TidBITS#421/23-Mar-98 - Deutsch

Das beste althergebrachte Merkmal des Macintosh, das bald auch in Windows 98 auftauchen soll, ist die Unterstützung mehrerer Bildschirme. Diese dürfte auch die wichtigste Methode sein, Ihre Produktivität am Mac zu steigern. Adam erläutert, warum man zwei Monitore braucht und gibt Tips, wie diese bestmöglich zu nutzen sind. John Shinnick beschreibt die Hitachi MPEG Cam, Apple liefert einen Power Mac mit 300 MHz aus und Connectix bringt Virtual PC 2.0.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#421/23-Mar-98.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-421.html>

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MailBITS/23-Mar-98

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Apple liefert 300 MHz G3 Mac aus, stellt diverse PowerBooks ein -- Wie schon in unserem Artikel "Aktuelle Mac-Hardware: Jetzt kaufen?" (siehe TidBITS-419) berichtet, hat Apple den ersten Power Macintosh mit einem PowerPC-G3-Prozessor mit 300 MHz angekündigt. Das Desktop-Modell kostet ab 2.499 Dollar (mit 32 MB RAM und 4 GB Platte); die neuen Geräte sind sowohl in Standardkonfigurationen als auch nach Kundenwunsch (im Apple Store) zu haben. Steve Jobs hat die neue Baureihe auf dem Seybold-Seminar vorgestellt. Dort hat er auch einen neuen flachen Monitor präsentiert, das Apple Studio Display, das zum Preis von 1.999 Dollar im Mai lieferbar sein wird, und einen Prototypen eines Power Mac, der einen G3-Prozessor mit 400 MHz auf Basis einer neuen Kupfertechnologie [statt wie bisher üblich Aluminium, --WJF] von IBM enthält. Aus den virtuellen Regalen im Apple Store verschwunden sind PowerBook G3, PowerBook 2400, 20th Anniversary Macintosh sowie alle Varianten des PowerBook 3400, ausgenommen die Type 3400c/240. Im Mai sollen neue PowerBooks auf Basis des G3 die eingestellten Modelle ersetzen. [JLC]

<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-419>
<http://store.apple.com/>
<http://www.apple.com/displays/studio/>

Virtual PC 2.0 schneller und kooperativer -- Connectix bringt Virtual PC 2.0 auf den Markt, einen Pentium-Emulator, der Mac-Benutzern die Verwendung von Betriebssystemen und Anwendungen erlaubt, die für die Intel-Plattform geschrieben sind (darunter Windows, MS-DOS und NeXTstep). Laut Connectix liegt die Geschwindigkeit der Version 2.0 bis zu 40 Prozent über der von Virtual PC 1.0 (siehe "Virtual PC: Langsam, aber das Warten wert" in TidBITS-397); hinzugekommen sind u.a. Dateienübertragung per drag & drop und die Möglichkeit, zwischen Mac- und PC-Applikationen hin und her zu kopieren und einzusetzen. Benutzer von PC-Spielen mit schnellen Macs (empfohlen sind G3-Macs) können Microsofts DirectX-Technologie verwenden, die Grafik, Stereo-Sound und Joystick-Unterstützung umfaßt. Für Virtual PC 2.0 wird ein Preis von 145 Dollar (Windows-95-Version) bzw. von 49 Dollar (PC-DOS-Version) erwartet. Die Upgrades von Version 1.0 werden etwa 35 Dollar kosten. [JLC]

<http://www.connectix.com/>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-397>
<http://www.connectix.com/html/connectix_virtualpc.html>


Hitachi MPEG Cam bringt Bewegung

von John Shinnick <john@media-wave.com>

[Übersetzung: Heike Kurtz]

Als im letzten Jahr die MPEG Cam von Hitachi herauskam, horchten viele Web-Autoren auf, denn viele von ihnen sehen schon voraus, daß künftig viele Web-Seiten nicht mehr nur Text und Bilder, sondern auch Audio- und Echtzeit-Videosequenzen enthalten werden. Nun - die MPEG Cam ist ein Gerät, mit dem man - neben 'normalen' JPEG-Fotos - schnell und einfach bewegte Bilder und auch Klänge im MPEG-Format für das Web und andere Multimedia-Anwendungen aufzeichnen kann.

