TidBITS#458/07-Dez-98 - Deutsch

[Übersetzung: Heike Kurtz]

Haben Sie gerade Mac OS 8.5 installiert? Ruhen Sie sich nicht auf Ihren Lorbeeren aus: Apple hat schon das 8.5.1 Update herausgebracht und Sie werden bestimmt darauf erpicht sein, es zu installieren, um eine handvoll potentieller Probleme zu vermeiden. Lesen Sie außerdem Neues über eine Betaversion der neuen Mac Palm Desktop Software, die auf dem Claris Organizer basiert sowie über Anarchie Pro 3.5 und Retrospect Express 4.1. Die aktuelle Ausgabe schließt mit einem Blick auf Technologien zur Unterstützung der Zusammenarbeit in Gruppen, die bei der letzten ACM-Konferenz gezeigt wurden.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#458/07-Dez-98.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-458.html>

Copyright 1998 TidBITS Electronic Publishing. All rights reserved.
Information: <info@tidbits.com> Comments: <editors@tidbits.com>

Copyright ab 7/98 der deutschen Version: Heike Kurtz Übersetzungsdienst.
Information: <http://www.heikekurtz.de> Comments: <mail@heikekurtz.de>


Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1998/TidBITS#458/07-Dez-98>

Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-458.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-458.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-458.etx>


MailBITS/07-Dez-98

Übersetzung: [Arndt Roth]

In eigener Sache -- Wie Sie sicher festgestellt haben, hat die deutsche Ausgabe der TidBITS ein neues Übersetzerteam, das sich in den letzten Wochen mit Feuereifer an die Arbeit gemacht hat. Da wir natürlich auch den geschichtlich interessierten Lesern ein vollständiges Archiv der vergangenen Ausgaben bieten möchten, haben wir damit angefangen, die *fehlenden* Ausgaben von Nr. 435 bis 454 zu übersetzen - aus Aktualitätsgründen werden wir dabei in der umgekehrten Reihenfolge vorgehen, also zuerst die 454, dann 453 etc. Dabei tauchte die Frage auf, ob es sinnvoll sei, die *neuen/alten* Ausgaben lediglich ins Archiv, sprich: ins Internet zu stellen oder ob Sie, unsere Leser, Interesse daran haben, die jeweils fertiggestellten übersetzen Ausgaben auch per E-Mail über die Mailingliste zu erhalten. Da hierüber im Übersetzerteam keine Einigkeit herrscht, möchten wir Sie an dieser Stelle bitten, uns Ihre Meinung kundzutun, und zwar direkt an mich, Heike Kurtz, unter <mail@heikekurtz.de>. Für Ihre Entscheidungshilfe bedankt sich [HK]

Anarchie Pro 3.5 unterstützt Funktionen des Mac OS 8.5 -- Stairways Software hat Anarchie Pro 3.5, das Update zu dem weitverbreiteten DFÜ-Programm (35$ Shareware), herausgebracht. Zusätzlich zu den neuen in Anarchie Pro 3.0 eingeführten Funktionen (siehe hierzu TidBITS-448) paßt sich Anarchie Pro 3.5 in Aussehen und Bedienung an Mac OS 8.5 an, z.B. erscheinen und verhalten sich Datei-Listen von FTP-Servern und Link-Listen von Web-Seiten wie Finderfenster. Die Fenster in Anarchie Pro verfügen oben über jeweils ein editierbares Adreßfeld das, wie bei Browsern, erleichtern soll, URLs, die auf verschiedene Verzeichnisse verweisen, zu ändern oder nach Inhalt zu suchen. Anarchie Pro sucht auch mit jedem in Mac OS 8.5 installierten Sherlock Plug-in - eine Funktion, die sich in großen Datenarchiven als nützlich erweist.

Obwohl Anarchie im Gegensatz zu Sherlock nur mit einem Plug-in gleichzeitig suchen kann, ist die Software auch mit älteren MacOS-Versionen kompatibel. Weitere Neuerungen in Anarchie Pro 3.5 sind ein Befehlsfenster für häufig benutzte Funktionen sowie Unterstützung der Tastenkombination "Befehlstaste + Doppelklick" von Webseiten, um sie an den Web-Browser weiterzuleiten. Anarchie Pro 3.5 ist als Downloaddatei 1 MB groß.

