TidBITS#418/23-Feb-98 - Deutsch

Viele von uns wollen einfach nie ohne ihre Macs sein - aber manche Leute nehmen ständig Newton an Orte mit, von denen Mac-Benutzer nur träumen können. Der Arzt Ron Risley beschreibt detailliert, wie er sein Newton MessagePad zu einem unverzichtbaren Teil seines privaten und beruflichen Lebens gemacht hat. Wir bringen Neuigkeiten zu BBEdit Lite 4.1, neuen Treibern von Iomega, einer Mailing-Liste der französischen TidBITS und einem neuen Buch über T-Shirts von Apple.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#418/23-Feb-98.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-418.html>

Copyright 1998 TidBITS Electronic Publishing. All rights reserved.
Information: <info@tidbits.com> Comments: <editors@tidbits.com>

Copyright 1998 der deutschen Version Walter J. Ferstl, carrier Kommunikation.
Information: <office@carrier.co.at> Comments: <ferstl@carrier.co.at>


Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1998/TidBITS#418/23-Feb-98>

Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-418.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-418.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-418.etx>


MailBITS/23-Feb-98

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Keine TidBITS nächste Woche -- Die TidBITS pausieren nächste Woche kurz, unsere nächste Ausgabe wird das Datum 9. März tragen. Einerseits brauchen wir die Pause, weil wir nur mit der Hälfte unserer üblichen Belegschaft arbeiten, andererseits soll die freie Zeit auch für liegengebliebene administrative Arbeiten genutzt werden. Wie immer können Sie uns per E-Mail unter <editors@tidbits.com> erreichen. [GD]

Neu: Franzšsische Mailing-Liste -- Dank der Bemühungen des französischen Übersetzungsteams gibt es ab sofort eine Mailing-Liste für alle, die die französische Ausgabe per E-Mail beziehen wollen. Zum Abonnieren schicken Sie Mail an <tidbits-fr-on@tidbits.com>; die französische Ausgabe ist auch im Web verfügbar. Wir danken dem französischen Team (alles unbezahlte Mitarbeiter) ebenso wie den Leuten, die an den anderen übersetzten Ausgaben arbeiten - für ihre hervorragende Arbeit [Heike, Jens, Christoph - ich schließe mich hier an. -Walter] und dafür, daß sie die TidBITS einem größeren Kreis zugänglich machen. [GD]

<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/fr/>
<http://www.tidbits.com/about/translations.html>

Blick auf Iomega -- Iomega Corporation hat die Version 5.5.1 der Iomega-Software publiziert, 2,45 MB zum Herunterladen. Darin sind ein Treiber in Form einer Systemerweiterung für Zip- und Jaz-Laufwerke enthalten, Iomega Guest (damit wird der Treiber in den Arbeitsspeicher geladen, sodaß die Laufwerke ohne installierte Erweiterung benutzt werden können, zugehörige Hilfsprogramme, Hilfe-Dateien und Dokumentation. Die Software unterstützt das ZipPlus- und das 2-MB-Jaz-Laufwerk, ermöglicht das Initialisieren der Jaz- und Zip-Medien als Volumes im Extended Format (HFS Plus) unter Mac OS 8.1 und weist auch diagnostische Optionen auf. Iomega hat auch eine technische Information zum "Zip Drive Click of Death" ins Internet gestellt. Diese Erscheinung hat ihren Namen von diversen klickenden Geräuschen, die manche beschädigte Zip-Laufwerke von sich geben. Das Problem kann Laufwerke ebenso ruinieren wie die Medien; Iomega hat schon einiges an Aufklärungsarbeit auf diesem Gebiet geleistet.