Hitachi stellte mir eine MP-EG1A-Kamera zur Rezension zur Verfügung und sie wurde zu einem ständigen Begleiter. Während der Testphase filmte ich ca. sechs Veranstaltungen pro Woche, und egal wo ich hinkam - die Kamera erregte Aufmerksamkeit. Wegen des Winkels zwischen der Linse und dem Kameragehäuse (man hält sie nicht gerade auf das zu filmende Objekt wie eine normale Kamera) meinten ein paar "Star Trek"-Fans, sie ähnele einem Tricorder - und anders als andere Geräte, die in der Vergangenheit mit den Science-Fiction-Geräten aus Star Trek verglichen wurden, ist sie dies tatsächlich, denn sie nimmt drei verschiedene Dinge auf: Standbilder, Töne und Videosequenzen.

<http://www.mpegcam.com/>

Ein neuer Schwenk -- Die MPEG Cam unterscheidet sich in vielem von einer konventionellen Kamera. Am meisten fällt wohl der Linsenkopf auf, der um 180° drehbar ist, sodaß man nach links, geradeaus oder nach hinten in das Gesicht des Benutzers filmen kann. Der Bildsensor, ein CCD-Chip von 1/4" Größe, kann 390.000 Pixel aufnehmen und gibt sie auf einem 1,8 Zoll großen LCD-Farbdisplay wieder. Der Strom kommt aus einem wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Akku; zwei Akkus und ein Ladegerät werden mitgeliefert. Das Speichermedium in der Kamera besteht aus einer einzigen PC-Karte (vom Typ III, eine Festplatte mit 260 MB), die bis zu 20 Minuten digitalen Videofilm, 3000 Standbilder oder 4 Stunden digitale Klänge (Mono) speichern kann.

Wenn Sie normalerweise eine konventionelle 35mm-Kamera benutzen, werden Sie sich an die MP-EG1A erst gewöhnen müssen. Anstatt die Kamera vor das Auge zu halten und durch die Linse oder einen Sucher zu schauen, hat man mit der MPEG-Cam eher das Gefühl, ein Fernsehbild seines fertigen Bildes zu betrachten und es am Bildschirm zusammenzuschneiden, um es dann per Knopfdruck zu speichern. Die schwenkbare Linse war bei manchen Gelegenheiten praktisch: Eine der Zeitschriften, für die ich arbeite, bat mich um ein "Verbrecherfoto" - ich holte meine Kamera, schwenkte die Linse in meine Richtung, hielt die Kamera auf Armlänge von mir weg und erstellte auf dem Bildschirm mein Selbstporträt. Danach übertrug ich das Foto von der PC-Karte auf meinen Mac, bearbeitete es noch ein wenig in Photoshop und schickte es als Email um die Welt. Der schwenkbare Kopf ist auch zum Aufnehmen von Interviews sehr praktisch. Man kann die MPEG-Cam auf ein Stativ stellen, den Kopf dorthin schwenken, wo man selbst sich mit seinem Interviewpartner befindet, den Bildausschnitt mittels Zoom einstellen und dann mit der mitgelieferten Fernbedienung (die aussieht wie beim Fernseher) die Aufnahme starten und stoppen.

Pixel nicht perfekt -- Der Bildsensor zeichnet 390.000 Pixel auf, aber sie werden nicht alle gleich erzeugt. Der Zoom z. B. ist dreifach optisch und zweifach digital, d. h. manche der gezoomten Pixel werden durch Berechnung des Kameraprozessors erzeugt, so daß das Bild schlechter wird. Manchmal kam es vor, daß ich mit dem Zoom Bilder gemacht hatte, die auf dem kleinen Bildschirm gut aussahen, sich aber später als unbrauchbar herausstellten, da sie zu pixelig waren. Glücklicherweise speichert die Kamera 3000 Bilder, so daß ich fast nie ohne brauchbares Bildmaterial von einem Ereignis zurückkam - dennoch war ich darüber enttäuscht, daß einige Bilder unpassend waren. Aber selbst mit dem Zoom einer konventionellen Kamera erzielt man nicht immer das gleiche gestochen scharfe Ergebnis wie mit einer kürzeren Linse und in geringerem Abstand zum Objekt.

