzern wecken. Rick Holzgrafe <rick@kagi.com> schrieb über die mögliche Taktik hinter Apples neuer Kampagne:
In seinem Artikel über den neuen "Schnecken"-Spot fragte sich Adam, ob Geschwindigkeit alles ist, was der durchschnittliche Konsument will. Wahrscheinlich ist es das nicht, aber das ist auch nicht der Punkt. John Sculley (Sie erinnern sich?) brachte Pepsi mit "Geschmackstest"-Werbung aus der Bedeutungslosigkeit bis auf die gleiche Stufe mit Coca Cola. Das Ziel dieser Werbekampagne war nicht, Amerika vom besseren Geschmack von Pepsi zu überzeugen - Pepsi und Coke sollten als gleichrangig etabliert werden - und es hat geklappt. Die "Schnecken"-Werbung hat wahrscheinlich das gleiche versteckte Ziel. Das Wichtigste ist, die Leute dazu zu bringen, bei "PC" an Intel-Maschinen und an Macs zu denken, und etwas anderes als Windows in den Köpfen der Menschen zu etablieren. Die Message "Macs sind besser" ist nicht so wichtig, "Macs sind in Ordnung" - auf diese Botschaft kommt es an. Ich erwarte noch mehr Anzeigen mit diesem Tenor, von denen jede einen einfachen, klaren Grund angibt, warum Macs besser sind - die aber alle hauptsächlich darauf abzielen, den Leuten klarzumachen, daß man nicht zwangsläufig einen Windows-Computer kaufen muß, sondern daß es Alternativen gibt.
von Cynthia Baron <cyndi@www.webcreature.com>
[Übersetzung: Walter J. Ferstl]
Ich bin auf Kompression total fixiert. Spät nachts, wenn alle gute Grafikfans schon tief schlafen, versuche ich immer noch, ein paar KB einzusparen, damit meine Grafiken und Animation noch um zwei Sekunden schneller über das Web geladen werden. Ich gestehe auch meine starke Zuneigung zu DeBabelizer von Equilibrium, der universellen Werkzeugkiste für Grafik-Gestalter. Leider ist aber keine Software vollkommen; DeBabelizer erfordert vom Benutzer einiges an Überlegung, was unter hohem Zeitdruck und bei großer Müdigkeit zunehmend unmöglich wird. Wie normale Leute sehne ich mich nach einer Applikation, die für mich intelligente Entscheidungen trifft.
BoxTop Software ist mir zum ersten Mal aufgefallen, als ich an dem Buch "Web Animation for Dummies" arbeitete. Die Firma entwickelt ein Portefeuille von Hilfsprogrammen, das Cecil B. DeMille als David dem Equilibriumschen Goliath entgegensetzen würde. Statt frontal gegen DeBabelizer aufzutreten suchen die Produkte von BoxTop nach den Ritzen in der Panzerung des Riesen; sie gehen den zahlreichen einzelen Funktionen von DeBabelizer nach und verwandeln sie jeweils in ein kostengünstiges Hilfsprogramm. Diese Hilfsprogramme sind aber keine Plagiate der Funktionen von DeBabelizer - jedes einzelne erfüllt seines Zweck auf eine neue und eigenständige Weise.
ImageVice ist keine Applikation, sondern ein Filter-Plug-In für Programme, die die Plug-In-Schnittstelle von Photoshop 3.0 unterstützen. ImageVice setzt die Haustradition bei BoxTop fort; es weist einen neuen Weg, die Farbpalette eines Bildes zu minimieren. Anders als der Name nahelegt komprimiert ImageVice aber keine Bilder, sondern optimiert sie, sodaß sie besser komprimiert werden, wenn sie aus Ihrem Bildbearbeitungsprogramm heraus als GIF, PICT, BMP oder PNG abgespeichert werden.
