
Zeugenaussagen auf Video, Anschuldigungen gegen Manager und juristisches Hickhack: Geht es schon wieder um Bill Clinton? Nein, diesmal stehen Bill Gates und Microsoft unter Anklage - vor Gericht und in den Medien. Matt Deatherage wirft in dieser Ausgabe einen Blick auf das laufende "Antitrust" Verfahren der US-Kartellbehörde und legt dar, warum der Prozeß für Mac-Nutzer interessant ist. Außerdem stellen wir das MP3-Format vor, mit dem man Musik in CD-Qualität im Internet hören kann und berichten über Updates von Photoshop 5 und Font Reserve 2
Autorisierte Übertragung der TidBITS#455/16-Nov-98.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-455.html>
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Copyright ab 7/98 der deutschen Version: Heike Kurtz Übersetzungsdienst.
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[Übersetzung: Hage Pfeiffer]
Font Reserve 2.0 weiter verbessert. DiamondSoft hat das ohnehin schon mit vielen Funktionen ausgestattete Programm für die Schriftenverwaltung (ordnen, betrachten und aktivieren) nochmals verbessert (siehe auch "The Final Font Frontier" in TidBITS Ausgabe 400). Die Datenbank-Struktur wurde vereinfacht, sie ist nun in einem "normalen Ordner" untergebracht, der sich leicht kopieren und zu Backup-Zwecken sichern läßt. Auch kann mehr als ein Ordner angelegt werden. Die Schriften können jetzt nach Koffern (Suitcases) sortiert und aktiviert werden. Viele Programme ermöglichen eine automatische Aktivierung von Schriften, die für ein Dokument benötigt werden. Die Benutzer können ein Schriftenmusterbuch und Berichte drucken. Das Sharing von Sets wird erleichtert und Schriften können temporär als Alias zugefügt werden (gut für einmalige Jobs mit speziellen Schriften). Alle Funktionen sind per AppleScript automatisierbar, obwohl wir das noch nicht probiert haben. GX-Fonts werden ebenfalls unterstützt. Kosmetische Kompatibilitätsprobleme (mit MacOS 8.5 und Kaleidoscope) gehören der Vergangenheit an. Das neue Handbuch (im PDF-Format) ist ausgezeichnet. Font Reserve 2.0 kostet 100 $. Registrierte Anwender können ein 5,4 MB großes Update kostenlos herunterladen. OEM-Anwender können DiamantSoft bzgl. eines Upgrades (70 $) kontaktieren. [MAN].
http://www.fontreserve.com/
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-400.html
Photoshop-Update mit Verbesserung von Typo und Farbe -- Adobe hat vor kurzem das Photoshop Release 5.02 zum Download bereitgestellt. Die Hauptverbesserungen liegen in der Bild-Editierung, der Typo (Textwerkzeug) und dem Farbmanagement. Die Auto-Kerning-Funktion des Schriftenwerkzeugs verwendet jetzt die korrekten Kerningwerte und ein neuer Antialiasing-Algorithmus sorgt dafür, daß kleine Punktgrößen der Schrift besser lesbar werden (bzgl. Typo und Antialiasing siehe auch "Better Typography Coming to a Screen Near You" in Titbits Ausgabe 403). Die neue Version 5.02 bietet nun auch einen "Color-Management-Wizard" zur Konfiguration der Farbwerteinstellungen. Bei den neuen Einstellungen werden "untagged" RGB-Dateien beim Öffnen nicht in den sRGB-Farbraum konvertiert (bei Adobe gibt es eine technische Richtlinie zu Photoshops neuer Color-Engine, die sich signifikant von vorhergehenden Versionen unterscheidet). Das kostenlose Update steht auf der Adobe-Webseite zur Verfügung und ist 3,9 MB groß [lt. Adobe ist diese nur für die englische Version von Photoshop verwendbar, eine deutsche Version soll in Kürze folgen--HP][JLC]
http://www.adobe.com/prodindex/photoshop/updat502.html
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-403.html
http://www.adobe.com/supportservice/custsupport/TECHGUIDE/PSHOP/CMS1/cms_ps5.html
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von Kevin Savetz savetz@northcoast.com
[Übersetzung: Hartmut Greiser]
Mein erster Vorstoß in die Welt der MP3-Musik fand nicht online
statt, sondern beim Fernsehen. An dem Abend wurde zum hundertsten
Mal eine bestimmte Autowerbung gezeigt, in der ein mitreißenden
kleiner Song zu hören war, der auf der Melodie "88 Lines about
44 Women" beruhte. Ich wollte den Song komplett hören und war
überzeugt, daß mir das Internet dabei helfen würde.