Auf die schiere Menge an Bildern war ich allerdings nicht vorbereitet. Statt 24 oder 36 Bilder von einem konventionellen - nicht digitalen - Film, von dem dann zwei oder drei Abzüge gescannt werden, machte ich mehr als 100 Bilder und es kamen 20 oder 30 brauchbare dabei heraus, die bereits in digitaler Form vorlagen. Manchmal zeichnete ich Dinge auf, die ich früher nicht beachtet hätte. Mein Motto wurde: "Ich kann alles aufnehmen, also warum nicht?" und ich brauchte einige Zeit, um damit umgehen zu lernen; andererseits konnte ich manche Bilder für andere Projekte verwenden und nutzte die MPEG Cam als audiovisuelles Notizbuch, wenn ich im Dienst war.

Anders als bei anderen digitalen Kameras werden die Standbilder der MPEG Cam mit 72 ppi aufgezeichnet, was Bilder mit 704 x 480 Pixeln erzeugt, die mittels JPEG-Kompression gespeichert werden. Für die Veröffentlichung im Web, wo es auf kleine Dateien ankommt, ist das gut, aber Fotografen, die auf hohe (oder auch nur mittlere) Auflösung im Druck Wert legen, sind andere Digitalkameras wahrscheinlich besser geeignet [vgl. Arthur Bleichs Artikelserie über digitale Kameras in TidBITS-407 und TidBITS-408, in der er verschiedene Digitalkameras vergleicht, die z. Zt. auf dem Markt sind -Jeff].

<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-407>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-408>

MPEG-Wünsche und JPEG-Träume -- Nachdem ich mir einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten und Mängel der MPEG Cam gemacht hatte, habe ich die folgende Wunschliste aufgestellt:

Erstens: Sie braucht einen Blitz. Manchmal ist es gut, im Dunkeln zu filmen, aber es gibt zu viele Ereignisse, die in schlecht beleuchteten Räumen stattfinden. Die Kamera brachte in ein paar Situationen mit wenig Licht zwar akzeptable Ergebnisse, es wäre aber schön gewesen, mehr Details aufnehmen zu können.

Der zweite Punkt auf meinem Wunschzettel wäre eine Abdeckung für die Linse. Ich hatte ständig Angst, die Linse zu zerkratzen oder anderweitig zu beschädigen, und ich mußte die Kamera wesentlich vorsichtiger behandeln als mein altes Pentax-Schlachtroß. Ich war erstaunt, daß so etwas bei einem Gerät für 1500 bis 2000 Dollar nicht im Lieferumfang enthalten ist.

Außerdem braucht die MPEG Cam eine bessere Schnittstelle zum Computer. Bei einem Laptop war das ein Kinderspiel, denn ich brauchte nur die PC-Karte aus der Kamera zu holen und in mein PowerBook zu stecken. Wenn man aber keinen Zugang zu einem Laptop hat, der mit Typ III PC-Karten arbeitet, muß man ein separates Macintosh SCSI Interface Kit für 299 Dollar kaufen - das den Schreibtisch um viele Kabel und einen Adapter reicher macht. Die PreStage-Software, die mitgeliefert wurde, war außerdem langsam und fürchterlich umständlich zu bedienen. Das Übertragen von Bildern von der Kamera zu meinem Computer wurde zu einem echten Problem.

Schließlich fehlt der MPEG-Cam ein Schulter-Trageband und eine Tragetasche. Sie ist mit 540 g zwar nicht schwer, aber sie ist etwas unhandlich, wenn man z. B. während einer Dinnerparty einen Notizblock und einen Teller mit Hors-d'&brkbar;uvres balanciert. Die Handgelenkschlaufe ist zwar praktisch, aber es wäre schön, wenn man die Kamera auch über die Schulter hängen könnte. Die Hitachi MP-EG1A paßte zwar gut in meinen Aktenkoffer oder in einen Kulturbeutel, aber beide Aufbewahrungsorte waren nicht so praktisch, wie man sich das wünscht.

Ich muß zugeben, daß ich bei meiner Arbeit bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit dieser kleinen Kamera gegangen bin. Sie war zwei Monate lang in meiner Tasche oder auf meinem Schreibtisch zu finden und ich fand die Möglichkeit, Video-, Audio- und Fotoaufnahmen mit ein und demselben Gerät zu machen, sehr praktisch. Fotografen, die hohe Auflösungen brauchen, mögen zwar enttäuscht sein, aber Web- und Multimedia-Publisher werden finden, daß die MPEG Cam eine sehr nützliche Ergänzung ihrer Werkzeugkoffer darstellt.

[John Shinnick ist Herausgeber und Redakteur von New Wave Publishers, die in Vancouver, Kanada ansässig sind und den Media West Newsletter herausbringen.]