<http://www.stairways.com/anarchie/>
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-448.html>
<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-448-html>

Dantz stellt Retrospect Express 4.1 Upgrade kostenlos zum Download bereit -- Dantz Development stellte letzte Woche ein kostenloses Upgrade zu dem individuellen Backupprogramm Retrospect Express zum Download bereit. Retrospect Express 4.1 kommt der Vollversion Retrospect 4.1 schon sehr nahe, da es Internet-Backup zu FTP-Servern unterstützt und mit einer startfähigen Datenrettungs-CD ausgeliefert wird. Des weiteren ist Retrospect Express 4.1 mit einer eingebauten Verschlüsselungsfunktion (bei Internet-Backup sinnvoll) ausgestattet, außerdem schneller und voll zu Mac OS 8.5 kompatibel. Die Internet-Backup-Funktion macht Retrospect Express zu einer hervorragenden Lösung für iMac Benutzer, denen es an externen Speichermedien fehlt. Da Dantz vor nur sechs Monaten Retrospect Express 4.0 für 50$ vorgestellt hat, ist das Upgrade auf Version 4.1 nun kostenlos, wenn der 2.9 MB große Aktualisierer aus dem Netz geladen wird. In den Genuß der Datenrettungs-CD kommt man bei diesem Download allerdings nicht, man kann sie aber für 15$ (inklusive Versand!) bestellen.

<http://www.dantz.com/upgrades_and_updates/express_updater.html>

Macworld Expo SF '99 Veranstaltungsliste online -- Die unermüdliche Ilene Hoffman hat die Robert Hess Gedenkveranstaltungsliste der Macworld Expo online publiziert. Wenn Sie vorhaben, die Macworld Expo in San Francisco vom 5. - 8. Januar 1999 zu besuchen, werfen Sie einen Blick in die Liste unter "public events"(Öffentliche Veranstaltungen). Organisieren Sie selber eine Veranstaltung, senden Sie Ihr bitte das ausgefüllte Veranstaltungsformular zu. Jeder Veranstalter wird außerdem dazu aufgerufen, den "Macworld Geek Party Guide" (TidBITS-415) zwecks Tips für eine erfolgreiche "Verkaufs-Show-Party" zu lesen.

<http://www.xensei.com/users/ileneh/partylist.html>
<http://www.xensei.com/users/ileneh/partyform.html>
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-415.html>
<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-415-html>


Apple veröffentlicht Mac OS 8.5.1 Update

von Geoff Duncan geoff@tidbits.com

[Übersetzung:Angelika Vollmar]

Nach einigen Wochen der Spekulationen und Gerüchte hat Apple heute [07.12.1998 -- AV] Mac OS 8.5.1 veröffentlicht. Das Update bietet keine Neuerungen (obwohl es einige neue Sherlock Plug-Ins beinhaltet), behebt statt dessen aber eine Anzahl verborgener Probleme des Mac OS 8.5. Obwohl die Mehrzahl der Mac OS 8.5 Anwender durch diese Probleme nicht beeinträchtig wurde, empfiehlt Apple allen Benutzern von Mac OS 8.5 die Installation des Updates.

Es ist immer eine gute Idee, ein komplettes Systembackup zu machen, bevor neue Systemsoftware installiert wird. Diese Empfehlung hat nichts mit Mac OS 8.5.1 zu tun - es ist lediglich eine allgemeingültige Praxis, die nicht genug betont werden kann.

Verfügbarkeit des Updates -- Das Mac OS 8.5.1 Update kann als 3 MB große, self-mounting disk image [Endung: .smi -- AV] von den Apple Support-Seiten kostenlos heruntergeladen werden. Dieses Update unterstützt nur die Nordamerikanische Version von Mac OS 8.5; laut Apple werden lokalisierte Versionen noch im Laufe dieses Monats verfügbar sein.

<http://www.info.apple.com/support/index.taf?product=macos85>
<ftp://ftp.info.apple.com/Apple.Support.Area/Apple_SW_Updates/US/Macintosh/System/Mac_OS_8.5.1_Update/>

Weiterhin plant Apple den Vertrieb des Mac OS 8.5.1 Updates auf CD-ROM im Januar 1999 (voraussichtlich rechtzeitig zur Macworld Expo in San Francisco). Anwender in den Vereinigten Staaten und in Kanada werden die CD telefonisch über das Apple Software Order Center unter 800/293-6617 zu einem Preis von ca. 10 US-Dollar bestellen können; zur Zeit liegen noch keine Informationen über die Verfügbarkeit von lokalisierten Versionen des Mac OS 8.5.1 auf CD-ROM vor.

