TidBITS#427/27-Apr-98 - Deutsch

Wenn es um große Zahlen geht, greifen die meisten Mac-Benutzer auf Excel zurück. Lohnt sich das Upgrade auf die neueste Version von Microsofts Tabellenkalkulation? Matt Neuburg beantwortet in seinem Artikel diese Frage. Adam untersucht die Aspekte, die sich aus dem Quicken-Debakel ergeben und nennt ein anderes Programm für persönliche Finanzen, das weiter verfügbar ist. Neue Software-Versionen sind Eudora Pro 4.0.1, HyperCard 2.4, Dreamweaver 1.2, AutoShare 2.2 und Assimilator 2.0.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#427/27-Apr-98.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-427.html>

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Themen:

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MailBITS/27-Apr-98

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Eudora Pro 4.0.1 Updater ist da -- Qualcomm hat ein kostenloses Update für Eudora herausgebracht, das die Version 4.0.1 ergibt. Das Update bringt wenig Neues, es enthält aber zahlreiche kleinere Nachbesserungen, darunter stark erhöhte Leistung beim Suchen im Filters-Fenster, besseres HTML-Parsing, bessere Vervollständigung von Nicknames und die Fähigkeit, per MIME Kopien sowohl von formatiertem als auch unformatiertem Text in einer Message zu schicken. Ein weiteres Bonbon habe ich unlängst in Eudora 4.0 entdeckt: Um zu sehen, welche Filter auf eine angewählte Mitteilung angewendet worden sind, drücken Sie einfach die Shift-Taste und wählen Filters aus dem Windows-Menü an. Eudora reagiert darauf mit dem Öffnen des Filters-Fensters und markiert die benutzten Filter. Es findet sich zwar in Eudora 4.0.1 nichts Weltbewegendes, aber die enthaltenen Verbesserungen sind das Herunterladen von 2,3 MB wert. [ACE]

<http://eudora.qualcomm.com/pro_email/updaters.html>

Apple bringt HyperCard 2.4 -- Nach zwei Jahren Funkstille hat Apple eine in Details erneuerte Version von HyperCard, dem ehrwürdigen Autoren- und Skriptprogramm, fertig. HyperCard 2.4 fügt umfangreiche Unterstützung für QuickTime 3.0 hinzu (samt Scripting von QuickTime-Effekten und Playback in Echtzeit), unterstützt Szenerien von QuickTime VR und bietet die Skript-Verbindung zu URLs über Internet Config. In HyperCard 2.4 sind auch Fehler behoben und die Oberfläche ist verbessert (z.B. Pop-Up-Handler-Listen im Skript-Editor und schwebende Fenster, die unter Mac OS 8 korrekt dargestellt werden. Besitzer von HyperCard 2.3.5 können einen kostenlosen Updater herunterladen (im Umfang von 5,7 MB); die Vollversion kostet im Apple Store 99 Dollar. Die Version 2.4 kommt nicht an das mit Spannung erwartete HyperCard 3.0 heran (das völlig auf der QuickTime-Architektur aufbauen soll), aber das HayperCard Team wollte Ergebnisse liefern und langjährige HyperCard-Benutzer für ihre Geduld belohnen. [GD]

<http://www.apple.com/hypercard/>
<http://www.apple.com/store/>

Ein neues Virtual Desktop -- Nach der Erwähnung von Virtual Desktop in "Monitore - Abschirmung und Hintergründe" in TidBITS-426 weist uns Ross Brown <ab026@freenet.carleton.ca> von AWOL Software Productions darauf hin, daß für Mac OS 8.0 und 8.1 die Version Virtual Desktop 1.9.2 statt 1.9.1 nötig ist. Die neue Version, erschienen am 24. April 1998, liegt in Info-Mac bereit. [ACE]

<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-426>
<ftp://mirrors.aol.com/pub/info-mac/gui/virtual-desktop-192.hqx>