Meine musikalischen Gelüste wären auch auch eine Chance, mich mit MP 3 zu beschäftigen, dem qualitativ hochstehenden Audioformat, das in bestimmten Internetkreisen sehr populär geworden ist. Die Suche bei DejaNews ergab, daß es sich bei der Melodie um ein Stück der New Wave Band "The Nails" handelte. Diese Information war leicht zu finden. Die Suche nach dem Song selbst gestaltete sich dagegen ziemlich schwierig, unter anderem mußte man frustrierende Vorstöße in die Welt der Piraten-Web-Sites unternehmen, wo man MP3 Files angeblich gratis - wenn auch illegal - bekommen kann. Schließlich habe ich den Song - legal - auf der offiziellen Nails-Homepage gefunden. Mein Appetit auf New Wave Musik der 80er war damit gestillt, nebenbei hatte ich aber jede Menge über MP 3 gelernt.
http://www.dejanews.com/
http://ourworld.compuserve.com/homepages/dakaufman/nails.html
Fangen wir vorn an -- MP 3 steht für "MPEG 1 layer 3": das ist ein Format für die Speicherung von Audiodaten, die man dann fast in CD-Qualität abspielen kann. Musik hört sich damit wirklich gut an. Für mich - und meine untrainierten Ohren - klingen korrekt kodierte MP3 Files so, als kämen sie von einer CD. Für das Abspielen von MP 3 Titeln benötigt man auf seinem Computer nur eine Software(mindestens ein Power-Mac, Anforderungen variieren je nach gewählter Soaftware). Die Titel können Sie sich entweder aus dem Netz laden oder Sie produzieren sie mit eigenen CD's.
Außer der nackten Rechenleistung brauchen MP3 Files Bandbreite und Speicherplatz. Pro Hörminute belegen MP3 Files etwa 1 MB: ein durchschnittlicher Popsong kommt damit auf 3-4 MB. Arlo Guthrie's langatmiges "Alice's Restaurant" wäre nicht unter 20MB zu haben. Im Vergleich zu anderen qualitativ hochstehenden Sound-Formaten sind MP3 Files sind aber immer noch "leichter" - sie brauchen z.B. nur 10% des Platzes, den ein AIFF-File belegt. (Ähnlich wie JPEG bei Grafiken unterdrückt MPEG Informationen während des Komprimierens von Soundfiles. Das geschieht in einem Maße, daß die meisten Leute diesen Verlust niemals merken würden). MP 3 Dateien sollten Sie nur über eine schnelle Verbindung oder aber mit jeder Menge Geduld laden. Denken Sie an ausreichend Speicherplatz, wenn Sie die Files selbst kodieren.
Im MPEG Archiv gibt es weitere Informationen über MP 3 und verwandte Datenformate. Dort finden Sie auch sehr leicht verständliche Antworten auf häufig gestellt Fragen technischer Art, Player-Dowmloads für viele andere Plattformen und weitere Informationen.
Die Abspielsoftware -- Zum Hören Ihrer Lieblings-MP3-Songs brauchen Sie einen MP3 Player. Für Windows-Nutzer gibt es eine reiche Auswahl an MP3-Player-Software, das Angebot für Mac-Nutzer (inkl. der populären MacAmp und SoundApp) ist nicht so groß. Die Bedienoberfläche von MacAmp erinnert mit seinem Tracktimer und den blinkenden Equalizerlichtern an die Bedieneinheit eines kompakten CD-Players. Es gibt sogar eine Abspielliste: Sie können die MP3-Files auf die Liste ziehen und verschieben und so die Abspielreihenfolge verändern.
SoundApp bietet ein einfacheres Interface. Man kann zwar - außer MP3 - eine ganze Reihe anderer Sounds abspielen, aber SoundApp bietet nur eine eingeschränkte Abspielliste. Im MP3.com archive für Mac-Software gibt es eine Liste mit anderer Abspielsoftware für den Macintosh.
http://www.macamp.com/
http://www-cs-students.stanford.edu/~franke/SoundApp/
http://www.mp3.com/software/mac/players.html
MP3 - Download -- Im Internet gibt es zwei unterschiedliche Arten von MP 3 Files - legale und illegale. Legale MP3-Files werden von ihren Schöpfern zur Freude des Nutzers zur Verfügung gestellt: die Copyright-Besitzer möchten diese Dateien mit dem Rest der Welt teilen. Diese MP3-Files sind leicht zu finden und niemand läuft Gefahr, durch das Anhören derselben eine unangenehme Menge schlechten Karmas anzuhäufen.