<http://www.boxtopsoft.com/ImageVice.html>
Bildkompression - komprimiert -- Um diese Zauberei besser begreifen zu können, müssen Sie mir einen Ausflug in den Bereich der Bildkompression gestatten. Wenn sie richtig angewendet wird, wirkt Bildkompression wie das Ersetzen von Sahne durch Milch in einem Kochrezept. Die meisten Leute werden den Unterschied nie bemerken und das Bild wird mühelos unerwünschtes Übergewicht los. [Eine detaillierte Erklärung der Grafik-Formate im Web finden Sie in "A Closer View of Web Graphics" in NetBITS-007. -Jeff]
<http://db.netbits.net/getbits.acgi?nbart=04458>
Die beiden vorherrschenden Formate zur Bildkompression für Web und Multimedia sind JPEG (von Fotografen - der Joint Photographic Experts Group - für Bilder mit vielen Farbabstufungen entwickelt) und GIF (Graphic Interchange Format, speziell für Bilder mit wenigen Grundfarben geeignet und von CompuServe stammend).
JPEG ist ein "verlustbehaftetes" Verfahren; einige Bildinformationen gehen verloren, von denen angenommen wird, daß wir normalsterblichen Betrachter sie niemals vermissen werden. Weniger Information bedeutet kleinere Dateien, aber auch niedrigere Qualität. JPEG läßt Fotos so effizient schrumpfen, daß auch bei niedrigster Qualitätsstufe die Ergebnisse üblicherweise annehmbar sind. Sollten wir also nicht alle unsere Fotos auf diese Weise komprimieren? Halt - JPEG hat zwei wichtige Nachteile.
Zum einen gibt es keine Möglichkeit, ein JPEG-Bild transparent zu setzen. Vergessen Sie also unregelmäßige Umrisse, hübsche Buttons und die meisten Animationen. Zum anderen ist JPEG für Bilder mit zahlreichen Zwischentönen geschaffen worden; es ist für 24 Bit Farbtiefe optimiert. Sie können nicht beeinflussen, welche Teile der visuellen Informationen wichtig sind und welche nicht (eigentlich können Sie es doch, aber die erforderlichen Methoden sind sehr kompliziert und gehen weit, weit über die Begrenzungen diese Artikels hinaus). Der Versuch, den Kompressionsalgorithmus zu lenken, indem Sie die Zahl der Farben in Ihrem Bilddokument herabsetzen, funktioniert nicht; JPEG stellt stur die ursprünglichen Farben wieder her, und das keineswegs in der richtigen RGB-Kombination oder an den passenden Stellen. Das ist genau der Grund, warum Bilder in plakativen Farben in JPEG so schrecklich aussehen - der Algorithmus fügt "Rauschen" in Bereiche ein, die in Grundfarben gehalten sind, und verwischt scharfe Kanten.
Das bringt uns zu den GIFs, die den Lempel-Ziv-Welch-Algorithmus (LZW) zum Komprimieren benutzen. Wenn man eine Kompressionsmethode mit einem Beruf vergleichen wollte, wäre LZW ein Demograph, der ein Bild in horizontale Bänder unterteilt betrachtet, stets auf der Suche nach Informationen, die in digitalen Schachteln untergebracht werden können. Wenn LZW ein Band in einer einheitlichen Farbe oder einem Muster findet, kennzeichnet es den Fund und benutzt dieses Etikett, um identische Farben und Muster an anderen Stellen des Bildes zu beschreiben. GIF-Grafiken enthalten immer eine individuelle Farbpalette; je weniger Farben diese Palette aufweist, desto kleiner sind die Bilder und desto schneller werden sie daher auch geladen.
Wie JPEG hat auch GIF seine Schattenseite. Die Farbpalette eines GIF-Dokuments nimmt nur maximal 256 Farben auf; je öfter eine Farbe vorkommt, desto wahrscheinlicher wird sie in der Farbpalette vertreten sein. Wenn sich das Bild im wesentlichen aus großen Bereichen klar definierter Farben aufbaut, liefert dieser Prozeß erstaunlich kleine Bilder, die häufig vom Original nicht zu unterscheiden sind.
Leider beißt sich das statistische Verfahren von GIF an Bildern mit subtilen Farbverläufen, ohne Muster, aber mit tausenden Farben, die alle beinahe gleich (aber eben nicht exakt gleich) sind, die Zähne aus. Programme, die GIF-Dateien erzeugen, versuchen das mit "dithering" zu kaschieren, einer Technik, die den Betrachter dazu bringen will, eine nicht vorhandene Farbe zu sehen, indem ein winziges Pixelmuster aus zwei oder mehr Palettenfarben aufgebaut wird. Fotos, die in das GIF-Format konvertiert worden sind, sehen bestenfalls gerastert und körnig, schlimmstenfalls aber grell und fleckig aus.