<http://www.iomega.com/support/software/mac.html>
<http://www.iomega.com/support/techs/zip/2135.html>
<http://news.com/News/Item/0,4,19062,00.html>

Eine weitere Meldung: In einer Sammelklage wegen der Qualität des technischen Supports von Iomega und wegen langer kostenpflichtiger Wartezeiten am Telefon ist eine Einigung erzielt worden. Das Übereinkommen verlangt, daß Iomega den Support deutlich verbessert. Iomega bereitet inzwischen die Verteidigung gegen eine weitere Sammelklage vor, die Führungskräften der Firma die Verletzung von Bundesgesetzen in Bezug auf Sicherheit vorwirft. [JLC]

<http://news.com/News/Item/0,4,19215,00.html>
<http://www.iomega.com/company/news/class13.html>

BBEdit Lite 4.1 nimmt zu -- Der kostenlose Texteditor BBEdit Lite von Bare Bones Software ist nicht so leichtgewichtig, wie man meinen könnte. BBEdit Lite 4.1, kürzlich erschienen, weist eine Reihe von elementaren Verbesserungen auf, die diese vielseitige Applikation näher an die kommerzielle Variante BBEdit 4.5 heranbringen. BBEdit Lite beruht nun auf demselben Code wie das kommerzielle Produkt und hat in puncto Geschwindigkeit und Verläßlichkeit generell zugelegt. Es gibt Balloon Help für die meisten Elemente der Benutzeroberfläche, Suchbegriffe können bis zu 512 Zeichen lang sein und Grep-Suchmuster können in einer separaten Datei abgespeichert (und daher von anderen BBEdit-Versionen benutzt) werden. BBEdit Lite 4.1 kann auch beim Start automatisch Dateien laden, die in einem Ordner "BBEdit Startup Items" abgelegt sind. Professionelle Programmierer und HTML-Autoren werden zwar eher zur vollen Version BBEdit 4.5 greifen, aber die Lite-Version bietet all die Funktionalität, die viele Menschen von einem Texteditor verlangen. BBEdit Lite ist beim Herunterladen als MacBinary 772 KB und als BinHex 1 MB groß. [JLC]

<http://web.barebones.com/products/bbedit/bbedit.html>
<http://web.barebones.com/free/free.html>
<ftp://ftp.barebones.com/pub/freeware/>

Personal Web Sharing -- Es ist zwar wegen der Vorgänge um Apple und Claris ein wenig unbeachtet geblieben, aber Apple hat kürzlich Personal Web Sharing 1.5 herausgebracht, ein Update zu dem schlanken Web-Server, der als Bestandteil von Mac OS 8 ausgeliefert wird. Personal Web Sharing 1.5 unterstützt nun auch Aliases, das Hinaufladen von Dateien mittels HTTP und automatisches Konvertieren von Download-Dateien in BinHex und hat ein Control-Strip-Modul bekommen. Das Kontrollfeld wurde erweitert; nun kann dort die Port-Nummer des Servers eingegeben werden, man kann eine Log-Datei führen und direkt CGIs sowie MIME-Types konfigurieren. Diese neuen Optionen wenden sich mehr an erfahrene als an gelegentliche Web-Benutzer, aber ich habe Personal Web Sharing als einen erstaunlich robusten und zuverlässigen kleinen Server kennengelernt. Personal Web Sharing setzt Mac OS 8 voraus, die Download-Datei ist 1,5 MB groß. [GD]

<ftp://ftp.info.apple.com/Apple_Support_Area/Apple_SW_Updates/US/Macintosh/Networking-Communications/Personal_Web_Sharing/>


Kleider machen Leute - und Mac-Benutzer

von John Sinteur <sinteur@lunatech.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Auf meiner ersten World Wide Developer Conference erhielt ich den Rat, in meinem Koffer viel Platz für T-Shirts freizuhalten. Als ehemaliger Apple-Mitarbeiter in den Niederlanden habe ich nicht über den Tip gelacht, aber ich kam doch mit einem Gepäcksstück mehr als erwartet nach Hause. Seit damals ist meine Sammlung beträchtlich angewachsen und meine Kollegen wissen, daß hinter jedem T-Shirt, das ich trage, eine Geschichte steht. Klarerweise bin ich nicht der einzige, der T-Shirts mit dem Apple-Logo sammelt; Gordon Thygeson <gordon@appletshirts.com> hat es geschafft, in seinem neuen Buch (im Web zu beziehen, 39,95 US$) mehr als tausend solche T-Shirts abzubilden.