MP3.com-Berichten zufolge gab es im September mehr als 2 Millionen Downloads von dieser Site. Nach den Schätzungen der International Federation of Phonographic Industries werden jeden Monat bis zu 90 Millionen MP3-Dateien geladen - vermutlich betrifft das nur die legalen Kopien.
Und was sind die schlechten Nachrichten? Die wichtigsten Vetreter der Tonträgerbranche lassen MP3 noch links liegen, legale Mitschnitte bekannter Bands sind also ziemlich selten. Viele in diesem Geschäft sehen MP3 sogar als größere Bedrohung. Es ist eben sehr leicht, einwandfreie MP3 Dateien von CD's zu ziehen und sie gratis im Netz zur Verfügung zu stellen. Die Musikindustrie kann eine Menge Geld an Hobbypiraten verlieren, die lieber Songs eintauschen, als sich eine CD zu kaufen. Ihre Lieblingsgruppe unter der Top 40 hat damit sicher erst einmal keine Chance für einen Sprung auf den erfolgversprechenden MP3-Zug.
Trotzdem gibt einige bekannte Künstler und Plattenfirmen, die mit MP3 herumspielen. Dazu gehören die Beastie Boys, Dionne Warwick und Taylor Dayne. Einige von ihnen stellen ausgewählte Titel gratis zur Verfügung, um den Verkauf ihrer CD anzukurbeln, während andere einen Schritt weiter gehen und ihre MP3-Musik direkt über das Internet verkauft.
Die meisten Titel auf legalen MP3 Websites stammt von Bands, die kaum einer kennt. Die Musikrichtungen decken alles zwischen Blues und Techno ab. Daß man kaum je von diesen Band gehört hat, muß nicht unbedingt auf minderer Qualität beruhen - ich habe schon wirklich gute Musik gefunden. Auf der anderen Seite gibt es natürlich einen Grund dafür, daß andere Bands in dunklen Nischen hausen: sie sind lausig.
MP3.com und das Internet Underground Music Archive sind zwei Sites mit einer Riesenauswahl an legalen Gratis-MP3-Titeln. In beiden kann man bestimmten Musikrichtungen suchen, aber das Ergebnis wird meist unbefriedigend bleiben, solange Sie die Namen der Bands nicht kennen. Neue Musik und "Indie Bands" gibt es hier zuhauf, wenn Sie daran interessiert sind. Sie können sich hier sicher über Zufallsfunde freuen - seien Sie aber auch auf wirklich Schlechtes gefasst.
http://www.mp3.com/
http://www.iuma.com/
Es gibt auch ungezählte illegale MP3-Titel - das ist Musik, die ohne Einwilligung der Copyright-Besitzer weitergereicht wird. Wenn Ihre Lieblingsband keine MP3-Musik herausgibt, dann findet sich bestimmt jemand im Internet, der das für diese Band erledigt. Ich könnte mich jetzt auf meine Seifenkiste stellen und ein Klagelied darüber anstimmen, warum dieses Piratentum falsch ist, aber ich lasse es. Nur eins: es ist ein echter Akt, Musik von MP3-Piraten-Sites zu bekommen.
Sie lassen sich mit Suchmaschinen zwar sehr leicht finden, aber die Links sind meistens tot, da Internet-Provider solche Sites sehr schnell kaltstellen. Bestehende Sites haben wahrscheinlich nur eine handvoll Songs für den Download zu bieten (behaupten aber, sie hätten Tausende). Bei anderen Sites müssen Sie für jeden Download ein Upload abliefern. Ich bin kein MP3-Piratenexperte und vielleicht habe ich bisher immer an der falschen Stelle gesucht, aber nach 2 Stunden Fischen in trüben Online-Gewässern konnte ich nur ein paar MP3-Files fangen, von denen kein einziger zum Anhören verführte.
Nach dem Urteil eines MP3-Gurus ist das Usenet das Mittel der Wahl, wenn es um Piraten-MP3-Files geht. Es heißt, hier würden täglich 2 - 3 GB's an MP3-Dateien umgeschlagen, das sind mehr als 10% der Usenet-Bandbreite.
Selber machen! -- Die Weitergabe von Musik unter Copyright ist illegal, legal ist dagegen die Herstellung mit Hilfe persönlicher CD's für den Eigenbedarf. Das Kodieren eines einzelnes Stückes oder einer ganzen CD ist leicht, wenn man ein CD-ROM-Laufwerk und die entsprechende Software besitzt. Der Prozess erfolgt in zwei Schritten: man konvertiert den Audiofile (=1 Stück auf einer CD) in ein Format, das der Computer versteht (z.B. AIFF). Das wird auch "ripping" genannt. Im zweiten Schritt wird diese Datei in eine MP3-Datei umgesetzt ("encoding"). Je nach Software, die man einsetzen kann, laufen Ripping und Encoding in einem ein- oder zweistufigen Verfahren.