Es entsteht nun der Eindruck, es sei in Ihrem Interesse, Fotos als JPEG, und nicht als GIF, zu speichern; wir leben aber nicht in einer vollkommenen Welt. Es gibt WWW-Benutzer mit älteren Browser-Programmen, die JPEG gar nicht darstellen können, ungeachtet der Qualität. Wenn Sie also ein Foto als GIF-Format speichern müssen - wie können Sie verhindern, daß es aussieht wie etwas auf dem Boden, in das Sie nicht hineintreten wollen?
Auftritt ImageVice -- Dithering kann schnelle Abhilfe bei nicht passenden Farbpaletten bringen, aber die Resultate sind meistens nicht perfekt - und manche Leute (d.h. Kunden) fordern perfekte Arbeit. ImageView hilft, komprimierte Bilder ohne dithering zu erzeugen. Dithering macht Bilder oft nicht nur unattraktiv, sondern auch speicherintensiv. ImageVice anaylsiert Änderungen in der Farbe und im Wert und es ersetzt einzelne Pixel durch horizontale Bänder gleicher Farbwerte. So werden neue Spitzenwerte in der Reduktion der Dateigrößen erreicht - in einigen Fällen bis zu 70 Prozent Einsparung.
Das klingt gut, aber ich bin schon mißtrauisch auf die Welt gekommen. Wenn die Bildqualität unter einer starken Kompression leidet, ist Ihnen damit auch nicht besonders gedient.
Ich ging von dieser Voraussetzung aus und konzentrierte mich auf das, was meiner Meinung nach wirklich zählt - der Beziehung zwischen einem kleinen und einem guten Bild. Geschmack ist etwas höchst Individuelles und daher habe ich eine Reihe von Bildern erzeugt (siehe die folgende URL-Adresse), auf die ich mich im folgenden mit Ziffern von [1] bis [6] beziehe. Um Ihr Lesevergnügen zu erhöhen, öffnen Sie ein Browser-Fenster und sehen Sie sich das jeweilige Bild an.
Druck auf Bilder ausüben -- Zuerst habe ich ich ein Foto mit einem Hintergrund aus Felsformationen und einer bunt bemalten Metallskulptur mit einem linearen Farbverlauf im Vordergrund eingescannt. Das ist eine schwierige Ausgangssituation und ich setzte mir zum Ziel, das Bild auf maximal 5 Bit (also 32 Farben) herunterzubringen und dabei eine akzeptable Bildqualität beizubehalten. Am wichtigsten war mir, daß das Bild, das 300 auf 215 Pixel groß war und zu Anfang 189 KB belegte, zur Verwendung auf einer Web-Page kleiner als 30 KB zu machen.
Ich habe Bild [1] als JPEG hoher Qualität abgespeichert, um es als Referenz zu verwenden. Dann erstellte ich ein elementares Bild [2] mit den Mitteln von Photoshop selbst, um ein GIF-Bild mit 5 Bit Farbtiefe (mit dithering) zu erhalten. Dabei benutzte ich eine angepaßte Palette (also eine, die nur die im Bild vorkommenden Farben enthält). Die Datei war fette 51 KB groß, das Bild häßlich wie der Teufel.
Mit dieser schlechtestmöglichen Variante in der Hand schritt ich an den Einsatz von ImageVice. Dieses Plug-In mit seinen Voreinstellungen zu verwenden ist kinderleicht. Sie geben die gewünschte Zahl der Farben ein und klicken auf OK. Irgendwelche Einstellungen vor dem ersten blinden Versuch zu verändern ist gar nicht möglich. Die Vorschau ist so klein, daß sie knapp an der Nutzlosigkeit vorbeigeht; BoxTop täte gut daran, der nächsten Version eine Zoom-Funktion in der Vorschau mitzugeben.
Ich habe die vorgegebenen Einstellungen auf drei Farbniveaus angewendet, mit 128, 64 und 32 Farben. Ich habe dann die Dateien in Photoshop mit Hilfe des PhotoGIF-Filters von BoxTop in GIFs umgewandelt. Dieser Filter enthält die unschätzbare Funktion, die Größe der Data-Fork anzuzeigen (den Teil der Image-Datei, der das Bild enthält, nicht die Resource-Informationen, die der Mac benutzt) und dann die Datei ohne dieses zusätzliche Fett abzuspeichern.