Dreamweaver 1.2 Update lieferbar -- Das neueste Update für Dreamweaver von Macromedia, ein Web-Gestaltungsprogramm zum Preis von 299 Dollar mit Features wie Cascading Style Sheets und animierten Buttons, bringt zusätzlich Funktionen zur Verwaltung von Web-Sites, eine Konvertierungsroutine, mit der browserspezifischer Code der Version 4.x kompatibel zu Browsern der Version 3.x gemacht wird, JavaScript-Neuheiten wie Erkennung des Browsers und Vorausladen von Bildern und direkte Bearbeitung am Bildschirm. Registrierte Benutzer können einen Updater herunterladen (5,4 MB) oder ihn auf CD-ROM um 19,99 Dollar bestellen; eine kostenlose Testversion für 30 Tage (6 MB) ist ebenfalls verfügbar. [JLC]

<http://www.macromedia.com/software/dreamweaver/>

CE gibt QuickConference ab -- CE Software hat angekündigt, daß die Prairie Group die Entwicklung und den Vertrieb von QuickConference IP, einer Messaging-Software, die aus CEs Quickmail hervorgegangen ist, übernehmen wird. Prairie Group plant die Auslieferung von QuickConference IP ab 1. Mai. Das Produkt gestattet es Benutzern von Mac OS, Windows NT und Windows 95, per TCP/IP in lokalen Netzwerken oder im Internet Mitteilungen auszutauschen. Don Brown von CE, ein bekannter Mac-Entwickler, ist nun bei Prairie Group leitend in der Entwicklung der Software tätig, die pro Lizenz für fünf Benutzer 119,95 Dollar kostet. [MHA]

<http://www.cesoft.com/company/pressreleases/qcip980421.html>
<http://www.prgrsoft.com/>

Erweiterung zu PageSpinner läßt Sites rotieren -- Die Fans des HTML-Editors PageSpinner sollten die neue Erweiterung Site Assistant 1.0 von Optima System beachten, eine Erweiterung zu PageSpinner, die Site-bezogene Aufgaben erleichtert. Zu den Features gehören schnelles Einfügen von Bildern, Hinaufladen mehrerer Seiten im Stapel mittels Anarchie oder Fetch und das Archivieren von Seiten. Site Assistant nimmt die Einstellungen für bis zu 20 Sites wahr und stellt die jeweils aktive Site in Listenform (ähnlich den Listen des Finders) dar. Site Assistant bietet auch ansatzweise eine Stapel-Suche in mehreren Dateien. Die Erweiterung ist sicher für kleinere Sites sehr gut geeignet, ist aber nicht schnell genug für umfangreiche Sites und kann in mancherlei Hinsicht die Ansprüche eines Power-Users nicht erfüllen; besonders die Suchen-und-Ersetzen-Funktion läßt grundlegende Optionen wie die Suche nach ganzen Worten oder das selektive Ändern vermissen. Site Assistant ist für registrierte Benutzer des 25 Dollar teuren PageSpinner kostenlos. Mehr zu PageSpinner lesen Sie unter "Netze knüpfen, Teil 1: PageSpinner und Rivalen" in TidBITS-384. [TJE]

<http://www.algonet.se/~optima/pagespinner.html>
<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-384>

AutoShare in Version 2.2 -- Mikael Hansen hat AutoShare 2.2 fertiggestellt, einen Mailing-List-Manager und Autoresponder (Freeware). Version 2.2 ist mit dem eben erschienenen Eudora Internet Mail Server 2.1 kompatibel und hat Verbesserungen am AppleScript-Verzeichnis sowie Prozeß-Erweiterungen erhalten. Besonders interessant: AutoShare 2.2 kommt mit unzustellbarer Mail (hard und soft bounces) zurecht. Die Download-Datei ist 1,8 MB groß. [ACE]

<http://www.dnai.com/~meh/autoshare/>
<http://eudora.qualcomm.com/eims/updaters.html>

Widerstand ist zwecklos... Sie werden assimiliert -- Stairways Software hat das Shareware-Programm Assimilator 2.0 publiziert, das die Administration von Gruppen von Macs erleichtert, wie in Schulen, Testlabors und Firmen, die Macs an ihren Kundenkreis vermieten. Assimilator stellt sicher, daß die Festplatten einer großen Zahl von Macs nahezu identische Dateien enthalten (abgesehen von Preferences-Dateien, die sich unter Umständen unterscheiden müssen), die alle von einem AppleShare-Server im lokalen Netz herunterkopiert werden. Die Version 2.0 unterstützt mehrere Partitionen, AppleShare IP über TCP/IP und die Anpassung der Konfiguration nach Informationen, die aus der Mailing-Liste MacLabManager stammen. Eine kurze Besprechung von Assimilator finden Sie unter "InterviewBITS with Peter Lewis", beginnend in TidBITS-304. Assimilator 2.0 kostet für private Nutzer 10 Dollar, eine Standort-Lizenz 500 Dollar und Lizenzen für mehrere Standorte 2000 Dollar. Upgrades sind für alle, die nach dem 1. Januar 1998 registriert haben, kostenlos; ansonsten kosten sie 5 Dollar je Maschine. [ACE]