<http://www.media-wave.com/>


Doppelt so viel Spaß mit mehreren Monitoren

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Heike Kurtz]

Vor ein paar Monaten waren Tonya und ich gerade zu Besuch bei Verwandten, als wir erfuhren, daß Geoff Duncan im TidBITS-Hauptquartier aufgrund eines katastrophalen Hardware-Fehlers kurz vor dem Nervenzusammenbruch stand. Es handelte sich hierbei nicht um einen kaputten Computer oder eine Festplatte - nein, einer seiner beiden Bildschirme hatte sein Leben in einer Rauchwolke ausgehaucht. Wir hatten natürlich Verständnis für die Dringlichkeit der Situation und gestatteten ihm, während unserer Abwesenheit einen Bildschirm von einem unserer Rechner auszuleihen; glücklicherweise konnte er dann aber einen 17-Zöller von einem seiner Freunde bekommen.

Sie denken jetzt wahrscheinlich: "Wozu braucht der Mann mehr als einen Bildschirm?". Schließlich kommen die meisten Menschen damit aus und sie haben nicht das Gefühl, ihnen fehle etwas. Ich dagegen bin der Meinung, daß ein weiterer Bildschirm - unmittelbar nach einem schnellen Mac mit genug RAM - das Zweitwichtigste ist, mit dem man seine Produktivität steigern kann.

Nimm Zwei? -- Warum braucht jeder, der ernsthaft am Mac arbeiten will, zwei Bildschirme? Nun, die Benutzeroberfläche des Macintosh ist graphisch. Alles, was wichtig ist, wird am Bildschirm dargestellt und erfordert eine Reaktion des Benutzers, die meist über ein externes Eingabegerät wie z. B. Tastatur, Maus, Grafiktablett etc. erfolgt. Für eine graphische Benutzeroberfläche ist ein Bildschirm also unerläßlich, und ein großer Bildschirm ist natürlich besser als ein kleiner. Niemand würde den eingebauten Monitor eines SE/30 einem 640x480er 13-Zöller vorziehen, und wenn der Schreibtisch groß genug ist, arbeitet jeder lieber an einem 17"-Bildschirm mit 832 x 624 Pixeln. Die meisten 17"-Bildschirme können mehrere Auflösungen darstellen, 1024 x 768 Pixel sind also möglich, wenn man gute Augen hat. In der Tat stellen die meisten Benutzer ihren Bildschirm sofort auf die höchstmögliche Auflösung ein, weil sie damit einfach mehr Informationen darstellen können.

Kurz gesagt, je mehr Pixel, desto besser. Eine 640 x 480er Auflösung liefert 307.200 Pixel, mit 832 x 624 bekommt man 519.168 Pixel und 1024 x 768 ergeben sogar 786.432 Pixel. Mehr Pixel bekommt man durch einen größeren Bildschrim, durch eine höhere Auflösung (im Kontrollfeld "Monitore & Ton" finden sich die verschiedenen Möglichkeiten - nicht alle funktionieren, aber es lohnt sich, einmal damit herumzuspielen). PC-Nutzer tun genau das.

Aber wir sind keine PC-Benutzer, und wir verwenden keine PCs.

Wenn Sie eine Grafikkarte in ihrem Mac einbauen (die meisten Macs haben interne Grafikkarten für den ersten Bildschirm) und einen zweiten Bildschirm an diese Grafikkarte anschließen, wird Ihr Mac genau das richtige tun und beide Bildschirme wie einen einzigen großen Desktop behandeln. Das ist nichts Neues - mit dem richtigen Betriebssystem und den richtigen Monitoradaptern sollten meiner Meinung nach selbst der Mac Plus und der SE mehrere Monitore unterstützen (obwohl man sich heutzutage wahrscheinlich schwer tut, die richtige Soft- und Hardware zu bekommen). Stellen Sie einfach einen billigen 13-Zöller mit einer Auflösung von 640 x 480 neben ihren 17-Zöller mit 1024 x 768 und plötzlich haben Sie nicht mehr 786.432, sondern 1.075.632 Pixel.