Weitere Informationen über Mac OS 8.5. und seine neuen Merkmale finden Sie in einigen der im Oktober ver ffentlichten TidBITS-Artikeln.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1058

Was wurde verbessert -- Das Mac OS 8.5.1 Update beschäftigt sich mit sechs Hauptthemen, die sowohl in der Lies-mich-Datei des Updates als auch in einem Tech Info Library Artikel von Apple aufgeführt sind.

<http://til.info.apple.com/techinfo.nsf/artnum/n26165>

* Ein Fehler im AppleScript Speicher wurde behoben. Die PowerPC native Version von AppleScript, die zum ersten Mal mit Mac OS 8.5 ausgeliefert wurde, bietet sehr umfangreiche Möglichkeiten, unglücklicherweise verursachten jedoch Zugriffe auf Scripting-Zusätze, die nicht in "tell"-Blöcken enthalten waren, leichte Speicherverluste. Nicht die Größe des Verlusts ist das Problem sondern die Häufigkeit des Auftretens, die dazu führen kann, daß einige Scripte und (besonders) AppleScript Applikationen wie z. B. Web Server CGIs über einen gewissen Zeitraum versagen, oder Anwender dazu zwingt, ihren Rechner neu zu starten, um den Speicher wiederzuerlangen.

* Mac OS 8.5.1 behebt ein Speicherproblem der Mac OS Datenstruktur, das einen Absturz verusachen kann. Das Problem trat nur auf, wenn von Applikationen verschiedene asynchrone Schreibzugriffe auf die Festplatte erfolgten; FileMaker Pro Anwender könnten ein Problem beim Importieren einer größeren Anzahl von Datensätzen aus einer Datenbank beobachtet haben.

* Mac OS 8.5.1 ermöglicht wieder die Benutzung von ADB-Geräten von Dritt-Anbietern wie z. B. Joysticks und Kopierschutz-Dongles, die unter Mac OS 8.5 ihren Dienst versagt haben.

* Das Mac OS 8.5.1 Update wird mit einer aktualisierten Version von Sherlock ausgeliefert, die korrekt mit Proxy-Servern kommuniziert und jetzt auch Internet-Suchen durch die eigene Firewall hindurch zuläßt. Das Update beinhaltet ebenfalls einige neue Sherlock Plug-Ins für www-Seiten wie beispielsweise CNN Interactive, Apples Macintosh Product Guide und eine Auswahl von Suchmaschinen und Online-Shops.

* Das Mac OS 8.5.1 Update beinhaltet Drive Setup 1.6.2, das ein seltenes Problem bei der Aktualisierung von Laufwerken behebt. Das Problem beschädigt die Struktur von HFS Partitionen, wodurch das Laufwerk nicht auf dem Schreibtisch erscheint. Drive Setup 1.6.2 stellt außerdem sicher, daß notwendige Patches nach einer Initialisierung oder einem Update korrekt auf dem Laufwerk installiert werden; in einigen Fällen wurden Updates von älteren Versionen von Drive Setup nicht korrekt installiert.

* Mac OS 8.5.1 beinhaltet Open Transport 2.0.2, das ein seltenes Problem behebt, welches einige Geräte beim Booten von der Mac OS 8.5 CD-ROM hatten.

Zum Schluß -- Zur Zeit ist es noch zu früh zu sagen, ob das Mac OS 8.5.1 Update neue Probleme oder Inkompabilitäten einführt oder Fehler behebt, die hier nicht aufgeführt sind. Ferner hat Apple dieses Update vor der Herausgabe nicht an Entwickler ausgeliefert, so daß es nicht die für eine größere Systemsoftware typischen externen Tests durchlaufen hat. Allerdings handelt es sich hier _nicht_ um eine neue Version der Systemsoftware: es ist lediglich ein Bug-Fix, der einige wenige Probleme beheben soll. Die oben erwähnten Patches sind gut definiert, isoliert und stellen keine neuen Eigenschaften dar, so daß Mac-User darauf vertrauen können, daß Mac OS 8.5.1 keine neuen Probleme einführt. Ich hatte keine Schwierigkeiten, das Update über drei Systeme unter Mac OS 8.5 zu installieren, und konnte soweit kein ungewöhnliches Verhalten feststellen.