<http://www.stairways.com/assimilator/>
<http://www.stairways.com/mailinglists/maclabmanager.html>
<http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-304>


Konkurrenz bei den Finanzen?

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Die Meldung letzte Woche, daß Intuit die Entwicklung von Quicken for Macintosh wegen abnehmender Verkäufe einstelle, hat eine Flut von negativen Reaktionen hervorgerufen (siehe "Intuit läßt Quicken für den Mac fallen" in TidBITS-426). Bemerkungen von Steve Jobs auf Apples Aktionärsversammlung letzte Woche deuten an, daß Intuit es sich noch überlegen könnte, aber es bleibt offen, wie die Situation enden wird.

<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-426>

Wer ist schuld? -- Die Diskussion auf der neuen Liste TidBITS Talk zeigt, daß die Schuld nicht allein Intuit, sondern auch Apple zugewiesen wird. Zahlreiche Leser finden, daß Intuit es versäumt habe, überzeugende Neuerungen zu bringen; sie meinen, daß die neuen Funktionen belanglos seien und Features der Windows-Version nie zu den Mac-Benutzern gelangt sind. Andere wieder meinen, daß schon frühe Versionen von Quicken alles enthielten, was sie brauchten; es sei also für Upgrades kein Anlaß gegeben gewesen.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=04834>

Anfänglich habe ich die Behauptung nicht geglaubt, die Schuld für die Vorgangsweise von Intuit läge teilweise bei Apple. Aber ein Teil der starken Marktposition von Intuit ist auf Apple zurückzuführen; vielen Performa-Modellen war Quicken beigepackt und auch Claris hat schon ab 1992 aus ClarisWorks und Quicken ein Paket geschnürt. Ausgehend von Quickens Marktdominanz hat das Bündeln der Software mit anderen Produkten die Zahl neuer Kunden und solcher, die Upgrades für ältere Versionen kaufen, ausgehöhlt - aus diesen Gründen hatte jede neue Version einen kleineren potentiellen Käuferkreis als die vorhergehende.

<http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-153>

Der Chef von Aatrix Software (Hersteller des Quicken-Konkurrenzprodukts CheckWriter Pro), Steve Lunseth, merkt an, daß die Vermarktung von Quicken im Paket durch Apple andere persönliche Finanzprogramme zum Verschwinden gebracht hat - es ist nicht leicht, gegen Software zu konkurrieren, die jedem Performa kostenlos beigepackt ist. Kurz gesagt: Wenn der Verlust von Quicken for the Mac ein Problem für Apple darstellt, muß Apple einen Teil der Schuld daran auf sich nehmen.

<http://www.aatrix.com/>

Alternativen -- Hauptsächlich wegen der Auslieferung von Performas samt Quicken durch Apple hat Aatrix aufgehört, CheckWriter Pro zu verkaufen; auch MECA Software hat Managing Your Money eingemottet. Daher ist MacMoney von der passend benannten Firma Survivor Software [survivor "der Überlebende", --WJF] das einzige verbleibende Programm dieser Kategorie. Mike Farmer, Chef von Survivor Software, sagt dazu: "Wir haben vielleicht nicht das Geld, große Anzeigen zu schalten, aber wir haben unser Produkt betreut und all die Jahre Verbesserungen vorgenommen." Mike betont auch, daß MacMoney QIF-Dateien liest, sodaß Benutzer von Quicken die meisten ihrer Daten weiterverwenden können, wenn sie zu MacMoney wechseln.