<http://www.boxtopsoft.com/photofilter.html>
Die Version in 128 Farben sah fast so gut aus wie das Original. Die 64-Farb-Version war nur ein klein wenig größer als Photoshops Variante mit 32 Farben, sah aber natürlich bedeutend besser aus. Erst auf der Ebene von 32 Farben, als die Datei nur mehr 29,3 KB groß war [3], beschloß ich, die vorgegebenen Einstellungen von ImageVice zu verlassen.
Zuerst beschäftigte ich mich mit den Konvergenzreglern von ImageVice, die festlegen, wie viel an Mittelwertbildung von Pixel zu Pixel stattfindet. Mit den niedrigsten Konvergenz-Einstellungen unter PhotoGIF gespeichert, war die Datei 32 KB groß und sah viel besser aus als Photoshops eigenes GIF. Bei höchster Konvergenz weist das Testbild horizontale Rennstreifen auf, die in Bereichen, wo das Bild strukturiert und unregelmäßig ist, kaum sichtbar sind; sie sind aber im Vordergrund mit seinem Farbverlauf ziemlich irritierend. Andererseits ist das Ergebnis aber nur noch 28 KB groß. Bilder mit vielfarbigen oder stark texturierten Objekten können eine hohe Konvergenz vertragen, aber ich beschloß, in diesem Fall bei den Standardeinstellungen zu bleiben [4].
Abgesehen von der Konvergenz bietet ImageVice weitere Möglichkeiten. Smoothing [etwa "Aufweichung", --WJF] arbeitet mit der Konvergenz zusammen und legt fest, wie ähnliche benachbarte Farben vereinheitlicht werden. Ein hohes Smoothing sorgt für sehr kleine Dateien, weil es die Farbpalette reduziert und das Bild in horizontale Linien auflöst. Das war für den Hintergrund nicht schlecht, aber im Vordergrund entstanden bei den Farben der Metallskulptur deutliche Bänder (statt der Farbverläufe waren nun die Farben sehr hart voneinander abgesetzt). Diese Bandstruktur konnte ich durch leichtes Zurücknehmen der Smoothing-Voreinstellungen deutlich verringern.
Es ist schwierig, die Details durchgehend gleich zu halten. Wenn Ihr Bild nicht sehr hell oder sehr dunkel ist (oder ein wichtiges sehr helles oder sehr dunkles Objekt enthält), ist es besser, die Farbdetails in den mittleren Helligkeitsstufen beizubehalten. Die beiden Clipping-Schieber geben Ihnen immerhin einigen Einfluß darüber, wo Farbvariationen beihalten und wo sie beseitigt werden. Der eine Clipping-Regler bestimmt den Schwellenwert zum Eliminieren dunklerer Farben (die mittleren Farben können dann in der Palette stärker berücksichtigt werden), der zweite Schieber dient zum Reduzieren der Zahl der helleren Farben.
In meinem Bild brauchte ich viel mehr Variationen bei den hellen Farben, als mir die Standardeinstellungen zugestanden - also schob ich den Clipping-Regler für die hellen Farben vom Standardwert 15 bis herunter auf 8. Ich setzte den Schieber für dunkle Töne auch von 16 auf 7 herunter, weil ich entdeckt hatte, daß die Standardeinstellung ein wesentliches Elements des Vordergrunds - das "Haar" der Skulptur - zu einem einzigen schwarzen Fleck reduzierte. Aus diese Weise brachte ich einige der hellblauen Schattierungen wieder ins Bild zurück, die vorher nicht mehr unterscheidbar waren. Leider fand ich nichts, was die Durchzeichnung der dunklen Bereiche verbessern konnte, weil Haar senkrecht, nicht waagrecht ausgerichtet ist. Alle die subtilen Farbverläufe, die deutlich machen, daß Haarsträhnen nicht ein einzelner fester Körper sind, fallen dem horizontal ausgerichteten Smoothing-Prozeß zum Opfer [5]. Das ist einer der wenigen Nachteile von BoxTops Strategie und die einzige Situation, wo ich dithering vermißt habe.