Erweiterungsstrategien -- Bis jetzt basierten meine Ausführungen auf der einfachen These "je mehr Pixel, desto besser". Das scheint zwar selbstverständlich, aber die meisten Menschen wissen nicht, wie sie diesen zusätzlichen Bildschirm-Raum nutzen sollen. DTP-Anwender waren die ersten, die größere Bildschirme hatten, denn sie wollten eine ganze Seite - oder auch eine Doppelseite - sehen, ohne scrollen zu müssen. Diese Anforderung ist immer noch die häufigste: Die Leute wollen einfach einen größeren Teil eines Textdokuments, einer Web Page, einer Präsentation oder einer anderen Datei sehen. Als ich mein Eudora-Buch schrieb, mußte ich in QuarkXpress schreiben und mich dabei einer bestehenden Stilvorlage bedienen. Die Schriftgröße war zu klein, um sie bei weniger als 150% Vergrößerung am Bildschirm zu lesen, aber dann konnte ich keine Doppelseite mehr darstellen - nicht einmal auf meinen großen Monitoren. Also ging ich dazu über, die Fenster meiner Xpress-Dokumente so groß zu ziehen, daß ich auf zwei nebeneinanderstehenden Bildschirmen je eine Seite sehen konnte (QuarkXpress kann sich die Größe und Position eines Fensters nur für einen Bildschirm "merken"). Das hört sich dekadent an, aber da ich nicht ständig scrollen mußte, konnte ich wesentlich schneller und entspannter arbeiten.

<http://www.tidbits.com/eudora/>

Es ist allerdings auch für mich relativ ungewöhnlich, mit einem einzigen Fenster zu arbeiten, das sich über zwei Bildschirme erstreckt. Normalerweise gehe ich beim Schreiben eines Buches so vor, daß ich mein Nisus-Writer-Dokument auf einem Bildschirm habe, und das Programm, über das ich schreibe, auf dem anderen. Manche Herausgeber verlangen Screenshots vom ganzen Bildschirm, und so kann ich sie problemlos anfertigen, ohne vorher verschiedene Programme ein- oder ausblenden zu müssen. Wenn ich plattformübergreifende Internet-Bücher schreibe, öffne ich auf einem Bildschirm ein Timbuktu-Pro-Fenster zum PC und kann so am anderen arbeiten, ohne zwischen den beiden Rechnern hin- und herwandern zu müssen.

Auch wenn es beim Bücherschreiben sehr praktisch ist, zwei Bildschirme zu haben, sind es doch die Vorteile im täglichen Gebrauch, die dazu geführt haben, daß ich meine Arbeitsweise völlig an diese Konfiguration angepaßt habe. Vier Programme benutze ich fast ständig: Einen Web Browser (im Moment Internet Explorer 4.0), ein Email Programm (z. Zt. Eudora Pro 4.0), ein Textverarbeitungsprogramm (Nisus Writer 5.1) und eine Terminverwaltung (Now Up-to-Date 3.5). Diese vier Programme - und noch ein paar andere, wie z. B. "The Tilery" (ein Programm-Starter), der FTP-Client Anarchie und Websters Electronic Dictionary - werden beim Systemstart aufgerufen. Diese Programme plazieren ihre Fenster jedesmal an genau definierte Positionen und ich bewege diese Fenster fast nie. Das letzte Puzzlestück ist KeyQuencer von Binary Software, den ich nutze, um mit den Funktionstasten zwischen Programmen hin- und herzuwechseln.

So springe ich mit einem einzigen Mausklick oder Tastendruck zu einem anderen Programm und mein Blick wandert zu der entsprechenden Ecke meines Bildschirms. Wenn ich z. B. eine Email eines Freundes lese, der mich zum Mittagessen treffen möchte, wechsle ich mit F15 zu Now Up-to-Dates Monatsübersicht und To-Do-Liste, die immer offen sind. Ein Klick auf die noch immer geöffnete Email und ich kann sie sofort beantworten, während ich noch meinen Kalender betrachte. Auch wenn ich einen Artikel schreibe, und einen URL überprüfen möchte, bringe ich mit F12 den Internet Explorer in den Vordergrund meines zweiten Bildschirms, gebe den entsprechenden URL ein und während die Seite sich aufbaut, gehe ich wieder zum Nisus-Writer-Dokument auf meinem Hauptbildschirm und schreibe weiter. Sobald ich bemerke, daß sich beim Web Browser nichts mehr tut, sehe ich auf dem zweiten Bildschirm nach, ob ich tatsächlich dort gelandet bin, wo ich hinwollte - oder ich forsche weiter und gehe zwischendurch immer wieder zur Arbeit an meinem Artikel.