<http://www.survivor.com/>

Ich habe Steve Lunseth gefragt, ob er sich vorstellen kann, angesichts der Situation bei Intuit und Quicken nun CheckWriter Pro zu neuem Leben zu erwecken. Er sagte mir sofort, daß CheckWriter Pro unter Mac OS 8 sehr gut funktioniert und nannte eine beeindruckende Liste von Funktionen. Er legte eine kurze Pause ein und sagte dann, falls Intuit Quicken 98 for the Macintosh im gegenwärtigen Zustand belasse und Apple andere Entwickler unterstütze und Wettbewerb fördere, werde er CheckWriter Pro wieder auf den Markt geben.

Von MECA Software habe ich zwar per E-Mail nur die Auskunft erhalten, Managing Your Money werde nicht mehr auf dem Markt angeboten, es würde mich aber nicht überraschen, wenn auch dieses Produkt wieder auftauchte, einen hinreichenden Anreiz vorausgesetzt.

Es liegt bei Apple -- Wir sehen nun also, wie sich einige Dinge zu einem Bild zusammenzufügen beginnen - und dabei handelt es sich keineswegs um ein rosiges. In Henry Norrs Bericht über die diesjährige Aktionärsversammlung von Apple wird Steve Jobs zitiert, Apple solle den großen Teil der Schuld, "Intuit nicht unter Druck gesetzt" zu haben, auf sich nehmen. Aber Apples Versäumnis, Intuit nicht genug hofiert zu haben, ist - wie wir oben gesehen haben - nur ein Teil der Wahrheit.

<http://www.macintouch.com/applemtg98.html>

Steve Lunseth sagte, er werde CheckWriter Pro reaktivieren, falls Apple andere Entwickler unterstütze. Wie Geoff Duncan unter "Apples neue Entwickler-Programme und QuickTime-Lizenzierung" in TidBITS-425 schreibt, scheint Apple derzeit leider an den kleineren Entwicklern nicht interessiert zu sein. In seinem Bericht über die Jahresversammlung von Apple betont Henry, Steve Jobs habe die neuen Entwickler-Programme verteidigt und gefordert, Apple müsse viel mehr Ressourcen auf die hundert wichtigsten Mac-Entwickler konzentrieren.

<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-425>

Es ist richtig, daß Apple die hundert größten Entwickler zum Überleben und Gedeihen braucht, ich fürchte aber, daß dies ein weiterer Fall ist, wo Apple wichtige Einflüsse in der Coputerindustrie ignoriert. Kleinere Entwickler stellen oft das kreative Potential an Personen dar, das dann von den großen Firmen übernommen wird; kleinere Entwickler sind oft auch eine Quelle neuer Ideen, besonders in neuen Marktsegmenten.

Diese Einflußlinien können wichtig sein - kurzfristige finanzielle Vorteile können langfristig in schwere Nachteile umschlagen. Beispiel HyperCard: Es war jahrelang kostenlos und hat in dieser Zeit tausenden Einzelpersonen ermöglicht, kleine nützliche Lösungen für individuelle Probleme zu erstellen. Die Tatsache, daß diese Lösungen HyperCard erforderten (und das wiederum einen Macintosh voraussetzte), war die Garantie dafür, daß der Mac seine Stellung in manchen Organisationen behaupten konnte, solange eine HyperCard-Lösung unverzichtbar war. Mit dem Versuch, HyperCard zu einem kommerziellen Multimedia-Programm umzumodeln, hat Apple tausende kleine Entwickler aus dem Geschäft geworfen, die damit keine Möglichkeit mehr hatten, Software zu schreiben, die dem Mac neue Türen öffnete.

Ich weiß nicht mehr als sonst jemand über die Pläne von Apple und Intuit zum Thema Mac-Entwicklung in der Zukunft; ich hoffe aber sehr, daß diese beiden nicht weiterhin andere Entwickler aussperren. Wir alle wären in diesem Fall schlechter dran.


Das Leben der Zellen: Excel 98

von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter J. Ferstl]

Microsoft Excel eine Tabellenkalkulation zu nennen ist wie den Grand Canyon einen Abfluß zu nennen. Wie der Grand Canyon ist auch Excel riesig; es scheint ein rauher und abweisender Ort zu sein, aber in Wirklichkeit ist es voll Kraft und Schönheit - vieles davon verborgen - und nur mit einem gewissen Ausmaß an Anstrengung zugänglich. Daher ist es keine schlechte Sache, daß viele der Verbesserungen, die Excel 98 gegenüber Excel 5 erfahren hat, mit der Benutzeroberfläche zu tun haben.