Mac Palm Desktop Beta kommt mit Palm VII News

von Jeff Carlson jeffc@tidbits.com

[Übersetzung: Heike Kurtz]

Nach mehrmaliger Verzögerung hat die Firma 3Com/Palm Computing eine Betaversion des Macintosh Palm Desktop 2.1 auf ihrer Website veröffentlicht. Wir berichten normalerweise nicht über Veröffentlichungen von Betaversionen, aber in diesem Fall ist das etwas anderes, denn die Nutzer von Mac-orientierten PalmPilots und Palm III haben seit Monaten auf eine neue Software - selbst Beta-Software - gewartet, die den merkwürdigen Pilot Desktop 1.0 (vgl. "Palm Organizer für Macintosh: Details werden bekannt" aus TidBITS 432) ersetzen würde. Nutzer von Mac OS 8.5 haben von Schwierigkeiten beim Benutzen des alten Pilot Desktop berichtet, die Veröffentlichung der Betaversion 2.1 kommt also zur rechten Zeit.

<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-432.html>
<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-432-html>

Anfang dieses Jahres hat 3Com den Claris Organizer von Apple gekauft, um ihn als Grundlage für die neue Mac-Software zu nutzen. Aufgrund dessen beinhaltet Palm Desktop 2.1 Funktionen des Claris Organizers, die es in der Windows-Version der Software nicht gibt, wie z. B. Verknüpfung von Einträgen, fortschrittliche Datenfilter, komplexe Ansichts-Optionen und benutzerspezifische Hintergrundmuster. Besonders wichtig: das Paket enthält auch die neue HotSync Übertragungssoftware, mit der Daten vom Taschengerät zum Mac übertragen werden können. Früher synchronisierte die HotSync Software nur die eingebauten Anwendungsprogramme (Terminkalender, Adreßbuch, Aufgabenliste und Notizblock) [Date Book, Address Book, To Do List, Memo Pad -- HK], aber der neue HotSync Manager nutzt eine offene Architektur, die es Softwareentwicklern ermöglicht, Synchronisationsmodule zu schreiben, die mit den Daten ihrer Software arbeiten (es ist z. B. ein Übertragungsmodul in Arbeit, mit dem FileMaker-Daten in das Jfile Format des Palm OS umgewandelt werden können). Wenn Sie gerade Chronos Consultant als Informationsmanagement-System auf Ihrem Bürocomputer installiert haben (der mittlerweile auch PalmPilot-Daten synchronisieren kann), dann müssen sie die aktualisierte Consultant-Übertragungssoftware 1.0.7 [Consultant conduit 1.0.7 -- HK] downloaden, um mit der neuen HotSync Software arbeiten zu können.

<http://www.chronosnet.com/download/index1.html>

Bitte denken Sie daran, daß diese Vorabveröffentlichungen des Palm Desktop und HotSync Manager nicht unterstützt werden und nicht ausführlich getestet worden sind: Sie sollten also ein Backup der Daten auf Ihrem Taschen-Organizer machen, bevor Sie sie installieren (das geht z. B. gut mit Florent Pillets "PalmBuddy") und außerdem die ReadMe-Datei durchlesen, um die für die Installation wichtigen Hinweise beachten zu können (wie z. B., daß man vor der Installation File Sharing ausschalten und den Schreibtisch seines Mac neu aufbauen sollte). Die Betaversion des Palm Desktop 2.1 ist ald 8,9 MB-Download verfügbar und benötigt einen Mac mit PowerPC-Prozessor.

<http://www.palm.com/macintosh/>
<http://perso.wanadoo.fr/fpillet/>

Der Schleier des Palm VII wird gelüftet -- Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der neuen Software hat die Firma Palm während der Palm Entwicklerkonferenz letzte Woche auch den Palm VII Personal Organizer für 1999 angekündigt, der weniger als US$ 800 kosten soll. Der Palm VII wird eingebaute schnurlose Netzwerkfunktionen beinhalten, so daß der Benutzer mit einer Technik, die Palm "Web Clipping" nennt, Internetdienste nutzen kann, um bestimmte Informationen aus dem Web zu beziehen - so wie man z. B. einen Zeitungsartikel ausschneidet, anstatt die gesamte Ausgabe zu lesen. Der Dienst - Palm.net - wird von 3Com über das schnurlose Datennetzwerk der Firma BellSouth in über 260 Ballungszentren der USA betrieben (über ein weltweites Angebot wurde noch nichts gesagt) und wird zunächst US$ 10 im Monat kosten.