Meine Arbeitsweise ist sicher nicht sehr verbreitet, aber ich bin sicher, es gibt viele Menschen, die mit mehreren Programmen gleichzeitig arbeiten und sich über die unübersichtliche Ansammlung von Fenstern auf einem zu kleinen Bildschirm aufregen.

Meine Theorie -- Hier ein paar Ideen, wie man effektiv mit mehreren Bildschirmen arbeiten kann. Ich habe sie an Tonya ausprobiert - die es haßt, wenn man ihr sagt, wie sie etwas tun soll - und selbst sie gibt zu, daß diese Techniken funktionieren.

1. Installieren Sie einen Haupt- und einen Zweit-Bildschirm. Wenn Sie zwei verschieden große Geräte haben, sollte der größere Ihr Hauptbildschirm werden. Hierzu öffnen Sie das Kontrollfeld "Monitore und Ton", klicken auf die Taste "anordnen" und ziehen dann die Menüleiste in den kleinen Bildschirmsymbolen auf den größeren Bildschirm. Wählen Sie dann die Auflösungen und stellen Sie die Monitore so ein, wie Sie möchten, bevor Sie das Kontrollfeld wieder schließen. Unter System 7.5 oder früher können Sie ebenso mit dem Kontrollfeld "Monitore" verfahren.

Sie können die Bildschirme natürlich anordnen, wie Sie möchten, aber ich habe meinen Hauptmonitor immer rechts, denn dann befinden sich die Symbole für meine Festplatte, Laufwerke, den Papierkorb oder neue Schreibtischdateien am rechten Rand des rechten Monitors und sind fast immer sichtbar. Wenn Sie den Hauptbildschirm links haben, sind diese Symbole zwar immer noch am rechten Rand, aber am rechten Rand des linken Bildschirms und somit in der Mitte Ihrer Arbeitsfläche, wo sie während der Arbeit höchstwahrscheinlich zugedeckt werden. Das Ziel ist größtmögliche Sichtbarkeit, denn das Verschieben von Fenstern und das Verstecken und Einblenden von Programmen ist Zeitverschwendung. Außerdem öffnen neue Programme ihre Fenster meist am linken Rand des Hauptbildschirms, und ich finde es angenehmer, mein Haupt-Arbeitsfenster eher in der Mitte der Arbeitsfläche zu haben und nicht am äußersten linken Rand des linken Bildschirms.

Wenn Sie sich einmal für ein Bildschirmarrangement entschieden haben, sollten Sie darüber nachdenken, welche Programme Sie am häufigsten benutzen und sie in "aktive" und "passive" Anwendungen einteilen. Aktive Programme sind diejenigen, in denen Sie schreiben, zeichnen oder anderweitig arbeiten. Passive Programme sind die, in denen Sie meist nur lesen. Bei mir sind Eudora und Nisus Writer "aktive" Programme: Ich beschäftige mich ständig damit, wenn ich Texte schreibe oder Email bearbeite. Internet Explorer und Now Up-to-Date hingegen sind "passive" Programme. Ich gebe zwar hin und wieder einen URL in Internet Explorer ein oder trage einen neuen Termin in Now Up-to-Date ein, aber meist schaue ich in diesen Programmen nur Dinge nach, während ich in Eudora oder Nisus Writer arbeite. Auch ein paar Finder-Fenster könnte man so einteilen, je nachdem, wie oft man die darin enthaltenen Dateien benutzt.

Wenn Sie über genügend RAM verfügen, können Sie die Programme, die Sie ständig brauchen, beim Systemstart öffnen, indem Sie Aliases davon anlegen und in den Ordner "Startobjekte" im Systemordner legen. (Tonya benutzt ein Shareware-Programm namens "Delayed Startup Items", um die Programme, die sie häufig benutzt, kurz nach dem Systemstart - aber eben nicht beim Systemstart zu öffnen, so muß sie nicht jedesmal warten, bis alle Programme geöffnet sind, bevor sie arbeiten kann.) Die meisten Programme haben nur ein oder zwei Haupt-Fenster oder -Paletten (die man als Untergruppe passiver Programme einstufen könnte, je nachdem, wie man sie gebraucht), nehmen Sie sich also die Zeit, die Fenster der aktiven Programme auf Ihrem Hauptbildschirm und die der passiven Programme auf dem zweiten Bildschirm anzuordnen. Denken Sie immer daran, daß Sie so viel wie möglich sehen möchten. Ich achte z. B. darauf, daß das Fenster des Internet Explorers auf meinem Zweit-Bildschirm nie ganz den unteren Bildschirmrand erreicht, denn dort befinden sich die Reiter von vier Finder-Fenstern (eine Funktion von Mac OS 8). Diese Reiter gehören zwar zum Finder, lassen sich aber auch aus anderen Programmen heraus mit einem einzigen Mausklick öffnen.