<http://www.appletshirts.com/>

Apples Geschichte -- Das Buch stellt eines klar: Es ist unmöglich, die Geschichte von Apple zu schreiben, ohne irgendwelche T-Shirts zu erwähnen oder, besser gesagt, eine Unzahl von T-Shirts (ein gutes Begleitbuch zum Thema ist der Mac Bathroom Reader von Owen W. Linzmayer.) Bei der Durchsicht der Apple-T-Shirts tauchen lang vergessene Codenamen, längst eingestellte Produkte und gelegentliche Verweise auf Personen auf, die schon lange verschwunden sind. T-Shirts jüngeren Datums gibt es natürlich auch - Apples schlechte Presse der letzten Zeit hat sich nicht auf die Kreativität der Leute ausgewirkt, die ihre Projekt-T-Shirts wie ein Ehrenzeichen tragen.

<http://www.amazon.com/exec/obidos/ISBN=0782115314/tidbitselectro00A/>

Warum T-shirts? -- Der Autor nennt einige Gründe für die Beliebtheit und die weite Verbreitung der T-Shirts, von "Abziehbilder, die man den ganzen Tag tragen kann" bis zur Freude über ein erreichtes Ziel; nicht zuletzt sind T-Shirts eine Form der Identifikation - sie geben Ihren Mitarbeitern zu verstehen, an welchem Projekt Sie arbeiten (oder an welchem Sie früher gearbeitet haben). Wenn Sie vom Dilbert-Aspekt absehen, dann ist nach Meinung des Autors die folgende Aussage aus einem Geschäftsplan wie ein Rezept zum Entwickeln von T-Shirts: "Einen Kommunikationsplan für die Abteilung im Konsens festlegen und ausführen mit dem Ziel, Team-Identität herzustellen, kritisches Verhalten verstärken und belohnen und Teamgeist und Leidenschaft fördern".

Auch wenn Ihnen die Firmenmentalität und die Geschichte von Apple nichts bedeutet, ist es ein hervorragendes Buch. Es könnte zwar über einzelne Shirts mehr an Anekdoten bringen, aber es ist ein großartiger Zuwachs meiner Sammlung. Mein Lieblingsstück? Es ist auf der inneren Klappe abgebildet - Bill Gates mit Lippenstift als Huhn beim Eierlegen. Die Gründe für diese Wahl finden Sie in dem Buch.

[John Sinteur ist ein niederländischer Entwickler, der auf Multimedia und Online-Marketing spezialisiert ist, mit mehr Apple im Blut als er zugeben will.]


Was wäre das Leben ohne Newton?

von Ron Risley <rrisley@pobox.com>

[Übersetzung: Heike Kurtz]

[Ron Risley, ein niedergelassener Arzt, nutzt einen Newton, um die Übersicht über all die unzähligen Kleinigkeiten nicht zu verlieren, die durch sein Leben wimmeln. Wir baten ihn, darüber zu schreiben, wie er ihn im "richtigen Leben" nutzt und auch zu verraten, wie er sein Newton MessagePad für seine persönlichen Bedürfnisse eingerichtet hat. Ron verfaßte diesen Artikel zwar bevor die Gerüchte über die Einstellung des Newton aufkamen (vgl. "Gerüchte um den Newton: Aus und vorbei?" in TidBITS-417), aber er zeigt doch, wie leistungsfähig und von ganz besonderer Funktionalität das MessagePad sein kann. (In TidBITS-379 haben wir darüber berichtet).]

<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-417>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-379>

Es hörte sich gut an: Ich begann das Jahr 1998 mit einem Upgrade meines Newton MessagePad 2000 auf die Funktionen des kürzlich herausgekommenen MessagePad 2100. Ich machte mehrere Backups von den Daten in meinem Newton und den darin enthaltenen Namen, Adressen, Terminen, Erinnerungen, Perlen klinischer Weisheit und anderer Notizen, die ich in den vergangenen vier Jahren in meinen Newton gekritzelt hatte, und die ich im schlimmsten Fall ausdrucken konnte. Ich packte das Teil in die Schachtel, die ich von Apple für diesen Zweck bekommen hatte, brachte es zu unserer Versandabteilung und begab mich zurück in eine papierne Welt.