Die fehlenden Versionsnummern zwischen dem aktuellen Palm III und Palm VII und der immense Preissprung (Palm III-Geräte kosten im Moment rund US$ 300) haben Gerüchte aufkommen lassen, daß Palm plant, in Kürze weitere Modelle im mittleren Preissegment auf den Markt zu bringen. In Anbetracht der Tatsache, daß Taschencomputer in diesem Jahr zu den größten Verkaufsschlagern des Weihnachtsgeschäfts zählen, würde es durchaus Sinn machen, daß Palm bis zum Jahreswechsel in bezug auf Pläne für neue Produkte dicht hält. Für diejenigen, die auf den Palm VII und seine Funktionen gespannt sind, hat Palm eine Informationsbroschüre als 260K PDF-Datei herausgebracht.

<http://www.palm.com/pr/palmvii.html>
<http://www.palm.com/pr/palmvii/7whitepaper.pdf>

Lesen Sie alles darüber -- Das ist natürlich eine prima Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß mein Buch "Palm III & PalmPilot Visual QuickStart Guide" (Peachpit Press, ISBN: 0-201-35390-3, US$16) nunmehr auf dem Markt ist. Außer Informationen über den PalmPilot und die Palm III-Geräte enthält es Kapitel, die dem Leser helfen, einen Taschen-Organizer im täglichen Leben sinnvoll zu nutzen. Es ist auch das einzige Buch, das die neue Mac Palm Desktop Software behandelt - basierend auf einer frühen Vorveröffentlichung.

<http://www.amazon.com/exec/obidos/ASIN/0201353903/tidbitselectro00A/>


Die verschlungenen "Meme"-Wege von ACM

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Harald Weichhart, Heike Kurtz, Sören Witt]

Vor einigen Wochen nahm ich an Teilen der 1998er Konferenz der ACM (Association for Computing Machinery) über "computerunterstütze Teamarbeit" teil, die sich hauptsächlich damit beschäftigte, wie Computer die Zusammenarbeit von Menschen unterstützen können - ein sehr wichtiges Ziel. Man muß sich das mal vor Augen führen: in den letzten fünfzehn Jahren hat sich die Computerindustrie darauf konzentriert, Einzelpersonen dabei zu unterstützen, Ihre Computer produktiver einzusetzen. Auf die Entwicklung von Programmen und Geräten, die uns dabei helfen könnten, zusammenzuarbeiten, wurde weniger Wert gelegt. Zum Beispiel E-Mail, ein allgegenwärtiges Medium: wir verwenden es alle und für Viele ist E-Mail der bei weitem wichtigste Aspekt des Internets, da er es uns ermöglicht, mit anderen zusammenzuarbeiten. Aber wie viele Neuerungen im Bereich E-Mail hat es in den letzten 10 Jahren gegeben? Sicher, E-Mail st schneller, hübscher und einfacher zu bedienen und moderne E-Mail-Programme bieten dem Benutzer leistungsfähige Funktionen. Aber wie viele davon ermöglichen uns eine bessere Zusammenarbeit mit anderen?

<http://www.acm.org/sigchi/cscw98/>

Die beste Art, auf dieser Konferenz in ein Meer von Ideen einzutauchen, war die Demo-Session, bei der ca. 30 Gruppen Forschungsprojekte präsentierten. Einige waren weit über meinem Horizont, wie beispielsweise die Programmier-Toolkits, die auf Arbeitsgruppenunterstützung abzielten, aber andere waren leichter zu erfassen ließen atemberaubende Schlußfolgerungen zu.

Meme Tags -- Leider sah ich die Demonstration dieses Projekts nicht, aber einer der Leiter des MIT Media Labors erklärte es mir. Erstens: ein "Meme" ist eine Idee, die sich nach den Regeln der Darwinschen Evolutionstheorie (überleben der Stärksten, usw.) verbreitet und entwickelt. Ein "Meme Tag" ist ein elektronisches Namensschild, das Namen und Memes speichert, anzeigt und verwaltet. Meme Tags erforschen, wie wir in der Gruppe interagieren.