Sie können Ihre Lieblingstracks von CD's nehmen, deren Rest man ansonsten vergessen kann, und sich einen "Best of ..." MP3 Ordner zusammenstellen. Wenn Sie ein Zip oder Jaz-Laufwerk besitzen, dann sammeln Sie diese MP3 Dateien auf einen eigenen Speichermedium und hören sie sich an, wann immer Sie Lust darauf haben (Die Weitergabe dieser Files oder das Uploading ins Internet wäre eine Urheberrechtsverletzung)
Ich habe im Internet nur ein "Ripper/Encoder" Programm für den Mac gefunden, das beide Vorgänge in einem Schritt erledigt und leicht anzuwenden ist: MPEG Audio Creator. Es kann allerdings nur MPEG 1 layer 2 Dateien ("dubbed MP2") erstellen, das ist eine ältere und etwas größere Version dieses Formats.
http://www3.pair.com/odreer/mpeg.html
Solange keiner ein Mac-MP3-Programm für das Ripping und Encoding schreibt, braucht man für die Erstellung echter MP3 Files zwei Programme. Mit CDto AIFF erstellt man eine AIFF-Datei aus einem CD-Track. Mit dem Mpecker Encoder konvertiert man den AIFF in einen MP3 File.
http://www.musicglobalnetwork.com/Mac.html
http://www.anime.net/~go/mpeckers.html
Das Kodieren eines MP3 Files ist eine ziemlich aufwendige Angelegenheit, fassen Sie sich also in Geduld.
Das war also die Geschichte darüber, wie ein laufend wiederholter Autowerbefilm mich zu einer vergessenen Band der 80er Jahre führte, mir zu mehr Kenntnissen über MP3 verhalf als ich eingeplant hatte und mich dazu verleitete, den letzten Rest meiner Festplatte mit zahllosen Musikdateien zu verstopfen. Ich sollte wirklich weniger fernsehen.
(Kevin Savetz schreibt im Computer Shopper und in anderen Magazinen über Macs und das Internet. Er ist ein begeisterter Sammler alter Rechner, der genausogut mit einem Atari 800 oder einem Timex-Sinclair herumspielt, wie mit seinem Mac)
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vonMatt Deatherage
[Übersetzung: Toby Steininger, Heike Kurtz, Sören Witt]
Während das "Anitrust"-Verfahren der Amerikanischen Kartellbehörde
gegen Microsoft wegen Verdacht auf Bildung eines Monopols im vollen
Gange ist, bleibt die öffentliche Meinung darüber, ob Microsoft
nun die Konkurrenz behindert hat oder nicht, und falls es so war,
ob das überhaupt etwas ausmacht, weiterhin gespalten. Wenn Sie
glauben, daß dies kein Problem für Apple sei, dann überdenken
Sie es erneut, denn diese Angelegenheit betrifft die ganze Computerindustrie.
Egal wie die Sache auseht - Apple kann dabei gewinnen oder verlieren.
Aber nachdem Sie sich über die verschiedenen Möglichkeiten klargeworden
sind, werden Sie sicher wissen, welches Ergebnis Sie am liebsten
hätten.