<http://www.microsoft.com/macoffice/>

Fundamentale Änderungen waren nicht zu erwarten; Excel ist ein ausgereiftes, glattes und hoch funktionales Programm. Die große Revolution hat übrigens vor vier Jahren mit Excel 5 stattgefunden. Bis dorthin mußten die Daten für eine Zelle in der Formelzeile statt in der Zelle selbst eingegeben werden (was ausreichend war, um manch einen Anfänger zu verwirren und abzuschrecken), Zeichenformatierung konnte auf den Text in einer Zelle nicht angewendet werden, die Workbooks waren undurchschaubar und instabil, benannte Bereiche waren schwierig zu benutzen und die Makrosprache war eine Ansammlung von unlesbaren Beschwörungsformeln, die in die Zellen eines Arbeitsblatts gezwängt wurden und von Fehlern nur um den Preis von zehn Prozent des Körpergewichts des Benutzers zu befreien waren.

Meine Zahlen knirschen immer noch -- Um Excel 98 zu testen, berechnete ich meine Steuern für 1997 damit. In hohem Maße bedeutete das, Tabellen zu bauen, deren Struktur diejenige meiner Steuerformulare widerspiegelte. Dann gab ich alle meine Zahlen ein (verschiedene Arten von Einnahmen und Ausgaben); dann Berechnungen wie Summen, Differenzen und Prozentsätze sowie automatisches Kopieren von Zahlen von einer Zelle in eine andere. Formulare wie Schedule D, in dem man verschiedene Anteile der Steuer mit verschiedenen Sätzen rechnen muß, sind händisch sehr mühsam auszufüllen; dank Excel füllten sie sich wie von Zauberhand selbst aus, beinahe ohne menschliches Eingreifen.

Meine Steuerformulare benutzten Excel als Tabellenkalkulation; aber im Laufe des Jahres habe ich Excel auch als eine Art Datenbank benutzt und jeden Posten an Einnahmen und Ausgaben eingetragen, sobald er auftauchte. Nun konnte ich diese Datenbasis sortieren und filtern, um bestimmte Informationen zu erhalten, z.B. geschäftliche Telefonate. Das besonders Nützliche war, in Excel eine "stürzbare Tabelle" einzurichten, um die Daten horizontal in Summen nach Kategorien zusammenzufassen (Zinsen, Dividenden, Büroausgaben, Reisekosten etc.) und vertikal nach Kalenderquartal, mit Endsummen in beiden Richtungen. Das lieferte mir die Zahlen, die ich in die Steuerformular-Tabellen eingeben konnte.

Um die Diagramme ["charts", --WJF] auszuprobieren, benutzte ich Excel, um mein Portefeuille an Aktien zu überwachen. Ich verwendete Yahoos benutzerspezifisches Portfolio-Feature, sodaß ich jeden Tag eine Web-Seite sehen konnte, auf der der Wert meiner Aktien dargestellt war. Excel kann neuerdings auch HTML lesen; es war also möglich, diese Web-Seite zu importieren und eine Routine in Visual Basic fügte sofort das aktuelle Datum und die neue Zahlen einem Bereich von Zahlen hinzu, der dann als Diagramm dargestellt wurde. (Später habe ich entdeckt, daß ich den Vorgang noch weiter automatisieren hätte können, indem ich weder Yahoo noch meinen Browser bemüht hätte, sondern die Aktienkurse direkt aus dem Internet mittels einer Web-Suche ["web query", --WJF] von Excel selbst importiert hätte.)

<http://quote.yahoo.com/>

Während all dieser Experimente hatte ich den Eindruck, daß Excel 98 wirklich angenehmer zu benutzen ist. Wenn Sie an Excel 5 gewöhnt sind, können Sie unmittelbar mit Excel 98 zu arbeiten beginnen; zuerst kommt es Ihnen vor, Sie seien im selben Programm. Wenn Sie ein neuer Benutzer sind, ist Excel 98 leicht zu erlernen. Gelegentlicher Benutzer oder erfahrener Guru, Sie entdecken rasch subtile Verbesserungen, die die Barrieren zwischen Ihnen und der Arbeit, die Sie tun wollen, niederreißen.