<http://www.apple.com/messagepad/>

Ich war entsetzlich unvorbereitet auf mein Leben ohne Newton. Ich verwandte plötzlich erhebliche Mengen an Energie darauf, meinen Tagesablauf zu organisieren, Informationen zu beschaffen, mich auf unerwartete Ereignisse vorzubereiten, verstreute Informationspartikel zusammenzuhalten und meine Aktivitäten zu dokumentieren. Warum war all dieser Extra-Aufwand nötig? Der Newton ist schließlich auch nur ein ungewöhnlich guter Terminplaner! Ich hatte doch immer noch mein PowerBook für Computerarbeiten und jede Menge Papier und Stifte! Ich begann, darüber nachzudenken, wie der Newton es mir ermöglicht hatte, Leistungen zu erbringen, die mit älteren Technologien nicht möglich waren.

Informationsreichtum -- Am wichtigsten ist wohl die Tatsache, daß der Newton wesentlich mehr Informationen speichern kann als alle auf Papier basierenden Möglichkeiten. Ich bin ein niedergelassener Arzt und strebe gerade die Zulassung zum Facharzt in zwei Fachgebieten an. Eine davon - die Familienpraxis, ist extrem weitläufig und verlangt schnellen Zugriff auf enormes Fachwissen, das regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden muß. Mein anderes Fachgebiet, die Psychiatrie, ist ein sich schnell entwickelndes Feld, in dem fast täglich neue Medikamente oder Behandlungsmethoden aufkommen. Mein MessagePad (mit 16 MB Flash-Speicher, zusätzlich zu den eingebauten 4 MB), enthält das LexiComp Medikamenten-Handbuch, Griffith's Fünf-Minuten-Klinikratgeber, das komplette DSM-IV (das Diagnostik- und Statistikhandbuch der amerikanischen Psychiater-Vereinigung), andere Nachschlagewerke von ähnlichem Volumen (viele davon sind bei K2 Consultants erhältlich) und die gesamten Daten und Notizen all meiner Patienten. Meine Web Site enthält viele der wichtigen medizinischen Referenzen und Hilfsmittel, die für den Newton erhältlich sind und erklärt, wie sich der Newton in meine Alltagsarbeit einfügt.

<http://www.skyscape.com/k2/>
<http://www.pobox.com/~rrisley/newton/>

Wenn ich all die Nachschlagewerke, die ich in Gebrauch habe, in Papierform mit mir herumschleppen wollte, bräuchte ich eine Schubkarre. Klar, sie würden auf ein Laptop passen, aber um mit einem Laptop richtig zu arbeiten, braucht man Platz, um ihn abzustellen (was in der Hektik des Klinikbetriebs nicht ganz einfach ist). Außerdem muß ein Laptop gebootet werden, das dauert im durchgeplanten Praxisbetrieb mit sieben Minuten Zeit pro Patient einfach viel zu lange. Auch muß man ihn irgendwo hinstellen, wenn man fertig ist, und wo ich arbeite, wird teilweise ziemlich viel gestohlen.

Der medizinische Bereich ist vielleicht eine Extremsituation, aber in vielen modernen Jobs braucht man mehr Informationen als man in einem einzigen Gehirn problemlos unterbringen kann (als ich noch als Telekommunikations-Elektroniker gearbeitet habe, hätte ich gemordet für die Möglichkeit, ein paar dicke Wälzer über Halbleiter einfach in die Tasche zu stecken). Der Newton erlaubt mir, eine umfangreiche Bibliothek mit mir herumzutragen und im Internet zu recherchieren, wenn ich noch mehr Informationen brauche. Ich brauche keine Bücherei und keinen freien Computer-Arbeitsplatz zu suchen, um an die Informationen zu kommen, die ich brauche. Informationen in das MessagePad einzugeben ist ebenso einfach wie die Übertragung vom Schreibtisch-Computer zum Newton oder direkt vom Internet zum Newton.