Was genau läuft falsch? -- Das Problem, das aus Microsofts Dominanz der Computerindustrie entsteht, ist komplex und wird wahrscheinlich auch eine komplexe Lösung haben. Das konnten Sie sich wahrscheinlich auch schon selber denken, hat doch bisher kein Lösungsvorschlag für jedermann Sinn ergeben. Dieses Problem spottet jedem Versuch, es in wenigen Worten zusammenzufassen, daher erlauben Sie mir eine genauere Erörterung:
US-Gesetze des frühen 20. Jahrhunderts bezeichnen ein Unternehmen, das einen Markt fast alleine beherrscht, als "Monopol". Zu dieser Zeit gab es mehrere Unternehmen, die die Märkte, denen sie eigentlich dienen sollten, mit eiserner Hand führten. Wenn Konkurrenz aufkam, dann nurtzten die Monopolisten ihre starke Position, um die Konkurrenz entweder zu vernichten oder sie in einer Art und Weise zu assimilieren, wie es den Borg 500 Jahre später ebenbürtig gewesen wäre. [die Borg sind eine äußerst grausame und feindliche Rasse aus "Star Trek", die ihre Gegner nicht vernichtet, sondern in ihr Kollektiv 'assimiliert'. - TS]
Zum Beispiel besaß 'Standard Oil' Eisenbahnlinien, die gewährleisteten, daß Öl der eigenen Marke preiswerter transportiert wurde als andere Marken. Dies bescherte 'Standard Oil' geringere Kosten und einen unschlagbaren Preisvorteil. Theoretisch bestand 'Standard Oil' aus einzelnen Firmen, doch diese handelten stillschweigend wie eine große Einheit, um die Preise anzupassen und Konkurrenz zu verdrängen. So ein Abkommen nennt man auf englisch "trust", was vom 'American Heritage Dictionary' sinngemäß als ein Zusammenschluß von Firmen oder Gesellschaften eines bestimmten Handels oder Industrie definiert wird, deren Zweck darin besteht, die Konkurrenz zu dezimieren und Preise zu kontrollieren. Darum werden die Kartell-Gesetze, die den freien Wettbewerb schützen sollen, in den USA "Antitrust"-Gesetze genannt, auch wenn sie oft nur auf eine einzelne Gesellschaft wie AT&T oder Microsoft angewendet werden.
Diese Gesetze sind nicht unumstritten. Nach den Theorien des Volkswirts Adam Smith gibt es so etwas wie eine 'unsichtbare Hand', die freie Märkte lenkt und dafür sorgt, daß optimale Bedingungen für alle Wettbewerber geschaffen werden. Wenn eine Firma zu mächtig werde, zeige die 'unsichbare Hand' Möglichkeiten für kleinere Firmen auf, Marktlücken zu besetzen und so den Wettbewerb wieder herzustellen. Wenn in einem bestimmten Markt niemand Erfolg hat, dann bedeutet das laut Smith, daß eben kein Markt existiert. Diese Theorie hat einige Jahrhunderte der Interpretation und Anwendung überstanden und bleibt die wichtigste Erklärung, wieso eine größtenteils unregulierte Wirtschaft es schafft, sich so gut über Wasser zu halten. Bestimmungen, die dem U.S.-Handel auferlegt werden, sind sozialer Natur; nur wenigen Firmen wird gesagt, welche Produkte sie verkaufen dürfen und welche nicht. Nichtzugelassene Produkte werden meistens aufgrund allgemeinnütziger Gründe verbannt, wie z.B. wegen Gesundheitsschädlichkeit oder "nationaler Sicherheit". Da es normalerweise die 'unsichtbare Hand' ist, die die Wirtschaft in Gang hält, widerstrebt es der Allgemeinheit, daß eine Behörde wie die US-Regierung die Regulierung der Wirschaft in die Hand genommen hat.
Befürworter der Regulierung und der Kartellgesetze nennen dies eine sehr vereinfachte Vorstellung. Adam Smith, der vor Hunderten von Jahren lebte, konnte sich kaum die Wirtschaft unserer Zeit vorstellen. Heutzutage sind Privatunternehmen etwas Alltägliches; man muß nur ein Formular ausfüllen und etwas Kapital besitzen, um eines zu gründen. Doch zu Smiths Zeit und noch lange danach waren Privatunternehmen sehr selten; als Texas ein Staat wurde, benötigte man für die behördliche Genehmigung einer Gesellschaft noch eine Zweidrittelmehrheit beider Kammern der Staatsregierung. In einem Privatunternehmen wird zwischen persönlicher Haftbarkeit und wirtschaftlicher Handlung getrennt. Man könnte sagen, daß dies die Art und Weise verändert hat, wie unsere Wirtschaft funktioniert. Heute scheinen Firmen nur ihren Aktionären gegenüber verantwortlich zu sein. Vor nur gerade mal 20 Jahren war es ganz normal - und selbstverständlich -, daß eine Gesellschaft auch Verpflichtungen gegenüber ihren Angestellten, dem Umfeld, in dem sie ansässig war und auch gegenüber ihren Kunden hatte. Heutzutage gibt es nur noch wenig Protest, höchstens noch leises Grummeln, wenn eine Firma entscheidet, einige tausend Leute zu entlassen, um mehr Gewinn zu machen
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=387
Sich von bestehenden Kunden abzuwenden, um sich neuen Kunden zuzuwenden, mag nicht die optimale Geschäftspraxis sein, aber viele Firmen tun genau das, wenn der neu eingeschlagene Pfad zu höheren Gewinnen führt - wieviele profitable Macintosh-Software-Firmen haben beschlossen, noch profitablere Windows-Firmen zu werden?