Furcht und Daumendrehen -- Ich habe eine paradoxe Theorie: Ein großes Programm wie Excel kann den Benutzer davon abhalten, seine Möglichkeiten zu erkunden. Der Grund dafür, nehme ich an, ist Furcht. Wenn ich mir nicht sicher bin, was passiert, wenn ich etwas mache, werde ich wahrscheinlich davor zurückschrecken, es zu tun. Das wiederum macht mich faul; es gibt Features, die ich meide, weil mein Gefühl der Sicherheit, wenn ich sie nicht benutze, die möglichen Vorteile ihres Einsatzes bei weitem aufwiegt.

Excel ist für dieses Szenario ein besonders geeigneter Kandidat. Zum einen sind seine Daten wichtige Zahlen; ein kleiner Fehler und Sie kommen in Teufels Küche. Vieles von dem, was Excel macht, bleibt auch dem Benutzer verborgen. Was er ständig vor Augen hat, das Arbeitsblatt, ist nicht das wahre Ding, um das es geht - das wahre Ding ist die Sammlung der Formeln und die Art und Weise, wie diese auf die Zellen einwirken. Formeln werden mit einem gewissen Ausmaß an Anstrengung eingerichtet und wenn sie dann einmal stehen, neigt man dazu, jedes Risiko ihrer ungewollten Veränderung zu scheuen. Soll ich versuchen, diese Formel da auszufeilen, oder sie doch besser in Ruhe lassen? Wenn ich diese paar Zellen hier verschiebe, vernichte ich dann irgendwelche Daten oder schieße ich einige funktionierende Formeln in den Limbo?

Das ist der Grund, warum die Verbesserungen der Oberfläche bei Excel 98 so wichtig sind. Sie verringern diese Furcht und flößen damit dem Benutzer Vertrauen und sogar Mut ein und machen ihn letzten Endes produktiver.

Wenn Sie etwa ausgewählte Zellen anderswo hinziehen, um sie zu kopieren oder zu verschieben, erscheint neben dem Cursor eine ScreenTip-Box, die Ihnen den Bereich nennt, den die Zellen einnehmen würden, falls Sie in dem Moment den Cursor loslassen sollten. Wenn Sie die Ecke einer Auswahl zum automatischen Einfüllen ziehen, teilt Ihnen eine ScreenTip-Box mit, was Excel einsetzt. In beiden Fällen können Sie, wenn Sie nicht wissen, was Ihre Aktion ergibt, beim Ziehen die Control-Taste drücken; Sie sehen dann ein Kontext-Menü, wenn Sie die Maus auslassen; das hat es schon in Excel 5.0 gegeben, aber ich finde es in der neuen Version einfacher zu benutzen. Falls Sie aber immer noch nervös sein sollten - Excel erlaubt jetzt die Rücknahme von Befehlen in 16 Schritten.

Um sich selbst (und andere) davon abzuhalten, die falsche Art Daten einzugeben, können Sie eine Zelle zur Datenüberprüfung markieren; wenn Daten eingegeben werden, die bestimmte Kriterien nicht erfüllen, wird eine Warnmeldung gezeigt. Unter "Überprüfung" stehen noch andere Funktionen zur Verfügung. Ein Klick in eine Zelle kann einen situationsspezifischen ScreenTip hervorrufen, der etwa den Zweck einer Zelle erklärt. Eine Zelle kann auch eine aufklappbare Liste mit vorgegebenen Werten aufweisen, aus denen der Benutzer auswählt.

Eine weitere Befürchtung von Excel-Benutzern - Formeln könnten nicht richtig funktionieren. Nun ist es einfacher, das sicherzustellen. Bei einem Doppelklick auf eine Zelle werden die anderen Zellen, die in der Formel angesprochen werden, mit verschiedenen Farben markiert. Um zu prüfen, ob Sie die richtigen Werte zueinander in Beziehung setzen, ist diese Methode bequemer als die Prüfwerkzeuge von Excel. Sie können auch einen Rahmen bewegen oder in der Größe verändern, um den Bezug innerhalb der Formel zu ändern.