Ungestraft vergessen -- Bei meiner Arbeit werde ich mit Papier-Nachrichten, Voice-Mail, Daten und Instruktionen von Krankenschwestern, Patienten und Mitarbeitern überschwemmt; hinzu kommen flüchtige Gedanken, die Aufmerksamkeit erfordern. Die herkömmliche Methode, um mit diesen vielen Unterbrechungen klarzukommen, ist eine Aufgabenliste aus Papier (bei amerikanischen Ärzten als "scut list" bekannt). Das hilft, wird aber schnell unübersichtlich. An einem normalen Tag habe ich durchschnittlich fünfzig oder mehr Aufgaben auf meiner Liste. Wenn man sich nicht darauf beschränkt, nur die wichtigsten Dinge zu notieren, verlieren sie sich schnell in einem Meer von weniger dringenden Punkten. Läßt man die "unwichtigen" Dinge aber weg, beachtet man sie erst, wenn sie wichtig geworden sind, und dann lebt man ständig im Zustand des Krisenmanagements.

Schon frisch aus der Verpackung ermöglicht der Newton eine bessere Verwaltung von Aufgaben. Man kann eine Aufgabenliste führen, in der die einzelnen Punkte nach Prioritäten eingestuft (von 1 bis 4) und innerhalb der Prioritäten sortiert werden. Mit ein bißchen preiswerter Software von Drittanbietern kommt man noch weiter: ich benutze DateMan von Stand Alone, Inc. Ein Konkurrenzprodukt, MoreInfo von SilverWARE, bekommt ebenfalls begeisterte Kritiken von den Benutzern. Von beiden Produkten gibt es zeitlich begrenzte Demoversionen im Internet.

<http://www.standalone.com/products/dateman.html>
<http://www.silverware.com/MoreInfo.shtml>

Mit DateMan kann ich meinen Aufgaben bis zu 15 Prioritätsstufen zuordnen, außerdem kann ich jede Aufgabe in einem Ordner ablegen und dann Filter erstellen, die mir unerledigte Aufgaben aus jeder beliebigen Kombination von Ordnern anzeigen. Meine Aufgabenliste ist zwar gewaltig, aber sie ist praktischer, denn ich sehe nur die Dinge, die gerade relevant sind. Zu Hause kann ich z. B. alles ausblenden, was ich bei der Arbeit erledigen muß. Wenn ich in einer bestimmten Abteilung bin (z. B. Radiologie) bin, kann ich meine Liste so anordnen, daß ich nur die Aufgaben angezeigt bekomme, die ich dort zu erledigen habe und die Anzeige dann auf alle mit der Arbeit zusammenhängenden Dinge erweitern, um zu entscheiden, zu welcher Abteilung oder in welches Stockwerk ich als nächstes gehen muß. DateMan blendet erledigte Aufgaben aus, läßt mich Prioritäten schnell und einfach verändern und Aufgaben hinzufügen (auch wenn ich gerade etwas völlig anderes tue), ordnet bestimmten Objekten Warnmeldungen zu, nimmt Aufgaben auf, die erst später erscheinen sollen und sogar solche, die in regelmäßigen Abständen wieder auftauchen.

Dadurch kann ich Dinge vergessen, bis sie erledigt werden müssen. Wenn ich gerade mit einem Patienten rede und von irgendwo kommt ein Informationsfetzen geflogen ("Herr Doktor, das Labor hat gerade angerufen, daß Herr X 129 Natrium hat...") muß ich meine Tätigkeit nicht unterbrechen oder mir Sorgen machen, daß ich diese wichtige Information später vergessen habe. Ich schnappe mir einfach meinen Newton (den ich immer dabeihabe), setze die Information mit entsprechender Priorität und Kategorie auf meine Liste und fahre fort. Die permanente Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit des Newton (ich habe in vier Jahren intensiver Nutzung noch keine einzige Information verloren!) verringern meinen Streß-Level und erlauben mir, mich voll und ganz auf das zu konzentrieren, was ich gerade tue.

In der Zeit bleiben -- Neben der Aufgabenliste bietet DateMan auch einen phänomenalen Kalender. Ich kann Treffen und Termine einfach eintragen und so einen Terminplan führen, der zwei Abteilungen, drei Krankenhäuser, drei Kliniken und meine privaten Verpflichtungen beinhaltet. DateMan hat eine beeindruckende Palette an Darstellungsmöglichkeiten - ich dachte zuerst, das sei zuviel des Guten. Mit der Zeit habe ich aber die Möglichkeit zu schätzen gelernt, den DateMan so einzurichten, daß er meinen speziellen Bedürfnissen entspricht (die sich laufend ändern, da ich durch verschiedene Jobs rotiere).