Die Nachrichten sind voll mit Klagen, Boykotten und anderen Aktionen gegen Firmen, die angeblich Produkte verkauft haben, von denen sie wußten, daß sie schädlich sind, oder die Verfahren angewandt haben, von denen sie wußten, daß sie schädlich für die Umwelt oder die Gesundheit der Angestellten sind, und das einfach nur für höhere Gewinne. Ausbeutung der Angestellten war auch zu Adam Smiths Zeit ein Thema, aber in Smiths Wirtschaft konnten die Gesellschaftseigner persönlich für ihre Handlungen verantwortlich gemacht werden. Heute wird diese Verantwortung von den Firmen (als juristische Personen) getragen und Firmen können nur mit wirtschaftlichen Strafen belegt werden - es sei denn, konkreten Personen innerhalb der Firmen können ganz bestimmte Vergehen nachgewiesen werden.
Vor diesem Hintergrund gibt es zwei Hauptfragen in der Microsoft-Sache:
1. Hat Microsoft gegen den Wortlaut oder gegen die den Worten zugrundeliegende Zielsetzung der US-"Antitrust"-Gesetze verstoßen?
2. Und wenn ja, sollte Microsoft bestraft werden oder sollten die Gesetze geändert werden?
Ist Microsoft schuldig? -- Der Vorsitzende Richter Thomas Penfield Jackson leitet derzeit einen Prozeß, der hierüber eine Entscheidung treffen soll, aber selbst "schuldig" ist ein Wort mit Zündstoff. Gegen Microsoft wird ein Zivilprozeß - kein Strafprozeß - wegen Verletzung der Kartellgesetze geführt.
Im Juni, als wir dieses Thema in der Zeitschrift MWJ erstmals behandelten, kamen wir zu dem Schluß, daß Microsoft wohl gemäß der Beweise, die zu diesem Zeitpunkt vorlagen, gegen die Gesetze verstoßen hat. Es war interessant, was während des Prozesses aufgedeckt wurde, aber diese Fakten haben der Firma nicht wesentlich geschadet.
Nach den Gesetzen der USA darf eine Firma, die eine Monopolstellung einnimmt, diese Vormachtstellung nicht nutzen, um eine dominante Position in anderen Märkten zu erreichen. Eine Monopolstellung ist also hinnehmbar; öffentliche Dienstleistungen werden oft als "natürliche Monopole" angesehen, denn ist ist praktisch unmöglich, die Infrastruktur von Stromversorgungsleitungen oder Telefonkabeln zu duplizieren. Mit bestimmten Auflagen dürfen diese Einrichtungen oft als Ganzes bestehen bleiben, aber das ist den Wächtern des Kartellamtes oft nicht genug, wie die Zerschlagung von AT&T 1984 zeigte. Man vergißt leicht, daß AT&T 1984 durchsetzen wollte, daß Modems grundsätzlich nur an Telefonleitungen zum Geschäftstarif angeschlossen werden dürften. Bei dem heutigen Wettbewerb in diesem Bereich würde der Markt über derartige Versuche lachen.
Zurückhaltende Einschätzungen gehen davon aus, daß 80% der heute verkauften Betriebssysteme von Microsoft sind - das gilt nach den allermeisten Kriterien als Monopol. Egal ob gut oder schlecht - für Firmen in Monopolstellungen gelten strengere Regeln. Wenn Microsoft also versucht, seine dominante Stellung im Betriebssystemmarkt auszunutzen, um auch einen anderen Markt zu dominieren, dann hat die Firma gegen die Regeln verstoßen. Es ist offensichtlich, daß genau das im Falle des Internet Explorer passiert ist.
Das US-Justizministerium behauptet, daß Microsoft 1995 in den Web-Browser-Markt eingestiegen ist, weil Netscape davon sprach, daß Netscape Navigator künftig das Betriebssystem ersetzen können. Der Navigator würde zwar unter Windows (oder Mac OS) laufen, aber der Navigator wäre dann die Schnittstelle zu Internet-Funktionen wie dem WWW, Datenübertragung oder Videokonferenzen. Microsoft hat schon immer das meiste Geld mit Programmen wie Office und Encarta verdient, unterstützt durch Server-Software wie BackOffice und Windows NT Server Edition (das mit vielen Microsoft Servern gebundelt ist). Windows bringt Microsoft inzwischen viel Umsatz, aber es sit nicht klar, wie die Firma Server verbucht, die technisch gesehen zwar Programme sind, aber zusammen mit der Windows NT Server Edition als ?Plattform? vertrieben werden. Microsoft Software funktioniert oft gut, denn sie nutzt die Vorteile der neuesten Entwicklungen bei Microsoft-Betriebssystemen voll aus. Microsoft Office 95 kam heraus, als Windows 95 vorgestellt wurde und brachte frustrierten Office-Nutzern Vorteile wie z. B. lange Dateinamen. Wenn Microsoft ?halt noch ein Entwickler für Internet-Software? nach von Netscape vorgegebenen Spezifikationen würde, verlöre Microsoft einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil - das konnte diese äußerst wettbewerbsorientierte Firma natürlich nicht hinnehmen.