<ftp://mirrors.aol.com/pub/info-mac/cfg/delayed-startup-items.hqx>

Um beim Finder zu bleiben: Wenn Sie gerne mit Drag & Drop arbeiten, sollten Sie Kopien von StuffIt Expander, DropStuff und vielleicht Ihrer Schreibtischdruckersymbole am rechten unteren Rand Ihres Zweit-Monitors bereitlegen, wo sie nicht so oft verdeckt werden. Ich bediene mich gerne Rick Holzgrafes Programm "The Tilery", das "Kacheln" für aktive und ein paar andere Programme zur Verfügung stellt - ich reihe sie dann an der rechten Kante meines Zweit-Monitors auf, so daß ich in der Mitte meines Arbeitsraums eine visuelle Schnittstelle zu meinen aktiven Programmen habe. Wenn die Kacheln verdeckt sind, ist das nicht schlimm, denn es gibt mehrere Möglichkeiten, zwischen Programmen zu wechseln.

<http://www2.semicolon.com/Rick/Tilery.html>

Wenn Sie ihre Fenster-Anordnung eingerichtet haben, sollten Sie ein oder zwei Tage damit arbeiten und sich notieren, wenn ihnen etwas umständlich erscheint oder sie ständig Programme ausblenden müssen, um andere sehen zu können. Wenn Sie einmal die besten Positionen für Ihre Standard-Fenster gefunden haben, bewegen Sie sie nicht mehr! Ein Großteil der Zeitersparnis beim Arbeiten mit mehreren Bildschirmen beruht darauf, daß sich z. B. das Fenster für Ihren Terminkalender immer an derselben Stelle desselben Bildschirms befindet. Stellen Sie sich vor, wie lästig es wäre, wenn sich das Schlüsselloch an der Fahrertür Ihres Autos alle paar Tage an einer anderen Stelle befände!

Nachteile -- Ich behaupte natürlich nicht, daß die Arbeit mit zwei Monitoren keine Probleme macht. Da sind zunächst die Kosten: Sie brauchen eine zweite Grafikkarte (obwohl ein paar Mac-Modelle, u. a. einige der ersten NuBus-Power-Macs, mit einer Grafikkarte zusätzlich zum internen Grafikport ausgeliefert wurden). Neue Grafikkarten gibt es von 200 bis ca. 500 Dollar. Außerdem brauchen Sie einen zweiten Bildschirm, und die kosten 200 bis 2000 Dollar. Wenn Sie nur über begrenzte finanzielle Mittel verfügen, können Sie versuchen, die notwendige Hardware anderweitig zu ergattern. Wenn Sie z. B. jemanden kennen, der zwei Bildschirme benutzt und gerade einen neuen Computer gekauft hat, hat derjenige höchstwahrscheinlich eine Grafikkarte übrig. Mein alter Mac, ein Centris 660AV, arbeitet nun als Backup-Rechner und braucht keine zwei Bildschirme mehr, ich habe die NuBus-Grafikkarte - die ich in meinem PCI Power Mac 8500 nicht mehr benutzen konnte - einem Freund, der einen Power Mac 7100 hat, geborgt. An Bildschirme kommt man relativ einfach heran, da viele Leute mit einem relativ kleinen Bildschirm anfangen, und dann froh sind, ihn verkaufen zu können, wenn sie sich einen größeren kaufen. Am besten forscht man nach so etwas in seiner regionalen User Group.

Wenn Sie zwei verschieden große Bildschirme haben, ist der Desktop Ihres Mac nicht rechteckig, aber man kann die Bildschirme so anordnen, daß es funktioniert. Ich ziehe es vor, wenn die oberen Kanten der Monitore auf derselben Höhe sind und stelle den kleineren auf Klötze, bis die Höhe stimmt. Zwei gleich große Bildschirme sind natürlich ideal.