Sammelsurium -- Ich erwähnte bereits das Speichern von Informationen im Lexikon-Format, aber der Newton ist sogar noch besser, wenn es um die kleinen Informationsfetzen geht, mit denen man täglich konfrontiert wird.

Der Newton bietet eine Alternative, um all die unzähligen Karten, Memos, Notizen und Zettelchen zu speichern. Wenn ich aus meinem Postkasten in der Klinik einen großen Stapel Papier herausnehme, sehe ich mir jedes Teil nur einmal an. Manche werfe ich sofort weg. Manche enthalten kleine Informationen: Konferenztermine oder Anweisungen der Geschäftsleitung. Die gebe ich sofort in meinen Newton ein und recycle die Memos auf der Stelle. Manche längere und trotzdem nützliche Dinge wie Personal- und Telefonlisten, Daten über die Empfindlichkeit von Mikroben und Berichte kommen mit nach Hause und werden dort gescannt und in Text konvertiert. Dann kann ich sie mit David Fedors PaperBack oder mit Apples Newton Press in ein Newton Book umwandeln, das die Informationen enthält.

<http://www.pobox.com/~fedor/>
<http://newton.info.apple.com/product_info/SW/newtonpress.html>

Ebenso wichtig sind die Informationen, die an einem normalen Tag an mir vorbeifließen: Bemerkungen von Freunden, Gespräche in einer Besprechung, Neuigkeiten im Radio, in der Zeitung oder aus dem Internet. Andere wichtige Dinge - wie Seriennummern, Kreditkartennummern, Geburtstagslisten, Kennwörter und Einkaufszettel - begegnen mir jeden Tag. Wenn man ein Notizbuch gewissenhaft führt, kann man viele von diesen Informationen notieren. Sie wären aber chronologisch angeordnet und könnten nicht so einfach in Kategorien eingeteilt werden, auch wäre es schwierig, nach einer bestimmten Sache zu suchen. Das Notizbuch würde mit der Zeit größer und schwerer, womit man geneigt würde, alte Informationen wegzuwerfen und von den neuen nicht alle aufzunehmen. Der Newton wird weder schwerer noch größer, egal wie viele Notizen er enthält.

Mit dem eingebauten Notepad kann man seine Informationen (als Notizen, Skizzen, Checklisten oder Ton-Aufnahmen) in einem von bis zu zwölf Ordnern speichern. Und mit Super NotePad und More Folders (beide von Stand Alone Software) ist es sogar möglich, eine unbegrenzte Anzahl von hierarchisch gegliederten Ordnern anzulegen und jeder Notiz eine unbegrenzte Zahl von Anlagen zuzuordnen. Man kann dann Filter definieren, die nur die Notizen in bestimmten Ordnern anzeigen, und zwar mit (oder ohne) die jeweiligen Anlagen.

<http://www.standalone.com/products/sprnotes.html>
<http://www.standalone.com/products/morefolders.html>

Es gibt auch Informationen, die man nicht so gerne in einem Notizbuch haben möchte. Stellen Sie sich vor, ein intimes Tagebuch würde gestohlen! Erstens könnte es schwierig oder unmöglich sein, die verlorenen Informationen wieder zu beschaffen und zweitens könnten sensible Daten in die Hände von Fremden (oder schlimmer) gelangen. Glücklicherweise kann man vom Newton ein Backup auf jeden Macintosh oder Windows-Computer machen. Er bietet außerdem eine gewisse Sicherheit durch die Notwendigkeit, in bestimmten, einstellbaren Intervallen ein Paßwort einzugeben, damit er weiterläuft. Super NotePad erweitert diese Sicherheit mit der Möglichkeit, bestimmte Notizen zu verschlüsseln oder Ordner zu sichern. Absoluten Schutz gibt es zwar nicht und ich würde meinem Newton keine Staatsgeheimnisse anvertrauen, aber es ist sicherer, als meine Kreditkartennummern, Patientendaten und Pläne für die Übernahme der Weltherrschaft zu Papier zu bringen.