Also entwickelte man eine Internet-Strategie, in der es nicht nur darum ging, Programme nach Internet-Standards auszurichten und Server für diese Standards anzubieten (ein cleverer Schachzug, den nur infrage stellen würden), sondern auch darum, einen Internet-Browser von Microsoft zu entwickeln, der Microsofts eigene Version von "Middleware" brachte. Wenn also das Internet das kommende Betriebssystem würde, dann sollte es _Microsofts_ Internet werden. Man wollte, daß die Multimedia-Standards Microsoft-Standards sind und nicht QuickTime. Man wollte, daß die Leute ActiveX-Elemtente schreiben, um die Funktionalität ihrer Browser aufzupeppen, und nicht Netscape Plug-Ins oder OpenDoc-Elemente oder Java Applets. Man wollte Standards, die in Redmond entwickelt und in Microsoft-Programmen eingebaut sind, und nicht irgendwelche Technologien von Dritten, die eine andere Firma besser beherrschte.
Das ist alles gesunder Wettbewerb und ein Feld, in das sich die Regierung normalerweise nicht einmischen würde - aber damit war es eben nicht genug. Microsoft wird auch beschuldigt, seine Position als Anbieter von Windows ausgenutzt zu haben, um auch seine Internet-Software in die Hände der Konsumenten zu zwingen.
Das Justizministerium behauptet, daß Microsoft von Windows-Lizenznehmern wie Compaq und Dell verlangte, daß das Internet-Explorer-Symbol auf allen Systemen vorhanden sein müsse - oder sie verlören das Recht, Windows zu vertreiben. Außerdem beschuldigt das Justizministerium die Firma Microsoft, den PC-Herstellern anfangs verboten zu haben, Netscape Navigator oder einen anderen Web Browser mit PCs zu bundeln, die mit Windows 95 ausgestattet waren. Außerdem habe Microsoft Internetdiensteanbieter dazu gezwungen, Microsoft Internet Software zu bevorzugen, indem man ihnen unbezahlbare Werbung innerhalb des Windows-Betriebssystems anbot, die denen, die an Netscape festhielten, verweigert wurde.
Beweise, die am Anfang des Prozesses vorgelegt wurden, unterstützen einige dieser Anschuldigungen. David Colburn, Senior Vice President of Business Affairs von AOL, sagte aus, daß Microsoft an die Firma mit dem Wunsch herangetreten sei, den Internet Explorer zum Browser der AOL-Software zu machen und daß man ausdrücklich gefragt habe "wieviel müssen wir zahlen, um Netscape rauszuschmeißen?". Microsoft weist auf andere Dokumente aus den AOL-Verhandlungen hin, in denen die technischen Vorteile von Microsofts Software im Vergleich zu Netscape hervorgehoben werden. Aber die Regierung wirft der Firma Microsoft ja nicht vor, daß ihr Browser schlecht funktioniert, sondern daß sie versucht hat, eine Monopolstellung mit Windows ausgenutz haben soll, um den Markt für Internet Software zu dominieren. Unter diesem Aspekt war die Aussage des AOL-Managers besonders schädlich, denn Colburn wich nicht von seiner Aussage ab, daß AOL Microsoft gewählt habe, weil es die einzige Möglichkeit gewesen sei, AOLs Client Software auf die Benutzeroberfläche _jeder einzelnen_ Kopie von Windows 95 zu bekommen.