Die Idee, die dahintersteckt: wenn man jemanden trifft und mit ihm von Agesicht zu Angesicht spricht, kann man sein Meme sehen. Durch Drücken eines Knopfes auf dem eigenen Tag kann man das Meme des anderen annehmen oder ablehnen (mittels Kurzstrecken-Infrarotübertragung). Das Tag speichert einerseits, mit wem man gesprochen hat, und andererseits, wie sich die Memes ausbreiten und leitet die Information an eine zentrale Datenbank weiter, die die Daten analysiert, um diejenigen herauszufinden, die sich am besten einschmeicheln können, die erfolgreichsten Memes etc. Die Ergebnisse werden dann auf einem "Spiegel der Gemeinschaft", einem großen Bildschirm, in Echtzeit angezeigt. Besonders interessant war die Art, wie die Leute versucht haben, die Trends zu beeinflussen, indem sie Memes in den Himmel hoben oder den anderen Teilnehmern verstärkt "Honig ums Maul schmierten".

Was mich betrifft, so mächte ich diese Meme Tags am liebsten sofort haben, aber in einer anderen Form: Stellen Sie sich mal eine typische Messe vor: Man trifft Hunderte von Leuten, bleibt an einer Unzahl von Ständen stehen und versucht krampfhaft, Tonnen von Infos in seinen Kopf zu kriegen. Visitenkarten werden ausgetauscht, oft kryptische Nachrichten auf die Rückseite gekritzelt und nach der Messe versucht man dann verzweifelt, herauszukriegen, was sie bedeuten sollen. Was wäre wenn mein Namensschild, sobald ich jemanden treffe, automatisch die Informationen auf dessen Visitenkarte sowie alle weiteren relevanten Informationen mit Datum und Uhrzeit abspeicherte? Interessante Infos könnten beim Messestand in gedruckter Form aufliegen und auch mittels einer URL, die auf dem Namensschild gespeichert wird, sobald man einen Knopf drückt. Man könnte Infos mit den Schildern anderer Personen austauschen, und nachdem man zu Hause angekommen ist, würde alles automatisch an eine Datenbank übertragen. Kurz gesagt: Die Forschungen über die Speicherung dieser Daten sind faszinierend und ich denke, daß Meme Tags durchaus eine Chance haben, irgendwann als Produkt auf den Markt zu kommen.

Der Brummkreisel [engl.: "Hummingbird" -- HK] -- Während das "Meme Tag" nur auf sehr kurze Entfernung funktionierte, gab es ein Projekt des Viktoria Instituts in Schweden, das auf erheblich größere Distanz arbeitet, dabei allerdings auch weniger Informationen bereitstellt. Der "Brummkreisel", eine spezielle Ausprägung von dem, was die Gruppe ein "Gerät für die zwischenmenschliche Kenntnisnahme" nennt, ist ein kleines, elektronisches Gerät, das permanent die Umgebung nach anderen Brummkreiseln abscannt. Findet es eins, piept es und zeigt auf einem LCD-Display den Namen der Person an, die den anderen Brummkreisel trägt.

Auch wenn die übermittelten Informationen relativ bescheiden sind, können sie doch nützlich sein. Die Gruppe testete die Brummkreisel in zwei Situationen, auf einem Rockfestival und in einem normalen Büro. Die Testpersonen auf dem Rockfestival berichteten, daß sie es als gut empfanden, zu wissen, daß ein anderer Brummkreiselträger in der Nähe ist. Sie fanden es allerdings frustrierend, daß sie diese Person nicht notwendigerweise finden konnten (die Reichweite des Brummkreisel beträgt bis zu 100 m). In der Büroumgebung erwiesen sich die Brummkreisel als praxisgerechter, da die Mitglieder einer Arbeitsgruppe leicht feststellen konnten, wenn ein anderer Brummkreiselträger das Gebäude verließ oder es betrat. Wenn alle einen Brummkreisel tragen würden, müßte das Gerät selbstverständlich konfiguriert werden können, um nur nach Personen einer bestimmten Gruppe Ausschau zu halten.

Wichtig ist dabei die Kenntnis der physischen Präsenz. Unsere Formen der Fernkommunikation sind heutzutage notwendig, aber die Interaktion von Angesicht zu Angesicht bleibt wichtig und sinnvoll, und die Brummkreisel helfen ihren Trägern festzustellen, wann ein persönliches Treffen möglich ist. Die Brummkreisel scheinen mir aber mehr von theoretischer denn von praktischer Bedeutung zu sein, obwohl das Finden von bestimmten Personen in einem sehr großen Bürogebäude schon so lästig sein kann, daß ich den Nutzen eines Systems, das Informationen über die Anwesenheit liefert, durchaus sehe.