Eine komplexe Formel zu erstellen oder zu korrigieren war stets ein gewagtes Vorhaben; jetzt ist es simpel und macht sogar Spaß. Während Sie an der Formel arbeiten, zeigt der verbesserte Function Wizard, welche Werte in jede Funktion eingehen und welches Ergebnis diese Funktion liefert. Sie können also sofort sehen, welche der Funktionen in Ihrer Formel den falschen Ausgabewert liefert und warum. Falls Sie einen Fehler beim Eingeben einer Formel machen (z.B. eine Klammer weglassen), beschwert sich Excel nicht mehr bloß, sondern schlägt eine sinnvolle Korrektur vor.

Charts und andere gute Ideen -- Mit Diagrammen zu arbeiten ist bedeutend einfacher geworden. Der Chart Wizard zeigt bei jedem Schritt, wie das fertige Diagramm unter Benutzung Ihrer Daten aussehen wird. Ein gewähltes Diagramm (das nicht mehr per Doppelklick ausgewählt wird) kann leicht mittels des Chart-Menüs modifiziert werden, das nun auftaucht. ScreenTips zeigen Ihnen, welcher Wert und welches Element des Diagramms sich unter dem Cursor befindet, was die Analyse und die Bearbeitung unterstützt.

An einem Punkt im Chart Wizard erhalten Sie eine Dialogbox mit einem Eingabefeld, in dem ein Bereich von Zellen eingetragen wird, wie so oft in Excel. Der einfachste Weg, das zu tun, ist den gewünschten Bereich auszuwählen (was in Excel immer möglich war); das Problem ist die Dialogbox, die dabei im Weg ist. Wenn diese Situation nun auftritt (nicht nur im Chart Wizard, sondern überall), reduziert ein "Schrumpf"-Button den Dialog auf das bloße Eingabefeld, Sie wählen Ihren Bereich, drücken die Taste noch einmal und kehren zum früheren Zustand des Dialogs zurück. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine kleine Änderung an der Oberfläche einen großen Unterschied machen kann.

Beim Formatieren gibt es einige kleine Verbesserungen, wie das Zusammenlegen von Zellen, rotierten Text, Texteinzug in einer Zelle und einfache Anpassung der Druckbereiche. Die stürzbaren Tabellen sind einfacher zu formatieren und zu ändern. Gruppenarbeit wird durch gemeinsames Benutzen von Workbooks erleichtert (mehrere Benutzer können gleichzeitig dieselbe Datei über das Netz öffnen und bearbeiten) sowie durch eine Versionskontrolle ähnlich der von Word. Wichtige Limits liegen nun höher: Eine Tabelle kann nun 64.000 Zeilen haben (ich kenne wirklich ein paar Leute, die an diese Grenze stoßen!); eine Zelle kann bis zu 32.000 Zeichen enthalten.

Eine Party im Office -- Excel hat auch von der Integration in die Office Suite einige Features mitbekommen. Ich habe dies in meinem Artikel über Word 98 erwähnt (siehe unter "Word 98 - wirklich schlau" in TidBITS-425). Da ist Max, der animierte Office-Assistent. Da ist die erweiterte Sammlung an Zeichenwerkzeugen. Da sind Hyperlinks und die Fähigkeit, HTML zu lesen und zu schreiben (Sie können allerdings nicht, wie in der Windows-Version, Dateien über das Internet sichern, indem Sie sie via FTP hinaufladen). Zuletzt weise ich noch auf die Tatsache hin, daß die Umgebung zur Fehlersuche in Visual Basic lange nicht mehr so gut ist wie in Excel 5 (man kann jetzt keine "Uhr" mehr stellen).

<http://www.carrier.co.at/res/mac/tidbits/TidBITS-425>

Es ist kurios, daß nach all diesen Jahren der Integrationsversuche Excel und Word einander so unähnlich geblieben sind. Die Menüs von Word waren immer modifizierbar, aber dies ist die erste Version von Excel, in der Sie sich Menüs herrichten können. Die Tastaturkürzel sind ganz anders als die in Word und können auch nicht wie in Word benutzerspezifisch belegt werden. Die interne Funktionalität von Excel ist nicht, wie in Word, völlig als Makrobefehle offengelegt. Word kann in einem ToolTip die Tastaturkürzel für ein Objekt im Werkzeugbalken zeigen - Excel kann das nicht. Einige benutzerdefinierbare Optionen gelten nur für Excel, andere betreffen alle Office-Programme und Sie wissen nie, ob eine Option zur einen oder anderen Kategorie gehört, ehe Sie es nicht ausprobiert haben. Excel verfügt über Zeichenobjekte, die in Word fehlen, die "smart connectors" (Pfeile, die Formen auch dann noch verbinden, wenn diese anders positioniert werden). Vorlagen sind in sehr unterschiedlicher Weise eingerichtet. Es ist Zeit, daß Microsoft eine Große Vereinheitlichung ins Werk setzt.