Eins ist klar: Egal wie ausgeklügelt Ihr Ablagesystem ist, ein paar Informationen werden immer durch das Netz schlüpfen. Aber indem der Schwierigkeitsgrad zum Speichern von Informationen sehr niedrig angesetzt und die Chance, sie später wiederzufinden, stark vergrößert wird, tut der Newton viel, um eine chaotische Welt etwas ordentlicher zu machen.

Alles bleibt in Verbindung -- Eine weitere leistungsfähige Funktion von DateMan (und MoreInfo) ist die Möglichkeit, verschiedene Arten von Informationen zu verbinden. Ich habe die Namen meiner Patienten in der Namensverwaltung des Newton gespeichert. Mit DateMan kann ich bei jeder Visite des Patienten den Namen mit der Patientenkarte verbinden, Termine für künftige Visiten, Zusätze zu meiner Aufgabenliste und Medikamente, die ich ihm verschrieben habe, eintragen, für den Fall, daß die Apotheke wegen einer Rezepterneuerung anruft.

Solche Links können auch anderweitig von Nutzen sein. Stellen wir uns vor, ich sei einkaufen und sähe ein perfektes Geburtstagsgeschenk für meinen Vater. Leider ist es Januar und mein Vater hat erst Ende Oktober Geburtstag. Wenn ich es jetzt kaufe, könnte es verloren gehen, veralten, oder er könnte es sich selbst kaufen, bevor ich es ihm schenke. Statt dessen mache ich eine Notiz, in der ich das Objekt beschreibe, u. U. auch den Preis und die Funktionen. Diese Notiz verbinde ich mit Vaters Namenskarte und der des Ladens, in dem ich es gesehen habe. Ich könnte einen Eintrag auf meiner Aufgabenliste machen, der erst Ende September erscheint und mich daran erinnert, das Geschenk zu kaufen - diesen Eintrag könnte ich wiederum mit der Beschreibung des Objekts und der Adreßkarte des Ladens verbinden.

All diese Verbindungen herzustellen ist denkbar einfach. Andererseits bin ich furchtbar faul. Glücklicherweise gibt es ein Newton Programm namens GestureLaunch, das es mir erlaubt, Skripts zu schreiben (in der Programmiersprache NewtonScript), die viele dieser Dinge automatisieren. Es ist ein Teil des NewtCase-Pakets von Innovative Computer Systems. Selbst wenn man nicht gerne programmiert, kann man sich aus einer Reihe von Skripts auf der GestureLaunch Depot Site eines aussuchen oder von meiner Site eines der Skripts herunterladen, die ich geschrieben habe.

<http://www.newts.com/newton/nc30.html>
<http://www.newton-underground.com/glaunch/>
<http://www.pobox.com/~rrisley/newton/glmacros.html>

Verbindung zur Umwelt -- Newtons können Informationen von MessagePad zu MessagePad mit ihrem eingebauten Infrarotsender austauschen. Neue Newtons haben einen eingebauten Web-Browser und Email-Client und können sich über eine serielle Schnittstelle, ein PC Card Modem oder einen PC Card Ethernet-Adapter ins Internet einwählen. Von Drittanbietern gibt es Lösungen, die Browser mit mehr Funktionen enthalten, einen Telnet Client/VT-100 Emulator und einen Offline Usenet News Client. Es gibt sogar drahtlose Modems - das Internet-Surfen mit diesen Dingern bleibt für uns normale Gehaltsempfänger aber unfinanzierbar.

<http://members.bellatlantic.net/~sweyer/newton/index.htm#NewtsCape>
<http://www.scrawlsoft.com/products/pt100/info.html>
<http://www.standalone.com/products/paperboy.html>
<http://www.ricochet.net/>

Alle MessagePads können außerdem mittels PC Card oder seriellen Modems Faxe senden und empfangen. Das ist nicht nur eine tolle Möglichkeit, mit der Newton-losen Welt zu kommunizieren, es kann auch oft als behelfsmäßiger Ersatz für einen Printer oder Scanner dienen.