Wenn Sie gerne mehrere Bildschirme benutzen möchten, brauchen Sie einen Schreibtisch, der das Gewicht aushält. Mein Schreibtisch bestand jahrelang aus einer Tür, die innen hohl war - ich konnte meinen ersten 21-Zoll-Bildschirm einige Monate nicht benutzen, da mein Schreibtisch das Gewicht nicht ausgehalten hätte. Als ich dann bei IKEA einen neuen Schreibtisch kaufte (vgl. TidBITS-301 und TidBITS-302), setzte ich mich vor dem Kauf mehrfach darauf, um die Belastbarkeit zu testen.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=01277>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=01266>

Die ergonomische Ausrichtung ist wichtig. Stellen Sie Ihren Hauptbildschirm so auf, daß Sie gerade darauf schauen. Das permanente Drehen des Halses verursacht gesundheitliche Probleme. Ich habe meine beiden Bildschirme so aufgestellt, daß die beiden Gehäuse direkt vor mir aneinander stoßen und sie sind beide leicht zueinander gedreht - ich kann also direkt darauf schauen und muß meinen Kopf nur ganz leicht drehen.

Eine weitere Schwierigkeit beim Arbeiten mit mehreren Bildschirmen ist, daß man die Maus wesentlich mehr bewegen muß, was nicht immer ganz einfach ist. Ich stelle die Geschwindigkeit des Trackballs meiner Kensington TurboMouse immer ganz hoch, so daß ich schnell die Position wechseln kann. Ich habe aber nie begriffen, wie man bei der TurboMouse die "Klebepunkte" auf dem Bildschirm einrichten kann, zu denen man dann schnell springt. Es kann sein, daß Trackballs bei großen Bildschirmen besser sind, aber sowohl Tonya als auch Geoff arbeiten lieber mit der Maus. Bevor Mac OS 8 herauskam, bei dem man Objekte durch gleichzeitiges Drücken der Befehls- und der Löschtaste in den Papierkorb befördern kann, legte ich mir immer ein Alias des Papierkorbs an und plazierte es auf dem zweiten Bildschirm, um nicht immer alles so weit bis zum Papierkorb ziehen zu müssen.

<http://www.kensington.com/products/mice/mice3a.html>

Produktivität maximieren -- Apple hat die Möglichkeit, die meisten Macs mit mehreren Monitoren zu betreiben, nie so recht beworben. Ich sage "die meisten Macs", weil die neueren PowerBooks nur noch "video mirroring" können - eine verwirrende Bezeichnung, die bedeutet, daß das Bild auf einem Monitor ein zweitesmal auf einem weiteren Bildschirm dargestellt werden kann. Als ich diesen Mangel gegenüber den Produktverantwortlichen für PowerBooks ansprach, schoben sie diese Einschränkung darauf, daß man im PowerBook aus Kostengründen Grafikschaltkreise aus dem PC-Bereich eingesetzt habe und daß man bereits mit den Herstellern dieser Komponenten zusammenarbeite, um auch bei PowerBooks wieder die volle Funktionalität herzustellen - kurz darauf kündigten meine Gesprächspartner bei Apple und eröffneten eine eigene Firma.

Abgesehen von dieser Einschränkung war die Unterstützung mehrerer Bildschirme lange Zeit ein großer Vorteil des Macintosh und es käme Apple sicher zugute, wenn man die Benutzer in der Ausnutzung dieser Funktion unterstützen und sie ihnen erklären würde. Jahrelang war es nicht möglich, an einem PC mehrere Bildschirme zu benutzen. Nun bietet zumindest Matrox eine Grafikkarte an, die unter Windows NT die Nutzung mehrerer Bildschirme ermöglicht, und Windows 98 soll ebenfalls mehrere Monitore unterstützen. Wird Apple diese tolle, bereits bestehende Funktion ausweiten, oder wird es eine weitere Funktion, die Macs schon immer hatten und die erst bei PCs so richtig populär wird?

<http://www.matrox.com/>

Wie wir gehört haben, ist die Unterstützung mehrerer Bildschirme für Rhapsody ein "Muß", und es soll mit den richtigen Grafikkarten sogar auf Intel-Maschinen funktionieren. Rhapsody DR1 soll bereits mehrere Monitore unterstützen - wenn es das nicht tut, werde ich wahrscheinlich nicht zu Rhapsody wechseln. Speicherschutz, präemptives Multitasking und eine voll funktionierende Blue Box reichen nicht aus, um einen solchen Verlust auszugleichen.



Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Jeff Carlson [JLC], Adam C. Engst [ACE].

Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF],
Heike Kurtz <heike@heikekurtz.de> [HK].

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