http://www.usdoj.gov/atr/cases/f2000/2045.pdf
http://www.mercurycenter.com/business/microsoft/trial/breaking/docs/colbur102798.htm
Andere behaupten, Microsoft habe ähnliche Taktiken bei Internetdiensteanbietern eingesetzt - wenn sie nicht bereit waren, Internet Explorer zu unterstützen, Netscape Navigator zu behindern und zu versuchen, Benutzer zu Microsoft Software zu ?bekehren?, wurden sie nicht in der in Windows 95 eingebauten Software zum Einrichten eines neuen Internet-Accounts berücksichtigt. In jedem Fall ist Microsoft angeklagt, die Macht aus dem Besitz von Windows ausgenutzt zu haben, um die eigene Internet-Software in die Hände der Verbraucher zu bekommen - ob sie wollten oder nicht. Wer kauft schon ein Programm, wenn es kostenlose Software gibt, die alles kann, was man braucht? Wenn Sie daran zweifeln, überlegen Sie doch einmal, wieviele E-Mail-Nutzer Sie kennen, die noch nie einen E-Mail-Client wie Claris Emailer, Eudora Pro oder Bare Bones Mailsmith gekauft haben. Microsoft setzt auf diese Strategie um den Marktanteil zu erhöhen; neueste Zahlen belegen, daß Microsoft Internet Explorer inzwischen einen Anteil am Browser-Markt von 40 bis 55 % erreicht hat - ausgehend von 0% im Jahr 1995.
Die Freuden des Bundlings -- Microsoft verteidigt sich gegen diese Anschuldigungen durch die Aussage, der Internet Explorer sei Teil des Betriebssystems. Die Justiz behauptet dagegen, der Internet Explorer sei ein Programm, genauso wie MS Word, der Netscape Communicator oder Riven. Also wäre das Verknüpfen des Browsers mit Windows 98 nichts anderes als ein Bundling und alles was gebundelt werden kann, kann auch wieder entbundelt werden. Microsoft hält dagegen, daß die Funktionalität des Explorers in Windows 98 eingebaut sei und von vielen Teilen des Betriebssystems benutzt würde. Die eigentliche Internet Explorer "Applikation" sei nur eine Art Shell, eine Applikations-"Hülle", die auf die Kernfunktionen von Windows 98 aufsetzt. Der Versuch, diese Funktionen aus dem Betriebssystem zu entfernen habe ähnlich fatale Folgen, wie das Entfernen des Event Managers aus dem Mac OS.
Die Funktionalität des Internet Explorers ist hauptsächlich in dem enthalten, was im Mac OS als Shared Libraries (zu deutsch: gemeinsam benutzte Biliotheken) bekannt ist (unter Windows heißen sie Dynamic Link Libraries, oder DLLs, da sie dynamisch, daß heißt zur Laufzeit, in die Programme eingebunden werden). Die Windows-Version des Internet Explorers ruft diese Bibliotheken für den Hauptteil ihrer Arbeit auf. Auch andere Teile von Windows 98 rufen diese Bibliotheken auf, ebenso eine wachsende Anzahl von Programmen (Eudora Pro 4.0 für Windows z.B. kann diese Bibliotheken zum Anzeigen von HTML formatierter EMail benutzen), sie können folglich von Microsoft nicht einfach weggelassen werden. Daher meint Microsoft, die Forderung der Behörden, die bloße Applikations-"Hülle" Internet Explorer zu entfernen, sei völlig unangebracht, da der Hauptteil der Funktionalität ohnehin in Windows 98 enthalten bleiben muß, damit es und alle anderen Programme einwandfrei arbeiten können.
Ist es also Bundling? Nicht im eigentlichen Sinne. Microsoft müsste dafür gelobt werden, mehr Internet-Funktionalität in das Betriebssystem zu integrieren, da die Medien doch ständig betonen, daß das Internent für jeden Einzelnen von zunehmender Bedeutung sei. Die Internet-Explorer-Shell zu entfernen würde das Problem genausowenig lösen, wie der verspätete Vorschlag der Regierung, den Netscape Navigator mit Windows 98 zu bundeln. Der Communicator ist, als Reaktion auf Microsofts frei erhältlichen Browser, heute gratis, es würden für Microsoft also keine zusätzlichen Kosten für das Bundling entstehen. Der Widerstand der Firma gegen diesen Vorschlag zeigt aber deutlich, wie sehr Microsoft darauf aus ist, die sogenannte Middleware (etwa Dienste für verteilte Applikationen), zu kontrollieren, die Netscape vor nur zwei Jahren zu dominieren drohte.
Ehe wir Microsoft den "Rechtslöwen" des Justizministeriums vorwerfen, ist es aber wichtig zu verstehen, daß dies nicht einfach ein Fall von Schikane einer Firma gegen andere Firmen ist. Der Ausgang dieses Kartellverfahrens gegen Microsoft könnte Einfluß auf die gesamte Industrie haben. Dieser Aspekt soll in Teil 2 des Artikels näher beleuchtet werden.
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Übertragung dieser Ausgabe:
Heike Kurtz [HK], Hage Pfeiffer [HP], Hartmut Greiser [HG], Toby
Steininger [TS], Sören Witt [SW]
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