Ein Trend, der mich sehr freut, ist die verstärkte Verbreitung von Druckern, die zu Hewlett Packard IrDA (Infrarot) kompatibel sind, in einigen Institutionen, in denen ich arbeite. Gestern fragte mich ein Kollege, ob ich wüßte, wo ein bestimmtes Restaurant sei. Ich rief die Adreßkarte des Restaurants in meinem Newton auf und suchte ein Stück Papier, um die Adresse aufzuschreiben. Da sah ich einen HP LaserJet 5 MP in der Ecke stehen. Ich richtete meinen Newton auf den Drucker, tippte "drucken", und als mein Freund einen Zettel gefunden hatte, konnte ich ihm eine fertig ausgedruckte Adresse geben.

Trotz dieser Funktionen möchte man manchmal unabhängig sein. Ich hatte bereits einen tragbaren HP DeskJet 340 Drucker, den ich mit meinem PowerBook benutzte, und so kaufte ich ein IrDA Adapter dafür. Ich schrieb GestureLaunch-Skripts, um die Randeinstellungen an die Formulare und das Notizpapier meiner Arbeitsstelle anzupassen. Wenn ich weiß, daß ich viel Papier erzeugen werde, schnappe ich mir den 340. Er unterstützt IrDA und kann ungefähr hundert Seiten im Batteriebetrieb drucken, ich brauche also keine Kabel oder Netzteile.

<http://www.hp.com/peripherals/printers/dj340.html>
<http://www.pobox.com/~rrisley/newton/glmacros.html#paperchanger>

Nie wieder ohne -- Der Newton ist mehr und mehr zu einem Teil meines Lebens geworden und er erweist sich besonders in unvorhergesehenen Situationen als nützlich. Ich brauche mit keine Gedanken darüber zu machen, welche Nachschlagewerke ich wohl bei der Arbeit brauchen werde, ich nehme den Newton mit. Wenn ich zufällig auf dem Nachhauseweg bei einem Supermarkt vorbeikomme, habe ich meine Einkaufsliste bei mir. Wenn ich auf Reisen einen Notruf von einem Patienten bekomme, habe ich nicht nur die Patientendaten alle dabei, sondern kann sofort medizinische Fachliteratur konsultieren und ein Rezept an die Apotheke faxen. Ich habe eine Zeichnung meines Hauses mit allen Maßen. Wenn ich also in einem Baumarkt bin und eine verrückte Idee habe, kann ich sofort nachschauen, ob eine Kreissäge ins Schlafzimmer passen würde. Wenn ich einen Einkauf, den ich von der Steuer absetzen kann, bar bezahle, mache ich mir eine kurze Notiz und die Information geht nicht verloren. Wenn ich angepiept werde und nicht sicher bin, wie wichtig es ist, sofort zurückzurufen, kann ich nach der Telefonnummer suchen und nachschauen, wer mich da wohl anruft. Wenn ich irgendwo anstehen muß oder in einer langweiligen Besprechung sitze, kann ich an einem Aufsatz schreiben, ein Buch von Projekt Newtonberg oder zeitgenössische Science-Fiction-Kurzgeschichten von InterText lesen. Schreibe ich eifrig mit oder spiele ich Schiffe versenken? Die Antwort kennt ganz allein der Newton... <http://www.aa.net/~robwest/bookmenu.htm>
<http://www.etext.org/Zines/InterText/>
<http://www.tactile.com/solito.html>

Mein aufgerüstetes MessagePad ist vor ein paar Tagen zurückgekommen. Erleichtert räumte ich all die medizinischen Fachbücher, Zettel, den improvisierten Terminkalender, das Taschenbuch, den Taschenrechner und viele andere Kleinigkeiten aus meiner Tasche, die zusammen doch nur einen kleinen Teil dessen leisten, was ich mit dem Newton erledigen kann. Viele Leute (ich auch) sagen anfangs, der Newton sei zu groß. Nachdem ich gerade eine Zeitlang ohne ihn leben mußte, kann ich sagen: Er ist schön klein.



Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE].

Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF],
Heike Kurtz <heike@heikekurtz.de> [HK].

Copyright and address info
TidBITS Home Page

Vorhergehende Ausgabe
Nächste Ausgabe

Frühere Ausgaben der TidBITS können unter folgendem Web-URL durchsucht werden:
<http://www.tidbits.com/search/>


carrier Kommunikation 1995-98