Interessanterweise hatte die Brummkreiselgruppe auch einige Geräte zur Kontaktsuche aus Japan, die Lovegetys heißen (sie sind sehr beliebt: Berichten zufolge wurden über 1.000.000 Stück in diesem Jahr verkauft). Die Geräte gibt es in einer Version für Männer und in einer für Frauen und man kann die Art von Kontakten, an denen man interessiert ist, einstellen (Gespräch, Spaß oder Freund). Hat man eine "männliche" Version und kommt einer "weiblichen" Version nahe (es funktioniert über Funkwellen), die auf das gleiche Level eingestellt ist, fangen beide Geräte an zu blinken und optional auch zu piepen, um einen wissen zu lassen, daß man jemand passendes gefunden hat. Sie sind eine Art Kreuzung zwischen Meme Tag und Brummkreisel, da sie zum einen die Anwesenheit außerhalb des Sichtfeldes anzeigen aber auch zusätzliche Informationen übertragen und, wenn notwendig, auf sie reagieren. Berichten zufolge sollen zukünftige Versionen eine größere Reichweite haben und genauere Einstellungen ermöglichen.

<http://www.viktoria.informatics.gu.se/groups/play/ipad/>
<http://www.love-gety.com/>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=490>

Virtuelle Arbeitsräume -- Ich sagte vorhin schon, daß die E-Mail keine großen Innovationen für die Zusammenarbeit mehr erfahren hat, aber das "Virtual Work Rooms" ["Virtuelle Arbeitsräume" -- HK] Projekt eines Teams der Carnegie Mellon University (CMU) ist angetreten, das zu ändern. Die meisten E-Mail-Programme sehen wie Tabellenkalkulationen aus, mit Reihen und Spalten. Man kann die Reihen sortieren und einen oder zwei Hierarchielevel hinzufügen, indem man Etiketten einfügt oder indem man Nachrichten in eine andere Mailbox verschiebt.

Aber was, wenn die Informationen in den Reihen nicht völlig statisch wären? Das ist die Idee hinter der Demonstration von Virtual Work Rooms, es fügt der E-Mail vor allem eine dynamische Hintergrundanwendung in Form einer Tabellenkalkulation hinzu. Die Demonstration zeigte eine Situation, in der jemand E-Mails von verschiedenen Maschinen fälscht. Mehrere Systemadministratoren müssen sich Informationen über die gefälschten E-Mails teilen, um den Übeltäter ausfindig zu machen. Passierte so etwas heutzutage, würde höchstwahrscheinlich einer eine Tabelle einrichten (Menschen lieben die tabellarische Anzeige von Informationen) um die Informationen und Antworten zu verfolgen.

Das Demonstrationssystem zeigte jedoch einen E-Mail-Client (am Anfang als Web-Seite, über ein Eudora Plug-In wird nachgedacht), in dem der Benutzer eigene Ansichten über Formeln, wie sie ähnlich auch in Tabellenkalkulationen vorkommen, definieren konnte. Diese Flexibilität erlaubt es Anwendern, Anfragen an die Daten zu richten wie etwa "Wer hat auf die Anforderung von Logbuchdaten nicht reagiert?". Es ist sehr einfach, neue Anfragen zu bilden, so können neue Ansichten schnell erstellt werden.

Auch wenn das Konzept etwas gewöhnungsbedürftig ist, ist es doch vielversprechend, besonders wenn die Informationen, die über E-Mails hereinkommen genau definiert sind. Muß man z.B. 100 Leuten über E-Mail verschiedene Fragen stellen, könnte man ein solches System benutzen, um die Ergebnisse zu tabellarisieren und zu sehen, wer geantwortet hat und wer nicht. Der Trick läge in der Bedienoberfläche - so ein System müßte einfacher sein, als eine Tabellenkalkulation zur Verwaltung der Daten zu benutzen.

Das Projekt erinnerte an die Flexibilität der Newton Data-Soup, bei der ein hierarchisch aufgebautes Dateisystem vermieden wurde. Man stelle sich ein E-Mail-Programm vor, bei dem alle Nachrichten in einer Datenbank herumliegen und Konstrukte wie Mailboxen lediglich bestimmte Abfragen wären. In einem solchen E-Mail-Programm würde das Hinzufügen von etwas Intelligenz zu den Abfragen zu einem System wie dem von dem CMU Team vorgeschlagenen führen.