Die große Endsumme -- Meine Erfahrung mit Excel 98war überwiegend positiv. Ich bin manchmal auf fehlerhaftes Verhalten gestoßen, das auf Konflikte im Bereich der Erweiterungen schließen läßt: In gewissen Situationen funktionierten hierarchische Menüs nicht, manchmal funktionierten Menüs gar nicht, die Software hängte sich auf, wenn ich in Visual Basic arbeitete (besonders, wenn ich einen neuen Dialog anlegen wollte). Als ich ein Excel-5-Dokument öffnete und es im Format von Excel 98 abspeichern wollte, war das nicht möglich. Ich glaube die meisten dieser Probleme gelöst zu haben, aber ich erlebe gelegentlich immer noch unerklärliche Abstürze. Excel scheint mir aber nicht weniger stabil zu sein als Excel 5, das mich regelmäßig in den Debugger MacsBug gezwungen hat.

Von diesen wenigen Problemen abgesehen gebührt Microsoft Anerkennung für die vielen Punkte, in denen Excel nicht nur einfacher zu benutzen, sondern auch weniger nervenaufreibend geworden ist. Damit will ich nicht behaupten, daß alle Arbeit getan sei; in Excel gibt es immer noch viele Bereiche, wo die Bedienung undurchsichtiger ist als notwendig. Aber das bisher Erreichte stellt schon etwas dar; da der Funktionsumfang des Programms wenig zu wünschen übrig läßt, ist zu hoffen, daß Microsoft auf diesem Weg weitergeht - den Zugang der Benutzer zu den Fähigkeiten von Excel zu vereinfachen.

Zu guter Letzt das Fazit: Sollen Sie auf die neue Version umsteigen? Wenn Ihre Arbeit Sie nicht laufend mit den Oberflächenmängeln von Excel 5 konfrontiert (oder wenn Sie ein derartiger Experte sind, daß diese Mängel Sie nicht berühren), werden Sie das Upgrade seinen Preis nicht wert finden. Wenn die Idee, in einem Diagramm die Skala der x-Achse zu ändern, Sie hingegen wie mich zum Erzittern bringt oder wenn Sie jemals Stunden damit zugebracht haben herauszufinden, warum eine bestimmte Formel einen bizarren Wert liefert, werden Sie Excel 98 wahrscheinlich haben wollen; wenn Sie die neuen grafischen, Druck-, Gruppenarbeits- und Web-Fähigkeiten brauchen, dann ist das Upgrade beinahe ein Muß.

Upgrades kosten 299 Dollar für das gesamte Microsoft Office 98 und 149 Dollar für Excel allein. Neulinge zahlen 499 für Office 98 und 399 für Excel 98. Dabei handelt es sich um Listenpreise - die Marktpreise liegen darunter. Cyberian Outpost verkauft Office 98 um 447,95 Dollar, Small Dog Electronics bietet um 339 Dollar ein Paket aus Office 4.2.1 und dem Upgrade auf Office 98 an. Für akademische Kunden kostet Office 98 199 und Excel 149 Dollar. Die Gold Edition von Office 98 (mit FrontPage 1.0, Encarta 98 Deluxe und Bookshelf 98 dazu) ist 100 Dollar teurer. Apple gibt zwischen 15. März und 30. Juni 1998 einen Rabatt von 30 Dollar beim Kauf von Mac OS 8.1 zusammen mit Office 98.

<http://www.microsoft.com/macoffice/productinfo/macprice.htm>
<http://www.apple.com/promo/>



Ständige Autoren der TidBITS in dieser Ausgabe:
Mark Anbinder [MHA], Jeff Carlson [JLC], Geoff Duncan [GD], Adam C. Engst [ACE], Tonya Engst [TJE].

Übertragung dieser Ausgabe:
Walter J. Ferstl [WJF].

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