Oft sind ziemliche Einsparungen möglich, wenn die Farben eines Bildes nur um eine oder zwei reduziert werden - sogar dann, wenn es nicht gelingt, die Farbtiefe zu verringern. Mit ImageVice können Sie genau festlegen, wieviele Farben Ihr Bild schließlich enthalten wird; die Software nimmt Ihnen allerdings die Entscheidung, welche Farben entfernt werden, aus der Hand. Das ist nicht unbedingt immer positiv zu sehen. Wenn Sie einmal in den Bereich von 32 Farben vorgedrungen sind, erfordert jede weitere einzusparende Farbe sorgfältige Überlegung, ausgehend vom individuellen Charakter des Bildes. Wenn Sie sich entschließen, noch einige Farben zu entfernen, arbeiten Sie am besten mit einem Helfer wie PhotoGIF, wo Sie während der Arbeit die Ergebnisse sehen können und außerdem auch noch fallweise dithering einsetzen können.
ImageVice verträgt sich schlecht mit festen Paletten; es zielt darauf ab, individuelle Paletten zu erstellen, die an das jeweilige Bild optimal angepaßt sind. Die Web-Palette mit 216 Farben ist aber eine feste - ich mußte also wissen, wie die Bilder für den durchschnittlichen Windows-Benutzer aussehen, der nur eine kärgliche Farbpalette zu sehen bekommt [die 216-Farb-Palette enthält Farben, von denen man annehmen kann, daß sie auf verschiedenen Betriebssystemen weder ersetzt noch einem dithering unterzogen werden. Der erwähnte NetBITS-Artikel bringt mehr informationen dazu. -Geoff]. Ich nahm drei bearbeitete Farbversionen - das GIF von Photoshop, die optimierte ImageVice-Datei und eine optimierte DeBabelizer-Version und wandte die Web-safe-Palette [also die Palette mit den 216 Farben, --WJF] auf sie alle an. Ich muß hier das Wort "Verhäßlichung" verwenden. In allen drei Fällen verschoben sich die Farben, um der Web-Palette mit ihren satten Farben zu entsprechen. Die dunklen Bereiche in der ImageVice-Version, die schon vorher ein Problem waren, kamen als regelmäßige schwarze horizontale Linien heraus - schlimmer als in der Regel Bilder mit dithering aussehen [6].
Zum Glück können mit zahlreichen Programmen "optische" Farben erzeugt werden (eine Art von verfeinertem dithering), die den für das Web ungeeigneten Farben des Originalbildes visuell nahekommen. ImageVice kommt dieser Vorgangsweise mehr entgegen als andere Verfahren, weil es große Farbbereiche erzeugt, die leicht durch ein dithering-Muster zu ersetzen sind.
Von Farben besessen -- Immer wenn Sie individuell angepaßte Paletten einsetzen können, ist ImageVice das Mittel der Wahl. Das Produkt bietet dem durchschnittlichen Benutzer den ersten vorhersehbaren, kostengünstigen und einfachen Weg, um zwischen Bildqualität und Dateikompression eine Balance zu finden. Aber seien Sie auf der Hut. Falls Sie sich mit Bildkompression und Farbreduktion nur befassen, weil Sie Bilder für eine Web-Site erstellen - es gibt noch immer kein Zaubermittel. Entweder Sie entwickeln Ihre Bilder schon mit der Web-Palette im Hinterkopf (und benutzen anschließend ImageVice, weil es Ihnen die besten Resultate in kürzester Zeit liefert), oder Sie warnen Ihre Zielgruppe vor, sich entsprechend auszurüsten, oder Sie nehmen die nächtelange Arbeit in Kauf, sich jedes einzelne farbige Pixel gesondert vorzuknöpfen.
ImageVice kostet 49,95 US$ und ist, wie auch eine Demoversion von 275 KB (fat binary), auf der Web-Site von BoxTop verfügbar.
[Cynthia Baron ist die Verfasserin des Buches "Creating a Digital Portfolio" und Co-Autorin des Buches "Web Animation for Dummies". Sie hat für zahlreiche Publikationen gearbeitet, darunter Computer Graphics World und Critique Magazine. Sie leitet Design-Lehrgänge und ist technische Direktorin des Grahic Design Program an der Northeastern University in Boston, Massachusetts.]
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Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE].
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF], Heike Kurtz [HK].
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