<http://muffin.hss.cmu.edu/vwr/web/index.html>

inTouch -- Der Prototyp des inTouch Projektes der Tangible Media-Gruppe im Media Lab des MIT bestand aus zwei Kästen, die einige Holzrollen enthielten. Bewegte man die Rollen in dem einen Kasten, machte die korrespondierende Rolle im anderen Kasten die Bewegung nach. Zwei Personen, die die Kästen benutzen, können passiv die Manipulation der Rollen fühlen, die Rollen gemeinschaftlich bewegen, oder um den Zustand der Rollen kämpfen. Es ist nicht einfach, eine echte Anwendung für diese Art von Kommunikation, abgesehen von Spielen, zu sehen, aber Gebiete wie die Fernchirurgie in der Telemedizin oder die Fernsteuerung von Robotern könnten davon eines Tages profitieren. Außerdem ist es interessant, wie sich das Konzept des kooperativen Computings über das hinausentwickelt, was die Leute zu sehen und hören erwarten.

<http://tangible.media.mit.edu/projects/inTouch/inTouch.html>

CLIVE -- IBM zeigte CLIVE (Collaborative Live Interactive Voice Environment), eine Anwendung für den Kundendienst, mit einem sehr großen Nutzen. Als ein Netscape Plug-In implementiert, erlaubt CLIVE zwei Personen gleichzeitig eine Web Seite zu sehen und mit ihr zu arbeiten, während sie über das Telefon miteinander sprechen. Jede Person sieht den Cursor der anderen in einer bestimmten Farbe, so kann jeder sehen, was der andere tut. Beide haben eine Art Zeichenstift, um bestimmte Teile der Seite zu markieren. Alle Aktionen gehen über einen Proxy-Server, der als eine Art Verkehrspolizist agiert und für den Datenschutz sorgt. Ich war insgesamt sehr beeindruckt, einmal von der offensichtlichen Einfachheit und von dem Nutzen des Systems. Da Web basierende Schnittstellen immer komplizierter werden, kann die Möglichkeit, zwei Personen an der selben Web Seite arbeiten zu lassen, immer wichtiger werden.

Die Demonstration zeigte eine Situation, in der ein Anwender Unterstützung für die Bedienung einer Web basierenden Online-Banking-Schnittstelle braucht. Das Beispiel traf genau den Punkt, weil neulich Tonya und ich unsere Pensionskonten über das Web anpassen wollten und wir den Support anrufen mußten, weil wir die Terminologie nicht verstanden. Mit so etwas wie CLIVE hätte uns der Service nicht nur erklären können, was wir zu tun haben, er hätte es uns auch zeigen können. Eine neue IBM-Organisation, Corepoint, will offenbar die Vermarktung von CLIVE übernehmen.

<http://www.research.ibm.com/resources/magazine/1998/issue_2/cybercoll398.html>
<http://www.corepoint.com/products/products.html>

Ideen zu Meme -- Ein Aspekt der Konferenz, der mir gefiel, war der Schritt zurück in die Akademien, wo Ideen der Schlüssel zur Welt sind. Auch wenn nicht alle, die die Konferenz besuchten oder etwas präsentierten, Akademiker waren, kamen die Mehrzahl der Geschäftsleute doch aus den Forschungsabteilungen. Mein Kopf wimmelte von Möglichkeiten, nachdem ich mit Leuten geredet oder eine Demonstration gesehen hatte. Es ist egal, daß die Vorschläge grob waren, das Präsentationsmaterial öfters einer Überarbeitung bedurft hätte und sie Demos - selten ein verkaufsfähiges Produkt - zeigten. Das Schöne an einer akademischen Konferenz für jemanden wie mich ist, das ich praktische Gesichtspunkte völlig außer acht lassen kann und mich allein auf die faszinierenden Ideen konzentrieren kann - eine erfrischende Abwechslung gegenüber den total kommerzialisierten Industriemessen.


 

Übertragung dieser Ausgabe:
Heike Kurtz [HK] mail@heikekurtz.de, Arndt Roth [AR] arndt.roth@rz.hu-berlin.de, Toby Steininger [TS] toby@steininger.com, Angelika Vollmar [AV] angelika_vollmar@magicvillage.de, Harald Weichhart [HW] h.weichhart@medienschmiede.co.at, Sören Witt [SW] switt@ki.comcity.de

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